Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

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Samstag, 17. Juni 2017

Besuch in der Erzabtei St. Ottilien

Portal der Abteikirche, leider ohne den imposanten Turm


Heute war ich seit langer Zeit mal wieder in der Erzabtei St. Ottilien, dem Sitz der Missionsbenediktiner, die den Lesern dieses Blogs bestimmt nicht unbekannt sind. Bei früheren Besuchen in der Dublettenkammer von Bruder Norbert O.S.B. (R.I.P.) habe ich den Großteil meiner Ausgaben von „die katholischen Missionen“ ergattert. Diesmal haben wir uns besonders das umgebaute Missionsmuseum angesehen – nachfolgend einige Eindrücke aus St. Ottilien, die ich gerne mit meinen Lesern teilen möchte.

Die Ausstellung beginnt mit einer Büste von Erzabt Norbert Weber O.S.B., dessen recht turbulente Regierungszeit die größte Ausdehnung der Missionbenediktiner sah. 



Weiter geht es mit afrikanischen Alltagsgegenständen ... und jeder Menge ausgestopfter Tiere!





Auch eine schöne Monstranz aus der Mission in Deutsch-Ostafrika wurde ausgestellt (im Hintergrund ein Foto mit dem damaligen P. Cassian Spiß, auf den wir noch zu sprechen kommen werden):



Ein Freikaufschein für einen Sklaven. Der Sklavenfreikauf war bekanntlich eine wichtige Tätigkeit der Missionare, vor allem in Ostafrika, wo die arabischen Sklavenjäger ihr Unwesen trieben und ganze Landstriche fast entvölkerten:



Tafel zu Bischof Cassian Spiß, der bei einem Aufstand ums Leben kam. Mehr über ihn hier.




Hier einige Gegenstände, man kann wohl sagen Reliquien, dieses großen Missionsbischofs und seiner Ordensleute, die mit ihm zusammen umkamen:



Bischof Cassians Kelch hatte eine ganz eigene Geschichte, wie man auf der Tafel lesen kann:



Auch der Märtyrer von Tokwon wurde gedacht, die in Nordkorea von den Kommunisten entweder hingerichtet wurden oder, wie Abtbischof Bonifaz Sauer, den Strapazen der Lagerhaft erlagen.



Hier die Messutensilien, die zwei Brüder mit in die Lagerhaft bringen konnten:



Auch die Fortbewegungsmittel der Missionare konnte man begutachten, wie dieses bayerische Erzeugnis:


Die Waffenkammer:




Danach ging es in die Abteikirche. Dieser Seitenaltar wurde u. a. von den Lesern der Missionszeitschrift „das Heidenkind“ gestiftet. „Lies, merks u. gedenks“ mahnt die Tafel auf der Epistelseite.



Dann noch zu den Gräbern einiger Erzäbte (Erzabt Weber starb in Bagamoyo in Tansania) und Abtbischöfe in den Missionen:



Ein schöner Besuch, der auch an all die Missionsbenediktiner erinnert, die der „Menschensorge für Gottesreich“ (Buchtitel von Erzabt Weber) nachgingen und gemäß dem Ordensmotto das „Lumen Caecis“, das „Licht der Blinden“ den Heiden predigten.


Deo gratias!

Freitag, 14. April 2017

Ostern in der Kapuzinermission in Tansania



Ostern! Ein mächtiges Zinnienbeet neben dem Missionshaus grüßte heimelig in all den satten Farben der Ostereier. Ich fühle mich jetzt wie daheim. Die ganze weite Hügelwelt ist grün, trägt wirklich das Kleid des Frühlings. Es ist nicht ein zages Anfangen wie daheim. Es ist ein mächtiges Auferstehen voll Schönheit und Kraft.

Und dann das geistige Auferstehen, die Freude, Erwachsene zu taufen, die sich wochenlang danach gesehnt haben und des hohen Glückes der Taufe sich voll bewusst sind. Das ist ein Auferstehen. Nie habe ich Ostern tiefer erlebt. (von P. Werner Huber O.F.M. Cap.)


