Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

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Sonntag, 27. Dezember 2015

Der Patriarch von Jerusalem gegen jüdische Schmähungen

Der lateinische Patriarch von Jerusalem, Luigi Barlassina

Am 20. Juli [1924] trat zu Rom Hans Herzl, der Sohn des berühmten Gründers des Zionismus, Theodor Herzl, zur katholischen Kirche über [er fiel später wahrscheinlich wieder ab und beging 1930 Selbstmord]. Daraufhin brachte die jüdische Zeitung „Dôr Hajôm“ in ihrem humoristischen Teil eine spöttische Erzählung, in der Christus und seine Mutter in zynischer Weise verhöhnt wurden. Der lateinische Patriarch erhob in seinem Blatt „Rakib Zion“ sofort energischen Einspruch gegen die Gotteslästerung und ordnete in allen Kirchen und Kapellen Sühneandachten an.

Was sagen die Christen Englands dazu? Muss man sich von den Zionisten alles gefallen lassen? Wie weit sie ihre Frechheit treiben dürfen, zeigt eine andere Begebenheit vor einigen Monaten. Bei Gelegenheit der jüdischen Feier Simeon Ezzadik [wohl eine Feier zur Verehrung des Hohepriesters „Simeon des Gerechten“] kreuzigte man unter Hohn und Spott eine Strohpuppe und verbrannte sie zuletzt. 

Mehrere Araber sagten mir: Was seid ihr Christen doch für komische Leute! Hätte das Judenblatt derartiges gegen Mohammed gebracht, so stände heute vom jüdischen Redaktionsgebäude kein Stein mehr auf dem anderen [die Muslime haben natürlich nicht verstanden, dass Christen bei solchen Schmähungen nicht mit Gewalt reagieren dürfen] – Das jüdische Blatt spottet ruhig weiter. Es muss sich ziemlich sicher fühlen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1925)

Wie sicher sich jüdische Christenhasser wie Ben-Zion Gopstein heute in Israel fühlen, kann man an dessen jüngsten Äußerungen über Christen als „blutsaugende Vampire“ sehen. Dass er dafür von den israelischen Behörden zur Rechenschaft gezogen wird, ist doch hoch fragwürdig. 


Donnerstag, 10. Dezember 2015

Was nicht mehr sein darf

Pater Marie-Alphonse Ratisbonne
In Italien nahmen sich außer den Päpsten bedeutende Ordensleute, so [St.] Albert v. Trapani, [sel.] Bernhardin v. Feltre, [St.] Johannes v. Capestrano, [St.] Laurentius v. Brindisi, der Judenmission an. (…) 1534 errichtete [St.] Ignatius v. Loyola  ein noch bestehendes Heim für jüdische Konvertiten, 1549 Paul III. ein Institut für Judenmission. [St.] Pius V taufte selbst zahlreiche J. [St.] Karl Borromäus nahm sich auf der Mailänder Diözesansynode eifrig der Judenmission an.
Aus dem Lexikon für Theologie und Kirche (Band V., 1933), Eintrag „Judenmission“.

Im Gegensatz dazu hat heute hat die Päpstlichen Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum ein nicht-lehramtliches Dokument zur Beziehung zu den Juden mit besonderem Hinweis auf die Judenmission veröffentlicht. In dem Dokument heißt es unter Punkt 6.:

Es ist leicht zu verstehen, dass die so genannte ‚Judenmission‘ für Juden eine sehr heikle und sensible Frage darstellt, weil sie in ihren Augen die Existenz des jüdischen Volkes selbst betrifft. Diese Frage erweist sich auch für die Christen als heikel, weil für sie die universale Heilsbedeutung Jesu Christi und folglich die universale Sendung der Kirche von grundlegender Bedeutung sind. Die Kirche ist daher verpflichtet, den Evangelisierungsauftrag gegenüber Juden, die an den einen und einzigen Gott glauben, in einer anderen Weise als gegenüber Menschen mit anderen Religionen und weltanschaulichen Überzeugungen zu sehen. Dies bedeutet konkret, dass die Katholische Kirche keine spezifische institutionelle Missionsarbeit, die auf Juden gerichtet ist, kennt und unterstützt. Obwohl es eine prinzipielle Ablehnung einer institutionellen Judenmission gibt, sind Christen dennoch  aufgerufen,  auch  Juden  gegenüber  Zeugnis  von  ihrem  Glauben  an  Jesus  Christus abzulegen. Das aber sollten sie in einer demütigen und sensiblen Weise tun, und zwar in Anerkennung dessen, dass die Juden Träger des Wortes Gottes sind, und besonders in Anbetracht der grossen Tragik der Schoa.


