Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

Posts mit dem Label Heiligstes Herz Jesu werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Heiligstes Herz Jesu werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 15. März 2025

Ein Greis sprintet zur heiligen Messe

 Wir haben hier in Noma, so berichtet ein Missionar aus Südafrika, eine kleine Gemeinde von 1200 Christen, die uns vielen Trost bereitet. Der christliche Geist dringt mehr und mehr in sie ein, und die Mission macht wirklich Fortschritte. Der größte Teil unserer Neuchristen beichtet jeden Monat, nur wenige lassen es drei Monate werden; eine gute Zahl geht alle vierzehn Tage zu den Sakramenten. Am ersten Freitag im Monat erscheinen nie weniger als 200 Neuchristen am Tische des Herrn, um die Sühnekommunion des göttlichen Herzens zu empfangen. 

Kürzlich sah ich einen Greis von achtzig Jahren ganz erschöpft herankommen. „Was gibt es, mein Lieber,“ fragte ich ihn, „du scheinst recht müde zu sein?“ „Ja, Pater, ich war noch weit weg, als die Glocke läutete, und aus Furcht, zu spät zu kommen, versuchte ich zu laufen. Ich habe das schon viele Jahre nicht mehr getan. Aber der liebe Gott hat mir geholfen; ich lief, und sieh, nun bin ich gerade zum Beginn der heiligen Messe gekommen.“ Und der Alte strahlte bei diesen Worten vor Freude. Besonderen Eifer zeigten unsere Christen im Rosenkranzmonat. Täglich war die Kirche gefüllt, und zwar bereits morgens zur Sechs-Uhr-Messe, obgleich manche der guten Leute zwei Stunden weit zu gehen hatte. –Wie beschämen diese guten Neuchristen doch so viele Namenchristen in Europa!


(Aus: die katholischen Missionen, 1893)

Dienstag, 26. November 2024

A new missionary apostolate in the Muslim world


St. Nicholas Tavelic

In the past centuries, direct missionary efforts in the Islamic world have been few and far in between. Therefore, the establishment of the Tavelic Network is a ray of hope for this critically important region. The Tavelic Network (“TavNet”), named after the Franciscan martyr St. Nicholas Tavelic, was founded by Catholics from a Muslim background in order to support converts from Islam. As the new Catholics are not only often ostracized by their families, but also by the Catholic communities in their own countries, they need and deserve special pastoral attention. A network of faithful priests in good standing is currently supporting them spiritually.

This December, faithful and priests associated with TavNet will travel to North Africa, where the sacraments of Baptism and Confirmation will be administered and catechumens received during Advent and on Christmas. The group has many ambitious goals for the future, such as a sensible inculturation geared towards former Muslims. I have been in contact with the network’s initiator and can tell you that it is genuine. Please support this cause generously, especially with your prayers, the greatest missionary help. Thus you can make a contribution so that “the Sacred Heart of Jesus may live in the hearts of all men”, as St. Arnold Janssen prayed.

You can find the GoFundMe page here.


Freitag, 1. November 2019

Missionsgebet zu allen Heiligen



Glückselige Bewohner des himmlischen Reiches, ihr Engel und Heiligen Gottes! Schauet voll mitleidiger Liebe herab auf die vielen Millionen, die noch in den Finsternissen des Unglaubens und Irrglaubens begraben sind. Leget eure Fürsprache ein beim mildreichsten Herzen Jesu, dass alle diese unsterblichen, so teuer erkauften Seelen bald zum Lichte des wahren Glaubens und zur Hoffnung des ewigen Lebens gelangen. Gebenedeite Jungfrau Maria, gedenke, dass auch diese unglücklichen Seelen deine Kinder sind, dass du auch für sie die Mutter der Schmerzen geworden bist, und lass doch nicht zu, dass diejenigen verloren gehen, für die dein göttlicher Sohn sein Blut vergossen hat.

Heiliger Erzengel Michael, heiliger Joseph, ihr heiligen Apostel und alle Heiligen, die ihr hienieden an der Rettung der Seelen gearbeitet habt, flehet unablässig zu dem dreieinigen Gott, dass er seiner Kirche die freie Ausübung ihrer göttlichen Sendung gewähre, alle Hindernisse des Missionswerks entferne und bald die glückliche Zeit herbeiführe, da alle den einen wahren Gott erkennen und den er gesandt hat, Jesus Christus, dem Lob und Anbetung sei in alle Ewigkeit! Amen.

B.: Alle Engel und Heiligen Gottes, helfet uns bitten,

A.: Dass bald ein Hirt und eine Herde werde.


(Aus: Betet, Brüder! von Pater Otto Maas O.F.M.)

Samstag, 8. September 2018

„Gebet für die Missionsländer“ vom hl. Arnold Janssen





Dieses Gebet erschien monatlich in der Zeitschrift „Kleiner Herz-Jesu-Bote“, die der heilige Arnold Janssen vor der Gründung Steyls herausgab:

Göttliches Herz Jesu! Durch das unbefleckte Herz Mariä opfere ich Dir für den nächsten Monat auf alle meine Gebete, Werke und Leiden in Vereinigung mit allen heiligen Absichten, für die Du selbst auf unseren Altären ohne Unterlass Dich opferst. Insbesondere für die heilige Kirche, ihr Oberhaupt, alle ihre Diener und für das ganze gläubige Volk; für die Bekehrung der Sünder, die Rückkehr der Verirrten, die Erleuchtung der Ungläubigen und zum Trost der Armenseelen des Fegfeuers.

Namentlich bitte ich Dich, dass Du viele heilige Männer erweckest, den Eifer der Gläubigen entflammst, das Wirken der Missionare segnest und die über so viele und große Länder verbreitete Finsternis durch die einmütige Mitwirkung aller Deiner Kinder entfernst. Dazu hilf, o süßester Heiland, durch die Liebe Deines göttlichen Herzens und die Fürbitte aller Deiner Heiligen. Amen.

(Aus: Tempel Gottes seid ihr! von P. Hermann Fischer)

Samstag, 24. Juni 2017

Zum 3. Sonntag nach Pfingsten: die Hirtensorge des göttlichen Herzens

(Quelle: Toby Hudson)


Andächtige Christen! Die Hirtensorge des göttlichen Herzens Jesu ist noch nicht erstorben. Noch irrt draußen in der Wüste, getrennt von dem wahren Schafstall, ein verirrtes Lamm; es ist die Heidenwelt. Auch sie muss aufgesucht und heimgetragen werden. Da ist noch viel Hirtenarbeit zu tun, noch viel Hirtensorge zu tragen, bevor die Hirtenfreude voll werde in dem Herzen unseres Gottes. 

Seine suchende und rettende Hirtenliebe übt der göttliche Heiland durch alle Jahrhunderte in dem Missionswerk seiner heiligen Kirche. Das Missionswerk ist eine Hirtenarbeit, die das Verlorene sucht und das Wiedergefundene mit Freuden heimträgt. Die wahre Missionsliebe handelt und spricht wie die göttliche Hirtenliebe. Das aufrichtige Missionsherz ist ein Hirtenherz, ein Heilandsherz.


(Aus: Robert Streit O.M.I.: Missionspredigten, Herder, 1913)

Freitag, 3. Juni 2016

Wie ein katholisches Land das heiligste Herz Jesu ehrt



Das letzte Herz-Jesu-Fest in Ecuador legt ein glänzendes Zeugnis ab für den religiösen Sinn der Bevölkerung und die Frömmigkeit der gegenwärtigen Regierung dieser südamerikanischen Republik, aus welcher der Geist Garcia Morenos noch nicht gewichen ist. Auf den Vorschlag einiger Senatoren beschloss der Senat am 19. Juni 1886 einstimmig „einen feierlichen Akt der Dankbarkeit und Anbetung des heiligsten Herzens Jesu, des Patrons der Republik Ecuador“, und ferner, dass am Festtage „zum Zeichen seiner Übereinstimmung mit der öffentlichen Meinung“ keine Senatssitzung sein sollte. Am Vorabende des Festes war ganz Quito glänzend beleuchtet; alle Häuser, Privatwohnungen wie Staatsgebäude, beteiligten sich an dieser Kundgebung.

Überall spielten Musikbanden, und mehr als 50.000 Menschen füllten die Straßen, darunter viele Gäste aus allen Teilen der Republik. Nie sah Quito ein solches Nationalfest. Am 21. Juni wurden die Bewohner mit Artillerie-Salven geweckt. Bald waren die Kirchen gedrängt voll. Die Zahl der Kommunionen war beispiellos; in der Kathedrale allein nahten sich 10.000 dem Tische des Herrn; darunter 3.000 Männer.

Alle Häuser der Stadt waren mit Fahnen und Blumenkränzen geschmückt und die meisten hatten ein Bild oder eine Statue des heiligsten Herzens ausgestellt. Auch die Ärmsten beteiligten sich an dem Schmucke. Zahlreiche Triumphbogen überspannten die Straßen. Um 1 Uhr nachmittags wurde ein eucharistischer Kongress eröffnet, der viele Fragen, welche das religiöse und sittliche Wohl des Volkes betreffen, behandelte. Es wurden auch Schritte getan, um den Beschluss der Nationalversammlung vom 29. Februar 1884, betreffend den Bau einer Basilika zu Ehren des Herzens Jesu als des Schutzherrn der Republik, sofort in Ausführung zu bringen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1888(?))

