Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

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Sonntag, 20. April 2014

Bischof Schreiber über die Missionspflicht der Katholiken (Teil 6)

Papst Pius XI. bei der Einweihung des neuen Campus der Päpstlichen Universität Urbaniana. Anwesend sind Kleriker (wohl Seminaristen) aus verschiedenen Missionsländern

Fortsetzung von hier


(…) Ich schließe. Mein Blick schweift zurück zum Areopag in Athen. Dort steht der große Völkerapostel Paulus vor den Vertretern der heidnisch-griechischen Kultur. Er gibt Zeugnis von der Pflicht der Missionierung des ganzen Erdkreises durch Boten Christi. Er ist sich bewusst, dass die Erfüllung dieser Pflicht auch durch reiche Erfolge in der Zukunft belohnt werde. Denn er glaubt an den Sieg des Kreuzes Christi. Zwar führt sein jetziges Auftreten in Athen nur wenige aus der Zuhörerschar der Kirche Christi zu. Aber, durch seinen Meister belehrt, weiß er, dass die Missionsarbeit in Christi Namen, für Christi Reich, durch Christi Kraft vollzogen , nach und nach die ganze Welt erobern wird.

Einen Widerhall dessen, was Paulus damals hinsichtlich der Missionspflicht darlegte und hinsichtlich der Missionspflicht darlegte und hinsichtlich der Missionserfolge voraussah, erlebte ich in Rom in der Peterskirche bei dem großen Missionsfest zu Pfingsten 1922. Der welterobernde Erfolg der Missionsarbeit der Kirche trat überwältigend vor mein Auge. Wohl 80.000 Menschen aus der ganzen Welt waren zu diesem Missionsfest im Petersdom zusammengeströmt. 250 Bischöfe aus allen Erdteilen waren hier versammelt. Neben mir zur Rechten saß ein schwarzer Bischof aus Südindien, neben mir zur Linken ein Bischof aus Kanada und vor mir ein Bischof aus Australien. 

Thomas Kardinal Tien S.V.D., der erste Kardinal Chinas und wahrscheinlich der erste Kardinal der Neuzeit, der aus dem Heidentum konvertierte. Er wurde erst im Alter von 11 Jahren getauft.
Alle diese Söhne und Töchter der verschiedenen Völker und Nationen des Erdkreises, Bischöfe, Priester und Laien, sind seit den Tagen des Herrn in ihren Vorfahren, manche erst in ihren Vätern, wieder andere sogar erst jüngst durch die Missionsarbeit zu Jüngern Christi, zu Gliedern seiner Kirche, zu Schäflein in der einen Hürde unter dem einen obersten Hirten gemacht worden. Sie sind die Abgesandten von mehr als 250 Millionen Katholiken auf dem ganzen Erdball. Sehen Sie da den gewaltigen Erfolg der Missionsarbeit, die Paulus vor fast 1900 Jahren auf der Hochburg der heidnisch-griechischen Kultur begann.

Das Papstamt im Petersdom beginnt. Nach dem Evangelium besteigt der Hl. Vater die Cathedra, die in der Apsis in der Peterskirche hinter dem Hochaltar für ihn aufgerichtet ist. Er spricht von der Missionsarbeit der Kirche. Durch die Jahrhunderte schreitend bringt er in Erinnerung die gewaltigen Leistungen, welche die katholische Kirche in den Heidenländern für Christi und sein Reich und für das Seelenheil der Heiden vollbracht hat. Sein Auge leuchtet, als er von den Großtaten der Missionare und Missionarinnen in den Heidenländern der Vergangenheit und der Gegenwart berichtet. Seine Bewegungen werden lebhafter, als er zu sprechen kommt auf das, was insbesondere auch die Propaganda in Rom in den 300 Jahren ihres Bestehens für die Missionierung der Heidenwelt getan hat. Seine Stimme wird stärker und eindringlicher, als er vor dem geistigen Auge der um ihn gescharten Kardinäle und Bischöfe, Priester und Laien die großartigen Gesamterfolge der Missionsarbeit der Kirche erstehen lässt.

