Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

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Freitag, 14. August 2026

Nachruf auf einen heiligmäßigen Kapuzinermissionar

 

Fr. Paul of Newbridge O.F.M. Cap. (Quelle: Patrician International Newsletter, Dec. 2020)

In Mussoorie starb P. Paul Hughes [Fr. Paul of Newbridge] O.M Cap. im Alter von 80 Jahren. Er trat im Jahre 1867 in die Kongregation der St.-Patricks-Brüder ein, kam als Lehrer nach Indien und leitete dort die Kongregation als Provinzial. Allein er verlangte immer danach, als Priester in einem Missionsorden an der Bekehrung Indiens zu arbeiten. So trat er im Jahre 1887 in das Noviziat der Kapuziner zu Mussoorie ein und vollendete daselbst auch seine Studien bis zur Priesterweihe i. J. 1911 [plausibler ist wohl das Jahr 1891].

Zunächst wurde er Lehrer an der St.-Fidelis-Schule zu Mussoorie, aber sein Wunsch war, sich ganz der Heidenmission zu widmen. Schon im Noviziat hatte er mit dem Studium der hindostanischen Sprache begonnen und später machte er an freien Tagen Ausflüge in die Umgegend von Mussoorie, um die heidnischen Bewohner den Katechismus und die christlichen Gebete zu lehren. Als die Manor-House-Schule an die St.-Patricks-Brüder überging, wurde P. Paul von Bischof van den Bosch in die Eingeborenenstaaten von Simla geschickt, um dort ausschließlich der Heidenmission zu obliegen. Zunächst galt es einen Platz für eine Station ausfindig zu machen. Es wird kaum ein größeres Dorf geben, das der seeleneifrige Missionär in Begleitung seines treuen Katechisten Matthäus nicht besucht hätte. Bei jeder Jahreszeit war er unterwegs, immer zu Fuß, oft schlief er unter einem Baum oder einem überhängenden Felsen. Die Kastengesetze achtete er aufs genaueste; er reiste als Brahmine und aß nie Fleisch. Dieses Wanderleben endete schließlich mit der Gründung der Station Kilba bei Rampur 120 oder 130 Meilen von Simla an der großen Straße nach Tibet. Der dortige Radscha, Shamshere Singh, befreundete sich mit P. Paul und unterhielt auch später einen englischen Briefwechsel mit ihm. Sein Gefährte wurde P. Paulinus [Paolino da Cortona], der nachher die erste Grammatik und das erste Wörterbuch der einheimischen Sprache verfasste und heute Bischof von Imola ist.

Im Jahre 1895 wurde P. Paul nach Simla berufen, während seine Gründung in Kilba wegen zu großer Entfernung von Simla aufgegeben wurde. P. Paul hatte Kilba gerade gewählt, weil es jungfräulicher, von der protestantischen Mission unbeeinflusster Boden war. Als Pfarrer von Simla hauchte er dem katholischen Jungmännerverein neues Leben ein, setzte die katholische St.-Josephsbuchhandlung wieder instand, richtete in der Kirche einen Bücherstand ein und setzte eine Leihbibliothek in Tätigkeit. Besondere Sorge wandte er dem Dritten Orden und der Marianischen Kongregation zu, gründete einen Paramentenverein und sorgte für Hausseelsorge in den abseits geratenen Familien. Später wurde er Kaplan der Schwestern Jesus und Maria in Simla und zuletzt arbeitete er in Mussoorie. Im Jahre 1913 machte er eine Reise nach Europa, um Almosen zu sammeln.

Niemals vergaß er die Heidenmission. Noch bei seinem Tode hinterließ er 40 Neuchristen aus der Umgegend von Mussoorie, die er stets selbst unterrichtet hatte. Bis auf die letzten Tage wusste P. Paul nicht, was es heißt, krank zu sein. Als in der letzten Nacht der Arzt erklärte, es stünde ernst, sagte der Greis in irischem Humor: „Ei, was die Doktoren nicht alles wissen! Bei meiner Priesterweihe habe ich versprochen, jeden Tag die heilige Messe zu lesen. Bisher habe ich mein Versprechen gehalten, ich werde auch bis zuletzt treu sein.“ Dann nahm der Kranke wie jeden Morgen ein kaltes Bad und las die heilige Messe ohne jede Schwierigkeit. Gegen 9 Uhr [am 26.06.1925] ging es mit ihm zu Ende. Sein Geist war vollkommen klar, und eine wunderbare Glückseligkeit lag auf seinem Gesicht. „Ich hätte nie gedacht, dass es so süß sei, zu sterben“, sagte er zu P. Johannes Baptist. „Ich gehe in den Himmel und will für Sie und für alle Mitbrüder beten, die so gut mit mir gewesen sind. Ich wünsche alles zu tun, was Regel und Konstitutionen vorschreiben.“ Bruder Krispin, ein indischer Kapuziner aus dem neuen Noviziat in Sardhana, hatte eine solche Ehrfurcht vor dem Kranken, dass er ihm die Medizinen nur kniend reichte. In Freude und Friede entschlief der große Missionär, der nach dem Zeugnissen aller ein Heiliger war.

(Aus: Seraphisches Weltapostolat des hl. Franz von Assisi, 1925)

Mittwoch, 7. Januar 2026

America's missionary crusader

Frater Clifford King (standing on the right) with his confreres after having received his missionary cross for China. (Source: Chicago Province SVD)

Fr. Clifford King was born in Upstate New York in 1888 and entered the Society of the Divine Word in Techny, IL in 1909, fulfilling his childhood desire of becoming a missionary. As a seminarian, he founded the Catholic Student Mission Crusade, which soon had thousands of members and about a million in 1963.

He was sent to China in 1919, still a "frater", to replace the German SVD missionaries who had been expelled during WWI. In 1920, the young missionary was ordained to the priesthood by Bishop Henninghaus, making him the first American priest of the Society of the Divine Word. Msgr. Froewis, who would become a mentor to Fr. King, preached the ordination retreat about holiness, zeal, and learning as characteristics of a missionary.

Fr. King served in many Chinese missions over the next 20 years, only fleeing from the Japanese in 1941 as they approached Beijing. Having arrived in the Philippines, Father soon was forced to escape the Emperor's troops again, this time on a submarine! After the war, he became the secretary of Cardinal Tien, SVD, a position he held until 1960, when at the age of 72, he volunteered for a leper hospital in Papua New Guinea. "I will certainly be happy in New Guinea; because I will work among the poorest of the poor, and God's mercy will be close to us", he said about his new work.

Six years later, King returned to the States, where he wrote his autobiography "I remember" while serving as a chaplain in an Iowa hospital. "America's missionary crusader" died in Techny in 1969.

China remained his great love. He would often start conversations with the words "When I was in China".

May he have joined China's martyrs and saints in Heaven!

Samstag, 25. Oktober 2025

Unsere neuen Heiligen aus den Missionen

 

Am 19. Oktober kanonisierte Papst Leo XIV. sieben Heilige, darunter auch zwei Heilige aus den Missionen.


Mit dem heiligen Peter To Rot erhält Papua-Neuguinea seinen ersten Heiligen, einen Sohn des Landes, der in der Kirchenverfolgung des Zweiten Weltkriegs als Märtyrer für Christus und das heilige Sakrament der Ehe gestorben ist.

Peter wurde 1912 in Rakunai auf Neupommern in Deutsch-Neuguinea geboren. Seine Eltern gehörten zu den ersten Christen der Gegend und erzogen ihre Kinder vorbildlich im Glauben. Als sein Vater Angelo, selbst Katechist, vom Herz-Jesu-Missionar P. Carl Laufer gefragt wurde, ob er seinen Sohn zum Priestertum studieren lassen wolle, gab der Vater an, dass die Zeit für einheimische Priester noch nicht gekommen sei, Peter aber ebenfalls Katechist werden könne. Diesen überaus wertvollen missionarischen Dienst übte Peter To Rot bis zum heroischen Grad aus.