Nachfolgend noch der Eintrag zu den Priestern U.L.F. von Sion (unter  „Sion“, Band IX), einem Orden zur Judenmission, die von den berühmten jüdischen Konvertiten und Priestern Marie-Alphonse und Marie-Theodore Ratisbonne gegründet wurden:


Beten auch wir immer für die Bekehrung der Juden, damit auch sie den wahren Messias, Jesus Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch, anerkennen und in die katholische Kirche eintreten, außerhalb derer es kein Heil gibt!



Sonntag, 13. April 2014

Große Missionsbischöfe: der heiligmäßige Patriarch – Msgr. Vincenzo Bracco, lateinischer Patriarch von Jerusalem


Ein schmerzlicher Verlust traf die Kirche des heiligen Landes durch den Tod ihres heiligmäßigen, hochverehrten Patriarchen, Msgr. Vincenzo Bracco, der am heiligen Fronleichnamsfest in Jerusalem nach kurzem Krankenlager seine Reise zum himmlischen Jerusalem antrat.

 Geboren am 15. September 1835 zu Torazzo in der Diözese Albenga am Meerbusen von Genua, machte Vincenzo seine Studien in dem von den Lazaristen geleiteten Kolleg der auswärtigen Missionen zu Genua, wurde 1859 Priester und begab sich bereits im folgenden Jahre in die Mission des heiligen Landes. Msgr. Valerga, Der tatkräftige Patriarch von Jerusalem, lernte als scharfblickender Menschenkenner sehr bald die gründliche wissenschaftliche Bildung und die Tugend des stillen, bescheidenen Priesters schätzen, berief ihn zunächst als Professor der Theologie an sein Seminar zu Beitschale bei Betlehem und ernannte ihn zwei Jahre später zum Regens des Seminars und zum Kanonikus an der Kirche des heiligen Grabes.

Da der Patriarch in seiner Eigenschaft als Apostolischer Delegat des hohen Libanons oft längere Zeit von Jerusalem entfernt sein musste, erbat er sich von der Propaganda einen Weihbischof und schlug als solchen seinen erprobten Seminarregens Don Vincenzo vor, der dann auch am 13. Mai 1866 als Titularbischof von Magida in der heiligen Grabkirche die Bischofsweihe empfing. Seit Jahrhunderten hatte die heilige Stadt keine solche Feier mehr gesehen.

Tatkräftig nahm der neue Weihbischof an den vielen Unternehmungen des energischen Patriarchen seinen Anteil. So ist die endliche Vollendung der schönen, dem Namen Jesu geweihten Kathedrale (11. Februar 1872) zum guten Teil auch sein Verdienst; desgleichen der Triumph, den die Kirche Jerusalems im selben Jahr feierte, indem seit undenklichen Zeiten zum ersten Mal wieder einmal das heiligste Sakrament in feierlicher Fronleichnamsprozession durch die Straßen getragen wurde, die Christus der Herr einst so oft durchwandelte.

Am 21. März 1873 bestieg Msgr. Bracco den verwaisten Patriarchenstuhl von Jerusalem und setzte nun volle 16 Jahre hindurch das Werk seines großen Vorgängers mit ebenso viel Festigkeit als herzgewinnender Milde fort. Eine Reihe neuer Missionsstationen wurde durch ihn ins Leben gerufen und namentlich auch das Ostjordanland, mehr als bisher geschehen war, in den Kreis der Missionstätigkeit hineingezogen. Bei dem großen Interesse, das die deutschen Katholiken dem Werk im Heiligen Land und den ausschließlich ihm dienenden Zeitschriften entgegenbringen, ist es kaum nötig, die Geschichte der letzten Jahre, die mit der Wirksamkeit des letzten Patriarchen zusammenfällt, hier ausführlicher zu wiederholen.

Msgr. Bracco wurde nicht bloß von seinem Klerus und Volk und von den zahlreichen Fremden, die jährlich in den Mauern der heiligen Stadt zusammenströmen, sondern selbst von den Schismatikern und Ungläubigen wie ein Heiliger verehrt. Dies beweist auch die innige Teilnahme, die sich von allen Seiten zu erkennen gab, als die unerwartete Trauerkunde von seiner schweren Erkrankung sich verbreitete. Schon seit längerer Zeit fühlte Msgr. Bracco seine Kräfte schwinden.