Jetzt wendet sich der Papst den weiten Länderstrecken zu, die noch in Finsternis und Todesschatten liegen. Er spricht von der furchtbaren Verantwortung, die auf ihm und den Bischöfen und den Priestern und dem gesamten katholischen Volke lasten für das Seelenheil dieser ungezählten Millionen Heiden. Und je mehr der Heilige Vater sich vertieft in die Betrachtung dieser Seelennot des größten Teils der Menschheit und je mehr er die dieser Seelennot gegenüberstehenden Missionspflicht der Kirche ermisst, desto bewegter wird seine Stimme, desto wärmer schlägt sein Herz, desto mehr füllen sich seine Augen mit Tränen, sodass er Mühe hat, der Wehmut und Rührung Herr zu werden.
Wie Feuerfunken sprühen die Worte des Papstes in die Herzen der um ihn versammelten Kardinäle und Bischöfe, Priester und Laien, seine apostolischen Gedanken, sein glühender Seeleneifer, seine tiefgehende Bewegung teilen sich ihnen mit überwältigender Wirkung mit. Alles steht unter der Wucht des Gedankens: Die Missionsarbeit ist für uns alle eine heiligste Pflicht und schwerste Verantwortung.

Der Papst stimmt das Credo an. Die versammelten Kardinäle und Bischöfe beten es alle mit ihm, und die den weiten Petersdom füllenden 80.000 Christen bekennen im Herzen dasselbe, was der Papst mit den um ihn gescharten Bischöfen des Erdkreises mit Herz und Mund bezeugt. Was war das doch für ein unvergessliches Erlebnis! Diese sichtbare Darstellung der einen heiligen, katholischen und apostolischen Kirche! Alle, die aus dem ganzen Erdenkreis hierher zusammen kamen, bekennen sich überzeugungsvoll zu demselben katholischen Glauben in allen seinen Einzellehren, zu demselben katholischen Sittengesetz in allen seinen Einzelsatzungen, zu demselben heiligen Tugendstreben nach dem Beispiel Christi und der Heiligen, zu derselben großen Allgemeinheit der unter dem Papst und den Bischöfen stehenden Gläubigen, und jeder der hier anwesenden Bischöfe besitzt den Adelsbrief seiner Abstammung von einem der Apostel. Aus dem Munde der aus den verschiedenen geistlichen Kollegien Roms gebildeten Schar von 900 Sängern, die die Pfingstmesse nach den Choralmelodien der Vaticana vortragen, dringen jetzt die Worte an unser Ohr: „et unam sanctam, catholicam et apostolicam ecclesiam – ich glaube an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.“

Herz und Auge wird beim mächtigen Klang dieser Worte unwillkürlich emporgehoben. Ich schaue nach oben. Über uns wölbt sich die gewaltige Kuppel, die Michelangelo in kühnem Wagen in die Lüfte hinauf getürmt hat. Am unteren Rand dieses Riesenbaus lese ich in schwarzen Lettern auf goldenem Grund das Wort des Herrn: „Tu es Petrus et super hanc petram aedificabo ecclesiam meam et portae inferi non praevalebunt adversus eam – Du bist Petrus der Fels, und auf diesem Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen.“
Niemals in meinem Leben ist mir mit größerer Deutlichkeit und Wucht die gewaltige Größe der katholischen Kirche zum Bewusstsein gekommen – jener Kirche, die wahrhaft die ganze Welt umspannt, die in ihrer Einheit, Heiligkeit, Allgemeinheit und apostolischen Nachfolge vor den Augen der ganzen Menschheit emporragt als „der Berg des Hauses des Herrn, fest gegründet auf dem Gipfel der Berge und erhöht über die Hügel. Und alle Völker werden zu ihm strömen und die Völker werden hinwallen und sprechen: kommt, lasst uns hinaufziehen zum Berge des Herrn und zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns seine Wege lehre und dass wir auf seinen Pfaden wandeln, denn von Sion wird das Gesetz ausgehen und das Wort des Herrn von Jerusalem.“ (Is. 2,2-3)

Für eine solche Kirche leben und arbeiten, auch als Laienapostel, auf allen Gebieten der Gottes- und Nächstenliebe, in der katholischen Stadt, im katholischen Dorf, aber auch in der Heidenmission oder für die Heidenmission, durch gutes Beispiel, durch christliche Kindererziehung, durch Gaben und Spenden, seien sie auch noch so klein; dieser Kirche durch die Missionsarbeit in Erfüllung der Missionspflicht immer größere Scharen von Menschen zuführen: das ist wahrhaft „das göttlichste aller göttlichen Dinge“. Das ist das Hehrste und Erhabenste, was wir für Gott, für Christus, für das Heil der Menschen tun können. 

Dieser Kirche wollen wir heute Abend wiederum unsere Treue und unsere Mitarbeit geloben, von ihr wollen wir nicht wanken und weichen, ihr gehört unser Verstand und unser Wille und unser Herz und unsere Tat. So lasst uns denn frohbewegt und begeistert einstimmen in das Lied, das uns schon von Jugend auf lieb und teuer geworden ist, in das Lied:

Fest soll mein Taufbund immer stehn, ich will die Kirche hören.