Sonntag, 13. Dezember 2015

Konzilsväter für Judenmission – Papst Benedikt liest Messen zur Bekehrung der Juden



erstes Vatikanisches Konzil

Gegen Ende des Jahres 1869 unternahmen die zwei Abbés Lemann, Judenkonvertiten, beim [ersten] Vatikanischen Konzil einen, wie es Kardinal Coullie 1912 im Vorwort ihres Buches formulierte, scheinbar kühnen, aber unendlich rührenden und hochherzigen Versuch: „Sie wollten eine feierliche Liebeskundgebung von Seiten der Heiligen Kirche Jesu Christi gegen die Trümmer Israels hervorrufen und überall Gebete für ihre Rückkehr zur Fülle der Wahrheit erbitten.“ Von Pius IX. gütigst ermutigt, verfassten sie ein Postulatum pro Hebraeis, das, nachdem es den Konzilsvätern vorgelegt worden war, 510 bischöfliche Unterschriften erzielte. „Alle Konzilsväter“, fügt Msgr. Elias Blanc hinzu, „hätten ohne Ausnahme unterzeichnet, wenn nicht die zwei Brüder, einer rührenden Regung der Ehrfurcht gehorsam, die Ehre der größten Unterschriftenzahl dem Postulatum pro Infallibilitate überlassen wollten, welches 533 Unterschriften vereinigt hatte.“ Nur die Unterbrechung des Konzils infolge des italienischen Einmarsches in den Kirchenstaat verhinderte die Behandlung des Postulatums und seine Besprechung durch den Papst.


Die Zwillingsbrüder Lemann. Die Geschichte ihrer Konversion und ihrer Verfolgung durch ihre jüdischen Verwandten hier auf Französisch.

Auch der 1918 von London ausgegebene Gedanke der Messnovenen für die Bekehrung Israels ist überraschend aufgeblüht. In Frankreich sind 1920 bereits 510 Messen mit dieser Intention gelesen worden. 1925 waren es weltweit mehr als 5700 heilige Messen. Am 27. Februar 1920 erhielt diese Übung die Billigung Se. Heiligkeit Benedikts XV., der selbst die Messnovene vor dem Herz-Jesu-Fest hielt. 1925 feierte Se. Heiligkeit Pius XI. am Herz-Jesu-Fest die Messe in gleicher Meinung. Zahlreiche Kardinälen und Ordensprälaten, Bischöfe und Ordensgemeinschaften nahmen daran teil. Schließlich enthält die Nr. 13 der Acta Apostolicae Sedis vom 5. November 1925 einen Brief des Präfekten der heiligen Ritenkongregation, Kardinal Vico, der auf Geheiß des Heiligen Vaters Pius XI. allen Ordinariaten aufträgt, ab 31. Dezember in der Weiheformel des Menschengeschlechts an das göttliche Herz bestimmte Veränderungen vorzunehmen und folgende Worte einzufügen: „Blicke endlich voll Erbarmen auf die Kinder des Volkes, das ehedem das auserwählte war. Möge das Blut, das einst auf sie herabgerufen wurde, als Bad der Erlösung und des Lebens auch über sie fließen.“ So betet die Kirche nicht mehr nur am Karfreitag, sondern von nun an gewohnheitsmäßig für die Juden. Man kann die Bedeutung dieses Gebets an das Heiligste Herz Jesu Christi, des Königs der ganzen Menschheit, nicht stark genug betonen.


(Quelle: Schönere Zukunft, Nr. 26, 4. April 1926)


Die Judenmission darf laut dem neuesten nicht-lehramtlichen Dokument aus dem Vatikan nicht sein. Dass die Kirche entgegen der Behauptung in diesem Dokument eben schon die institutionelle Judenmission kennt, kann man auch hier lesen.

Samstag, 9. Mai 2015

Maiwallfahrt in China (Teil 2)

Inneres der heutigen Basilika von Sheshan (Quelle: Peter17)
Fortsetzung von hier

Der folgende 24. Mai war das Hauptfest von Sose, das Fest Unserer Lieben Frau unter dem Titel „Hilfe der Christen“. Anwesend waren 15.000 christliche Pilger, von denen wenigstens 12.000 aus weiter Ferne kamen, und etwa 5.000 Heiden aus Neugierde. Wer schildert den Andrang zum Gottesdienst und zu den Übungen der Andacht! Unsere Christen von Wu-si traf die Reihe der Kreuzwegandacht von 5.00 bis 5.30 Uhr abends. Man denke sich dieselben in Gruppen von beinahe 100 Personen auf die einzelnen Stationen verteilt, wie sie mit lauter, fester und zugleich andächtiger Stimme auf die Gebete antworten. Sie alle hatten freudig acht Tage der Arbeit und des zeitlichen Gewinnes zum Opfer gebracht, um dem Heiland und seiner heiligen Mutter diesen Beweis kindlicher Verehrung zu geben und im Angesicht ihrer heidnischen Mitbürger dieses offene Bekenntnis ihres Glaubens abzulegen.

Am 25. des Morgens sollte die feierliche Prozession das Fest beschließen. Bereits um fünf Uhr war ein jeder auf seinem Posten; jeder trug auf der Brust ein kleines Stück weißer Leinwand mit einem aus rotem Zeug geschnittenen Herzen. Voran schritt der Kreuzträger; dann kamen zwei Pilger, goldene Herzen und ein silbernes Gefäß tragend, worin sich eine Liste der im verflossenen Jahr gebeteten Rosenkränze befand; darauf die Fahne des Vereins der heiligen Kindheit, umgeben von einigen hundert Knaben im Alter von 6 bis 13 Jahren; dann die acht Banner der verschiedenen Kongregationen von Wu-si, umgeben von 170 in Chorhemden gekleideten Männern, welche Kerzen in der Hand hielten; nun folgte eine Gruppe von 200 bis 300 Männern mit Fähnchen, denen das Banner des Mäßigkeitsvereins vorangetragen wurde; dann die Fahnen des heiligsten Herzens Jesu und des Gebetsapostolats, 25 Priester und 19 Kleriker, der Zelebrant in der Chorkappe [wohl im Tsin-kin]. Ihm schlossen sich an 100 Mann mit Fähnchen, 40 kleine Mädchen von der heiligen Kindheit, ebenfalls mit Fähnchen und geschart um das Banner Unserer Lieben Frau, 24 der Rettung ausgesetzter Kinder geweihte Jungfrauen mit einer neuen, kostbaren Fahne von der unbefleckten Empfängnis, die kleinen Mädchen der Schule von Wu-si, und endlich mehr als 300 Mütter mit ihren Kindern auf dem Arme, die sie Unserer Lieben Frau weihen wollten. 


Um sechs Uhr setzte sich die Prozession, laut den Rosenkranz betend, in Bewegung und um sieben Uhr zog sie in die Kirche ein. Der Kreuzträger war bereits vor der Statue Unserer Lieben Frau von Lourdes angelangt, welche mit der Inschrift Tscheng-Mu-Malija, „Heilige Mutter Maria“, den Hauptaltar schmückt, als die Letzten des Zuges noch kaum auf halber Höhe des Berges sich befanden. Nur diejenigen welche mit an der Prozession Teil genommen hatten, konnten in der Kirche selbst Platz finden. Alle Banner wurden im Chor aufgepflanzt; die 170 Männer mit den Chorhemden stellten sich in doppelter Reihe von der Kommunionbank bis zum Portal auf. Alles verlief in schönster Ordnung. Während des Hochamtes nahten sich 800 bis 900 Personen dem Tische des Herrn, im Ganzen an diesem Morgen 3.700. Dann folgte die Predigt. Unmittelbar bevor der letzte Segen mit dem Allerheiligsten gegeben wurde, erneuerten alle unsere Christen, Männer und Frauen, Alt und Jung, die Weihe zum göttlichen Herzen Jesu. Die jüngeren Mitglieder des Mäßigkeitsvereins, 90 an der Zahl, erneuerten gleichfalls ihr Versprechen. Nach der Danksagung des Priesters brachten endlich noch die Mütter ihre Kinder Unserer Lieben Frau dar, und die Absingung der Marien-Litanei beschloss die Feier. Um 9.30 Uhr hatten bereits sämtliche Barken den Fuß des Berges wieder verlassen.

So steht es heute mit der Herrlichkeit des heiligen Berges Sose. Außer den beim Hauptfest anwesenden Prozessionen und Pilgern habe im Mai 1877 etwa 20.000 Christen das Heiligtum U.L.F. auf dem Sose besucht, und abgesehen von den 3.700 heiligen Kommunionen am Fest selbst näherten sich im nämlichen Monat noch über 3.000 Personen den heiligen Sakramenten in der Wallfahrtskirche.

