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Freitag, 17. Juli 2026

Ein Franziskanerbischof beim Großkhan –Johannes von Montecorvino O.F.M.

 


Das Spätmittelalter war die Zeit heroischer Wandermissionare. Zahllose Angehörige der beiden großen Bettelorden zogen nach Asien, um dort als Herolde des Evangeliums zu wirken und zu sterben. Weder die Tatsache, dass große Teile West- und Zentralasiens vom Islam dominiert wurden, noch die rauen Sitten der großen Nomadenvölker der eurasischen Steppe konnten diese apostolischen Wanderer abschrecken. Sie hatten ja alles verlassen, um Christus, dem Gekreuzigten, nachzufolgen. P. Leo Lemmens O.F.M. schreibt über ihre Gesinnung: „Hervorragendes Merkmal unserer Glaubensboten ist ihr Mut und Opfersinn. Vielleicht zeigt kein anderer Zeitraum so viele Hindernisse des Glaubenswerkes und so wenige Umstände, die zu seinen Gunsten eingewirkt hätten.“

Eines der großen Hindernisse waren die riesigen Entfernungen, die damals größtenteils zu Fuß oder zu Pferd bestritten wurden. So ist es nachvollziehbar, dass der europäische Kontakt zum kaiserlichen Hof in Kambaluk (Peking) erst im Jahr 1266 während der Herrschaft von Kublai Khan hergestellt wurde. Der Großkhan richtete durch Niccolò und Maffeo Polo an den Papst die Bitte um Gelehrte, „die die Lehre von dem einen mächtigen Gott predigen könnten“. Verschiedene Zeitumstände führten dazu, dass erst mit Bruder Johannes von Montecorvino im Jahr 1289 ein päpstlicher Gesandter auszog, der auch an seinem Zielort in China ankam.

Die Gebrüder Polo bei Kublai Khan

Bruder Johannes war 1246 oder 1247 im kampanischen Montecorvino Rovella geboren und war zunächst Arzt und Richter, bevor er in den Orden der Minderbrüder eintrat und sich dann als Orientmissionar vor allem in Armenien und Persien verdient machte. Als er 1289 von dort aus nach Rom kam, erteilte ihm Papst Nikolaus IV. die diplomatische Mission, päpstliche Schreiben an verschiedene Herrscher Asiens, darunter auch an den Großkhan in Kambaluk zu übermitteln. So berichtet er: „Ich, Fr. Johannes von Montecorvino aus dem Franziskanerorden, reiste von Tauris [Täbris], der Perserstadt, im Jahr 1291 und überschritt die Grenzen Indiens und verweilte in der Gegend Indiens bei der Kirche des hl. Apostels Thomas dreizehn Monate und taufte dort gegen 100 Personen an verschiedenen Orten. Mein Gefährte war Fr. Nikolaus von Pistoia aus dem Orden der Predigerbrüder, der dort gestorben und in eben dieser Kirche beigesetzt ist. Weiterreisend kam ich nach Katai, dem Reiche des Kaisers der Tataren, welcher der Großkhan heißt“.


Timur Khan

Timur Khan, der Enkel Kublais, empfing Bruder Johannes wohlwollend und zeigte die für die mongolischen Herrscher  charakteristische religiöse Duldsamkeit, die auch bei Özbek Khan der Goldenen Horde oder den persischen Ilkhanen trotz ihres Bekenntnisses zum Islam zum Tragen kam. Der Mongolenkaiser war zwar „im Heidentum ergraut“, doch ließ er den Franziskaner frei predigen.
Größere Schwierigkeiten machten die nestorianischen Priester, die wie in Zentralasien damals auch in China noch rührig missionierten. Sie verleumdeten ihn gar als Raubmörder, so dass er sich über Jahre immer wieder vor Gericht verantworten musste, bis die Wahrheit ans Licht kam und der Großkhan die Verleumder in die Verbannung schickte. Trotzdem hatte Bruder Johannes weiterhin von dieser Seite zu leiden; so versuchten die Anhänger des Nestorius, seinen Kirchenbau nachts zu zerstören. Vermutlich handelte es sich dabei um dieselbe Kirche, die er 1299 fertigstellte und mit Darstellungen aus dem Alten und Neuen Bund und Inschriften in lateinischer, persischer und uighurischer Sprache verzierte. Ohnehin zeichnete ihn eine Liebe für einen würdigen Gottesdienst aus. Die 40 Knaben, die der Missionar getauft und in Latein und Griechisch unterrichtet hatte, nahmen am feierlichen Chorgebet teil und erfreuten auch den Kaiser mit ihrem Gesang. Bruder Johannes übertrug neben seiner pastoralen Arbeit die Heilige Schrift in die mongolische Sprache und benutzte dazu das geläufige uighurische Alphabet. Bis 1304 konnte er 6000 Personen taufen oder in die katholische Kirche aufnehmen, darunter auch den nestorianischen Öngüt-König Georg. Georg diente ihm von da an in fürstlichen Kleidern am Altar. Besondere Hirtensorge von Br. Johannes erfuhren die Alanen, die während der Mongolenherrschaft in China angesiedelt wurden. Die Angehörigen des berühmten Reitervolkes hatten aus ihrer kaukasischen Heimat den griechisch-orthodoxen Glauben mitgebracht und mieden die Nestorianer als Häretiker. „Der Apostel der Alanen“ nahm viele von ihnen in die katholische Kirche auf und machte sie so zu einer der Säulen der neuen Gemeinde. Bei all diesen Arbeiten ist zu bemerken, dass Johannes von Montecorvino erst im Jahr 1303 einen ersten Gehilfen in Br. Arnold von Köln erhielt. Nach Einschätzung von Br. Johannes hätte sich der Großkhan vielleicht bekehrt, wenn er noch zwei oder drei Mitarbeiter gehabt hätte. 

Im Jahr 1307, dem Todesjahr Timurs, erhob Klemens V. den eifrigen Missionar zum Erzbischof von Kambaluk und entsandte sieben (laut Lemmens, nach anderen Quellen sechs) Franziskanerbischöfe, die ihm die Priesterweihe spenden und seine Suffraganbischöfe werden sollten. Nur drei von ihnen gelangten schließlich nach China und konsekrierten im Jahr 1308 den neuen „Patriarchen des ganzen Orients“, den Gründer der chinesischen Kirche. Seine Kirchenprovinz erstreckte sich vom Bistum Zaitun (Quanzhou) an der Taiwanstraße über Almalek in Turkestan bis nach Kumuk im Nordkaukasus – geradezu ein Sinnbild für seinen gigantischen Missionseifer. Alle nun in China residierenden Bischöfe standen in hoher Gunst am Hof des Großkhans, wobei Erzbischof Johannes vor allen anderen vom Kaiser geehrt wurde und freien Zutritt zu ihm hatte.

Von Heiden und Christen beweint, starb Erzbischof Johannes in Kambaluk im Jahr 1328. Johannes von Marignola berichtet 17 Jahre später, dass er von „Tartaren und Alanen als Heiliger“ verehrt wurde. Zweifelsohne ist Johannes von Montecorvino eine der bedeutendsten Figuren der Kirchengeschichte Ostasiens. Möge ein erfolgreicher Seligsprechungsprozess auch zur Bekanntheit seiner Person beitragen.

