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| Armenier auf der Flucht |
Hier ein Bericht über die Verfolgung der Armenier im osmanischen Reich, es handelt sich nicht etwa um den Völkermord an den Armeniern in den Jahren 1914-1917, dessen Leugnung Frankreich kürzlich gesetzlich unter Strafe gestellt hat und dafür vom türkischen Ministerpräsidenten Erdogan mit Sanktionen bedroht wurde, sondern um eine der zahlreichen Verfolgungen davor, die in den Jahren 1894-1896 statt fand.
Das Bild, das wir früher von den
blutigen Christenmorden auf Grund zuverlässiger Berichte entworfen, war gewiss
schrecklich genug. Dass dasselbe aber noch weit hinter der Wirklichkeit
zurückblieb, beweist der nunmehr veröffentlichte authentische Bericht der
armenisch-katholischen Behörde (vgl. die Zeitschrift „Das heilige Land“ 1896,
Heft 3, S. 112 ff.).
Die hier zusammengestellten Tatsachen sind geradezu
haarsträubend. Wir heben daraus in Kürze wenigstens einiges heraus, was zur
Ergänzung unserer früheren Berichte dient.
Kurzes Verzeichnis über die
Entweihungen, die gewaltsamen Bekehrungen zum Islam und die Priestermorde:
1.
Provinz Trapezunt (Trabzon). Die Metzeleien in der Hauptstadt wiederholten sich in
den meisten umliegenden Dörfern. In 13 derselben die Kirchen geplündert und
zerstört. 6 Priester ermordet. 4 Dörfer gewaltsam zum Islam bekehrt. Zahlreiche
Frauen geschändet.
2.
Provinz Erzerum. 41
Kirchen sind ausdrücklich namhaft gemacht, die teils geplündert und zerstört,
teils in Moscheen verwandelt wurden. Dazu kommen zahlreiche ungenannte und etwa
15 armenische Klöster. Die christlichen Gotteshäuser wurden vor der Zerstörung
in teuflischer Weise geschändet, beschmutzt, die Bilder, Altäre, Kruzifixe,
Gewänder, Evangelienbücher schmachvoll der Verunehrung preisgegeben und dann
vernichtet.
Etwa 13 Weltpriester und 8 Mönche wurden ermordet, andere
eingekerkert. Ganze Dörfer sind gewaltsam zur Annahme des Islam und zur
Beschneidung gezwungen worden. Die Gräueltaten an Hunderten von christlichen
Frauen und Mädchen sind über alle Beschreibung empörend. In einigen Distrikten
hat der Kultus des Kreuzes völlig aufgehört.
3.
Provinz Van. Hier
wurden in den verschiedenen Distrikten 58 Kirchen und 29 Klöster, außerdem
sämtliche Kirchen und Klöster der Distrikte Akhpag und Barguerd geplündert und
zerstört und eine größere Anzahl Priester und Mönche, zum Teil unter schrecklichen
Qualen, getötet; 26 Dörfer, die ausdrücklich genannt werden, sowie sämtliche
Ortschaften der Distrikte Chadkh und Hokhiatz u.a.m. wurden gewaltsam zum
Abfall gezwungen.
An mehreren Orten legten die Kurden die priesterlichen
Gewänder, welche sie aus den Kirchen geraubt, an und führten mit dem Kreuze,
dem Evangelium und dem heiligen Kelche in der Hand sowohl in ihren eigenen wie
in den armenischen Dörfern schamlose Tänze auf, um die Religion und die Kirche
der Christen lächerlich zu machen.
4.
Provinz Bitlis. Hier
wurden 28 Kirchen und 13 Klöster ausdrücklich genannt außer zahlreichen
anderen, die geplündert und teils zerstört, teils in Moscheen verwandelt, teils
geschlossen. Die Zahl der ermordeten Priester und Mönche ist nicht
festgestellt, aber ziemlich bedeutend. Außer den gewöhnlichen, wahrhaft
bestialischen Schandtaten und Entweihungen, die sich allenthalben wiederholten,
ist noch einiges besonders hervorzuheben.
Manche der schismatischen Geistlichen
wurden gezwungen, den Turban aufzusetzen, zahlreiche christliche Frauen und
Mädchen zwangsweise an Mullahs verheiratet, viele Christen zur Annahme mehrerer
Frauen nach den Gebräuchen des Islam veranlasst, um so ihren Abfall vollständig
zu machen, über 100 Dörfer zum Abfall und zur Beschneidung gezwungen, ganze
Scharen von Kindern entführt, um sie zum Islam zu erziehen etc. Auch hier ist
das Christentum stellenweise ganz ausgerottet.
(es folgen im Bericht noch die Provinzen Siwas und
Mamuret-ül-Aziz, in der ähnliche, z.T. noch schlimmere Grausamkeiten verübt
wurden)
Dieselben Greuel wiederholten sich
in den Provinzen Diarbekir, Adana, Aleppo und im Sandschak Ismidt. Die
Einzelheiten sind oft grauenerregend und zeigen den mohammedanischen Würger von
seiner brutalsten Seite.
So viel ist gewiss, diese letzten Vorgänge der Türkei
bilden eine der blutigsten und entsetzlichsten Seiten in der Geschichte dieses
Jahrhunderts, das doch der Gräuel so viel gesehen. (…)
Tröstlich ist die herzliche
Teilnahme, welche die christlich-gläubige Welt den armen Glaubensbrüdern im
Osten entgegengebracht. Überall in Amerika, England, Frankreich, Österreich
sind erfolgreiche Aufrufe zur Unterstützung der schwer heimgesuchten Mission
ergangen. Auch Deutschland hat z.B. durch seinen „Verein des heiligen Landes“
und seine verschiedenen Presseorgane tatkräftige Unterstützung teils schon
geleistet, teils zugesagt. Die Not ist außerordentlich groß und dringend.
Gewiss werden auch die Leser unserer Blätter bereitwillig fortfahren, ihr
Scherflein zu spenden. Bereits ging uns von dem Obern der Kapuzinermission, P.
Eugen de Modica, von Trapezunt aus ein inniges Dankschreiben zu für eine
vorläufige Gabe.
„Tausende und aber Tausende vor kurzem noch blühender
Existenzen“, so schreibt der hochwürdige Missionär, „sind an den Bettelstab
gebracht, ihrer Ernährer beraubt und sogar mit herzloser Grausamkeit aus ihren
Heimatsorten vertrieben worden. Die armen Witwen haben sich mit ihren hilflosen
Würmchen, das nackte Leben rettend, hierher geflüchtet, mit der einzigen Hoffnung
im Herzen, dass der allmächtige Gott sie in seiner unbegrenzten Barmherzigkeit
nicht verlassen werde.“
(Aus: die katholischen Missionen, 1896)