Gepriesen sei Gott und die heilige, unbefleckte Gottesmutter, die Helferin der Christen!



(Aus: die katholischen Missionen, 1878)

Sonntag, 14. Dezember 2014

Große Missionsbischöfe: Der Apostel der Papuas – Der Diener Gottes Msgr. Enrico Stanislao Verjus M.S.C., Koadjutor des Apostolischen Vikars von Neu-Guinea (Teil 2)

Fortsetzung von hier

1887 wurde P. Louis Navarre zum Apostolischen Vikar von Mikronesien und Melanesien ernannt, und zwei Jahre später wurde die inzwischen deutsch gewordene Insel Neu-Britannien als eigenes Apostolisches Vikariat von „Neu-Pommern“ errichtet und P. Verjus anfangs zum ersten Apostolischen Vikar ausersehen. Das bedeutete für P. Verjus nichts Geringeres, als seine geliebte Mission von Neu-Guinea im Augenblick zu verlassen, da sie hoffnungsvoll zu blühen begann. 
Der leidende Zustand Msgr. Navarres ließ es jedoch ratsamer erscheinen, ihm den noch jugendkräftigen Mitbruder als Koadjutor an die Seite zu stellen, und so verblieb P. Verjus in Neu-Guinea zum Jubel seiner Mitbrüder und Neophyten. 

Seine Bischofsweihe fand am 29. September 1889 mitten im Urwald statt. Nur 14 Tage lang hatten die Missionsschwestern Zeit gehabt, aus ihren kleinen Schätzen, alten Epauletten, Tuchresten u. dgl., einen ganzen Bischofsornat fertig zu zaubern. Auch ein hölzerner goldbronzierter Bischofsstab fehlte nicht. Msgr. Verjus zählte damals erst 29 Jahre, 4 Monate und 3 Tage. Die erhebende Feier war für ihn der Anfang eines apostolischen Opferlebens, wie es ein Missionsbischof selbstloser kaum führen kann. „O guter und einzig geliebter Jesus“, so weihte der jugendliche Bischof sich schriftlich dem göttlichen Herzen, „ich biete mich heute durch die reinsten Hände deiner Mutter deiner Gerechtigkeit und Barmherzigkeit als Opfer dar, indem ich dich bitte und beschwöre, dasselbe zu reinigen, zu heiligen und gänzlich zu vernichten, als Zahlung für die Schulden dieser armen Insulaner und um ihnen die Gnade der Bekehrung zu erwirken. Ich erkläre, o mein Gott, dass du mich beim Wort nehmen und mich all die Härte deiner Gerechtigkeit empfinden lassen kannst. Ja, ich stimme zu, mein Gott! Ich wünsche es! Ich will es! Ich verlange es aufs Innigste… Diese Seelen müssen gerettet, müssen durch dein Blut gewaschen, gereinigt, erlöst werden. Und wenn, o teurer Jesus, um ihnen diese Gnade zuzuwenden, Blut, Qualen, eine Leidenswoche, eine Geißelung, eine Kreuzigung, ein lebendiger Kreuzweg notwendig sind, o so beschwöre ich dich, mein Jesus, nimm mich an. Sieh mich mit allem, was ich bin und habe, mein Blut, meinen Leib, mein Herz, meine Seele, mein ganzes Wesen und Sein“…

Das blieben keine bloßen Worte. Um die geringe Zahl der Missionäre zu ersetzen, suchte sich der junge Missionsbischof selbst gleichsam zu verdreifachen. Ohne Ruhe und Schonung durchzog er das wilde, noch ganz unzivilisierte Land von Stamm zu Stamm, von Dorf zu Dorf, voll verzehrendem Eifer, diese armen Kannibalenvölker dem göttlichen Herzen zu gewinnen, dessen Andacht die Glut und Begeisterung dieser apostolischen Seele entflammte. In acht Jahren waren denn auch auf Neu-Guinea bereits acht Niederlassungen mit ebenso vielen Kirchen und stark besuchten Schulen und zwei Klösterchen für die Schwestern gegründet, sämtlich eigenhändig aus dem an Ort und Stelle vorgefundenen Material erbaut. 300 Dörfer verlangten Missionäre und Unterricht. Alle Bewohner der Jule-Insel, 700 Seelen, waren bekehrt und getauft und gingen ohne Ausnahme alle 14 Tage zu den heiligen Sakramenten und regelmäßig zum Gottesdienst. 

Bereits waren Katechismus und die anderen notwendigsten Bücher in der Landessprache gedruckt, eine Katechistenschule gegründet usw., und dies alles in kaum acht Jahren. Es war merkwürdig, welchen Einfluss der Bischof auf die wilden Insulaner gewonnen. Das Geheimnis desselben verriet der selbst, ohne zu wollen, in einem Brief an seine jungen Ordensbrüder. „Es muss etwas Göttliches in und an euch sein, das die Wilden anzieht, und dies werdet ihr durch die fleißige Betrachtung und Nachahmung unseres Herrn Jesus Christus und  insbesondere seines göttlichen Herzens euch aneignen.“ Nur ein Beispiel aus vielen. Die Gewalttätigkeiten und Übergriffe der englischen Kolonisten und „Forscher“ hatten die Wilden erbittert, und wie gereizte Hornissen bedrängten sie mordgierig die Kolonien. In seiner Not bittet der englische Statthalter den Bischof persönlich um dessen Hilfe. Msgr. Verjus erscheint ohne jede bewaffnete Bedeckung, wie ein Friedensengel unter den wilden kampfgerüsteten Horden. Diese, die schon früher einmal die Streitaxt ihm zum Zeichen der gegenseitigen Versöhnung zweier kämpfender Stämme ausgeliefert und ihn in feierlicher Versammlung zum „Oberhäuptling“ ernannte hatten, gehorchen auch jetzt wieder seiner Aufforderung zum Frieden. Zur Erinnerung an die Begebenheit gründet der Bischof ein neues Dorf unter dem Namen Jesu Baïbo, d. h. Frieden Jesu. 

Die raschen Fortschritte der Mission machten einen Zuzug neuer Arbeiter und Mittel unerlässlich, und so reiste Msgr. Verjus im Lauf des Jahres 1892 nach Europa. Bald kniete er zu den Füßen des Statthalters Christi und überreichte ihm eine aus 300 Häuptlingsfedern gefertigte Tiara als Zeichen der Huldigung seiner Neubekehrten. Darauf wollte er die verschiedenen Häuser seiner Genossenschaft besuchen, um neue Kräfte für seine geliebte Mission zu werben. 

In Oleggio, seinem Geburtsort, den er im Vorbeireisen berührte, sah er seine hochbetagte Mutter wieder, und hier war es, wo Gott das schwerste Opfer von ihm forderte. Ein schlimmes Fieber warf ihn unerwartet aufs Krankenbett. Anfangs hoffte er noch Besserung. „O wie werde ich einst im Fegfeuer leiden müssen für die Zeit, die ich hier im Bett vergeude!“ seufzte er in seinem Verlangen, recht bald wieder in seine geliebte Mission zurückkehren zu können. Selbst in seinen Fieberträumen sprach er von seinen armen Insulanern. Doch sollte sein sehnsüchtigster Wunsch sich nicht erfüllen. Bald war alle Hoffnung verschwunden. Ergreifend war der Schmerz der alten Mutter. Aber Gott in seinen unerforschlichen Ratschlüssen verlangt das schwere Opfer. Am Morgen des 13. November, seinem Namenstag, gab der jugendliche Bischof seine reine, edle Seele dem Schöpfer zurück. Eine schmerzliche Klage ging durch alle Häuser der Genossenschaft, die in dem frommen, seeleneifrigen  jungen Bischof eine ihrer schönsten Zierden verloren hatte.

(Aus: die katholischen Missionen, 1893)

Donnerstag, 2. Oktober 2014

Der hl. Arnold Janssen als Förderer der Engelsverehrung


(…) Schließlich möchte ich auch noch eine recht lieblich anmutende Eigentümlichkeit der Steyler Aszese erwähnen, die ganz deutlich auf den Stifter zurückgeht. Die Gesellschaft pflegt vor allem die Andachten zum Hl. Geist, zum Göttlichen Wort und zum Hlgst. Herzen Jesu, zu den Erzengeln und den hl. Engeln überhaupt. Das waren die Lieblingsandachten Arnold Janssens, und er hat sie seinen [geistigen] Söhnen als Erbe hinterlassen. Wir müssen ihm danken, dass er die Verehrung des Hl. Geistes so nachdrücklich in Erinnerung brachte – dies Verdienst gebührt übrigens auch der Genossenschaft der Väter vom Hl. Geist – und die drei Erzengel und alle seligen Schutzgeister der Menschen zu Ehren erhob.