Als die Japaner das Gebiet 1942 besetzten, gingen sie bald gegen die europäischen Missionare vor und inhaftierten diese. Auch vor Deutschen – den Staatsangehörigen einer verbündeten Achsenmacht – machten sie nicht halt. Zunächst blieb aber die „priesterlose“ religiöse Betätigung der Katholiken uneingeschränkt. Ab 1944 setzte eine totale Kirchenverfolgung ein, in deren Rahmen selbst die Hütten der einheimischen Katholiken nach Devotionalien und religiösen Schriften durchsucht wurden. Peter To Rot wurde mit anderen Katechisten auf eine Polizeistation gebracht und aufgefordert, ihren Katechistendienst einzustellen. Er blieb fest und sagte den Gläubigen: „Sie haben unsere Priester weggenommen, aber sie können uns nicht verbieten, als Katholiken zu leben und zu sterben. Ich bin euer Katechist und werde meine Pflicht tun, auch wenn es mich mein Leben kostet.“

Durch sein entschiedenes Eintreten gegen die von den Japanern geförderte Polygamie, die zunehmend unter den einheimischen Kollaborateuren wie Häuptlingen, Richtern und Polizisten um sich griff, bahnte sich schließlich sein Martyrium an. Der Polizist To Metapa ließ Peter internieren, nachdem dieser die ehebrecherischen Pläne des Kollaborateurs durchkreuzt hatte. Nach sechs Wochen Lagerhaft wurde Peter To Rot am 7. Juli 1945, gut einen Monat vor Kriegsende, auf einer Polizeistation eine Injektion verabreicht. Nachdem wohl die tödliche Wirkung nicht schnell genug einsetzte, erdrosselte man ihn.

Er ist der Patron der Katechisten und Ehepaare. Sein Fest wird am 7. Juli begangen.


Auch die heilige Maria Troncatti F.M.A. stammte aus einem frommen Elternhaus. Ihre Heimat waren die Berge der Provinz Brescia, wo sie am 16.02.1883 geboren wurde. Schon als Mädchen wollte sie bei den Maria-Hilf-Schwestern Don Boscos eintreten, doch ihr Vater und der Ortspfarrer verpflichteten sie, bis zur Volljährigkeit zu warten. Ihre Ordensprofess legte sie schließlich 1908 ab. 

Während des Ersten Weltkriegs wirkte sie als Krankenschwester in Varazze (Ligurien). Als dort im Juni 1915 der Teiro über die Ufer trat, machte Schwester Maria in höchster Todesgefahr der Muttergottes das Versprechen, als Missionarin nach Ecuador zu gehen. Im Jahr 1922 zog Maria mit dem Missionsbischof Domenico Comin S.D.B. ins Amazonasgebiet, wo sie fast ein halbes Jahrhundert sich für das Volk der Shuar als Wunderärztin, Orthopädin, Chirurgin und Apothekerin aufopferte – vor allem aber als große Beterin, Katechistin und Friedensstifterin. Mit ihrer zärtlich mütterlichen Art verstand sie es, Herzen zu erobern. Durch diese Eigenschaft wurde Schwester Maria bekannt als die Madrecita, die liebe kleine Mutter. 

Stark ausgeprägt war ihr missionarischer Geist. So waren ihre Gedanken „immer bei den Missionen“ und sie schrieb einmal: „Jeden Tag bin ich glücklicher über meine missionarische Ordensberufung“.

 Die „Ärztin des Dschungels“ starb am 25. August 1969 bei einem Flugzeugabsturz bei Sucúa. Über die Radiostation der Shuar-Föderation erklang die traurige Botschaft: „Unsere Mutter, Schwester Maria Troncatti, ist gestorben.“

Vom Himmel aus zeigt sie sich weiter als Mutter ihres Volkes: Das Wunder zu ihrer Heiligsprechung ereignete sich an einem Shuar, dem Landwirt Juwá Juank Bosco Kankua, der von einer schweren Hirnverletzung geheilt wurde.

Sonntag, 5. Oktober 2025

Die tschechoslowakischen Bischöfe über das Gebet für die Missionen


Bischof Pavol Jantausch bei der Grundsteinlegung des Missionshauses der Steyler Missionare in Nitra (Slowakei)

Fortsetzung von hier

Diese ihre Sendung erfüllt die Kirche bis heute. Ja, wir sehen mit Freude, dass die Missionen der heiligen Kirche heute einen ungeahnten Aufschwung nehmen und sich die Begeisterung der Katholiken der ganzen Welt für die Missionen in erhebender Weise kundgibt. In der ganzen katholischen Welt weht Missionsgeist, die Völker wetteifern sozusagen in dieser Tätigkeit, so dass die heilige Kirche mit den besten Hoffnungen in die Zukunft blickt. An dieser erhabenen und heiligen Arbeit müsset auch ihr, teure Gläubige, Anteil nehmen.

Unser glorreich regierender Heiliger Vater Pius XI. hat zu Beginn dieses Jahres ein herrliches Rundschreiben erlassen, in dem er alle Gläubigen zur Arbeit für die Missionen aufruft und mit prophetischer Weisheit auch Richtlinien gibt, nach welchen diese Arbeit zu verrichten ist. Der Stellvertreter Christi, der gemeinsame Vater aller Völker, erweckt, belehrt und dringt mit väterlicher Sorgfalt darauf, dass die Missionsarbeiten bestens organisiert werden und alle Gläubigen, Priester und Laien, am Missionswerke Christi teilnehmen. Wir, eure Oberhirten, welche die Vorsehung Gottes auf den Posten dieses oberhirtlichen Amtes gestellt hat, die aber mit kindlichem Gehorsam gegen den Heiligen Vater, wie auch mit dem pflichtmäßigen Eifer für das Missionswerk erfüllt sind, wünschen nichts sehnlicher, als dass alle Weisungen des päpstlichen Aufrufes aufs treueste und vollkommenste verwirklicht werden. Darum wenden wir uns an euch, teure Gläubige, und wollen, dass jeder von euch zum Apostel des Missionswerkes werde. Wir sind überzeugt, dass ihr, in welchen der lebendige Glaube und die wahre Liebe zu Christus dem Herrn und seiner heiligen Kirche wohnt, diese unsere Anordnungen mit kindlicher Ergebenheit annehmen und bereitwillig erfüllen werden.

Wie soll also eure Missionstätigkeit im Sinne der Enzyklika des Heiligen Vaters beschaffen sein?

1. Sowohl die Bekehrung von Einzelpersonen als auch jene ganzer Völker hängt in erster Linie von der Gnade Gottes ab. Die Gnade Gottes allein kann den menschlichen Verstand erleuchten und die Herzen erwärmen, auf dass sie die Lehre Jesu Christi annehmen und sich seinem süßen Joche unterwerfen. Die Gnade Gottes muss jedoch erbeten werden. So wie einst das auserwählte Volk gefleht hat: „Tauet hernieder, ihr Himmel“ (Is. 45, 8), so müssen wir beständig beten und bitten, dass der allmächtige Gott seine Barmherzigkeit über die heidnischen Völker ausgieße und die Arbeit der Missionare segne. Wir fordern euch daher auf, mit euren Gebeten für die Bekehrung der Heiden nicht aufzuhören, und ordnen darum an:

a)       Bei den gemeinsamen Gebeten und Gottesdiensten, insbesondere bei den Rosenkranzandachten, die gewöhnlich im Monat Oktober und in der Fastenzeit gehalten werden, immer am Schlusse der Andacht ein Gebet für das Gedeihen der heiligen Missionen und ein Vaterunser und ein Ave Maria mit der Bitte: „Heiliger Franziskus Xaverius, bitte für uns!“ anzuschließen,