Literatur:
Dr. P. Leonhard Lemmens O.F.M.: Die Heidenmission des Spätmittelalters
P. Autbert Groeteken: Die Franziskanermissionen Chinas im Mittelalter

Samstag, 22. November 2025

Great articles on the missions at Unam Sanctam Catholicam

My friend Boniface over at Unam Sanctam Catholicam has a number of excellent articles on the missions on his Blog and website, all of them shedding light on lesser known episodes of missionary history. Here are some of my favorites:

Thanks for the homily, Father — about a rare homily on the missions by a missionary priest

The Manila Synod of 1582 — about the issues that an early synod in a missionary territory had to deal with

Archbishop Poblete’s Missionary Journey to Cavite — about the attempts of the Archbishop of Manila to end local slavery

The 1775 Burning of San Diego de Alcalá — about wayward converts attacking a mission founded by St. Junipero

Segregated Catholic Schools in New Orleans — about Black Catholic schools

The Martyrdom of Salvatore Lilli — about the martyrdom of Blessed Salvatore Lilli, O.F.M. at the hand of the Turks

Sung Catechism in the Jesuit missions  — about the catechetical use of song among the Indians

There's Always a Priest Shortage in Missionary Areas — on viri probati not being a solution to an age-old problem in the missions


Samstag, 2. August 2025

Catholicism in Dagestan: the Diocese of the Caspian Mountains

 


Map of the North Caucasus area with the Diocese of the Caspian Mountains at the bottom


Dagestan’s history has been shaped by its location at the intersection between Eastern Europe, the Middle East, and Central Asia. While a majority Muslim region today, the area of present-day Dagestan was home to a significant Catholic population in the late Middle Ages. In the 14th century, the Franciscans of the “Societas Peregrinantium”, a missionary group composed of Franciscans and Dominicans, made many converts in the western parts of Cumania, the realm of the Qipchak Tatars. As a consequence, numerous dioceses were springing up between the Crimean Peninsula and the western shores of the Caspian Sea. Among them was the “diocese of the Caspian Mountains”, whose main towns were “Chomek, Thuma, Tarchu, Dergweli, Michaha”[1] according to Pope Boniface IX. The faithful appear to have been mainly from the ethnic group of the Kaitag, whose first apostle was the Franciscan friar John of Ziquia, a native Circassian from the Black Sea coast and Archbishop of Matrega.
In the 1390s, the armies of Timur invaded the area and killed or captured many Christians and destroyed churches and convents. During the following decades, mentions of the Church in the Caspian Mountains are sparse: In 1421, Pope Martin V appoints Friar Ambrosius Scipionis as its bishop and mentions that the faithful, who are “surrounded by unbelievers, heretics and schismatics”, are particularly dear to his heart. He grants a plenary indulgence at the hour of death to all who dwell there or go there. In 1433, Pope Eugene IV mentions the many Christians there living under the threat of losing their faith due to the lack of preachers and appoints the Franciscan Cornelius as bishop. The Venetian traveler Giosafat Barbaro reports that in the middle of the 15th century, there were still faithful in Dagestan, looked after by the Franciscans, and that they belonged to the Latin, Greek, and Armenian rites. The Ottoman domination of the Black Sea finally cut off the contact to the Catholic community of the Caspian Mountains by the end of the century. The spread of Islam in the North Caucasus brought an end to the native Catholic presence in Dagestan.

 

Sources:

Lemmens, Die Heidenmission des Spätmittelalters

Richard, La papauté et les missions d'Orient au Moyen-Âge (XIII-XIVème siècle)



[1] According to Jean Richard, these places correspond to the settlements of Kumukh, Tjumen, Tarki, Dorgeli and Mukhakh, respectively.

Dienstag, 26. November 2024

A new missionary apostolate in the Muslim world


St. Nicholas Tavelic

In the past centuries, direct missionary efforts in the Islamic world have been few and far in between. Therefore, the establishment of the Tavelic Network is a ray of hope for this critically important region. The Tavelic Network (“TavNet”), named after the Franciscan martyr St. Nicholas Tavelic, was founded by Catholics from a Muslim background in order to support converts from Islam. As the new Catholics are not only often ostracized by their families, but also by the Catholic communities in their own countries, they need and deserve special pastoral attention. A network of faithful priests in good standing is currently supporting them spiritually.

This December, faithful and priests associated with TavNet will travel to North Africa, where the sacraments of Baptism and Confirmation will be administered and catechumens received during Advent and on Christmas. The group has many ambitious goals for the future, such as a sensible inculturation geared towards former Muslims. I have been in contact with the network’s initiator and can tell you that it is genuine. Please support this cause generously, especially with your prayers, the greatest missionary help. Thus you can make a contribution so that “the Sacred Heart of Jesus may live in the hearts of all men”, as St. Arnold Janssen prayed.

You can find the GoFundMe page here.


Dienstag, 20. August 2024

The glorious vocation of the missionary brother

Missionary brothers working with their apprentices in the Benedictine mission of Inkamana (South Africa)

"The missionary brother is the unknown apostle in the Catholic world mission. Inflamed by the love of God and of the souls in the heathen world, the missionary brother sacrifices his own self and all that is dear to him to help the missionary [priest] in foreign countries in converting, teaching and educating the natives.

The missionary brother carries out his apostolic work through the work of his hands. The calluses of his hands spell out the sermon of the price, but also of the blessing of Christian labor.

The missionary brother is of the greatest importance for the missionary priest, for the missionary work and for the missionary country. Without the dedicated work of the missionary brothers, the work of the missionary priests would experience the greatest obstacles. It is only through the missionary brother that the missionary's hands are freed for the service of souls. The missionary brother keeps many financial worries and expenses away from the mission; he takes care of the temporal, the material work, the house and the farm; he complements the missionary in conversion work, teaching and education. The missionary brother doubles the missionary's strength in many respects. Without a missionary brother, the missionary priest's hands are very often tied. The missionary brother is really the missionary's helping, supporting and complementary brother."

This quote by the great missiologist Fr. Robert Streit, O.M.I. emphasizes both how important the missionary brother is for successful missionary work and yet how little attention and appreciation this vocation has received—one might argue that it is virtually unknown in our days. Let us therefore take a closer look at the essential vocation of the missionary brother using historical examples.

Tradesmen of God

Since the discovery of the Americas, which ushered in the modern missionary era, missionary work has been mainly organized around mission stations that often resemble the monastic foundations that evangelized and civilized large parts of Europe. In addition to churches or chapels, many such mission stations had their own farming operations, workshops, schools, and sometimes also pharmacies and infirmaries. Naturally, this requires many skilled persons to fulfill these tasks—or in the early days of a particular mission, a small number of brothers who each had a great variety of skills. Before leaving for China in the mid-1880s, Br. Joseph Overlöper, S.V.D., a carpenter by trade, learned several other skills as well: candle making, soap making, glazing, bricklaying, painting, farming and gardening.


As Br. Joseph’s case shows, construction and farming skills understandably stood in very high demand in the missions. Many significant church buildings that could rival their European counterparts were constructed under the supervision of missionary brothers. Br. Petrus Gernert O.S.B., one of the Martyrs of Tokwon, oversaw the construction of Tokwon Abbey in Korea, in addition to directing the landscaping work surrounding the vast monastic premises. He also built several other chapels and churches for the mission in central Korea.

