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Donnerstag, 12. November 2015

Die Mission in Island (Teil 2)

Die katholische Kathedrale von Reykjavik, die Christ-König-Basilika. Bei ihrer Einweihung 1929 war sie die größte Kirche des Landes. (Quelle)

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Eine unlängst zur katholischen Kirche übergetretene Dame hatte keine Ruhe, bis sie das römische Missale (das Messbuch des Priesters) durch einen des Lateins kundigen Protestanten hatte untersuchen lassen. Sie hatte nämlich immer gehört, dass der Priester bei der heiligen Messe über das anwesende Volk durch gewisse Zaubersprüche und Beschwörungsformeln den Fluch herabrufe. Nun konnte sie sich selbst überzeugen, wie sehr das gerade Gegenteil der Fall war.

Die tiefgewurzelten Vorurteile gegen die katholische Kirche erklären dann auch das Aufsehen und den Schrei der Entrüstung, der sich vorläufig noch fast bei jeder Konversion erhebt. Der „Unglückliche“ wird als Apostat betrachtet und dementsprechend selbst von den eigenen Eltern und Geschwistern behandelt. Es braucht wirklich Mut, um trotzdem den Schritt zu tun. Gott sei gelobt, fehlt es nicht an solchen mutigen, großherzigen Seelen. Übrigens wird die feindselige Stimmung in dem Maße schwinden, wie die noch recht kleine Zahl isländischer Katholiken wächst.
Die Hauptaufgabe der Mission besteht vorläufig darin, den Schutt der alten Vorurteile langsam wegzuräumen, und in dieser Hinsicht ist der Erfolg handgreiflich. Die arme kleine Kapelle ist jeden Sonntag angefüllt und kann oft die Leute nicht fassen. Der Isländer ist sehr wissbegierig, und diese Wissbegier oder Neugier füllt die Kirche. Man will sehen, was dort vor sich geht, und hören, was gesagt wird. So kommen viele unter den Einfluss des aufklärenden Lichts.

Gerade unter den hervorragendsten, geistig bedeutendsten Männern des Landes zählt die katholische Kirche einige aufrichtige Freunde und Bewunderer. Man höre z. B., wie der gefeierte vaterländische Dichter und protestantische Prediger Mathies Jochumson im „Nordei“, dem ersten isländischen Blatte, sich ausspricht: „Alles, was man gegen die gebenedeite Mutter, die erhabene Kirche, vorbringt, ist Unwahrheit, Lüge und Verleumdung. Alles, was die katholische Kirche, diese Versammlung der Heiligen, predigt und lehrt, hat kein anderes Ziel als Heiligung der Seelen.“
Der Obere der katholischen Mission hatte den Dichter gebeten, einige Kirchenlieder ins Isländische zu übersetzen. „Was Sie schreiben“, so erwiderte derselbe, „entspricht ganz der Wahrheit. Unsere einheimische Literatur ist reich an Dichtungen zu Ehren Mariens, und es ist daher für den isländischen Dichter sehr leicht, Lieder zu Ehren U.L. Frau zu verfassen oder zu übersetzen, und ich habe nie verstehen können, warum unser ‚heiliger‘ Vater Luther ihre Verehrung so gewaltig geächtet hat.“

Eine kräftige Stütze der Predigt bietet Spital und Schule. Das erste beweist, dass die katholische Kirche das Liebesgebot des Meisters nicht vergessen hat, die zweite, dass sie keine Feindin der Bildung und des Fortschritts ist. Beide Anstalten sind in den Händen der St. Josephsschwestern von Chambery trefflich aufgehoben. Diese haben sich die allgemeine Liebe und Verehrung in hohem Grad gewonnen. Der Ruf ihres Spitals ist weit ins Land gedrungen, und oft werden Kranke aus weitentlegenen Gegenden hergebracht trotz der Nähe protestantischer Krankenhäuser. Der frühere Stiftsamtmann von Reykjavik veröffentlichte sowohl über Spital wie Schule überaus wohlwollende lobende Aufsätze in der Presse. Auch die Schule hat sich aus sehr ärmlichen Anfängen heraus recht günstig entwickelt. Man vergesse nicht, dass Reykjavik eine Stadt von 10.000 Einwohnern ist und ganz modern eingerichtete Schulen besitzt. Das armselige katholische Schülchen erregte daher anfangs nur Spott; man dachte sicher, es würde aus sich selbst wieder eingehen. Nur sehr wenige Familien verstanden sich dazu, ihre Kinder der Schule anzuvertrauen. Aber die trefflichen Erfolge brachten bald eine Wendung. Der frühere Stiftsamtmann und mehrere angesehene Familien, ja selbst protestantische Prediger sandten ihre Kinder. Heute zählt sie 56 Kinder; es ist die höchste Zahl, die in dem kleinen unansehnlichen Bau Platz hat.