Als er am 6. Juni der sakramentalen Segensandacht in der Pfingstnovene beiwohnte, bekam er heftige Seitenschmerzen und musste sich fieberkrank zu Bett legen. Die Krankheit, eine schwere Lungenentzündung, die bereits am 14. von vier Ärzten als hoffnungslos bezeichnet wurde, machte rasche Fortschritte. Am 13. Juni wurden dreitägige öffentliche Gebete in der heiligen Stadt und in den benachbarten Pfarreien angeordnet. Man setzte den Patriarchen von seinem Zustand in Kenntnis; sofort verlangte er nach der heiligen Wegzehrung und der letzten Ölung, die er mit inniger Andacht und voller Hingebung in Gottes Willen empfing, zu außerordentlicher Erbauung der Anwesenden, die in Tränen zerflossen. 
Gleichzeitig telegraphierte man nach Rom, um den Segen des Heiligen Vaters für den Sterbenden zu erbitten. 

Als in Jerusalem und den umliegenden Dörfern der Zustand des Patriarchen bekannt wurde, war die Trauer eine allgemeine, nicht bloß bei den Katholiken, sondern auch bei den Schismatikern. Alles betete inbrünstig zu Gott um Erhaltung seines Lebens. Viele Personen machten Gelübde, um von Gott die Verlängerung dieses teuren Lebens zu erflehen; einige boten Gott sogar ihr eigenes Leben zum Ersatz an. Ein griechisch-schismatischer Christ sagte: „Mein ganzes Vermögen besteht aus nur 400 Fr., mit denen ich mich und meine Familie unterhalte; aber gerne würde ich alles für das Leben des lateinischen Patriarchen drangeben.“ Doch Gott dem Herr gefiel es nicht, diese Bitte zu erhören.

Gegen Abend des 18., als die Vorzeichen der baldigen Auflösung sich einstellten, berief der Patriarch seinen Generalvikar Msgr. Pasquale Appodia, und sagte ihm, dass er aus ganzem Herzen seinen Klerus und seine Herde segne. Darauf wünschte er, die Missionäre und Priester, die sich im Patriarchalgebäude befanden, noch einmal zu sehen. „Monsignore“, rief der Generalvikar tief ergriffen, als alle um das Sterbelager knieten, „hier sind ihre Priester; es sind nicht alle hier, aber bitte, segnen Sie alle, auch die abwesenden, segnen Sie die ganze Diözese.“ Er erwiderte, indem er mit der Hand ein Zeichen gab: „Kommen Sie näher zu meinem Bette. – Vor allem…will ich Ihnen…etwas sagen. Ich muss Sie…um Verzeihung bitten für meine Fehler…in Worten und Werken.“ Unter Tränen versetzte der Generalvikar: „Nein, Monsignore, wir müssen um Verzeihung bitten. Sie waren uns immer ein Vater.“ – „Nein,“ fuhr der Patriarch fort, „lassen Sie mich…sprechen…ich habe bemerkt, dass ich mehr Fehler habe, als die anderen…ich bitte Sie um Verzeihung.“ Dann erhob er seine Hand und segnete uns, und wir weinten und schluchzten und küssten seine Hände. Darauf kamen die Seminaristen. „Monsignore,“ sprach der Regens, „hier sind die Seminaristen und bitten um Ihren letzten Segen.“ Er war tieferschüttert und sagte: „Gute…Kinder“, und segnete sie zu wiederholten Malen, und sie kamen einzeln heran und küssten schluchzend seine Hand. Auch eine Deputation katholischer Männer aus Jerusalem erschien, um noch einmal die Hand zu küssen, die so viel Segen gespendet; schließlich die Dienerschaft, ganz aufgelöst in Schmerz und Trauer.

Die entscheidende Stunde kam näher. Gegen 3.45 Uhr rief der Sterbende mit großer Aufregung: „Betet, ich werde versucht.“ Alle Anwesenden fielen auf die Knie. Gleich wurde der Kranke wieder ruhig und gab, während die ihn umgebenden Priester das Profiscere beteten, sanft und friedlich seinen Geist auf. Es war am hochheiligen Fronleichnamsfest, zu dessen würdiger Feier in der heiligen Stadt er so vieles beigetragen.

