Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

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Samstag, 2. Dezember 2023

Gebet von Papst Johannes XXIII. für die „Kirche des Schweigens“

 

Der Papst mit Erzbischof Paul Yü Pin von Nanking, später Kardinal, Exil in Taiwan.
(Quelle:Whitworth University Library “Société des Auxiliaires des Missions (SAM) Collection” via the Catholic World Report)

*Die „Kirche des Schweigens“ bzeichnete die verfolgten Ortskirchen in den kommunistischen Ländern.

„Heiliger Vater, bewahre in Deinem Namen diejenigen, die Du mir anvertraut hast, auf dass wir eins sind und bleiben. Wende endlich, o unser Erlöser, den Blick auf die Verdienste und Gebete Deiner und unserer Mutter, der hohen Königin der Missionen und der Weltkirche, ferner auf die Mühen, Opfer und das vergossene Blut so vieler Glaubensverkünder, die überall ein heldenhaftes Zeugnis für Dich ablegten und noch ablegen; und sei vor allem Deines eigenen kostbaren Blutes eingedenk, das Du vergossen hast zur Nachlassung ihrer Sünden, schenke China und der ganzen Welt Deinen Frieden, denn auf nichts anderem ruhen Hoffnung, Sieg und Frieden als auf Dir, unserem Herrn und unsterblichen König aller Zeiten und aller Völker. Amen.“

Sonntag, 14. Mai 2023

„Es werden mich selig preisen alle Geschlechter“: Kleinere Marienheiligtümer in den Missionsländern

Kapelle Unserer Lieben Frau vom Pass Otome
(Quelle: https://www.kankou-shimane.com/en/destinations/9398)

 Unsere Liebe Frau vom Lichte, Rota, Nördliche Marianen: Auf vielen Inseln der Nördlichen Marianen, die einst zu Spanien, dann zu Deutschland und Japan gehörten und seit Ende des Zweiten Weltkriegs ein Außengebiet der Vereinigten Staaten im Pazifik sind, wird die allerseligste Jungfrau unter besonderen Titeln verehrt. Auf der Insel Rota pflegen die Einheimischen die Verehrung der „Sainan Ina, Unserer Lieben Frau vom Lichte“. Das einfache Bild, das die Gottesmutter auf einer Wolke mit dem Jesuskind im Arm darstellt, wobei sowohl Mutter als auch Sohn je eine Kerze in der Hand halten, kam durch den seligen Jesuitenpater und Märtyrer Diego San Vitores über Mexiko nach Guam, wo er es dem König Taga der Insel Tinian zum Geschenk machte. Durch diesen kam das Bild nach Rota. Es erfuhr besondere Verehrung in den 1760er Jahren, als die Insel von andauernden schweren Erdbeben heimgesucht wurde. Der damalige Missionar, der Jesuitenpater Pedro, regte die Bevölkerung dazu an, ihre Zuflucht zu Unserer Lieben Frau vom Lichte zu nehmen. Alle Bewohner machten schließlich das Gelübde, in Zukunft ständig Kerzen vor dem Marienbild brennen zu lassen und jährlich ab dem 13. Mai eine Novene zu beten, an deren Ende ein Fest mit Prozession durch das Hauptdorf der Insel gefeiert wurde. Dabei wurde das Gnadenbild mitgetragen. Rota blieb nach Ende der ersten Novene von den schlimmsten Erdbeben verschont. Um immer für genug Lampenöl für die Erfüllung des Gelübdes zu sorgen, wurde ein 14 Hektar großes Stück Land mit Kokospalmen bepflanzt und trug darum den Namen Cocol de la Virgen – Kokospflanzung der Jungfrau.

Der Kapuzinerpater Korbinian, der von 1908 bis 1919 Missionar auf den Marianen war, gibt dem Bild folgende gemütvolle Auslegung: „Unwillkürlich fallen einem bei der Betrachtung des Bildes die Worte ein, die der Heiland gesprochen: ‚Ich bin das Licht der Welt; wer mir nachfolgt, wandelt nicht in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben‘, und jene Stelle beim Evangelisten, wo bei der Aufopferung des göttlichen Kindes im Tempel der greise Simeon es ‚ein Licht zur Erleuchtung der Heiden‘ nennt. Maria aber trägt eine brennende Kerze in der Hand, weil sie dem ‚Lichte vom Lichte‘ das Leben geschenkt, ihr Leben nur ‚Licht‘ ist, und sie die Mahnung ihres göttlichen Sohnes: ‚So lasst denn euer Lichten leuchten‘, am vollkommensten erfüllt hat.“


Unsere Liebe Frau vom Pass Otome, Japan: Eine kleine Kapelle zu Ehren der allerseligsten Jungfrau Maria bei Tsuwano in der südjapanischen Präfektur Shimane erinnert an die Christenverfolgung im Reich der aufgehenden Sonne, die bis zum Ende des 19. Jahrhunderts andauerte. Zwischen 1868 und 1871 wurden Katholiken aus Nagasaki und anderen Regionen von den heidnischen Behörden in die Gegend geführt, um sie dort unter verschiedenen Gewaltmitteln zum Abfall zu bringen. Einer der 153 Verbannten war Johannes Baptist Yasutaro, der in acht Tage lang auf dem Grundstück eines alten Shinto-Tempels in einen kleinen Käfig gefangen gehalten wurde. Bereits drei Christen waren bei winterlicher Witterung in dem Käfig zu Tode gekommen. Als er am dritten Tag von einem Katechisten[1] besucht wurde, der ihn trösten wollte, sagte dieser zu Johannes: „Es mag dir einsam sein, hier zu sterben“, worauf der Märtyrer entgegnete: „Nein, gar nicht einsam. Jede Nacht bis zur Morgendämmerung erscheint zu meinen Haupten eine wunderschöne Dame gleich dem Bilde der Santa Maria. Und ich glaube: es ist wirklich die heilige Maria. Mit zarter mütterlicher Stimme gibt sie mir gute Weisung und Trost. Aber sage es niemandem, solange ich noch am Leben bin!“ Nach fünf Tagen starb Johannes Yasutaro. 1951 wurde eine einfache Holzkapelle an der Stelle gebaut. Zwei Gipsfiguren stellen die Besuche dar, die Johannes Yasutaro in seinem Käfig von Maria erhielt. Noch heute ist der Ort Ziel von japanischen Wallfahrern.




[1] Eine andere Quelle berichtet von zwei Freunden, die in nachts heimlich besuchten.


