Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

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Donnerstag, 15. Juni 2017

Gewaltiges Fronleichnamsfest im kongolesischen Dschungel


Abend des Fronleichnamsfests! Die Sonne verschwindet hinter den Urwaldbäumen. Nun ist es wieder möglich, ohne Tropenhelm in der Wundernatur zu wallen. Die Prozession zieht aus der Kirche, glanzvoll und licht, in den stillen Abend hinaus unter frommem Sakramentsgesang.

Voran die Kinder weiß gekleidet, Blumen streuend, Palmen schwingend, Hosanna singend. Dann umringt von 32 Messdienern mit Rauchfässern, Schellen, Leuchtern, der Traghimmel, und unter ihm die Missionare mit dem Allerheiligsten. Es folgen 6000 Kerzenträger, Männer und Frauen. Der Zug geht durch die Palmenalleen zu dem Riesenaltar hin, der dort am Urwaldrand aufgebaut ist und im Glanz von 300 Ölfackeln strahlt. Nieder kniet im Lichtmeer die Menge, des Segens harrend, während aus der Dunkelheit drüben die Heidenaugen aufleuchten und sich fragen: „Was soll das bedeuten? Etwas Göttliches muss das sein!“

Woher haben alle diese Leute ihre Kerzen hier in Afrika?

Sie hatten mit einem portugiesischen Handelsmann einen Kontrakt geschlossen: „So und so viel Palmenkerne, Kopal und Elfenbein verschaffen wir dir, wenn du uns für Fronleichnam europäische Kerzen besorgst.“

Außer einem prächtigen Fest brachte mir das noch einen Vorteil: sie nahmen die Kerzenreste nicht mit nach Hause, sondern legten sie zusammen zu Füßen des Altares, um den Gottesdienst weiterhin zu verherrlichen.


(Aus: Joseph Fräßle, Meiner Urwaldneger Denken und Handeln, leicht angepasst)

Mittwoch, 24. August 2016

Bischof von Luxemburg: Missionsgedanke ist Rettung für glaubensöde Gebiete

Wappen von Bischof Philippe (von Daniel Erpelding)

Am 6. Januar 1936 feierte die Missionssektion des Luxemburger Priesterseminars den Gedenktag ihres 25-jährigen Bestehens. Der hochwürdigste Herr Bischof von Luxemburg, Msgr. Philippe*, benutzte die Gelegenheit zu einer bedeutsamen Missionsansprache bei der Festakademie im Seminar. Nachdem er lobend den Missionsgeist der Seminaristen, der alten Überlieferungen entspreche, hervorgehoben hatte, wies er auf die überragende Bedeutung der Missionspflege für die werdenden Priester hin, die ihre Missionsliebe, diesen Wesensbestandteil katholischen Lebens, einmal an das christliche Volk weitergeben müssten. Denn jeder Katholik sei zum Missionar bestimmt durch das Herrenwort: „Gehet hinaus und predigt den Völkern die Frohbotschaft.“

Gegen den zuweilen ausgesprochenen Einwurf, man habe bei uns in Europa genug zu bekehren und könne sich den Luxus nicht leisten, wertvollste Priesterkräfte für ferne Heidenländer freizustellen, wandte sich der Bischof mit der Entgegnung, dieser enge, „liberalistisch“-christliche Gedanke widerspreche sowohl dem weltweiten Wesen des Katholizismus als auch der Erfahrung. Diese lehre, dass der Missionsgedanke als Kraftquelle übernatürlichen Geistes und Opfermuts die Rettung sei für glaubensöde Gebiete der Heimat, und dass selbst dort, wo Priestermangel herrsche, durch die Förderung von Missionsberufen ungeahnter Gottessegen erblühe und auch die Zahl der heimatlichen Priesterberufe sich mehre.

Mit einem Hinweis auf die allzeit ruhmvolle Mitarbeit der Luxemburger Katholiken am Werk der Glaubensverbreitung und auf die Notwendigkeit der Förderung und Unterstützung der luxemburgischen Glaubensboten durch ihre Heimat schloss der Bischof seine begeistert aufgenommenen Ausführungen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1936)

* Msgr. Philippe war vor seiner Wahl zum Bischof Generalsuperior der Herz-Jesu-Priester, die selbst wichtige Missionsgebiete betreuten.

Samstag, 18. Juni 2016

Die Dankbarkeit im Kongo

Pater Joseph Fräßle S.C.J. berichtet über seine Mission im Kongo:

Der Negerdank, wo er ihrem Empfinden entspricht, bricht sich spontan durch. Als ich mit P. Wulfers einmal dessen ehemalige Mission Romee durchfuhr, kamen die Eingeborenen, sobald sie ihren alten Missionär erblickten, in hundert Kanus ans Schiff herangefahren, holten ihn herunter, führten ihn ins Dorf und trugen ihn über eine tausendköpfige, jauchzende Menge die Straße hinauf bis ans Ende der Ortschaft, und alles Volk schrie: „Unser Vater ist er und unser Lehrer, der beste Mensch, den die Erde trägt!“ Ein Baumkahn brachte ihn dann dem vorbeifahrenden Schiffe nach, während alles Volk am Ufer noch lange rief: „Du musst zu uns zurückkehren! Wir sind dein Volk!“


Ein über siebzig Jahre alter Mann ließ sich von seinen Enkeln vier Tage weit durch den Wald zu mir tragen:

„Ich habe gehört, du gehest zu deinen Brüdern heim“, sagte er zu mir. „Diese böse Botschaft ließ mir keine Ruhe: ich muss dich noch einmal sehen und dein Bild tief in mein Herz eingraben, damit ich es nie vergesse; denn du bist der Vater meiner Seele.“

Drei volle Tage saß nun der alte Mann auf dem Boden in meiner Empfangshalle und beobachtete mich, ohne mich aus dem Auge zu verlieren – seine Enkel sorgten ihm derweilen für Nahrung. Dann aber stand er auf, nahm meine Hand, drückte sie innig und lange, wie ich es nie erfahren hatte, schaute mir tief ins Auge und sprach: 

