Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

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Sonntag, 30. März 2025

Der gestohlene Katechismus bekehrt den Dieb

 

Chinesisches Katechismusposter zum Thema „Du sollst nicht stehlen“
 (Quelle: Chinese Christian Posters)

Die Christen von Sum-si-sein wurden beim Mandarin verleumdet, als seien sie Mitglieder einer geheimen Gesellschaft, deren Zweck auf Umsturz des kaiserlichen Throns gerichtet sei. Um die Sache näher zu untersuchen, begab sich der Mandarin zu den Christen und nahm, um seiner Sache ganz gewiss zu werden, einen Katechismus und eine Übersicht der Beweise für unsere heilige Religion zu sich. Drei Tage las er in diesen Schriften und schickte sie dann durch einen Gerichtsdiener zurück. Dieser an Dieberei gewöhnte Mann behielt den Katechismus für sich, was aber gegen alle Erwartung in Gottes Hand ein Mittel war, den Dieb zu bekehren. Aus Neugier las er in dem gestohlenen Buch; da gingen ihm die Augen auf, das Licht der Wahrheit leuchtete in seine Seele und er wurde ein eifriger Christ.

(Aus: Annalen der Verbreitung des Glaubens, 1864)

Sonntag, 10. März 2019

Seliger Niels Stensen – Diasporabischof und Missionsfreund




Der größte Naturwissenschaftler des 17. Jahrhunderts, der selige Niels Stensen, war noch ein größerer Katholik. In Dänemark als Lutheraner geboren, bekehrte sich der große Wahrheitssucher bei seinem Aufenthalt in Florenz zum katholischen Glauben. Er wurde zum Priester und nur zwei Jahre später zum Bischof geweiht, um Apostolischer Vikar der Nordischen Missionen für Norddeutschland und Skandinavien  mit Sitz in Hannover zu werden – leider wird er in unserem Heimatland noch viel zu wenig verehrt.

Einer der Mitkonsekratoren bei der Bischofsweihe durch den heiligen Gregorius Barbarigo, der selbst großer Förderer der orientalischen Missionen war, war François Pallu, Chinamissionar und Mitbegründer des Pariser Missionseminars. Durch diesen erfuhr Stensen von den Nöten der auswärtigen Missionen. Er wurde der erste Kurator der großen Missionsstiftung des Paderborner Fürstbischofs Ferdinand von Fürstenberg und schrieb an seinen Gönner und Freund Großherzog Cosimo III., dass vor allem China und die Tartarei „unseres Interesses“ wert sei.

Er betrachtete die Erfüllung des Missionsbefehls Christi auch als Kennzeichen der wahren Kirche und schrieb, dass die Reformatoren sich nicht für die Heidenmission interessierten, die Katholiken hingegen „continuerlich biss auff diese Stunde das evangelium geprediget unter den Heiden und Millionen Seelen von Heidenthumb zur allgemeinen Kirchen gebracht in Afrika, India, China und America“.

Seliger Niels Stensen, bitte für die Missionen!

(Quelle: Bierbaum, Faller, Traeger: Niels Stensen, Anatom, Geologe und Bischof, Aschendorff Verlag)

Samstag, 21. Juli 2018

Was sich zwei kleine Algerier von Pius IX. wünschen




Zwei kleine Araber begleiten den hochwürdigsten Erzbischof von Algier [Kardinal Lavigerie] nach Rom, wo sie dem Heiligen Vater vorgestellt wurden. Die beiden Knaben, Abdel Kader ben Mohammed und Hamed ben Aicha, wurden vom Heiligen Vater freundlichst nach ihrem Namen gefragt.

„Kennt ihr auch die christliche Religion?“ forschte der Heilige Vater weiter. „Ja, o ja“, sagte Hamed ben Aicha mit freudiger Begeisterung. – „Nun, das ist schön, sicher kennt ihr auch schon den Katechismus, und da hörte ich gern von euch die zehn Gebote.“ Ohne Fehler wurden sie von den Knaben hergesagt, aber die Furcht lähmte ihre Stimme, sie trugen sie kaum hörbar vor. Papst Pius neigte sein Ohr fast bis zum Munde der Knaben und sagte lächelnd: „Seht, liebe Kinder, ich fange an, alt zu werden, und höre nicht mehr gut.“ Er stellte noch verschiedene Fragen, die zu seiner vollen Zufriedenheit beantwortet wurden.

„Heiliger Vater“, bat jetzt der Älteste mit flehentlicher Stimme, „wir verlangen nur eine Gnade, die heilige Taufe. Der Erzbischof will sie uns noch nicht geben.“ – „In der Tat, Heiliger Vater,“ sagte der Erzbischof, „ich halte es für gut, meine Kinder bis zu den Jahren der Unterscheidung zu prüfen. Aber diese zwei sind wohl vorbereitet, auch haben sie keine Eltern mehr, die sie zurückfordern könnten.“ – „wisst ihr auch“, prüfte der Heilige Vater die Kinder weiter, „was die heilige Taufe ist und welche Verpflichtungen sie auflegt?“ Die Kinder blieben keine Frage schuldig. „Aber“, fügte der Papst nachdenklich hinzu, „wenn ihr nach Afrika zurückkehrt, werden euch die Araber vielleicht verfolgen, weil ihr Christen seid.“ – „O Heiliger Vater,“ rief der Ältere, „wenn man uns auch den Kopf abschlägt, das macht nichts, dann gehen wir geradewegs in den Himmel.“ – Segnend legte Papst Pius seine Hände auf das Haupt der Kinder und sprach zum Erzbischof: „Lassen Sie die Kinder in Rom taufen, es ist eine schöne Erinnerung für sie.“ Mit schönen Bildern beschenkt, verließen die Kleinen den Heiligen Vater. Ein Kardinal spendete ihnen die heilige Taufe.

(Aus: Beispielsammlung aus der Heidenmission für den christlichen Unterricht. Herausgegeben von P. Hermann Fischer SVD)


Dienstag, 19. Dezember 2017

Aktuell: Junge Konvertiten aus dem Islam organisieren Rorate-Messe in Izmir

Eine schöne Nachricht aus der Türkei bei Rorate Caeli: Eine Gruppe junger türkischer Katholiken, die alle aus dem Islam konvertiert sind, haben es nach dreijährigem Gebet und wiederholten Anfragen erreicht, dass wenigstens freitags in der Erzdiözese Izmir eine Messe nach dem Missale von 1962 zelebriert wird. Am letzten Freitag konnten sie ihre erste Rorate-Messe feiern.

Hier der ganze Artikel.

Zufälligerweise bin ich gestern mit einem der Konvertiten in Kontakt getreten, ohne zu ahnen, dass seine Gruppe heute auf einem der größten katholischen Blogs erwähnt werden würde.

Beten wir beharrlich für die Bekehrung der Moslems – Gott will es!

Freitag, 14. April 2017

Ostern in der Kapuzinermission in Tansania



Ostern! Ein mächtiges Zinnienbeet neben dem Missionshaus grüßte heimelig in all den satten Farben der Ostereier. Ich fühle mich jetzt wie daheim. Die ganze weite Hügelwelt ist grün, trägt wirklich das Kleid des Frühlings. Es ist nicht ein zages Anfangen wie daheim. Es ist ein mächtiges Auferstehen voll Schönheit und Kraft.

Und dann das geistige Auferstehen, die Freude, Erwachsene zu taufen, die sich wochenlang danach gesehnt haben und des hohen Glückes der Taufe sich voll bewusst sind. Das ist ein Auferstehen. Nie habe ich Ostern tiefer erlebt. (von P. Werner Huber O.F.M. Cap.)


(Aus: Seraphisches Weltapostolat des hl. Franz von Assisi, 1927)

Mittwoch, 19. Oktober 2016

Der Mörder eines Missionars wird getauft


Die Untat, die der Schwarze Mfana Mdhluli in Swasiland an dem allverehrten P. Franz Mayr beging, ist dem Mörder zum Heil geworden. Nach seiner Verurteilung zum Tod musste er noch sechs Wochen bis zu deren Vollstreckung warten. Diese Zeit benutzte der Servitenmissionär Arimath M. Gratl, um den Verbrecher auf eine gute Todesstunde vorzubereiten. Anfangs war die Arbeit des Paters nicht leicht; aber nach und nach ergab sich der Schwarze in sein Geschick. Am 11. April 1915 empfing er die Taufe; am folgenden Tag fand die Hinrichtung durch den Strang statt.


