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Montag, 5. Januar 2015

So war der erste Weltkrieg in den Missionen: Der Erzbischof von Sydney gegen die ungerechte Gefangennahme von Missionären

Statue von Erzbischof Michael Kelly von Sydney

Nach einer stürmischen Reise von drei Wochen (13. Juli bis 4. August 1915) kamen die deutschen Oblatenmissionäre von Ceylon auf einem Transportdampfer in Sydney an. Sie wurden zunächst für einige Tage in ein Camp außerhalb der Stadt überführt, wo Bruder Dohren einem alten Lungenleiden, das sich auf der mühsamen Reise verschlimmert hatte, erlag. Dann brachte sie ein Küstendampfer nordwärts in das Gefangenenlager an der Trial Bay, wo sie mit etwa 200 Deutschen und Österreichern aus Ceylon, Singapur und Neuseeland in Gewahrsam sitzen. Die Missionäre werden wie Zivilgefangene behandelt und haben demgemäß das geistliche Kleid mit Weltkleidern vertauscht. Am 4. September durften sie wieder das erste Mal seit mehr als sieben Wochen die heilige Messe feiern. Die Wohnungsverhältnisse sind im Allgemeinen gut, das Klima trefflich. Der Briefverkehr wird natürlich sorgfältig überwacht und ist auf kurze englische und eine monatliche deutsche Mitteilung beschränkt.

Der Erzbischof von Sydney nahm unlängst bei einer öffentlichen Gelegenheit Stellung gegen die Internierungsmaßnahmen der Regierung. Er sei schmerzlich berührt über die Behandlung, die man den Missionären zu Teil werden lassen. Eine stattliche Zahl deutscher und österreichischer Missionäre und Schwestern seien jahrelang unter ihnen tätig gewesen, und nun sei man plötzlich an sie herangetreten mit der Nachricht, dass sie Gefangene seien und sofort abgeführt werden müssten. Diese Männer und Frauen seien Wohltäter des Volkes gewesen und hätten keine Verbrechen begangen, sondern nur Gutes bis zum Augenblick ihrer Gefangensetzung. Man könne sie ja wie gefangene Offiziere behandeln, sie aufs Ehrenwort verpflichten und unter Beobachtung stellen, aber man habe kein Recht, sie ohne Urteil wie Verbrecher einzusperren.
So apostolisch und freimütig diese Worte auch sind, sie scheinen ohne Wirkung geblieben zu sein.

(Aus: die katholischen Missionen, 1916)

Sonntag, 4. Januar 2015

So war der erste Weltkrieg in den Missionen: Hunger in der Kapuzinermission der deutschen Südsee

Rota (Quelle: CT Town)

Ein eigenartiges Licht auf die japanische [See-]Sperre wirft ein von der weltentlegenen Insel Rota am 9. Oktober 1915 eingelaufenes Schreiben, das seit Juli auf dem Weg war. Es heißt darin:

„Bei dem letzten schweren Taifun am 18. Oktober 1914…wurden die Kokos [wohl die Palmen] wieder auf ein Jahr hinaus ertragsunfähig. Die Leute bauten zwar fleißig Kamoten und Mais, aber die bis jetzt anhaltende Trockenheit hat alle Aussichten zunichte gemacht. Schließlich wurde ein Boot gebaut, auf dem im vorigen Monat einige Männer nach Saipan fuhren, um an Ort und Stelle die Not zu schildern. Ich hatte den Leuten einen Brief an P. Gallus mitgegeben, aber er durfte nicht helfen. Nicht einmal Hostienmehl durfte er mir zurückschicken. Selbst einen Brief an mich hat man ihm nicht gestattet. Es kam zwar ein japanisches Kriegsschiff hierher, brachte aber nicht mal eine Handvoll Reis. Und als wir auf dem Schiffe kaufen wollten, erhielten wir die Antwort: ‚Wir dürfen nichts verkaufen.‘ Wir sind rein dem Hungertod überantwortet. Das deutsche Geld ist um die Hälfte herabgesetzt in seinem Wert. Meine Inselbewohner haben absolut nichts Genießbares mehr. Sie essen eine Wurzel, von der Zunge und Kehle verbrannt werden. Dabei weiß man doch in Saipan, wo Reis genug ist, wie es um uns steht. Da nun unsere Not aufs Äußerste gestiegen und Gefahr ist, dass viele vor Hunger sterben, so fragte mich heute früh der erste Beigeordnete des Ortsvorstehers, ob es zulässig sei, dass ein Boot nach Guam führe und dort um Hilfe bäte. In Anbetracht der äußersten Notlage gab ich meine Einwilligung. Heute Abend, da das Wetter äußerst günstig ist, soll abgefahren werden. Diesen Brief gebe ich an die (amerikanischen) Patres von Guam mit, die hoffentlich die Güte haben werden, ihn weiter zu befördern…“

Das Boot muss die gefahrvolle Reise nach Guam wirklich glücklich bestanden haben, da der obige Brief von Guam abgestempelt ist. Ob es wieder mit Lebensmitteln auf Rota zurückkehrte, ist nicht bekannt. Doch ist mit Sicherheit anzunehmen, dass nach Darlegung der Notlage Hilfe gesandt wurde. P. Corbinian, der Schreiber des Briefs, ist allein mit einem Bruder auf der Insel.