Sonntag, 30. April 2023

„Es werden mich selig preisen alle Geschlechter“: Unsere Liebe Frau von La Vang (Vietnam)

 

Moderne Statue unserer Lieben Frau von La Vang auf dem Gelände des Wallfahrtsorts (Quelle: Hoangvantoanajc)


Nachdem der neue vietnamesische Kaiser Canh Thinh im Jahr 1798 die katholische Religion in seinem Reich verboten hatte, flohen Katholiken aus der Gegend der Kaiserstadt Huế in den Dschungel von La Vang. Dort suchten sie im Rosenkranzgebet Hilfe in ihrer Notlage, und eines Tages erschien ihnen die allerseligste Jungfrau mit dem Jesuskind auf dem Arm, sprach ihnen Trost zu und riet ihnen, mit den Blättern der umliegenden Bäume eine Art Tee zu kochen, um Krankheiten zu heilen. Von der Erscheinung der Mutter Gottes werden folgende Worte überliefert: „Vertraut mir, denn ich habe eure Gebete erhört. Von nun an werde ich alle diejenigen segnen, die mich an diesem Ort anrufen.“[1] Die Verfolgten konnten 1802 in ihre Dörfer zurückkehren und berichteten ihrem Umfeld von der himmlischen Erscheinung. In der Folge bauten die Katholiken in La Vang eine Kapelle, die in den späteren Verfolgungszeiten zahlreiche Male zerstört, von den Gläubigen aber immer wieder aufgebaut wurde. Nachdem die Christenverfolgungen in Vietnam mit der französischen Herrschaft über das gesamte Land zum Ende gekommen war, ließ der Apostolische Vikar von Huế, Msgr. Marie-Antoine-Louise Caspar M.E.P., eine große Kirche in La Vang bauen, die er vom 6. bis 8. August 1901 im Beisein von 12.000 Pilgern einweihte. Bald war auch diese Kirche zu klein, sodass eine größere an ihrer Stelle gebaut wurde, die am 22. August 1928 im Beisein von 20.000 Pilgern eingeweiht wurde. Im Jahr 1959 wurde sie anlässlich des 300-jährigen Jubiläums der Einführung des Christentums in Vietnam zum Nationalheiligtum des Landes, und Papst Johannes XXXIII. erhob sie 1961 zur Basilica minor. Im selben Jahr fand an dem Wallfahrtsort ein marianischer Kongress unter großer Teilnahme von einheimischen und französischen Bischöfen, weltlichen Behörden und zahlreichen Gläubigen statt. Die vietnamesische Bischofskonferenz erklärte La Vang am 13. April 1961 zum nationalen marianischen Zentrum.

Die ursprüngliche Basilika, die im Jahr 1972 bis auf den Kirchturm zerstört wurde (Quelle: Sciacchitano) 
 

Gegen Ende des Vietnamkriegs wurde die Kirche vollständig durch Artilleriebeschuss zerstört. Nach der Vereinigung von Nord- und Südvietnam weigerte sich die kommunistische Regierung lange Zeit, die Kirche wieder aufzubauen. Die Verehrung des Volkes überdauerte auch diese schweren Zeiten, und im Jahr 2012 wurde der Bau einer neuen Basilika im asiatischen Stil begonnen, die vor der Fertigstellung steht. An den Feierlichkeiten zum Fest Mariä Himmelfahrt nahmen im Jahr 2019 insgesamt 80.000 Personen teil. Besonders Papst Johannes Paul II. betonte die Bedeutung dieses Wallfahrtsorts für die Kirche in Vietnam, etwa als er am Weltjugendtag in Denver im Jahr 1993 die vietnamesische Kirche unter den Schutz unserer Lieben Frau von La Vang stellte.



[1] https://www.ucanews.com/news/vietnams-our-lady-of-la-vang-lifts-pilgrims-spirits/97389



Sonntag, 12. März 2023

„Es werden mich selig preisen alle Geschlechter“: Nationalheiligtum und Basilika Unserer Lieben Frau von Sheshan (China)

Marienwallfahrtsorte in den Missionen

Wie auch in den alten katholischen Gebieten Europas haben sich in den Missionsländern Wallfahrtsorte zu Ehren der Mutter Gottes entwickelt. Ihre Ursprünge sind unterschiedlicher Natur, wobei wohl jene die höchste Anziehungskraft haben, die auf eine Erscheinung der allerseligsten Jungfrau zurückzuführen sind, wie die Wallfahrt zu Unserer Lieben Frau von Guadalupe in Mexiko[1]. Andere wurden an Stellen errichtet, an denen die heidnische Bevölkerung früher einer Muttergottheit oder einem Bodhisattva[2] in weiblicher Form huldigte. So wurde in den Missionen heidnische Kultstätten auf ähnliche Weise verchristlicht wie im Westen. Des Weiteren seien noch solche Wallfahrten zu nennen, die aus einer einfachen Marienkapelle entstanden, die die Missionare einst an einem beliebigen Ort errichteten und der sich in der Folge großer Beliebtheit beim katholischen Volk erfreute und so zum Wallfahrtsort wurde.[3] In diesem Kapitel sollen einige bedeutende Wallfahrtsorte Asiens und Afrikas und nach ihrer Entstehungsgeschichte, dem verehrten Gnadenbild und ihrer Bedeutung behandelt werden. Sie sind vielleicht der bedeutendste sichtbare Ausdruck der Seligpreisung Marias durch alle Völker.


Blick auf den Turm der Basilika von Sheshan mit der Statue Unserer Lieben Frau an der Spitze (Quelle: Michele)

Nationalheiligtum und Basilika Unserer Lieben Frau von Sheshan (China)

Der Sheshan-Hügel[4] ist eine langgestreckte Anhöhe, die sich in einer Entfernung von etwa 35 km vom Shanghaier Stadtzentrum über das Umland erhebt. An seiner westlichen Spitze befindet sich das „Nationalheiligtum und die Basilika Unserer Lieben Frau von Sheshan“ ( 佘山進教之佑聖母大殿), das in der heutigen Form 1936 fertiggestellt wurde. Die Kirche wurde 1942 von Pius XII. zur Basilika erhoben. Der traditionelle Wallfahrtstermin ist der 24. Mai[5], das Fest Marias, Hilfe der Christen, unter deren Titel die Wallfahrt im Jahr 1866 gegründet wurde.