(Aus: die katholischen Missionen, 1915)

Dienstag, 18. Oktober 2016

Aktuell: Ein katholischer König stirbt im Exil

(Bildquelle: Rwanda Library)

Am Sonntag starb der letzte gesalbte katholische König Afrikas, Kigeli V. Ndahindurwa von Ruanda, im Alter von 80 Jahren im Exil in der Nähe von Washington, D.C.

Er konvertierte als Jugendlicher zum katholischen Glauben und erhielt in der Taufe den Namen Jean-Baptiste. Zuvor hatte sein älterer Bruder und Vorgänger, Mutara III., diesen Schritt unternommen, nachdem er von dem Apostolischen Vikar Léon Classe M.Afr. im Glauben unterrichtet worden war. 

Kigeli bestieg nach dem frühen Tod seines Bruders im Jahr 1959 den Thron, wurde aber durch ein Referendum im Jahr 1961 abgesetzt und lebte danach in verschiedenen Ländern im Exil, zuletzt in den USA.

Der König war ein Freund der alten Messe und einer der prominenten Unterzeichner der Petition an Papst Franziskus vor der Familiensynode.


Requiescat in pace.

Mittwoch, 22. Juni 2016

Die Predigt des heiligen Ludwig Bertrand auf den Jungferninseln



Der erste Missionär, den wir auf den dänischen Antillen [heute Amerikanische Jungferninseln] treffen, ist der hl. Ludwig Bertrand O. P., der Apostel von Kolumbien (gest. 1581). „Eines Tages“, so erzählt man, „predigte der Heilige auf St. Thomas im Schatten eines Baumes, als plötzlich eine Schar mit Steinen und Schleudern bewaffneter Indianer auf ihn losstürmte, ihn zu ermorden. Sein Begleiter mahnte ihn zu schleuniger Flucht. Der Heilige aber fuhr furchtlos in seiner Predigt fort und sprach mit solcher Kraft, dass die Wilden wie gebannt stehen blieben, seinen Worten lauschten und schließlich 200 von ihnen die heilige Taufe begehrten.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1919)

Samstag, 4. Juni 2016

Zum 3. Sonntag nach Pfingsten: Hirtensorgen und Hirtenfreuden



Die Hirtensorge und Hirtenliebe des göttlichen Heilandes, andächtige Christen, muss auch in unseren Herzen leben. Christi Geist muss unser Geist, Christi Herz unser Herz sein. In der Sorge für das Missionswerk teilen wir die Hirtensorge des göttlichen Herzens.

Ach, wie viele gute Seelen haben noch keine Ahnung von den Hirtensorgen des Missionswerkes! Willst du sie kennen lernen und dir Hirtenliebe ins Herz lesen, dann greife zu den Missionsberichten und Missionszeitschriften. Sie erzählen dir ausführlich und oft in erschütternder Weise von den schweren Sorgen der Missionäre. Zwischen dem Suchen und dem Finden des verirrten Schäfleins liegt ein weiter Weg, und die Hirtenfreude muss oft um schwere Opfer erkauft werden. 
Der Missionär muss zunächst die Spur des verirrten Schäfleins aufsuchen und durch eifriges Studium der religiösen Sitten und Anschauungen seiner Umgebung aufmerksam den Weg verfolgen, den das verlorene Schaf gegangen ist. Und durch welche Sümpfe, über welche Klippen, in welche Dornen und Hecken führt zuweilen dieser Weg! Dann beginnt der mühsame Hirtengang. Der suchende Missionär muss unermüdlich gehen und wandern; er darf sich nicht kümmern um Regen und Sonnenschein, nicht kümmern um Hunger und Durst, nicht kümmern um den brennenden Sand unter seinen Füßen und die brennende Hitze über seinem Haupte. Eingedenk muss er sein des guten Hirten, der sein Leben hingibt für seine Schafe. Beim Anblick solcher Hirtenarbeit wird auch in unser Herz, andächtige Christen, etwas von der Hirtenliebe des heiligen Missionswerks kommen. Durch unser Missionsgebet und unser Missionsopfer werden auch wir suchende und rettende Hirten der Heiden sein. Mit dem göttlichen Heiland werden wir die Hirtensorge teilen, mit ihm werden wir aber auch in Freuden das Wiedergefundene heimtragen. Seine Hirtenfreude wird auch unsere Freude sein. (…)

O seliges Hirtenglück, wenn zu den Füßen des Missionärs der neubekehrte Heide kniet! O heilige Hirtenfreude, wenn der Missionär das so lange gesuchte Schäflein gefunden und nun über die Stirne das Wasser der heiligen Taufe gießen, das Brot des ewigen Lebens ihm reichen kann! Die Rettung des Schäfleins wird als eigenes Glück empfunden. In diesen Augenblicken sind alle Hirtensorgen reichlich, überreichlich belohnt. (…)

Wir wollen betend unsere Hände zu dem göttlichen Hirtenherzen Jesu aufheben und es bitten, unser Herz dem seinigen immer gleichförmiger zu machen in der Liebe zu dem verlorenen Schäflein der Heidenwelt. Die Gefühle wahrer Hirtenliebe mögen auch unser Herz beseelen. Und diese Liebe wird uns stark machen, tätigen Anteil zu nehmen an der großen Missionssorge, die auf unserer heiligen Kirche lastet. Ihre Missionsfreude wird auch unsere Freude, ihr Missionserfolg auch unser Erfolg sein, und am Tage der Ewigkeit, wenn das letzte Schäflein aus der Heidenwelt heimgebracht ist, dann wird der göttliche Hirt uns als seine Freunde zusammenrufen, und für die ganze Ewigkeit wird seine liebreiche Aufforderung gelten: „Freuet euch mit mir!“ Amen.


(Aus: Robert Streit O.M.I.: Missionspredigten, Herder, 1913)

Montag, 16. Mai 2016

Zu Pfingsten (Teil 3)



„Als nun diese Stimme erscholl, kam die Menge zusammen und entsetzte sich; denn es hörte ein jeder sie reden in seiner Sprache.“ Andächtige Christen! Die Menge der Juden hatte das Brausen des Sturmes, der die Ankunft des Heiligen Geistes verkündigte, vernommen. In dichten Massen drängten sie sich um den geheimnisvollen Abendmahlssaal. Derselbe Geist, der die Apostel antreibt, hinauszutreten und zu der Menge zu reden, derselbe Geist treibt auch sie an, dies Haus zu umlagern, das in seinen Mauern die eben geborene Kirche Christi birgt. Das Apostelhaus, das neue Sion, wird der Sammelpunkt, an welchem die Menge  der Völker zusammenkommt. „Es waren aber zu Jerusalem Juden wohnhaft, gottesfürchtige Männer, aus allerlei Völkern, die unter dem Himmel sind.“ „Parther, Meder, Älamiter und Bewohner von Mesopotamien, Judäa, Kappadozien, Pontus und Asien, von Phrygien und Pamphylien, Ägypten und von den Gegenden Libyens bei Cyrene…, Ankömmlinge von Rom, Juden und Judengenossen, Kreter und Araber.“

So steht auch heute noch, andächtige Christen, das Apostelhaus auf Sion, unsere heilige Kirche, als die Stätte, als der Vereinigungs- und Einigungspunkt, an welchem die Menge der Völker, wenn ihre Stimme erschallt, zusammenkommt. Unsere Kirche ist wahrhaft die Kirche Christi, weil sie die eine Völkerkirche, die allgemeine, katholische Kirche ist. Ihre Missionstat ist die Verwirklichung der Pfingsthoffnung: „Sende aus deinen Geist, und sie werden neu geschaffen, und du wirst das Angesicht der Erde erneuern.“ 

Das Jerusalem des Pfingstfestes wird durch die Ausgießung des Heiligen Geistes zum erklärten Gegensatz Babels. Dort, beim Beginn der Völkergeschichte, wurde die ursprüngliche Einheit in die Vielheit und Verschiedenheit der Sprachen und Religionen, der Götter und Kulte, der Stämme und Nationen aufgelöst. Hier lernen sich die Völker wieder verstehen. Dort trennten sich die Wege der Menschheit. Hier in Jerusalem führen sie wieder zusammen, insofern alle Menschen in der Einheit des Glaubens, in der einen Familie der Kinder Gottes, in der einen, alle Völker und Zeiten umfassenden Kirche Christi vereinigt werden sollen.