„Du hast meiner Seele Gutes getan. Durch dich bin ich Gottes Kind geworden. Das sollst du in Europa deinen Brüdern sagen und deiner Mutter und sie alle von mir grüßen. Wenn du aber wieder kommst, bring mir ein Kreuzlein mit, dass ich es anschaue, wenn ich bete, und sterbend es in Händen halte.“

(Aus: Fräßle, Joseph: Negerpsyche, Herder, Freiburg, 1926)


Mittwoch, 11. Mai 2016

Die Entbehrungen und Freuden des Afrikamissionars



„Große Opfer“, berichtet der Missionär [P. Joseph Fräßle S.C.J.] weiter, „verlangt das Apostolat in Zentralafrika. Schon das Klima setzt dem Europäer heftig zu. In den 20 Jahren der Missionstätigkeit am Kongoflusse haben Malaria, Schwarzwasserfieber und Dysenterie über 200 jugendliche Apostel jäh ins Grab gestürzt. Die Wohnungen bieten für gewöhnlich nicht den nötigen Schutz, und die Nahrung, die meistens aus Maniokwurzeln, Fischen und Bananen besteht, vermag den raschen Kräfteverfall durch das Tropenklima nicht zu hemmen.  Dazu bereitet die große Armut der Evangelisation viele Hindernisse. Hätten wir Mittel zum Reisen, fünfmal mehr Erfolge könnten wir erzielen.

Und wie steht’s nun mit meiner Missionsstation? Monatelang fuhr ich in meiner Piroge stromauf, stromab, um die Dörfer zu gewinnen. Oder es ging auf den engen Pfaden der Wilden, gebückt und in Schweiß gebadet, durch den Urwald, über Baumwurzeln und gefallene Waldriesen, über Termitenhügel und durch Ameisenprozessionen, durch Sümpfe bis unter den Arm, durch Bäche bis an den Kopf, sieben, acht, neun Stunden lang. Da winkt denn bald ein knurrender Gorilla mit dem Knüttel, oder eine Elefantenherde versperrte den Weg. Die Neger aber drohten anfangs in den Dörfern beim Absteigen mit Lanzen oder warfen brennende Holzscheite auf mein Fahrzeug oder liefen davon. Wo ich Zutritt erhielt, war erst eine Hütte der Wilden meine Wohnung. Im Freien fand Unterricht und Gebet statt, bis ich mit eigenen Händen einen Schuppen aus Pfählen und Blättern errichtet hatte. Verstand und Herz öffneten sich allmählich, als die Leute die Werke sahen, die die neue Lehre gebietet: Nächstenliebe und Barmherzigkeit. So mancher, der unter dem harten Joch von Häuptlingen oder Arabern gelitten hatte, schloss sich dem Missionär an. Sie wurden mit den aus der Sklaverei losgekauften Knaben erzogen und bildeten den Kern, aus dem die erste christliche Gemeinde immer mehr emporwuchs. Die vor fünf Jahren gegründete Mission zählt heute 1.800 Christen und 3.000 Katechumenen, in 32 Ortschaften zerstreut, wo wir sie alle 2–3 Monate besuchen und unterrichten, die heiligen Sakramente spenden und die Prüfungen über Wissen und Leben jener anstellen, die um die heilige Taufe bitten. Für die Erprobten beginnt die nähere Vorbereitung auf das Sakrament der Wiedergeburt. Und fließt dann das Wasser auf die Stirn der leiblich und geistlich aus Sklavenketten befreiten Armen, so vermischen sich oft die Freudentränen des Missionärs mit denen seiner glücklichen Kinder. In solchen Augenblicken sind alle Mühen vergessen, ist der Lohn überreich, und der Missionär wäre bereit, noch zehnmal größere Opfer zu bringen.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1912)


Samstag, 30. April 2016

Thereschen, ein Gotteskind

Pater Joseph Fräßle S.C.J. berichtet aus seiner Mission im Kongo (in Afrikanische Missionsgeschichtlein, Band I., 1926) :

Krüppel findet man bei unseren Eingeborenen selten, weil sie dieselben gleich nach der Geburt wegwerfen. Einer heidnischen Mutter in Basajo war es trotz allem geglückt, ihr krüppelhaftes Kind zu verstecken und am Leben zu erhalten; der Vater war zudem bald nach seiner Geburt gestorben; es bestand keine Gefahr mehr für des Kindes Leben.

Diesem armen Mädchen standen die Füße nach innen, die Arme nach rückwärts, als wären sie verkehrt eingesetzt; auch waren sie in den Ellenbogen steif, und die Händchen hatten nur zwei bzw. drei Finger. Das Kind konnte also die Hände nicht zum Gesicht erheben, keine Nahrung zum Munde führen; es faltete die Hände auf dem Rücken, nicht vor der Brust.

Man kann sich denken, wie bei wilden Heiden ein solches Wesen das Gespött der bösen Kinder war, wie es überall fortgejagt und geschlagen wurde. „Eine böse Hexe bist du, ein ganz abscheuliches Tier; wir werden dich schon einmal umbringen!“ So rief man ihm überall zu. Wie hat es oft tagelang bitterlich geweint, wochenlang im Dunkel der Hütte seiner Mutter sich verborgen.

Da brachte ich den christlichen Unterricht nach Basajo. Das Mädchen lauschte auf, als es hörte, Gott schaue nicht auf die äußere Gestalt des Menschen, sondern beurteile sie nach ihrem inneren Wert, der allein ihr ewiges Los bestimmt. Das war eine frohe Botschaft für das krüppelhafte Kind. Keinen Tag fehlte es im Unterricht, bis es durch die heilige Taufe den schönsten Seelenschmuck der Gnade und Gotteskindschaft sich erworben hatte. Glück und Frieden waren jetzt in sein Herzchen eingezogen. Es hieß von der hl. Taufe ab Thereschen.