b)      In allen katholischen Jugenderziehungsanstalten (Seminarien, Waisenhäusern, Internaten usw.) nach den Morgengebeten täglich gemeinsam ein Vaterunser und ein Ave Maria mit der Bitte: „Heiliger Franziskus Xaverius, bitte für uns!“ für das Gedeihen der Missionen zu beten und außerdem die Jugend zu öfterem Gebete für die heilige Mission aufzufordern; denn der Heilige Vater bemerkt in seiner Missionsenzyklika: „Was könnte der himmlische Vater reinen und unschuldigen Seelen abschlagen? Außerdem erweckt ein solches Vorgehen die Hoffnung in uns, dass die zarte Jugend, die von jenem Augenblicke an, wo die ersten Blüten der Liebe in ihrem Herzen zu keimen begannen, für die Erlösung der Heiden zu wirken gewohnt war, mit Gottes Hilfe die Berufung zum Apostolate erlangen kann.“
Ähnlich wie das Gebet können auch gute Werke, Werke der Buße, der Abtötung, der christlichen Liebe und Barmherzigkeit, die auf die Meinung der Missionen verrichtet werden, die Barmherzigkeit Gottes herabziehen und Gnaden gewinnen, dass die Arbeit der Missionäre von Erfolg gekrönt sei. Außer dieser geistigen Hilfe, welcher die Missionen in erster Linie bedürfen, ist das Missionswerk auf die materielle Unterstützung der Gläubigen angewiesen. Es ist unnötig, eigens daran zu erinnern, dass die Ausbildung der Missionspriester in den Missionsanstalten ihre Reisen in ferne überseeische Gegenden, die Ausstattung und Erhaltung der Missionsstationen, Schulen und Waisenhäuser große Beträge erfordern. Diese materiellen Mittel muss die christliche Welt gewähren, denn die heidnischen Völker sind größtenteils arm und erwarten die Hilfe von den Missionären. Es ist unsere Pflicht, die Missionen auch materiell zu unterstützen, und darum möge jeder auch einen Geldbeitrag für das Missionswerk opfern …

(Aus: Steyler Missionsbote, Heft 7, April 1927)

Fortsetzung hier

Freitag, 26. September 2025

Nuntius Pacelli: Mission beherrschende Zukunftsaufgabe der Kirche

 

„Die Missionsfrage ist in den Mittelpunkt der gewaltigen Aufgaben gerückt, vor deren Lösung die katholische Kirche heute steht. Sie ist durch die Geschehnisse der letzten Zeiten ihre beherrschende Zukunftsfrage geworden. Der Heilige Stuhl weiß aber, wie viele Kräfte und Werte, natürliche und übernatürliche, die Gesellschaft des Göttlichen Wortes zu ihrer glücklichen Lösung schon beigesteuert hat und noch beizusteuern vermag. Da war es mir Ehrensache und Herzensbedürfnis, der Einladung zu dem feierlichen Akte zu folgen, durch den Ihre Gesellschaft eine größere Zahl von jungen Priestern und Missionsbrüdern als je zuvor dem Missionsfelde weiht, und so zugleich meiner dankbaren Anerkennung für opferfreudiges Wirken in der Weltmission der katholischen Kirche Ausdruck zu geben.“

-   Erzbischof Eugenio Pacelli (nachmals Pius XII.), Apostolischer Nuntius in Deutschland, bei der Aussendung von 80 Missionaren am 1. August 1927 in Steyl

(Aus: Steyler Missionsbote, Heft 1 1927/28)

Dienstag, 13. Mai 2025

Der Märtyrer vom Dongting-See –Pater Abilio Gallego Abad

(Quelle: Institutum Historicum Augustinianum)

Abilio Gallego Abad kam am 22. Februar 1895 in der spanischen Provinz Palencia als Sohn frommer Bauern zur Welt. Bereits mit 16 Jahren trat er in Valladolid in das Noviziat der Augustiner ein. In seiner Studienzeit muss er besonders durch seinen Missionseifer für China aufgefallen sein, der ihm den Spitznamen „El Chino“ (der Chinese) einbrachte. Im März 1921, neun Monate nach seiner Priesterweihe, traf er im Land seiner Träume ein. Die spanischen Augustiner der Provinz vom heiligsten Namen Jesu auf den Philippinen hatten Ende des 19. Jahrhunderts von Papst Leo XIII. das Apostolische Vikariat Nord-Hunan in Zentralchina erhalten. Dort sammelte der junge Ordensmann auf verschiedenen Missionsstationen erste missionarische Erfahrungen, bevor er seine eigenen Posten erhielt. Allgemein war P. Abilio für seine Demut und seine Armut bekannt; er lebte von kleinen Mengen einfachster Nahrung wie einer Handvoll Mais mit etwas Reis. So erhielt er bald den ehrfurchtsvollen Spitznamen „der Arme“. Sein ganzes Leben lang pflegte er eine große Liebe zur heiligen Eucharistie und zur Mutter Gottes. Diese Frömmigkeit und sein hoher aszetischer Zug verbanden sich mit seiner Liebenswürdigkeit und seinem feinen Kunstsinn. Er schrieb Gedichte und Theaterstücke, wobei er letztere als eine besonders geeignete Katechesemethode betrachtete.

Wie viele andere Missionare war Pater Abilio den häufigen Unruhen im China der 1920er Jahre ausgesetzt. In Ganfu wurden einmal seine Kirche und Residenz niedergebrannt, weshalb er nach Hankow flüchten musste. Als er im August 1933 mit seinen Katechisten Andreas Chang und dem Missionsgehilfen Karl von Hwajung nach Yochow zur Feier des Festes des heiligen Augustinus reisen wollte, wurde ihr Segelboot von Räubern überfallen. Andreas Chang und Pater Abilio Gallego wurden gefesselt und von Bord an Land geschleppt, wo beide den Tod fanden. Die Räuber schlitzten dem knienden Pater Abilio die Kehle und den Brustkorb über dem Herz auf. Die Leichen wurden am 25. August von Soldaten am Ufer des Dongting-Sees geborgen und an die Mission in Yochow übergeben, wo ein feierliches Requiem gehalten wurde, bevor man die Särge nach Yalan überführte.

Der Informativprozess für die Diener Gottes Abilio Gallego Abad und Karl Chang wurde im Jahr 2004 in der Diözese Palencia eröffnet.

Samstag, 15. März 2025

Ein Greis sprintet zur heiligen Messe

 Wir haben hier in Noma, so berichtet ein Missionar aus Südafrika, eine kleine Gemeinde von 1200 Christen, die uns vielen Trost bereitet. Der christliche Geist dringt mehr und mehr in sie ein, und die Mission macht wirklich Fortschritte. Der größte Teil unserer Neuchristen beichtet jeden Monat, nur wenige lassen es drei Monate werden; eine gute Zahl geht alle vierzehn Tage zu den Sakramenten. Am ersten Freitag im Monat erscheinen nie weniger als 200 Neuchristen am Tische des Herrn, um die Sühnekommunion des göttlichen Herzens zu empfangen. 

Kürzlich sah ich einen Greis von achtzig Jahren ganz erschöpft herankommen. „Was gibt es, mein Lieber,“ fragte ich ihn, „du scheinst recht müde zu sein?“ „Ja, Pater, ich war noch weit weg, als die Glocke läutete, und aus Furcht, zu spät zu kommen, versuchte ich zu laufen. Ich habe das schon viele Jahre nicht mehr getan. Aber der liebe Gott hat mir geholfen; ich lief, und sieh, nun bin ich gerade zum Beginn der heiligen Messe gekommen.“ Und der Alte strahlte bei diesen Worten vor Freude. Besonderen Eifer zeigten unsere Christen im Rosenkranzmonat. Täglich war die Kirche gefüllt, und zwar bereits morgens zur Sechs-Uhr-Messe, obgleich manche der guten Leute zwei Stunden weit zu gehen hatte. –Wie beschämen diese guten Neuchristen doch so viele Namenchristen in Europa!