(Aus: die katholischen Missionen, 1926)

Sonntag, 3. August 2014

Beeindruckendes Glaubensleben bei den Pfriemenherzen-Indianern (Teil 2): Wie bei den Urchristen

Fortsetzung von hier

Eine Szene, wie man sie anderswo kaum erlebt, ereignete sich beim Baseball-Spiel am Abend. Eben hatte der Schläger einen seiner „Flieger“ hoch in die Luft gesandt und zahlreiche flinke Hände richteten sich begierig empor, um ihn zu fangen, als plötzlich die Angelusglocke zu läuten begann. Sofort sanken die Hände nieder; der Ball ging ungestört seinen Weg, alle Spieler und Zuschauer aber sanken auf die Knie und beteten mit entblößten Häuptern andächtig den englischen Gruß. Die Religion geht allem anderen vor. Vor Jahren kamen einige Vertreter der nordamerikanischen Indianerkommission hierher und wohnten einer feierlichen Ratssitzung bei. Sie waren nicht wenig erstaunt, als die Rothäute mitten in der Verhandlung ohne vorhergehende Warnung wie ein Mann auf die Knie fielen und einige Zeitlang still im Gebet verharrten. Wieder war es die Angelusglocke gewesen.

Der hohe Sinn der Indianer für strenge Sittenreinheit ist beispielsweise durch folgenden ebenso wackeren als lehrreichen Zug gekennzeichnet. Einer der Halbbluts – es sind ihrer auf der ganzen Reservation höchstens ein halbes Dutzend – verließ seine rechtmäßige Frau, verschaffte sich von der weltlichen Behörde einen Scheidebrief und nahm eine andere. Die Indianer erhoben Widerspruch und erklärten dem Agenten, sie würden derartiges in ihrer Reservation nicht dulden. Der Agent machte geltend, dass das Paar in gesetzlicher Form geschieden sei und daher nicht weiter belästigt werden dürfe. Ihre Antwort lautet: „A. hat sein Eheweib verlassen und eine andere Frau genommen; unsere Kinder wissen es, sie sehen täglich das rechtmäßige Weib des A. und bemerken, dass dieser mit einer andern lebt. Wir wissen nichts von den Ehescheidungspraktiken des weißen Mannes, wir wissen nur, dass unsere Kinder dieses Ärgernis vor Augen haben, und darum müssen die Schuldigen um jeden Preis aus der Reservation fort.“ In der Tat musste das saubere Paar weichen. Und nun bedenke man, dass die Pfriemenherzen vor ca. 60 Jahren noch Heiden und hartnäckige Polygamisten waren.

Alljährlich hält der ganze Stamm gemeinsam die Novene vor Weihnachten, Ostern, Fronleichnam und dem Herz Jesu-Fest ab. Während dieser Novene siedeln sie mit Weib und Kind in ihre Hütten im Missionsdorf über und kehren erst nach Ablauf aller Andachten nach Hause zurück.

Es versteht sich von selbst, dass das Leben dieser Indianer musterhaft, ihre Sitten tadellos und ihr Beispiel ein solches ist, dass wir weißen Christen vor Scham und Verdemütigung unsere Köpfe hängen lassen müssen.

Die Häuptlinge der Pfriemenherzen üben in ihrem Stamme gleichzeitig die Gerichtsbarkeit aus und entscheiden die Streitfälle mit echt christlicher Unparteilichkeit. Die Indianer kennen sehr wohl die Pflichten praktischer Nächstenliebe. Da sie sehr wohlhabend sind – besitzen doch die 600 Pfriemenherzen nicht weniger als 590 000 Acres Land – so kommen sie für ihre Armen und Arbeitsunfähigen selbst auf. In einem Jahr trugen sie 200 Dollar zum Verein der Glaubensverbreitung und 50 Dollar zum „Verein für die Erhaltung des Glaubens unter den Indianerkindern“ bei. Außerdem bilden sie einen Zweig des Philadelphia-Tabernakel-Vereins.

„Kann man wohl“, so schließt der hochw. Herr Ganß, „ein getreueres Abbild des Urchristentums finden? Hier ist das Evangelium, die Lehre und der Geist der Kirche Leben geworden. Es ist so recht das Land des göttlichen Herzens, Gottes Heimstätte und auserwähltes Volk…

„Nicht übel charakterisierte der Häuptling den idealen Zustand der Reservation, wenn er sagte: ‚Wir gehorchen dem Schwarzrock, und wir fürchten den weißen Mann und den Teufel.‘ Der weiße Mann streift bereits an den Grenzen der Reservation, in gieriger Erwartung, dass auch dies gelobte Land dem ‚zivilisierten‘ Siedler ‚eröffnet‘ werde; der Teufel und seine Helfershelfer: der Whiskey und die Unzucht, würden dann das Übrige tun.“

Wir schließen. Man hat den Jesuiten selbst von katholischer Seite den Vorwurf gemacht, dass sie einst in ihren berühmten Reservationen von Paraguay die Indianer sorgsam von dem Verkehr mit den Weißen abschlossen und von deren verderblichem Einfluss fernhielten. Man braucht bloß die traurige Geschichte der nordamerikanischen Indianerreservationen zu studieren, um zu erkennen, wie richtig sie gehandelt. Man sehe doch nur, welche Wirkung die gewaltsamen „Eröffnungen“ der den Indianern rechtmäßig zustehenden Gebiete stets gehabt. Die Berührung der „höheren“ Rasse hat die „niedrigere“ vergiftet und aus den einst so stolzen, selbstständigen, mit so vielen natürlichen Tugenden begabten Indianern vielfach ein trunkenes, halbverkommenes, dem Tode geweihtes Bettlervolk gemacht, bei dem auch die hingebendste Missionsarbeit nur wenig mehr zu erreichen vermag.

(Aus: die katholischen Missionen, 1904)

Samstag, 2. August 2014

Beeindruckendes Glaubensleben bei den Pfriemenherzen-Indianern (Teil 1): Herz Jesu-Freitag

Pfriemenherzen-(Coeur d'Alene-)Indianer, bei De Smet, Idaho

(…) Was aber ungleich mehr in Erstaunen setzte, sei die Wahrnehmung, in welchem Grad hier die Religion das ganze öffentliche und private Leben beherrsche. Zum Beweis greift P. Ganß einen Zug aus dem religiös-kirchlichen Leben der Pfriemenherzen heraus: die monatliche Feier des Herz Jesu-Freitags.

Der (ganz katholische) Stamm zählt 600 Seelen. Es ist nun altes Herkommen, dass am ersten Freitag jedes Monats der ganze Stamm gemeinsam zum Tische des Herrn geht. Da nun die Indianer in einem Umkreis von 40 bis 70 englischen Meilen von der Mission entfernt wohnen, so haben sie sich um die Kirche herum 150 hübsche Bretterhäuschen gebaut und nett eingerichtet. Sie bieten ihnen während der Tage ihres Aufenthaltes ein gemütliches Heim.

Ihre Wohnstätten und Farmen stehen während dieser der Andacht geweihten Zeit vereinsamt. An den betreffenden Donnerstag-Nachmittagen sieht man rings von Hügeln und Tälern ihre Wagen langsam zur Mission heranrollen. Auf denselben führen sie den nötigen Hausrat mit; auch die Hunde werden nicht vergessen. Neben den schwerfälligeren Karren erblickt man leichte Buggies (hohe zweiräderige Jagdwägelchen) und andere moderne Fuhrwerke. Die kühneren und kräftigeren Vertreter beider Geschlechter jedoch kommen hoch zu Ross herangeritten. In der Mission angelangt, spannt man die Pferde aus und lässt sie angeseilt im Freien grasen. Bald wirbelt aus allen Schornsteinen der kleinen Häuschen Rauch auf; überall herrscht reges Leben, jedoch ohne lärmende Aufregung. Inzwischen werden P. Caruana S.J., der bereits 40 Jahre lang unter diesem Stamm wirkt und dem nach Gott diese idealen Zustände vor allem zu danken sind, und P. Hermann Schuler (ein Pfälzer), sein treuer Mitarbeiter, in ihren Beichtstühlen von Andächtigen belagert. Einer nach dem anderen tritt mit weichem Mokassinschritt von seinem Platz vor und verschwindet im Beichtstuhl. Tiefe Sammlung und Andacht malt sich in jedem Zug der dunkelroten narbigen Gesichter. Wer genauer aufmerkt, sieht auch nasse Augen und hört halbunterdrückte Seufzer. Da knien die einen auf dem Boden hingestreckt, die Augen wie gebannt auf den Altar gerichtet, während andere tiefgebeugt an ihre Brust schlagen.
Oft genug zieht sich die Arbeit im Beichtstuhl bis gegen Mitternacht hin, zumal wenn einige der Beichtkinder, aufgehalten durch angeschwollene Flüsse, weggerissene Brücken oder sonst ein Reiseabenteuer erst spät eingetroffen sind.

Am nächsten Morgen beginnt die heilige Messe um 6.30 Uhr. Aber längst ehe die Glocke die Stunde meldet, ist die Kirche gefüllt. Auf der einen Seite knien die Männer, auf der anderen die Frauen. Viele von diesen, wenn nicht die meisten, bringen ihre Säuglinge und kleineren Kinder mit in die Kirche. Der Häuptling Weilschólegu betet die Morgengebete vor, die zehn Gebote, die Akte der Reue usw., alles im Pfriemenherzen-Dialekt, mit seinen zischenden und gurgelnden Lauten, in langsamen, gemessenen Silben, mit gedämpfter Stimme. Die Vorbereitungsgebete für die heilige Kommunion werden gleichfalls gemeinsam von der Gemeinde verrichtet. Vor der Wandlung und nach derselben wird die Strophe eines Liedes gesungen.