Noch ein anderer Gegensatz waltet zwischen Babel und Jerusalem. Dort in Babel hatte der verblendete Menschengeist gesprochen: „Lasset uns einen Namen machen!“ Hier aber spricht der Gottesgeist, und den Inhalt seiner Worte verkündet die staunende Volksmenge: „Wir hören sie in unsern Sprachen die Großtaten Gottes aussprechen.“ Die Großtaten Gottes! Das war es, was die Menschen vergessen hatten und die Apostel wieder verkündigten. Die Großtaten Gottes in der Erschaffung, in der Erlösung, in der Heiligung und Beseligung, das ist’s, andächtige Christen, was die Heiden nicht kennen und was ihnen die Mission bekannt geben muss. Die Mission verkündet den Völkern in ihren Sprachen die Großtaten Gottes. O dass diese Missionskunde in Sturmesbrausen über das weite Erdenrund dahinfahre! O dass diese Missionsbotschaft in Feuerflammen über die Völker komme! Die Pfingsterleuchtung muss über die Heidenwelt kommen. Die Pfingstbitte muss unsere Missionsbitte und die Pfingsthoffnung unsere Missionshoffnung sein.


(Aus: Robert Streit O.M.I.: Missionspredigten, Herder, 1913)

Donnerstag, 10. Dezember 2015

Was nicht mehr sein darf

Pater Marie-Alphonse Ratisbonne
In Italien nahmen sich außer den Päpsten bedeutende Ordensleute, so [St.] Albert v. Trapani, [sel.] Bernhardin v. Feltre, [St.] Johannes v. Capestrano, [St.] Laurentius v. Brindisi, der Judenmission an. (…) 1534 errichtete [St.] Ignatius v. Loyola  ein noch bestehendes Heim für jüdische Konvertiten, 1549 Paul III. ein Institut für Judenmission. [St.] Pius V taufte selbst zahlreiche J. [St.] Karl Borromäus nahm sich auf der Mailänder Diözesansynode eifrig der Judenmission an.
Aus dem Lexikon für Theologie und Kirche (Band V., 1933), Eintrag „Judenmission“.

Im Gegensatz dazu hat heute hat die Päpstlichen Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum ein nicht-lehramtliches Dokument zur Beziehung zu den Juden mit besonderem Hinweis auf die Judenmission veröffentlicht. In dem Dokument heißt es unter Punkt 6.:

Es ist leicht zu verstehen, dass die so genannte ‚Judenmission‘ für Juden eine sehr heikle und sensible Frage darstellt, weil sie in ihren Augen die Existenz des jüdischen Volkes selbst betrifft. Diese Frage erweist sich auch für die Christen als heikel, weil für sie die universale Heilsbedeutung Jesu Christi und folglich die universale Sendung der Kirche von grundlegender Bedeutung sind. Die Kirche ist daher verpflichtet, den Evangelisierungsauftrag gegenüber Juden, die an den einen und einzigen Gott glauben, in einer anderen Weise als gegenüber Menschen mit anderen Religionen und weltanschaulichen Überzeugungen zu sehen. Dies bedeutet konkret, dass die Katholische Kirche keine spezifische institutionelle Missionsarbeit, die auf Juden gerichtet ist, kennt und unterstützt. Obwohl es eine prinzipielle Ablehnung einer institutionellen Judenmission gibt, sind Christen dennoch  aufgerufen,  auch  Juden  gegenüber  Zeugnis  von  ihrem  Glauben  an  Jesus  Christus abzulegen. Das aber sollten sie in einer demütigen und sensiblen Weise tun, und zwar in Anerkennung dessen, dass die Juden Träger des Wortes Gottes sind, und besonders in Anbetracht der grossen Tragik der Schoa.


Nachfolgend noch der Eintrag zu den Priestern U.L.F. von Sion (unter  „Sion“, Band IX), einem Orden zur Judenmission, die von den berühmten jüdischen Konvertiten und Priestern Marie-Alphonse und Marie-Theodore Ratisbonne gegründet wurden:


Beten auch wir immer für die Bekehrung der Juden, damit auch sie den wahren Messias, Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, anerkennen und in die katholische Kirche eintreten, außerhalb derer es kein Heil gibt!



Donnerstag, 12. November 2015

Die Mission in Island (Teil 2)

Die katholische Kathedrale von Reykjavik, die Christ-König-Basilika. Bei ihrer Einweihung 1929 war sie die größte Kirche des Landes. (Quelle)

Fortsetzung von hier

Eine unlängst zur katholischen Kirche übergetretene Dame hatte keine Ruhe, bis sie das römische Missale (das Messbuch des Priesters) durch einen des Lateins kundigen Protestanten hatte untersuchen lassen. Sie hatte nämlich immer gehört, dass der Priester bei der heiligen Messe über das anwesende Volk durch gewisse Zaubersprüche und Beschwörungsformeln den Fluch herabrufe. Nun konnte sie sich selbst überzeugen, wie sehr das gerade Gegenteil der Fall war.

Die tiefgewurzelten Vorurteile gegen die katholische Kirche erklären dann auch das Aufsehen und den Schrei der Entrüstung, der sich vorläufig noch fast bei jeder Konversion erhebt. Der „Unglückliche“ wird als Apostat betrachtet und dementsprechend selbst von den eigenen Eltern und Geschwistern behandelt. Es braucht wirklich Mut, um trotzdem den Schritt zu tun. Gott sei gelobt, fehlt es nicht an solchen mutigen, großherzigen Seelen. Übrigens wird die feindselige Stimmung in dem Maße schwinden, wie die noch recht kleine Zahl isländischer Katholiken wächst.
Die Hauptaufgabe der Mission besteht vorläufig darin, den Schutt der alten Vorurteile langsam wegzuräumen, und in dieser Hinsicht ist der Erfolg handgreiflich. Die arme kleine Kapelle ist jeden Sonntag angefüllt und kann oft die Leute nicht fassen. Der Isländer ist sehr wissbegierig, und diese Wissbegier oder Neugier füllt die Kirche. Man will sehen, was dort vor sich geht, und hören, was gesagt wird. So kommen viele unter den Einfluss des aufklärenden Lichts.

Gerade unter den hervorragendsten, geistig bedeutendsten Männern des Landes zählt die katholische Kirche einige aufrichtige Freunde und Bewunderer. Man höre z. B., wie der gefeierte vaterländische Dichter und protestantische Prediger Mathies Jochumson im „Nordei“, dem ersten isländischen Blatte, sich ausspricht: „Alles, was man gegen die gebenedeite Mutter, die erhabene Kirche, vorbringt, ist Unwahrheit, Lüge und Verleumdung. Alles, was die katholische Kirche, diese Versammlung der Heiligen, predigt und lehrt, hat kein anderes Ziel als Heiligung der Seelen.“
Der Obere der katholischen Mission hatte den Dichter gebeten, einige Kirchenlieder ins Isländische zu übersetzen. „Was Sie schreiben“, so erwiderte derselbe, „entspricht ganz der Wahrheit. Unsere einheimische Literatur ist reich an Dichtungen zu Ehren Mariens, und es ist daher für den isländischen Dichter sehr leicht, Lieder zu Ehren U.L. Frau zu verfassen oder zu übersetzen, und ich habe nie verstehen können, warum unser ‚heiliger‘ Vater Luther ihre Verehrung so gewaltig geächtet hat.“

Eine kräftige Stütze der Predigt bietet Spital und Schule. Das erste beweist, dass die katholische Kirche das Liebesgebot des Meisters nicht vergessen hat, die zweite, dass sie keine Feindin der Bildung und des Fortschritts ist. Beide Anstalten sind in den Händen der St. Josephsschwestern von Chambery trefflich aufgehoben. Diese haben sich die allgemeine Liebe und Verehrung in hohem Grad gewonnen. Der Ruf ihres Spitals ist weit ins Land gedrungen, und oft werden Kranke aus weitentlegenen Gegenden hergebracht trotz der Nähe protestantischer Krankenhäuser. Der frühere Stiftsamtmann von Reykjavik veröffentlichte sowohl über Spital wie Schule überaus wohlwollende lobende Aufsätze in der Presse. Auch die Schule hat sich aus sehr ärmlichen Anfängen heraus recht günstig entwickelt. Man vergesse nicht, dass Reykjavik eine Stadt von 10.000 Einwohnern ist und ganz modern eingerichtete Schulen besitzt. Das armselige katholische Schülchen erregte daher anfangs nur Spott; man dachte sicher, es würde aus sich selbst wieder eingehen. Nur sehr wenige Familien verstanden sich dazu, ihre Kinder der Schule anzuvertrauen. Aber die trefflichen Erfolge brachten bald eine Wendung. Der frühere Stiftsamtmann und mehrere angesehene Familien, ja selbst protestantische Prediger sandten ihre Kinder. Heute zählt sie 56 Kinder; es ist die höchste Zahl, die in dem kleinen unansehnlichen Bau Platz hat.