Some regions of the world posed particular difficulties with regard to building materials: virtually all churches in Papua New Guinea, from chapels to cathedrals, were built from wood. The wood had to be sourced from the country’s dense jungles, which meant that missionary brothers had to spend months at lumbering sites where they worked with their native crews.

Bishop Henninghaus with S.V.D. brothers in China

Brother cook’s demanding work was not as visible but played an essential role in maintaining the health and good spirits of the missionaries. When missionaries from far afield assembled at the main mission station for conferences and much needed vacations, the cook would serve European dishes that were a welcome dietary change for men who often only lived on sparse rations of native food.

The brothers who served as medics and pharmacists were not only able to cure diseases for which the sick could not find help among traditional healers, they opened the gates of Heaven to many, young and old, by instructing and baptizing patients who were at the doorstep of eternity.

The cathedral of Alexishafen, Papua New Guinea

Their trades often brought missionary brothers into close contact with the people of the country, with fellow workers, apprentices, patients or clients—and sometimes even with the powerful of this world. In the early stages of a mission among populations that lived as hunter-gatherers, the missionary brothers were the ones who introduced the future Christians to organized farming and crafts, thus ensuring a degree of material wellbeing that enabled a sedentary lifestyle and instilling knowledge that helped the natives keep pace with an increasingly Europeanized colonial society. In East Asia, missionary brothers took part in the technological exchange, especially at the Court of the Chinese Emperors. Brother Franz Stadlin, S.J., an expert watchmaker from Switzerland, was held in the highest regard by the Kangxi Emperor. When Stadlin died in 1740, the emperor held a lavish funeral ceremony for this humble religious. Many missionary brothers received deep insights into the culture and the language of the peoples of their missions. Several S.V.D. brothers were known as excellent speakers of the Chinese language who understood the Chinese mindset well. A popular brother could make a great apostle and increase the reputation of the missions among non-Christians significantly.

True missionaries

The missionary brothers were true missionaries, not only because they did all their work as consecrated men in the service of God and His Church, but also in virtue of their teaching and spreading the faith directly. Already in the early stages of the modern missionary period, St. Francis Xavier was keenly aware of the need for lay missionaries to complement missionary priests when educating children. As early as his first year in the missions, Francis Xavier asked St. Ignatius to send him auxiliary missionaries to teach children. Later he expressed the desire that every large missionary station with at least two priests would receive an auxiliary teacher to teach the catechism to children, visit the sick and baptize dying children. Saint Pedro de Gante is a premier example of a lay brother whose apostolate largely revolved around direct missionary work. He devised an innovative pictographic catechism with which he reached thousands of natives in Mexico in the early stages of the evangelization of the New World.

Pictographic catechism by Saint Pedro de Gante explaining the Most Holy Trinity

Men of prayer and sacrifice

“In the missions, they [the missionary brothers] shall love the natives with a tender and deep love, they shall pray without ceasing for their salvation and be willing to sacrifice everything for the spiritual benefit of their poor souls” (Chapter 8, Article 2 of the constitutions of the Spiritans)

In the lives of more than a few missionary brothers, we see this rule that Venerable Francis Libermann drew up for his own religious faithfully put into practice. The aforementioned Br. Joseph Overlöper preferred to travel at night so he could dedicate himself to undisturbed prayer. Br. Konstantin, a missionary in Togo, was the beekeeper of the S.V.D. mission. Countless times he was stung in the process, but the good brother turned it into a penance that he offered up for the success of the missions: “It does not matter. This is for the poor heathens.” How many hours did missionary brothers spend in front of the tabernacle after a day of exhausting work, in many cases in tropical climates!

Numerous missionary brothers sacrificed their health, dying an early death in the service of the missions. And there were brothers whom God chose for the highest form of sacrifice, martyrdom. Such was the case with St. Andreas Bauer, O.F.M., who was killed during the Boxer Rebellion in China, or the 13 Missionary Benedictine brothers who died in Communist death camps during the Korean War and whose beatification process has been initiated, just to name a few.

The missionary brother is not only an essential handyman for the missions, but he is also a true apostle. May we see a resurgence of this beautiful vocation.

Samstag, 16. Dezember 2023

Digitale Galerie zur Chinamission von der Whitworth University


 Die Whitworth University (eine presbyterianische Universität in Washington State) hat eine bedeutende Sammlung von Fotoaufnahmen aus der Chinamission verschiedener christlicher Konfessionen online gestellt. Ganz besonders sehenswert sind hier die Einzelgalerien zu den katholischen Orden sowie der Société des Auxiliaires des Missions des um China so verdienten Pater Vincent Lebbe.

Die Bilder sind ein schönes Zeugnis für die Vitalität der chinesischen Kirche in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts , deren Mitglieder sich später in den Drangsalen der kommunistischen Verfolgung oft heroisch bewährten. Gebe Gott, dass die Kirche in China sich bald wieder frei entfallen kann, wie es Papst Franziskus vor einigen Monaten wünschte.

https://digitalcommons.whitworth.edu/china_christian_missions/

P. Vinzent Lebbe mit Bischof Melchior Sun Dezhen C.M. und den kleinen Schwestern der hl. Theresa


Samstag, 20. Mai 2023

„Es werden mich selig preisen alle Geschlechter“: Missionsgesellschaften unter dem Patronat Marias (Teil 1)

Missionsgesellschaften unter dem Patronat Marias

Die großen Orden der Kirche, die Benediktiner, die Franziskaner und Dominikaner sowie in neuerer Zeit die Jesuiten haben maßgeblich zur Verehrung der allerseligsten Jungfrau Maria in den Ländern Europas beigetragen und diese Verehrung auch in den ihnen übertragenen Missionsgebieten gefördert.

Mit dem Wachstum der äußeren Missionen entstanden im 18. und 19. Jahrhundert verschiedene Ordensgemeinschaften und Kongregationen, die speziell zum Zweck der Missionsarbeit gegründet wurden. Viele dieser Gemeinschaften tragen nicht nur einen marianischen Namen, sondern ahmen das Leben der Gottesmutter im eigenen missionarischen Wirken nach. In diesem Kapitel soll ein kurzer Abriss der Geschichte dieser Orden und ihrer Verehrung der allerseligsten Jungfrau präsentiert werden.