(Aus: Seraphisches Weltapostolat des hl. Franz von Assisi, 1927)

Dienstag, 2. Dezember 2014

Heilige Messe auf dem Kilimandscharo

(Quelle: Muhammad Mahdi Karim)


(Nach einem Reisebericht von Msgr. Le Roy C.S.s.p)

Wir standen auf 3.000 m Höhe. (…) Die Nacht verlief ruhig. Als ich am anderen Morgen vor das Zelt trat, fand ich es entsetzlich kalt, nur 3 °C, da wir doch an 30° gewöhnt sind. Der dicke Nebel löste sich in einen feinen Regen auf. Obschon der Bischof [Msgr. de Courmont C.S.s.p., Apostol. Vikar von Nord-Sansibar] sich unwohl fühlte, wollte er doch auf dieser Bergeshöhe die versprochene heilige Messe für die Wohlfahrt Afrikas lesen. 

Das heilige Opfer hat freilich an sich an jedem Ort der Welt denselben unendlichen Wert. Das schließt aber nicht aus, dass es an bestimmten Orten von dem Priester mit den Gefühlen größerer Andacht dargebracht werde und insofern Gott noch angenehmer sei. Und so hoffen wir, dass es, von einem Bischof auf dieser Bergeshöhe dargebracht, reichen Segen auf den dunklen Erdteil herabziehen möge.


(Aus: die katholischen Missionen, 1893)

Mittwoch, 5. November 2014

Große Missionsbischöfe: auf der Missionsreise ermordet – Cassian Spiß O.S.B., Apostolischer Vikar von Süd-Sansibar

Cassian Spiß O.S.B. am Tag seiner Bischofsweihe (dritter von links)
Der Aufstand der Eingebornen-Stämme in Deutsch-Ostafrika steht noch in frischer Erinnerung und scheint jetzt noch nicht ganz verglimmt. Er brachte für die St. Benediktus-Missionsgesellschaft eine Erneuerung der Tage von Pugu, die 1888 die deutsche Missionsgründung so blutig eingeleitet hatten. An der Spitze seiner kleinen Missionskarawane sank hier am 14. August der Apostol. Vikar von Süd-Sansibar, Bischof Cassian Spiß O.S.B., von der Lanze eines wilden Häuptlings getroffen, zum Tode nieder. Wir haben die Einzelheiten des schmerzlichen Vorfalls bereits früher berichtet und bieten hier nur einen schlichten Kranz der Erinnerung. 

Geboren zu St. Jakob am Arlberg, am 12. Juli 1866 als Sohn einfacher Landleute, absolvierte Franz, das war sein Taufname, am fürstbischöflichen Gymnasium zu Brixen „mit Auszeichnung“ seine Studien und wirkte nach seiner Priesterweihe mehrere Jahre als Kooperator zu Sellrain, Umhausen und Längefeld im Ötztal. Aber den Sohn der Berge zog ein höheres Heimweh nach den Heidenländern, wohin so mancher wackere Tiroler ihm vorausgewandert. Im Missionshaus von St. Ottilien fand der tüchtige, auch wissenschaftlich befähigte Priester freudige Aufnahme. 1892 legte P. Cassian, wie er jetzt hieß, seine Gelübde ab, und im Herbst 1893 sah er die Küsten Afrikas, das Land seiner Sehnsucht, vor sich auftauchen. Wie er in St. Ottilien das Muster eines regeltreuen Ordensmanns gewesen, so war er hier auf den Stationen Dar es Salam und Kurasini das Vorbild eines eifrigen, anspruchslosen Missionärs, wie ihn zumal eine noch in der Entwicklung begriffene Mission fordert. 

Bereits als Gymnasiast hatte Spiß ein ungewöhnliches Sprachtalent bekundet. Es kam ihm hier vortrefflich zu statten, und sein Kihehe-Wörterbuch, zu dem er in unermüdlichem Fleiß die Bausteine sammelte, und das 1900 in den Mitteilungen des Seminars für orientalische Sprachen zu Berlin erschien, brachte der Mission und der Sprachwissenschaft zugleich einen wertvollen Gewinn. Auch später als Bischof noch blieb er auf diesem Gebiet tätig. 