Die Kunde von seinem Hinscheiden rief in der heiligen Stadt und Umgebung eine tiefe Bewegung und Teilnahme in allen Schichten der Bevölkerung hervor. Der Zudrang zu der im Patriarchalpalast ausgestellten Leiche und zu dem feierlichen Pontifikalrequiem war ein außerordentlicher. 

Es zeigte sich hier so recht, welch unwiderstehliche Macht das Beispiel seines heiligen Priesterlebens, seine alle gleichmäßig umfassende Hirtentreue und seine väterliche Güte auf die Herzen selbst der ungläubigen Moslems ausgeübt. Katholiken und Schismatiker aller Riten, Protestanten, Mohammedaner und Juden, alles strömte den ganzen Tag bis zum Abend herbei, küsste die Hand des Dahingeschiedenen, nannte ihn einen Heiligen. Rosenkränze wurden an seinem Haupt angerührt. 
Ein griechisch-schismatischer Mönch legte sogar Weihrauch zu den Füßen der Leiche nieder. Es war ein gemeinsamer Trauertag für ganz Jerusalem. Währen der Nacht wurde die sterbliche Hülle Msgr. Vincenzo Braccos in der Kapelle des hl. Joseph, dem Grab Msgr. Valergas gegenüber, beigesetzt. R.I.P.


(Aus: die katholischen Missionen, 1890)

Sonntag, 3. November 2013

Der eucharistische Kongress in Jerusalem – ein Jahrtausendereignis (Teil 2)

Mar Ephrem Rahmani, später syrisch-katholischer Patriarch von Antiochien, nahm am Eucharistischen Kongress teil. Er war ein international angesehener Liturgiker.


Fortsetzung von hier

Am folgenden Morgen fand die erste Sitzung des Eucharistischen Kongresses statt. Die bei dieser Gelegenheit gehaltenen Vorträge – die Sprache war das den meisten orientalischen Bischöfen geläufige Französisch – waren ein großer Lobeshymnus auf das heiligste Sakrament.

Msgr. Gregor II., der griechisch-unierte Patriarch von Jerusalem, fasst die zeugniskräftigen Ausdrücke der Anbetung und der Liturgie der griechischen Kirche in einer gehaltvollen Studie zusammen. Besonders interessant waren seine Ausführungen über die Liturgie der „Präsanctificata“, die bei uns bloß in der Karfreitagsmesse noch üblich, während der Priester der griechischen Kirche an den meisten Tagen der Fastenzeit nur die heilige Hostie kommuniziert, die am vorausgegangenen Sonntag konsekriert und dann aufbewahrt wurde.

Der lateinische Patriarch Msgr. Piavi sprach über die Liturgie des heiligen Apostels Jakobus, die Grundlage der meisten orientalischen Sekten. Msgr. Giragiri, griechisch-melchitischer Bischof von Paneas in Syrien, untersuchte im Anschluss an das Thema des griechischen Patriarchen die drei Varianten der griechischen Liturgie: die des hl. Basilius von Cäsarea, des. hl. Chrysostomus und die der „Präsanctificata“. 

Msgr. Kandalafta, syrischer Bischof von Tripolis, hielt einen Vortrag über die syrische Liturgie, Dr. Athansius Aben-Saïd, der Vertreter des Apostol. Provikars der unierten Kopten, über die Liturgie des koptischen Ritus, die im Wesentlichen diejenige der altberühmten Kirche von Alexandrien ist und auf den hl. Markus und die hll. Basilius und Gregor von Nazianz zurückführt. 
Ihren eigenartigen Charakter erhält sie dadurch, dass sie einen fast ununterbrochenen Dialog zwischen dem Zelebranten, Diakon, dem Dolmetscher und dem Volk bildet, welches am heiligen Opferritus bis in die Details hinein teilnimmt. 

Abbé Martin, Pfarrer von Ausage (Drôme) sprach über den slawischen Ritus, wie er heute noch bei den unierten Bulgaren (ca. 60.000) im Gebrauch ist. Msgr. Rahmani, Erzbischof von Bagdad, folgte mit einer meisterhaften Darlegung des syrischen Ritus. Er wies unter anderem darauf hin, dass die Sprache seiner Kirche dieselbe sei, deren sich der Heiland bediente, als er Simon zum Felsen (Kephas) seiner Kirche machte, bei seinen Wundern, z.B. wo er das Töchterlein des Jairus zum Leben erweckte mit den Worten: Talitha cumi! (d.h.. Mädchen, stehe auf!) und endlich als ersein Opfer vollendend ausrief: Eli, Eli, lamma sabakhtani? (Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?). 