Früheres buddhistisches Grabmal auf dem Sheshan

Seine Entstehung verdankt das Nationalheiligtum der Jesuitenmission von Shanghai, die 1863 ein Grundstück auf dem Hügel, der einst heidnischen Gottheiten bzw. Buddhas geweiht war, erwarb. Die Chinesen verehrten neben dem eigentlichen Buddha dort die Buddhas Mitu und Guanyin[6]. Letztere hatte Ihre eigene Pagode am Fuße des Hügels, die sich zur Zeit des Kaufs jedoch in „äußerst kläglichem Zustand“ befand. Lange erfreute sich der Sheshan oder Zose großer Beliebtheit als Wallfahrtsort und Begräbnisstätte, sodass „zu bestimmten Zeiten des Jahres Tausende und aber Tausende armer Heiden hierhin“ strömten. In den 1850er Jahren jedoch stürzten die Pagoden ein oder brannten nieder.[7] Nachdem die Kirche die Grundstücke erworben hatte, wurden ein Exerzitienhaus der Jesuiten sowie eine Muttergotteskapelle gebaut, die Bischof Adrien Languillat von Shanghai am 1. März 1868 samt der Statue Unserer Lieben Frau, Hilfe der Christen, weihte. Als der Taiping-Aufstand im September 1870 die Diözese bedrohte, gelobte der damalige Obere der Jesuitenmission der allerseligsten Jungfrau den Bau einer Basilika, wenn die Diözese verschont bliebe. Nachdem der Überfall der Aufständischen ausgeblieben war, begaben sich die Jesuiten daran, Spenden für den Kirchenbau zu sammeln, und Msgr. Languillat konnte am 24. Mai 1871 im Beisein von 6.000 Menschen den Grundstein für die neue Wallfahrtskirche legen, die er schließlich am 15. April 1873 weihen konnte. Schon im darauffolgenden Jahr gewährte Papst Pius IX. den Pilgern, die im Marienmonat Mai die Wallfahrt machten, einen vollkommenen Ablass. Im Jahr 1894 wurde auf halber Wegstrecke die Zhong-Shan-Kapelle („auf der Mitte des Hügels“) gebaut, die Maria als der Gnadenvermittlerin geweiht ist. Folgende Inschrift ist an die Pilger gewendet: „Mache eine kurze Rast bei der kleinen Kapelle auf dem halben Weg zur Spitze des Hügels und erweise deine Ehrerbietung. Das Heiligtum ist auf der Spitze des Berges. Erklimme einige weitere Stufen und bitte um die Barmherzigkeit der Mutter Gottes“. Auf den Bau dieser Kapelle folgten bald drei Kapellen auf dem Gipfel, die dem heiligsten Herzen Jesu, der allerseligsten Jungfrau Maria und dem heiligen Joseph geweiht sind. Der Weg zur Basilika ist wie an vielen europäischen Wallfahrtsorten von den 14 Kreuzwegstationen gesäumt.

Der alte Wallfahrtskomplex mit Kirche

Die erste dort verehrte Marienstatue schien eine Lourdes-Madonna gewesen zu sein[8]; später wurde die Spitze des Glockenturms mit einer Statue der „Helferin der Christen“ in chinesischem Stil geschmückt: Maria, die auf dem Rücken eines Drachen steht, hält das Jesuskind, welches seine Arme in Kreuzesform ausbreitet, hoch über ihren Kopf. Diese Statue wurde während der maoistischen Kulturrevolution zerstört; im Jahr 2000 wurde ein Replikat dieser Statue angefertigt, das mittlerweile wieder den Turm ziert. Auf dem Hauptaltar der Basilika ist die „klassische“ Statue der Helferin der Christen aufgestellt.


Hochaltar mit Statue Unserer Lieben Frau, Helferin der Christen (Quelle: fayhoo)

Das Replikat der Statue im chinesischen Stil (Quelle: Peter Potrowl, https://www.sitemai.eu/)

Die Missionszeitschrift Die katholischen Missionen berichtete im Jahr 1878 vom Hergang der Marienwallfahrten, die zu dieser Zeit bereits Christen aus einem größeren Umkreis anzogen:

„Um uns eine Vorstellung von dem kirchlichen Leben zu geben, welches hier herrscht, schließen wir uns der großen Mai-Wallfahrt an. Wir versetzen uns im Geiste nach Wu-si, einer Stadt am Nordende des großen Taihu-Sees, ungefähr halbwegs zwischen Nanking und Schanghai. Hier finden wir am 21. Mai schon um fünf Uhr morgens die etwa 2.000 Seelen zählende christliche Gemeinde in der Kapelle versammelt, um der heiligen Messe und dem Unterricht beizuwohnen. 250 Personen empfangen die heilige Kommunion. Nach dem Gottesdienst verteilen sich die Pilger, etwa 1.000 an der Zahl, auf die 150 Boote. Kaum jemals den Tag über verstummt das Rosenkranzgebet. Nachmittags fünf Uhr steigen sie in Yang-ka-kiao, einer eifrigen Gemeinde von etwa 1.300 christlichen Fischersleuten südlich von Sutscheu, ans Land. Diese empfangen ihre Glaubensbrüder am Ufer und geleiten sie sofort in die Kirche zu gemeinschaftlichem Rosenkranz und Gebet. Ein kurzer Unterricht und ein von chinesischen Stimmen in chinesischer Sprache gesungenes Omni die beschließen den Tag. Am folgenden Morgen (22. Mai) ist um 4.30 Uhr Messe, in welcher 50 Personen sich dem Tische des Herrn nahen und der Missionär einen Unterricht über das Gebet hält. Dann werden die Barken wieder bestiegen und vorwärts geht es durch Kanäle und Seen, bis des Abends das Fischerdorf Lo-ka-pang erreicht ist. Hier segnet und verteilt der Missionär am 23. des Morgens die mit dem Heiligsten Namen prangenden Wimpel für die Boote. Die Heiden sammeln sich erstaunt am Ufer, um Zeugen dieses für sie so neuen Schauspiels zu sein.

Vom Morgen an ist der Berg Sose bereits weithin über die Ebene sichtbar, und da die Windungen der Kanäle die Boote zu mehrfachen Umwegen nötigen, so bietet uns derselbe einen stets wechselnden Anblick. Endlich um zwei Uhr nachmittags, von der lieben Maiensonne beschienen, legt die Flottille am Fuß des Berges an, freudig begrüßt von den Missionären und der Menge fremder Pilger.