1898 wurde P. Cassian mit der Gründung der neuen Missionsstation Peramiho im Inneren beauftrag und löste die schwierige Aufgabe mit ebenso viel Geschick als Ausdauer. 1902 begleitete er den Apostol. Präfekten zum Generalkapitel seiner Genossenschaft in Europa. Er benutzte die Gelegenheit, um in der frischen Luft der heimatlichen Berge seine angegriffene Gesundheit zu stärken. Hier erreichte ihn die Nachricht seiner Ernennung zum ersten Bischof des neu errichteten Apostol. Vikariats Süd-Sansibar. Am 18. August 1902 sah das Mutterhaus die Bischofsweihe; Spiß war der erste Bischof der Genossenschaft. Seine dreijährige Wirksamkeit in dem jungen Missionssprengel war eine sehr gesegnete. Rastlos, die Strapazen der mühsamen Wanderungen nicht achtend, besuchte er die weit entlegenen Stationen, um den Neubekehrten zum ersten Mal die Kraft des Heiligen Geistes zu bringen und überall ratend, helfend, ermunternd, tröstend den Aufbau und Ausbau der kräftig aufblühenden Mission zu fördern. 

Mitten auf einer dieser apostolischen Wanderungen ereilte ihn der allzu frühe Tod. Die auf mehrere Monate berechnete Rundreise sollte die im Süden gelegenen Missionsstationen berühren, wohin der Aufstand noch nicht gedrungen schien. In Kilwa erhielt er von der dortigen Bezirksbehörde die erste Warnung. Wenn er trotzdem, vertrauend auf seinen priesterlichen Charakter und unter dem Schutz von ca. 60 Trägern, welche das Bezirksamt mit zwölf Gewehren und 300 Patronen ausgerüstet hatte, den Weitermarsch wagte, so war das sein volles Recht und kann ihm nicht zum Vorwurf gereichen. Tatsächlich kam der Überfall auch den Behörden völlig unerwartet, war also keineswegs vorhergesehen. Sieben volle Tagemärsche war man ungefährdet vorgedrungen, als am 12. August die Schreckenskunde von dem Überfall der Militärstation Liwale die Karawane erreichte. Sämtliche Träger machten sich während der Nacht aus dem Staub, und so fand sich der Bischof mit seinen Begleitern, 2 Brüdern, 2 Schwestern und 2 schwarzen Boys schutzlos der Gefahr einer Begegnung mit den Aufständischen ausgesetzt. Gestärkt durch den Empfang der heiligen Sakramente zog die kleine Schar ihrem Geschick entgegen, das sie am Morgen des 14. August in einsamer Wildnis ereilte. Es war der Tod eines Soldaten auf dem Schlachtfeld, ein Tod, wie ihn P. Cassian bereits in seinen ersten Ordensjahren als höchstes Ziel seiner Wünsche sich ersehnt hatte.


(Aus: die katholischen Missionen, 1906)

Dienstag, 3. September 2013

Solche Probleme hat der Klerus wohl nur in der Mission...

Quelle: Kevin Pluck

(…) Auch die Missionsstation stand damals unter dem Zeichen des Löwen. Kurze Zeit vorher war nachts ein Löwe in die Mission eingebrochen und hatte die Schuppen und Stallungen des Viehhofes revidiert. 

Da es ihm nicht gelungen war, in die Viehställe einzudringen, so hatte er sich den Wohnungen der Missionäre zugewandt. Über eine Veranda spazierend, erschaute er das offene Fenster eines Zimmers, in dem ein Bruder den Schlaf der Gerechten schlief. 
Interessiert hob der Löwe die Vorderpranken auf das Fensterbrett und streckte seine Nase zwischen den nur fingerdicken Holzstäben der Vergitterung hindurch. Er hätte nur einen leisen Ruck mit dem Kopf zu machen brauchen, und das Gitterwerk wäre zertrümmert gewesen. 

Durch das Knurren des Raubtieres erweckt, schaute der Bruder nach dem Fenster hin und erblickte dort das furchtbare Löwenhaupt. Eine Waffe hatte er nicht zur Hand und fliehen konnte er nicht, da die Türe seines Zimmers gleichfalls auf die Veranda führte. 

So lag er denn, starr vor Schrecken, auf seinem Lager und wagte kaum zu atmen. Endlich trat der Löwe vom Fenster zurück und ließ sich behaglich knurrend unter der Veranda nieder. – Er konnte warten! – Noch stundenlang hielt er durch sein Schnauben und Schmatzen den geängstigten Bruder munter, bis schließlich der werdende Tag den Unhold vertrieb.

