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Sonntag, 30. April 2023

„Es werden mich selig preisen alle Geschlechter“: Unsere Liebe Frau von La Vang (Vietnam)

 

Moderne Statue unserer Lieben Frau von La Vang auf dem Gelände des Wallfahrtsorts (Quelle: Hoangvantoanajc)


Nachdem der neue vietnamesische Kaiser Canh Thinh im Jahr 1798 die katholische Religion in seinem Reich verboten hatte, flohen Katholiken aus der Gegend der Kaiserstadt Huế in den Dschungel von La Vang. Dort suchten sie im Rosenkranzgebet Hilfe in ihrer Notlage, und eines Tages erschien ihnen die allerseligste Jungfrau mit dem Jesuskind auf dem Arm, sprach ihnen Trost zu und riet ihnen, mit den Blättern der umliegenden Bäume eine Art Tee zu kochen, um Krankheiten zu heilen. Von der Erscheinung der Mutter Gottes werden folgende Worte überliefert: „Vertraut mir, denn ich habe eure Gebete erhört. Von nun an werde ich alle diejenigen segnen, die mich an diesem Ort anrufen.“[1] Die Verfolgten konnten 1802 in ihre Dörfer zurückkehren und berichteten ihrem Umfeld von der himmlischen Erscheinung. In der Folge bauten die Katholiken in La Vang eine Kapelle, die in den späteren Verfolgungszeiten zahlreiche Male zerstört, von den Gläubigen aber immer wieder aufgebaut wurde. Nachdem die Christenverfolgungen in Vietnam mit der französischen Herrschaft über das gesamte Land zum Ende gekommen war, ließ der Apostolische Vikar von Huế, Msgr. Marie-Antoine-Louise Caspar M.E.P., eine große Kirche in La Vang bauen, die er vom 6. bis 8. August 1901 im Beisein von 12.000 Pilgern einweihte. Bald war auch diese Kirche zu klein, sodass eine größere an ihrer Stelle gebaut wurde, die am 22. August 1928 im Beisein von 20.000 Pilgern eingeweiht wurde. Im Jahr 1959 wurde sie anlässlich des 300-jährigen Jubiläums der Einführung des Christentums in Vietnam zum Nationalheiligtum des Landes, und Papst Johannes XXXIII. erhob sie 1961 zur Basilica minor. Im selben Jahr fand an dem Wallfahrtsort ein marianischer Kongress unter großer Teilnahme von einheimischen und französischen Bischöfen, weltlichen Behörden und zahlreichen Gläubigen statt. Die vietnamesische Bischofskonferenz erklärte La Vang am 13. April 1961 zum nationalen marianischen Zentrum.

Die ursprüngliche Basilika, die im Jahr 1972 bis auf den Kirchturm zerstört wurde (Quelle: Sciacchitano) 
 

Gegen Ende des Vietnamkriegs wurde die Kirche vollständig durch Artilleriebeschuss zerstört. Nach der Vereinigung von Nord- und Südvietnam weigerte sich die kommunistische Regierung lange Zeit, die Kirche wieder aufzubauen. Die Verehrung des Volkes überdauerte auch diese schweren Zeiten, und im Jahr 2012 wurde der Bau einer neuen Basilika im asiatischen Stil begonnen, die vor der Fertigstellung steht. An den Feierlichkeiten zum Fest Mariä Himmelfahrt nahmen im Jahr 2019 insgesamt 80.000 Personen teil. Besonders Papst Johannes Paul II. betonte die Bedeutung dieses Wallfahrtsorts für die Kirche in Vietnam, etwa als er am Weltjugendtag in Denver im Jahr 1993 die vietnamesische Kirche unter den Schutz unserer Lieben Frau von La Vang stellte.



[1] https://www.ucanews.com/news/vietnams-our-lady-of-la-vang-lifts-pilgrims-spirits/97389



Samstag, 16. Januar 2021

Der heilige Arnold Janssen über den hl. Auguste Chapdelaine und Missionsberufe

St. Auguste Chapdelaine


Nachfolgend ein Auszug einer Lebensbeschreibung von P. Auguste Chapdelaine M.E.P., die P. Arnold Janssen 1874 im Herz-Jesu-Boten veröffentlicht hat. P. Chapdelaine war 8 Jahre lang Priester in Frankreich, bevor er 1851 als Missionar des Pariser Missionsseminars nach China ging, wo er den Martertod erduldete. Ich veröffentliche diesen Beitrag auch zur Sühne der entsetzlichen Verleumdungen, die von der kommunistischen Propaganda über den heiligen Auguste Chapdelaine verbreitet werden, ähnlich wie über den heiligen Alberico Crescitelli.

„Wie gut hat der gelebt, der sein Leben um Gottes willen verliert! Welch andere Persönlichkeit ist P. Chapdelaine in China geworden: Stifter mehrerer neuer christlicher Gemeinden in einem heidnischen Lande, erster Apostel einer Provinz, größer als zwei deutsche Königreiche, glorreicher Martyrer, der durch sein Beispiel Millionen erbaut und ewig im Andenken jenes Landes und in der Geschichte der katholischen Missionen leben wird. Wäre er in Frankreich geblieben, so hätte er gewiss auch dort manches Gute getan, und es müssen ja auch dort Priester bleiben. Aber, was meinen wir? Soll nach seinem Weggang wohl die Kanzel, wo er gestanden, verödet, der Beichtstuhl, in dem er gesessen, leer geblieben sein? O gewiss nicht! Ein anderer ist an seine Stelle getreten, und es hat den heilbegierigen Christen seines alten Wirkungskreises weder an dem Brote des Wortes noch an dem der Sakramente gefehlt.

O möge doch noch mancher Priester und Priestertumskandidat, welcher der Größe des Missionarberufes fähig ist, das beherzigen. Wer die Kürze der Zeit und die Länge der Ewigkeit erwägt, der wird wünschen müssen, sein Leben recht teuer für Gott zu verkaufen und sich nicht einen kleinen, sondern einen guten Platz in der himmlischen Herrlichkeit zu erobern.“


Donnerstag, 19. Januar 2017

Aktuell: Alte Messe in Singapur

Der heilige Laurent Joseph Imbert aus dem Pariser Missionsseminar, der im Jahr 1839 als Märtyrer in Korea starb, war vermutlich der erste Priester, der in Singapur die heilige Messe zelebriert hat. Es befinden sich einige Reliquien des heiligen Missionsbischofs in der Kathedrale von Singapur.

Ich leide aktuell an einer Zivilisationskrankheit im rechten Unterarm und möchte darum nicht über das beruflich notwendig Maß tippen (habe mir auch schon eine ergonomische Maus gekauft). Darum wollte ich nur kurz auf einen Artikel von New Liturgical Movement über die alte Messe in Singapur und die Bedeutung der lateinischen Sprache für die Liturgie in einer mehrsprachigen Nation hinweisen:

Latin and the Latin Mass in Singapore



Freitag, 2. Dezember 2016

Der Märtyreronkel



Als der heiligmäßige Fr. Stephen Eckert O.F.M. Cap. in New York City wirkte, kam er im Januar 1907 anlässlich eines Krankenbesuchs zu einer gewissen Frau W., die in der 157 East 110th Street wohnte. Sie hatte einen Protestanten vor einem protestantischen Religionsdiener geheiratet, und nur die beiden ältesten der sechs Kinder waren getauft, da der Vater gegen die Taufe der übrigen Kinder war.

Allerdings fand Fr. Stephen bei der Frau noch etwas Glauben. Sie zeigte ihm auch ein Bild ihres Onkels, eines Priesters namens Augustin Schoeffler. Fr. Stephen fragte, ob ihr Onkel noch am Leben sei. Sie erwiderte, dass sie das nicht wisse. Fr. Stephen las dann unter dem Bild die Unterschrift: Le Bienheureux Augustine Schaeffler, martyr. Der Kapuzinerpater war darüber äußerst erstaunt.

Der heilige Augustin Schoeffler (Schaeffler ist nur in älteren Quellen zu finden) stammte aus dem lothringischen Mittelbronn, wurde für das Pariser Missionsseminar zum Priester geweiht und am 1. Mai 1851 in Vietnam geköpft, weil er den „verbotenen“ katholischen Glauben gepredigt hatte. Er wurde 1900 selig-, 1988 heiliggesprochen.

Fr. Stephen teilt uns leider in seinen Aufzeichnungen nicht mit, was aus der Frau geworden ist.
Allerdings hatte P. Schoeffler noch eine Cousine, die bereits 1830 in die USA ausgewandert war. Sie hieß Catherine Greiner. Ihre Nachfahren wohnen noch heute in Detroit, und die Pfarrei Assumption Grotto, die die Greiners besuchten, hat seit 2009 eine Reliquie des heiligen Märtyrers.


Heiliger Augustin Schoeffler, bitte für uns!