Der folgende 24. Mai war das Hauptfest von Sose, das Fest Unserer Lieben Frau unter dem Titel ‚Hilfe der Christen‘. Anwesend waren 15.000 christliche Pilger, von denen wenigstens 12.000 aus weiter Ferne kamen, und etwa 5.000 Heiden aus Neugierde. Wer schildert den Andrang zum Gottesdienst und zu den Übungen der Andacht! Unsere Christen von Wu-si traf die Reihe der Kreuzwegandacht von 5.00 bis 5.30 Uhr abends. Man denke sich dieselben in Gruppen von beinahe 100 Personen auf die einzelnen Stationen verteilt, wie sie mit lauter, fester und zugleich andächtiger Stimme auf die Gebete antworten. Sie alle hatten freudig acht Tage der Arbeit und des zeitlichen Gewinnes zum Opfer gebracht, um dem Heiland und seiner heiligen Mutter diesen Beweis kindlicher Verehrung zu geben und im Angesicht ihrer heidnischen Mitbürger dieses offene Bekenntnis ihres Glaubens abzulegen.

Am 25. des Morgens sollte die feierliche Prozession das Fest beschließen. Bereits um fünf Uhr war ein jeder auf seinem Posten; jeder trug auf der Brust ein kleines Stück weißer Leinwand mit einem aus rotem Zeug geschnittenen Herzen. Voran schritt der Kreuzträger; dann kamen zwei Pilger, goldene Herzen und ein silbernes Gefäß tragend, worin sich eine Liste der im verflossenen Jahr gebeteten Rosenkränze befand; darauf die Fahne des Vereins der heiligen Kindheit, umgeben von einigen hundert Knaben im Alter von 6 bis 13 Jahren; dann die acht Banner der verschiedenen Kongregationen von Wu-si, umgeben von 170 in Chorhemden gekleideten Männern, welche Kerzen in der Hand hielten; nun folgte eine Gruppe von 200 bis 300 Männern mit Fähnchen, denen das Banner des Mäßigkeitsvereins vorangetragen wurde; dann die Fahnen des heiligsten Herzens Jesu und des Gebetsapostolats, 25 Priester und 19 Kleriker, der Zelebrant in der Chorkappe. Ihm schlossen sich an 100 Mann mit Fähnchen, 40 kleine Mädchen von der heiligen Kindheit, ebenfalls mit Fähnchen und geschart um das Banner Unserer Lieben Frau, 24 der Rettung ausgesetzter Kinder geweihte Jungfrauen mit einer neuen, kostbaren Fahne von der unbefleckten Empfängnis, die kleinen Mädchen der Schule von Wu-si, und endlich mehr als 300 Mütter mit ihren Kindern auf dem Arme, die sie Unserer Lieben Frau weihen wollten. 

Um sechs Uhr setzte sich die Prozession, laut den Rosenkranz betend, in Bewegung und um sieben Uhr zog sie in die Kirche ein. Der Kreuzträger war bereits vor der Statue Unserer Lieben Frau von Lourdes angelangt, welche mit der Inschrift Tscheng-Mu-Malija, ‚Heilige Mutter Maria‘, den Hauptaltar schmückt, als die Letzten des Zuges noch kaum auf halber Höhe des Berges sich befanden. Nur diejenigen, welche mit an der Prozession Teil genommen hatten, konnten in der Kirche selbst Platz finden. Alle Banner wurden im Chor aufgepflanzt; die 170 Männer mit den Chorhemden stellten sich in doppelter Reihe von der Kommunionbank bis zum Portal auf. Alles verlief in schönster Ordnung. Während des Hochamtes nahten sich 800 bis 900 Personen dem Tische des Herrn, im Ganzen an diesem Morgen 3.700. Dann folgte die Predigt. Unmittelbar bevor der letzte Segen mit dem Allerheiligsten gegeben wurde, erneuerten alle unsere Christen, Männer und Frauen, Alt und Jung, die Weihe zum göttlichen Herzen Jesu. Die jüngeren Mitglieder des Mäßigkeitsvereins, 90 an der Zahl, erneuerten gleichfalls ihr Versprechen. Nach der Danksagung des Priesters brachten endlich noch die Mütter ihre Kinder Unserer Lieben Frau dar, und die Absingung der Marien-Litanei beschloss die Feier. Um 9.30 Uhr hatten bereits sämtliche Barken den Fuß des Berges wieder verlassen.

So steht es heute mit der Herrlichkeit des heiligen Berges Sose. Außer den beim Hauptfest anwesenden Prozessionen und Pilgern habe im Mai 1877 etwa 20.000 Christen das Heiligtum U.L.F. auf dem Sose besucht, und abgesehen von den 3.700 heiligen Kommunionen am Fest selbst näherten sich im nämlichen Monat noch über 3.000 Personen den heiligen Sakramenten in der Wallfahrtskirche.
Gepriesen sei Gott und die heilige, unbefleckte Gottesmutter, die Helferin der Christen!“[9]

(Quelle: lobia)

Im 20. Jahrhundert wuchs die Wallfahrt noch weiter. Im Jahr 1924 führte der Apostolische Delegat von China, Erzbischof Celso Costantini, die Väter der ersten chinesischen Nationalkonzils, das in Shanghai tagte, auf den Sheshan, um China der Mutter Gottes zu weihen. Im selben Jahr fand der Abriss der alten Kirche statt, die für den Andrang an Wallfahrern zu klein geworden war. Unter der Aufsicht des portugiesischen Jesuitenpaters Diniz wurde die aktuelle Basilika im neoromanischen Stil errichtet und 1935 fertiggestellt. 

Die Jahrzehnte seit Beginn der kommunistischen Herrschaft waren geprägt von ständiger Verfolgung von Seiten des christenfeindlichen Staates. Vor diesem Hintergrund führte der damalige Bischof von Shanghai, Ignatius Kung, im Jahr 1952 seinen Klerus einschließlich der Seminaristen in die Basilika, um Unserer Lieben Frau von Sheshan feierlich zu versprechen, den Glauben zu bewahren und dem Papst die Treue zu halten. Der Großteil der Priester blieb treu, einschließlich des Bischofs selbst, der später 33 Jahre in kommunistischer Haft verbrachte und während seiner Haft von Papst Johannes Paul II. im Geheimen zum Kardinal ernannt wurde.[10]

In den 1950er Jahren wurde die Basilika unter die Kontrolle der staatstreuen Chinesischen Patriotischen Katholischen Vereinigung gestellt. In den Jahren der Kulturrevolution von 1966 bis 1976 kam es zu Vandalismus in und an der Wallfahrtskirche und die Nebengebäude wurden teilweise zerstört. Die Statue Unserer Lieben Frau von Sheshan wurde wie oben erwähnt vom Turm entfernt. Erst im Jahr 1981 erlaubte die Regierung wieder Wallfahrten nach Sheshan. Noch im selben Jahr verurteilten die Behörden Bischof Zhu Bayou zu 10 Jahren Zwangsarbeit für „gegenrevolutionäres Verhalten“, da er eine Pilgergruppe nach Sheshan geführt hatte.[11] Im Jahr 1982 wurde am Fuß des Sheshan-Hügels das gleichnamige Priesterseminar eröffnet, das zu den 12 vom Staat „offiziell anerkannten“ Seminaren gehört.[12] 