P. Michel von der Genossenschaft der Weißen Väter, die das griechisch-melchitische Seminar von St. Anna in Jerusalem leiten, führte in vortrefflicher Ausführung den geschichtlichen Nachweis, mit welcher Sorge und Liebe die Päpste von jeher die Riten der orientalischen Kirchen zu erhalten gesucht. 

Msgr. Debs, der maronitische Erzbischof von Beirut, brachte einen Aufsatz über das Dogma der Gegenwart Christi im heiligsten Sakrament in der syrisch-unierten und -nicht-unierten Kirche. Msgr. Nikolaus Cadi, griechisch-melchitischer Erzbischof von Bosra und dem Hauran, legte die in der griechischen Liturgie enthaltenen, die Verehrung des heiligsten Sakraments betreffende Zeugnisse vor. Msgr. Tazian, Bischof von Adana (armenischer Patriarch von 1910-1931), endlich verbreitete sich über die Liturgie des armenischen Ritus usw.

Diese und andere zum Teil meisterhaften Vorträge bildeten nicht bloß eine großartige Verherrlichung dieses hehren Geheimnisses, sondern brachten im Verein mit den herzlichen, durch keinen Misston gestörten Verkehr der Bischöfe aus Westen und Osten die Einheit im Glauben und das Gefühl der Zusammengehörigkeit der morgen- und abendländischen Kirche zum schönsten Ausdruck. 

Dazu kam eine in Jerusalem seit den Tagen der Kreuzzüge nie mehr gesehenen Entfaltung des kirchlichen Kultlebens, das, durch das Zusammenwirken der verschiedenen Riten, ein jeder mit der ihm eigentümlichen Schönheit sich doppelt glanzvoll gestaltete, und endlich die heilige Weihe der Andacht, welche durch die Tag und Nacht in allen Konventen, Kirchen und geweihten Stätten fortgesetzte ewige Anbetung in allen Pilgern genährt und gehoben wurde.

Ergreifend schön war, wie der oben genannte amerikanische Bischof erzählt, namentlich die Feier des hohen Pfingstfestes. Der Platz, wo einst der durch die Einsetzung des heiligsten Sakramentes und die Herabkunft des Heiligen Geistes den Christen so heiligen Abendmahlssaal gestanden, ist heute leider in den Händen des Islam, und die an der Stelle erbaute Moschee den Christen nur gegen ein Trinkgeld zugänglich. 

Da kamen die Patres Assumptionisten, die Leiter des Pilgerzugs, auf die glückliche Idee, dicht daneben einen geräumigen Platz zu mieten. Hier wurde am Fest unter einem Riesenzelt die heiligen Geheimnisse gefeiert und wohl an die hundert heilige Messen gelesen. Der Platz ist wahrscheinlich derselbe, wo einst Petrus am ersten christlichen Pfingstfest zu den Tausenden von versammelten Juden gesprochen.

Der Bischof schließt seinen Bericht: „Wie keiner, der dem Eucharistischen Kongress beigewohnt, jemals vergessen wird, was er in diesen Tagen in Jerusalem gesehen, so wird auch Jesus Christus nicht die Gebete und Bußübungen vergessen, die ihm für die Wiedervereinigung der orientalischen Christen mit ihren Brüdern im Westen unter dem einen wahren Hirtenstabe dargebracht wurden.“

In der Tat hat das Ereignis im Orient einen tiefen Eindruck hinterlassen. Möge Gottes allmächtige Gnade das angefangene Werk fördern!

(aus: die katholischen Missionen, 1895)

Der eucharistische Kongress in Jerusalem – ein Jahrtausendereignis (Teil 1)

Dieses Bild von James Tissot wird im Internet als "Latin Patriarch in Jerusalem" bezeichnet, mit Angabe des Jahres "ca. 1875", es scheint sich aber eher um eine recht detailgetreue Wiedergabe des Einzugs von Kardinal Langénieux auf dem eucharistischen Kongress in Jerusalem im Jahr 1893 zu handeln

Unsere Leser werden gewiss in den Tagesblättern und Zeitschriften dieser großartigen Kundgebung des katholischen Glaubens mit Spannung gefolgt sein. Immerhin dürften einige Ergänzungen aus weniger zugänglichen Berichten willkommen sein.

Ein nordamerikanischer Bischof, Msgr. de Goesbriand von Burlington (Vermont), der an dem Kongress teilgenommen, nennt die Idee, den diesjährigen Sitz dieser in ihrem Zweck und Wesen so schönen Versammlungen in die heilige Stadt zu verlegen, einen von Gott eingegebenen Gedanken. 