Die Lage der Mission ist also eine recht günstige; es ist nur zu bedauern, dass sie bisher die Mittel nicht aufbringen konnte, um ein würdigeres Gotteshaus und ein stattliches Schulgebäude aufzuführen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1908)

Samstag, 16. Mai 2015

Blumen für die Mutter Gottes – Bekehrung auf dem Sterbebett


Von P. Franz Scherer S.J.:

„Noch ein Beispiel, wie die liebe Mutter auch ein kleines Geschenk reichlich vergilt! In der Nähe unseres Hauses (Sikawei bei Schanghai) wohnt ein Teil der Familie Si, die hunderte von Gliedern zählt. Sie stammen alle von dem Minister Si ab, einem eifrigen Katholiken, der uns den ganzen Grundbesitz schenkte, welchen wir jetzt haben. In einer Christenverfolgung fielen dessen Kinder und Enkel vom Glauben ab. Doch gab die Mutter oder Großmutter des jetzigen Familienhauptes jedes Jahr im Maimonat Blumen, dass sie vor der Muttergottesstatue in unserem Garten aufgestellt würden. Vor einiger Zeit starb diese Frau. Auf dem Sterbebett verlangte sie nach dem Priester und bat um die heilige Taufe. Obwohl nun die Glieder der Familie einen Eid geschworen hatten, dem Heidentum treu zu bleiben, legten sie der Sterbenden doch keine Schwierigkeiten in den Weg, und sie erhielt, gewiss durch die Fürbitte Marias, als Lohn für die kleine Blumenspende die ewige Seligkeit.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1881)

Samstag, 28. Februar 2015

Stephen Eckert O.F.M. Cap – der Apostel der Schwarzen in Milwaukee



John Eckert wurde als das mittlere von neun Kindern am 28. April 1869 in Huron County, Ontario, geboren, wohl auf einer Farm in der Nähe des kleinen Dorfs Dublin, denn er sollte später den Ordensnamen „Father Stephen of Dublin“ tragen. Seine Eltern waren fromme katholische Bayern, die 1858 nach Kanada auswanderten. Johns Kindheit war vom tiefen Glauben seiner Eltern geprägt, die ihren Kindern eine gute religiöse und praktische Bildung angedeihen ließen und für die es kein Problem war, jeden Sonntag über 6 Meilen zur Messe zu laufen. Noch als Erwachsener zeigte er sich dankbar gegenüber seinen Eltern für diese Erziehung. Auch hatte er einen optimistischen Geist, der ihn sein Leben lang begleitete und ihm später half, auch andere für seine Seelsorgstätigkeit zu begeistern.

Während der Zeit auf der High School in Kitchener kam der Junge, der bereits seinen Eltern gegenüber den Wunsch geäußert hatte, Ordenspriester zu werden, in den Kontakt mit zwei Kapuzinern, die in der Stadt eine Mission predigten. Um mehr über den Orden herauszufinden, verbrachte er einige Tage im Kloster St. Bonaventure in Detroit (Sitz der Kapuzinerprovinz St. Joseph). Im Frühjahr 1891 trat er ins Noviziat und erhielt am 21. Mai das Habit und den Ordensnamen „Stephen“. Seine theologischen Studien machte er ab 1892 in Milwaukee, seinem späteren Wirkungsfeld, und wurde am 2. Juli 1896 zum Priester geweiht. Es folgte eine priesterliche Tätigkeit in verschiedenen Pfarreien, vor allem in New York sowie in Detroit und Wisconsin. Während seines Aufenthalts in Yonkers, NY, kam ihm das erste Mal der Gedanke, sich der Bekehrung der Schwarzen zu verschreiben. 1904 besuchte er das Kloster der heiligen Katharine Drexel in Philadelphia, die sich mit dem von ihr gegründeten Schwesternorden ganz der Bekehrung der Schwarzen und Indianer in den USA widmete. Nach diesem Besuch wendete er sich an seinen Ordensoberen mit dem Gedanken, eine Mission unter den Schwarzen in den Südstaaten zu eröffnen. Doch die Ordensleitung in Rom fand den Zeitpunkt nicht günstig, und Fr. Stephen führte weiterhin in treuem Gehorsam seine normale Seelsorgstätigkeit aus, ohne aber seine Hoffnung auf eine Missionierung der Schwarzen ganz auszuschlagen. Er konnte auch in New York unter den Schwarzen wirken und bekehrte dort einige Familien zum katholischen Glauben. Der Ordensvisitator äußerte sich eines Morgens erfreut und erbaut, dass so viele Afroamerikaner an der Kommunionbank der Pfarrei St. John the Baptist knieten, wo Fr. Stephen von 1907 bis 1909 diente.

1913 wurde eine Stelle an der St. Benedict the Moor Mission für schwarze Katholiken in Milwaukee frei, die zu seinem großen Glück Father Stephen übertragen wurde. Am 13. Juli traf ein Kapuziner mit einem demütigen Bruder in der Mission ein und las die Messe. Die Anwesenden waren sehr überrascht, als der Zelebrant sich nicht als der neue Priester herausstellte, sondern als der Prior des St. Franziskus-Klosters, der den neuen Priester nach der Messe vorstellen würde. Der neue Priester war Fr. Stephen, der noch kurz zuvor so erbaulich bei der Messe seines Mitbruders gedient hatte. Seine neue Herde begrüßte er mit den Worten: „Gnade euch und Friede von Gott und unserem Herrn Jesus Christus!“

Sofort ging Fr. Stephen mit seinem ganzen Seeleneifer ans Werk und besuchte in zwei Wochen knapp 500 Afroamerikaner, sprach mit ihnen eingehend, lud sie zur Messe und zum Unterricht ein und kündigte an, eine Schule einzurichten. Mehr als die Hälfte der Aufgesuchten versprach, zu kommen und hielt Wort. So wurde die Kapelle bald zu klein und es mussten zwei Messen am Sonntag gelesen werden.

Wie taktvoll und klug Fr. Stephen generell in seinem Apostolat vorging, soll ein Beispiel zeigen. Eines Tages kam ein schwarzer Mann an die Tür, der wohl eigentlich zum Methodistenprediger wollte. Er sagte, er sei wohl an die falsche Tür gekommen. Fr. Stephen erwiderte lächelnd, dass er sich wohl in der Tür geirrt habe, aber gerne eintreten könne, wenn er wolle. Der Mann trat ein, es entwickelte sich ein Gespräch über den Glauben und der zufällige Besucher versprach, über das Gehörte nachzudenken. Der Missionär mahnte ihn, im aufrichtigen Gebet die göttliche Gnade zu erflehen. Tatsächlich wurde der Mann später ein frommer und musterhafter Katholik.

1914 ging er an die Errichtung einer Schule, und da er knapp bei Kasse war, versuchte Fr. Stephen durch Missionspredigten in Pfarreien Geld zu sammeln. Der Erfolg entsprach nicht den Erwartungen, es war aber genug, um die Mission weiter auszubauen. 1920 waren bereits 120 Kinder auf der Schule. Eigentlich sollte sie dann aus Platzmangel aufs Land verlegt werden, jedoch war dies durch die widrigen wirtschaftlichen Bedingungen nach dem Ersten Weltkrieg nicht möglich.
Unermüdlich war Fr. Stephen darum besorgt, das Apostolat zu vergrößern und versuchte auch, andere für dieses Werk zu begeistern, indem er darüber auf Volksmissionen und bei Exerzitien sprach. Auch wandte er sich mit seinen Aufrufen an Bischöfe, Priester, Laien, Schulen und Klöster. Eine besondere Freude war es für ihn, als er kurz vor seinem Tod in einem Brief vom 17. Januar 1923 berichten konnte, dass nach Exerzitien in einem Seminar sich vier Seminaristen, darunter ein Schwarzer, für den Eintritt in ein Missionsseminar entschlossen hatten. Ein Zeichen seines großen Eifers sind die 246 Taufen, davon 54 bei Erwachsenen, die er allein zwischen 1913 und 1919 spendete.

Ab dem 20. Januar 1923 predigte er ein Triduum auswärts, wobei er bei der ergreifenden Predigt stark schwitzte, danach aber noch einige Zeit bei großer Kälte im Beichtstuhl saß. So zog er sich wohl die Lungenentzündung zu, die zu seinem Tod führen sollte. Er kam am 26. Januar so geschwächt in Milwaukee an, dass er direkt ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Trotz anfänglichen Anzeichen der Besserung verstarb er am 16. Februar 1923 im Alter von 53 Jahren.