Samstag, 10. September 2016

Der Martertod des heiligen Jean-Pierre Néel



Im Monat Dezember des Jahres 1861 kam zum hochwürdigsten Herrn Bischof Faurie der chinesischen Provinz Kajtscheu ein Katechist und meldete, im Dorfe Kia-tscha-lung sei eine Familie bereit, den christlichen Glauben anzunehmen. Alsbald schickte der Oberhirt den hochw. Herrn Néel, Mitglied der Gesellschaft der auswärtigen Missionen von Paris, an Ort und Stelle, um den Unterricht zu vollenden und die heilige Taufe zu erteilen. Gott segnete die Arbeit seines Dieners und bald hatte er eine junge Gemeinde von etwa 50 Seelen gebildet. Ganz glücklich wollte der Missionär auf einige Tage nach der Hauptstadt gehen, um dem hochw. Bischof den gesegneten Erfolg seiner Mühen mitzuteilen, als man ihm meldete, der Befehlshaber der Bürgerwehr habe einen seiner Neubekehrten verhaftet und gesagt, er werde mit allen Christen im Dorf kurzen Prozess machen.

Nun beschloss der treue Hirte, in solcher Gefahr seine Herde nicht zu verlassen. „Ich bleibe auf meinem Posten, um meine Neubekehrten zu ermutigen“, schrieb er am 16. Februar 1862 an seinen Bischof. Zwei Tage später, am 18. Februar, kamen zahlreiche bewaffnete Häscher unter der Leitung von Mandarinen zu Pferd und in Sänften, umstellten unversehens das Haus, in dem sich der Missionär befand, und knebelte den Besitzer des Hauses, Johann Tschang, den Katechisten Johann Tschen und den Täufer Martin Uh.

Der hochw. Herr Néel hatte sich in ein inneres Zimmer geflüchtet, um die heiligen Gefäße zu verbergen; aber bald flog die Türe unter den Schlägen der Soldaten in Stücke und die vier Bekenner wurden alsbald nach Kajtscheu abgeführt. Den Missionär banden die rohen Knechte mit den Haaren an den Schweif eines Pferdes und hatten ihr Gespött daran, wie sich der Priester quälen musste, dem Reiter Schritt zu halten.

„Wie heißt du?“ schrie der Mandarin, der bereits die Gefangenen erwartete, den Missionär an. „Auf Chinesisch nennt man mich Uen, auf Französisch Néel“, antwortete dieser. „Knie dich nieder wie die anderen!“ – „Ich bin kein Chinese“. Ich komme aus Frankreich, um gemäß der Verträge die wahre Religion zu verkünden.“ Da schlug ein Henkersknecht mit einer schweren Kette den Missionär so wuchtig auf den Rücken, dass er zu Boden stürzte. Ruhig richtete er sich auf seine Knie auf und wollte seinen Pass vorweisen. „Danach habe ich gar nicht gefragt“, sagte der Richter; „entsage deiner Religion oder ich lasse dich töten!“ „Diese Aufforderung ist umsonst – töte mich!“ „Du wirst nicht lange zu warten haben! Und ihr anderen Dummköpfe,“ sagte der Mandarin, sich an die drei Christen wendend, „wollt ihr der christlichen Religion entsagen?“ „Niemals“, riefen alle einstimmig. „So tötet mir diese ganze Brut und damit Basta!“ 

Hiermit griff der Richter zu seinem Pinsel und schrieb folgendes Urteil: „Ich habe rechtzeitig eine Verschwörung entdeckt und ihre Urheber mit dem Tode bestraft.“ Noch wagte einer der Beisitzenden die Bemerkung: „Aber dieser Mann hat einen Pass – man kann ihn doch nicht so töten!“ „Du wirst gleich sehen, dass man einen Franzosen gerade so leicht töten kann wie einen Chinesen“, erwiderte der Richter und gab Befehl, den Verurteilten ihre Kleider auszuziehen, „denn sie sind nicht würdig, Kleider zu tragen,“ sagte er.

So führte man die vier Bekenner durch die gaffenden Scharen zur Hinrichtung. Der Befehlshaber der Bürgerwehr von Kia-tscha-lung schlug eigenhändig das Haupt des hochw. Herrn Néel ab. Tags darauf gesellte sich zu den vier Blutzeugen noch eine Christin namens Lucia Y., welche ebenfalls des Glaubens wegen enthauptet wurde. Die Leiber warf man den wilden Tieren zum Fraße hin, während ihre Köpfe zum abschreckenden Beispiel auf die Zinne von Kajtscheu gesteckt wurden. Der hochwürdigste Bischof Faurie tat alles, um diese kostbaren Überreste zu erhalten; mehrere Versuche waren vergebens, bis es endlich in der Nacht vom 5. auf den 6. März fünf mutigen Knaben gelang, die Häupter der Blutzeugen dem Bischof zu bringen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1876)

Freitag, 19. Februar 2016

Einzigartige Sammlung: China Mission History

St. Francesco Fogolla O.F.M.

Kürzlich bin ich durch Zufall auf die Website China Mission Historyeine einzigartige Sammlung von Fotografien aus der China-Mission, gestoßen. Die Bilder sind nach Orden geordnet; darunter sind auch seltene Fotos von heiligen Märtyrern wie das oben vom heiligen Bischof Francesco Fogolla, der während des Boxeraufstands gemartert wurde.



Heilige Märtyrer Chinas, bitter für uns!

Mittwoch, 25. November 2015

Der Vater der Missionäre



Am 19. November schied in Paris ein 83-jähriger Greis aus diesem Leben, zu dem einst Kardinal Richard gesagt hatte: „Ihnen fehlt die Bischofsweihe, aber Sie sind mehr als Bischof; Sie sind der Vater aller oder doch beinahe aller Bischöfe der Gesellschaft der auswärtigen Missionen.“ Dieser Mann war Prosper Bernard Delpech, der langjährige Vorsteher des Pariser Seminars.

Prosper Bernard war geboren am 9. April 1827 zu St. Antonin in der Diözese Montauban. Er entstammte einer ziemlich begüterten, aber nicht sonderlich religiösen Familie, und der Jüngling hatte einen harten Kampf durchzufechten, bis er am 21. Juli 1850 die Priesterweihe empfangen und am 25. September desselben Jahres ins Pariser Missionsseminar eintreten durfte. Der Grundgedanke, der ihn von Jugend an beherrschte, war, sich opfern für Christus und die Seelen; aber er sollte seine Kräfte auf einem ganz anderen Lebenspfad als denen eines Missionärs in den Heidenländern für die Mehrung des Gottesreiches aufbrauchen. Nur drei Jahre wirkte er außerhalb Frankreichs im großen Generalkolleg von Pulo-Pinang in Hinterindien. Dann wurde er nach Paris zurückberufen, um sich als einer der Direktoren an der Leitung des Missionsseminars zu beteiligen.

Zuerst wurde Delpech, der glänzende Studien gemacht hatte, der Lehrstuhl der Moral anvertraut. Bald gesellte sich zu dieser Arbeit die Leitung der Aspiranten des Seminars, und am 18. Oktober 1865 erfolgte seine Ernennung zum Assistenten. Drei Jahre später stand er an der Spitze des ganzen Seminars.

Die Stellung des Vorstehers einer solchen Vereinigung von Weltpriestern, die, ohne durch das feste Band der Gelübde und Ordensregeln verknüpft zu sein, an einem gemeinsamen großen Werk zusammenwirken, bedarf ungewöhnlicher Umsicht und Mäßigung, eines feinen Taktes und tiefer Selbstverleugnung, um bei aller Initiative keine Übergriffe in die Freiheiten anderer zu begehen. In welchem Maße Delpech diese Eigenschaft besaß, beweist die Tatsache, dass die Wahlstimmen nach Ablauf der ersten dreijährigen Amtsperiode noch zehnmal sich auf seine Person vereinigten und er also über 33 Jahre die Geschicke des Seminars leitete.

Es ist unmöglich, seine Verdienste während dieser langen Amtsdauer auf kurzem Raum auch nur annähernd zu würdigen; wir können nur die Hauptleistung andeuten. Von Anfang an richtete der hochw. Herr Delpech sein Augenmerk auf endgültige Festlegung des Reglements der Gesellschaft. Diese Arbeit bedurfte langer Studien und setzte die Geduld auf manche harte Probe. Umso größer war daher die Freude, als im Jahr 1890 von Rom die Genehmigung der verbesserten Regel einlief.