(Aus: die katholischen Missionen, 1893)

Mittwoch, 30. Oktober 2024

Leo XIII. als Missionspapst (Teil 2)

 


Besonders deutlich trat auch seine Liebe zu den Missionen zu Tage, wenn Missionare vor ihrer Abreise oder nach jahrelanger Wirksamkeit in den Missionen zu seinen Füßen knieten, um den Segen Christi durch Seinen Stellvertreter auf ihre Tätigkeit herabzurufen. Er bewies denselben ganz besondere Teilnahme, erkundigte sich oft nach den kleinsten Einzelheiten, und sprach in feurigen, von jugendlicher Begeisterung getragenen Worten von der Erhabenheit ihrer Aufgabe, um ihren Mut in den unzähligen Schwierigkeiten ihres Berufs zu erhalten und zu erhöhen. Eine schöne Fügung ist es, dass gerade er bei Gelegenheit seines Priesterjubiläums drei Glaubensboten auf die Altäre erheben konnte und demnächst wiederum zehn der Ehre der Seligen teilhaft machen kann.

Sein Auge folgte den Glaubensboten mit liebevoller Teilnahme auch auf das Feld ihrer Wirksamkeit; und wo die Umstände es rätlich erscheinen ließen, teilte er die Missionssprengel, um durch Teilung des Arbeitsfeldes und Vermehrung der Arbeiter den Erfolg zu vergrößern. Wohl wissend, wie sehr das Wirken der Missionare durch den Schutz der Regierungen und Landesfürsten erleichtert und gehoben werden würde, trat er mit diesen in Korrespondenz, und gewann in der Tat durch Anerkennung ihrer Autorität und den Hinweis auf die kräftige Stütze, welche die katholische Religion derselben biete, die meisten für die Sache der Missionare und Neubekehrten.

(Aus: Stadt Gottes, 1893)

Samstag, 7. September 2024

Missionsgründer im Nigerdelta – P. Carlo Zappa S.M.A., Apostolischer Präfekt von West-Nigeria

 

(Quelle: https://www.missioniafricane.it/carlo-zappa-1861-1917/)

Wie Lechaptois[1], so ist auch der am 30. Januar [1917] verstorbene Apostol. Präfekt von West-Nigeria, Karl Zappa aus dem Lyoner Seminar, zu den Missionsgründern zu rechnen. Als er im Jahre 1895 zur Leitung der damaligen Apostolischen Präfektur des Oberniger ernannt wurde, hatte er einen Missionsstab von fünf oder sechs Arbeitern und 200–300 Christen auf nur zwei Niederlassungen. Aber der noch junge Mann warf sich mit Feuereifer in seine Arbeit und brachte Leben in den afrikanischen Urwald. Er entwarf einen Feldzugsplan gegen die Mächte des Heidentums und sorgte für ein geordnetes und einheitliches Vorgehen. Während er die Arbeiten der anderen überwachte und leitete, übernahm er die schwierigsten Aufgaben selber. Sein Sprengel galt bald in der Gesellschaft [Lyoner Seminar] als Mustermission. Es lag ihm weniger an der Menge als an der gründlichen Erziehung seiner Gläubigen. Und trotzdem hatte er, als er starb, eine Herde von über 5000 Christen um sich gesammelt, die sich auf 12 Haupt- und 60 Nebenposten verteilten, und das, obwohl ein Teil seines Sprengels 1911 als Präfektur Ost-Nigeria abgezweigt worden war.

Neben seiner apostolischen Tätigkeit fand er noch genügend freie Zeit zu wissenschaftlichen Arbeiten. Er besaß bedeutende Kenntnisse in der Stern-, Erd- und Völkerkunde, und mehreren französischen Gesellschaften war er ein erwünschter Berichterstatter. Er verfasste außerdem ein Wörterbuch der Ibo-Sprache.

Als er sich dem Tode nahe fühlte, ließ er sich in den Hauptort der Mission Assaba bringen, wo er sterbend ankam. Er verschied in Gegenwart und wurde von seinem treuen Freund, dem Nachbarpräfekten P. Shanahan, bestattet.

(Aus: die katholischen Missionen, 1918)


[1] Msgr. Adolphe Lechaptois M.Afr., Apostolischer Vikar von Tanganjika

Dienstag, 20. August 2024

The glorious vocation of the missionary brother

Missionary brothers working with their apprentices in the Benedictine mission of Inkamana (South Africa)

"The missionary brother is the unknown apostle in the Catholic world mission. Inflamed by the love of God and of the souls in the heathen world, the missionary brother sacrifices his own self and all that is dear to him to help the missionary [priest] in foreign countries in converting, teaching and educating the natives.

The missionary brother carries out his apostolic work through the work of his hands. The calluses of his hands spell out the sermon of the price, but also of the blessing of Christian labor.

The missionary brother is of the greatest importance for the missionary priest, for the missionary work and for the missionary country. Without the dedicated work of the missionary brothers, the work of the missionary priests would experience the greatest obstacles. It is only through the missionary brother that the missionary's hands are freed for the service of souls. The missionary brother keeps many financial worries and expenses away from the mission; he takes care of the temporal, the material work, the house and the farm; he complements the missionary in conversion work, teaching and education. The missionary brother doubles the missionary's strength in many respects. Without a missionary brother, the missionary priest's hands are very often tied. The missionary brother is really the missionary's helping, supporting and complementary brother."

This quote by the great missiologist Fr. Robert Streit, O.M.I. emphasizes both how important the missionary brother is for successful missionary work and yet how little attention and appreciation this vocation has received—one might argue that it is virtually unknown in our days. Let us therefore take a closer look at the essential vocation of the missionary brother using historical examples.

Tradesmen of God

Since the discovery of the Americas, which ushered in the modern missionary era, missionary work has been mainly organized around mission stations that often resemble the monastic foundations that evangelized and civilized large parts of Europe. In addition to churches or chapels, many such mission stations had their own farming operations, workshops, schools, and sometimes also pharmacies and infirmaries. Naturally, this requires many skilled persons to fulfill these tasks—or in the early days of a particular mission, a small number of brothers who each had a great variety of skills. Before leaving for China in the mid-1880s, Br. Joseph Overlöper, S.V.D., a carpenter by trade, learned several other skills as well: candle making, soap making, glazing, bricklaying, painting, farming and gardening.


As Br. Joseph’s case shows, construction and farming skills understandably stood in very high demand in the missions. Many significant church buildings that could rival their European counterparts were constructed under the supervision of missionary brothers. Br. Petrus Gernert O.S.B., one of the Martyrs of Tokwon, oversaw the construction of Tokwon Abbey in Korea, in addition to directing the landscaping work surrounding the vast monastic premises. He also built several other chapels and churches for the mission in central Korea.

Some regions of the world posed particular difficulties with regard to building materials: virtually all churches in Papua New Guinea, from chapels to cathedrals, were built from wood. The wood had to be sourced from the country’s dense jungles, which meant that missionary brothers had to spend months at lumbering sites where they worked with their native crews.

Bishop Henninghaus with S.V.D. brothers in China

Brother cook’s demanding work was not as visible but played an essential role in maintaining the health and good spirits of the missionaries. When missionaries from far afield assembled at the main mission station for conferences and much needed vacations, the cook would serve European dishes that were a welcome dietary change for men who often only lived on sparse rations of native food.

The brothers who served as medics and pharmacists were not only able to cure diseases for which the sick could not find help among traditional healers, they opened the gates of Heaven to many, young and old, by instructing and baptizing patients who were at the doorstep of eternity.