Überaus andächtig, ja dramatisch und ergreifend war zumal der Augenblick der Kommunion. Zuerst kamen der Häuptling und seine Ratsmänner geschmückt mit den Abzeichen ihrer Würde, gefolgt von den alten und jungen Männern, alle mit dem Herz Jesu-Skapulier auf der Brust. Den Männern schließen sich die Frauen an, viele ihre Kleinen teils tragend teils mit sich führend, da dieselben keinen Augenblick von ihren Müttern getrennt sein wollen. Nun kam eine Szene, die mir das Wasser in die Augen trieb. Ein altes, ganz verkrüppeltes Mütterchen, an einem Auge blind und von der Gicht ganz zusammengekrümmt, führte mit der Frau eigenen sanften Sorgfalt ein prächtiges Spezimen echt indianischer Männlichkeit zum Altar. Der Mann war blind und ging tastend vorwärts. Noch niemals war uns die evangelische Szene vom Blinden, der am Weg saß und zum Heiland rief: Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner! So lebendig vor die Seele getreten. Derselbe Liebesdienst wurde einer Reihe von Blinden, hoch bejahrten Mütterchen, einem armen Fallsüchtigen und mehreren Invaliden erwiesen, die von anderen gestützt oder fast getragen, zum Brot des Lebens hintraten.

Die ganze Szene war, abgesehen von ihrem heiligen Charakter, so dramatisch als nur irgendeine, die man in Oberammergau sehen kann. Da waren sie, die Blinden, Lahmen, Gichtbrüchigen, die Presthaften und die kleinen Kinderchen des Evangeliums, sich hindrängend zum Altar, um sich zu vereinigen und in nächste Berührung zu kommen mit ihrem Herrn und Gott. Es war die Wiedererneuerung der Szenen, die einst in Judäa und Galiläa sich abgespielt, so packend und lebenswahr, wie keine Feder, kein Pinsel sie schildern könnte.

(Aus: die katholischen Missionen, 1904)

Fortsetzung hier

Sonntag, 8. Juni 2014

Jeder Kranke kann helfen! Pfingstsonntagsopfer für die Weltmission

Aussetzung des Allerheiligsten nach Messe für Kranke (Quelle)

Am Pfingstsonntag beten und opfern Hunderttausende von Kranken in der ganzen Welt fürs Gottesreich! Kein Leid ist wertlos! Opfere auch Du es für einen Missionar, eine Schwester irgendwo in einem Winkel der Welt, wo sie sich selbst nicht helfen können und wo ihnen auch sonst niemand hilft. So wird auch Dein Leid ein gesegnetes Leid!

Der Hl. Vater (Pius XII.) richtet an Dich den Ruf, Deine Leiden in den Dienst der Weltmission zu stellen. Deine Krankheit macht Dich traurig, niedergeschlagen, mutlos. Vielleicht denkst Du in diesem Augenblick an die Arbeit, aus der Du gerissen bist, an Deine Angehörigen, denen Du zur Last fällst und die mit Dir leiden. Da kommt Dir der verzweifelnde Gedanke, Du seiest nur mehr eine unnütze Last.

Papst Pius XII.
Der Hl. Vater sagt Dir, dass dem nicht so ist. Gerade Dich, gerade die Kranken braucht er zur Mitarbeit an einem besonderen Platz: Während andere draußen für die Ausbreitung des Gottesreiches arbeiten und kämpfen, sollt ihr daheim durch das Opfer Eurer Leiden ihre Arbeit stärken und stützen.

Nütze den Schatz, den Du mit Deiner Krankheit in Händen trägst: Du kannst eine Seele retten, die, erkauft durch Deine Schmerzen, für Dich beten wird!

Dazu ist notwendig, dass Du Deine Leiden trägst mit starker Ergebung in den Willen Gottes, dass Du sie vereinigst mit dem unendlichen Leiden, das Christus, der Gottessohn, vor Dir und für Dich und für uns alle getragen.

So wie Du eine Schuld für einen Freund bezahlen kannst, so kannst Du auch Gnade für andere erbitten. Darum opfere heute die Verdienste Deiner Leiden auf für die Verbreitung des Glaubens in der Welt, für die hl. Kirche, den Papst, die Bischöfe, die Priester, für alle Missionare! Werde so auch selbst ein Apostel des Gottesreiches! Millionen von Kranken in der Ganzen Welt tun das heute mit Dir! Der hl. Vater rechnet auch auf Dich!

Gebet der Kranken für die Missionen


Herr Jesus Christus, ich vereinige mich mit jener göttlichen Meinung, in der Du selbst durch Dein heiligstes Herz hier auf Erden Gott dem Vater Lobpreisung dargebracht hast und auch jetzt noch unaufhörlich im allerheiligsten Altarsakrament darbringst. In dieser Vereinigung opfere ich Dir heute aus ganzer Seele alle meine Absichten und Gedanken, alle meine Werke, alle meine Freuden, besonders aber alle meine Leiden und Widerwärtigkeiten meiner Krankheit auf. Ich will sie gottergeben und geduldig tragen, wie Du Dein schweres Kreuz auf den Kalvarienberg getragen hast. Ich bitte Dich, Du wollest im Hinblick auf diese Leiden den Heiden und Ungläubigen die Gnade verleihen, dass sie von Deiner heiligen Religion Kunde erhalten, in die katholische Kirche, die das Werk Deiner Liebe ist, eintreten und bis an ihr Lebensende treu in derselben verharren. Amen.

(Aus: die Weltmission der katholischen Kirche, Nr. 5/6 1953)

Mittwoch, 26. Juni 2013

Wandermission unter den Indianern in British Columbia

Fraser Canyon bei Fountain, BC


Zu den schönsten Indianermissionen Britisch-Nordamerikas (d.h. Kanadas) gehört unstreitig diejenige der Oblaten in der Diözese Westminster, British Columbia. Die gleichnamige Provinz zählt auf 990.100 qkm etwa 100.000 Einwohner, die Diözese etwa 20.000 Katholiken, von denen ein großer Bruchteil Indianer sind. Seit mehr denn 50 Jahren haben die Oblaten mit unermüdlichem Seeleneifer unter den verschiedenen Stämmen gewirkt und Christentum und Zivilisation unter ihnen verbreitet.

Ein Einzelbild aus dem dortigen Missionsleben gibt der Bericht eines jungen Missionärs, des hochw. P. Rohr, der vor einiger Zeit die zahlreichen Indianerniederlassungen längs des Fraser-Flusses besuchte. Dieselben erstreckten sich in einer Länge von etwa 100 englischen Meilen und besteht durchschnittlich bloß aus je 40-50 Köpfen. 

„Die Indianer haben sich überall selbst ein Kirchlein oder eine Kapelle gebaut und bestehen darauf, dass der Schwarzrock – nicht wie es ehemals geschah, sie an einen Ort zusammenruft – sondern ihre Lager einzeln besucht. Sie sind sogar eifersüchtig, wenn er eines der Lager öfters beehrt als andere.“ 
So nimmt der Rundgang trotz aller Dampfer- und Bahngelegenheiten 6-8 Wochen in Anspruch. Die Ankunft des Schwarzrocks ist aber auch jedes Mal ein wahres Fest für die Rothäute, die mit kindlicher Liebe an ihren Seelenhirten hängen.

Hören wir nun, wie P. Rohr den Verlauf dieser Wandermission schildert.
„Um 6 Uhr stehen wir auf und bereiten uns zur heiligen Messe vor, die von einer Ansprache begleitet ist. Nach dem Frühstück ist Christenlehre bis Mittag, eine zweite Christenlehre geht der Segensandacht am Abend voraus und eine dritte schließt den Tag ab.“ 
Eigenartig schön sind einige Gebräuche und Sitten, die sich in diesen Indianergemeinden eingebürgert. „Bevor die Leute zur Beicht gehen, kommen sie alle und knien vor dem Priester nieder. Dann tritt einer nach dem anderen vor und bittet um Verzeihung für alle gegebenen Ärgernisse. Der Pater gibt dann jedem eine kleine Ermahnung, die sich natürlich auch an die übrigen richtet. 
Mann und Frau knien nebeneinander, bringen ihre häuslichen Zwiste vor, indem sie sich gegenseitig ihre Schuld vorhalten, um dann feierlich Frieden zu schließen.“

Aber auch außer der Beicht wird in der Christenlehrhalle oder in der Wohnung des Häuptlings eine Art Kapitel gehalten mit freiwilliger Selbstanklage, eine Art öffentlicher Kirchenbuße. „Alles versammelt sich. Die Frauen nehmen Platz auf dem Boden, die Männer sitzen auf Stühlen. Der Priester stellt sich in die Mitte und gibt das Zeichen zum Beginn. Lautlose Stille tritt ein. Alles wartet gespannt, wer wohl den Anfang machen würde. 
Endlich erhebt sich einer, tritt vor, kniet vor dem Pater nieder und macht das Zeichen des Kreuzes. Dann hebt er an und sagt z.B.: 
‚Ich spreche zu Gott und zu dir, mein Vater. Mein Herz hat keinen rechten Mut, das Gebet schmeckt ihm nicht mehr, es vergisst oft, zu beten. Daher freut es sich, dich hier zu sehen, denn du kommst, um ihm Hilfe zu bringen und es zu reinigen. Ich habe gesprochen.‘

Der Pater sagt in diesem Fall einiges über das Gebet, wie notwendig dasselbe sei, um ein gutes Leben zu führen u. dgl. Hat einer öffentliches Ärgernis gegen, so klagen ihn die übrigen an. Er verteidigt sich so gut er kann, und der Pater gibt das entscheidende Urteil. Hat z.B. ein Mann dem Schnaps zugesprochen, so muss er, falls er noch nicht die erste heilige Kommunion empfangen hat, 2 Dollar, sonst 3 Dollar Strafe zahlen. Das Geld wird zu Kirchenzwecken, zur Anschaffung von Altargeräten u. dgl. verwendet.