Oblaten der unbefleckten Jungfrau Maria

Die Oblaten der unbefleckten Jungfrau Maria (lateinisch Missionariorum Oblatorum Beatae Mariae Virginis Immaculatae, Ordenskürzel OMI) wurden 1816 durch den provenzalischen Weltpriester Eugen von Mazenod gegründet, um den Glaubensgeist unter der armen Bevölkerung der Provence zu heben. Im Jahr 1825 wurde die Kongregation von Papst Leo XII. bestätigt, der ihr die Aufgabe gab „jene Menschen in den Schoß der Mutter der Barmherzigkeit zurückzubringen, die Jesus Christus an seinem Kreuz ihr als Söhne und Töchter geben wollte“. Bereits zu Lebzeiten des heiligen Gründers, der im Jahr 1837 Bischof von Marseille wurde, ging die Tätigkeit der Oblaten über die Grenzen Frankreichs hinaus: Im Jahr 1841 zogen die ersten Oblatenmissionare in die Indianermission in Kanada, worauf im Jahr 1847 die Übernahme der Mission auf Sri Lanka folgte. Eugen de Mazenod, der 1861 starb und 1995 heiliggesprochen wurde, bezeichnete Maria als die „Mutter der Missionen“. Die schwierigen arktischen Missionen unter den Inuit in Kanada stellte der Orden unter den besonderen Schutz der unbefleckten Jungfrau. Der selige Joseph Gérard, der Apostel von Lesotho, hatte eine kindliche Andacht zur allerseligsten Jungfrau und vermittelte diese auch seinen Christen. Am 7. Dezember 1863 schrieb er: „Es ist eine Freude für mich, wenn ich mir vorstelle, dass unsere Basotho mit den anderen Nationen die Seligkeit der heiligen Jungfrau preisen werden. Mögen auch sie anfangen zu sagen: ‚Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns!‘ Zwar tun sie es noch nicht aus ganzem Herzen und aus ihrer ganzen Seele, aber es ist Anfang; hoffen wir, dass die allerseligste Jungfrau ihnen den Rest lehren wird.“ Als seine Missionserfolge voranschritten, ,verbreitete sich auch die Andacht zu Maria unter dem Volk. Die Neugetauften begannen die Begrüßung der Oblatenmissionare untereinander zu verwenden: „Gelobt sei Jesus Christus – und die unbefleckte Jungfrau Maria“. Mit besonderem Eifer wurden auch die Maiandachten gepflegt.[1] So ist der Selige ein Vorbild des Ideals, das die Ordenskonstitutionen von 1966 im 6. Artikel zeichnen: „Sie [die Ordensmitglieder der Oblaten] werden in dieser Jungfrau einen Typus des Glaubens der Kirche erkennen und das vollkommene Vorbild für ihren eigenen Glauben, da sie Christus empfing, damit sie ihn mit der Welt teilen konnte, deren Hoffnung er ist. In ihren missionarischen Freuden und Leiden werden sie stets eng mit ihr, der Mutter der Barmherzigkeit, verbunden sein. Wo auch immer sie ihr Dienst hinführt, werden sie danach streben, in den Herzen der Menschen eine tiefe Andacht zur unbefleckten Mutter zu entfachen, die siegreich ist über alles Böse.“[2] Heute sind die Oblaten in zahlreichen Ländern vertreten. Der Sitz der mitteleuropäischen Provinz befindet sich im hessischen Hünfeld.



[1] Blessed Joseph Gérard, O.M.I. Apostle to the Basotho (1831–1914). Generalpostulat O.M.I. Rom 1991
[2] Jette, Fernand: The Missionary Oblate of Mary. Addresses and Written Texts, 1975–1985. Rom 1985


Freitag, 27. August 2021

Die ehrwürdige Fidelis Weiß: Mitleid mit den Heidenkindern

 


Am 11. Februar 1923 starb im Franziskanerinnenkloster Reutberg bei Bad Tölz die mystisch hochbegnadete Ordensschwester Fidelis Weiß, die sich während ihrer Todeskrankheit den Ruf großer Heiligkeit erworben hatte.

Bereits als junges Mädchen wünschte sie sich, ins Kloster einzutreten. Die Familie musste nach dem frühen Tod des Vaters viel entbehren, und Eleonore, wie sie in der Welt hieß, hatte den Wunsch, reich zu sein – doch ihre Motive waren andere als die der großen Mehrzahl der Menschen in ihrer Situation:

„Sie hatte immer den Wunsch, recht reich zu sein und recht viel Geld zu haben, um damit viel Gutes tun zu können, besonders auch für die Missionen und die armen Heidenkinder, mit denen sie großes Mitleid hatte.“

So ist auch die heiligmäßige bayerische Franziskanerin ein Beispiel dafür, wie die Heiligen fast immer einen großen Eifer für die Missionen an den Tag legten.


(Quelle: Lieben und Leiden – Lebensbild der gottseligen Schwester M. Fidelis Weiß)

Sonntag, 7. Juli 2019

Gebet zu Christus, dem Welterlöser



Göttlicher Heiland, Jesus Christus, Du bist unser Erlöser und Seligmacher. Du hat uns von dem Elend der Sünde befreit und aus der Finsternis des Heidentums gerettet durch Deine erbarmende Liebe und Deinen versöhnenden Opfertod. Wir danken Dir dafür, und wir verbinden mit diesem Dank die Bitte, lass auch jene, die dieses Glückes noch nicht teilhaftig geworden sind, bald daran teilnehmen.

Erbarme Dich unserer heidnischen Brüder und Schwestern, wie Du Dich unser erbarmt hast. Sende Deine Boten zu ihnen, damit sie ihnen das Licht des Evangeliums bringen. Erwecke heilige Missionare, Priester, Brüder und Schwestern, die mit der Liebe und dem Seeleneifer der Apostel hinausziehen in die fernen Länder, um den Armen die Reichtümer Deiner Gnade, den in Finsternis und Todesschatten Sitzenden das Licht Deiner beseligenden Lehre zu spenden. Verleihe ihren Worten Weisheit und Kraft, leite sie auf ihren gefahrvollen und mühsamen Wegen und segne alle ihre Opfer, damit sie reiche Ernte halten für Dich und Dein Reich. Amen.

(Aus: Betet, Brüder! Gebete für die Heidenmission. Von P. Dr. Otto Maas O.F.M., Laumann, 1937)

Freitag, 14. Oktober 2016

Die franziskanischen Märtyrer von Ägypten

Der heilige Franziskus beim Sultan: die Feuerprobe mit den Imamen.

Seit der heilige Franziskus von Assisi selber in Damiette gelandet, um dem alten Pharaonenland die christliche Wahrheit wiederzubringen, haben seine Söhne dieses Land und den ganzen Orient als ihr besonderes Arbeitsfeld angesehen. Einst die Wiege vieler Heiliger, war Ägypten der Tummelplatz der Irrlehrer und der Mohammedaner geworden.

[…] Der oft entsetzlichen Grausamkeit und dem Hass der Irrgläubigen und der Mohammedaner setzten die Söhne des Armen von Assisi christliche Geduld und heldenmütigen Opferwillen entgegen.
Eine lange Reihe von Martyrern hat der Franziskusorden für jene Gegenden hingegeben. Gerade Kairo hat das Blut einer großen Anzahl von Martyrern getrunken. Der selige Livinus wurde dort zu Tode gequält im Jahre 1345; der selige Johannes von Montepulciano wurde ermordet im Jahre 1349; die seligen Johannes von Montecorvino und Franziskus von Lavaro wurden getötet im Jahre 1358; auf dem Hauptplatz von Kairo wurde im Jahre 1373 der selige Johannes Oteo gekreuzigt.

Die Reihe der Martyrer setzt sich fort bis herunter zu Franziskus Clement, der 1704 dem Hass der Mohammedaner zum Opfer fiel.

(Aus: Seraphisches Weltapostolat des hl. Franz von Assisi, 1929)

Freitag, 7. Oktober 2016

Reconquest Radio: Patriotism and the Conversion of America



Vor knapp zwei Wochen hat Br. André Marie vom St. Benedict Center in seiner Radiosendung „Reconquest“ das Thema Patriotismus und die Bekehrung Amerikas behandelt. In den ersten 20 Minuten behandelt er das Thema Patriotismus vom theologischen Gesichtspunkt, danach behandelt er die frühe Missionsgeschichte der heutigen Vereinigten Staaten. Alles sehr interessant, für jeden sind wohl viele neue Informationen dabei.