Am 18. Februar wurde die Leiche im St. Franziskus-Kloster in Milwaukee aufgebahrt. Hunderte Schwarze kamen, um sich von ihrem geistigen Vater zu verabschieden. Manche berührten sogar ihre Rosenkränze am Leichnam, um zu zeigen, dass sie ihn als Heiligen verehrten. Das levitierte Requiem am 20. Februar wurde von Fr. Joseph Michael Eckert O.P., dem leiblichen Bruder des Verstorbenen, unter Assistenz von zwei anderen Dominikanern zelebriert. Fr. Stephens Landsmann John Forbes M. Afr., der erste kanadische Weiße Vater und selbst Missionsbischof in Uganda, betete das Libera Me am Sarg des toten Kapuziners. Über 80 Priester und 1.000 Gläubige wohnten der Zeremonie bei.
Schon bald nach seinem Tod wurden Gebetserhörungen gemeldet, und Fr. Stephen Eckerts Seligsprechungsprozess ist seit den 1950er Jahren eingeleitet.


Father Stephen war ein Mann des Gebets und der Abtötung. Lange Zeit betete er nachts vor dem Allerheiligsten. Eine Decke auf dem Boden seines Zimmers reichte ihm als Bett. Als einziger „Fehler“ wird seine große Sanftmut und Güte gegenüber den fehlenden Mitmenschen genannt. Besonders wird sein übernatürlicher Geist betont, der stets die Ehre Gottes und das Heil der Seelen suchte und der kein Gefallen an oberflächlichen Gesprächen hatte. Wo derartige Gespräche für ihn zu viel Platz einnahmen, lenkte er sie gekonnt auf tiefere Gedanken, darunter natürlich auf die Bekehrung der Schwarzen. Durch die Wärme und die Überzeugung seiner Erklärungen und die darin gezeigte Sachkenntnis schaffte er es, andere in seinen Bann zu ziehen. Möge dieser übernatürliche Geist uns allen ein Vorbild und Fr. Stephen uns und vor allem den Schwarzen in den USA ein Fürsprecher im Himmel sein.

(Quellen: cchahistory.ca, das Seraphische Weltapostolat des heiligen Franziskus von Assisi, Altötting, 1927 bzw. 1935)

Donnerstag, 26. Februar 2015

Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon – die heilige Katharine Drexel



(…) Für den weiteren Ausbau dieser und so mancher anderer Station [der Steylerpatres für die Mission unter den Schwarzen in Mississippi] sind die Patres einer edlen Frau zum höchsten Dank verpflichtet, die ihr Leben der Bekehrung und Hebung der schwarzen und roten Rasse gewidmet hat: Mutter Katharina Drexel. Tochter eines sehr reichen, tief religiösen und wohltätigen Börsenmannes in Philadelphia (ihr Großvater war Tiroler), fühlte sie sich schon früh in besonderer Weise zu den verachteten Indianern und Negern der Vereinigten Staaten hingezogen und spendete reichlich von ihrem Vermögen [kürzlich las ich in einer US-Publikation, dass es in ihrem 97-jährigen Leben wohl 12 Millionen USD waren, die sie spendete]. Nach einer Audienz bei Leo XIII., dem sie Notlage dieser Armen mitgeteilt hatte, fühlte sie die erste Anregung, eine eigene Schwesterngenossenschaft zu gründen, die sich durch Gelübde ausschließlich der Bekehrung der roten und schwarzen Rasse widmen sollte. Die Gründung des ersten Noviziats erfolgte im Jahre 1891, die Belobigung der Regeln durch die Propaganda im Jahr 1907 unter dem Titel: „Schwestern vom Allerheiligsten Sakrament für Indianer und Neger“.

Mutter Katharina hörte von der neuen Gründung auf einer Visitationsreise und sprach bei den Patres vor. Sie besichtigte alles, nichts schien ihr zu entgehen. Bei ihrem Abschied übergab sie dem glücklichen Missionär eine Summe Geldes, groß genug, um damit ein geräumiges zweistöckiges Schulgebäude zu errichten.

(…) Nachdem die Station von Vicksburg fest begründet war, versuchte P. Heick sein Glück in Jackson, der Hauptstadt des Staates Mississippi. Unter den 10.000 bis 11.000 Negern der Stadt war kein einziger Katholik. Das waren keine vielversprechenden Aussichten, aber die Schwierigkeiten begannen erst, als man an den Kauf eines geeigneten Grundstücks ging. Das ausgewählte Stück Land war günstig gelegen und nicht zu teuer, aber es hatte den einen Fehler, dass es zu nahe dem Stadtteil war, in dem die Weißen wohnten. Kaum hatte man von den Plänen des Missionärs erfahren, als eine wüste Hetze in den Zeitungen einsetzte. Schließlich erschien eine Abordnung bei P. Heick, die im Namen der weißen Bevölkerung scharfen Einspruch erhob. Eine Negerschule könne nur innerhalb der Grenzen des Negerviertels errichtet werden. Das war aber praktisch unmöglich, weil die Grundbesitzer des Negerviertels so unerschwingliche Preise forderten, dass P. Heick jede Hoffnung aufgeben musste. 

Da kam ihm wieder Mutter Katharina Drexel im entscheidenden Augenblick zu Hilfe. Sie erklärte sich bereit, jede geforderte Summe zu begleichen. Schon drei Monate später feierte P. Heick die erste heilige Messe in dem neuen Missionsgebäude, das Priesterhaus, Kirche, Schule und Schwesternhaus in einem war. Nach dem Wunsch des greisen Generalsuperiors wurde die neue Station dem Heiligen Geist geweiht, da, wie er schrieb, erfahrungsgemäß die der dritten Person der allerheiligsten Dreifaltigkeit geweihten Missionen und Anstalten immer Erfolg haben. Es sollte sich dies auch bis jetzt bewahrheiten. Obschon kein einziger katholischer Neger in der Stadt wohnte, wurden schon am ersten Tag nach der Einweihung des neuen Schulgebäudes 110 Kinder von ihren Eltern zur Mission gebracht. Bald wurde der Zuwachs so groß, dass ein Schwesterhaus und eine Kirche gebaut werden mussten. Da kein Grundstock von Katholiken am Platz war, so musste eine Pfarrei erst langsam geschaffen werden. Als erste Frucht nahm P. Heick eines der Kinder im Jahr 1909 in die Kirche auf. Im Jahr 1913 konnte er schon 35 taufen. Im letzten Jahr hatte er 324 Kinder, worunter 91 katholisch waren. Die Gesamtzahl der Katholiken ist bis auf 233 gestiegen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1916)

Sonntag, 1. Februar 2015

Die Kapuzinermission auf den Seychellen

„Capuchin House“ in Port Victoria (Henning Leweke)

Neunundzwanzig nördlich von Madagaskar im Indischen Ozean zerstreute Inseln werden unter dem Namen Seychellen zusammengefasst. Sie stehen unter englischer Herrschaft und bilden kirchlich ein eigenes Bistum. Der Name Seychellen kommt im eigentlichen Sinn nur der nordöstlichen Untergruppe zu; dort liegt auf dem Eiland Mahé die Hauptstadt Port Victoria, zugleich Sitz des Bischofs. In südwestlicher Richtung schließen sich die Amiranten, dann die Cosmoledo- und Aldabrainseln an. Unter den 29 Eilanden sind nur 20 bewohnt. Alle zusammen haben einen Flächeninhalt von nicht mehr als 490 qkm und sind durch weite Meeresstriche geschieden. Um von den eigentlichen Seychellen aus bis zu den Amiranten zu gelangen, braucht es eine Reise, die weiter ist als eine Rheinfahrt vom Boden- bis zum Zuydersee. (…)

1909 Betrug die Zahl der Bewohner 22.049. Die Bevölkerung besteht aus Negern, Madagassen, Indern, Chinesen und Europäern; ihre Sprache ist eine französische Mundart. Der größte Teil, 21.588 Seelen, gehört der katholischen Kirche an. Die Lebensweise ist meist anspruchslos. Von den Bewohnern der Amiranten wird als Kleidung ein leinernes Lendentuch getragen. In ihrer ärmlichen Hütte findet sich nichts als eine Schlafmatte, ein Stuhl, eine Pfanne und zwei oder drei Teller. Reis und Fisch stehen an jedem Mittag und jedem Abend des Jahres auf dem Speisezettel.