Hie und da kommt es bei diesen öffentlichen Schuldbekenntnissen wohl auch zu hitzigen Auftritten, so dass der Priester vermittelnd und versöhnend eingreifen muss. Diese Verhandlungen finden meist abends statt und ziehen sich oft tief in die Nacht hinein. 

Die Krone der für jede Neiderlassung so gnadenreichen Missionstage bildet jedoch die Generalkommunion. Das Allerheiligste bleibt den ganzen Tag lang ausgesetzt. Blumen, Kerzen, bunte Lampions schmücken das Heiligtum. Im Dorf herrscht Sonntagsruhe; alles geht festtäglich gekleidet. Zu jeder Tageszeit knien Andächtige vor dem Tabernakel. 
Jeder Familienvater bringt Frau und Kind mit. Dabei reden viele mit dem Heiland im Tabernakel ganz laut, danken ihm für alle Gnaden, bitten um Verzeihung, dass sie denselben nicht besser entsprochen, und versprechen Besserung. 
Die Männer bleiben oft stundenlang knien und scheinen nicht müde zu werden, dem Heiland laut ihre Liebe zu versichern. Manche Christen von drüben täten gut daran, hierher zu kommen und von diesen Wilden zu lernen. Menschenfurcht kennen sie nicht; niemand denkt auch nur daran, zu lachen; sie fühlen sich alle eins vor Gott. So was tut dem Herzen des Missionärs wohl, es ist sein einziger Trost.

Der Tag schließt mit der Weihe ans göttliche Herz. Dabei knien die Häuptlinge mit brennenden Kerzen vorn an der Kommunionbank und weihen sich und ihre Familien dem Heiland, indem sie alle ihre Kräfte aufzubieten, dass der Teufel nicht unter den Ihrigen Soldaten werbe. Eine krachende Böller- oder Flintensalve verkündet den Schluss des feierlichen Aktes.

Selbstverständlich sind nicht alle diese Rothäute Musterchristen, und auch unter ihnen finden sich laue und nichtsnutzige Menschen, im Ganzen aber bieten diese Gemeinden ein wirklich trostvolles Bild eines echten lebendigen Christentums.


(aus: die katholischen Missionen, 1904)

Dienstag, 25. September 2012

Das Bild des göttlichen Herzens verdrängt die heidnischen Götzen


Einem Schreiben des hochwürdigsten Apostolischen Vikars Rütjes, datiert Sung-schu-tsui-tsu (Apostolisches Vikariat Ost-Mongolei) 20. Februar 1894, entnehmen wir folgendes:

„Ich bin von der Visitationsreise wieder zurückgekehrt, muss mich jedoch nach Ostern wieder nach Pei-tsu-schan-hu begeben, um in den dortigen Christengemeinden das Sakrament der Firmung zu spenden. Alle Missionäre befinden sich recht wohl. Überall ist der Friede fast völlig wiederhergestellt; an manchen Orten erblickt man jedoch noch die Trümmer der zerstörten Christenwohnungen, und unter den Katechumenen macht sich noch eine gewisse Schüchternheit bemerklich. Die armen Leute! Alle unsere Bemühungen um Schadenersatz für sie und die Mission blieben resultatlos.

Inmitten der Widerwärtigkeiten lässt Gott es indes auch an Tröstungen nicht fehlen, indem er viele auf den Weg zur wahren Kirche leitet. In jedem der Außendistrikte übertrifft die Zahl der Neubekehrten diejenige der Katechumenen im Distrikt Sung-schu-tsui-tsu. Besonders nimmt dieselbe in der Umgegend von Machia-tsu, Peitsu-schan-hu und Pa-ku in erstaunlicher Weise zu.
Eine Bekehrung verdient eingehendere Erwähnung.
Als ich im vergangen Dezember in Machia-tsu war, besuchte mich der Chef der Handelsfirma Tung-t’ai-sch’ang und überraschte mich mit der Nachricht, dass er Christ werden wolle. Besagte Firma ist Inhaberin eines großen Ladens, worin etwa 20 Personen, lauter Heiden, beschäftigt sind. Er ersuchte mich um ein Bild, das er in seinem Laden aufhängen wollte.
Ich machte zur Bedingung, dass er alle Götzenbilder und abergläubischen Sachen, die sich in irgendeinem Teil des Gebäudes befänden, entfernen, täglich Morgen- und Abendgebet verrichten und wenigstens an Sonn- und Festtagen der heiligen Messe beiwohnen müsse. Wenn der Priester sich nach einiger Zeit von seinem ernstlichen Willen überzeugt habe, werde derselbe ihm ein schönes, prachtvoll eingerahmtes Bild des heiligsten Herzens Jesu schenken.

Kürzlich erhielt ich nun von Herrn de Groef folgende Mitteilung:

‚Dieser Tage hat das heiligste Herz Jesu von dem Laden Tung-t’ai-sch’ang triumphierend Besitz genommen. Unter den Klängen der Musik und dem Donner einer Kanone hat Wang-lao-tsiu (so heißt der Neubekehrte) das Bild des heiligsten Herzens abgeholt und auf dieselbe feierliche Weise ist es im Kuni-fang (Zahlungsstelle und Wohnung des Chefs) an der Stelle des Götzenbildes Ts’ai-chenn (Gott des Reichtums) aufgehängt worden. Hunderte von Christen und Heiden wohnten diesem Triumph des heiligsten Herzens bei. Man spricht von demselben zu Tamiao und Hata.
Nichts Abergläubisches wird mehr im Laden verkauft, und das Bild des heiligsten Herzens Jesu hat nicht nur die heidnischen Götter und Göttinnen und die unsittlichen Bilder daraus verdrängt, sondern wird auch eine beständige Predigt für die christlichen und heidnischen Besucher sein.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1894)

Sonntag, 2. September 2012

Das chinesische Kruzifix

Das chinesische Kruzifix

Unser diesjähriges Titelbild (siehe oben) gehört einem Bilderzyklus an, welchen P. Baffeur S.J. für seine chinesischen Neophyten zu veröffentlichen begonnen hat, um ihnen die Hauptgeheimnisse unserer heiligen Religion stets ins Gedächtnis zurückzurufen.
Das Kreuz war stets ein Ärgernis für die Juden und eine Torheit für die Heiden; nirgendwo tritt dies aber klarer hervor als in China.
Als im Jahr 1663 P. Aleni S.J. ein „Leben unseres Heilandes Jesus Christus“ in chinesischer Sprache mit Bildern herausgab, beeilte sich der Obermandarin Jan-Kwang-Sien, ein unversöhnlicher Feind der Christen, das Bild des zwischen den beiden Schächern am Kreuze hängenden Heilands nachdrucken zu lassen und es mit einer schändlichen Schmähschrift gegen den Heiland in Tausenden von Exemplaren durch das ganze Reich zu verbreiten.
Eine blutige Verfolgung wurde dadurch angefacht. Auch heute noch erregt manchmal das Bild des gekreuzigten Heilands den Spott und das Gelächter der heidnischen Chinesen.
P. Baffeur nun hat durch das Bild, das er entworfen, diesen Spott in etwa verhindern wollen, indem er mit dem Kreuz einige der durch den Kreuzestod erzielten Wirkungen darstellt. Zugleich auch bietet dieses Gemälde gewissermaßen die Erklärung zu einem Gebet zu den heiligen fünf Wunden, welches die chinesischen Christen fast täglich zu verrichten pflegen. Die Anrufungen, welche auf den von Engeln getragenen Schriftrollen stehen, lauten:

1. Ich bete Dich an, Wunde der rechten Hand; gib mir Kraft, zu überwinden die Verführungen der Welt, nicht nachzugeben dem Stolz; Herr, rette meine Seele. Vater unser. Gegrüßet seist du, Maria.