The cathedral of Alexishafen, Papua New Guinea

Their trades often brought missionary brothers into close contact with the people of the country, with fellow workers, apprentices, patients or clients—and sometimes even with the powerful of this world. In the early stages of a mission among populations that lived as hunter-gatherers, the missionary brothers were the ones who introduced the future Christians to organized farming and crafts, thus ensuring a degree of material wellbeing that enabled a sedentary lifestyle and instilling knowledge that helped the natives keep pace with an increasingly Europeanized colonial society. In East Asia, missionary brothers took part in the technological exchange, especially at the Court of the Chinese Emperors. Brother Franz Stadlin, S.J., an expert watchmaker from Switzerland, was held in the highest regard by the Kangxi Emperor. When Stadlin died in 1740, the emperor held a lavish funeral ceremony for this humble religious. Many missionary brothers received deep insights into the culture and the language of the peoples of their missions. Several S.V.D. brothers were known as excellent speakers of the Chinese language who understood the Chinese mindset well. A popular brother could make a great apostle and increase the reputation of the missions among non-Christians significantly.

True missionaries

The missionary brothers were true missionaries, not only because they did all their work as consecrated men in the service of God and His Church, but also in virtue of their teaching and spreading the faith directly. Already in the early stages of the modern missionary period, St. Francis Xavier was keenly aware of the need for lay missionaries to complement missionary priests when educating children. As early as his first year in the missions, Francis Xavier asked St. Ignatius to send him auxiliary missionaries to teach children. Later he expressed the desire that every large missionary station with at least two priests would receive an auxiliary teacher to teach the catechism to children, visit the sick and baptize dying children. Saint Pedro de Gante is a premier example of a lay brother whose apostolate largely revolved around direct missionary work. He devised an innovative pictographic catechism with which he reached thousands of natives in Mexico in the early stages of the evangelization of the New World.

Pictographic catechism by Saint Pedro de Gante explaining the Most Holy Trinity

Men of prayer and sacrifice

“In the missions, they [the missionary brothers] shall love the natives with a tender and deep love, they shall pray without ceasing for their salvation and be willing to sacrifice everything for the spiritual benefit of their poor souls” (Chapter 8, Article 2 of the constitutions of the Spiritans)

In the lives of more than a few missionary brothers, we see this rule that Venerable Francis Libermann drew up for his own religious faithfully put into practice. The aforementioned Br. Joseph Overlöper preferred to travel at night so he could dedicate himself to undisturbed prayer. Br. Konstantin, a missionary in Togo, was the beekeeper of the S.V.D. mission. Countless times he was stung in the process, but the good brother turned it into a penance that he offered up for the success of the missions: “It does not matter. This is for the poor heathens.” How many hours did missionary brothers spend in front of the tabernacle after a day of exhausting work, in many cases in tropical climates!

Numerous missionary brothers sacrificed their health, dying an early death in the service of the missions. And there were brothers whom God chose for the highest form of sacrifice, martyrdom. Such was the case with St. Andreas Bauer, O.F.M., who was killed during the Boxer Rebellion in China, or the 13 Missionary Benedictine brothers who died in Communist death camps during the Korean War and whose beatification process has been initiated, just to name a few.

The missionary brother is not only an essential handyman for the missions, but he is also a true apostle. May we see a resurgence of this beautiful vocation.

Samstag, 27. Juli 2024

Das Gebet – eine wahre und dringende Missionshilfe

 Das Missionswerk ist mehr als jedes andere ein Werk der Gnade und darum des Gebetes. Der heilige Paulus, der größte aller Missionare, bittet herzlich um Gebetshilfe: „Betet, Brüder, für uns, damit das Wort des Herrn seinen Lauf habe und verherrlicht werde!“ So klingt es auch immer in den Briefen aller Missionare wieder: Betet für uns!

Die Gnade ist das Almosen des Himmels bei der Bekehrung der Heiden. Jede Gnade aber muss verdient und herabgezogen werden durch Gebet: „Bittet, und ihr werdet empfangen!“ Kein Gebet, keine Gnade; wenig Gebet, wenig Gnade; viel Gebet, viel Gnade. Für die Bekehrung der großen heidnischen Welt aber ist viel, sehr viel Gnade nötig. Ohne diese ist alles Menschenmühen umsonst.

Das Gebet ist also eine wahre und dringende Missionshilfe, die dem Werk der Glaubensverbreitung noch mehr nottut als die materielle Unterstützung, von deren Notwendigkeit wir alle überzeugt sind.

(…) Planmäßig muss das Gebet für die Mission überall eingeführt und eingewöhnt werden. Kirche, Schule und Familie müssen darin zusammenwirken. Besonders muss der christliche Unterricht die Pflicht, Schönheit und Dringlichkeit des Gebetes für die Missionen immer wieder einprägen und praktisch einüben. Bei den kirchlichen Volksandachten sollte oft auch der Mission gedacht werden; in der Schule, beim Morgen- und Abendgebet, beim Besuch der heiligen Messe und Empfang der heiligen Sakramente, beim Kreuzweg und Rosenkranz, überall könnte und müsste das große Anliegen der Kirche, die Rettung von 1000 Millionen Ungläubigen, die mit uns auf der Welt leben, im fürbittenden Gebete Gott empfohlen werden.

P. Hermann Fischer S.V.D. in „Beispielsammlung aus der Heidenmission für den christlichen Unterricht“ 

 

Sonntag, 10. März 2024

Missionarisches Seufzen beim heiligen Charles de Foucauld

 


Aus seiner Zeit im Trappistenkloster im syrischen Akbes, wo er auch die Christenverfolgungen durch Türken und Kurden aus nächster Nähe erleben musste, stammt dieser Satz des heiligen Charles de Foucauld, der sein missionarisches Herz offenbart:

„Man kann nicht unter diesen unglücklichen Moslems, Schismatikern und Häretikern leben, ohne nach dem Tag zu seufzen, an dem sie das Licht sehen.“

(Quelle: Association Clarifier)

Samstag, 4. November 2023

„Pater Claver“ – der Diener Gottes Nicolau Rodrigues Campo S.J.

 

Pater Nicolau Rodrigues Campo S.J.
(Quelle: Covilhã - Subsídios para a sua História

Neulich stieß ich auf die Lebensbeschreibung des heiligmäßigen und doch wenig bekannten Jesuitenmissionars Nicolau Rodrigues Campo, der sowohl in Westafrika als auch in Cartagena in Kolumbien, dem Wirkungsort des hl. Petrus Claver, missionarisch tätig war. In seiner Nachahmung des großen Jesuitenmissionars Claver brachte er es soweit, dass man ihn gemeinhin „Pater Claver“ nannte. Hier der Text aus dem Artikel von P. Kneller S.J.:

Ganz und gar kein Gelehrter war ein anderer der obigen Liste, Nicolaus Rodriguez . Gott will freilich, daß man in der Arbeit für die Seelen auch die natürlichen Mittel anwendet, er pflegt aber mitunter sehr deutlich zu zeigen, daß schließlich der Erfolg von der Beseelung des Natürlichen durch das Übernatürliche abhängt, und zwar zeigt er das dadurch, daß er den Mangel natürlicher Gaben überreich durch übernatürliche ersetzt. Beispiel dafür sind etwa Joseph von Cupertino und der Pfarrer von Ars. Ein weiteres ist auch Nicolaus Rodriguez. 

Als nach seinem Eintritt in den Orden die Zeit herannahte, durch die Gelübde sich zu binden, soll der Provinzial angeordnet haben, ihn wegen seiner schwachen Begabung nicht zuzulassen, der Brief ging aber verloren, und so legte er seine Gelübde ab. Der Provinzial schien aber richtig geurteilt zu haben; schon nach dem ersten Jahre seiner philosophischen Studien bedeutete man ihm, es sei unnütz, diesem Wissenszweig noch längere Zeit zu widmen, er war im Examen glänzend durchgefallen. Aber nun zeigte sich, daß Metall, und edles Metall, in dem Mann steckte. Er verzweifelte nicht, sondern sagte sich: Will Gott mich nicht zum Gelehrten, so doch zum Heiligen. Schon in seiner Jugend hatte das Verlangen nach Heiligkeit ihn mächtig ergriffen, das Verlangen nach dem Martyrium, das ihn sein ganzes Leben nicht verließ, erfaßte ihn schon damals, und als er einmal nach einer Zeit des Leichtsinns sich wieder zurechtfand, entfloh er als Siebzehnjähriger vom Vaterhaus, um Einsiedler zu werden. Seinem Streben versagte Gott nicht den Erfolg, nach allgemeinem Urteil gelangte er zu einem sehr hohen Grad von Heiligkeit. Er bedurfte ihrer im späteren Leben. Nach zweijährigen Bemühungen um die nötigen theologischen Kenntnisse und dem zweiten Noviziat arbeitete er auf der afrikanischen Insel Fernando Poo. In dem mörderischen Klima hielt er acht Jahre aus, bis die Mission aufgegeben wurde. Dann war er zu Covilhao in Portugal 25 Jahre lang tätig; von dem Ansehen, das ihm seine Heiligkeit verschafft hatte, zeugt die Tatsache, daß er einen Volksauflauf, den der Bischof und die bürgerlichen Behörden nicht beruhigen konnten, durch wenige ganz einfache Worte beilegte. 