Als die Seychellen 1742 von den Franzosen besetzte wurden, waren sie unbewohnt. Die Franzosen errichteten eine Strafansiedlung und gestatteten die Benützung der Inselflur als Hauptstützpunkt des ostafrikanischen Sklavenhandels. 1794 bemächtigten sich die Engländer der Eilande. 1833 wurden auf den Seychellen wie im ganzen britischen Reich die Sklaven freigelassen.

1846 schickte Südabessiniens Oberhirt, der Kapuzinerbischof Massaja, den verlassenen Siedlern einen Priester seines Ordens; dieser wurde mit großer Freude aufgenommen. Seit 1852 war das Gebiet eine selbstständige Präfektur, 1880 erhob es der hl. Stuhl zum apostolischen Vikariat und 1892 zum eigentlichen Bistum. Die savoyischen Kapuziner stellten den Bischof und sämtliche Priester. Seit 1903 kamen die Schweizer Kapuziner ihren durch die Unterdrückung des Ordens in Frankreich schwer geschädigten Brüdern zur Hilfe, und 1922 wurde ihnen das ganze Gebiet als Arbeitsfeld übertragen. Gegenwärtig befinden sich 15 Priester auf 12 weit über die Inselflur zerstreuten Niederlassungen.
Drei Priester wohnen unter den etwa 7.000 Einwohnern von Port Victoria. Hier hat der gegenwärtige Oberhirt die stark verfallene bischöfliche Kirche wieder herstellen lassen. Wesentliche Dienste leistete ihm hierbei Bruder Bonaventura Pythen, ein hervorragender Kirchenmaler; doch starb dieser schon nach anderthalb Jahren als noch junger Mann an den Folgen seiner Überanstrengung. Jeden Sonn- und Feiertag wird in dem erneuerten Gotteshaus unter großem Zulauf des Volks gepredigt und Christenlehre erteilt. Jeder Gemeinde soll mit der Zeit eine vierzehntägige Geisteserneuerung zuteilwerden, die bisher gehaltenen hatten gute Erfolge.

Die 16 katholischen Volksschulen werden von 13 Maristenlehrbrüdern, 40 europäischen und 14 einheimischen Schwestern sowie 7 eingeborenen Lehrern versehen. Die Zahl der Schüler beträgt 977, die der Schülerinnen 1134. Dazu besitzt der Sprengel Port Victoria eine höhere Schule mit 222 Zöglingen. Der Ruf dieser Anstalt ist so gut, dass auch aus Mombasa, Sansibar, Nairobi und Daressalam Eltern ihre Söhne ihr zugesandt haben. Eine katholische Töchterschule, ebenfalls in der Hauptstadt, zählt 134 Zöglinge. Für die Kranken sorgt die Kirch durch Unterhaltung von 4 Krankenhäusern und 179 Betten.

Noch bleibt viel zu leisten, und die Schwierigkeiten sind groß. Zunächst die langwierigen, ermüdenden Reisen. Zwischen Mahé und den Amiranten besteht bloß für alle 6 oder 8 Monate ein regelmäßiger Verkehr, aber nur mittels sehr gefährdeter Segler. Erst in diesem Jahr war es den Bewohnern der Amiranten vergönnt, einen Priester unter sich zu sehen. Die meisten der Leute sind getauft, auch finden sie immer wieder Gelegenheit, zur Erfüllung ihrer Christenpflichten eine der Niederlassungen auf Mahé aufzusuchen. Aber viele bleiben immer daheim. Dass ein betagter Neger oder ein altes Negermütterchen zum ersten Mal zum Tisch des Herrn tritt, ist auch im Greisenheim von Port Victoria nicht so selten.

Die größte Schwierigkeit liegt in der Geistesart der Leute selbst, in ihrer Weichheit und ihrem Wankelmut. (...) Schlimmer ist die Abneigung der ganzen Bevölkerung vor den Banden der christlichen Ehe. Die Ordnung wilder Ehen ist eine der wichtigsten und schwierigsten Aufgaben des Seelsorgers. Doch sind auch auf diesem Gebiet schöne Erfolge zu buchen.

Anfeindung findet die Kirche nur von Seiten der Protestanten. Diese, 2586 an der Zahl, sind sehr rührig und suchen namentlich die Schwarzen durch Geld an sich zu ziehen, aber ohne viel nachhaltigen Erfolg. Dagegen sind neustens wieder eine Anzahl von Protestanten und Heiden der Kirche beigetreten, unter jenen der hochangesehene Vertreter einer Handelsgesellschaft. Die Erfolge der Katholiken erregten unter den Anglikanern großen Neid. P. Aloys Crausaz zu Port Victoria wurde vor einem von jener Seite drohenden Mordanschlag gewarnt. Bald nachher fand man P. Theophil mit eingeschlagenen Rippen und gebrochenem Genick an einem Ort, wo ein Unglücksfall ausgeschlossen ist. Nach P. Aloys steht eine Ermordung außer Zweifel. Beim geringen Bildungsgrad der Seycheller wäre ein Mord um des Glaubens willen nicht so auffallend, doch wird es gut sein, über Tat und Täter neue Aufklärung abzuwarten.

Heiden gibt es im Gebiet des Sprengels 282, meist Inder und Chinesen; dazu kommen 73 Mohammedaner. Viele Nicht-Christen schicken ihre Kinder in katholische Schulen, manche Muselmänner verrichten christliche Gebete, aber der Übertritt hält schwer. So steht auch das schwach bevölkerte Bistum der Seychellen vor manchen noch ungelösten Fragen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1925)

Sonntag, 11. Januar 2015

Der heilige Joseph als Helfer gegen die „Teufelskrankheit“



Alle Missionäre in den Ländern der Ungläubigen bestätigen den Einfluss der Dämonen auf die unglücklichen Heiden, welche noch nicht das Glück hatten, die Taufe zu empfangen. Ein Bischof aus dem Lazaristenorden erzählte unlängst, dass ihm bei einem Schulbesuch, wo sich zweihundert Kinder befanden, ein einfacher Blick hinreichte, um zu entdecken, dass nur zwei unter ihnen getauft seien. „Durch die Taufe entreißt uns Gott der Finsternis und versetzt uns in das Reich des Lichtes.“ (Ko. 1, 13.) – Der Satan begnügt sich nicht, die Seelen dieser armen Ungläubigen zu quälen, sondern er schlägt sie oft mit so sonderbaren Übeln, dass man sie in diesem Land [China] „Krankheiten des Teufels“ nennt. Die Ärzte selbst erklären sich in diesen Fällen für ohnmächtig; die hl. Sakramente allein vermögen zu helfen. Man führt in dieser Hinsicht tausend glaubwürdige Beispiele an. Das folgende hat der hochwürdige Pater Royer in einem Buch über die katholischen Missionen erzählt:

„Am 19. März, dem Fest des hl. Joseph,“ schreibt er, „bemerkte ich einen schrecklich mageren todbleichen Arbeiter – einen Heiden. „Was fehlt dir?“ fragte ich ihn ganz entsetzt. „Ach,“ erwiderte er, seine kleine Last ablegend, „ich bin nichts mehr, meine Kräfte sind dahin!“ Ich hieß ihn niedersitzen und erkundigte mich um seine Krankheit. Er bat mich um ein Heilmittel. O, sagte ich, glaube an Gott! Dein Übel ist unheilbar; denke daran, deine Seele zu retten, dies wird das beste Mittel sein! „Gut,“ sprach er, „ich glaube, und wenn Gott mich heilt, werden viele andere auch glauben. Seit zwei Jahren leide ich schon an dem Zié-pin (Teufelskrankheit).“
Ich spreche ihm Mut zu, schenke ihm ein kleines Gebetbuch, und empfehle ihm, zum heiligen Joseph zu beten, in fünf Tagen aber nach Jed-kiao zu kommen, wo wir das Fest Mariä Verkündigung feierten. Er kam und schon von weitem rief er mir zu: „Ich bin geheilt! Seit fünf Tagen ist der Teufel nicht wiedergekommen.“ Sein Angesicht glänzte vor Freude. Ich schenkte ihm einige Bücher religiösen Inhalts, sowohl für ihn als auch für seine Kinder. Am 4. April kam der Mann wieder und brachte seinen zweiten Sohn von 11 Jahren mit, der bereits die Gebete und den Katechismus lesen konnte. „Ich bin zufrieden mit dir“, sagte ich ihm. Er aber entgegen: „Wenn Sie, mein Vater! zu mir kommen wollen, so werden Sie dort noch viele finden, die in Folge meiner Heilung bereit sind, an Gott zu glauben.“