Sonntag, 18. September 2016

Mehr Blutvergießen in der „Blutmission“

(Quelle: Tom Lemmens)

Wir hatten schon häufiger Artikel über das Apostolische Vikariat Südwest-Hupé (heute Diözese Yichang) in China, das wegen der vielen Verfolgungen auch den Beinamen „Blutmission“ erhielt. Das Vikariat befand sich unter Leitung der belgischen Franziskanerprovinz.

Seit dem vorigen Jahr [1921] ist das Gebiet von Li-Tschuen in Südwest-Hupé in heftiger Erregung. Einige Buddhas hetzen das unwissende und abergläubische Volk auf. Im Laufe des vorigen Jahres wurden mehrere Christen ermordet, weil sie sich weigerten, vor diesen Betrügern auf die Knie zu sinken und ihnen Weihrauch zu opfern.

P. Peregrinus Thenissen wurde verhaftet und grausam geschlagen; sein Leben verdankte er nur dem tatkräftigen Eintreten eines Dorfobern. P. Trudon Jans wurde mit etwa 60 Waisenkindern in der Residenz belagert und nur durch das Eingreifen regulärer Truppen gerettet.

P. Julian Adons, wie die beiden vorhin genannten ein belgischer Franziskaner, lebte monatelang inmitten der größten Gefahren. Trotzdem wollte er seine Gemeinde nicht verlassen, um nicht seine teuren Christen zu entmutigen. Er versammelte sie täglich im Kirchlein und ermunterte sie, ihr ganzes Vertrauen auf den göttlichen Heiland zu setzen. Zu seinem Trost wuchs der Glaubenseifer der Christen mächtig unter dem Druck der ständigen Gefahren.

Am 14. Januar abends drangen etwa 20 Bewaffnete unversehens in die Wohnung des Missionars ein und quälten ihn durch Lanzen- und Messerstiche zu Tode. Drei Tage später fand ein herbeigeeilter Mitbruder die Leiche in schrecklich zugerichtetem Zustand. Ein Lanzenstich hatte den Schädel von einer Schläfe zur anderen gespalten, das Hinterhaupt zeigte eine klaffende Wunde, die Kehle war ebenfalls durchstoßen.

Der gute Hirt, der in der Stunde der Gefahr seine Christen nicht verlassen wollte, hat sein Leben für seine Schafe dahingegeben.

Die Lage der Christen in diesen Gegenden ist noch immer sehr gefährdet. Bischof Modestus [Everaerts] schreibt darüber unter dem 27. Januar 1922: „In Itschang ist das Volk in Erregung und selbst die Truppen flößen wenig Vertrauen ein. Jeden Tag errichtet man Barrikaden auf den Straßen. Es werden viele Drohungen gegen die Europäer ausgesprochen und gegen Abend darf man darum das Haus gar nicht mehr verlassen. Wir wissen gar nicht, was unser noch wartet, sed in manu Domini sumus. In der Ebene, wo der Aufstand nicht herrscht, wütet infolge der Überschwemmungen die Hungersnot, das wird bis zum Monat Oktober weiterdauern.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1922)


Laut Franciscan Herald Vol. 10, 1922 waren drei Brüder von P. Julian Adons ebenfalls Franziskanermissionäre in Südwest-Hupé, eine Cousine namens Schwester Maria Amanda von den Franziskanerinnen Missionärinnen Mariens war einige Jahre zuvor als Märtyrerin gestorben. Ihr Seligsprechungsprozess war zu dem Zeitpunkt bereits eingeleitet.

Samstag, 3. September 2016

Papst Pius X. als Beschützer der Indianer Südamerikas



Ein besonders großes Mitleid empfand Pius X. mit dem traurigen Lose der Indianerbevölkerung Südamerikas. Hier, wo einst das Missionsleben so herrlich geblüht hatte, war die einheimische Bevölkerung durch die meist gottlosen Regierungen der verschiedenen Republiken der unerhörtesten Ausbeutung und den entsetzlichsten Grausamkeiten geldgieriger und schamloser Abenteurer ausgesetzt.

Schon im zweiten Jahre seines Pontifikats trat Pius X. für die geknechteten Indianer ein. Er richtete an den gesamten Benediktinerorden ein Schreiben, in dem er alle Klosterorbern aufforderte, ja anflehte (exhortamur immo et obsecramus), alle Mönche, die mit dem Abt Gerard van Caloen nach Brasilien gehen wollten, mit Freuden ziehen zu lassen, damit das so arg verlassene Ackerfeld treffliche Arbeiter erhalte. Der Ruf verscholl nicht ungehört, und im Jahre 1909 wurde die Mission am Rio Branco tief im Inneren Brasiliens gegründet.

Auch andere Ordensleute wie die Kapuziner, Franziskaner, Dominikaner, die Väter vom Heiligen Geist, die Salesianer Don Boscos drangen weiter in die Wälder vor, wohin sich die Indianer vor den Weißen geflüchtet hatten, und suchten die oft nur spärlichen Überreste früher starker Volksstämme zu sammeln und zu retten.

Im Verlauf weniger Jahre konnte Pius X. in Kolumbien die Apostolischen Präfekturen Caquetá (1904) und Chocó (1908) und die Apostolischen Vikariate Goajira (1905) und Llanos de S. Martín (1908), in Brasilien die Apostolischen Präfekturen Rio Negro (1910), Alto Solimôes (1910), und Teffe (1910) sowie die Prälaturen Santarem (1903), Araguaya (1911) und Registro da Araguaya (1914) errichten und die Apostolische Präfektur Urubamba in Peru (1913) zum Vikariat erheben.

Aber noch einmal erhob der Papst seine Stimme zu Gunsten der Indianerbevölkerung. Er tat es in der feierlichsten Form durch die Enzyklika Lacrimabili statu vom 7. Juni 1912 an den gesamten Episkopat von Lateinamerika. Voll Ernst und Schmerz beklagte der Heilige Vater die Gräuel, die namentlich an den Eingeborenen im Putamayogebiet begangen worden seien, und stellte sie den Schandtaten des verkommensten Heidentums an die Seite. 

Dann ermunterte er die Bischöfe, für die armen Kinder der Wälder Anstalten christlicher Nächstenliebe zu errichten, bestimmte, dass von Vergehen wie Verkauf oder Entführung von Indianern in Zukunft nur noch die Bischöfe die Lossprechung erteilen könnten, und versprach, selber die Gründung von neuen Missionen in die Hand nehmen zu wollen.

Dem Versprechen folgte sofort die Tat. Er berief englische und irische Franziskaner für die schwere Aufgabe im Putamayogebiet und hatte zugleich die Freude, dass das arme katholische England in wenigen Wochen 40.000 Mark für das zu gründende Unternehmen aufbrachte. 


(Aus: die katholischen Missionen, 1916)

Montag, 22. August 2016

Ein ehemaliger Moslem wird Franziskanerpater



Anfang Juli vorigen Jahres (1935) empfing ein ehemaliger nordafrikanischer Mohammedaner in Lille durch Kardinal Liénart die heilige Priesterweihe.