Seelenschönheit zu erhalten und zu vermehren war von da ab des Kindes Streben. Je mehr die Menschen es „abscheuliche Kreatur“ nannten, umso mehr suchte es Gott wohlzugefallen. Und weil der Seelenadel und der Sieg über erniedrigende Begierden nur mit Hilfe der Gnade gelingt, betete das Kind nicht nur tapfer zu Hause, sondern es war auch jeden Morgen um sechs Uhr schon in der 7 km entfernten Missionskirche. Selbst das schlechteste Wetter konnte es nicht von diesem Kirchengang abhalten. Aber da zwang uns höhere Anordnung, den Werktagsgottesdienst schon um halbsechs Uhr abzuhalten. Wie bitter weinte da Thereschen! „Ach nun wird sie mir geraubt, die Kraftquelle und Freude meines Lebens, nach der ich mich sehnte Tag und Nacht, die heilige Messe! Denn so früh können meine Füße den Weg nicht machen, und meine krüppeligen Hände können kein flammendes Holzscheit schwingen, mit denen andere zur Nachtzeit die Leoparden bannen!“ Dafür kniete Thereschen jeden Samstag und Sonntag stundenlang in der Kirche: sie empfing die hl. Sakramente.

Als ich es einmal unter der Kirchentür traf, frug ich: „Sag mir, Thereschen, verspotten dich die Leute immer noch wie früher?“ „Vater, Menschen, die Unglückliche verlachen, wird es immer geben. Doch ich mache mir nichts mehr daraus; bin ich doch Gotteskind! Körperschönheit ist mir zwar versagt – auch die der anderen Menschen dauert nicht. Mögen sie Zeit und Mühe darauf verlegen, um Menschen zu gefallen – ich will lieber darauf bedacht sein, wie ich Gott gefallen könne. Wie fühle ich mich doch so glücklich, seit ich weiß, dass sein Vaterauge auf mir ruht, sein Vaterherz mich liebt. Er soll von mir sprechen dürfen: da hab ich ein geliebtes Kind; an ihm habe ich mein Wohlgefallen.“

Offensichtlich half Gottes Gnade unserem Thereschen von Tugend zu Tugend zu schreiten. „Schau,“ sagte es zu mir ein anderes Mal, „früher wurde ich zornig, habe geweint oder geschimpft, wenn mich die Leute verspotteten und schlugen; jetzt aber denke ich: lass die Menschen nur spotten! Die Schönheit, auf die sie stolz sind, wird auch ihr Ende haben, vielleicht stehen sie dann noch elender da als ich, falls sie die Arbeit an ihrer Seele vernachlässigt haben. Ich schweige jetzt, suche meinen Zorn und meine Empfindlichkeit zu besiegen: jeder Sieg bringt übrigens Seelenstärke und Freude. Auch rufe ich mir immer wieder ins Gedächtnis zurück: Nur so viel ist der Mensch wert, als er in Gottes Augen gilt. Denke ich aber erst an unseren lieben Heiland, wie er verspottet, geschlagen und gekreuzigt worden ist, dann freue ich mich, wenn ich durch solche Leiden ihm ähnlich sein darf. Ich gebe mir Mühe, meinem Erlöser zu zeigen, dass ich ihn lieb habe: Ich schweige und dulde wie Er, und mit Ihm opfere ich meine Leiden dem himmlischen Vater auf für die Rettung der Heiden und Sünder. Kann es etwas Schöneres geben für ein Christenkind, als wenn es durch Leiden seinem gekreuzigten Heiland ähnlich ist?“

Sonntag, 17. April 2016

„Vater meiner Seele, der liebe Heiland lässt mir keine Ruhe mehr“

Die ersten einheimischen Priester von Belgisch-Kongo


Pater Joseph Fräßle S.C.J. berichtet aus seiner Mission im Kongo (in Afrikanische Missionsgeschichtlein, Band I., 1926) :

Schon lange hatte ich bemerkt, wie der elfjährige Andreas X. oft in stillen Stunden in der Nebenkapelle unserer Kirche allein vor dem Bronzekruzifix kniete, das wegen seiner braunen Farbe die Urwaldkinder weit mehr anzieht als andere. „Hier sehen wir so recht, dass der liebe Heiland unser Bruder ist“, sagen sie.

Stundenlang kniete Andreas da mit erhobenen Händen und zum Kreuz gerichteten Augen, indes sein ganzer Körper sich nach vorwärts und zum Heiland hinauf erhob; seine Lippen bewegten sich in emsigem Gebet, bis helle Tränen ihm über die braunen Wangen perlten.

Oft erbaute ich mich heimlich an der Andacht dieses Knaben und frug mich selber: Was mag wohl aus diesem Kinde werden, das die Liebe Christi so sehr erfasst hat? Eines Abends nun kam Andreas befangen aber freudig in meine Empfangshalle, und kniend sprach er: „Vater meiner Seele, der liebe Heiland lässt mir keine Ruhe mehr.“ „Wie? der Heiland! Das kann nicht sein! Er hat ja gesprochen: Kommt alle zu mir; ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen.“ „Du verstehst mich nicht, Vater! Der Heiland ruft, ruft bei Tag und Nacht; bald schlafe ich nicht mehr wegen dieses Rufens.“

Schon dachte ich an Samuel. „Was spricht der Herr? Wie lautet die Stimme in deines Herzens Mitte?“ „Sie spricht: Geh zu deinem Priester! Frage ihn, ob nicht auch ein Negerknabe Priester Gottes werden dürfe, um seine Stammesbrüder alle dem Erlöser zuzuführen! Hast du nicht selbst so zu uns einmal geredet?“ „O Kind, du hörst die Stimme einer hohen Gnade; sie kommt aus dem Erlöserherzen selber, kündet seiner Liebe unbegreifliche Erwählung. Doch wir müssen warten, ob sie sich auch ferner hören lässt. Wenn ja, dann will ich dich hingeleiten auf den Weg, der dich zum Altar führen wird. Beten wir, bis des Herrn Wille sich uns klarer kund tut.“

Monate vergingen. In der Seitenkapelle kniete Andreas alltäglich in der geschilderten Andacht. Da kam er eines Abends wieder zu mir. „Vater meiner Seele,“ sprach er, „jetzt ist es Zeit! Zeige mir den Weg! Heftiger als je pocht es in meiner Brust und ruft es: Folge mir!“

An eben diesem Tag war ein Schreiben meines Bischofs eingetroffen: Dem Wunsche des Heiligen Vaters gemäß soll versucht werden, ein Eingeborenen-Seminar zu gründen. Wer fromme und talentierte Negerknaben kenne, die vielleicht Beruf zum Priesterstand haben könnten, mögen dieselben schicken. Wunderbare Gottesfügung!