Zur Hebung der Missionstätigkeit rief er höchst glückliche Werke ins Leben. Im Jahr 1869 führte er eine neue Klasse von Laien-Gehilfen ein, die den Missionären die materiellen Sorgen erleichtern sollten. Zur Schonung und Aufbesserung der Gesundheit seiner Missionäre errichtete er drei Sanatorien, eines 1874 in Hongkong, das zweite Ende der achtziger Jahre in Montbeton in Frankreich und das dritte 1899 zu Wellington in der Diözese Coimbatur (Indien). Für die geistlichen Bedürfnisse sollte das 1883 in Hongkong eröffnete Exerzitienhaus dienen, während zur Gewinnung reichlicherer Unterstützungen der Geschäftsgang in geregelte Bahnen gelenkt und 1901 in Saigon eine neue Prokur geschaffen wurde (…)

Was Delpech den einzelnen Missionären und Seminaristen war, entzieht sich der näheren Kenntnis. Wie aber sein Bild in den Herzen der 2.500 Missionäre und 85 Bischöfe, die durch seine Hand gingen, lebte, drückte das kurze Wort aus, das Bischof Biet, Apostol. Präfekt von Tibet, 1900 gelegentlich des fünfzigjährigen Priesterjubiläums des Vorstehers sprach. „Alfons Rodriguez“, sagte er, „hat die christliche Vollkommenheit in vier Bänden geschrieben; wir besitzen den fünften Band, die christliche und apostolische Vollkommenheit.“

Der Lebensabend des ehrwürdigen Greises war schmerzensreich; aber nie kam eine Klage über seine Lippen. Fast ohne Todeskampf schlummerte er in der Frühe des 19. November hinüber, gerade als die Glocke die Hausgenossen zum Gebet rief.


(Aus: die katholischen Missionen, 1910)

Samstag, 3. Oktober 2015

Die heilige Theresia von Lisieux, Patronin der Missionen


Die so beliebte Theresia vom Kinde Jesus, die heutige Tagesheilige, war und ist eng mit der Mission verbunden. Bereits ihre heiligen Eltern baten Gott um einen „kleinen Missionär“. Sie ahnten aber wohl kaum, dass es sich dabei um ihre jüngste Tochter handeln würde. Gerne wollte die hl. Theresia selbst in die Mission nach Vietnam. Sie sagte: „Ich möchte nach Hanoi gehen, um viel für den lieben Gott zu leiden; ich möchte hingehen, um ganz allein zu sein, um keinen Trost, keine Freude auf Erden zu haben.“

P. Adolphe Roulland M.E.P.

Der Wunsch nach der körperlichen Anwesenheit in den Missionsländern blieb ihr zwar verwehrt, auf Geheiß ihrer Oberin verband sie aber eine geistige Bruderschaft mit zwei Missionären, mit P. Roulland vom Pariser Missionsseminar in China und P. Bellière von den Weißen Vätern in Zentralafrika. Ihre Aufgabe war es, ganz besonders für die Mission dieser beiden Priester zu beten, im Gegenzug beteten die Missionäre für sie. Dem ersteren sagte sie, dass sie ihm Himmel viel nützlicher sein sollte. Und tatsächlich konnte P. Roulland nach ihrem Tod Folgendes berichten: „Ich kann bezeugen, dass in unseren japanischen, chinesischen und indischen Missionen der Glauben an die Macht der Fürbitte Schwester Theresias sehr verbreitet ist und dass sie einen deutlich erkennbaren Einfluss auf die Bekehrung der Seelen und ihren Fortschritt in der Tugend ausübt. Besonders in Japan versichern viele der Trappistinnen, dass sie ihren Beruf der Fürbitte der Schwester Theresia vom Kinde Jesu verdanken, deren Leben sie gelesen haben.“

Msgr. Prosper Augouard C.S.Sp., Apostolischer Vikar von Ubanghi

Auch in den Missionen der Weißen Väter wirkte ihre Fürsprache. So kamen zahlreiche Heiden von weit her, um in einer Mission am Religionsunterricht teilzunehmen, nachdem in fast allen Hütten der Christen und in den Räumen, wo der Unterricht stattfand, das Bild der Heiligen aufgehängt wurde. Der berühmte Missionsbischof Prosper Augouard, der im Kongo wirkte, bat 1910 die heilige Theresia, ihn von seinem Rheumatismus zu befreien, der ihn zur Tatenlosigkeit verdammt hätte, zog dann aber seine Bitte zurück zugunsten eines seiner Priester, der an der tödlichen Schlafkrankheit litt. Schließlich wurden beide geheilt und der Kirchenfürst machte eine Pilgerfahrt nach Lisieux, um für die gewährte Gnade zu danken. Auch bat er Papst Pius X., bald ihre Seligsprechung einzuleiten.

1927, zwei Jahre nach ihrer Heiligsprechung, wurde sie von Pius XI. neben dem großen hl. Franz Xaver zur Patronin der Missionen erklärt.


(Quelle: Das Leben der heiligen Theresia vom Kinde Jesu, von Msgr. Laveille, deutsche Ausgabe)

Freitag, 15. Mai 2015

Große Missionsbischöfe: die drei Titularbischöfe von Acanthus (Teil 3) – Msgr. Joseph Simon Theurel M.E.P., Apostolischer Vikar von West-Tongkin

Vorletzter Vorgänger: Mgr. Pierre-André Retord

Joseph Simon Theurel wurde am 28. Oktober 1829 in der Erzdiözese Besançon geboren. Er war der Sohn einer wackeren Bauernfamilie, die wohlhabend genug war, ihren Kindern eine höhere Ausbildung angedeihen lassen zu können, freigebig genug, um sie ihnen zuzuwenden, und fromm und rechtschaffen genug, um ihnen dieselbe wahrhaft zum Segen werden zu lassen. Zwei der Söhne wurden Priester, eine Tochter Nonne und ein dritter Sohn, Joseph Simon nämlich, sogar Bischof.

(…) Nachdem er seine Studien noch mehrere Jahre in Luxeuil und Besoul fortgesetzt, trat er im November 1848 ins Priesterseminar von Besançon, von welchem er jedoch schon im folgenden Jahr, nach langer, aufrichtiger Selbstprüfung von seinem Beruf zum apostolischen Leben überzeugt, in das Seminar der auswärtigen Missionen in Paris übertrat. Drei ernste, aber zugleich unendlich freudenreiche Jahre brachte er in dieser ehrwürdigen Anstalt zu, welche der Kirche schon so viele Martyrer, Bekenner und Apostel gegeben und den Glauben Christi in so vielen Ländern der Erde gepredigt hat. Was ihn nicht zum wenigsten hier anzog, war der „Saal der Martyrer“, wo zahlreiche Reliquien die hohen Ziele dieser apostolischen Schule verkündeten. „Unser Empfangssaal“, schrieb er, „hat keine weichen Sessel; von seinen Vorhängen wird man bald sagen, dass sie vor Zeiten einmal rot gewesen sind; aber er ist geschmückt mit Fesseln, mit Bambusstäben, mit blutgetränkten Matten und mit glorreichen Reliquien. O wenn Sie wüssten, wie gut man betet und man seinen Mut wachsen fühlt im Anblick dieser ehrwürdigen Überreste derjenigen, die unsere Freunde, unsere Vorgänger sind!“.

Im Juni 1852 erhielt er die freudige Nachricht, dass er zu der gefahrvollsten aller Missionen, derjenigen von Tongkin, auserlesen sei. Am 5. dieses Monats besiegelte die heilige Priesterweihe das Opfer seines Lebens, und obgleich er die erste heilige Messe im Kreise der Seinen in der Franche-Comté las, so waren doch keine zärtlichen Bitten noch Tränen, keine irdischen Rücksichten, nicht einmal die günstigen Aussichten, die ihm Kardinal Gousset von Reims stellte, im Stande, ihn von dem gebrachten Opfer zurückzubringen oder in Europa zurückzuhalten.

[Sein Wirken als Priester wird hier aus Gründen der Länge übergangen, um direkt zur Bischofsweihe überzugehen.]

Mit dem Tod von Msgr. Retord, der für die Kirche in Tongkin ein so gewaltiger Schlag war, traf merkwürdigerweise gleichzeitig eine Verfügung der Missionsoberen in Paris zusammen, welche P. Theurel plötzlich nach Europa zurückrief, um ihn dort zu einem der Direktoren des großen Missionsseminars zu machen. Die Lage war schwierig; auf die einstimmige Bitte des Klerus von Tongkin glaubte Msgr. Jeantet, der unmittelbare Nachfolger Msgr. Retords, den tüchtigen Missionär, der allgemein als einer der kräftigsten Pfeiler der Mission galt, zurückhalten und den Oberen in Paris erst bescheidene Gegenvorstellungen einreichen zu sollen. P. Theurel blieb aber nicht nur, sondern, abermals auf Bitten des gesamten Missionsklerus, ernannte Msgr. Jeantet, der schon 67 Jahre alt war und einer zuverlässigen Stütze seines Greisenalters zu bedürfen glaubte, ihn zu seinem Koadjutor. Der junge Generalvikar schützte sein Alter vor (er zählte erst 29 Jahre), um der bischöflichen Würde zu entgehen, aber der apost. Vikar beharrte bei seiner Verfügung, und so ward Msgr. Theurel zum Bischof von Acanthus geweiht.

