Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

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Sonntag, 10. März 2019

Seliger Niels Stensen – Diasporabischof und Missionsfreund




Der größte Naturwissenschaftler des 17. Jahrhunderts, der selige Niels Stensen, war noch ein größerer Katholik. In Dänemark als Lutheraner geboren, bekehrte sich der große Wahrheitssucher bei seinem Aufenthalt in Florenz zum katholischen Glauben. Er wurde zum Priester und nur zwei Jahre später zum Bischof geweiht, um Apostolischer Vikar der Nordischen Missionen für Norddeutschland und Skandinavien  mit Sitz in Hannover zu werden – leider wird er in unserem Heimatland noch viel zu wenig verehrt.

Einer der Mitkonsekratoren bei der Bischofsweihe durch den heiligen Gregorius Barbarigo, der selbst großer Förderer der orientalischen Missionen war, war François Pallu, Chinamissionar und Mitbegründer des Pariser Missionseminars. Durch diesen erfuhr Stensen von den Nöten der auswärtigen Missionen. Er wurde der erste Kurator der großen Missionsstiftung des Paderborner Fürstbischofs Ferdinand von Fürstenberg und schrieb an seinen Gönner und Freund Großherzog Cosimo III., dass vor allem China und die Tartarei „unseres Interesses“ wert sei.

Er betrachtete die Erfüllung des Missionsbefehls Christi auch als Kennzeichen der wahren Kirche und schrieb, dass die Reformatoren sich nicht für die Heidenmission interessierten, die Katholiken hingegen „continuerlich biss auff diese Stunde das evangelium geprediget unter den Heiden und Millionen Seelen von Heidenthumb zur allgemeinen Kirchen gebracht in Afrika, India, China und America“.

Seliger Niels Stensen, bitte für die Missionen!

(Quelle: Bierbaum, Faller, Traeger: Niels Stensen, Anatom, Geologe und Bischof, Aschendorff Verlag)

Mittwoch, 4. Mai 2016

Der Kampf um die Flüchtlingsseelen



So überschrieb der Bayerische Rundfunk, zu dessen Konsum ich mich täglich zwinge, einen „Exklusivbeitrag“ auf seiner Website. Es geht dabei um evangelikale „Missionäre“, die versuchen, muslimische Flüchtlinge zum Protestantismus zu bekehren. Der Tenor ist natürlich, wie auch in der dazugehörigen Radiosendung, eindeutig ablehnend. Auch die evangelisch-lutherische Kirche nimmt kritisch Stellung. So sagte Rainer Oechsler, Islambeauftragter der EKD in Bayern, dem BR: „Ich würde unbedingt drauf achten, dass man nicht bei diesen Bemühungen um die Flüchtlinge den Islam schlecht macht. Also eine Mission, die mit der Abwertung anderer Religionen einhergeht, ist meines Erachtens nicht zulässig.“

Gott sei Dank blieb eine Stellungnahme von Seiten eines katholischen Priesters aus, da ich fürchte, sie wäre ähnlich oder noch schlimmer ausgefallen. Interessant ist das „Schlechtmachen“ oder die „Abwertung“, denn auch im Radio hieß es, die Missionäre sagten den Muslimen, das Christentum sei die bessere Religion. Die bessere Religion oder die wahre? Dies war die grundlegende Fragestellung, die die katholischen Missionäre dazu bewegt hat, größte Beschwerden auf sich zu nehmen, um in fernen Weltteilen den alleinseligmachenden katholischen Glauben zu predigen. Es ging ihnen nicht darum, eine „bessere“ Religion zu bieten, sondern die einzig wahre von Gott geoffenbarte Religion zu verkünden. Und diese Pflicht ist nicht erloschen. So sagte Bischof Christian Schreiber (1872–1933) in einem Vortrag über die Missionspflicht:

Ohne Einschränkung auf einen bestimmten Ort oder einen bestimmten Menschenkreis wird dieses Missionierungsgebot dem Priester bei der Priesterweihe auferlegt. Darum muss der Priester grundsätzlich alle Menschen missionieren. Selbstverständlich an erster Stelle diejenigen, deren Seelsorge ihm in einem abgegrenzten Bezirk durch den Bischof angewiesen wird.