Mit dem ersten Schiff, das abging, fuhr Andreas zum Bischof, trat in das neue Knabenseminar ein, wurde der beste Student, sprach in wenigen Jahren tadellos Latein und wird mit Gottes Gnade bald der erste schwarzer Priester unserer Mission sein.

Donnerstag, 14. April 2016

Der kleine Karl aus dem Kongo verteidigt die Gottesmutter


Pater Joseph Fräßle S.C.J. berichtet aus seiner Mission im Kongo (in Afrikanische Missionsgeschichtlein, Band I., 1926) :

Im Dorfe Jamokonga am Kongostrand besitze ich ein Kirchlein aus Pfählen und einem Blätterdach darüber. Der Altar besteht aus vier Pfählen, auf denen grob zugehackte Bretter liegen. Über demselben hängt an der Lehmwand ein schönes Madonnenbild, „Maria, die Hilfe der Christen.“

Als an einem Sonntagnachmittag meine 120 dortigen Christen und die Taufschüler des Dorfes im Kirchlein den Rosenkranz zusammen beteten, kam ein Baumkahn voll singender Ruderer rasch über den Strom daher gefahren. Am Ufer vor dem Kirchlein legte er an, und es entstieg ihm ein Europäer. Dieser trat sofort auf die Kirchtür zu, blieb dort stehen und rief hinein: „Ha, da sind die, die eine Frau anbeten!“ Dann klatschte er die Ruderer zusammen und rief die Heiden des Dorfes herbei, trat wieder vor die Kirche und rief: „Schaut da die Frauenanbeter, und lacht über sie!“ Er meinte, damit katholische Religion wegen der Marienverehrung in den Augen dieser Heiden verächtlich machen zu können, weil bei ihnen die Frau ehrlos und rechtlos ist, nicht als Mensch gilt, gar sehr verachtet wird.

Den Christen kochte es in den Adern: sie stürzten heraus, umringten den Weißen, durchbohrten ihn mit ihren zornigen Blicken und alsbald pflanzte sich diesem Engländer gegenüber ein zehnjähriges Negerbüblein auf, das ihn nun keck anredete:

„Weißer, hast du auch eine Mutter, oder hat dich ein Hund geboren? Was sagst du dazu, wenn ich deine Mutter schmähe?“ „Probiere das einmal, du dreckiger Knirps! Dann haue ich dich mit diesem Stock in Stücke!“ „Wie, totschlagen willst du mich, wenn ich deine Mutter schmähe? Meinst du etwa, Jesus Christus, der Gottessohn hochgelobt ihn Ewigkeit, dessen Mutter wir ehren, den du aber abscheulich geschmäht hast, Er könnte, wenn Er einmal dein Richter sein wird, nicht auch einen Stock haben und dich in Stücke schlagen, wenn du seine Ihm liebe Mutter Maria beschimpfst, wo sie doch aller Ehre und Liebe würdig ist? Ersäufen wird Er dich wie eine Hundsgeburt in dem feurigen See, der Hölle heißt. Wir werden es sehen und wir werden rufen: Recht so! Denn Maria, die allerseligste Jungfrau, ist auch unsere, der Christen Mutter, und wir lieben sie, weil es auf der ganzen Erde keine Mutter gibt, so lieb, so gut, so fleckenlos und rein.

 – Und wie frech du lügen kannst! Hast du denn keine Ohren, um zu hören, was doch alle Leute hören? Haben wir etwa gesagt: Maria, Gott bist du, unser Schöpfer, unser Richter: wir beten dich an? oder haben wir nicht viel mehr gesprochen: Maria, Mutter, bitte für uns? – Kommt, christliche Brüder und Schwestern, lasst uns in die Kirche zurückgehen und weiter beten! Der Weiße soll hören und sich seiner Lüge schämen.“

Die Christen drängten in das Kirchlein zurück. Mit silberheller Stimme begann der Knabe vorzubeten: „Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeit unter den Weibern…“ Begeisterter als zuvor fielen alle Christen ein: „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder…“

„Lokuta te = das ist keine Lüge!“ schrien nun alle Heiden, die vor der Kirche draußen neben dem Europäer standen. „Die Wahrheit ist es, was der kleine Karl gesagt hat! Sie ehren die Mutter des Erlösers, lieben sie wie ihre Mutter und erflehen ihre Fürbitte. Dein Wort aber, Europäer, entspricht nicht der Wahrheit!“


Der Engländer kehrte enttäuscht in seinen Baumkahn zurück und rief seine Ruderer zur Abfahrt. Unterdessen hatten die Christen ihren Rosenkranz vollendet, traten auf den Kirchplatz heraus, umklatschten ihren tapferen Wortführer und riefen: „Karl, du hast brav gesprochen, und der Geist der Kraft hat dich beseelt! Du hast den Heiland und uns erfreut, weil du seine und unsere Mutter verteidigt hast! Wer Maria schmäht, der hat es mit uns zu tun! Wir aber wollten doppelt treu zur guten Mutter unseres Erlösers stehen; denn ihr edles Vorbild macht uns zu wahren Christen.“

Freitag, 8. April 2016

Eifer für das Gotteshaus im Kongo


Pater Joseph Fräßle S.C.J. berichtet aus seiner Mission im Kongo:

„Beim heutigen Wolkenbruch habe ich gesehen, wie ein paar Regentropfen durch das Dach eurer Kirche auf den Altar fielen. Liebe Leute, das darf nicht sein! Bessert das Dach aus und haltet eure Kirche Gottes würdig; denn er ist groß und heilig, und ihm gebührt Ehre.“