„Lieber Anselm“, so beschreibt er selbst in einem Brief an einen seiner Jugendfreunde die seltsame Wahl und Konsekration, „da Se. bischöfl. Gnaden den Religionsfrieden vor uns fliehen sah, wie einen Schatten, so hielt er es für angemessen, sich einen Koadjutor zu geben. Eines Tages, da ich mich eben in einem Büffelstall aufhielt, erhielt ich Befehl, augenblicklich Exerzitien zu machen und dann mich beim Bischof einzufinden. Nachdem ich, seiner Anordnung gemäß, Exerzitien gemacht hatte, kam ich in zwei Nächten an den verabredeten Platz unseres Stelldichein. Am folgenden Tag fand die Wahl statt, am dritten die Konsekration. Es war der 6. März 1859. Kein großer Luxus wurde dabei entfaltet. In Ermangelung unserer europäischen Mitbrüder, von denen keiner sein Versteck verlassen durfte, erfüllten zwei annamitische Priester die Funktionen der assistierenden Bischöfe; als Stab hatte ich ein Bambusrohr, das im nächsten Wald geschnitten und mit Goldpapier überklebt war und aus dem ein spiralförmig in sich zurückgedrehtes Stück festen Seils hervorragte. Ich hatte keine [liturgischen] Strümpfe, von Handschuhen keine Rede. Zwei Stunden vor Sonnenaufgang war die Zeremonie schon vollendet. So wird man in Tongkin Bischof von Acanthus! Du wirst es zweifelsohne etwas keck finden, dass ich mir die Handauflegung erteilen ließ; ich finde das auch und ich hätte Gründe genug gehabt, mich ihr zu entziehen; aber in den schrecklichen Umständen, in welchen wir uns befinden, hätte eine längere Weigerung von meiner Seite noch größere Verwirrung herbeigeführt: ich musste mich zum Bischof weihen lassen. Flehe nichtsdestoweniger zu Gott um Verzeihung für die Leichtigkeit, mit der ich mich in dieser Angelegenheit der Ansicht der anderen unterwarf, und erflehe mir von ihm größere Klugheit und größeren Mut, damit ich nicht untersinke in diesem Meer von Bedrängnis, sondern früher oder später an dem Hafen jenes Friedens lande, den die Welt nicht geben kann.“

Um dieselbe Zeit schrieb er an seine Schwester in Frankreich: „Was mir hohen Mut verleiht; indem ich die Würde des Episkopats auf mich nehme, ist, dass ich mich mit der Armut, dem Leiden und dem Elend vermähle.“ Wie er bei seiner Weihe das Brustkreuz und den Ring Msgr.
Retords erhielt, so nahm er auch dessen Titel an: „Fac me cruce inebriari“ (Lasst mich vom Kreuze berauscht werden), und so war denn auch seine bischöfliche Verwaltung nur eine verschärfte und härtere Fortsetzung der Leiden und Mühsale, welche Msgr. Retord getragen hatte.

Die Einnahme der Festung Turanne und die Besetzung der Halbinsel Saigon durch die Franzosen hatte den Grimm des Kaisers Tự Đức und seines Anhangs mächtiger denn je entflammt, und das Kreuzen der europäischen Flotte an der Küste hatte nur zur Folge, dass diese immer strenger bewacht und dadurch den Missionären jeder Weg zur Flucht abgeschnitten wurde. Außer dem Aufenthalt in den Gebirgswäldern, wo der Tod am Fieber in fast sicherer Aussicht stand, blieb ihnen nichts übrig, als sich in unterirdischen Höhlen und Schlupfwinkeln den Tag über verborgen zu halten und nachts die Christen heimlich aufzusuchen, zu trösten, mit den heiligen Sakramenten zu versehen und dann entweder wieder in die ungesunden Schlupflöcher zurückzukehren, oder durch Wald und abgelegene Wildnisse nach einem anderen Versteck umherzusuchen. Msgr. Jeantet war bei seiner ersten Flucht mit knapper Not dem Ertrinken entgangen; sowohl seines Alters als seiner Würde wegen hielten es die Missionäre für eine Ehrensache, ihm die erträglichsten und sichersten Verstecke zu überlassen, während sie selbst gleichsam unter den Fangarmen der Verfolger von einem Schlupfwinkel zum anderen unstet umherwanderten. An ihrer Spitze, der mutigste und unerschrockenste von allen, leitete Msgr. Theurel die gesamte Mission, unterhielt die Verbindung der Priester untereinander und mit Msgr. Jeantet, erteilte die nötigen Befehle, arbeitete die bischöfl. Rundschreiben aus, überwachten die einzelnen Gemeinden, sorgte für ihre dringendsten Bedürfnisse, nahm sich der Gefangenen und der Bekenner des Glaubens an, und schrieb endlich selber die Akten der Martyrer. All überall und nirgends, wie einst der hl. Athanasius, machte er, unter dem sichtbaren Schutz der Vorsehung, alle List und Gewalt der Heiden zu Schanden und erhielt die hartbedrängte Kirche West-Tongkins in Einigkeit des Glaubens, der Liebe und des standhaftesten Heldenmuts.

Den Sieg und die Befreiung der annamitischen Kirche zu schauen, sollte Msgr. Theurel nicht vergönnt sein. Aber er sah wenigstens den Waffenstillstand, welcher jenen Sieg vorbereitete, und die Anfänge der Ernte, welche aus so viel Leiden und Martyrblut emporzusprossen begann. Noch im Oktober 1862 wurden die Christen in den meisten Bezirken freigegeben und in ihre heimatlichen Dörfer zurückgeschickt. Die Missionäre Charbonnier und Mathevon wurden aus ihren Käfigen, in welchen sie zehn Monate geschmachtet hatten, entlassen. In christlichen Dörfern trat das Christentum wieder aus dem Versteck hervor, die zerstreuten Gläubigen sammelten sich aufs Neue um ihre Hirten; abgefallene Christen strömten von allen Seiten zum Priester herbei, um ihren Abfall durch aufrichtige Buße zu sühnen. Nachdem im Lauf des Jahres 1863 die Pfarrverwaltung wieder in Gang gebracht war, sorgte Msgr. Theurel vor allem für die Erziehung eines einheimischen Klerus. Schon Ostern 1864 zählte sein Seminar, das er selbst leitete und in dem er selbst lehrte, wieder 40 Zöglinge, darunter 6 Diakone, 9 Subdiakone, 10 Minoristen und 15 Tonsurierte. Dazu hatte er eine Lateinschule mit 6 Klassen und 110 Schülern ins Leben gerufen, die auf drei Dörfer verteilt waren. Bischof und Pfarrer, Seminardirektor und Professor in einer Person, suchte der unermüdliche Apostel allen alles zu werden und den schwachen Zugeständnissen der Regierung den größtmöglichen Grad kirchlicher Freiheit und kirchlicher Lebensentfaltung abzugewinnen, als eine heftige Dysenterie seine Gesundheit zu zerstören und seine Kraft zu lähmen anfing. Nach vielen vergeblichen Versuchen, in Saigon, Hong Kong und Singapur seine Gesundheit herzustellen, musste er 1865 in der Heimat Genesung suchen; wirklich konnte er auch im Herbst 1866 seine Arbeiten in West-Tongkin wieder aufnehmen. Aber die einmal erschütterte Gesundheit widerstand den großen Beschwerden seines Amtes und den Anforderungen, die sein Seeleneifer an ihn stellte, nicht lange mehr. In noch jugendlichem Alter von 39 Jahren wurde er vom Herrn des Weinbergs am 3. November 1868 abberufen, um aufs Neue mit seinem Freund, dem ehrw. [heute heiligen] Martyrer Vénard, vereinigt den Lohn seiner Arbeiten und Mühen zu empfangen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1878)

Dienstag, 12. Mai 2015

Große Missionsbischöfe: die drei Titularbischöfe von Acanthus (Teil 2) – Msgr. Pierre-André Retord M.E.P., Apostolischer Vikar von West-Tongkin


Durch Martyrerblut geheiligt und befruchtet, ging der Titel eines Bischofs von Acanthus, zugleich mit der Würde eines apostolischen Vikars von West-Tongkin, im Jahr 1840 an Msgr. Retord über, der sich damals schon 7 Jahre in der Mission als einer ihrer tüchtigsten Arbeiter und eine ihrer kräftigsten Stützen bewährt hatte.