Als nach all diesen Erzählungen ein junger Pater mir bei Sonnenuntergang die Kaffeeplantage zeigte, blickte er von Zeit zu Zeit scheu zur Seite und gab mir auf meine Frage, wonach er denn so eifrig ausspähe, die Versicherung, dass gewiss ebenso wie an den vorhergehenden Abenden auch jetzt wieder ein Löwe in der Nähe sei. – Augenscheinlich fingen die Löwengeschichten an, alle Welt in Mrogoro nervös zu machen.“(…)


(Aus: die katholischen Missionen, 1900)

Montag, 17. Juni 2013

Kardinal Lavigerie über den islamischen Sklavenhandel in Afrika

„Für das Joch bestimmt
Die Tagesblätter haben bereits über die Vorträge berichtet, welche Se. Eminenz Kardinal Lavigerie in der Kirche St. Sulpice zu Paris, in der St. James-Hall zu London und in St. Gudula in Brüssel heilt. Der greise, um die afrikanische Mission hochverdiente Kirchenfürst forderte in begeisterten Worten auf, dem greulichen Sklavenhandel, dem zur Schande der Menschheit jährlich immer noch etwa eine halbe Million Neger zum Opfer fallen, durch energische Schritte bei den beteiligten mohammedanischen Fürsten und durch die Ausrüstung einer kleinen bewaffneten Macht endlich entschieden den Krieg zu erklären. 

Die Sklavenjäger sind durchweg Mohammedaner. „Während unsere Blicke auf andere Länder sich richteten,“ führte der Kardinal aus, „hat der Islam seit fünfzig Jahren ungehindert, ohne Lärm und mit unermüdlicher Hartnäckigkeit halb Afrika erobert. In gewissen Gegenden, die uns am nächsten liegen, gründete er Reiche; andere Gebiete benützte er zur Sklavenjagd. 

Ich will aber durchaus nicht die Menschen an sich dafür anklagen. Ich lebe ja selbst inmitten von Mohammedanern, und wenn sie in mir auch ihren Vater nicht sehen, so betrachte ich sie doch als meine Kinder. Der Islam trägt die Schuld. Er lehrt, dass die Welt in zwei Rassen geschieden ist: die eine, die der Gläubigen, ist berufen, zu herrschen, die andere, die der Verfluchten, bestimmt zu dienen. 
Unter den letzteren werden wieder die Neger als am tiefsten stehend betrachtet. In den Augen jener sind sie nichts Besseres als Vieh, für das Joch bestimmt.“

Zu den von den mohammedanischen Sklavenjägern besuchten Märkten gehören zunächst sämtliche Städte im Innern von Marokko, wohin jährlich große Karawanen aus den Gegenden des Niger und des Tschad-Sees zu kommen pflegen. 
Die Sklaven werden daselbst öffentlich verkauft und gekauft. Ganz dasselbe geschieht in den südlich von den französischen Besitzungen, von Tunis und von Tripolis gelegenen Oasen, wo Käufer und Verkäufer ebenfalls meist Mohammedaner sind. Außerdem bildet noch Timbuktu den großen Zentralmarkt und gemeinsamen Versorgungspunkt für den Sklavenhandel des nördlichen Afrika und der Provinzen im Süden und Westen vom Senegal. 
Auch in Ägypten, am Roten Meer von Suakin bis Aden und Perim wird lebhafter Menschenhandel getrieben. Dorthin kommen die Sklavenkarawanen aus dem Sudan, von Wadai, Darfur, Kordofan, und vom Osten und Norden des Nyanza (Viktoriasee). 

Arabische Barken holen sie heimlich des Nachts vom Ufer ab, um sie unter dem Schutze der Dunkelheit und unbemerkt von den wenigen hier kreuzenden französischen und englischen Schiffen nach der arabischen Küste zu bringen, von wo aus man sie dann durch das ganze islamitische Asien versendet. 