Daraus ist zu schließen, dass prinzipiell jeder katholische Priester zumindest eine Missionspflicht gegenüber den Nichtkatholiken seines direkten Seelsorgskreises hat, egal, ob es sich dabei um Ausländer oder um Einheimische handelt.

Beten wir morgen am Himmelfahrtsfest, an dem unser Herr den Aposteln den allgemeinen Missionsbefehl gegeben hat, dass die katholischen Priester der Welt und besonders Europas treu ihrer Missionspflicht nachkommen. Denn beim „Kampf um die Flüchtlingsseelen“ geht es um Seelen, die nach Gottes Ebenbild geschaffen und für den Himmel bestimmt sind. Wehe denen, die durch ihre Unterlassung mit Schuld tragen, wenn diese Menschen ihr ewiges Ziel verfehlen und verdammt werden.

Donnerstag, 14. April 2016

Der kleine Karl aus dem Kongo verteidigt die Gottesmutter


Pater Joseph Fräßle S.C.J. berichtet aus seiner Mission im Kongo (in Afrikanische Missionsgeschichtlein, Band I., 1926) :

Im Dorfe Jamokonga am Kongostrand besitze ich ein Kirchlein aus Pfählen und einem Blätterdach darüber. Der Altar besteht aus vier Pfählen, auf denen grob zugehackte Bretter liegen. Über demselben hängt an der Lehmwand ein schönes Madonnenbild, „Maria, die Hilfe der Christen.“

Als an einem Sonntagnachmittag meine 120 dortigen Christen und die Taufschüler des Dorfes im Kirchlein den Rosenkranz zusammen beteten, kam ein Baumkahn voll singender Ruderer rasch über den Strom daher gefahren. Am Ufer vor dem Kirchlein legte er an, und es entstieg ihm ein Europäer. Dieser trat sofort auf die Kirchtür zu, blieb dort stehen und rief hinein: „Ha, da sind die, die eine Frau anbeten!“ Dann klatschte er die Ruderer zusammen und rief die Heiden des Dorfes herbei, trat wieder vor die Kirche und rief: „Schaut da die Frauenanbeter, und lacht über sie!“ Er meinte, damit katholische Religion wegen der Marienverehrung in den Augen dieser Heiden verächtlich machen zu können, weil bei ihnen die Frau ehrlos und rechtlos ist, nicht als Mensch gilt, gar sehr verachtet wird.

Den Christen kochte es in den Adern: sie stürzten heraus, umringten den Weißen, durchbohrten ihn mit ihren zornigen Blicken und alsbald pflanzte sich diesem Engländer gegenüber ein zehnjähriges Negerbüblein auf, das ihn nun keck anredete:

„Weißer, hast du auch eine Mutter, oder hat dich ein Hund geboren? Was sagst du dazu, wenn ich deine Mutter schmähe?“ „Probiere das einmal, du dreckiger Knirps! Dann haue ich dich mit diesem Stock in Stücke!“ „Wie, totschlagen willst du mich, wenn ich deine Mutter schmähe? Meinst du etwa, Jesus Christus, der Gottessohn hochgelobt ihn Ewigkeit, dessen Mutter wir ehren, den du aber abscheulich geschmäht hast, Er könnte, wenn Er einmal dein Richter sein wird, nicht auch einen Stock haben und dich in Stücke schlagen, wenn du seine Ihm liebe Mutter Maria beschimpfst, wo sie doch aller Ehre und Liebe würdig ist? Ersäufen wird Er dich wie eine Hundsgeburt in dem feurigen See, der Hölle heißt. Wir werden es sehen und wir werden rufen: Recht so! Denn Maria, die allerseligste Jungfrau, ist auch unsere, der Christen Mutter, und wir lieben sie, weil es auf der ganzen Erde keine Mutter gibt, so lieb, so gut, so fleckenlos und rein.