„Welch' eine Lage,“ so charakterisiert er selbst in einem Brief sein Hirtenamt, „beständig wie ein Vogel auf dem Zweig zu sitzen, ohne Unterlass von Unheilsnachrichten beunruhigt: dass Spione uns auf der Fährte sind, dass man uns denunziert hat, dass die Mandarine schon begonnen, uns zu umzingeln – und welch Unglück droht dann der Mission und den armen Christen – sie werden um unsertwillen geplündert, viele von ihnen getötet werden! Um sie dieser Gefahr zu entziehen, gehen wir bald auf die Flüsse, um uns in Barken zu verstecken, bald ziehen wir uns in unterirdische Löcher zurück, um uns gleichsam lebendig zu begraben. Einmal blieben wir volle acht Stunden in einer solchen Grube vergraben, ohne andere Luft zu atmen, als diejenige, welche uns durch ein kleines Bambusrohr zuströmte. Als wir wieder herauskamen, waren wir beinahe ganz blöde und stumpfsinnig geworden. Die leiblichen Qualen in dergleichen kritischen Momenten sind nichts im Vergleich zu der Seelenangst, die man aussteht.“

So von Dorf zu Dorf, von Versteck zu Versteck gehetzt, und doch immer mutvoll das Evangelium verkündend, das Reich Gottes ausbreitend und erhaltend, leitete Msgr. Retord, Bischof von Acanthus, unter den unaufhörlichen Verfolgungen der Kaiser Minh Mạng, Thiệu Trị und Tự Đức achtzehn Jahre lang das apostolische Vikariat West-Tongkin, bis er endlich, aufgezehrt von Leiden und Gefahr, als armer Flüchtling, einsam und verlassen in einer Bergeseinöde 1858 dem Fieber erlag. „Msgr. Retord ist nicht mehr,“ schrieb einer der Genossen seines Apostolates, der hochw. Herr Vénard, im Dezember 1858, „das bösartige Fieber der Wälder hat ihn am 22. Oktober hinweggerafft. So endigte in völliger Verlassenheit und Hilflosigkeit dieses Leben voll Mühen und Leiden, nach einer Missionsarbeit von 25 Jahren, von denen 18 mit der schweren Bürde des apostolischen Vikariates verbunden gewesen waren. Msgr. Retord hat die schönen und so heiß ersehnten Tage des Friedens nicht heranbrechen sehen. Sein ganzes Missionsleben verlief inmitten von Gefahren und Prüfungen aller Art, es war nur die Verwirklichung eines Traums seiner Jugend, in welchem ihm die selige Jungfrau erschien, ihn auf die Spitze eines hohen Berges, an den Fuß eines großen Kreuzes trug und ihm sagte, sein Leben würde gekreuzigt sein bis zum Ende. Das Leben jedes Missionärs ist reich an Kreuz, dasjenige Msgr. Retords war es mehr als das irgendeines anderen, und sein Tod auf einer wilden Bergeshöhe, mitten in einem sonst nur von reißenden Tieren bewohnten Wald, in vollständiger Entblößung von allem, war ein Tod am Kreuz, an einem Kreuz nackt und bitter, wie das seines Meisters und Erlösers Jesus war.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1878)


Montag, 11. Mai 2015

Große Missionsbischöfe: die drei Titularbischöfe von Acanthus (Teil 1) – St. Pierre Dumoulin-Borie M.E.P., Apostolischer Vikar von West-Tongkin

Martyrium des heiligen Pierre Dumoulin-Borie (Quelle: PHGCOM)

Eine gar schöne Erinnerung an den apostolischen Ursprung, das ehrwürdige Alter und die unbesiegliche Lebenskraft der katholischen Kirche liegt in dem Gebrauch, den Bischöfen der ausländischen Missionen, wie den Weihbischöfen in Europa, den Titel von Kirchen zu verleihen, welche, in den ersten Jahrhunderten als Sitze heiliger Lehrer und Martyrer berühmt, im Verlauf der Zeit entweder gänzlich verschwunden oder nur als Trümmer einstiger Herrlichkeit im Land ungläubiger Völker erhalten sind. Die Kirche hat da scheinbar das Los aller menschlichen Einrichtungen geteilt, sie ist da erblüht, hat Früchte getragen und ist scheinbar wieder verblüht. Sie hat Großes gebaut und Herrliches geleistet, und es ist scheinbar in Staub und Asche gestürzt und hat keine Spur des Daseins als bloße Namen hinterlassen. Aber auch nur scheinbar; denn abgesehen davon, dass viele der ältesten erzbischöflichen und bischöflichen Sitze des Erdenrunds schon 18 Jahrhunderte überdauert haben und nie zu Diözesen in partibus infidelium geworden sind, haben auch die Namen der zerstörten und verschwundenen Bischofssitze außer ihrer geschichtlichen Weihe eine merkwürdige Kraft bewährt, das geheiligte Leben, das sie einst bezeichneten, zu erneuern, und in reicher, gesteigerter Fülle in die spätesten Jahrhunderte zurückzurufen. Nicht bloß die alten Namen sind wieder aufgelebt, sondern auch der Geist der Martyrer, auch der Glaube und der Opfermut der Erstlingskirche, ihre Liebe, ihre Kraft, ihre Standhaftigkeit, ihre Selbstverleugnung, ihr Seeleneifer, die schönsten Charismen der Braut Christi. Mag der Blütengarten teilweise verwüstet und versandet sein, der einst rund um die Gestade des Mittelmeers sprosste, er ist neu aufgelebt in fernen Landen, von denen die ersten Jahrhunderte kaum etwas ahnten.

Drei Männer sind es vorzugsweise, welche in den letzten 40 Jahren den alten Bischofstitel von Acanthus aufs Neue mit dem Glanz der ältesten Kirche umgeben haben. Sie gehören ihrer Nationalität sämtlich Frankreich an, ihrem Wirken nach der durch Leiden und Verfolgung so reichlich ausgezeichneten Martyrerkirche von West-Tongkin. Das Leben des einen fällt in die Regierungszeit des berüchtigten Christenverfolgers Minh Mạng, der 1820 den Thron des annamitischen Reiches bestieg, die beiden anderen in die Regierungszeit des Kaisers Thiệu Trị, der von 1841–1847, und seines Sohnes Tự Đức, der von 1847 an bis herab auf die letzten Jahre [d. h. Mitte der 1870er Jahre] die christliche Religion fast unausgesetzt verfolgte.

Der erste dieser drei Bischöfe ist der hochwürdigste Herr Pierre Dumoulin-Borie. Wie die Missionäre des Vikariates West-Tongkin überhaupt (seit 1693), war er Mitglied der Gesellschaft der auswärtigen Missionen in Paris. Er wurde zum Bischof ernannt, als die Verfolgungswut des Kaisers Minh Mạng im Jahre 1838 ihren Höhepunkt erreicht hatte. Einunddreißig Martyrer verbluteten in diesem einen Jahre als Opfer heidnischer Grausamkeit und als Zeugen ihres Glaubens; unter ihnen erlagen die zwei Dominikaner-Bischöfe des östlichen Vikariats, [St.] Ignacio Delgado und [St.] Domingo de Henares, im Juni 1838, der eine im Kerker, der andere dem Schwert. Ihnen folgte am 24. November 1838 der ehrw. [heute heilige] Dumoulin-Borie, mit der Palme des Martyriums geschmückt, bevor er noch die bischöfliche Weihe hatte erhalten können. Er ward, nachdem er die Qualen der schrecklichsten und grausamsten Untersuchung heldenmütig überstanden, an dem genannten Tag enthauptet.


(Aus: die katholischen Missionen, 1878)


Samstag, 27. Dezember 2014

Wie die Birmanen über den Buddhismus denken

Msgr. Usse M.E.P., Apostolischer Vikar von Nord-Birmanien:

„Der heutige Birmane sieht mit seinem geraden, offenen Geist sehr gut den Unsinn des buddhistischen Aberglaubens ein. Manche von ihnen bekennen offen, dass sie seit langen Jahren keine Pagode mehr von innen gesehen haben. Das macht sie bereit und willig, ihr Ohr den fremden Priestern zu leihen, die von weitem hergekommen sind, allein um sie den Weg zum wahren Glück zu weisen. Wir zählten letztes Jahr (1896) 435 Taufen Erwachsener, und doch ist bloß eine kleine Handvoll Missionäre hier; freilich eine auserwählte Schar trefflicher Männer, wahre Mustermissionäre. Die Stimmung der Birmanen ist also recht günstig. Ihr offenes, gefälliges, höfliches und überaus gastfreundliches Wesen macht es ihnen verhältnismäßig leicht, die Schranken niederzureißen, die uns als Fremde und Ausländer von ihnen trennen. Wir haben hier gegenwärtig über 600 Katechumenen; aber es fehlt die nötige Zahl Missionäre, um sie zu unterrichten. Unsere Birmanen dürsten nach der Wahrheit und Gerechtigkeit. Wir müssen daher notwendig daran denken, uns zur Heranbildung eines einheimischen Klerus Hilfstruppen zu schaffen. Das ist ja auch der erste Zweck unserer Genossenschaft [Pariser Missionsseminar] und entspricht den ausdrücklichen Weisungen des Heiligen Vaters.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1897)

Samstag, 16. August 2014

So war der erste Weltkrieg in den Missionen: Auswirkungen auf das Pariser Missionsseminar


Das Pariser Missionsseminar, das in Vorderindien, Hinterindien, China, Japan und Korea zahlreiche Diözesen und Apostol. Vikariate verwaltete, zählte zu Beginn dieses Jahres über 200 Missionäre dieser Länder und 103 Aspiranten unter den Waffen. 9 Mitglieder sind bereits auf dem Schlachtfeld gefallen, 18 sind schwer verwundet und 8 befinden sich als Gefangene in Deutschland, darunter der hochw. Herr Guiraud, der Direktor des Seminars. 