Ich erfüllte seinen Wunsch, kam zu ihm und war erstaunt über die Bereitwilligkeit der ganzen Familie, den Glauben anzunehmen. Ich taufte das jüngste Kind und nannte es Joseph aus Dankbarkeit für den vom heiligen Patriarchen erteilten Segen. Dies war der erste Täufling einer christlichen Gemeinde, die jetzt (1869) mehr als 20 Familien zählt.“

(Aus: Josephi-Buch oder: die Macht der Fürbitte des heiligen Patriarchen Joseph. Pfarrer Georg Ott, Pustet, 1878)

Montag, 22. Dezember 2014

Mission im chinesischen „Hungergefängnis“



Der chinesische Strafkodex kennt die Verurteilung zum Hungertod nicht. Dennoch bestehen, wie P. Bondon S.J. mitteilt, im „Reich der Mitte“ Gefängnisse, in denen der Hungertod eine grausame Ernte hält.
Glaubt ein Mandarin sich zu sehr von Arbeit überbürdet, oder droht eine Straf- oder Prozessangelegenheit ihn in ernste Verwicklung zu bringen, so kennt er kein besseres Mittel als das Hungergefängnis, um sich rasch aus allen Verlegenheiten zu ziehen.

P. Bondon, der in der Unterpräfektur Tang-chan einen Missionsposten versieht, hatte Kenntnis von einem Hungergefängnis erhalten und sehnte sich danach, den Trost des Evangeliums in diese Stätte furchtbarster Qual zu tragen. Da die Mandarine ihm äußerst gewogen waren, bat er einen derselben, ihm doch freien Zutritt zu den Hungernden zu erwirken. „Pater!“ rief der Mandarin entsetzt aus, „das ist unmöglich. Das verträgt sich nicht mit der Würde des großen Mannes.“ Der Missionär, dem seine Würde in diesem Augenblick höchst gleichgültig war, bestand auf der Bitte, und so trat er denn am folgenden Morgen in Begleitung des Mandarins den ersten Gang zum Gefängnis an. 

Wie groß war sein Staunen, als er einen peinlich sauberen Kerkerraum fand und die Gefangenen rein gewaschen, gut gekleidet mit frisch rasierten Schädeln und schön gedrehten Zöpfen vor sich erblickte.
Schmunzelnd sah der Mandarin den Pater an, und in seinen Zügen lag die Frage: Weißt du jetzt, großer Mann, mit welcher Liebe und Sorgfalt die Lenker und Leiter des ‚Himmlischen Reiches‘ (d.h. China) die zu Tode verurteilen behandeln?

Aber der Missionär gab sich mit diesem Besuch nicht zufrieden. Und nun ward sein Staunen zum Entsetzen. Als Kerkerraum diente ein finsterer, niedriger Saal, der keine andere Öffnung hatte als eine stark vergitterte Türe, durch die nur spärlich Licht und Luft eindrangen, besaß.
Hier lagen die Gefangenen, alle an eine einzige Kette befestigt, die meisten halb nackt, die einen zum Skelett abgemagert, die anderen entsetzlich aufgedunsen.

In diesem Raum voll Gestank und Fäulnis herrschte unheimliches Schweigen, das nur vom Röcheln der Sterbenden unterbrochen wurde. Zu seinem noch größeren Entsetzen erfuhr P. Bondon, dass wöchentlich 20-30 Mann in dieses Loch hineingestoßen werden. 3-5 Tage dauert die Qual; lässt der Tod zu lange auf sich warten, so macht Erdrosselung dem Leben der Unglücklichen ein Ende. Nur wenige verlassen wieder diesen Ort, aber auch dann nur, um ins Staatsgefängnis zu wandern und dort geköpft zu werden.

An diesem grausigen Ort, wo Verbrecher und Unschuldige bunt durcheinandergewürfelt lagen, fand der Missionär den rechten Boden für die trostreichen Lehren der christlichen Religion. Seit Jahren bereits macht P. Bondon, so oft die Zeit es gestattet, den Gefangenen Besuche. Er tut es zur frühen Morgenstunde, um kein unnötiges Aufsehen zu erregen (…).
Die Wächter kennen den Missionär. Sobald sie ihn erblicken, fallen sie ihm nach Chinesenart zu Füßen und beeilen sich dann, ein Tischchen zurecht zu stellen und Wasser herbeizubringen.
Der Pater tritt an die vergitterte Türe, und sofort wird es lebendig in dem düsteren Raum.
Wie Gespenster wanken die Gestalten näher und horchen gespannt auf die Worte des Missionärs von einem gekreuzigten Gott und einem himmlischen Reich.
Oft findet der Pater, dass einzelne das Wesentliche der katholischen Religion durch Umgang mit Katholiken kennen, und so wird die Vorbereitung auf die Taufe nicht schwer.
Während seiner Abwesenheit gestatten einige Wächter, dass die Unglücklichen sich gegenseitig die tröstlichen Wahrheiten wiederholen, ja der Hauptwächter ging sogar so weit, in eigener Person den Katechisten zu machen.
Bis jetzt hat noch kein einziger Gefangener sich geweigert, die heilige Taufe zu empfangen. Laut flehen sie darum.
Der Pater lässt sie einzeln ans Gitter treten, und hat er sich überzeugt, dass sie die Hauptwahrheiten der Religion kennen, so erweckt er mit ihnen einen Akt der Reue und gießt dann das Wasser über ihre Stirn.
Schon mehr als einen sah der Missionär unmittelbar nach Empfang der Taufe tot zu Boden sinken; der Gang zum Gitter hatte die letzte Kraft erschöpft. Bei einem Räuberhauptmann wollte P. Bondon die Taufe auf den folgenden Tag verschieben. Aber der Gefangene bat laut und flehentlich, sie ihm doch gleich zu erteilen. Schließlich willigte der Missionär ein, und nach einer Stunde war der Getaufte eine Leiche.

Leibliche Erquickungen kann der Pater den Armen nicht bringen, aber er hat die Freude, den reinsten Trost spenden zu können. Mehreren Hunderten wurde er bereits der Retter in der größten Not.
Schreckt die Natur auch vor dem Gang in diesen furchtbaren Ort menschlichen Elends zurück, das Vertrauen der Unglücklichen auf die Barmherzigkeit Gottes würde dem Missionär noch größere Opfer leicht und erträglich machen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1912)

Sonntag, 14. Dezember 2014

Große Missionsbischöfe: Der Apostel der Papuas – Der Diener Gottes Msgr. Enrico Stanislao Verjus M.S.C., Koadjutor des Apostolischen Vikars von Neu-Guinea (Teil 2)

Fortsetzung von hier

1887 wurde P. Louis Navarre zum Apostolischen Vikar von Mikronesien und Melanesien ernannt, und zwei Jahre später wurde die inzwischen deutsch gewordene Insel Neu-Britannien als eigenes Apostolisches Vikariat von „Neu-Pommern“ errichtet und P. Verjus anfangs zum ersten Apostolischen Vikar ausersehen. Das bedeutete für P. Verjus nichts Geringeres, als seine geliebte Mission von Neu-Guinea im Augenblick zu verlassen, da sie hoffnungsvoll zu blühen begann. 
Der leidende Zustand Msgr. Navarres ließ es jedoch ratsamer erscheinen, ihm den noch jugendkräftigen Mitbruder als Koadjutor an die Seite zu stellen, und so verblieb P. Verjus in Neu-Guinea zum Jubel seiner Mitbrüder und Neophyten. 