(aus: die katholischen Missionen, 1925)


Gesegnete Ostern!

Montag, 31. März 2014

Bischof Schreiber über die Missionspflicht der Katholiken (Teil 5)

Sel. Maria Theresia Gräfin Ledóchowska, eine der größten Laienmissionarinnen der Neuzeit

Fortsetzung von hier:

Noch einen dritten Grund können wir anführen für die Tatsache, dass auch den Laien die Missionsarbeit nach Maß der Befähigung und Stellung obliegt, und zwar ihnen obliegt als ein Gebot Gottes und somit als eine Pflicht der Gottesliebe.

Der hl. Petrus hat in seinem ersten Brief das Wort geprägt vom königlichen Priestertum der Laien: 

Ihr aber (die ganze christliche Gemeinde) seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk des Eigentums, auf dass ihr die Tugenden dessen verkündet, der euch aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat; euch, die ihr einst ein Nichtvolk waret, jetzt aber Gottes Volk seid; die ihr Nichtbegnadigte waret, nun aber Begnadigte seid.“ (1 Petr. 2,9.10)

Dieses Wort des Apostelfürsten ist missverstanden worden von solchen, die nicht zur Kirche gehören, die das Priestertum im Papst und den Bischöfen und den Priestern verwarfen und dafür ein allgemeines Priestertum aller Christen aufrichteten. Ihre Auffassung steht nicht auf dem Boden Christi.

Papst Pius XI. mit der griechisch-melchitischen Hierarchie

Denn nichts ist klarer in der heiligen Schrift enthalten, als die Tatsache, dass Christus eine Priesterhierarchie eingerichtet hat, d. h. dass er die Apostel aus der Schar der übrigen Gläubigen ausgesondert, mit den Vollmachten des Lehr-, Priester- und Hirtenamts ausgestattet, den Laienchristen als deren Lehrer, Heiliger und Führer gegenübergestellt und in deren Nachfolgern, den Päpsten, Bischöfen und Priestern der katholischen Kirche „bis zum Ende der Weltzeit“ (Matth. 28,20) verankert hat.

Anderseits ist ebenso klar, dass Petrus als Verkünder des Willens Christi auch den Laienchristen eine priesterliche Stellung zuweist. Beides ist wahr, beides stimmt aber auch zusammen: Die Päpste, Bischöfe und Priester besitzen nach Christi Willen das ursprüngliche, wesenhafte, übergeordnete Priestertum. Die Laienchristen aber haben ein abgeleitetes, nachbildliches, untergeordnetes Priestertum: sie sollen in Unterordnung unter die von Christus eingesetzte Hierarchie und in Nachahmung der von der Hierarchie ausgeübten Lehr-, Heiligungs- und Führungstätigkeit ebenfalls lehrend, heiligend und führend in der Menschheit tätig sein. 
Nicht als amtliche Lehrer, wohl aber als Herolde der amtlichen. Nicht als Heiliger durch die priesterliche Segnung, Sakramentspendung und Opfervollziehung, wohl aber als Heiliger durch Gebet und Beispiel. Nicht als oberste Führer auf dem Heilsweg, wohl aber als Unterführer unter der Leitung der Häupter, die Christus gesetzt hat. Diese Wahrheit drückt Petrus an der erwähnten Stelle überaus klarverständlich aus, wenn er sagt: 

Ihr seid ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk des Eigentums, auf dass ihr die Tugenden dessen verkündet, der euch aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht berufen hat…indem ihr einen guten Wandel unter den Heiden führt, damit sie, worin sie von euch, als wäret ihr Übeltäter, Arges reden, euch aus den guten Werken erkennen und Gott preisen am Tage der Heimsuchung.(1. Petr. 2,9-12)

Paul Tzi, ein eifriger chinesischer Laie
So sollen also die Laienchristen nach des Herrn Anordnung, die Petrus uns verkündet, Förderer und Gehilfen sein in jedem priesterlichen Werk, nicht als Sakramentspender, nicht als Darbringer des hl. Opfers, nicht als amtliche Lehrer und oberste Führer, wohl aber in der Mitarbeit an jeglichem Priestertum – in der Mitarbeit also an der Missionierung des Menschengeschlechts, denn priesterliches Tun ist nach allen Seiten hin nichts anderes als Missionsarbeit, die den Namen der „Seelsorge“ trägt, wenn sie in einem bereits geordneten Seelsorgsbezirk erfolgt, der man aber die Bezeichnung „Mission“ vorbehalten hat für jene Bezirke, in denen das Christentum noch gar nicht oder nur da und dort Fuß gefasst hat.