2. Ich bete dich an, Wunde der linken Hand; gib mir Geduld, zu besiegen das Leiden, nicht zu verzweifeln im Unglück; Herr, rette meine Eltern, meine Freunde, meine Wohltäter. Vater unser. Gegrüßet seist du, Maria.

3. Ich bete dich an, Wunde des rechten Fußes meines Erlösers; gib mir heiligen Eifer, gute Werke aller Art zu tun und den Himmel zu verdienen; erlöse, o Herr, die armen Seelen im Fegfeuer. Vater unser. Gegrüßet seist du, Maria.

4. Ich bete dich an, Wunde des linken Fußes meines Erlösers; gib mir die Furcht Gottes, dass ich fliehe die Sünde, dass ich nicht stürze in die Hölle; Herr, bekehre die armen Sünder. Vater unser. Gegrüßet seist du, Maria.

5. Ich bete dich an, Wunde des heiligsten Herzens; gib mir die göttliche Liebe, damit ich liebe Gott im Himmel und meinen Nächsten auf Erden; Herr, rette alle meine Feinde. Vater unser. Gegrüßet seist du, Maria.

Die Anrufungen am Fuße des Kreuzes lauten:

„O reinste und kostbarste Wunden meines Herrn, ich bete euch an und betrachte euch mit Liebe. Ihr seid für mich fünf Quellen, die meinen Durst löschen auf meiner Pilgerbahn; fünf Sticke, die mich retten im Schiffbruch; fünf Tore, die mir wiederöffnen den Himmel; fünf Geldstücke, die mich loskaufen aus der Sklaverei; fünf Siegel, die mir aufdrücken das Zeichen der Auserwählten; fünf Strahlen, die mir leuchten in der Verbannung.
Indem ich diese Unterpfänder des Heiles betrachte, beweine ich bitterlich meine Sünden und preise deine Barmherzigkeit.
Dank Dir, o süßester Heiland, der Du mich loskaufest, mich bezeichnest mit dem Siegel der Auserwählten, mir gibst einen Strahl der Hoffnung, meinen Durst löschest, mich rettest vom Schiffbruch, und mich aufnehmen wirst in den Himmel.
Möge ich euch nie verlieren durch die Sünde, euch Unterpfänder des Heils, göttliche Quellen, himmlische Tore, leuchtende Sterne in meiner Verbannung.


(Aus: die katholischen Missionen, 1878)

Samstag, 21. April 2012

Was ein katholischer Häuptling aus Samoa dem heiligsten Herzen Jesu von Montmartre schenkte


Josefo Mataafa

Apostol. Vikariat Zentral-Ozeanien. Ein alter Häuptling, der von der Votivkirche hörte, welche zu Paris auf dem Montmartre zu Ehren des heiligsten Herzens Jesu erbaut werden sollte, hat am 27. April 1880 einen Brief abgeschickt unter der Adresse: 



„An Se. Herrlichkeit den Priester, der die Gaben für das Denkmal des heiligsten Herzens sammelt, in der Hauptstadt von Frankreich.“ 


Leider haben sich die Zeiten, seitdem die Nachricht von dem Baue dieser Kirche nach dem Samoa-Archipel abging, bedeutend geändert, und der Brief des Südsee-Insulaners dürfte sehr viel zu spät kommen. Gleichwohl wollen wir denselben mitteilen:

"Herr, das sind Worte der Liebe, die ich Euch schreibe. Obschon das Land Samoa sehr weit von Euerm Lande ist, haben wir doch gute Nachrichten von Euerm Unternehmen erhalten. 



Basilika Sacré-Cœur
auf dem Montmartre
Wir alle, die einfältigen christlichen Kinder und unsere Herren, die Priester von Samoa, haben uns sehr gefreut und danken Euch. Wir können nicht mit unsern Augen die Schönheit und Größe dieser Kirche sehen, aber man hat uns davon geredet und erklärt, wie groß sie sei; daraus ist unsere Freude entsprungen und unser Lob über Euren so starken Willen, der einen so schönen Bau zur Ehre des heiligsten Herzens Jesu Christi unternehmen und vollenden will. 


Was wir hier auf dem armen Lande Samoa tun, kann mit Euern Werken nicht verglichen werden; doch haben auch wir eine Kirche gebaut, die den Namen des heiligsten Herzens trägt. Und das ist alles Gute, das wir Euch von Samoa schreiben können. Wir schicken Euch ein Geschenk für das heiligste Herz. 
Das Geschenk ist gering wegen unserer Armut, aber es wird vergrößert durch die Liebe Jesu Christi, unseres Herrn.
Meine liebe Gemahlin und ich, wir schicken Euch je einen Dollar (4 Mark). Das ist unsere Gabe an das heiligste Herz. Seid versichert, Herr, dass Euch unsere Liebe und Bewunderung nicht fehlt. 
Die ganze Gemeinde von Samoa ist in das Gebetsapostolat aufgenommen; viele werden zu der monatlichen Sühnekommunion zugelassen und nie vergessen wir, für Euch zu beten. Das ist mein ganzer Brief. Möge Ew. Herrlichkeit in guter Gesundheit sein und Euer großes Unternehmen gedeihen!
Ich, Joseph Mataafa auf Samoa.“

(Aus: Die Katholischen Missionen, 1881)

Freitag, 6. April 2012

Wirksamkeit der spanischen Jesuiten in den Gefängnissen und unter der verwahrlosten Jugend in Buenos Aires


Mariano Antonio Espinosa, Erzbischof von Buenos Aires von 1900-1923, vorher Weihbischof

In einem Brief von Buenos Aires heißt es: „Jedes Jahr halten die Patres in dem Gefängnis der Stadt eine Mission, die fünf oder sechs Tage lang dauert. Noch nie aber hat dieselbe so großen Segen gestiftet als in diesem Jahr. Um das, was ich erzählen will, besser zu verstehen, muss man wissen, dass dieses große Babel (Buenos Aires), das nur Vergnügen und Handel atmet, zugleich die große Gosse aller Nationen Europas ist. Man kann sich daher denken, welche Gefangenen sich in diesem Kerker befinden.
Während des gegenwärtigen Jahres unterrichtete ich regelmäßig die ‚Minderjährigen‘. Es sind dies herumirrende, nachts von der Polizei auf den Straßen gesammelte Kinder, welche ihre Eltern niemals kennengelernt haben.
Sie wissen auch weder ihren Geburtsort noch die Stadt oder Gegend, wo ihre Eltern leben. Arme Kinder! Welche große Barmherzigkeit und Liebe flößen sie mir ein, so oft ich ihnen predige! Groß ist ihre Aufmerksamkeit, dass ihnen ja kein einziges Wort verloren gehe.
Dennoch wünschte ich sie öfter und einzeln besuchen zu können, weil ich ganz überzeugt bin, dass ein Vortrag am Sonntag nicht für einen guten religiösen Unterricht genügt. Man wird mir dies leicht glauben, wenn ich sage, dass man unter ihnen — trotz ihres jugendlichen Alters — Diebe von 100.000 Mark, Mörder und Gesindel aller Arten findet.
Doch kehren wir zur Mission zurück.Die einzigen Gefangenen, welche etwas von Religion wissen, sind die sog. penados, d.h. alte Bewohner des Hauses, die schon viele Jahre lang jeden Sonntag das Wort Gottes gehört haben.
Hunderte von anderen Gefangenen aber kommen und gehen alle Monate, und diese können tatsächlich sagen: Nec, si Spiritus Sanctus sit, audivimus (wir haben auch nicht gehört, dass es einen Heiligen Geist gebe). Um dieser Unwissenheit abzuhelfen, wurden während der Mission sehr viele kleine Katechismen unter sie verteilt.
„Es stand jedem frei, der Mission beizuwohnen; kein einziger aber von den tausend oder mehr Gefangenen fehlte auch nur einen Tag. So aufmerksam lauschten sie der Predigt des Missionärs, dass man das Summen einer Mücke hätte hören können.
Wo aber das göttliche Herz seine allmächtige Güte besonders offenbarte, das war bei den Beichten, die in den letzten Tagen stattfanden. Sieben Patres aus dem hiesigen Kolleg kamen, um die Beichten zu hören, auch aus anderen Häusern und Klöstern halfen einige.
Sechshundert wenigstens legten unseren Patres ihre Beichten ab, und mit welcher Reue, mit welchem Schmerz, mit welchen Tränen! Fast alle verließen den Beichtstuhl weinend wie Kinder.
Die Minderzahl hatte seit 10 und 12 Jahren, die meisten seit 20, 30 Jahren nicht mehr gebeichtet; einige niemals im ganzen Leben.
Die meisten haben niemals gebetet und wissen gar kein Gebet; deswegen bestand die Buße darin, dass sie das Stoßgebet ‚Süßes Herz Jesu, erbarme dich meiner!‘ oder andere ähnliche sechzig- oder achtzigmal wiederholen mussten. Einem von jenen Sündern gab ein Pater als Buße auf, sechzigmal andächtig das Stoßgebet zu sprechen: ‚Herr, erbarme dich dieses armen Sünders.‘ Als er sich bitter weinend erhob, meinte er: ‚Pater, diese Worte muss ich allen, die ich treffen, sagen; nicht wahr?‘
Einige der Knaben wollten anfangs nur zum Spaß beichten.
Da zeigte ihnen ein politischer Gefangener vom vorigen Aufruhr her — alle hauptsächlichen Teilnehmer desselben sind nämlich hier eingekerkert worden — die Hässlichkeit ihres Vorhabens und ermahnte sie dann sehr, ernstlich zu beichten, was sie auch getan haben.
Er wiederholte darauf mit ihnen den Unterricht des Paters und führte ihnen denselben weiter aus; kurz, dieser Mann war während der Mission ein wahrer Apostel.
Der hochw. Bischof Espinosa, der uns sehr gewogen ist, feierte selbst vor den Gefangenen die heilige Messe und bereitete während derselben die Herzen mit einem inbrünstigen Kommunionunterricht vor.
Mehr als 500 Personen kommunizierten, und zwar mit solchem Eifer und so viel Tränen, dass der hochw. Bischof voll des Trostes fortging, indem er sagte, nie hätte er bei Menschen von so verdorbenem Gewissen so etwas für möglich gehalten, wenn er es nicht selbst gesehen hätte.
Und noch hätten mehr als hundert andere die heilige Kommunion empfangen, wenn nicht die Wärter das Frühstück, sei es aus Unwissenheit oder Unaufmerksamkeit, ihnen zu früh auf ihre Zellen gebracht hätten. Diejenigen, welche deshalb den Leib des Herrn nicht empfangen konnten, baten jedoch, dass ihnen diese große Gnade am folgenden Tag zu teil werde.
Bald nach der heiligen Messe spendete der hochw. Bischof den Gefangenen das Sakrament der Firmung.
Der oben erwähnte politische Gefangene diente mit großer Freude bei der Kommunionmesse und machte nachher den Firmpaten meiner Knaben. So verweilten die 1000 Gefangenen in der Kapelle still und andächtig von 7 ½-10 Uhr.