Der junge Mann war im Jahr 1925 nach Paris gekommen zum Studium der arabischen Literatur. Während er sich auf das Doktorat an der Sorbonne vorbereitete, begann er sich in die katholische Glaubenslehre und das Frömmigkeitsideal der katholischen Mystiker zu vertiefen. Kaum hatte er mit einer Arbeit über einen mittelalterlichen mohammedanischen Mystiker den Doktorgrad erworben, als er um die heilige Taufe bat und in die Kirche aufgenommen wurde. Damit nicht zufrieden, verzichtete er auf eine vielverheißende akademische Laufbahn und trat dem Franziskanerorden bei.

Nach erfolgreichem philosophisch-theologischem Studium empfing er als Pater Johannes die heilige Priesterweihe. Wie tief ihn die Verbundenheit mit Christus beglückt, zeigen die Worte, mit denen er Freunden und Bekannten von seiner bevorstehenden Weihe Kunde gibt: „Jesus Christus ist mir alles. Kaum hatte ich die Wahrheit erkannt, da legte ich Zeugnis von ihm ab. Doch er hatte mehr mit mir vor. Er ruft mich zum Priestertum, er will mir Ärmsten die Obsorge anvertrauen für seine Gegenwart auf Erden [in der Eucharistie], für das übernatürliche Leben der Gläubigen, für seine Friedens- und Liebessendung an die Völker, die alle bestimmt sind, in ihm einen geheimnisvollen Leib zu bilden. Möge ich dank eurer Zuneigung und euren Gebeten den Herrn immer besser begreifen und mich ihm immer restloser hingeben!“.


(Aus: die katholischen Missionen, 1936)

Sonntag, 22. Mai 2016

Große Missionsbischöfe: Msgr. Alessio Filippi O.F.M., Apostolischer Vikar von Südwest-Hupé



„Ich habe den Schmerz“, so schriebt am 1. Januar 1889 P. Benjamin Christiaens, Provikar von Süd-Hupé [Msgr. Filippis Nachfolger], an die Direktoren des Vereins der Glaubensverbreitung, „Ihnen anzuzeigen, dass uns der Tod unseren vielgeliebten Apostol. Vikar Msgr. Alessio Filippi entrissen hat. Sein langes, durch unermüdliche Arbeit zur Ehre Gottes und für das Heil der Seelen geheiligtes Leben, sein hehres Beispiel, das er als Apostel und Ordensmann uns gegeben, lassen uns hoffen, dass seine Seele bereits die Ruhe der Auserwählten genießt. Trotzdem bitten wir herzlich um Ihr frommes Gebet für einen Mann, der mit ganzer Seele sich dem Werke geweiht hatte, dessen Förderer und Beschützer Sie sind.“

Msgr. Alessio Filippi O. Min. Ref., Apostol. Vikar von Südwest-Hupé, Titularbischof von Cäsarea Philippi, erblickte das Licht der Welt in Modena am 16. Dezember 1818. Msgr. Filippi kam 1845 nach China. „Sein Seeleneifer“, so heißt es in einem Berichte aus dem Jahre 1876, der seine feierliche Konsekration zum Bischof in Wu-tschang-fu beschreibt, „achtete nicht der Entbehrungen, Mühen und Gefahren, denen die Missionäre damals ausgesetzt waren. Ganz allein in dem ungeheuren Distrikt, welcher gegenwärtig das ihm anvertraute Vikariat bildet, fand er Zeit und Wege, jährlich wenigstens einmal alle Gläubigen zu besuchen. Wie oft musste er sich während dieser Zeit der Verfolgung durch die Flucht den Feinden unserer heiligen Religion entziehen! Eines Tages in seinem Verstecke von den Häschern aufgespürt, wurde er gebunden in die Stadt geführt und zum Abschaum der Verbrecher ins Gefängnis geworfen; zur Nahrung hatte er nur, was seine armen Christen ihm bisweilen heimlich zukommen ließen. Nach zwei Monaten dieser schrecklichen Gefangenschaft, als er hoffte, die Krone der Martyrer zu erlangen, wurde er wieder in Freiheit gesetzt und seinen Christen zurückgegeben. 

Damals durchzogen die Rebellen plündernd und raubend diesen Teil Chinas, und Msgr. Filippi musste seine heiligen Gewänder und alle Kirchensachen vergraben, um sie diesen Räuberhorden zu entziehen. 
Nach vielen und langen Bemühungen war es ihm endlich gelungen, eine kleine Kirche und eine Wohnung für den Missionär zu errichten; sie waren kaum fertig geworden, als ganz unerwartet die Rebellen zurückkehrten. Es war gerade ein hoher Festtag und die Kirche geschmückt mit all den ärmlichen Schätzen, welche der Missionär sich im Laufe der Jahre durch zahllose Entbehrungen zusammengespart. Wieder musste er sich flüchten, um sein Leben den Christen zu erhalten. Als er zurückkehrte, waren seine Kirche, sein Haus mit allem, was sie enthielten, nur mehr ein Schutt- und Aschehaufen. Es galt also wieder von vorne anzufangen, ja zu darben und sich zu plagen, um den Verlust zu ersetzen. Indem der Heilige Stuhl Msgr. Filippi zur bischöflichen Würde erhob, erteilte er dem würdigen Missionär eine wohlverdiente Anerkennung. Meine Mitbrüder und ich freuen uns ungemein, zum Bischof einen so seeleneifrigen Apostel zu besitzen, dessen ganzes Leben für uns das beste Beispiel und die regste Aufmunterung zur unablässigen Arbeit für das Seelenheil unserer teuren Neophyten bilden.“

Dreizehn Jahre lang trug Msgr. Filippi die Last und Sorge eines Apostolischen Vikars, bis Gott den treuen Arbeiter zu sich rief.


(Aus: die katholischen Missionen, 1890)

Einer seiner Nachfolger als Apostolischer Vikar in der „Blutmission“ von Südwest-Hupé war Msgr. Verhaegen, der gemartert wurde.

Freitag, 19. Februar 2016

Einzigartige Sammlung: China Mission History

St. Francesco Fogolla O.F.M.

Kürzlich bin ich durch Zufall auf die Website China Mission Historyeine einzigartige Sammlung von Fotografien aus der China-Mission, gestoßen. Die Bilder sind nach Orden geordnet; darunter sind auch seltene Fotos von heiligen Märtyrern wie das oben vom heiligen Bischof Francesco Fogolla, der während des Boxeraufstands gemartert wurde.



Heilige Märtyrer Chinas, bitter für uns!

Samstag, 30. Januar 2016

Große Missionsbischöfe: kurzes Leid, ewige Glorie – St. Antonino Fantosati O.F.M., Apostolischer Vikar von Süd-Honan

St. Antonino Fantosati O.F.M.

Ein überaus qualvolles Ende [wie Msgr. Hamer] fand auch der Apost. Vikar von Süd-Honan, Msgr. Antonino Fantosati O.F.M. Am 4. Juli brach in der Mission das Unwetter los. Sämtliche Missionsanstalten und Christenwohnungen der Präfektur Hang-tschau wurden von dem wütenden Pöbel zerstört, zwei Missionäre in Huang-sa-van ergriffen und getötet. 