Seit den mit der Türkei abgeschlossenen internationalen Verträgen werden diese Unglücklichen nicht mehr öffentlich, sondern insgeheim in bestimmten, den Käufern wie den Verkäufern besonders bezeichneten und genau bekannten Häusern verkauft. Starker Sklavenhandel findet sodann noch statt auf einer großen Menge von Märkten zwischen den großen Seen und der Küste von Sansibar, vom Ibo und Lindi im Sudan bis zu den Flüssen Juba und Mukdischu an der Ostküste. 
Von da aus werden die Sklaven auf arabischen Barken am Ufer des Roten Meeres entlang nach Asien geschafft. In den Gegenden östlich von der atlantischen Küste und auf der Grenze von Benguela herrscht in den Tälern des Liba und Kassai ebenfalls noch öffentlicher Sklavenhandel; seit Portugal die an den Ufern des Sambesi bestehenden Sklavenmärkte verboten hat, wurden dieselben nach dem Zululand verlegt.


(Aus: die katholischen Missionen, 1888)

Samstag, 23. Februar 2013

Bilder: Deutsche Benediktineräbte in der Mission


Erzabt Bonifaz Wimmer (1809-1887) aus Thalmassing, Landkreis Regensburg, Gründer der Erzabtei St. Vincent in Latrobe, Pennsylvania, dem "Mutterkloster" der amerikanisch-cassinensischen Benediktinerkongregation. Mönche aus diesem Kloster gründeten zahlreiche weitere Abteien in den USA . Er wird als Vater des amerikanischen Mönchtums und als größter Missionar Nordamerikas im 19. Jahrhundert bezeichnet. Berühmte Benediktiner wie der legendäre Indianermissionar Bischof Martin Marty OSB gingen aus St. Vincent hervor. Wimmers schwarze Cappa Magna ist hier zu sehen.


Bischof Leo Michael Haid (1849-1924) wuchs als Sohn deutscher Einwanderer im Schatten der Erzabtei St. Vincent in Latrobe auf, wo er später selbst als Mönch eintrat. Später wurde er Abtordinarius der ersten Territorialabtei der USA, Belmont-Mary Help of Christians in North Carolina sowie der erste Abtbischof der USA.


Erzabt Norbert Weber (1870-1956). Er war der erste Erzabt der Erzabtei St. Ottilien (bei Landsberg am Lech, Oberbayern), die sich ganz der Heidenmission verschrieben hatte. Seine Lebensende verbrachte er in der Mission in Tansania, wo er neben der Seelsorgstätigkeit auch Altäre, Statuen und Bilder für die Missionskirchen anfertigte.

Mittwoch, 27. Juni 2012

Der Beschützer der Missionen am Tanganjika-See

Vor kurzem haben wir bereits über Kapitän Joubert berichtet, hier ein weiterer Eintrag:


Es ist bekanntlich in besonderer Weise das Verdienst des tapferen ehemaligen Zuaven, Kapitän Joubert, den mohammedanischen Sklavenhändlern, die vordem namentlich auch die volkreichen Striche am Tanganjikasee zum Schauplatz ihrer Raubzüge gemacht hatten, das Handwerk gelegt zu haben. Das Leben und das heldenhafte Kämpfen dieses biederen Veteranen gleicht einem Stück romantischer Kreuzfahrergeschichte aus alter Zeit. 

Dank seinen Verdiensten und denen seiner würdigen Kampfgenossen, Kapitän Jacques und Descamps, herrscht heute fast rings um den Tanganjika Ruhe, Friede und Ordnung; die armen Schwarzen haben wieder Mut gefasst und widmen sich jetzt mit Eifer dem Landbau und dem primitiven landesüblichen Kleingewerbe.
Unter der Sonne des Friedens haben sich seither auch die Missionen sowohl auf der belgischen (westlichen) wie deutschen (östlichen) Seeseite immer günstiger entwickelt.
Kapitän Joubert hat nach Abschluss der Kämpfe Afrika zu seiner zweiten Heimat erwählt, sich in St. Louis am Mrumbi auf den westlichen Uferhöhen des schönen Tanganjika bleibend niedergelassen, und um ein festeres Band mit seinen lieben Schwarzen zu knüpfen, sich in christlicher Ehe mit einer Tochter ihres Stammes verbunden.
Hier lebt er einfach und nüchtern wie ein Spartiate, von allen Negern weit und breit als ein Vater geliebt und verehrt. Ein Wort aus seinem Mund entscheidet alle ihre Streitfragen, und der Einfluss seines ernsten, tiefchristlichen Wesens gestaltet sein Leben unter den Neubekehrten zu einer wahren Kulturmission. So fasst er es auch auf. 