Die Sehnsucht nach den Missionen ließ ihm aber keine Ruhe. Immer wieder bat er die Obern, ihn in die Übersee zu schicken. An Gründen, den Bitten nicht zu willfahren, fehlte es nicht. Er war schon über 60 Jahre alt, die Strenge seines Lebens hatte die Gesundheit untergraben, er trug schon von seiner Wirksamkeit auf Fernando Poo her eine große Wunde an der Hüfte. Er ließ indes mit Bitten nicht nach, bis man ihn 1896 in die Stadt des hl. Petrus Claver, nach Cartagena in Columbien, sandte. Unter der glühenden Sonne dort und in der schwierigen Mission am Magdalenenfluß nahm er unglaubliche Mühen mit unglaublich großem Erfolg auf sich. Unermüdlich durchwanderte er trotz seines Greisenalters die Städte, Dörfer und Hütten. Man nannte ihn nur den „Pater Claver“, und er war in der Tat ein vollkommener Nachahmer von Clavers Nächstenliebe und beständiger Abtötung. Die vielen Wanderungen in der Sonnenhitze hatten nun zur Folge, daß seine Wunde wieder aufbrach. Aufs Krankenlager hingeworfen, meinte er, wenigstens jetzt sie dem Arzt zeigen zu müssen, der ganz erschrocken über den Anblick äußerte, nur ein Heiliger habe mit einer solchen Wunde solche Arbeiten auf sich nehmen können. Der Kranke sollte sich nicht wieder erheben. Am Fest seines Vorbildes Peter Claver, am 9. September 1900, ging der Unermüdliche in die ewige Ruhe ein. Der Bischof selbst stand ihm im Tode bei und hielt ihm nach einem feierlichen Begräbnis die Lobrede.

(Aus: C.A. Kneller: Zur Geschichte der Heiligkeit in neuester Zeit. Zeitschrift für Aszese und Mystik, Heft 11/1936)


Sonntag, 29. Oktober 2023

„ Tragt Christus in die Welt hinein“ – Johannes Joseph van der Velden als Leiter des Franziskus-Xaverius-Missionsvereins


Der spätere Aachener Bischof Johannes Joseph van der Velden war eine prägende Gestalt der deutschen Missionsbewegung vor dem Zweiten Weltkrieg. Seine Arbeit als Generalsekretär des Franziskus-Xaverius-Missionsvereins beschreibt sein Biograf so:

„Stets blieb er mehr Seelsorger als Organisator. ‚Der Seelsorger in ihm war es, der seine Tätigkeit an der Missionszentrale mit dem Blick auf die Heilsaufgabe der Kirche in der ganzen Welt bestimmte.‘ Mission war ihm Wesensaufgabe der Kirche. Das Ziel seiner Arbeit sah er in einer Verinnerlichung des Missionswesens in der Heimat. Es galt, den Missionsgedanken im Rahmen einer überdiözesanen Missionswerbung in das religiöse Denken von Priestern, Volk und Jugend zu tragen. ‚Tragt Christus in die Welt hinein‘ war der Weckruf, den van der Velden wie einen Brand in die Herzen der Gläubigen warf. Tausenden legte er die Verantwortung der europäischen Kirche für die wachsende Missionskirche ans Herz. Viele Missionsberufe hat er geweckt. In zahlreichen Vorträgen für Lehrer und Erzieher warb er für die Missionskatechese in der Schule.“

Gebe uns Gott wieder viele, viele Katholiken, die sich für den Missionsgedanken voll einsetzen.


(Quelle: August Brecher: Bischof mitten im Volk. Johannes Joseph van der Velden 18911954)

Donnerstag, 3. August 2023

Große Gedanken

Der heilige Guido Maria Conforti bei der Visitation seines Ordens in China

Wir leben wohl in einer Zeit, in der es innerhalb der Kirche nur noch wenige große Gedanken und Hoffnungen gibt, besonders, wenn sie sich auf das Reich Gottes auf Erden beziehen. Hatte der heilige Ignatius von Loyola noch alles zur größeren Ehre Gottes tun wollen, ist die Idee der „Ehre Gottes“ wohl den meisten Katholiken völlig fremd geworden. 

Der heilige Guido Maria Conforti war ein Heiliger vom Schlag des hl. Ignatius, nahm er sich doch dessen größten geistigen Sohn, den hl. Franz Xaver zum Vorbild. So hatte er große Ziele und große Hoffnungen. Er sagte einmal: „Wir brauchen nicht 3000 Missionare für China, sondern 50.000! Ich sehne den Tag herbei, an dem ganz China als christliche Nation bezeichnet wird!“ 

Solche Gedanken kann unser Zeitalter der Kleinmut nur zu gut gebrauchen.

Ad maiorem Dei gloriam!

Sonntag, 26. März 2023

„Es werden mich selig preisen alle Geschlechter“: Unsere Liebe Frau von Madhu (Sri Lanka)

 

(Quelle: Virgendelosremedios)

Im Nordwesten Sri Lankas, etwa 150 km südlich von Jaffna, liegt der Marienwallfahrtsort Madhu. Die Region ist seit dem Beginn der portugiesischen Herrschaft über Sri Lanka im 16. Jahrhundert stark katholisch geprägt. In dieser Gegend war der heilige Franz Xaver selbst als Missionar tätig gewesen. In Mantai, einem alten Umschlagsplatz an der Küste, baute man im 17. Jahrhundert eine Kirche, in der ein Bild der allerseligsten Jungfrau verehrt wurde.

Die Verfolgung der katholischen Religion durch die calvinischen Niederländer, die ab 1658 über die Insel herrschten, veranlasste eine Gruppe von Gläubigen aus 20 Familien dazu, im Jahr 1670 mit dem Gnadenbild ca. 40 km ins Landesinnere in den unwegsamen Urwald zu flüchten, um dort eine neue Kirche zu errichten. An diesem Ort soll auch der heilige Joseph Vaz, der „Apostel Ceylons“, gewirkt haben. Die Gründung ging durch das Auftreten von Seuchen nach einiger Zeit zu Grunde. Als jedoch unter der britischen Herrschaft die religiöse Duldung wieder Einzug hielt, begab sich im Jahr 1872 der Apostolische Vikar Jaffnas, Msgr. Bonjean aus der Gemeinschaft der Oblaten der unbefleckten Jungfrau Maria, daran, eine neue Wallfahrtskirche zu bauen, die Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz gewidmet ist. Aufgrund der Abgelegenheit wurde die Kirche erst unter Bonjeans zweitem Nachfolger Henri Joulain fertiggestellt.[1] Der 60 Meter lange neobarocke Bau konnte mit den Spenden einheimischer Katholiken errichtet werden. Die dort verehrte Marienstatue ist eine Madonna im europäischen Stil mit dem Jesuskind auf dem Arm, das als Zeichen seiner Königswürde nach singhalesischer Tradition einen Sonnenschirm hält. Die Statue samt Kind ist vollständig in einen weiten Mantel gehüllt, der meist weiß oder blau ist; die Kleider der Statue werden gelegentlich gewechselt. Sie hat ihren Platz  im einfachen neugotischen Holzaltar.