So hatte ich in Yambumba zu den Christen gesprochen und fuhr nun weiter flussaufwärts. Nach zwei Monaten glitt mein Einbaum am anderen Ufer hinab, und ich glaubte schon den Yambumba-Leuten unbemerkt entkommen zu sein. Da entstand Gejubel und Gongklang in ihrem Dorf, und herüber auf mich schossen ein Dutzend Kanus. „Du wolltest uns entfliehen? Wohl wegen dem Kirchendach? Glaubst du, das geht bei uns? Unser Auge beherrscht das Wasser. Wir haben dich nun! Du musst mit uns ins Dorf. Du musst die neue Kirche einsegnen!“ „Euer neues Kirchendach, wollt ihr sagen? Dafür kann ich nicht aussteigen! Ich muss heute nach Ilongo.“ Sie aber zogen meinen Einbaum an sich heran, sprangen hinein und ruderten mich dorfwärts ans Ufer, etwa 1 ½ Kilometer weit. Ich erklomm die Uferhöhe. Welch ein Leben! Tausend Hände waren an der Arbeit. Die einen ebneten den Boden, schafften Arbeitsreste fort; andere bemalten die Kirchenwände in sechs verschiedenen Farben mit Kreuzchen, Spitzen- und Blumenformen usw.; andere zimmerten den Altar, wieder andere suchten vielgestaltige Kieselsteinchen und stampften sie in den weichen Lehm des Bodens zu Mosaikgebilden. 


Wie staunte ich! In zwei Monaten hatte ein Geist, der in vierhundert Köpfen lebte, eine Pfarrkirche hervorgezaubert, und ich blieb natürlich, um sie einzuweihen, damit die Freude der Leute voll wäre. Yambumba hat die schönste Kirche am Lohali. Das ließ sich nicht jedes Dorf sagen. Auch sie ersetzen die alten Kirchen durch schöne neue. Es ging um die Wette, wer dem Herrn ein schöneres Gotteshaus erbauen könne.

(Aus: Joseph Fräßle, Meiner Urwaldneger Denken und Handeln)


Mittwoch, 6. April 2016

„Hört ihr’s, meine lieben Christen, der hochwürdigste Bischof zweifelt an eurem Wissen“


Pater Joseph Fräßle S.C.J. berichtet aus seiner Mission im Kongo:

Der hochwürdigste Missionsbischof kam, um die heilige Firmung zu erteilen. Die Christenmenge drängte sich auf allen Wegen und Arbeit gab es grenzenlos die ganze Woche vorher.

„Können alle diese Leute auch den Katechismus?“ frug der hohe Herr. „Hört ihr’s, meine lieben Christen, der hochwürdigste Bischof zweifelt an eurem Wissen.“ „Was tut er? Wir wollen es ihm zeigen! Wo sind unsere Katechisten? Wo bist du, Albert, du Leo, du, Karl?...“ So riefen alle durcheinander. „Kommt her, Brüder, wir stellen uns den Dörfern nach auf, jedes Dorf zu seinem Baba [Vater = Pater], und wir sagen die ganze Religion her. Der Bischof soll hören, ob wir was wissen.“ Bald standen die Christen von achtzig Dörfern in kurzen Abständen in den Alleen der Mission. Jung und Alt, Männer, Frauen und Kinder schrien Katechismus, Gebete und Lieder herunter, alles, was zwischen den Buchdeckeln stand; jedes Dorf suchte das andere zu übertönen und die Sache schneller herunterzuschmettern. „So was habe ich noch nie erlebt“, sprach Seine Gnaden. „Nie hätte ich das für möglich gehalten.“


(Aus: Joseph Fräßle, Meiner Urwaldneger Denken und Handeln)

Mittwoch, 29. Juli 2015

Der Missionar – ein freiheitsliebender Abenteurer?


Man hat mir schon gesagt. „Euch ältere Missionäre zieht der Drang nach Freiheit in die Mission zurück.“ Freiheit? Gewiss, frische Luft atmen wir dort den ganzen Tag, nicht die verdorbene zwischen vier Wänden. Auch kann Eifer und Tatendrang, weil ungehemmt, dort Großes leisten – dem Bürokratismus sind die Tropen zu schwül. Im Übrigen aber befolgen wir von morgens halb fünf bis abends 10 Uhr eine straffe, anstrengende Tagesordnung: da fehlt keine Übung des religiösen Lebens – nur die nötige Erholungszeit! Unterricht und körperliche Arbeit folgen sich tagsüber, und die Nachtruhe wird meist noch gestört, weil die Schwarzen den Missionär als Arzt und Priester zu jeder Zeit und für jede Kleinigkeit rufen, nicht bloß in Lebensgefahr; an ihm daraus erwachsende Gefahren denken sie nicht.

Die zweite und dritte Ausreise fällt dem Glaubensboten meist schwerer als die erste, wo noch der Reiz der Neuheit und Erwartung ihn trägt. Was aber zieht ihn dennoch wieder in die Mission zurück? Er hat das Elend der Heiden geschaut und ein mitleidsvolles Herz glüht darum in seiner Brust. Hunger und Durst nach der erlösungsbringenden Lehre hat er bei den Naturvölkern gefunden, begeisterte Liebe für Christus und heldenhaften Opfersinn in Erfüllung ihrer Christenpflichten, dazu eine kindliche Anhänglichkeit und tätige Dankbarkeit für ihren Missionär, der ihr Seelenretter und Bringer wahren Glückes ist. Solche Gesinnung ist es, die anzieht.