Die Liebe und Begeisterung der Neger zeigte sich in recht schönem Licht, als Gott ihm kürzlich zu seinem dreijährigen Töchterlein Louisa einen Sohn schenkte. Natürlich musste er Pio heißen, zu Ehren des großen Papstes, für welchen der ehemalige Zuave einst gefochten.
Von allen Seiten strömten die Neger herbei zu der feierlichen Taufe, die der Apostol. Vikar, der hochwürdigste Herr Roelens, selbst vornahm. Die Schwarzen jubelten, da sie nun, wie sie sagten, einen „kleinen Kapitän“ besäßen. 


Wie wohl tut dieses Bild gegenüber jenen Rittern von der traurigen Gestalt, die ihre Kulturaufgabe unter den Schwarzen durch despotische Tyrannenlaunen zu erfüllen meinen!



(Aus: die katholischen Missionen, 1896)

Dienstag, 26. Juni 2012

Ein echter afrikanischer Freiheitskämpfer gegen muslimische Sklavenjäger

Sklavenjagd in Nyangwe

Bei Besprechung der Missionsstation Mpala in einem Bericht Msgr. Bridoux‘ geschah auch des wackeren Herrn Hauptmann Joubert ehrenvolle Erwähnung. Über dessen Persönlichkeit bringen wir folgendes in Erfahrung: In der Bretagne geboren, diente Joubert seinerzeit als päpstlicher Zuave und zeichnete sich in dieser Stellung durch seine Pflichtreue und Tapferkeit aus. 1860 wurde er bei Castelfidardo verwundet, nahm aber auch an den weiteren Kämpfen teil und focht am 20. September 1870 in nächster Nähe der Porta Salara.
Nach dem unglücklichen Fall Roms finden wir ihn wieder in Frankreich, wo er unter General de Charette den Loire-Feldzug mitmachte. Ein Angebot, mit seinem bei den päpstlichen Truppen erworbenen Rang als Hauptmann in der französischen Armee zu verbleiben, schlug er aus, um stets dem Heiligen Vater auf dessen Wink zur Verfügung zu stehen; er zog sich in sein heimatliches Dorf zurück und lebte da als einfacher Landmann bis 1880. 


Seitdem weilt er, von einer kurzen, durch das ungesunde Klima ihm aufgenötigten Rückkehr nach Europa abgesehen, in Zentralafrika als Schützer der katholischen Missionäre gegen feindliche Stämme, besonders gegen Sklavenräuber.
In den letzten fünf Jahren war er in Mpala, einem Posten, der 1883 von Hauptmann Stroms auf Kosten der Internationalen Afrikagesellschaft gegründet und im Jahre 1885, da der unabhängige Kongostaat bis auf weiteres seine Stationen am Tanganjika verließ, den Weißen Vätern überlassen wurde.
Damals, als die katholischen Missionäre von Mpala Besitz ergriffen, war die Ruhe im Land noch keineswegs gesichert. Noch vor kurzem hatte Storms einen Angriff aufständischer Stämme mit bewaffneter Hand zurückschlagen müssen, und als Sklavenhändler in der Nähe hörten, die europäischen Soldaten seien abgezogen, nur Männer des Gebetes wohnen noch daselbst, glaubten sie sich alles erlauben zu dürfen.
Ein von der Mission abhängiges Dorf wurde überfallen, die Einwohnerschaft entführt; doch gelang es den der Mission zugetanen Negern, die Tat zu rächen, den Feind zu schlagen, zu plündern und über den See zurückzujagen. 