Auch seit der „Öffnung“ unter Deng Xiaoping wurden Wallfahrten durch die Regierung immer wieder verboten, ja sogar das längere Verweilen auf dem Berg selbst, wobei Scheingründe vorgeschoben werden, so etwa verschärfte Sicherheitsmaßnahmen aufgrund der Olympischen Spiele in Peking im Jahr 2008 oder der Weltausstellung in Shanghai im Jahr 2010.[13] Im Jahr 2019 unternahm die Partei Schritte, um eine Pilgerfahrt der romtreuen Untergrundkirche zu verhindern, und forderte Pilger zum Absingen der Nationalhymne auf.[14] Im Jahr 2021 verbot die Staatsführung die Wallfahrt vollständig, denn auch Chinas Katholiken sollten das einhundertjährige Bestehen der Kommunistischen Partei, die 1921 in Shanghai gegründet worden war, feiern. So ist auch der Sheshan Gegenstand des jahrtausendelangen Kampfes zwischen der Gottesgebärerin und der alten Schlange, dem Teufel.

Im Jahr 2008 verfasste Papst Benedikt XVI. zum Weltgebetstag für China ein Gebet zu Unserer Lieben Frau von Sheshan, dessen letzte Strophe lautet:

„Unsere Liebe Frau von Sheshan, unterstütze den Einsatz all derer, die in China unter den täglichen Mühen weiter glauben, hoffen und lieben, damit sie sich nie fürchten, der Welt von Jesus und Jesus von der Welt zu erzählen. An der Statue, die über dem Heiligtum thront, hältst du deinen Sohn hoch und zeigst ihn der Welt mit ausgebreiteten Armen in einer Geste der Liebe.

Hilf den Katholiken, stets glaubwürdige Zeugen dieser Liebe zu sein, indem sie mit dem Felsen Petrus vereint bleiben, auf den die Kirche gebaut ist.

Mutter von China und von Asien, bitte für uns jetzt und immerdar. Amen!“[15]

 


[1] Aufgrund des hohen Bekanntheitsgrads und der zahlreichen Schriften, die über dieses Gnadenbild existieren, soll hier nicht näher darauf eingegangen werden.
[2] Wesen, die nach buddhistischer Anschauung nach höchster Erkenntnis streben. Derartige Darstellung sind vor allem in Ostasien verbreitet.
[3] Peters, Joseph: Maria, seliggepriesen von allen Völkern.  a.a.O.
[4] Zose im Shanghai-Dialekt. Unter diesem Namen war die Kirche früher auch im Westen bekannt.
[5] Von Papst Benedikt XVI. im Jahr 2007 als „Weltgebetstag für die Kirche in China“ ausgerufen.
[6] Die vielverehrte „Göttin der gütigen Liebe“.
[7] Der Wallfahrtsort Mariahilf auf dem Sose in Kiangnan. In: Die katholischen Missionen. Herder’sche Verlagsbuchhandlung, Freiburg 1878
[8] Der Wallfahrtsort Mariahilf auf dem Sose in Kiangnan. a.a.O.
[9] Der Wallfahrtsort Mariahilf auf dem Sose in Kiangnan. a.a.O.
[10] https://catholicism.org/ignatius-the-life-of-ignatius-cardinal-kung-pin-mei.html
[11] https://www.crisismagazine.com/2020/the-curious-case-of-bishop-zhu-baoyu
[12] Tang, Edmond und Wiest, Jean-Paul: The Catholic Church in Modern China: Perspectives. Wipf and Stock, Eugene 2013
[13] https://www.asianews.it/news-en/Tourists,-not-pilgrims,-welcome-in-Sheshan-24820.html
[14] https://www.catholicnewsagency.com/news/248676/catholics-in-china-told-to-celebrate-communist-party-and-forgo-marian-pilgrimage
[15] https://www.vatican.va/content/benedict-xvi/de/prayers/documents/hf_ben-xvi_20080515_prayer-sheshan.html


Samstag, 17. Juni 2017

Besuch in der Erzabtei St. Ottilien

Portal der Abteikirche, leider ohne den imposanten Turm


Heute war ich seit langer Zeit mal wieder in der Erzabtei St. Ottilien, dem Sitz der Missionsbenediktiner, die den Lesern dieses Blogs bestimmt nicht unbekannt sind. Bei früheren Besuchen in der Dublettenkammer von Bruder Norbert O.S.B. (R.I.P.) habe ich den Großteil meiner Ausgaben von „die katholischen Missionen“ ergattert. Diesmal haben wir uns besonders das umgebaute Missionsmuseum angesehen – nachfolgend einige Eindrücke aus St. Ottilien, die ich gerne mit meinen Lesern teilen möchte.

Die Ausstellung beginnt mit einer Büste von Erzabt Norbert Weber O.S.B., dessen recht turbulente Regierungszeit die größte Ausdehnung der Missionbenediktiner sah. 



Weiter geht es mit afrikanischen Alltagsgegenständen ... und jeder Menge ausgestopfter Tiere!





Auch eine schöne Monstranz aus der Mission in Deutsch-Ostafrika wurde ausgestellt (im Hintergrund ein Foto mit dem damaligen P. Cassian Spiß, auf den wir noch zu sprechen kommen werden):



Ein Freikaufschein für einen Sklaven. Der Sklavenfreikauf war bekanntlich eine wichtige Tätigkeit der Missionare, vor allem in Ostafrika, wo die arabischen Sklavenjäger ihr Unwesen trieben und ganze Landstriche fast entvölkerten:



Tafel zu Bischof Cassian Spiß, der bei einem Aufstand ums Leben kam. Mehr über ihn hier.




Hier einige Gegenstände, man kann wohl sagen Reliquien, dieses großen Missionsbischofs und seiner Ordensleute, die mit ihm zusammen umkamen:



Bischof Cassians Kelch hatte eine ganz eigene Geschichte, wie man auf der Tafel lesen kann:



Auch der Märtyrer von Tokwon wurde gedacht, die in Nordkorea von den Kommunisten entweder hingerichtet wurden oder, wie Abtbischof Bonifaz Sauer, den Strapazen der Lagerhaft erlagen.