(Aus: Fräßle, Joseph: Negerpsyche, Herder, Freiburg, 1926)

Sonntag, 26. Juli 2015

„Für die Missionen gut genug“


Pater Joseph Fräßle S.C.J. (1878–1929), 15 Jahre Missionär im Kongo, berichtet:

„Eines Tages wurde ich auf einen Kirchenspeicher geführt. Da lagen am Boden drei verblichene, verschlissene Kirchengewänder. Ich schaute sie an. ‚Wollen Sie diese haben? Wir hier können sie nicht mehr gebrauchen, für die Missionen aber sind sie gut genug. ‚Danke, nein!‘ entgegnete ich. ‚Eine Kirche, die in solchen Lumpen den scharf beobachtenden Augen eines Naturvolkes sich zeigte, fände wenig Anklang. Gottes Ehre fordert übrigens auch in Afrika geziemenden Kult, und ein solcher nur bietet dem Missionär die nötige Kraftquelle. Ein feierlicher Kult lässt der Heiden Augen aufleuchten, erfasst ihre Seelen, führt sie der Religion zu.‘

Was jener Herr ausgesprochen hat, ist leider vielfach Europa-Mentalität und gilt nicht bloß von der materiellen Unterstützung; ich hörte anderswo sogar sagen: ‚Nur mindere und missliebige Elemente schicken wir an die Missionsfront übers Meer.‘

Da braucht man sich ja gar nicht mehr zu wundern, wenn die Christianisierung der Welt so langsam voranschreitet. Wie nur konnte eine solche Mentalität in Europa aufkommen? Kulturstolz trägt die Schuld daran. Wie auf Tiere schauen viele Weiße auf andere Rassen herab, haben kein Verständnis, gar keine Liebe für sie. Weil sie ihr Elend nicht kennen, regt sich auch kein Erbarmen in ihrer Brust; und weil sie die großen geistigen und materiellen Schwierigkeiten nicht ahnen, auf welche die Evangelisation bei einem ganz anders denkenden und in ganz anderen Verhältnissen lebenden Volk stößt, meinen sie, es genüge, der heiligen Kirche für die Heidenmission das zu bieten, was Europa nicht brauchen kann, manchmal unbekümmert darum, ob es möglich ist, Christi letzten Auftrag und Herzenswunsch zu erfüllen. Ich hingegen meine: Neues Ackerland und wilder Boden verlange die besten Pflüge und die stärksten Rosse!

Wer als Missionär hinausgeschickt zu werden wünscht, sollte erst auf die Reinheit seiner Absicht geprüft werden, dass er nicht etwa einer Mission gar zur Last falle und andere in ihrem Wirken hindere. Nur wen Christi Gedanken tragen und treiben, durch hartes Leben, Leiden und Sterben Seelen zu retten und zu beglücken, soll in Länder hinaus, wo Leiden und Entbehrungen tägliche Nahrung sind und nur ein Leidensjünger glücklich ist. Wer andere Beweggründe hat, bliebe im Interesse der Sache und zum eigenen und seiner Mitarbeiter Glück besser daheim.“


(Aus: Fräßle, Joseph: Negerpsyche im Urwald am Lohali, Herder, Freiburg, 1926)

Donnerstag, 28. Mai 2015

Ruf zu Maria aus den Tiefen des kongolesischen Dschungels


P. Joseph Fräßle S.C.J. war von 1905 bis 1920 Missionar im Kongostaat und schrieb mehrere wertvolle Bücher, darunter Meiner Urwaldneger Denken und Handeln (hier bei ZVAB), das ich nur empfehlen kann. Daraus nachfolgend eine kurze Betrachtung zum Rosenkranzgebet auf einer Missionsreise durch den Urwald:

Den Rosenkranz zu beten, solange der Pfad es gestattet, ist Reisegewohnheit. „Wir beten auch mit“, sagten die Träger, und zogen den ihrigen vom Hals, wo sie ihn gewöhnlich tragen, um ihren Glauben zu bekennen und weil sie keine Taschen haben. „Wir können keinen Rosenkranz in der Hand halten“, riefen die Pfadöffner [die das Buschwerk mit Messern niederhauen]; „zählt ihr für uns, wir sprechen mit.“

So lass dich von uns grüßen, du unbefleckte Jungfrau und Mutter Maria, voller Gnade und Geheimnisse, droben im unerreichbaren Licht des Himmels; grüßen von uns kleinen Menschenkindern, die da seufzen in des wirren Urwalds Tiefe. Hilf uns empor aus Dunkelheit, Sumpf und Gefahren, hinauf zu Christus, dem beglückenden Licht. Du Gebenedeite unter den Weibern! Sei du der einzige Weg zu Jesus diesem Volk, das so tief gesunken ist, weil es die Würde der Mutter und Frau verkannt hat! Höre, wie die Erstlinge des Landes dich bitten für ihre Brüder, dass sie recht bald erkennen möchten Jesum, der auch für sie geboren wurde, lehrte, litt und starb! Trägerin des allmächtigen und allweisen Wortes, hilf mir es zu diesem Volk tragen, dass ihm Erlösung werde und Licht und Ordnung und Glück! O du Mutter-Königin der Kirche auf Erden und in der Himmelshöhe! Aus allen Völkern und Sprachen und Farben muss ein einziges Gottesreich erstehen, einig im Glauben und rein in den Sitten!

Samstag, 19. Oktober 2013

Die Maristen bei den Kannibalen in Melanesien (Teil 2)

 
Krieger mit Kanu auf den Salomonen (1895)

Fortsetzung von hier

Nach der Bestattung ihres Bischofs kehrten die Glaubensboten nach Süden zur Insel S. Cristobal zurück; hier versuchten sie, in der Bai von Makira an der Westküste sich niederzulassen. Alles schien gut zu gehen, da fiel als zweiter in der langen Reihe der Opfer der Salomonen P. Crey, ein jugendlicher Missionär, am Fieber. Und nun folgte Schlag auf Schlag. 

Am 20. April 1847 brachen zwei Patres und ein Laienbruder ins Innere auf. Plötzlich wurden sie überfallen und aufgefressen. Kurze Zeit nach der grauenhaften Szene traf der zweite Apostol. Vikar Collomb auf der Insel ein; er veranlasste die übriggebliebenen Missionäre, nach der Insel Woodlark überzusiedeln, wo sich günstigere Aussichten boten. 
Kaum angekommen, raffte das Fieber den Bischof hinweg, ihm folgten noch einige der Patres nach. Es schien, als wäre die Stunde der Bekehrung für die Salomonen noch nicht gekommen. Rom berief die unglücklichen Glaubensboten ab.