Zu den heiligen Weihen, die am 19. Dezember 1914 in der Kirche St. Sulpice erteilt wurden, fanden sich nur 8 Aspiranten ein, darunter 5, die die heilige Priesterweihe empfingen; 3, die im Feld standen, hatten acht Tage Urlaub zur Vorbereitung und zum Empfang der Weihe erhalten.


(Aus: die katholischen Missionen, 1915)

Sonntag, 10. August 2014

Mission unter den Japanern an der Westküste der USA


Unter den 60 000 Japanern Kaliforniens besitzen die Protestanten bereits über 2000 Anhänger, die Zahl der protestantisch-japanischen Gemeinden im nordamerikanischen Westen war 1916 schon auf 64 gestiegen. Sie hatten einen eigenen Missionsverein zur Bekehrung ihrer miteingewanderten heidnischen Landsleute gegründet, der zusammen mit zehn amerikanischen Missionsgesellschaften eine rege Werbetätigkeit entfaltete. Die katholische Japanermission stand auf schwachen Beinen. Nach dem Tod ihres Begründers, P. v. Egloffstein S.J., hatte sich zuerst P. Moore S.J. mit dem japanischen Jesuitenbruder Matsui und einigen japanischen Ordensschwestern der verwaisten Herde angenommen, bis der frühere Japanmissionär, der hochw. Herr A. Breton aus dem Pariser Seminar, die Pastoration der 300 weithin zerstreuten Schäflein übernahm. Um der Japanermission der Pazifischen Küste eine kräftigere Unterstützung und festen Bestand zu sichern, wurde sie Anfang 1920 vom Maryknoller Missionsseminar übernommen. Bereits ist ein Gefährte P. Breton beigegeben worden. Schwestern werden bald folgen, die drei kleinen japanischen Ordensgemeinden zu verstärken. Neben San Francisco wurden zwei weitere Missionsmittelpunkte gegründet: Los Angeles im Süden und Seattle im Norden.

(aus: die katholischen Missionen, 1920)

Donnerstag, 24. Juli 2014

Der Vater der Aussätzigen in Birma stirbt


Endlich gehen uns über den Tod des P. Johann Baptist Wehinger einige nähere Nachrichten zu. Er starb in dem Aussätzigenheim St. John bei Mandalay am 6. September 1903, erst 39 Jahre alt. Geboren zu Dornbirn in Vorarlberg am 24. November 1864, trat Wehinger, etwa 24 Jahre alt, ins Pariser Missionsseminar und kam bereits 1889 in die Mission von Birma.

Sein Hauptverdienst liegt in dem hingebenden Eifer, mit welchem er das Los der zahlreichen Aussätzigen in Birma zu lindern suchte. Das Aussätzigenspital St. John, eine Musteranstalt ihrer Art, ist ganz und gar sein Werk. Er bettelte die Mittel zusammen, er brachte die Schwestern hin, er gab dem Ganzen die treffliche Organisation und war die Seele der Anstalt. Mehr noch, sein Beispiel hat das allgemeine Interesse für die Aussätzigen geweckt, weitere Gründungen ähnlicher Art und eine Besserung der Aussätzigenpflege in der britischen Kolonie bewirkt. Das wurde auch von der englischen Regierung anerkannt. Namentlich hat der Vizekönig von Indien, Lord Curzon, eine hohe Verehrung für den deutschen Apostel. Sie fand ihren Ausdruck in der Verleihung eines Ordens und in wiederholten öffentlichen Erklärungen.

P. Wehinger kränkelte bereits seit längerer Zeit. Am 15. August las er zum letzten Mal die heilige Messe. Ein bösartiges Fieber zehrte mehr und mehr seine Kräfte auf. Die Liebe und Teilnahme der armen Aussätzigen, seiner „Kinder“, deren Wohl er sich ganz geweiht hatte, zeigt sich während der Krankheit und beim Hinscheiden in rührendster Weise. Sie beteten mit größter Inbrunst um seine Genesung, und man musste ihnen die Verschlimmerung des Zustandes verheimlichen, um sie zu schonen.

Als dann die Leiche nach der Todesnacht am Morgen in der Kapelle aufgebahrt wurde, brach der Schmerz der Aussätzigen in herzergreifender Weise hervor. Weinend, schluchzend, jammernd umstanden sie die entseelte Hülle ihres Vaters und Wohltäters. Rasch drang die Todeskunde auch nach Mandalay und die umliegenden Ortschaften, und den ganzen Tag wogte der Strom der Besucher auf und ab. „Man kann wohl sagen, die Trauer war allgemein; alle weinten beim Anblick der Leiche; man sah jetzt erst, was der gute Pater ihnen alles gewesen war. Seine Liebe hatte sich auf jede Art der Not und des Leidens erstreckt, und nie hatte er irgendeinen Liebesdienst verweigert. Die Missionäre erklären einstimmig, dass sein Tod einen unersetzlichen Verlust für die Mission von Birma bedeute.“

Die Leiche wurde in einen Sarg von Teakholz gelegt und dieser von einem zweiten aus Zink mit vergoldetem Kreuz geborgen. Die Aussätzigen wollten den Weg zum Grab mit Blumen bestreuen; man musste ihnen klarmachen, dass diese Ehre dem eucharistischen Heiland vorbehalten sei. So legten sie ihre Blumen auf den Sarg. Auch aus Mandalay, aus allen Klassen kamen Blumenspenden, Kränze u. dgl., so dass der Sarg damit über und über bedeckt wurde. Das Begräbnis war großartig und ergreifend schön. Trotz des strömenden Regens kamen zahlreiche Kutschen angefahren. Vierzehn Missionäre waren herbeigeeilt, um ihrem Mitbruder die letzte Ehre zu geben. Acht von ihnen trugen den Sarg. Die Schulbrüder und Schwestern von Mandalay, die Waisenkinder, auch viele angesehene Personen und vor allem die Aussätzigen folgten dem Zug laut schluchzend und betend. Die Missionäre hätten ihn gern in der Kapelle begraben, allein der hingeschiedene hatte ausdrücklich gewünscht, auf dem kleinen Friedhof der Aussätzigen mitten unter seinen „Kindern“ zu ruhen.

Zum Nachfolger P. Wehingers ist P. Lason ernannt, und er bittet in einem Brief an die Redaktion recht innig, dass doch die Katholiken Deutschlands und Österreichs auch fürder das Werk des deutschen Missionärs nicht vergessen möchten.


(Aus: die katholischen Missionen, 1904)

Donnerstag, 19. Juni 2014

Heidnische Kälte gegen den aussätzigen Vater – katholische Nächstenliebe eines fremden Priesters


Gewiss werden sich unsere Leser noch des Aufsatzes über das Aussätzigen-Spital St. Johann bei Mandalay erinnern, wo wir nach den Mitteilungen des hochw. Herrn J. Wehinger die Not dieser Unglücklichen schilderten und zeigten, welch herrliches Feld sich hier der christlichen Liebe eröffnet. Sie muss hier umso eher eingreifen, da das Heidentum in kalter, grausamer Teilnahmslosigkeit an den Aussätzigen vorübergeht. Hören wir, was P. Wehinger darüber berichtet.

„Einmal bat ich auch einen reichen Heiden, der dort von der Welt hochangesehen war, recht innig um ein Almosen für die armen Aussätzigen. Wie lautete die Antwort dieses Noblen, was glaubst du wohl, lieber Leser? Höre und staune: ‚Von Herzen gern will ich ein Almosen für die Aussätzigen spenden; ich gäbe gern eine große Menge Arsenik [sic], um dieselben aus der Welt zu schaffen.‘
Nicht einmal unter den nächsten Angehörigen findet der arme Kranke ein teilnehmendes Herz. 

Dazu diene folgendes Beispiel: Der in der Pflege armer Aussätziger unermüdliche P. Martin macht in der Stadt wieder seinen gewöhnlichen Rundgang, um jene Kranken zu besuchen, welche eben aus Mangel an Platz und Hilfsmitteln im Asyl keine Aufnahme finden können. 