In der Tat „kann es für eine solche Versammlung“, so schrieb der Heilige Vater in seinem Zustimmungsbreve an den Bischof von Lüttich, den ständigen Vorsitzer des Kongresses, „keinen geeigneteren Ort geben, als die heilige Stadt, in welcher Christus der Herr jenes wunderbare Pfand der Liebe eingesetzt hat, und man kann mit Recht erwarten, dass die Gläubigen des Orients mit neuem heiligen Eifer für die Verehrung des allerheiligsten Sakraments erfüllt werden.“

Die Hoffnung auf die Wiedervereinigung der schismatischen Orientalen mit der katholischen Kirche ist hier nicht direkt ausgesprochen, obschon dieser Gedanke zweifellos im Hintergrund stand und auch die Gebete und Reden des Eucharistischen Kongresses davon getragen waren. 
Außerdem galt es, eine „neue Belebung der Beziehung und des Gefühls der Zusammengehörigkeit mit den unierten Kirchen der verschiedenen Riten herbeizuführen, und das ist in einer hocherfreulichen Weise gelungen“. 

Lassen wir uns von dem Berichterstatter des „Heiligen Landes“ zunächst den Einzug des päpstlichen Delegaten, Sr. Eminenz des Kardinal-Erzbischofs von Reims, Msgr. Langénieux, erzählen, der am 14. Mai stattfand. Am Bahnhof ließen alle in Jerusalem vertretenen europäischen Mächte den Kardinal durch ihre Kawasse begrüßen und machten ihm am folgenden Tag persönlich ihre Aufwartung.

„Nach den Empfangsfeierlichkeiten stieg der Kardinal zu Pferde und ritt, voran ein Musikcorps, welches aus Beirut herübergekommen war, von einer unabsehbaren Menschenmenge begleitet, zum Jaffator. 
Im Inneren der Stadt, nahe dem Tore, hatte unter dem Baldachin der Patriarch von Jerusalem, Ludwig Piavi, mit dem Weihbischof Pascal Apodia, seinem gesamten Klerus und den Seminaristen des Priesterseminars Aufstellung genommen. Er war umgeben von den Patriarchen und deren Generalvikaren der verschiedenen unierten Riten der Griechen, Armenier, Maroniten, Chaldäer, Syrer, Bulgaren. 
Aus Ägypten, vom Libanon her, aus Mesopotamien, Armenien, aus dem nördlichen Syrien und Bulgarien waren sie in den verschiedensten Trachten gekommen. Weiter standen hier Bischöfe aus Kanada, Mexiko, England, Belgien, Italien, der Schweiz, sowie die Direktoren der Pilgerhäuser in Jerusalem, namentlich des österreichischen und deutschen Pilgerhauses, mit den Priestern aus Deutschland, welche zum Kongress gekommen waren, alle mit Rochette bekleidet. 

Es war ein Schauspiel, wie es wohl selten in dieser Farbenpracht, Eigenart und Lebhaftigkeit zu sehen ist. Da stand das aus mächtigen Quadersteinen erbaute Jaffator mit seinem mittelalterlichen Zinnen, links daneben die Davidsburg, weiter links zurück der Sionsberg; die Straßen waren dicht gedrängt von Menschen aus allen Nationen und Ländern mit den buntesten und verschiedensten Trachten, wie nur der Orient sie kennt. Pechschwarze Negergesichter, dunkle Arabergestalten, gelbe Judentypen, weiße Europäer, bis tief hinein in die engen Gassen standen sie Kopf an Kopf. 
Dort oben saßen Araber mit ihren in der Luft baumelnden Beinen auf den Zinnen des Jaffatores und auf der Plattform der Davidsburg. 

Die Dächer und Balkone aller Häuser waren von Zuschauern bis zur Gefahr des Einsturzes belastet. Musik erschallte, Fahnen wehten, Evivas ertönten: Der Kardinal, feierlich einherschreitend, naht sichtlich bewegt dem Patriarchen von Jerusalem. Derselbe hält seine Begrüßungsrede; der Kardinal antwortet in einer begeisterten Ansprache mit dem Hinweis auf die Aufgaben des Friedens, welche der Kongress zu lösen habe, und auf die geistige Schönheit der Stadt Jerusalem, deren heilige Stätten er betrete. Nun stimmt der Chor das Ecce sacerdos magnus an. Wie lange mag das auf den Straßen Jerusalems nicht mehr gesungen worden sein! Dann setzt sich der Zug in Bewegung, der Patriarch geht neben dem Kardinal-Legaten unter dem Baldachin. 