Die Priester des eben begründeten Mailänder Missionsseminars boten sich nun an, das verlassene Arbeitsfeld zu übernehmen. Es wartete ihrer das gleiche Los. Nachdem viele Glaubensboten vom Fieber und den Lanzen der Wilden dahingerafft waren, musste der Rest der Missionäre unverrichteter Dinge heimwärts ziehen. Noch 40 Jahre blieben die Salomonsinseln in der tiefen Nacht des Heidentums.

1897 überwies die Propaganda von neuem den Maristen die Inselgruppe, die inzwischen den Herz-Jesu-Missionären zugeteilt war. Sofort wurden zwei Apostol. Präfekturen gebildet; die eine umfasste die nördlichen deutschen Eilande, die andere die englischen im Süden. Da Deutschland einen Teil seiner Inseln an England abtrat, gehört zur Präfektur der nördlichen Salomonen heute deutsches und englisches Gebiet.

Zum ersten Apostol. Präfekten der südlichen Inseln wurde der Apostol. Vikar der Viti-Inseln (Fidschi) ernannt; schon im Mai 1898 gründete er mit drei Missionären eine Station auf der unbewohnten Insel Rua Sura an der Ostseite von Guadalcanal. Mit Forschungsfahrten längs der Küsten begann die Tätigkeit der Glaubensboten. (…) Sehr langsam ging es voran. 

Wiewohl die Zahl der Stationen schnell vermehrt worden war, zählte man 1907 erst 600 Christen, davon war etwa die Hälfte in Missionsschulen erzogen. Auf der Insel Maran konnte man z.B. erst nach fünfjähriger Tätigkeit die erste Taufe spenden. 

Wie viele Opfer diese Erfolge gekostet, lehren die Annalen der Mission mit ihren Berichten von Schiffbrüchen, Überfällen und Krankheiten. In den letzten Jahren geht das Bekehrungswerk schneller von statten. „Von allen Seiten“, so schreibt ein Missionär, „kommen jetzt Gesuche um Priester und Katechisten. Fünf Stationen bestehen auf Guadalcanal, je eine auf S. Cristobal, der berüchtigten Insel Malaita und Neu-Georgien. In Rua, Sura, dem Zentrum der Mission, ist eine Katechistenschule eingerichtet worden, deren 15 Zöglinge uns bald bei der Glaubensverbreitung wertvolle Dienste leisten wollen.“

Im Oktober 1910 erhielt die Mission auch ihre erste Steinkirche in Visale. In Gegenwart des englischen Residenten, eines Protestanten, wurde sie zu Ehren des heiligen Herzens Jesu eingeweiht unter großem Zulauf des Volkes. Da die südlichen Salomonen bereits 1911 2079 getaufte Katholiken zählten und für die Zukunft eine reiche Ernte versprachen, wurden sie 1912 zum Apostol Vikariate erhoben.

Noch langsamer als auf den südlichen Inseln entwickelte sich das Bekehrungswerk auf der nördlichen Gruppe. Zum ersten Apostol. Präfekten wurde 1897 der Apostol. Vikar der Samoa-Inseln, Bischof Broyer, ernannt, der sich alsbald nach Europa begab, um neue Hilfskräfte, namentlich deutsche, zu holen. Mit den Patres Estienne, Flaus und Englert sowie einigen samoanischen Katechisten gründete er 1899 auf dem kleinen Eiland Poporag, das zu der Shortlandgruppe gehört, die erste Station. 

Schon im folgenden Jahr wurden diese und alle Inseln südlich von Bougainville von Deutschland an England abgetreten. Die Missionäre entschlossen sich, fürs erste alle Kräfte auf die beiden deutschen Inseln zu verwenden. Doch ließen sie Poporag als Zentralstelle bestehen. Die Errichtung weiterer Stationen verzögerte das unerwartete Hinscheiden mehrerer Missionäre. 1901 entstand auf Bougainville am Meeresufer bei einer dicht bevölkerten Ebene die Station Kieta. 

Kaum begründet, musste man sie zeitweilig wegen der Überfälle der Wilden, bei denen zwei Kinder ermordet wurden, verlassen. 1904 kaum Buin hinzu; hier zwang der Tod des Missionärs zu vorübergehender Aufgabe. 1907 entstand dann Koromira und 1910 die ersten Station auf der Insel Buka.
Auch auf den nördlichen Salomonen war zunächst an Bekehrung der Erwachsenen nicht zu denken. Unter unsäglichen Mühen zogen die Missionäre auf ihrem Schiff längs der Insel und suchten gegen Geschenke Kinder für die Schulen der Patres und Schwestern zu werben. 

Auch heute bilden die Schulen noch immer den wichtigsten Teil der Arbeit, wenn auch durch den Einfluss der Glaubensboten und der Bekehrten sich bereits ein Umschwung in den rohen Sitten bemerkbar macht. Wie langsam das Werk der Glaubensverbreitung vorangeht, zeigt die Tatsache, dass Poporag 1903 erst 9 getaufte Jünglinge und 14 Mädchen aufwies. Angesichts solcher Umstände wird man es zu würdigen wissen, wenn die ganze Präfektur 1911 schon 740 Katholiken zählte; auf den 5 Stationen widmen sich gegenwärtig 12 Missionäre, 5 Brüder und 9 Schwestern dem Bekehrungswerk. Die Schulen werden von 257 Kindern besucht. Gegen 100.000 Heiden, wo von etwa 70.000 auf deutschen Inseln leben, warten auf den nördlichen Salomonen noch der frohen Botschaft.


(Aus: die katholischen Missionen, 1913)

Dienstag, 17. September 2013

Kirchweih am Kongo


„Ein großes Werk steht vollendet da“, schreibt P. Josef Fräßle S.C.J., ein geborener Badener, aus der Mission von Basoko (Belgisch Kongo). „Über eine Million Backsteine hatten unsere schwarzen Waisenbuben mit Ameisenfleiß aus dem Lehm mächtiger Termitenhügel in kleinen Holzkisten geformt, in langen Blätterschuppen getrocknet, zu einem Riesenziegelofen aufgetürmt und mit einer in den durchziehenden Gängen acht Tag unterhaltenen Holzfeuerglut gebrannt.