Der Apost. Vikar befand sich gerade in Ka-mu-kiao, um den Bau einer Kapelle zu leiten. Auf die Kunde von der Gefahr seiner Christen mietete er rasch eine chinesische Flussdschonke und fuhr in Begleitung des [heiligen] P. Joseph Gambaro nach der Hauptstadt Heng-tschon-fu zurück. Die Fahrt dauerte 1 ½ Tage. Unter den Mauern der Stadt angelangt, sandte er zunächst einen Boten an den Tao-tai (Stadtbehörde) und bat um Audienz und Schutz für seine Herde. Nach einem Bericht gab der Obermandarin in hinterlistiger Tücke sofort einem jungen Menschen den Auftrag, nach dem Landungsplatz zu laufen und dort mit lauter Stimme bekannt zu machen, dass in dem Schiff sich zwei Europäer befänden. Sofort stürzte der Pöbel teils vom Ufer her, teils auf kleinen Nachen auf die Barke los. Der Schiffer und die Diener entflohen. In wenigen Augenblicken hatte man die armen Opfer umzingelt, geknebelt und zur Erde niedergeworfen. Man beraubte den Bischof seiner sämtlichen Kleider und schlug wütend mit Bambusstöcken auf ihn ein. Ein Unmensch stieß dann von unten einen Stock in den Leib des schon ohnmächtigen Bischofs, während zwei andere ihm die Augen ausstachen. Das Übermaß der Schmerzen brachten den unglücklichen Oberhirten für einige Augenblicke zur Besinnung, während welcher er den die Eingeweide zerreißenden Stock aus seinem Körper zu ziehen suchte.  Kaum hatte man das bemerkt, als man unter Spott und Hohn zu einem starken Bambusrohr griff und dieses nun mit Gewalt auf dieselbe Weise den Körper hinauftrieb, so dass das obere Ende zum Hals heraustrat. Bei dieser grässlichen Tat gab der hochwürdigste Herr – das Martyrium hatte ungefähr drei bis vier Stunden gedauert – seinen Geist auf. Sein Begleiter war ihm bereits im Tod vorausgegangen. Man hatte ihn eines seiner Augen beraubt und dann mit Bambusrohren zu Tode gestoßen. Nach dem Bericht von Augenzeugen hatten sich die beiden Bekenner anfangs gegenseitig Mut eingesprochen und dann klaglos die entsetzliche Mater über sich ergehen lassen.

Msgr. Fantosati war geboren am 16. Oktober 1842 zu Trevi (S. Maria in Valle) im Erzbistum Spoleto, trat sehr jung in den Orden und wurde auf seine Bitte 1867 als neugeweihter Priester in die chinesische Mission gesendet. Er wirkte zuerst in Ost-Hupe, übernahm dann die Prokura der Mission und 1892 die Verwaltung des Apost. Vikariates von Süd-Honan. „Bis jetzt“, so hatte er kurz vor dem Ausbruch der Verfolgung geschrieben,  „haben uns Gott sei Dank die Behörden und das Volk respektiert, allein die Lage ist gefahrdrohend. Doch sind wir mit Gottes Gnade bereit, eher alle Qualen zu erdulden, als unseren Posten zu verlassen. Ich empfehle mich sehr Ihrem Gebet, damit wir in aller Drangsal standhaft bleiben und den Lohn erlangen, welcher der Beharrlichkeit bis in den Tod verheißen ist.“ Man sieht, mit welcher Gesinnung diese Männer ihrem Tode entgegengingen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1901)

Freitag, 1. Januar 2016

Große Missionsbischöfe: Der Märtyrerbischof der Blutmission – Msgr. Theotimus Verhaegen O.F.M., Apostolischer Vikar von Südwest-Hupé



Zum Schluss legen wir noch einen Kranz auf das Grab des jugendlichen Bekennerbischofs Msgr. Theotimus Verhaegen O.F.M. Über das blutige Ende dieses edlen, heiligmäßigen Sohn des seraphischen Vaters haben wir bereits früher berichtet. Fassen wir auf Grund genauerer Mitteilungen das dort Gesagte kurz zusammen. 

Im Frühjahr 1904 hatte Msgr. Verhaegen abermals eine Rundfahrt durch die weite Hupesche Ebene gemacht. Anfang Juli wollte er auch die Missionen des Berglandes besuchen. Auf dieser Tour fand er den Tod, der seine Laufbahn so plötzlich beschloss und ruhmvoll krönte. Der Mordanschlag ging, wie nachträglich festgestellt wurde, von der Geheimsekte der Ko-ti-köi aus. Eine Bande von etwa hundert mit Messern und Flinten bewaffneten Spießgesellen hatte sich unter Führung eines gewissen Siang-Hié-tang verschworen, die verhassten Missionäre aus der Welt zu schaffen. Von verschiedenen Seiten wurde der Bischof gewarnt. Er hielt die Befürchtungen für übertrieben und setzte seine Reise mutig fort. Im Marktflecken Schat-se-ti, durch welchen er auf seinem Wege nach der Missionsstation Ta-tsuo-schiu kommen musste, erwarteten ihn seine Mörder. Sie nahmen zunächst P. Florentin, einen der Begleiter des Bischofs, der vorausgeeilt war,  um die Ankunft des Bischofs vorzubereiten, fest, hingen ihn an seinem Zopf [die Priester in den chinesischen Missionen trugen die traditionellen Zöpfe, als dies noch in China üblich war] an einem Schandpfahl auf und peitschen ihn grausam mit einem Ochsenziemer. Auf die Kunde davon machte sich der Bischof in Begleitung seines leiblichen Bruders P. Friedrich und einer kleinen Schar Christen sofort auf den weg, um durch seine Dazwischenkunft den bedrohten Mitbruder wo möglich zu retten, wusste er doch, wie viel durch ein festes, entschiedenes Auftreten in Verbindung mit Güte und kluger Maßhaltung bei den Chinesen zu erreichen sei. Etwa hundert Schritte vor dem Eingangstor von Scha-tse-ti erblickte man eine Schar bewaffneter Leute auf einer kleinen Anhöhe. Die Palankinträger blieben erschrocken stehen; aber der Bischof gebot ihnen, weiterzugehen. Erst als ein Steinregen und Flintenschüsse von oben die wahre Absicht der Wegelagerer verrieten, ließ der Bischof Kehrt machen. In diesem Augenblick aber brach aus den Maisfeldern eine Rotte Mordgesellen hervor und stürzte sich mit dem Ruf: Tod den Europäern! auf die kleine Karawane. Vier der christlichen Begleiter, darunter der Diener des Bischofs, wurden niedergemacht. Der Bischof erhielt beim Aussteigen aus seiner Sänfte [wohl als notwendiges Zeichen ihrer Autorität und Stellung benutzten die Missionsbischöfe in China Tragesänften] einen Lanzenstich in den Unterleib und wurde dann mit Knütteln und Messern in grässlicher Weise gemordet. Der Leichnam wies an 30 Wunden auf. P. Friedrich erlitt dasselbe Schicksal. Nachdem sich die Mörder in einer nahen Schenke vollgetrunken, schleppten sie auch den P. Florentin herbei und töteten ihn mit Knütteln und Messerstichen. Die sieben Leichen wurden sodann in das ausgetrocknete Bett eines nahen Baches geworfen und mit Erde lose zugedeckt. Es war der 8. Juli. 