Der Legat segnet feierlich die dichten Scharen, welche sich namentlich in den Querstraßen weit hinauf aufgestellt haben. Das türkische Militär bildet ein weitgezogenes Spalier; die Offiziere sind emsig beschäftigt, Ordnung zu halten. Und es gelingt musterhaft. So bewegt sich der Zug unter fortwährendem Chorgesang die engen Gassen hinab bis zur Kirche des Heiligen Grabes. Der türkische Tempelwächter steht selbstbewusst und doch voll Erstaunen auf dem Tempelplatz. 

Der Kardinal begibt sich zu kurzer Verehrung in das heilige Grab und besteigt dann den vor dem Katholikon der Griechen, deren Popen neugierig von oben herunterschauen, aufgeschlagenen Thron. Umgeben von den Patriarchen und Bischöfen, erteilt er den päpstlichen Segen, worauf er nach Ablegung der Pontifikalgewänder unter den Klängen der Musikkapelle vom Klerus zu seiner Wohnung ins Patriarchat geleitet wird. 

Es hatte sich mit seinem Einzug ein Akt vollzogen, dem man seine historische Bedeutung nicht absprechen kann. Seit sechs Jahrhunderten hat kein Kardinal mehr die heilige Stadt betreten. Papst Pius IX. konnte erst wieder das lateinische Patriarchat in Jerusalem errichten. Jetzt zog ein Kardinal-Legat seines Nachfolgers mit allen Ehren, von tausenden Katholiken begleitet, in die heilige Stadt. – Sion, freue dich!“


(aus: die katholischen Missionen, 1895)

Fortsetzung hier

Dienstag, 5. Februar 2013

Vom Moslem zum Jesuiten

Karmeliter-Kloster auf dem Berg Karmel

Nachträglich kommt uns der Nekrolog eines Missionärs zu Handen, der, obschon nur ein einfacher Laienbruder, sich um die syrische Jesuitenmission ganz ungewöhnliche Verdienste erworben hat. Br. Elias wurde am 15. August 1840 zu Kaifa von mohammedanischen Eltern geboren.
Sein Vater war Knecht im Kloster der Karmeliten auf dem Berge Karmel, ein musterhaft braver und fleißiger Mann. Die Mutter hatte eine große Andacht zur heiligen Gottesmutter und besuchte mit ihrem Kind oft das Gnadenbild in der Klosterkirche. 

Zum Jüngling herangewachsen, trat Elias gleichfalls in den Dienst des Klosters. Er lernte das Maurer- und später auch das Schmiedehandwerk und zeigte schon damals in allem eine sehr geschickte Hand, so dass sich die Mönche keinen besseren Arbeiter wünschen konnten.
Er hatte eine große Andacht zur Mutter Gottes und fehlte nie bei den Festlichkeiten in der Wallfahrtskirche. Eines Tages, als er im Gotteshause beschäftigt am Gnadenaltar vorüberging, schien es ihn, als ob die allerseligste Jungfrau mit ihrem göttlichen Kinde auf dem Altar ihn zu sich rief.
Ob Täuschung oder Wahrheit, jedenfalls fühlte er sich so mächtig hingezogen, dass er vor dem Altar sich auf die Knie warf und inbrünstig um Erleuchtung bat, den rechen Weg zu finden. Der Obere des Klosters, dem er alles mitteilte, ermunterte ihn, in seinem Gebet fortzufahren. 

Um diese Zeit arbeitete ein italienischer Maler an der Ausschmückung der Kirche. Elias war ihm als Gehilfe beigegeben. Lernbegierig, wie er war, hatte er rasch die Handgriffe und Geheimnisse der neuen Kunst sich angeeignet, und als der Maler unversehens abreisen musste, vollendete sein junger Lehrling das Werk zur vollsten Zufriedenheit.
Einst kamen während der Arbeit Leute in die Kirche. Elias schaute vom hohen Gerüst hinab, glitt aus und stürzte in die Tiefe, ohne den geringsten Schaden zu nehmen. Ihm war, als ob eine ehrwürdige Greisengestalt ihn schützend gehalten hätte. (Anm.: Wahrscheinlich wird das in den Augen des Verfassers der heilige Prophet Elias, nach karmelitischer Tradition Gründer des Karmeliterordens, gewesen sein. Wahrscheinlich setzte er das bei den Lesern voraus) 