Hölzerne Winden, aus Baumstämmen eigens dazu zusammengefügt, hatten mit armdicken Lianen schwere Felsblöcke aus dem Aruwimifluss gehoben, die zu Fundamenten gelegt worden waren, und auf diesen hat sich in jahrelanger Arbeit die Kirche aufgetürmt in gotischem Baustil, 52 Meter lang, 12 bzw. 16 Meter breit, 14 Meter hoch, bei einer Mauerstärke von 2,40 Meter.

Zwar sind die stattlichen Türme noch nicht ausgebaut, und ein kundiges Auge wird manchen architektonischen Fehler entdecken – hat ja kein Architekt  den Plan entworfen und über seine Ausführung gewacht. Schreiber dieses war selber Bau- und Maurermeister zugleich, und seine Waisenbuben waren die Handlanger. 
Dennoch macht dies größte Bauwerk am Aruwimi- und Kongostrom einen überwältigenden Eindruck und erntet Lob von jedem, der es sieht. Unserem Missionsbischof rang es bei seinem Anblick das Wort ab: ‚Meine schönste Kirche, die schönste Kirche am Kongostrom‘; die Schwarzen aber sagten: ‚Groß ist der Pater, der so baut, und groß sein Gott, dem er solch ein ewiges Haus errichtet.‘

So nahte denn der Tag, an dem unser verehrter Missionsbischof seine erste Kirchweihe halten sollte, der Freudentag für mich, der ich, einst allein hier, die Fundamente gelegt und gesegnet, für meine Amtskollegen, die mir seit ihrer Ankunft wacker arbeitend zur Seite gestanden mit Winkelmaß und Kelle, der Jubeltag für meine Schwarzen, die nach ihren Worten allein die Kirche gebaut haben.
Alles stand bereit und harrte des großen Tages: dort der Altar in glänzender Pracht, überragt vom Kalvarienberg mit dem wunderschönen Christus, in der Mitte das Tabernakel, in das nun bald der liebe Heiland einziehen wird, um stetig bei uns zu weilen; auf der Emporbühne das noch schweigende Harmonium, in den Türmen die noch stummen Glocken: alles Gaben guter Seelen in der Heimat.

Schon zweifelten wir, ob der geschwächte Gesundheitszustand dem hochw. Bischof die weite Reise erlauben würde. Welch ein Jubel darum, als das Schiffsignal ertönte, und ein Knabe auch schon daherstürzte mit der freudigen Kunde. Ein Wort nach links und eines nach rechts, und fort war ich, den Bischof zu empfangen und zur Mission zu geleiten.
 Noch hatten wir nicht die Hälfte der Allee zur Mission hin zurückgelegt, da nahte auch schon die von meinen Kollegen angeführte Prozession unserer Christen, voran 300 fahnentragende Kinder in besten Kleidchen von wohltätigen Händen: ein Anblick, der den Bischof zu Tränen rührte. Der erste Segen ward gespendet.

Dann schlossen wir uns der Prozession an, die, das Magnifikat in der Sprache der Eingeborenen singend, zur Kirche zog. Da – es erstarrten plötzlich aller Stimmen – klangen von den Türmen aus zum ersten Mal die ehernen Glockenstimmen über die Dörfer und Ströme in die Urwälder, nie gehörte Laute, die keinen Wilden mehr in seiner Hütten ließen. 
Alles hin zur Kirche und hinein, soviel sie nur zu fassen vermag. An dem lebensgroßen Christus konnten sie sich nicht sattsehen. Die Kunde von ihm drang durch die Wälder, und von über fünf Tagen im Umkreis her kamen sie zu schauen. ‚Er lebt‘, sagten die einen. ‚Nein, er hing schon gestern so.‘ – ‚Doch, er lebt, schau seine Augen.‘ – ‚Pater, warum hast du diesen Häuptling der Weißen an diesen Baum gehängt? Lass ihn herab.‘ (...) So sprachen sie untereinander, und auf ihre tausend Fragen musste ich Antwort geben. Es dringt die Kenntnis des wahren Gottes, die Kunde vom lieben Erlöser unter die Heiden.

In frühester Morgenstunde riefen Glockengeläute eine unzählige schwarze Menge herbei, in weiten Reihen standen die Christen um das Gotteshaus, dahinter die Heiden, endlos und atemlos.
Es erscheint der bischöfliche Zug, voran 20 schwarze Messdiener in roten und weißen Kleidern. Dann beginnen die erhebenden Zeremonien der Kirchweihe, die Segnung von außen, die Pforten öffnen sich, die Weihe im Innern, die Prostration, die Weihe des Altars und endlich das erste Pontifikalamt in unserer Mission, bei dem all unsere Christen, von der glücklichen Akustik des Gotteshauses hingerissen, kräftig das Ordinarium missae ausführen.
Zum Schluss gaben wir jedem unserer Christen eine Medaille als Gedächtniszeichen an dieses einzige Fest.

Leider musste der hochw. Herr auf die weitere Teilnahme an der Feier verzichten; ein schweres Fieber, die gewöhnliche Folge solcher Anstrengungen hierzulande, band ihn ans Lager.
Nun noch einen Blick auf die Frucht dieser Feier, auf die Wirkung des Gotteshauses unter den Heiden. Der Tag brachte uns 1200 neue Katechumenen, die Kirche ist selbst für das Morgen- und Abendgebet wenigstens zu zwei Drittel angefüllt. 
Unter den älteren Katechumenen entbrannte neuer Eifer, so dass wir das Jahr nicht mehr mit 300 Taufen, sondern mit 600 abschließen werden. Derselbe Eifer zeigt sich auch unter den Christen, bei denen der Sakramentenempfang sich verdreifacht hat.

All dies geschaffene Gute ist die Arbeit guter Missionsfreunde der Heimat; ihnen wird Gott auch den Lohn spenden. Darum bitten mit dem Missionär seine bekehrten Heidenkinder: Mögen diesselben meiner auch fernerhin nicht vergessen!


(Aus: die katholischen Missionen, 1913)