Seine Bischofsweihe fand am 29. September 1889 mitten im Urwald statt. Nur 14 Tage lang hatten die Missionsschwestern Zeit gehabt, aus ihren kleinen Schätzen, alten Epauletten, Tuchresten u. dgl., einen ganzen Bischofsornat fertig zu zaubern. Auch ein hölzerner goldbronzierter Bischofsstab fehlte nicht. Msgr. Verjus zählte damals erst 29 Jahre, 4 Monate und 3 Tage. Die erhebende Feier war für ihn der Anfang eines apostolischen Opferlebens, wie es ein Missionsbischof selbstloser kaum führen kann. „O guter und einzig geliebter Jesus“, so weihte der jugendliche Bischof sich schriftlich dem göttlichen Herzen, „ich biete mich heute durch die reinsten Hände deiner Mutter deiner Gerechtigkeit und Barmherzigkeit als Opfer dar, indem ich dich bitte und beschwöre, dasselbe zu reinigen, zu heiligen und gänzlich zu vernichten, als Zahlung für die Schulden dieser armen Insulaner und um ihnen die Gnade der Bekehrung zu erwirken. Ich erkläre, o mein Gott, dass du mich beim Wort nehmen und mich all die Härte deiner Gerechtigkeit empfinden lassen kannst. Ja, ich stimme zu, mein Gott! Ich wünsche es! Ich will es! Ich verlange es aufs Innigste… Diese Seelen müssen gerettet, müssen durch dein Blut gewaschen, gereinigt, erlöst werden. Und wenn, o teurer Jesus, um ihnen diese Gnade zuzuwenden, Blut, Qualen, eine Leidenswoche, eine Geißelung, eine Kreuzigung, ein lebendiger Kreuzweg notwendig sind, o so beschwöre ich dich, mein Jesus, nimm mich an. Sieh mich mit allem, was ich bin und habe, mein Blut, meinen Leib, mein Herz, meine Seele, mein ganzes Wesen und Sein“…

Das blieben keine bloßen Worte. Um die geringe Zahl der Missionäre zu ersetzen, suchte sich der junge Missionsbischof selbst gleichsam zu verdreifachen. Ohne Ruhe und Schonung durchzog er das wilde, noch ganz unzivilisierte Land von Stamm zu Stamm, von Dorf zu Dorf, voll verzehrendem Eifer, diese armen Kannibalenvölker dem göttlichen Herzen zu gewinnen, dessen Andacht die Glut und Begeisterung dieser apostolischen Seele entflammte. In acht Jahren waren denn auch auf Neu-Guinea bereits acht Niederlassungen mit ebenso vielen Kirchen und stark besuchten Schulen und zwei Klösterchen für die Schwestern gegründet, sämtlich eigenhändig aus dem an Ort und Stelle vorgefundenen Material erbaut. 300 Dörfer verlangten Missionäre und Unterricht. Alle Bewohner der Jule-Insel, 700 Seelen, waren bekehrt und getauft und gingen ohne Ausnahme alle 14 Tage zu den heiligen Sakramenten und regelmäßig zum Gottesdienst. 

Bereits waren Katechismus und die anderen notwendigsten Bücher in der Landessprache gedruckt, eine Katechistenschule gegründet usw., und dies alles in kaum acht Jahren. Es war merkwürdig, welchen Einfluss der Bischof auf die wilden Insulaner gewonnen. Das Geheimnis desselben verriet der selbst, ohne zu wollen, in einem Brief an seine jungen Ordensbrüder. „Es muss etwas Göttliches in und an euch sein, das die Wilden anzieht, und dies werdet ihr durch die fleißige Betrachtung und Nachahmung unseres Herrn Jesus Christus und  insbesondere seines göttlichen Herzens euch aneignen.“ Nur ein Beispiel aus vielen. Die Gewalttätigkeiten und Übergriffe der englischen Kolonisten und „Forscher“ hatten die Wilden erbittert, und wie gereizte Hornissen bedrängten sie mordgierig die Kolonien. In seiner Not bittet der englische Statthalter den Bischof persönlich um dessen Hilfe. Msgr. Verjus erscheint ohne jede bewaffnete Bedeckung, wie ein Friedensengel unter den wilden kampfgerüsteten Horden. Diese, die schon früher einmal die Streitaxt ihm zum Zeichen der gegenseitigen Versöhnung zweier kämpfender Stämme ausgeliefert und ihn in feierlicher Versammlung zum „Oberhäuptling“ ernannte hatten, gehorchen auch jetzt wieder seiner Aufforderung zum Frieden. Zur Erinnerung an die Begebenheit gründet der Bischof ein neues Dorf unter dem Namen Jesu Baïbo, d. h. Frieden Jesu. 

Die raschen Fortschritte der Mission machten einen Zuzug neuer Arbeiter und Mittel unerlässlich, und so reiste Msgr. Verjus im Lauf des Jahres 1892 nach Europa. Bald kniete er zu den Füßen des Statthalters Christi und überreichte ihm eine aus 300 Häuptlingsfedern gefertigte Tiara als Zeichen der Huldigung seiner Neubekehrten. Darauf wollte er die verschiedenen Häuser seiner Genossenschaft besuchen, um neue Kräfte für seine geliebte Mission zu werben. 

In Oleggio, seinem Geburtsort, den er im Vorbeireisen berührte, sah er seine hochbetagte Mutter wieder, und hier war es, wo Gott das schwerste Opfer von ihm forderte. Ein schlimmes Fieber warf ihn unerwartet aufs Krankenbett. Anfangs hoffte er noch Besserung. „O wie werde ich einst im Fegfeuer leiden müssen für die Zeit, die ich hier im Bett vergeude!“ seufzte er in seinem Verlangen, recht bald wieder in seine geliebte Mission zurückkehren zu können. Selbst in seinen Fieberträumen sprach er von seinen armen Insulanern. Doch sollte sein sehnsüchtigster Wunsch sich nicht erfüllen. Bald war alle Hoffnung verschwunden. Ergreifend war der Schmerz der alten Mutter. Aber Gott in seinen unerforschlichen Ratschlüssen verlangt das schwere Opfer. Am Morgen des 13. November, seinem Namenstag, gab der jugendliche Bischof seine reine, edle Seele dem Schöpfer zurück. Eine schmerzliche Klage ging durch alle Häuser der Genossenschaft, die in dem frommen, seeleneifrigen  jungen Bischof eine ihrer schönsten Zierden verloren hatte.

(Aus: die katholischen Missionen, 1893)

Sonntag, 9. November 2014

Ein ehemaliger Feind der „Römlinge“ als katholischer König in Nigeria


In einem Brief an den Präfekten der Propaganda, Se. Eminenz Kardinal Ledochowski, macht der Apostol. Präfekt, R. P. Lejeune aus der Genossenschaft der Väter vom Heiligen Geist, die erfreuliche Mitteilung, dass die Bevölkerung von Onitscha als König oder wohl richtiger Oberhäuptling einstimmig den katholischen Katechisten von Aguleri, Samuel Oksi Okolo, erwählt hat. „Samy“ ist früher sieben Jahre lang protestantischer „Evangelist“ und als solcher ein ausgesprochener Feind der „Römlinge“ gewesen. Allein das Wirken der katholischen Missionäre und Schwestern, vorab ihre Werke und Anstalten der Barmherzigkeit: Spitäler, Asyle, Kleinkinderbewahranstalten, Aussätzigenheime, die christlichen Dörfer befreiter Negersklaven usw., machte auf ihn großen Eindruck, öffnete ihm die Augen und führte ihn schließlich zum Übertritt. 

Gleichzeitig mit ihm wurden der protestantische Diakon Ephrem und die „Evangelisten“ Jakob, Karl und ein anderer Samuel katholisch. Seit der Zeit leistete „Samy“ als Katechist in Nsubi und Aguleri der katholischen Mission treffliche Dienste. Als nun vor einiger Zeit in Onitscha eine neue Königswahl stattfand, wurde „Samy“ von seinen Mitbürgern als Kandidat aufgestellt, trotz der protestantischen Gegenbemühungen zum König gewählt und als solcher auch von der britischen Behörde bestätigt. 

Sein erster Regierungsakt bestand darin, dass er dem P. Vogler, seinem Beichtvater, das königliche Kronidol auslieferte, ein Holzstück, dessen die früheren Könige sich bei ihren Todesurteilen und vielfach barbarischen Rechtsprechungen bedient hatten. De zweite Akt war, dass er über seinem Thron ein schönes, vom Apostol. Präfekten ihm geschenktes Kruzifix anbringen ließ, damit, wie er sagte, Heiden, Protestanten und Katholiken gleicherweise sich vor dem Zeichen der Erlösung niederwürfen. Sein dritter Regierungsakt war die Schenkung eines auf seinem Besitz liegenden Grundstücks an die Mission zum Bau einer Kapelle und Schule, der bereits begonnen ist. Bis zur Vollendung wird für 60–80 Kinder und junge Leute, Freie und Sklaven, Christenlehre und Schule in seiner eigenen Wohnung und unter seiner Aufsicht gehalten.

Der Heilige Vater hatte ob dieser guten Nachricht solche Freude, dass er für den katholischen Negerkönig sofort ein Geschenk in Gestalt eines schönen, prächtig eingerahmten Madonnenbildes bestimmte, während der Präfekt der Propaganda der Mission die stattliche Summe von 20.000 Lire überwies.


(Aus: die katholischen Missionen, 1901)