(Aus: die katholischen Missionen, 1916)

Samstag, 16. August 2014

So war der erste Weltkrieg in den Missionen: Auswirkungen auf das Pariser Missionsseminar


Das Pariser Missionsseminar, das in Vorderindien, Hinterindien, China, Japan und Korea zahlreiche Diözesen und Apostol. Vikariate verwaltete, zählte zu Beginn dieses Jahres über 200 Missionäre dieser Länder und 103 Aspiranten unter den Waffen. 9 Mitglieder sind bereits auf dem Schlachtfeld gefallen, 18 sind schwer verwundet und 8 befinden sich als Gefangene in Deutschland, darunter der hochw. Herr Guiraud, der Direktor des Seminars. 

Zu den heiligen Weihen, die am 19. Dezember 1914 in der Kirche St. Sulpice erteilt wurden, fanden sich nur 8 Aspiranten ein, darunter 5, die die heilige Priesterweihe empfingen; 3, die im Feld standen, hatten acht Tage Urlaub zur Vorbereitung und zum Empfang der Weihe erhalten.


(Aus: die katholischen Missionen, 1915)

Freitag, 15. August 2014

So war der erste Weltkrieg in den Missionen: deutsche Missionare zwangsweise in die französische Fremdenlegion gesteckt

Fremdenlegionär der Compagnies Sahariennes

Von der Elfenbeinküste geht uns eine empörende Meldung zu. Die Freimaurer haben unter Anwendung von Gewalt die deutschen Patres Riemann, Hartz und Schmitz nach Tunesien abführen lassen und hier als gemeine Soldaten der Fremdenlegion einverleibt. Über die weiteren Schicksale der Missionäre liegen keine Nachrichten vor.

(Aus: die katholischen Missionen, 1915)

Montag, 11. August 2014

Neue Serie: So war der erste Weltkrieg in den Missionen: Pallottinermission in Kamerun

Britische Artillerie in Kamerun

Nachdem ja in den Medien anlässlich dieses zweifelhaften Jubiläumsjahrs zum Ausbruch des ersten Weltkriegs viel über das große Völkermorden berichtet wird, ist vielleicht auch eine Serie über den Krieg in den Missionen angebracht, der wohl kaum von der Presse behandelt werden wird. Nachfolgend ein Bericht aus der deutschen Kolonie Kamerun:

Die Mission der der Pallottiner in Kamerun ist durch die Engländer und Franzosen beinahe vollständig vernichtet. Bis zum 8. Dezember 1914 waren sieben Stationen ihrer Missionäre beraubt, darunter auch die Station Engelberg, die 40–50 Waisenkinder, meist Säuglinge, beherbergte. In Duala, Marienberg, Edea und Engelberg beschlagnahmten die neuen Herren sämtliche Viehbestände und plünderten Duala und Edea vollständig aus. Selbst die Gotteshäuser wurden nicht geschont. In Edea erbrachen die Soldaten die Tabernakel, zerschlugen Altartische und Statuen, schütteten die heiligen Öle zu Boden und raubten Kelche und Paramente. Der gesamte Materialschaden der Mission betrug Anfang Dezember weit über 100 000 Mark.

Vom Missionspersonal wurden 2 Brüder, die unter Waffen gewesen, als Kriegsgefangene nach Dahomey (im heutigen Benin) gebracht, 6 Patres, 2 Laienbrüder und 3 Schwestern mussten nach Deutschland zurückkehren, 25 Missionäre und Schwestern wurden nach der Insel Fernando Poo transportiert, wo sie beim spanischen Bischof Coll mit größter Zuvorkommenheit Aufnahme fanden. So stehen also 7 Hauptstationen mit wenigstens 77 Nebenschulen und 7600 Schülern verlassen und 11 000 Katholiken und 6000 Katechumenen sehen sich auf sich selbst angewiesen. Zwar haben die Missionäre von Fernando Poo aus beim englischen Oberkommandierenden in Duala, General Dobell, Protest eingelegt; aber die Worte der Glaubensboten werden einstweilen ungehört verhallen. Der Staatssekretär Dr. Solf hat sowohl der Propaganda in Rom als den Pallottinern in Limburg sein Beileid wegen der Zerstörung des 25-jährigen Friedenswerks ausgedrückt. (…)


(Aus: die katholischen Missionen, 1915)