Soll ich Ihnen sagen, wie Sie als Laien Ihres königlichen Priesteramts für die Missionierung der Heidenwelt walten sollen? Sie sollen es tun durch Ihr Gebet, das die Gnade Gottes auf die Arbeiten der Missionare in der Heidenwelt herabfleht, durch finanzielle Spenden, ohne die ja kein Menschenwerk, auch keine Mission, durchgeführt werden kann, Sie sollen Priester sein auch dadurch, dass Sie in Ihren Familien Priester und Ordensschwestern erziehen, die hinaus gehen, um Christi Lehre und Christi Gesetz den Heiden zu bringen, Sie sollen in Wort und Schrift, soweit Ihnen dies möglich ist, den Missionsgedanken in die weitesten Volksschichten tragen und für den Missionsgedanken werben.

Fr. Magdala Maria FSSR spendet seinen Eltern den Primizsegen. Ein Bild, das ohne neuzeitliche Heidenmission nie entstanden wäre  die Familie stammt aus Samoa.
Auf diese Weise werden Sie Missionsarbeit vollziehen und durch diese Missionsarbeit ein königliches Priestertum betätigen und durch diese Betätigung das Gebot Christi, das Sie zum königlichen Priestertum berufen hat, erfüllen und durch die Erfüllung dieses Gebotes Gottesliebe üben.


(Aus: die katholischen Missionen, 1925)

Fortsetzung hier

Sonntag, 30. März 2014

Bischof Schreiber über die Missionspflicht der Katholiken (Teil 4)


Fortsetzung von hier


 „Unser tägliches Brot gib uns heute“ so fahren wir fort im Gebet.

Menschliche Beschränktheit denkt hier nur an das leibliche Brot. Aber der göttliche Heiland, der uns das „Vaterunser“ lehrte, hat in dieser Bitte sowohl um das irdische wie um das überirdische Brot zu beten geheißen, denn der Evangelist Lukas (11,3) gibt diese Bitte wieder mit den Worten: „Unser tägliches Brot gib uns heute“, aber der Evangelist Matthäus (6,11) kleidet dieselbe Bitte in die Form „unser überwesentliches Brot gib uns heute“. Beide Evangelisten zusammen geben die Brotbitte in ihrem vollen Inhalt wieder. 
Demnach bitten wir im „Vaterunser“ unseren himmlischen Vater für uns und alle Menschen, dass er uns das tägliche natürliche Brot wie auch das übernatürliche Brot, die hl. Eucharistie, schenken möge. Von Christus unserem Herrn belehrt und ermuntert senden wir also zu Gott das Verlangen empor, dass alle Menschen – auch den Heidenvölkern – neben der täglichen Speise auch das übernatürliche Himmelsbrot, Christi Leib und Blut in der hl. Eucharistie, zu teil werde. 


Und indem wir dieses Verlangen aussprechen, müssen wir anerkennen, dass wir aus Liebe zu unserem Vater im Himmel zur Erfüllung dieses Verlangens auch beitragen müssen: beitragen müssen zur Ausbreitung jener Kirche, die allein auserwählt und bevollmächtigt ist, den Heiland im Sakrament allen Völkern zu bringen.


„Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern“.

Wir beten es in Wahrheit und Weitherzigkeit. Wir schließen demnach alle Menschen in diese Bitte ein. Wir flehen in unserem Namen und im Namen der ganzen Menschheit zu Gott um Vergebung unserer Schuld. 

Wer aber kann diese Sündenvergebung uns verleihen? Wer anders als Gott! Und wo gewährt uns Gott um der Verdienste Christi willen diese Sündennachlassung? Im heiligen Bußsakrament und in den übrigen Sakramenten der Sündentilgung. Und wem hat Christus diese sündentilgenden Sakramente für die Menschheit übergeben? 
Wem anders als seiner Kirche, an deren Spitze gemäß seiner Anordnung Petrus und die Apostel und ihre Nachfolger stehen! So steigt also in dieser Sündenbitte des „Vaterunser“ aus Mund und Herz des Beters zu Gott der Wunsch empor, dass alle Menschen zur sicheren und vollen Sündennachlassung in der hl. Kirche gelangen. 

Giuseppe Molteni, La confessione
Dieser Wunsch wäre aber eine bloße Lippenbewegung oder gar eine unaufrichtige Schöntuerei, wenn wir nicht auch zugleich den festen Willen hätten, auch in Wort und Tat uns dafür einzusetzen, dass allen Menschen, auch der Heidenwelt, die Sündennachlassung durch Christus in der Kirche ermöglicht werde.



„Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel.“

In dieser Bitte ist ausgesprochen die allen Menschen drohende Gefahr der Versuchung, des Sündenfalls, des ewigen Verderbens. Wir stehen alle in der Gefahr, durch die Versuchung aufs Neue in Sünde zu fallen. Die Strafe für das Unterliegen in der Versuchung, für die Begehung der schweren Sünde, ist das Übel aller Übel, die ewige Verdammnis. Furchtbare Wahrheit für uns alle! 


Könnte es einen Beweggrund geben, der uns klarer und blitzartiger, stärker und packender die Missionspflicht vor Augen stellt? Wir alle, Bischöfe, Priester und Laien, sind Kinder des einen Gottes. Wenn wir Gott lieb haben, dann müssen wir Sorge tragen, dass einmal in der Ewigkeit Gottes Kinder bei Gott ihrem Vater sich wiedersehen, dass, soweit es an uns liegt, keines von diesen Gotteskindern dem Übel aller Übel anheim falle, der ewigen Trennung von Gott in der anderen Welt.

Priester und Laien sollen nach Christi Willen das „Vaterunser“ beten, Priester und Laien sollen nach Christi Anordnung aus Liebe zu Gott ihrem Vater das vollbringen, was sie im „Vaterunser“ mit den Lippen beten; sie sollen helfen, dass alle Menschen gelangen zur Einheit der Kindschaft Gottes (Anrede), zur Einheit ewigen Glückes bei Gott (Anrede), zur Einheit der Verherrlichung Gottes (1. Bitte), zur Einheit des Gottesreichs der Kirche und des Himmels (2. Bitte), zur Einheit des göttlichen Gesetzes (3. Bitte), zur Einheit der hl. Eucharistie (4. Bitte), zur Einheit der Sündennachlassung (5. Bitte), zur Einheit der Gnadenhilfe gegen die Versuchung (6. Bitte), zur Einheit der Befreiung von dem Übel aller Übel, von der ewigen Verwerfung (7. Bitte). 

Das „Vaterunser“ ist somit eines der wirksamsten Gotteszeugnisse für die Wahrheit, dass auch die Laien, die es beten, durch die Pflicht der Gottesliebe gehalten sind, an der Missionierung der Menschheit mitzuarbeiten.


(aus: die katholischen Missionen, 1925)

Fortsetzung hier

Mittwoch, 26. März 2014

Bischof Schreiber über die Missionspflicht der Katholiken (Teil 3)

Vaterunser auf Latein
Fortsetzung von hier

Einen zweiten Beweis für die Tatsache, dass auch die Laien durch die Gottesliebe verpflichtet sind, Missionsarbeit zu leisten, bietet das Vaterunser.

Das „Vaterunser“ ist ein Gebet von unerschöpflichem Inhalt. Jeder Mensch findet für jede Lebenslage in ihm Belehrung und Ermunterung, selbst auch in Hinsicht auf den Pflichtcharakter der Missionsarbeit. Durchgehen wir die einzelnen Bitten des „Vaterunser“.

Vaterunser auf Hebräisch (Bildquelle: Anton 17)

Wir beginnen das Gebet des Herrn mit den Worten: „Vater unser, der Du bist im Himmel.“ 
Damit bekennen wir die Einheit Gottes für alle Menschen, wir sagen aus, dass alle Menschen Gottes Kinder sind und dass Gott ihr Vater ist.

Kinder Gottes schon in der natürlichen Ordnung, denn sie sind hervorgegangen aus der Hand Gottes. Gott bildet aus dem durch ihn erschaffenen Stoff nach den von ihm geschaffenen und geordneten Naturkräften den Leib eines jeden Menschen. Die Seele aber, der formgebende Wesensbestandteil der menschlichen Natur, wird bei jedem Menschen unmittelbar dem Leib einerschaffen. So ist der Mensch ein Kind Gottes in viel höherem Maße, als er ein Kind seiner Eltern ist. 
Oder fehlt uns Gott gegenüber etwa das, was uns im innersten zu Kindern unserer Eltern macht, die Ebenbildlichkeit? Durchaus nicht, denn wenn unser Leib im Sein Gott wiederspiegelt, so trägt unsere Seele als Geist in sich den Abglanz des geistigen Wesens Gottes.