Hier die Messutensilien, die zwei Brüder mit in die Lagerhaft bringen konnten:



Auch die Fortbewegungsmittel der Missionare konnte man begutachten, wie dieses bayerische Erzeugnis:


Die Waffenkammer:




Danach ging es in die Abteikirche. Dieser Seitenaltar wurde u. a. von den Lesern der Missionszeitschrift „das Heidenkind“ gestiftet. „Lies, merks u. gedenks“ mahnt die Tafel auf der Epistelseite.



Dann noch zu den Gräbern einiger Erzäbte (Erzabt Weber starb in Bagamoyo in Tansania) und Abtbischöfe in den Missionen:



Ein schöner Besuch, der auch an all die Missionsbenediktiner erinnert, die der „Menschensorge für Gottesreich“ (Buchtitel von Erzabt Weber) nachgingen und gemäß dem Ordensmotto das „Lumen Caecis“, das „Licht der Blinden“ den Heiden predigten.


Deo gratias!

Mittwoch, 24. Mai 2017

„Geht hin in alle Welt“ – zu Christi Himmelfahrt

Darstellung der ersten Taufe in Oberkalifornien


„Geht hin in alle Welt!“ Das Missionsfeld unserer heiligen Kirche kennt keine Grenzen, ihr Missionsweg keine Hindernisse, ihre Missionsarbeit keine Schwierigkeiten. 

Keine Grenzen der Ausdehnung! Über Länder und Meere, über Flüsse und Gebirge, durch Wälder und Sümpfe, bis an die Enden der Erde haben die Sendboten der katholischen Kirche Christi Kreuz getragen. 

Keine Grenzen des Klimas! In allen Zonen, in gesunden und ungesunden Landstrichen, in den Glutwüsten Afrikas und in den Eis- und Schneewüsten Nordamerikas, überall haben sie das Zeichen unserer Erlösung und unseres Heiles aufgepflanzt. 

Keine Schwierigkeiten von Seiten der Menschen! In allen Sprachen haben sie reden gelernt. In alle Eigenarten der Völker haben sie sich eingelebt. In Gunst und Ungunst, in Schmach und Verfolgung, im Leben und im Tod haben sie unter dem Kreuz Christi ausgeharrt.

Die Missionswege sind Gottes Wege, sind Christi Wege, sind der Kirche Wege, sind die Wege des katholischen Glaubens, der katholischen Hoffnung, der katholischen Liebe.

Die Missionswege, Katholik, müssen auch deine Wege sein!


(Aus: P. Robert Streit O.M.I.: Die Weltmission der katholischen Kirche. Zahlen und Zeichen auf Grund der Vatikan. Missionsausstellung 1925, Verlag der Oblaten, Hünfeld, 1928)


Sonntag, 15. Januar 2017

Noch einige Gedanken zu „Silence“


Neulich habe ich ja den neuen Film von Martin Scorsese, Silence, thematisiert. Danach sind mir noch weitere Dinge aufgefallen, was vor allem an einer – positiv ausgedrückt – sehr intensiven Diskussion lag, an der ich im Kommentarbereich der amerikanischen Seite First Things teilgenommen habe.

Einige sehr eigentümliche Ansichten sind mir hierbei aufgefallen:

Zum einen war da die wiederkehrende Behauptung, die bereits in dem Artikel auftauchte, dass Apostasie nur als echt anzusehen ist, wenn sie freiwillig ist, sprich nicht unter Folter oder anderen Zwangsmaßnahmen entsteht. Dieses Argument führt dann aber das Konzept des Martyriums ad absurdum, da ja die Märtyrer unter den Foltern hätten abschwören können, ohne tatsächlich den Glauben verleugnet zu haben. Auch hätte die Kirche den reumütigen Lapsi (abgefallenen Christen) während der Verfolgung durch die heidnischen Kaiser vor der Wiederaufnahme in die Kirche keine schweren Bußen auferlegt, wenn nicht wirklich eine objektive Sünde bestanden hätte. Sehr oft liest man in den Märtyrerakten die Worte: „Ich kann nicht …“, d. h. nicht den falschen Göttern opfern, nicht den Glauben verleugnen usw.

Der heilige Romanus rief laut dem heiligen Alfons Maria von Liguori einigen Christen, die unter den Drohungen schwach geworden waren und dabei waren, zu opfern,  die folgenden Wort zu: „Oh Brüder, was macht ihr da? Verlasst ihr den wahren Gott, euren Schöpfer und Erlöser, um euch dem Teufel zu verkaufen?“ durch diese und ähnliche Ermahnung hielt er die Schwachgewordenen davon ab und stärkte die Kleinmütigen.  Wussten die Märtyrer denn nicht, dass Apostasie unter Druck gar keine ist?


Ein Kommentator („Mark“) hat verdammt, dass Diskussionsteilnehmer meinen, sie könnten das Martyrium bestehen. Das hatte dort soweit ich weiß zwar niemand behauptet, aber gut … Der Knackpunkt ist, dass jeder hoffen sollte, ein etwaiges Martyrium zu bestehen  – mit Gottes Hilfe. Denn nur so ist es möglich, und Gott hat schon vielen diese Gnade gegeben, die Ihn darum gebeten haben. Ich würde bestimmt nicht den glorreichen Märtyrer Theopháne Vénard verdammen, der als kleiner Hirtenjunge ausrief „auch ich will nach Tongking gehen, auch ich will ein Märtyrer werden“, denn Gott hatte wohl großes Wohlgefallen an diesem Wunsch, der auch in Erfüllung ging. Ich bemühe wieder den hl. Alfons, der in Die Macht des Gebets schreibt: „Denn Gott gießt die Fülle seiner Gnaden über diejenigen aus, die auf Ihn hoffen. Mit diesem Vertrauen haben so viele Märtyrer, selbst Jungfrauen und Knaben im zartesten Alter, trotz des Schreckens vor den Martern, welche ihnen die Tyrannen bereiteten, die Marter und die Tyrannen überwunden.“

Samstag, 14. Januar 2017

Ein Koloss der Heiligkeit – der heilige Justin de Jacobis



Aus der Bücherbesprechung des Werks Le vénérable Justin de Jacobis, premier Vicaire Apostolique de l’Abyssinie:

Der ehrwürdige Justin de Jacobis gehört zu jener Klasse von Menschen, die unter dem unscheinbarsten Äußeren eine Heldenseele bergen. 