(Aus: die katholischen Missionen, 1895)

Sonntag, 25. März 2012

Ein heiliger Bischof in Kolumbien — Ezequiel Moreno y Díaz


Statue des heiligen Ezequiel Moreno y Diaz am Provinzialhaus der Rekollekten in Quezon City, Philippinen

Unter den zahlreichen Bischöfen, die im 19. und frühen 20. Jahrhundert in Lateinamerika als Verteidiger der Kirche aufgetreten sind, befindet sich auch ein kanonisierter Heiliger: St. Ezequiel Moreno y Díaz.

Der heilige Ezequiel wurde 1848 als Sohn eines frommen Schneiders in Alfaro (La Rioja) geboren. Als 16-jähriger trat er im Nachbarort Monteagudo bei den Augustiner-Rekollekten (O.A.R.) ein, legte 1865 seine Ordensgelübde ab und wurde auf die Philippinen gesandt, wo er am 2. Juni 1871 in Manila die Heilige Priesterweihe empfing.


In den Jahren 1872-1885 wirkte er als Missionar auf den Inseln Palawan, Mindoro und Luzon unter der dort ansässigen heidnischen Bevölkerung und den weitverstreut lebenden Katholiken. Hier wirkte er auf zwei Gebieten, die den Rest seines Lebens eine besondere Rolle einnahmen: die Katechese und die Krankenpflege.
1885 kehrte er als Novizenmeister nach Spanien zurück, wo er sich besonders der Ausbildung zukünftiger Missionare widmete, um diesen seine eigene Liebe zur Ordensregel und dem Gehorsam zu vermitteln. Gleichzeitig fand er aber noch Zeit, in benachbarten Pfarreien auszuhelfen und den Bedürftigen beizustehen, denn 1887 kamen täglich rund 400 Obdachlose an die Klosterpforte, um sich ihre Mahlzeit abzuholen.


Sein endgültiges Wirkungsfeld betrat er 1888, als er sich nach Kolumbien einschiffte. Bis 1894 arbeitete er von Santafé de Bogotá aus an der Wiedererrichtung der alten Rekollektenprovinz, die in einigen Regionen des Landes seit der Unabhängigkeit 1821 brach lag. 1893 wurde er zum Apostolischen Vikar des neuerrichteten Vikariats Casanare ernannt. 


Trotz des anhaltenden Bürgerkriegs durchquerte er das gesamte Territorium, richtete Waisenhäuser für die heidnischen Indianerkinder ein, gründete katholische Vereine und förderte die Katechese. Trotz seiner Bischofswürde fungierte eine einfache Hütte als sein „Bischofspalast“.


Im Jahr 1895 wurde er zum Bischof von Pasto, einer Diözese im kolumbianisch-ecuadorianischen Grenzgebiet ernannt. In dieser Zeit tritt die Seite Morenos als Verteidiger der heiligen Religion hervor, gegen deren Einfluss auf Erziehung und Gesellschaft die Liberale Partei Kolumbiens den Aufstand probte und auch die liberalen Medien nicht mit Schmähungen gegen den heiligen Bischof sparten. Trotzdem wich er nicht zurück und geißelte die lauen Katholiken, die Parteigänger des Irrtums geworden sind:
„(…)Ihr könnt sicher sein, dass dieselbe Revolution, verschlagen wie ihr Anführer, bald jene verspotten und verachten wird, die ihr gedient haben oder sich auf die ein oder andere Weise mit ihr gutstellen wollten. Es ist ein Fehler, ein schreckliches Verbrechen gegen die Kirche und die Seelen, den Feinden Christi nachzugeben und ihnen sogar entgegenzukommen. Die als Klugheit und Mäßigung verschleierte Feigheit hat größere Verwüstung in der Kirche Gottes angerichtet als das Geschrei und die Angriffe der Glaubensfeinde.(…)“


Stets dankte er Gott für die Verfolgung. Als 1898 verschiedene Orden aus dem benachbarten Ecuador vertrieben wurden, gewährte er ihnen Unterschlupf in seinem Sprengel. Er pflegte ein gutes Verhältnis zum Bischof von Portoviejo, Msgr. Schumacher, und lobte dessen Kampf gegen die freimaurerische Revolution in Ecuador bei der Predigt zu seinem Requiem. 


Besonders unterstützte der hl. Ezequiel die Orden in seiner Diözese, wobei er natürlich seinem eigenen besondere Zuneigung erwies. Doch auch den Weltklerus förderte er und schickte sogar zwei Seminaristen für weiterführende Studien nach Rom. Eine große Liebe zeigte er für die Kranken, nach deren Befinden er sich bei seinen Hirtenbesuchen stets erkundigte.


Wie alle Heiligen führte er ein strenges Bußleben und verstärkte seine Abtötungen noch, um so von Gott die Rettung der Sünder zu erflehen. Auch förderte er die Andacht zum heiligsten Herzen Jesu.
Besonders augenscheinlich wurde seine Heiligkeit während der Krankheit, die zu seinem Tode führen sollte.
Im Jahr 1905 stellte man bei Moreno y Díaz bösartige Tumore in der Nase fest, wodurch er unter ständigen Schmerzen litt. Trotzdem änderte er sein tägliches Leben nicht und ging den üblichen Arbeiten nach. „Ich habe mich in die Hände Gottes übergeben. Sein Heiliger Wille geschehe“.


Sein Klerus drängte ihn, sich behandeln zu lassen, darum trat er den Weg nach Spanien mit dem Ziel Barcelona an, und man hoffte, dass ihn dort ein bekannter Chirurg erfolgreich operieren würde. Auf dem Weg durch seine Diözese ließ er es sich nicht nehmen, noch einmal zum Marienheiligtum Virgen de Las Lajas zu pilgern und einen Diakon zu weihen.


Als er in Madrid anlangte, war sein Zustand so schlecht, dass seine Ordensbrüder die Weiterreise nach Barcelona verbaten. Am 14. Februar wurde er aufgrund der komplizierten Lage des Tumors ohne Narkose an Nase und Gaumen operiert. Voll Ergebenheit und guter Laune ertrug er die schrecklichen Qualen. Auch ein zweiter Eingriff brachte nicht die erhoffte Heilung. Trotz seiner eigenen Krankheit munterte er die anderen Patienten auf und stand ihnen in
 ihrem Leid bei.


Angesichts des nahen Endes verließ er im Mai 1906 Madrid, um sich in Monteagudo auf den Tod vorzubereiten. „Ich gehe, um bei meiner Mutter zu sterben“, sagte er in Anspielung auf den von ihm innig geliebten Wallfahrtsort Virgen del Camino.
Am 19. August 1906 starb er im Rekollektenkloster in Monteagudo.

Schon 1910 wurde von der Diözese Pasto der Seligsprechungsprozess eingeleitet.
Am 1.
November 1975 wurde er selig, am 11. Oktober 1992 heiliggesprochen. Sein Leichnam ist unverwest.

(Quellen: u.a. http://de.gloria.tv/?media=185924&fullscreen=embeded, http://www.agustinosrecoletos.com/ )