Nach dem Empfang der Taufe sind die Menschen Kinder Gottes auch in der übernatürlichen Ordnung. Die heiligmachende Gnade, die in der Taufe ihrer Seele von Gott eingegossen wird, ist in ihrem Wesen eine noch viele höhere Ebenbildlichkeit Gottes als die Seele in ihrem natürlichen Wesen es ist. Noch mehr: Durch die heiligmachende Gnade wird der Getaufte in dem Maße Kind Gottes, dass er Bruder des Sohnes Gottes Jesus Christus ist und den Anspruch auf das Erbe Christi des Sohnes Gottes im Himmel erhält. (…)


„Wir fahren fort: Der Du bist im Himmel“. Damit drücken wir die Erkenntnis und den Wunsch aus, dass wir Menschen allesamt in den Himmel kommen sollen. In der Tat: wo der Vater seine Wohnung hat, dorthin gehören auch seine Kinder, und wo der Vater ewig beheimatet ist, dort muss auch die Gottesfamilie der Menschen in der Ewigkeit sich zusammenfinden.
Wenn die einzelnen Glieder dieser Gottesfamilie ihren Vater im Himmel aber wahrhaft lieben, werden sie alles daransetzen, dass ihre Brüder und Schwestern auf erden auch wirklich einmal in den Himmel kommen, sie werden die heilige Pflicht anerkennen, mitzuarbeiten an der Missionierung der ganzen Welt.

Vaterunser auf Tamil (Bildquelle: Anton 17)

Wir fügen hinzu: „Geheiligt werde Dein Name“.
Ganz allgemein sprechen wir diese Bitte aus, ganz allgemein wünschen und verlangen wir also, dass Gottes Name in Ehren gehalten werde, von allen Menschen auf der ganzen Erde. Wie könnte man es mit diesem ausgesprochenen Wunsch aber vereinbaren, wenn es einen Beter gäbe, der für seine Mitbrüder und Mitschwestern auf Erden keine Hand rühren und keinen Willensentschluss fassen möchte dafür, dass sie alle Gottes Dasein, Gottes Wesen, Gottes Herrlichkeit erkenne und seine Majestät verherrlichen?

„Zu uns komme Dein Reich“. Zu uns ohne Ausnahme, auch zu denen, die im Todesschatten und in der Finsternis des Heidentums sitzen. Dein Reich, das ewige Reich des Himmels und Dein Gottesreich auf Erden: die katholische Kirche. Und indem wir so beten, werden wir uns wieder der heiligen Pflicht bewusst, in jeder uns möglichen Weise dazu mitzuwirken, dass die Kirche Christi, sein Reich auf erden, wirklich allen Menschen zu teil werde, dass sie auch dorthin dringe, wo jetzt noch keine Ahnung ist von der göttlichen Erhabenheit der Kirche, und dass schließlich alle eingehen in das Reich Gottes über den Sternen, in dem ewigen Himmel.

Vaterunser auf Koreanisch (Bildquelle: Laubrière)
„Dein Wille geschehe wie im Himmel also auch auf Erden.“ Auf der ganzen Welt soll Gottes Wille stets geschehen. Und so soll er allen Menschen Leitstern und Richtschnur sein, wie er für die Himmelsbewohner höchste Norm, süßeste Pflicht, tiefster Lebensinhalt ist. Möchte, o Gott, fürwahr die ganze Menschheit Deinen heiligen Willen erkennen, den Du niedergelegt hast in Deinen zehn Geboten und in Deinem christlichen Gesetze! 

Möchte die ganze Menschheit, durchdrungen von der Weisheit und Heiligkeit, Gerechtigkeit und Gütigkeit Deines Willens, es als ihre erste und letzte Lebensaufgabe betrachten, Deinen heiligen Willen immer zu erfüllen. So beten, so wünschen wir, und indem wir so beten und wünschen, wird unser Herz lebendig, unser Wille bewegt, unser Inneres vorwärts getrieben, unser Entschluss geformt: wir wollen alles aufbieten, was wir können, zu dem einen Ziele, dass Gottes Wille stets geschehe, wie bei uns so auch in der Heidenwelt.


(Aus: die katholischen Missionen, 1925)

Fortsetzung hier

Dienstag, 25. März 2014

Bischof Schreiber über die Missionspflicht der Katholiken (Teil 2)

Bischof Schreiber als Weihbischof von Berlin bei der Fronleichnamsprozession (Bildquelle: Bundesarchiv, Bild 102-09989 / CC-BY-SA)


Fortsetzung von hier

1. Missionsarbeit ist eine Pflicht der Gottesliebe.

Christus hat gesagt: „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt“ (Joh. 14,21). Nun aber hat Christus bei verschiedenen Anlässen das Gebot gegeben, die Welt zu missionieren. Also verlangt die Gottesliebe, d.i. die Liebe zu Christus unserem Herrn und Gott, dass wir Missionsarbeit leisten, jeder nach seiner Stellung und Befähigung, jeder nach dem Maß der von Gott ihm auferlegten Pflichten und Verantwortungen.