1856 kam Herr Bini, vormals Militärarzt im Heer Napoleons I., nach dem Berge Karmel.
Elias hatte den alten Herrn zu bedienen. Derselbe war über die Anstelligkeit und den offenen Geist des jungen Mannes so entzückt, dass er ihn einlud, ihn nach Beirut zu begleiten. Elias schlug ein und nahm auch seinen Bruder Joseph dahin mit. Herr Bini ließ die beiden hier unterrichten und, wie es scheint, auch taufen. Anfeindungen von Seiten der Mohammedaner zwangen die jungen Leute, sich nach Harissa, dann nach Zahle und schließlich sie in das Haus der Jesuiten in Ghazir zurückzuziehen.
Hier fanden die beiden ihren Beruf und wurden ins Noviziat der Jesuiten nach Avignon geschickt. Später nach Syrien zurückgekehrt, leistete Br. Elias zunächst in Zahle der Mission gute Dienste als geschickter Schmied und Bauführer. 

Als dann 1869 P. Ambros Monnol, der Organisator der syrischen Mission und Gründer der Universität Beirut, den Plan fasste, die dortige Druckerei auf denselben Fuß mit den großen europäischen Druckereien zu setzen, wurde Br. Elias seine rechte Hand. Auf seine Bitte wurde er 1873 nach Paris gesandt, um in der französischen Nationaldruckerei sich gründlich auszubilden. In seinem Ordenskleid, den Tarbusch (orientalische Mütze) auf dem Kopf, stellte er sich beim Direktor vor, setzte  ihm den Zweck seiner Sendung auseinander und bat, ihn als Volontär unter seine Arbeiter aufzunehmen.
Der Direktor gewann an dem unternehmenden Laienbruder großes Wohlgefallen und kam dessen Wünschen bereitwillig entgegen. Alles war erstaunt, als er Bruder mit Schürze und Tarbusch angetan unter die gewöhnlichen Arbeiter sich mischte.
Rasch hatte er sich die allgemeine Achtung und Liebe erworben und wünschenswerte Aufschlüsse erhalten. Ein Geschäftsreisender aus London hatte ihm von einem neuen galvanoplastischen Verfahren seiner Firma gesprochen.
Br. Elias reiste nach London, gewann durch seinen Freund zutritt bei der protestantischen Firma und wurde in das Geheimnis unter der einzigen Bedingung eingeweiht, dasselbe nicht in Paris bekannt zu machen. 

Nach einjährigem Aufenthalt in Europa kehrte er nach Beirut zurück und trat als technischer Direktor an die Spitze der dortigen orientalischen Universitätsdruckerei. 30 Jahre lang weihte er derselben seine ganze ungewöhnliche Kraft und Begabung, und es ist großenteils auch sein Verdienst, dass sich dieselbe zur ersten des ganzen Orients entwickelt hat, deren musterhafte typographische Arbeiten auch in europäischen Gelehrtenkreisen sich große Anerkennung und Wertschätzung sich erworben haben.
Eine Glanzleistung, an welche Br. Elias sein bestes Können und sein ganzes Herz gesetzt hatte, ist u.a. die prachtvolle arabische Bibel, die allgemein als das schönste arabische Druckwerk angesehen wird.
Aber mehr noch. Fast alle 70 Arbeiter, die heute in der Druckerei beschäftigt werden, sind von Br. Elias herangebildet worden. Er wachte über ihrem leiblichen und geistlichen Wohl mit der Liebe eines Vaters, betete mit ihnen am Beginn und Schluss der Arbeit, besuchte sie, wenn sie krank waren, und war der Freund und Ratgeber aller.
An Sonntagen machte er mit den jüngeren gewöhnlich einen Spaziergang aufs Land oder ans Meer.
Zweimal im Jahr wurde ein großer Ausflug, um Pfingsten eine gemeinsame Pilgerfahrt veranstaltet, von Zeit zu Zeit auch dramatische Aufführungen gegeben, zu denen Br. Elias oft selbst den Text schrieb.
Der schlichte Laienbruder war denn auch eine überaus beliebte und populäre Persönlichkeit, und sein Tod erregte nicht bloß in seinem engeren Wirkungskreis, sondern auch darüber hinaus die regste Teilnahme. R.I.P.

(aus: die katholischen Missionen, 1902)