Die Lage der Mission ist also eine recht günstige; es ist nur zu bedauern, dass sie bisher die Mittel nicht aufbringen konnte, um ein würdigeres Gotteshaus und ein stattliches Schulgebäude aufzuführen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1908)

Sonntag, 8. November 2015

Die Mission in Island (Teil 1)

Marienstatue in der Kathedrale von Reykjavik (Quelle)

Seit mehreren Jahren ruht die Mission von Island in den Händen der Maristen [Montfortaner]. Sie üben dort zugleich die Seelsorge unter den zahlreichen französischen Fischern aus, die während der Sommermonate aus der Normandie und der Bretagne diese nördlichen Gewässer besuchen.

Von allen Völkern, so meint der Missionsobere P. Meulenberg, welche die Reformation vom Herzen der Kirche gerissen hat, verdient keines so sehr die Teilnahme der Katholiken wie die Isländer. Das Land hat eine glorreiche katholische Vergangenheit, die erst unter König Christian III. von Dänemark (1536–1559) ein Ende fand. Um das Volk zu täuschen, blieb auch hier die äußere Gottesdienstordnung noch bestehen. Ja noch anderthalb Jahrhunderte lang klang in den Kirchen des Landes der römisch-lateinische Choral, und die Christmesse wurde bis ins 18. Jahrhundert hinein nach dem alten katholischen Ritus gefeiert. Noten und Text waren die ursprünglichen, und neu war nur, dass die sog. Konsekration jetzt auf das Pater Noster folgte.

Bis in die neuere Zeit trug der lutherische Bischof bei feierlichen Gelegenheiten den Chormantel, den einst Papst Paul III. dem letzten katholischen Bischof von Holar, Jón Arason, geschenkt hatte. Derselbe war als Märtyrer des Glaubens gestorben und schloss die lange Reihe isländischer katholischer Bischöfe würdig ab. Heute findet sich der Mantel mit zahlreichen anderen Denkmälern der katholischen Zeit, Statuen, Kruzifixen und Kirchengefäßen im Museum von Reykjavik.

Zur Zeit, da der französische Priester Abbé Boudoin von Reims nach Island kam (1850), gingen bereits die letzten katholischen Überlieferungen ihrem Ende zu. Am längsten hatte sich die Andacht zu Maria, der reinen Gottesmutter, erhalten – war doch Island einst so recht das Land Mariens gewesen. „Die Verehrung U. L. Frau“, so gesteht der berühmte isländische Schriftsteller Dr. Jon Thorkelson, „ließ diejenige zu den übrigen Heiligen weit hinter sich zurück, waren doch nicht weniger als 150 Kirchen Islands Maria geweiht“. Derselbe Gelehrte – sein Sohn trat 1905 zur katholischen Kirche über – hat sorgfältig die isländischen Marienlieder aus vorreformatorischer Zeit gesammelt. Sie würden gedruckt einen mächtigen Band ausmachen, und es ist zu hoffen, dass die Mittel zur Veröffentlichung sich finden werden.

Zur Zeit des Abbé Boudoin sang man noch in vielen Familien Lieder zum Lob und Preis der heiligen Gottesmutter. Text und Weise wurden von der Mutter auf die Kinder vererbt. Heute scheint auch dieser letzte Rest katholischer Erinnerungen geschwunden zu sein. Das Bild der alten Kirche ist nicht nur verblichen, es ist durch den Schmutz und Staub jahrhunderterlanger Verdächtigung und Missdeutung zu einem widerwärtigen Zerrbild geworden. Man möchte oft lachen, wenn man gewahr wird, welch wunderliche Vorstellungen sich die guten Leute über Rom, die römische Kirche, ihre Priester usw. machen. Und doch steht einem das Weinen näher.


(Aus: die katholischen Missionen, 1908)

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