Diese Pflicht der Gottesliebe obliegt zunächst den Bischöfen, denn zu den Bischöfen als Nachfolger der Apostel hat Christus gesagt: „Gehet hinaus in die ganze Welt und predigt allen Völkern das Evangelium und taufet sie und lehret sie alles halten, was immer ich Euch gesagt habe“ (Mt. 28,19-20; Mk. 16,15).
Ein Gebot Christi ist also die Missionsarbeit für die Bischöfe und damit ein Werk, zu dessen Ausführung die Gottesliebe verpflichtet: „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt.“
Das dem Missionsbefehl Christi an die Bischöfe sich unmittelbar anschließen Wort des Herrn: „Siehe ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Weltzeit“ (Mt. 28,20), ist nicht bloß die Verheißung seines Beistandes, sondern auch die Ankündigung seiner fortgesetzten Wachsamkeit bezüglich der Erfüllung seines Missionsbefehls.


In diesen Missionskreis der Bischöfe sind die Priester durch göttliche Anordnung hineingezogen. Denn bei der Spendung der Priesterweihe überträgt Christus durch den heiligen Geist den Priestern die Vollmacht und die Pflicht zu taufen, zu predigen und die übrigen Sakramente zu spenden (mit Ausnahme der von den Bischöfen vorbehaltenen Priesterweihe und Firmung), zu segnen und zu opfern. Diese Wahrheit spricht der Bischof vor Erteilung der Priesterweihe an die Weihekandidaten und an das versammelte Volk mit den Worten aus: „Des Priesters Pflicht ist es, das Opfer darzubringen, zu segnen, vorzustehen, zu predigen und zu taufen“ (Pontificale Romanum).
Somit ist auch für den Priester die Missionsarbeit ein Gebot des Herrn. Denn was heißt missionieren anders als: Christi Wahrheit predigen, Christi Sakramente spenden, Christi Opfer darbringen, Christi Wege weisen, in Christus und für Christus die Menschen gewinnen?

Ohne Einschränkung auf einen bestimmten Ort oder einen bestimmten Menschenkreis wird dieses Missionierungsgebot dem Priester bei der Priesterweihe auferlegt. Darum muss der Priester grundsätzlich alle Menschen missionieren. Selbstverständlich an erster Stelle diejenigen, deren Seelsorge ihm in einem abgegrenzten Bezirk durch den Bischof angewiesen wird. 

Aber darüber hinaus muss ihm das übernatürliche Wohl und Wehe auch der übrigen Menschen und insbesondere der ärmsten unter ihnen, der Heiden, angelegen sein: das ist sein Amt. Wenn er Gott und Christus liebt, ist Christi Gebot ihm heilig, und wenn Christi Gebot ihm heilig ist, wird er für die Missionierung der Heidenwelt eintreten, in jeder Weise, die ihm ohne Beeinträchtigung seiner eigentlichen Amtstätigkeit möglich ist, also in seinen Gebeten, in seinen Predigten, in seiner Sorge für Weckung von Missionsberufen innerhalb seiner Gemeinde, in der Unterstützung der Sammlung für Missionszwecke usw.

Wichtig ist die Frage, ob auch die Laien aus der Pflicht der Gottesliebe heraus zu praktischer Missionsarbeit verpflichtet sind.
Die Antwort auf diese Frage lautet: Ja. Selbstverständlich kommt für den einen eine andere Art der Missionsarbeit in Betracht als für den anderen. Aber jeder Laie ist durch ein heiliges Gottesgebot verpflichtet, irgendwie, entsprechend seiner Befähigung und Stellung, Missionsarbeit zu leisten.

Wir beweisen dies erstens aus der Tatsache, dass Christus auch den Laien die Vollmacht gegeben hat, die Taufe zu spenden. Allerdings dürfen die Laien nur im Notfall taufen. Aber trotzdem bleibt es wahr, dass sie zur Taufspendung von Christus berufen worden sind und zwar ohne Einschränkung auf irgendeinen Menschenkreis: Jeder Laie kann jeden Ungetauften, der die von Christus zum gültigen Empfang dieses Sakraments verlangte Seelenverfassung mitbringt, gültig taufen, wenn er bei der Spendung der Taufe das zu tun beabsichtigt, was Christus und die Kirche mit der Taufe zu tun beabsichtigen, und wenn er die Taufhandlung in der Weise vollzieht, wie Christus und die Kirche sie angeordnet haben.
Nun aber vollzeiht man durch die Taufe eine Missionsarbeit: man macht ein Menschenkind zu einem Gotteskind, was das letzte Ziel aller Mission ist. Somit sind auch die Laien durch Christus herangezogen worden zur Mitarbeit an dem großen Missionsziel, Kinder Gottes hervorzubringen.