Dabei wurde er eines Tages aufmerksam gemacht, dass in einem ihm genau bezeichneten Haus ein schwerkranker Aussätziger ganz verlassen sei. P. Martin findet das Haus, ist erstaunt über seine Größe und reiche Verzierung und glaubt beim Anblick desselben sich verirrt zu haben, zumal er von innen lustige Gesänge und heitere Musik vernahm. ‚Hier ist kein Aussätziger,‘ denkt sich allen Ernstes P. Martin, ‚denn bei einem so leidenden Hausgenossen können die Einwohner nicht so lustig sein. Ich will aber einen der Hausleute fragen, wo sich der arme Aussätzige befinde.‘ 

Wie er aber sich der reich verzierten Veranda des Gebäudes näherte, sah er, dass in einem abgelegenen Teil des Gartens vor einem Strohhaufen sich etwas bewegte, und glaubte auch Jammerrufe zu vernehmen; er ging auf diese Stelle zu, und was musste er erblicken? Ein armes menschliches Wesen, mit dem Aussatz im höchsten Grad behaftet, kaum bekleidet, auf feuchter Erde herumkriechend. Schreckliche Geschwüre bedeckten seinen Körper. Ungeziefer aller Art vermehrte noch seine Schmerzen – ein Bild des größten Elends. Der arme Kranke bat in den rührendsten Worten um eine Handvoll Reis, um einen Trunk Wasser, um seinen schrecklichen Hunger und Durst zu stillen, da er schon über 30 Stunden gar nichts erhalten hatte.

Wer war dieser Unglückliche? Sicher wirst du meinen, lieber Leser, dass dieser Kranke ein alter, unbrauchbarer Diener des Hauses war, dem durch die Gnade seines Herrn dieses Plätzchen gestattet wurde. Du täuschest dich; jene, die sich einer ungezügelten Freude hingaben, waren die Kinder dessen, der unten im Elend schmachtete. Keines von seinen Kindern ließ sich je herbei, nach dem Vater zu schauen, geschweige ihm seine Geschwüre zu verbinden oder ihm mit eigener Hand Nahrung zu reichen und dabei ein tröstendes Wort zu sprechen; nein, sie ließen ihren eigenen Vater in seinen Schmerzen liegen, als wäre er ein ihnen unbekanntes Wesen. 

P. Martin, durch das schreckliche Elend dieses Kranken vom tiefsten Mitleid bewegt, pflegte ihn auf das liebevollste, tat alles, was er für den Augenblick tun konnte, und fühlte sich glücklich, ihm noch am Abend ein Plätzchen im Asyl verschaffen zu können. Wie dankbar blickte ihn der Aussätzige an, als ihm seine Geschwüre gewaschen, er vom Ungeziefer und den vielen Würmern so gut als möglich gereinigt, mit Speise und Trank gestärkt und auf trockenes Lager gebettet war!

‚Was bist du für ein Wesen,‘ stammelte der Arme, ‚dass du mich, einen ganz fremden Menschen, so liebevoll pflegst, während meine eigenen Kinder mich dem größten Elend, ja dem Hungertod preisgegeben haben? Warum tust du das?‘ Als P. Martin ihm lächelnd erwiderte, er tue nur, was seine Religion ihn lehre, und hoffe, so in den Himmel zu kommen, sagte der Kranke ganz erstaunt: ‚O lehre auch mich diese Religion, hilf auch mir in den Himmel kommen.‘“

Der hochwürdige Herr Wehinger, der sich gegenwärtig noch in seiner österreichischen Heimat aufhält, um für sein Spital Almosen zu sammeln, bittet uns, bei unseren Lesern ein Wörtchen zu Gunsten seiner lieben Aussätzigen einzulegen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1897)

Freitag, 2. Mai 2014

Große Missionsbischöfe: Jeden Abend hat er um die Gnade des Martyriums gebetet – Msgr. Laurent Guillon M.E.P., Apostol. Vikar der Süd-Mandschurei



Diesen Söhnen des hl. Franziskus war bereits am 3. Juli der Apostol. Vikar der Süd-Mandschurei, Msgr. Laurent Guillon aus dem Pariser Missionsseminar, im Tod vorausgegangen. „Wir stehen auf einem Vulkan“, meldete schon im Juni 1900 ein Brief aus der Mandschurei. 
Die Boxerbewegung griff hier so rasch um sich, dass die Russen an mehreren Stellen überrumpelt wurden und der Apostol. Vikar seine Missionen nicht rechtzeitig warnen konnte. Msgr. Guillon war gerade von einer längeren Hirtenreise nach der Hauptstadt Mukden zurückgekehrt und fand sich hier, ehe er sich versah, mit zwei Missionären und den Schwestern, die gleichfalls in der Nähe der Kathedrale ein Haus hatten, umzingelt und eingeschlossen. 

Am Nachmittag des 30. Juni gelang es einigen Boxern, in die Sakristei einzudringen, wo sie alles kurz und klein schlugen. Dicht daneben in der Kirche knieten der Bischof mit P. Emonet und P. Joh. Li, die eben nach Konsumierung der heiligen Spezies (Kommunion) ihre Danksagung verrichteten. Seltsamerweise wagten die Räuber nicht, in das Gotteshaus vorzudringen, sondern zogen wieder ab. Der Bischof eilte nun rasch in das nahe Waisenhaus, um die Schwestern und ihre Waisenmädchen zu warnen und ihnen die letzte Absolution zu spenden. Abends wurde die Kirche von den hierher geflüchteten Christen in Verteidigungszustand gesetzt und drei Tage lang gegen die anstürmenden Boxer gehalten.

Als der Bischof sah, dass ein weiterer Widerstand nutzlos sei, versammelte er alle anwesenden Missionäre, Schwestern, Waisenkinder und etwa 200 Christen im Chor der Kathedrale um sich, wo er im vollen bischöflichen Ornat sie ermahnte, mutig und christlich den Tod zu erleiden. 
Während er sprach, traf ihn eine Kugel von der Sakristei aus. Doch hielt er sich noch aufrecht und hob das Kruzifix höher, um noch ein letztes Wort an die Umstehenden zu richten. Eine zweite Kugel brachte ihn zu Fall. Da ergriff der chinesische Priester P. Joh. Li das Kruzifix, das den Händen des Bischofs entfallen war, um es den Gläubigen zu zeigen, als auch ihn eine tödliche Kugel erreichte. P. Emonet wurde auf seinem Betstuhl kniend getötet. 
Von allen Seiten drangen nun die Soldaten und Boxer auf die Wehrlosen ein. Ein Teil der Christen rettete sich durch die Flucht; die übrigen, 150-200 an der Zahl, meist Kinder und Frauen, unter ihnen auch zwei Schwestern der Vorsehung, erlitten den Tod. Darauf wurde die Kathedrale in Brand gesteckt, und das einstürzende Dach begrub alle in einem gemeinsamen Grab.

Msgr. Guillon war geboren am 8. November 1854 zu Chindrieux in der Erzdiözese Chambéry, stand also noch im rüstigsten Mannesalter. Er war seit 1889 Apostol. Vikar der Mandschurei und hatte das ungeheure Missionsgebiet durch seine Tatkraft und Umsicht zu so glücklicher Entwicklung gebracht, dass der Nordteil 1897 als eigenes Vikariat abgetrennt werden musste. Seit seinem Eintritt ins Missionsseminar 1876 hatte Msgr. Guillon jeden Abend um die Gnade des Martyriums gebetet. Sein Gebet war erhört worden.

(Aus: die katholischen Missionen, 1901)

Mittwoch, 23. April 2014

Andreas Kim, der erste koreanische Priester und heiliger Märtyrer

St. Andreas Kim-Statue in Jeoldu-san (Bildquelle: Hijin6908)

(…) Umsonst versuchte Msgr. Ferréol, Imberts Nachfolger, in den folgenden Jahren mit zwei Missionären und den beiden koreanischen Seminaristen Andreas Kim und Thomas Ts’oi in Korea einzudringen. Erfolglos warteten sie an der mandschurischen Grenze auf eine günstige Gelegenheit. Sie kam nicht. 

Erst im Jahr 1845 gelang es dank einem unerhört kühnen Wagnis des inzwischen zum Diakon geweihten Andreas Kim. Unter abenteuerlichen Erlebnissen hatte dieser sich über die peinlich bewachte Grenze geschlichen und in Seoul heimlich ein Haus für den künftigen Bischof gekauft. 
Dann wagte er mit elf Christen in einer bloß 25 Fuß langen Fischerbarke die weite Fahrt nach Schanghai. Ein furchtbarer Sturm, der drei Tage und Nächte anhielt, überfiel die mutigen Schiffer. Der Mast musste gekappt und mit dem größten Teil der Vorräte über Bord geworfen werden. Eine Woge zerschlug das Steuer. Mast- und steuerlos trieb die Barke auf den unbekannten Gewässern. 

Trotz der verzweifelten Lage verlor Kim sein Vertrauen nicht und richtete auch den Mut seiner verzagten Gefährten auf. Aus einigen Holzstücken wurden Notsteuer und Notruder gefertigt, und nach unglaublichen Mühen und Gefahren erreichte die Barke wirklich die Reede von Wusung. Da die Landung koreanischer Schiffe durch chinesisches Gesetz strengstens verboten war, steuerte Kim sein Fahrzeug mitten unter die vor Anker liegenden englischen Schiffe und rief die erstaunte zusehende Bemannung in französischer Sprache um Schutz und Hilfe an. Sein Bericht und das kühne Wagnis erregten bei den britischen Seeleuten das größte Erstaunen und lebhaftes Interesse.