„Ein Koloss an Heiligkeit“, wie Kardinal Massaia, der Apostel der Gallas, sich ausdrückte, war er auch ein großer Mehrer des Reiches Christi im wahrsten Sinne des Wortes. Mit großem Geschick hat Larigaldie das Bild des ersten Apostol. Vikars von Abessinien gezeichnet. Wir erleben gleichsam mit dem Missionär Freud und Leid, teilen mit ihm die ungeheuren Strapazen des Apostolats und gehen mit ihm in Kerker und Bande. 30.000 Seelen, das war die Ernte seiner Arbeit, als er verlassen in einem ausgetrockneten Flussbett seine Seele aushauchte. 

Wohl brachte die folgende Zeit den Lazaristen, den Mitbrüdern des Bischofs, manchen harten Schlag, ja sie finden sich heute noch vor gewaltigen Hindernissen; aber das Beispiel des Heiligen, der hier litt und stritt, lässt ihren Mut nicht erlahmen. Bücher, wie das vorliegende, sind eine wahre Seelenlabung.

(Aus: die katholischen Missionen, 1913)


Wer mehr über diesen „Koloss der Heiligkeit“ erfahren möchte, kann dazu die dreiteilige Serie Der heilige Justin de Jacobis – Apostel Äthiopiens lesen: Teil 1Teil 2Teil 3

Dienstag, 3. Januar 2017

Silence – Martin Scorsese und der Jesuitenmissionar, der den Glauben verleugnet hat



In Deutschland soll im März 2017 Silence, der neue Film von Martin Scorsese, in die Kinos kommen. Das lässt eigentlich schon erahnen, dass es sich hierbei um keinen katholischen Erbauungsfilm handeln wird. Ich glaube, dass er ein ganz fieses U-Boot ist, das Katholiken unter einem religiösen Deckmantel falsche Prinzipien unterjubelt – ob absichtlich, vermag ich nicht zu sagen. Aber erstmal zum Inhalt.

Der Film basiert auf einem Roman des japanischen Katholiken Endō Shūsaku, der lose auf einer tatsächlichen Begebenheit basiert. Im Zentrum steht die Suche nach dem Provinzial der japanischen Jesuitenmission, P. Cristóvão Ferreira. Dieser verdiente Missionar fiel tatsächlich im Jahr 1633 während der großen japanischen Christenverfolgung nach einer schrecklichen Marter, der „Grube“, vom Glauben ab und lebte danach verarmt und mit einer Witwe verheiratet in Japan, wo er sich mit gelegentlichen Dolmetsch- und Übersetzungsarbeiten über Wasser hielt. Er verfasste auch Streitschriften gegen den katholischen Glauben, von denen wohl einige Argumente aus theologischen Handbüchern stammten, die die Einwände der Protestanten behandelten.

Auf die unglaubliche Nachricht seines Abfalls machten sich 33 Mitglieder der Gesellschaft Jesu unter Führung von P. Mastrilli auf den Weg nach Japan, um die Tat Ferreiras zu sühnen. In Europa wurden Bußwerke und Gebete für seine Bekehrung aufgeopfert. P. Mastrilli erduldete die Grube 12 Tage lang und starb als Martyrer. Zahlreiche andere Jesuitenmissionare überwanden diese Tortur ebenfalls siegreich. Es gibt auch Quellen, die darauf hindeuten, dass sich Ferreira als hochbetagter Greis bekehrt hat und die „Grube“ erfolgreich über sich ergehen ließ.

In dem Film machen sich die fiktiven Jesuitenpatres Pater Sebastião Rodrigues (basierend auf dem ebenfalls abgefallenen P. Giuseppe Chiara) und Pater Francisco Garrpe auf die Suche nach dem abgefallenen Provinzial. Dabei erleben sie den Horror der Katholikenverfolgung und werden selbst vor die Wahl gestellt, äußerlich den Glauben zu verleugnen, um die verfolgten Christen vor den grausamen Foltern zu retten. P. Rodrigues tritt dann wohl tatsächlich, angetrieben durch vermeintliche innerliche Eingabe von Christus selbst, auf ein Bild des Gekreuzigten (jesumi oder efumi). Dabei ist das Krähen eines Hahns zu hören. Er wird freigelassen, unter den Japanern ein wohlgenährter und angesehener Philosoph, der regelmäßig aufgefordert wird, die oben beschriebene Handlung zu wiederholen, um das Christentum zu verleugnen. Er ist mit einer Japanerin verheiratet und wird als Buddhist begraben – aber in seinen kalten Händen hält er das Kruzifix.

Wie so viele moderne Filme soll Silence wohl als besonders fein und intellektuell rüberkommen, da er keine direkte Wertung abgibt. Die Zweifel und Anfechtungen der Missionäre werden stark betont. Bischof Robert Barron bemerkt zu der Darstellung: „Meine Sorge ist, dass die Betonung der Komplexität und der Vielschichtigkeit und Unklarheit der heutigen kulturellen Elite, die sich nicht viel von der im Film dargestellten japanischen Elite unterscheidet, einen Dienst erweist. Was ich sagen möchte, ist, dass das säkulare Establishment immer Christen vorzieht, die schwankend, unsicher, gespalten und ganz darauf bedacht sind, ihre Religion zur Privatsache zu machen. Und es ist nur zu bereit, leidenschaftlich religiöse Menschen als gefährlich, gewalttätig und, seien wir ehrlich, nicht so ganz helle abzutun. Schauen Sie sich nochmal Ferreiras Vortrag gegenüber Rodrigues über das angeblich einfach gestrickte Christentum der japanischen Laien an, wenn Sie mir das nicht glauben.“

Es scheint mir, dass der Bischof den Film hier sehr gut durchschaut hat. Zwar kommen wohl die japanischen Märtyrer im Allgemeinen recht gut davon, allerdings betont der Film wohl eher den Abfall der Priester. Wenn Martin Scorsese sich laut seinem Producer Matthew Malek mit diesem Werk in gewisser Weise für Die letzte Versuchung Christi entschuldigen möchte, hat er sich wohl keinen besonderen Dienst erwiesen. Er scheint hier wieder seine eigenen religiösen Konflikte zu behandeln.


Mehr zum Fall Ferreira in diesem ausführlichen Artikel von P. Hubert Cieslik S.J.

Montag, 12. Dezember 2016

Trotz Katholikenverfolgung – Wallfahrt zu Unserer lieben Frau von Guadalupe



Unsere Liebe Frau von Guadalupe ist die Schutzpatronin von Mexiko, und ihr Fest wird alljährlich am 12. Dezember feierlich begangen; aus allen Teilen des großen Landes strömen die Pilger zum Heiligtum.