Drei Tage nach dem Mord ließ der nächste Ortsmandarin die Leichen aufheben, in Särge legen und zunächst nach Ta-tso-schiu bringen. Von dort wurden sie später in ehrenvoller Weise nach der Bischofsstadt Itschang gebracht und auf Kosten der Mandarine unter feierlichem Gepränge beigesetzt. Zur Sühne des Verbrechens verpflichtete sich die chinesische Regierung außer den üblichen Leistungen zur Errichtung eines Spitals in Li-tschoan-hieu.

Der Bekennertod dieses jüngsten der chinesischen Missionsbischöfe war der würdige Abschluss eines kurzen, aber überaus schönen Lebens. Bereits als Knabe von sieben bis acht Jahren suchte der kleine Flamländer (Verhaegen war am 19. Februar 1867 in Mecheln geboren) in seinem Schulatlas das große chinesische Reich auf und träumte davon, wie er einst als Missionär dorthin ziehen und die armen Heiden retten wolle. Nach glänzendem Abschluss seiner Studien war er bereits auf dem Weg zum Scheutvelder Missionsseminar, als eine Eingebung ihn zum Orden des hl. Franziskus führte. Zum Priester geweiht musste er erst einige Jahre als Professor seine Sehnsucht nach den Missionen zügeln. Endlich 1894 schlug seine Stunde. Bei den feierlichen Abschiedszeremonien, wie sie in manchen Genossenschaften die Absendung neuer Missionäre begleitet, ereignete sich ein ergreifender Zwischenfall. Als der greise Vater Verhaegens die Stufen des Altares hinaufstieg, um seinem Sohn die Füße zu küssen (vgl. zur Erklärung Röm. 10, 15), warf sich dieser einer plötzlichen Bewegung folgend dem Vater zu Füßen und bat ihn um seinen letzten Segen. Die Szene rührte die Zuschauer zu Tränen. Bei U. L. Frau von Oostacker holte er sich auch den Segen der himmlischen Mutter und bat sie, falls es Gottes Wille sei, um die Gnade des Martyriums.

Rasch hatte der junge Missionär sich in die chinesische Sprache und Verhältnisse eingelebt und sich zu einem tüchtigen Missionar entwickelt. 1900 übernahm er, erst 33 Jahre alt, die Leitung der schwierigen Binnenmission. Seine Ernennung fiel in die stürmische Zeit der Boxerwirren. Die ohnehin kleine Herde (6.000 Seelen auf 9 Millionen Heiden) war verscheucht. Mutig gab sich Msgr. Verhaegen daran, den verwüsteten Acker wieder in Stand zu setzen, was ihm mit Hilfe des kräftigen Zuzuges aus Belgien in überraschend kurzer Zeit gelang. Voll Freude meldet er am 29. Oktober 1903 seinem Ordensgeneral den glücklichen Fortgang. „Dank dem Eifer meiner wackeren Missionäre hat sich die Zahl der Katechumenen fast wunderbar vermehrt und konnten wir nicht weniger als 13 neue Gemeinden bilden als ebenso viele Mittelpunkte, von denen aus das Christentum sich verbreiten wird.“ Rastlos durcheilte der unermüdliche Oberhirt seinen weiten Sprengel, fast ohne sich Ruhe zu gönnen. Sein Eifer ließ ihn die Warnungen überhören, die auf seiner letzten Rundfahrt von seinen Christen ihm zugingen, und so fand er schon früh den Tod, den er sich als Krone seines apostolischen Berufes gewünscht. Wie wir hören, gedenkt die Stadt Mecheln das Andenken ihres ruhmvoll im Kampfe gefallenen Mitbürgers durch Errichtung eines Denkmals zu ehren.

(Aus: die katholischen Missionen, 1905)

Das Apostolische Vikariat Süwest-Hupé unter Leitung der Belgischen Franziskanerprovinz war durch die Vielzahl der Verfolgungen, die seine fanatischen heidnischen Bewohner entfachten und denen zahlreiche Christen und mehrere Missionäre zum Opfer fielen, als „Blutmission“ bekannt. 1898 wurde der im Ruf der Heiligkeit stehende junge Missionär P. Victorin Delbrouck O.F.M. grausam ermordet.

Mittwoch, 16. Dezember 2015

„Ihr habt uns Predigten gehalten, die Steine hätten erweichen können“ – Franziskaner im Heiligen Land

Pilger in Betlehem, Weihnachten 1890

Ein Bericht über Volksmissionen, die 1875 von den Franziskanern im Heiligen Land gehalten wurden:

Nach Beit-Dschala kam das Dorf der Hirten an die Reihe. Es liegt auf dem Hügel von Betlehem selbst, etwa 20 Minuten unterhalb der Stadt gegen Osten. Der Hügel ist reich an Höhlen, in welchen man irdene Lampen und Gefäße aller Art, steinerne Messer und Werkzeuge findet, zum Beweise, dass vor Alters diese Höhlen bewohnt waren. Jetzt wohnen nur mehr etliche arme Familien darin. Der Stall von Bethlehem war eine solche Grotte; in der am weitesten nach Osten gelegenen Höhle sollen die Hirten gewacht haben, als ihnen der Engel die Geburt des Heilandes verkündigte. Das Dorf der Hirten zählt gegenwärtig ungefähr 1.000 Bewohner, von denen sich eine beträchtliche Anzahl vom Schisma zur katholischen Religion bekehrt hat. Diesen geistigen Nachkommen der Hirten predigten wir von dem Gott der Patriarchen, seinem Sohne, seiner Kirche; und auch sie haben sich ob der frohen Kunde gefreut, sie haben den Heiland gefunden und verkünden nun anderen den Trost, welchen sie in seiner Nähe verkostet haben.


Von dort wendeten wir uns nach Betlehem selbst. Unter den 5.000–6.000 Einwohnern von Betlehem finden sich 3.500 Katholiken, arbeitsame, betriebsame Leute. Besonders gewandt sind sie in Anfertigung von Schnitzarbeiten, welche Geheimnisse des Evangeliums darstellen; auch Kreuze aus Perlmutter und Rosenkränze aus den Körnern des Ölbaumes verfertigen sie und bringen sie selbst nach Europa und sogar bis nach Amerika zum Verkauf. Sie tragen ein Gewand aus blauem Stoff, einen wollenen, weiß und rot gestreiften Mantel und eine schwere, unförmige Kopfbedeckung. Die Frauen gehen barfuß, vielfach auch die Männer. Dürftige gibt es keine unter ihnen; ihre Sitten sind patriarchalisch; nur hat die häufige, meistens feindliche Berührung mit den Nomadenstämmen der Wüste ihren Charakter etwas verwildert; sie sind streit- und rachsüchtig, lieben auch das Geld gar zu sehr, so dass sie zuweilen ihre Töchter um den Preis von 5.000–6.000 Piaster den Schismatikern verkaufen. Das waren die Leute, denen wir das Jubiläum zu predigen hatten, und auch hier waren unsere Bemühungen von Erfolg gekrönt. „Ihr habt uns Predigten gehalten, die Steine hätten erweichen mögen; nun, wir wollen, was wir früher getan, nicht wieder tun“ –so sprachen am Ende der Mission einige von denen zu uns, die sich der eben erwähnten Vergehen schuldig gemacht hatten.
(Aus: die katholischen Missionen, 1876)