Die Einfalle wiederholten sich, und die Neger sagten zu den Patres: „ Schützt uns gegen die Araber, dann wollen wir eure Kinder sein.“ Auf diese Nachricht hin entbot Kardinal Lavigerie Joubert, der zu seiner Verfügung stand, an Ort und Stelle und betraute ihn mit dem Kommando und der äußeren Verwaltung der Station.
Joubert versah die jungen Leute des Waisenhauses mit Waffen, in deren Gebrauch er sie einführte, und war nun stark genug, bei einer bald erneuerten Menschenjagd den Räubern ihre ganze Beute abzujagen und sie zu schlagen, wobei ihr Anführer Kipili den Tod fand.
Er war im Stande, im Dezember 1887 einen befreundeten Häuptling gegen die Horden Rutukus zu schützen und letzterem noch in Mpala selbst eine Schlappe beizubringen, bei welcher dieser drei Pirogen in den Händen des Siegers ließ. Es gelang ihm, 1887 Mohammedi seine Gefangenen abzunehmen und noch im Januar 1890 aus der Hand Kateles zu befreien.


Gewiss fällt es Joubert nicht bei, am ganzen Tanganjika-See den Sklavenhandel abschaffen zu wollen; denn zu einem solchen Unternehmen stehen seine Mittel in keinem Verhältnis. Aber er kann nicht dulden, dass man regelmäßig und unter seinen Augen Leute in die Sklaverei schleppe, die sich unter den Schutz der Missionäre gestellt haben.
Auch in Tagen des Friedens fehlt es dem Mann nicht an Beschäftigung; er hat Streitigkeiten zu schlichten, Störenfriede zur Verantwortung zu ziehen usw. Außer dem Kriegs- und Justizwesen liegen ihm die öffentlichen Arbeiten und der Ackerbau ob; er baut Häuser, er sät und erntet auf den Feldern. 


Seine Tätigkeit vermittelt vielen in diesem Land des Fluchs Gottes Segen, indem sich Scharen von den Sklavenhändlern Bedrohter in die Nähe von Mpala flüchten und hier bei den Missionären den wahren Weg zum Himmel kennenlernen. — Ihn betrachten die Sklavenhändler als Erbfeind. Mit Beginn des Jahres 1890 begannen sie von neuem ihre Feindseligkeiten wider ihn und führten sie Ende Mai mit solcher Heftigkeit, dass Joubert gewiss seinen Gegnern unterlegen wäre, hätte nicht am 4. Juni, da sich eben ein Gefecht entspinnen sollte, ein plötzlicher Sturm deren Schiffe teils an Felsen zerschellt, teils zum Rückzug gezwungen.
Der christliche Hauptmann verfügt nur noch über 100 brauchbare Gewehre und wenig Schießbedarf. Es hat sich jetzt in Belgien ein Komitee gebildet, das sich zur Aufgabe gesetzt hat, Hauptmann Jouberts Munition in gutem Stand zu erhalten.
Möge auch der Himmel dem schönen Werk des alten Zuaven weiter wie bisher seinen Schutz und Segen zum Nutzen der Mission bewahren!



(Aus: die katholischen Missionen, 1891)

Freitag, 20. April 2012

Das Spital Unserer Lieben Frau von den Engeln in Sansibar


cc Tato Grasso



In sehr vielen Familien bald wohl gelitten und gern gesehen, von den Kindern immer umschwärmt und freudig begrüßt, hat die Vorsteherin im ersten Jahr schon sieben sterbenden Kleinen das Kostbarste auf die Reise in die Ewigkeit mitgegeben: die Taufunschuld. 
Im Spital selbst wechselt, wie überall auf Erden und im Dienste Gottes, Sieg und Niederlage, Freud und Leid.

Ein alter Araber litt seit langen Jahren an aufzehrender Krankheit. Er kam einigemal, Heilmittel zu holen, und blieb dann aus. Nun wurde er aufgesucht und in elendem Zustand gefunden. Die liebevolle Behandlung und Pflege rührten in zu Tränen. 
Gern wollte er ins Spital gebracht werden, und „die gute Dame“ erschien ihm wie ein Engel des Trostes. Alles, was sie sagte, nahm er kindlich dankbar an. 
Als sie vom „großen Heilmittel Gottes für die Seele und für deren ewiges Leben“ sprach, konnte er es nicht mehr erwarten, dass man es ihm erteile, und starb dann unverzüglich, als hätte er sich gesorgt, dass das hochzeitliche Gewand seine Frische verliere. 
Das geschah 14 Tage nach der Eröffnung des Spitals. 
Einige Tage später brachte man eine Sklavin, die ihr Herr wegen unheilbarer Krankheit verstoßen hatte. Sie wäre sonst einfach zu Grunde gegangen und fand nun in einer Stunde mehr Erweise wohlwollender Liebe, als sonst vielleicht während ihres Lebens. Aber nichts rührte sie; nach acht Tagen erfolgte der Tod, ohne dass man sie dazu gebracht hatte, auch nur irgendetwas von Gott hören zu wollen.