Ähnlich wie die beiden wichtigsten chinesischen Marienwallfahrtsorte ist auch Madhu bedeutend gewachsen. Waren es am zum Ende des 19. Jahrhunderts 12.000 Pilger, die am Hauptwallfahrtstag, dem Fest Mariä Heimsuchung am 2. Juli, zu Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz pilgerten, wurden es 1924 ca. 150.000. Anlass für die große Zahl der Pilger in jenem Jahr war die Krönung der Madonna durch Erzbischof Coudert von Colombo im Beisein der übrigen Bischöfe Sri Lankas.[2] Ein anschauliches Bild der Wallfahrt zu dieser Zeit zeichnet der Oblatenpater Duchaussois, der berichtet, „dass in diesem Dschungel-Wallfahrtsort, wo ein aus der portugiesischen Zeit stammendes Marienbild (Mutter und Kind, letzteres mit Krone und Sonnenschirm, dem Zeichen der Königswürde) verehrt wird, in der Hauptwallfahrtszeit 30–40 Priester an einfachsten Beichtgittern im Freien 9 Tage lang bis in die Nacht hinein Beicht hören, während die Hälfte der Pilger zu ihrem Schmerz ohne Sakramentenempfang heimkehren muss, weil eben nicht genug Priester zur Verfügung stehen. Und dabei kommen die Leute von den Enden Ceylons und sogar vom indischen Festland in langer, beschwerlicher Reise! Neben den großen Predigten für die Pilgermassen finden unter schattigen Bäumen zwanglose Aussprachezirkel statt, in denen von Missionaren vor der lauschenden Menge die Glaubenswahrheiten gegen einen bestellten ‚Gegner‘ (meist einen christlichen Eingeborenen, der die heidnischen Anschauungen vertritt) verteidigt werden. Tagelang sind in dieser Zeit die nach Madhu führenden Straßen in Staub gehüllt. In dieser Staubwolke bewegen sich endlose Kolonnen von Ochsenkarren mit Pilgern und Massen von Fußgängern aller südindischen und ceylonesischen Rassen dem Wallfahrtsziele zu.

Auch Brahmanen und Buddhisten finden sich ein, aus Neugierde oder Glaubenssehnucht, die oft zur Glaubensbereitschaft wird. Madhu weist jährlich zahlreiche Konversionen auf. Die Massen haben keine Hotels. Das Hotel der Nomadenstadt ist der Dschungel. Die meist armen Leute – Madhu sieht jährlich nur 2000 Reiche – wohnen in Laubzelten. Jede Familie bildet aus dünnem Zweigwerk in Ellbogenhöhe einen Zaun um den gewählten Ruheplatz. (…) Arm und reich schläft nebeneinander, der Kastenstolze neben dem Paria. Das Auto steht neben dem Ochsenkarren. Vom Heiligtum Mariens in der großen Dschungelkirche, deren Holzsäulen Elefanten aus 10 km Entfernung herbeischleppten, strahlt jener Friede und Brudersinn aus, den die Gesellschaft des Mittleren Orients so sehr entbehrt.“[3]

Inneres der Wallfahrtskirche (Quelle: lakpuratravels)

Im Jahr 1944 weihte der Bischof von Jaffna, Msgr. Alfred Guyomar O.M.I., die Kirche unter dem Beisein einer großen Volksmenge. In den Nachkriegsjahren wurde die Statue Unserer Liebe Frau von Madhu zur Pilgermadonna, die in allen Pfarreien der Diözese Jaffna zur Verehrung der Gläubigen ausgestellt wurde, zunächst 1948 und dann 1974, dem von Papst Paul VI. ausgerufenen „Jahr der Versöhnung“. Im Jahr 2001 riefen die Gläubigen die Pilgermadonna besonders für den Frieden auf Sri Lanka an, da sich das Land durch den Konflikt zwischen Tamilen und Singhalesen im Bürgerkrieg befand. Dieser Krieg ging am Wallfahrtsort Madhu nicht spurlos vorüber; wie viele Gebiete des Nordens war auch der Distrikt Mannar, in dem Madhu liegt, eine der Hochburgen der Liberation Tigers of Tamil-Eelam (LTTE), einer bewaffneten separatistischen Gruppierung, die seit 1983 für einen unabhängigen Tamilenstaat auf der Insel kämpfte. In den 1990er Jahren bot der Wallfahrtsort 36.000 Binnenflüchtlingen Schutz und wurde von den Kriegsparteien als entmilitarisierter Bereich betrachtet, kam allerdings am 20. November 1999 unter Artilleriebeschuss – vermutlich durch die Regierungstruppen –, wobei 33 Flüchtlinge in der Herz-Jesu-Kapelle getötet wurden.[4] Als die singhalesischen Regierungstruppen 2008 eine großangelegte Offensive gegen die LTTE durchführte, in deren Rahmen die Rebellen militärisch besiegt wurden, kam es um Madhu erneut zu Kampfhandlungen, und die Statue der Madonna musste an einen sicheren Ort gebracht werden. Sri Lankas Bischöfe setzten sich in einem gemeinsamen Schreiben vom 23. April 2008 für ein Ende der Kämpfe rund um Madhu ein.[5]

Der Bürgerkrieg endete im Mai 2009 mit der Niederlage der LTTE und der Einnahme der Tamilengebiete durch die Regierungstruppen; im selben Jahr fanden sich zum Fest Mariä Himmelfahrt nach einigen Angaben bis zu einer halben Million Pilger ein.[6]

Auf seiner Reise nach Sri Lanka im Januar 2015 besuchte Papst Franziskus Madhu, wo er im Kontext des Bürgerkriegs und des damit verbundenen Leids darauf hinwies, dass die Mutter Gottes den Mördern ihres Sohnes unter dem Kreuz verzieh und darum auch Sri Lanka auf den Weg zu mehr Versöhnung führen würde. Der Papst legte der Statue einen Rosenkranz um den Hals und hob sie zum Segen über die 300.000 Teilnehmer des päpstlichen Besuchs in Madhu.[7]



[1] Deslandes O.M.I.: U.L. Frau von Madu, ein Wallfahrtsort auf Ceylon. In: Die katholischen Missionen, Herdersche Verlagsbuchhandlung, Freiburg 1907
[2] Nachrichten über Indien und Ceylon. In: Die katholischen Missionen, Xaverius-Verlagsbuchhandlung, Aachen 1925
[3] Peters, Joseph: : Maria, seliggepriesen von allen Völkern.  a.a.O.
[4] https://www.tamilguardian.com/content/our-lady-madhu-refugee-her-own-land-bishop
[5] https://omiusajpic.org/wp-content/uploads/2008/06/bishops-demand-ltte-quit-madhu-shrine.pdf
[6] https://udayton.edu/imri/mary/o/our-lady-of-madhu.php
[7] https://www.catholicregister.org/home/international/item/19535-in-madhu-pope-tells-sri-lankans-reconciliation-requires-repentance

Sonntag, 5. März 2023

„Es werden mich selig preisen alle Geschlechter“ Kapitel 1: Maria, Königin der Missionen

 


„Mit Recht muss Maria als Königin der Missionen angerufen werden. Die heiligen Augustinus und Ambrosius nennen sie „Die Lehrerin der Völker“. Der heilige Cyrillus von Alexandrien sagt, dass durch Maria „die Heiden dem Götzendienst entrissen werden und zur Erkenntnis des wahren Gottes gelangen“. Die katholische Kirche aber ruft: „Freue dich, Jungfrau Maria, alle Irrlehren hast du allein vernichtet in der ganzen Welt!“ – Maria hat den Sohn Gottes, das Heil der Welt, für die ganze Menschheit geboren; alle Völker aller Zeiten empfangen ihn aus ihren Händen. Sie ist der erste und größte Missionär, und sie hat der Welt den Frieden durch Jesus Christus gebracht. Sie ist und bleibt Vorbild, Mutter, Beschützerin, Fürsprecherin und Königin aller Missionäre.