Vor diese Aufgabe werden sie nur selten gestellt sein, insoweit die wirkliche Spendung einer Taufe in Frage kommt. Denn diese Pflicht tritt schon in dem engen Heimatbezirk selten an einen Laien heran, kaum aber in den fernliegenden Missionsländern, die sein Fuß wohl nie betritt. In dieser Einengung auf die konkrete Taufspendung liegt aber auch gar nicht die Bedeutung des allgemeinen Taufbefehls Christi an Priester und Laien. Sie besteht darin, dass Christus grundsätzlich auch die Laien einbezogen hat in die pflichtschuldige Sorge für die Eingliederung der Heidenwelt in die Jüngerschar des Herrn durch die Taufe.

Deshalb besteht, von Seiten des Taufbefehls Christi her, für den Laien dieselbe Folgerung wie für den Priester: wenn du Christus liebst, musst du Christi Gebote halten. Nun aber hat Christus dir das Gebot der Missionsarbeit auferlegt. Also verpflichtet dich die Liebe zu Christus, die Gottesliebe, zur Mitarbeit am Missionswerk.


(Aus: die katholischen Missionen, 1925)

Fortsetzung hier

Montag, 24. März 2014

Bischof Schreiber über die Missionspflicht der Katholiken (Teil 1)

(Bildquelle: JoMaSch)

Rede in der Festversammlung des Franziskus-Xaverius-Vereins in Breslau am 15. September 1924.



Von Dr. Christian Schreiber, Bischof von Meißen in Bautzen


Es war ein weltgeschichtlicher und wegweisender Augenblick, als der Völkerapostel auf dem Areopag zu Athen stand, um an die heidnisch-griechische Welt heranzutreten und sie zu missionieren – weltgeschichtlich, weil hier zum ersten Mal ein Apostel mit der Hochburg der heidnisch-griechischen Kultur zusammentraf; wegweisen, weil hier die Tragik der Missionsarbeit für alle Zukunft sich bereits enthüllte, jene Tragik, die darin besteht, dass gerade bei den Intellektuellen die Missionsarbeit oft so geringen Erfolg hat, auch wenn man ihnen mit den überzeugendsten Gründen und mit der kraftvollsten Rede entgegentritt, wie es Paulus auf dem Areopag tat.

Wegweisend ist dieser Augenblick auch deshalb, weil er uns einen tiefen Einblick gewährt in den Pflichtcharakter der Missionsarbeit.

Von seinen Missionsabsichten und seiner Missionstätigkeit will Paulus auf dem Areopag die Gründe vorbringen.

Angesichts der Inschrift eines Altares „Ignoto Deo“ – dem unbekannten Gotte – weist er auf die Einheit Gottes hin: auf die Tatsache, dass der eine Gott allen Menschen und jeder Mensch dem einen Gott zugehört.

Er weist hin auf die Einheit des Menschengeschlechts: auf die Tatsache, dass alle Menschen als Abkommen eines Stammvaters eine einzige Familie bilden und deshalb miteinander verbunden sind durch das Gesetz der Solidarität.

Er weist auf die Einheit der Erlösung: auf die Tatsache, dass Christus für alle Mensch geworden ist, um alle selig zu machen, dass deshalb niemand von der Erlösung und Gnade ausgeschlossen sei, welcher Sprache und welcher Hautfarbe, welcher Nationalität und welcher Staatsgemeinschaft er auch sein möchte.

Paulus weist hin auf die Einheit des zukünftigen Gerichtes: auf die Tatsache, dass alle Menschen vor dem einen Richter sich zu verantworten haben – auch darüber, wie sie ihrer Solidaritätspflicht in Bezug auf das übernatürliche Wohl und Wehe des Mitmenschen gerecht geworden sind.

Paulus weist schließlich hin auf die Allgemeinheit der natürlichen Gotteserkenntnis: auf die Tatsache, dass in jeder gesunden und normalen Menschenseele eine Ahnung von Gott und der natürliche Drang nach Gott vorhanden ist.

Aus dieser Tatsache folgert Paulus stillschweigend, dass er Gott, Christus und der Menschheit gegenüber das Recht und die Pflicht habe, wie alle Menschen so auch die Athener zu missionieren, mit Christi Lehre und Gesetz bekannt zu machen, für Christus und die Kirche zu gewinnen.

Auf dem Areopag tat der Völkerapostel also kund, dass die Missionsarbeit eine heilige Pflicht ist, die wir gegen Gott, gegen Christus und gegen die Menschheit zu erfüllen haben.


(Aus: die katholischen Missionen, 1925)

Fortsetzung hier