Zuweilen hebt die eingekehrte Taufgnade, verbunden mit schweren Leiden, in wenige Stunden zu hoher Vollkommenheit. Ein mohammedanischer Diener wurde von einer grässlichen Wunde förmlich verzehrt. Während die Vorsteherin mit aller Liebe seine furchtbare Wunde wusch und verband, betete sie eifrig für seine arme Seele. Wirklich kam sie ans Ziel. 
Der Mohammedaner wurde getauft, und von diesem Augenblick an verklärte sich sein stumpfes Wesen wie in höherem Licht. Immer dankend und immer betend ging er hinüber. 
Wir könnten noch mehr derlei Züge erzählen, doch mag dieses für heute genügen, um den Leser zu überzeugen, dass die ganze weite Welt voll ist der Barmherzigkeit Gottes!

(Aus: die katholischen Missionen, 1886)

Donnerstag, 29. Dezember 2011

Ein unerwartetes Wiederfinden

Kirche in Bagamoyo (Chen Hualin)

„P. Hirtzlin“, so schreibt die Schwester Maria Augustina, Oberin von Bagamoyo, „war unermüdlich auf der Suche nach armen Negerkindern, um sie loszukaufen oder vor dem Tode zu taufen. Eines Tages ging er in das Haus eines Inders, wo sich, wie man ihm gesagt, ein kleines, krankes Sklavenmädchen befand, das wahrscheinlich seinem Tode nahe sei.
In der Tat fand der Pater ein Negermädchen von 5-8 Jahren am Boden ausgestreckt, dessen Leben nur noch an einem dünnen Faden zu hängen schien. Ohne Aufschub taufte er das arme Geschöpf.
Am folgenden Tag ging er wieder hin und fand das Kind noch am Leben. So gingen mehrere Tage vorbei; der Zustand der Kleinen besserte sich so zusehends, dass der Pater, nicht gewillt, diese kostbare getaufte Seele in den Händen eines Ungläubigen zu lassen, die Frau des Hauses bat, ihm das Kind abzutreten.
Der Handel war bald geschlossen, und Pater Hirtzlin, ganz glücklich über seine Eroberung, nahm wie ein recht guter Hirt das arme Schäflein auf seine Schultern und brachte es in die sichere Hürde. Als er bei uns anlangte, war gerade der Unterricht der Frauen im Gange. Er setzte das Kind mitten in der Gruppe der Negerinnen auf den Boden, und dieses schaute mit großen Augen sich die Versammlung an.
Auf einmal blieb sein Blick auf einer der Frauen haften, und mit dem lauten Aufschrei: „Mama, Mama!“ sprang es vom Boden auf und auf die Negerin zu. Diese, die bis jetzt das Mädchen nicht näher beachtet hatte, schaute ganz erstaunt auf. Sofort erkannte sie es, schloss es in ihre Arme, nannte es ihr liebes Herzenskind und bedeckte es mit Tränen und Küssen.
Nach einer Weile fragte sie erstaunt: ‚Aber hat denn der Pater gewusst, dass ich ein Kind habe, und ist er es suchen gegangen?‘
Der Pater sagte, er habe von diesem seltsamen Zusammentreffen keine Ahnung gehabt. Da warf sich die glückliche Frau auf die Knie, nahm ihr Kind in ihre Arme, hob es gen Himmel, das Auge voll Tränen, und rief: ‚Gott ist es, der liebe Gott; er allein hat mir mein Kind zurückgegeben!‘ Und sie dankte Gott in der rührendsten Weise vor den Zeugen dieser wirklich ergreifenden Szene. Wie bewunderungswürdig ist doch diese zarte Aufmerksamkeit der göttlichen Vorsehung.
O wie mich das ermutigt, an der Verwirklichung der Pläne zu arbeiten, die er mit diesen armen Kindern Afrikas vorhat!“

(Aus: die katholischen Missionen, 1890)