Nach Jesus brennt in ihrem Herzen der größte Eifer für Gottes Ehre, für die Ausbreitung des Reiches ihres Sohnes, für die Rettung aller Menschenseelen, ein glühender und alles übertreffender Missionseifer. Von ihr wollen wir lernen; zu ihr beten, damit sie das heilige Werk der Glaubensverbreitung beschütze und durch ihre mächtige Fürsprache fördere.“[1]



Pius XII. bei der kanonischen Krönung des Gnadenbilds Salus Populi Romani
(Quelle: Ambrosius007) 


So schildert P. Hermann Fischer die Bedeutung der allerseligsten Jungfrau Maria für die Verbreitung des wahren Gottesglaubens und ihre königliche Rolle im Reiche ihres göttlichen Sohnes. Marias Interesse erstreckt sich auf das gesamte Reich Ihres Sohnes, also auch auf die Ungetauften, da sie, wie Papst Pius XI. in seiner bedeutenden Missionsenzyklika Rerum ecclesiæ betont, die „gesamte Menschheit auf Kalvaria ihrem mütterlichen Schutze anempfohlen bekam, und (…) diejenigen, die von ihrer Erlösung durch Christus Jesus nichts wissen, ebenso herzlich und innig liebt, wie diejenigen, die die Wohltaten der Erlösung glücklich genießen.“ Auch Pius XII. hebt in seiner Radioansprache an die Pilger in Fatima vom 13. Mai 1946 hervor, dass „ihr Königreich so weit reicht wie das ihres Sohnes“[2]. Da die Ehre Gottes und das Heil der Seelen durch Ausbreitung der katholischen Kirche über die Welt der Hauptgegenstand der Missionsarbeit ist, so kann  der Eifer der „Magd des Herrn“, die mit ihrer Gottes- und Nächstenliebe hoch über allen übrigen Heiligen und Engeln steht, nicht übertroffen werden, wie P. Fischer an anderer Stelle schreibt:


„Ihr Titel ‚Königin der Apostel‘ ist nicht ein bloßer Ehrenname, der zwar eine sehr schöne, aber nur im Himmel geltenden Bedeutung hat. Er sagt uns vielmehr, dass Maria den Charakter und den Geist der Apostel, der (…) glühendster Missionsgeist war, in königlicher Fülle besitzt. Der unbesiegbare Missionseifer des großen Völkerapostels, vereint mit der innigen Sehnsucht eines Lieblingsjüngers nach dem Heile aller Seelen, findet sich gesteigert im Herzen ihres Sohnes, für das niemand so tiefes, seraphisches Verständnis hatte wie seine Mutter. Maria führt im Himmel kein wunschloses Dasein, sondern ihre Seligkeit ist ein unendlich süßes Verlangen für die Ehre ihres göttlichen Sohnes. Auch im Himmel ertönt wie auf Erden von ihren Lippen das unvergleichliche Fiat voluntas tua! Dein Wille geschehe!“[3]


Dieses Verlangen Marias betont auch der Schriftleiter von Die katholischen Missionen, Joseph Peters: „Mariens größter Ehrentitel ist ihre Gottesmutterschaft, und ihr größtes Verlangen muss sein, diesen Ehrentitel in seiner ganzen inhaltlichen Verpflichtung zu erschöpfen, indem sie allen durch Christus Erlösten zur Mutter wird. In Erfüllung dieses Willens hat sie die Mission der Fürbitte bei ihrem Sohne, dass er seine Erlösungsgnade über die ganze Welt ausdehne, dass er allen, die ihre Fürbitte anrufen, zur Erreichung des ewigen Zieles verhelfe. Wessen Fürbitte könnte nun mächtiger sein als die der Mutter bei ihrem göttlichen Sohne? Und so führt eine echte Einführung ins Glaubensleben den Neuchristen von selbst zur Marienverehrung.“[4]


Der Dogmatiker Carl Eckes fragt gar, ob den Ungläubigen, die noch nicht zu Christus gefunden haben, die Aufmerksamkeit der Mutter Gottes ganz besonders gilt und sie diesen die außerordentlichen[5] Wege des Heiles zugänglich macht: „Vielleicht ist sogar folgender Gedanke, weil er echtem Mutterverhalten abgelauscht ist, nicht abwegig: Weil es gleichsam anormale Kinder sind, weil sie gefährdeter sind, weil sie zu vielen Quellen des Heiles keinen Zutritt finden, wacht Mariens Mutterauge besonders sorgfältig über sie, darum sind sie ihrem Mutterherzen besonders teuer.“[6]

Per Mariam ad Jesum, durch Maria zu Jesus – dieses marianische Prinzip gilt auch für die Missionen, und bewegte die Väter des ersten chinesischen Plenarkonzils, das im Jahr 1924 in Shanghai tagte, dazu, China nicht zuerst dem heiligsten Herzen, sondern der Mutter der Gnade zu weihen: „Manche Synodalen wünschten zuerst eine Weihe an das heiligste Herz Jesu. Man brachte dagegen vor, es passe eine solche Weihe wohl für christliche Länder, nicht aber für China, das erst zu einem Bruchteil christlich sei. ‚Durch Maria zu Jesus!‘ damit war die Sache entschieden.“ [7]


(Quelle: AP Photo)


Der vorbildliche Missionseifer Marias wird auch von Papst Johannes Paul II. in seiner Missionsenzyklika Redemptoris Missio hervorgehoben: „An der Schwelle des dritten Jahrtausends ist die ganze Kirche eingeladen, das Geheimnis Christi dadurch tiefer zu leben, dass sie voll Dankbarkeit am Heilswerk mitarbeitet. Das tut sie mit Maria und wie Maria, ihrer Mutter und ihrem Vorbild. Und sie, Maria, ist das Vorbild jener mütterlichen Liebe, von der alle beseelt sein müssen, die in der apostolischen Sendung der Kirche zur Wiedergeburt der Menschen mitwirken.“

Die angeführten Zitate zeigen, wie eng die allerseligste Jungfrau mit dem Werk der Glaubensverbreitung verbunden ist, ja wie sie für den Missionseifer der Gläubigen nebst ihrem göttlichen Sohn immer das höchste Vorbild sein wird.

„Es werden mich seligpreisen alle Geschlechter“ – so sprach die Mutter Gottes in ihrem Magnificat. Die nachfolgenden Kapitel sollen zeigen, dass dies nicht nur für alle Zeiten, sondern auch für alle Zonen gilt. Gleichzeitig wird sich zeigen, wie Maria sich sowohl durch ihre Fürsprache als auch durch ihre himmlischen Erscheinungen als wirkliche Missionarin erwiesen hat.


[1] Fischer, Hermann S.V.D.: Hilf Seelen retten! Vollständiges Gebetsbuch mit vielen Belehrungen für alle Missionsfreunde. Missionsdruckerei, Steyl, 1918
[2]  A.A.S. Vol. 38, 1946
[3] Fischer, Hermann S.V.D.: Jesu letzter Wille. Missionsdruckerei, Steyl 1912
[4] Peters, Joseph: Maria, seliggepriesen von allen Völkern. In: Die katholischen Missionen. Druck und Verlag von L. Schwann in Düsseldorf 1938
[5] Sprich die Begierdetaufe mit dem zumindest impliziten Wunsch, zur wahren Kirche Gottes zu gehören.
[6] Feckes, Prof. Dr. Carl: Maria – Mutter der Ungläubigen? In: Die katholischen Missionen. Verlag Herder Freiburg 1954
[7] Weig, Georg S.V.D.: Das erste chinesische Plenarkonzil in Schanghai. In: Die katholischen Missionen, Xaverius-Verlagsbuchhandlung, Aachen 1925