Zunächst fanden Kim und seine halb zu Tode erschöpften Leidensgefährten liebevolle Aufnahme bei den Jesuiten. Bald traf auch Bischof Ferréol ein und wurde von seinen braven Koreanern mit inniger Freude begrüßt. Am 17. August 1845 empfing Kim als erster koreanischer Priester zu Kin-ka-kam bei Schanghai die heilige Priesterweihe und las am 24. August die erste heilige Messe. Acht Tage später trat die Barke mit dem Bischof und einem jungen französischen Missionär an Bord unter Führung Kims die Rückfahrt nach Korea an, das man nach abenteuerlichen Kreuz- und Querfahrten wirklich erreichte.

Leider wurde Bischof Ferréol der vortrefflichen Stütze, die er an dem mutigen, tatkräftigen koreanischen Erstlingspriester hatte, schon bald wieder beraubt. 
Um eine bessere und sicherere Verbindung mit China zu schaffen, sollte Kim mit der chinesischen Fischerflotte, die im Frühjahr an der Westküste Koreas sich einzufinden pflegt, heimlich Verbindung anknüpfen. Bei dieser Gelegenheit fiel der junge Priester den überall aufgestellten koreanischen Häschern in die Hände und wurde vor Gericht gestellt. 

Unerschrocken bekannte er hier seinen Glauben und verkündigte, mit dem schweren Kang (ein schweres Holzbrett, das als Fessel am Hals befestigt wird) beladen, der neugierig zuströmenden Menge die christliche Lehre. Ins Gefängnis nach Seoul abgeführt, richtete er hier noch ein herrliches Abschiedsschreiben an die koreanischen Christen. 

„Auch die Verfolgung“, so schließt er, „ist Gottes Zulassung. Tragt sie in Geduld für Gott, aber bittet ihn unter Tränen, dass er seiner Kirche den Frieden schenke. Mein Tod wird für euch ein harter Schlag sein und euch betrüben. Aber bald wird Gott euch bessere Hirten geben, als ich euch sein könnte. Betrübet euch nicht zu sehr und bemühet euch, Gott so zu lieben und ihm zu dienen, wie er es verdient. Bleiben wir vereint in der Liebe, und der Tod wird uns vereinen in der Ewigkeit, wo wir bei Gott ewig glücklich sein werden. Das hoffe ich tausend-, ja zehntausendmal.“

Am. 16 September 1846 wurde der mutige Bekenner Christi hingerichtet. 
„Ich stehe vor meinem Hinscheiden“, so redete er die Umstehenden vor seinem Tod noch an, „hört, was ich euch sage. Wenn ich mit Ausländern verkehrt habe, so geschah dies meiner Religion und Gottes wegen; ihretwegen gehe ich in den Tod. Ein ewiges Leben beginnt jetzt für mich. Wollt auch ihr nach diesem Leben glücklich sein und nicht den ewigen Strafen verfallen, die Gott denen bestimmt hat, die nichts von ihm wissen wollen, so werdet Christen.“

So starb der erste koreanische Priester, erst 25 Jahre alt. Er hatte selbst seinen Richtern eine solche Hochachtung abgenötigt, dass sie gegen den sonstigen Gebrauch bei Hingerichteten ihn ehrenvoll bestatten ließen.

(Aus: Der einheimische Klerus in den Missionsländern, von Anton Huonder S.J., 1909, mit Imprimatur)

Heiliger Andreas Kim, bitte für uns und für Korea!

Montag, 3. März 2014

„Ein glücklicher Tod, nicht wahr?“ — Der heilige Märtyrer Théophane Vénard schreibt aus der Gefangenschaft an seine Schwester



Der heilige Théophane Vénard war Priester des Pariser Missionsseminars und wurde während einer der vielen Christenverfolgungen in Vietnam inhaftiert. Nachfolgend ein Brief an seine Schwester, den er aus der Gefangenschaft schreibt.

„Es ist beinahe Mitternacht,“ heißt es in dem Brief an die Schwester, „um meinen Käfig stehen Lanzen und lange Säbel. In einem Winkel des Saals spielt eine Gruppe von Soldaten mit Karten, eine andere Gruppe mit Würfeln. Von Zeit zu Zeit schlagen die Schildwachen auf dem Tam-Tam das Wachtsignal. Zwei Meter von mir wirft eine unstet flackernde Lampe ihr Licht auf mein Blatt von chinesischem Papier und ermöglicht mir, diese Zeilen zu schreiben. 

Von Tag zu Tag erwarte ich mein Urteil. Vielleicht morgen schon werde ich zum Tod geführt werden. Ein glücklicher Tod, nicht wahr? Ersehnter Tod, der zum Leben führt…Aller Wahrscheinlichkeit nach wird man mich enthaupten: glorreiche Schmach, deren Preis der Himmel sein wird. Bei dieser Nachricht, liebe Schwester, wirst du weinen, aber Freudentränen. 
Sieh nur deinen Bruder, die Krone der Martyrer um sein Haupt geschlungen, die Siegespalme in seiner Hand! Noch ein Weilchen, und meine Seele wird die Erde verlassen, ihre Verbannung beenden, am Ziel ihres Kampfes sein. 

Ich ziehe zum Himmel, ich erreiche die Heimat, ich gelange zum Sieg. Eingehen werde ich in den Wohnort der Auserwählten, schauen jene Schönheiten, die noch kein Menschenauge geschaut hat, hören die Harmonien, die noch kein Ohr gehört, genießen die Freuden, die noch kein Herz gekostet. Aber vorher muss das Samenkorn erst zermalmt, die Traube gekeltert werden. O möchte ich ein Brot, ein Wein nach dem Geschmack des himmlischen Hausvaters sein! Ich hoffe es von der Gnade des Heilands, von dem Schutz seiner unbefleckt empfangenen Mutter; und darum darf ich, obwohl noch auf dem Kampfplatz, schon den Triumphgesang anstimmen, als wenn ich schon gekrönter Sieger wäre…Lebe wohl, geliebte Schwester, lebe wohl!“

(Aus: die katholischen Missionen, 1876)

…diesen Triumphgesang konnte er zu Recht anstimmen. Am 2. Februar 1861 wurde Théophane Vénard enthauptet. Papst Pius X. sprach ihn 1909 selig, Papst Johannes Paul II. sprach ihn 1988 heilig.

Dienstag, 7. Januar 2014

Erhebender Missionseifer



Nebst der Gnade Gottes verdanken wir vor allem den eifrigen Missionaren die vielen Erfolge auf dem Missionsfeld. Manche opfern sich als wahre Helden ganz selbstlos ihrem Beruf.

Msgr. Marcou, der Apostolische Vikar von Phat-diem, der 35 Jahre lang das Missionsgebiet verwaltet hatte, verzichtete kürzlich zugunsten seines einheimischen Hilfsbischofs, Msgr. Tong, auf seinen Posten. 

Zur Erbauung aller erbat er sich vom Oberhirten von Than-hoa, der bis zur Abtrennung dieses Gebiets von Phat-diem im Jahre 1932 sein Hilfsbischof gewesen war, den vielleicht undankbarsten Posten von Thanh-hoa zur Betreuung. 

Es gibt dort eine Gemeinde, die seit 200 Jahren christlich ist und sogar einen Märtyrer hervorgebracht hat. Aber schon seit langer Zeit verlieren die Männer mit ganz wenigen Ausnahmen schon in jungen Jahren ihren Glauben und weihen sich dem Dienst einer berühmten Pagode.

Die Frauen hingegen halten am katholischen Glauben fest. Msgr. Marcou hatte oft seine Hirtenbesuche in der Gemeinde auf mehrere Wochen ausgedehnt, doch ohne Erfolg. Jetzt, da er von seiner bischöflichen Verwaltung entbunden ist, will er seine letzten Kräfte zur Bekehrung der dortigen Männerwelt einsetzen.

Ein ähnliches Beispiel bietet uns P. Héraud aus dem Apostolischen Vikariat Rangoon. Er hatte seine 38 Missionsjahre fast ganz auf dem Posten Thinganaing verbracht. 
Die Christengemeinde wurde von ihm gegründet und mit Kirche und eigener Schule ausgestattet. Heute ist sie gut ausgebaut und kann sich selbst erhalten. Da geht der Missionar wieder auf Wanderschaft und überlässt den guten Posten einem einheimischen Priester. 

Er lässt sich in einem weltverlorenen Winkel nieder und wohnt, nicht der verdienten Ruhe gedenkend, in einer Barracke, die nicht den Namen eines Hauses verdient. Da sammelt er die ersten gutwilligen Leute um sich, um ihnen die Wahrheit des christlichen Glaubens zu künden.

(Aus: die katholischen Missionen, 1937)