Aber für dieses Jahr [1926] hatte die Regierung des Tyrannen Calles alles getan, um die Feier unmöglich zu machen; ein ganzes Heer von Soldaten war in und um Guadalupe zusammengezogen worden, um Furcht einzuflößen. Nun aber war die Menge und die Andacht der Pilger gerade dieses Mal eindrucksvoller als in den vergangenen Jahren; gegen 200.000 Gläubige aus allen Teile, viele Stunden und Tagereisen weit kamen sie, auch die katholischen Indianer aus ihren entfernten Wäldern. Um allen Zutritt zum Heiligtum zu gewähren, durften die einzelnen Pilger nur kurze Zeit im Heiligtum bleiben und mussten den Nachkommenden Platz machen.

Aber die Feier trug den Stempel der Verfolgung: Kein Bischof, kein Priester konnte teilnehmen, kein Gottesdienst, kein Sakrament wurde gespendet; schmachten ja Bischöfe und Priester im Gefängnis oder sind vertrieben. Die Pilger wurden nach Waffen durchsucht; es wäre ja der Regierung nur wünschenswert gewesen, wenn sie Anlass gehabt hätte, ein Blutbad unter den Pilgern anzurichten. Aber die Pilger waren zum Beten gekommen, selbst die Soldaten fühlten sich als Söhne des katholischen Landes und nahmen Anteil an der Andacht des Volkes. Aus der Hauptstadt waren zahlreiche Frauen zum Heiligtum gepilgert, mehr als je zuvor.

Die Verfolgung hat das Bekenntnis des Glaubens zu den Füßen Marias eindrucksvoller gestaltet – wieder ein Beweis, dass die Verfolgung wirkungslos ist bei einem Volk, das seinen Glauben als sein höchstes Gut zu schätzen weiß.


(Quelle: Seraphisches Weltapostolat des hl. Franz von Assisi, 1927)

Freitag, 2. Dezember 2016

Der Märtyreronkel



Als der heiligmäßige Fr. Stephen Eckert O.F.M. Cap. in New York City wirkte, kam er im Januar 1907 anlässlich eines Krankenbesuchs zu einer gewissen Frau W., die in der 157 East 110th Street wohnte. Sie hatte einen Protestanten vor einem protestantischen Religionsdiener geheiratet, und nur die beiden ältesten der sechs Kinder waren getauft, da der Vater gegen die Taufe der übrigen Kinder war.

Allerdings fand Fr. Stephen bei der Frau noch etwas Glauben. Sie zeigte ihm auch ein Bild ihres Onkels, eines Priesters namens Augustin Schoeffler. Fr. Stephen fragte, ob ihr Onkel noch am Leben sei. Sie erwiderte, dass sie das nicht wisse. Fr. Stephen las dann unter dem Bild die Unterschrift: Le Bienheureux Augustine Schaeffler, martyr. Der Kapuzinerpater war darüber äußerst erstaunt.

Der heilige Augustin Schoeffler (Schaeffler ist nur in älteren Quellen zu finden) stammte aus dem lothringischen Mittelbronn, wurde für das Pariser Missionsseminar zum Priester geweiht und am 1. Mai 1851 in Vietnam geköpft, weil er den „verbotenen“ katholischen Glauben gepredigt hatte. Er wurde 1900 selig-, 1988 heiliggesprochen.

Fr. Stephen teilt uns leider in seinen Aufzeichnungen nicht mit, was aus der Frau geworden ist.
Allerdings hatte P. Schoeffler noch eine Cousine, die bereits 1830 in die USA ausgewandert war. Sie hieß Catherine Greiner. Ihre Nachfahren wohnen noch heute in Detroit, und die Pfarrei Assumption Grotto, die die Greiners besuchten, hat seit 2009 eine Reliquie des heiligen Märtyrers.


Heiliger Augustin Schoeffler, bitte für uns!


Dienstag, 1. November 2016

Missionsschwestern als Blutzeuginnen – die sieben Franziskanermärtyrerinnen von China

Die heilige Marie-Amandine, eine der sieben gemarterten Franziskanerinnen-Missionarinnen Mariens

Dieser Text ist der Übersetzung eines glühenden Vortrags des späteren Kardinals Salotti, damals Titular-Erzbischof von Plovdiv, zu Ehren der Missionsschwestern entnommen. Die Rede wurde Anfang der 1930er Jahre gehalten. Die erwähnten Märtyrerinnen sind mittlerweile heiliggesprochen.


„Der Redner [Mons. Salotti] zeichnet in kurzen Strichen die Leiden der Schwestern, die sich oft vor der Zeit aufreiben und hinsinken als Opfer ihrer Pflicht. Der Tod hat für sie seinen Schrecken verloren. Sie sterben als Heldinnen der Liebe, wie sie sterben für ihren Glauben.

Im Jahre 1900 verwüstete der Boxeraufstand einen Großteil von China, und nach Tausenden sanken Missionäre und Christen hin unter den Schwertern und Lanzen, wurden lebendig verbrannt in ihren Kirchen, wo sie Loblieder singend ihr Leben Gott zum Opfer brachten. Auch damals brachten die Schwestern ihr Opfer des Lebens.

In Nord-Schansi wurde die Franziskanermission überfallen. Der Missionsobere sah die Gefahr zur rechten Zeit und bat die Schwestern, sich in Sicherheit zu bringen und ihr junges Leben zu retten. Mater Herminia [St. Marie-Hermine von Jesus], die Oberin der kleinen Heldenschar, flehte den Missionär an: ‚Hochwürden, um Gottes willen, schicken Sie uns nicht fort, rauben Sie uns nicht die Palme des Martyriums, die die göttliche Barmherzigkeit vom Himmel aus uns reicht.‘

Die sieben Schwestern blieben auf ihrem Posten. Sie wurden gefangen genommen und vor die heidnischen Richter geschleppt, sie zeigten keine Furcht. Angesichts der schrecklichen, blutigen Grausamkeiten der Heiden in ihrem Hass gegen die Christen zogen sie ihren Schleier über ihr Gesicht und boten ihren Nacken dem Henker, der eine nach der anderen ergriff und mit einem Schlag ihr Haupt vom Rumpf trennte.

An jenem Bluttag, dem 9. Juli, hat die Missionsschwester in diesem Winkel chinesischer Erde mit ihrem Blute die Hoffnungen der aufkeimenden Kirche besiegelt.


(Aus: Seraphisches Weltapostolat des hl. Franz von Assisi, 1932)


Fotos und eine kurze Lebensbeschreibung der sieben Märtyrerinnen auf Englisch gibt es hier.