 – Und wie frech du lügen kannst! Hast du denn keine Ohren, um zu hören, was doch alle Leute hören? Haben wir etwa gesagt: Maria, Gott bist du, unser Schöpfer, unser Richter: wir beten dich an? oder haben wir nicht viel mehr gesprochen: Maria, Mutter, bitte für uns? – Kommt, christliche Brüder und Schwestern, lasst uns in die Kirche zurückgehen und weiter beten! Der Weiße soll hören und sich seiner Lüge schämen.“

Die Christen drängten in das Kirchlein zurück. Mit silberheller Stimme begann der Knabe vorzubeten: „Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeit unter den Weibern…“ Begeisterter als zuvor fielen alle Christen ein: „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder…“

„Lokuta te = das ist keine Lüge!“ schrien nun alle Heiden, die vor der Kirche draußen neben dem Europäer standen. „Die Wahrheit ist es, was der kleine Karl gesagt hat! Sie ehren die Mutter des Erlösers, lieben sie wie ihre Mutter und erflehen ihre Fürbitte. Dein Wort aber, Europäer, entspricht nicht der Wahrheit!“


Der Engländer kehrte enttäuscht in seinen Baumkahn zurück und rief seine Ruderer zur Abfahrt. Unterdessen hatten die Christen ihren Rosenkranz vollendet, traten auf den Kirchplatz heraus, umklatschten ihren tapferen Wortführer und riefen: „Karl, du hast brav gesprochen, und der Geist der Kraft hat dich beseelt! Du hast den Heiland und uns erfreut, weil du seine und unsere Mutter verteidigt hast! Wer Maria schmäht, der hat es mit uns zu tun! Wir aber wollten doppelt treu zur guten Mutter unseres Erlösers stehen; denn ihr edles Vorbild macht uns zu wahren Christen.“

Donnerstag, 12. November 2015

Die Mission in Island (Teil 2)

Die katholische Kathedrale von Reykjavik, die Christ-König-Basilika. Bei ihrer Einweihung 1929 war sie die größte Kirche des Landes. (Quelle)

Fortsetzung von hier

Eine unlängst zur katholischen Kirche übergetretene Dame hatte keine Ruhe, bis sie das römische Missale (das Messbuch des Priesters) durch einen des Lateins kundigen Protestanten hatte untersuchen lassen. Sie hatte nämlich immer gehört, dass der Priester bei der heiligen Messe über das anwesende Volk durch gewisse Zaubersprüche und Beschwörungsformeln den Fluch herabrufe. Nun konnte sie sich selbst überzeugen, wie sehr das gerade Gegenteil der Fall war.

Die tiefgewurzelten Vorurteile gegen die katholische Kirche erklären dann auch das Aufsehen und den Schrei der Entrüstung, der sich vorläufig noch fast bei jeder Konversion erhebt. Der „Unglückliche“ wird als Apostat betrachtet und dementsprechend selbst von den eigenen Eltern und Geschwistern behandelt. Es braucht wirklich Mut, um trotzdem den Schritt zu tun. Gott sei gelobt, fehlt es nicht an solchen mutigen, großherzigen Seelen. Übrigens wird die feindselige Stimmung in dem Maße schwinden, wie die noch recht kleine Zahl isländischer Katholiken wächst.
Die Hauptaufgabe der Mission besteht vorläufig darin, den Schutt der alten Vorurteile langsam wegzuräumen, und in dieser Hinsicht ist der Erfolg handgreiflich. Die arme kleine Kapelle ist jeden Sonntag angefüllt und kann oft die Leute nicht fassen. Der Isländer ist sehr wissbegierig, und diese Wissbegier oder Neugier füllt die Kirche. Man will sehen, was dort vor sich geht, und hören, was gesagt wird. So kommen viele unter den Einfluss des aufklärenden Lichts.

Gerade unter den hervorragendsten, geistig bedeutendsten Männern des Landes zählt die katholische Kirche einige aufrichtige Freunde und Bewunderer. Man höre z. B., wie der gefeierte vaterländische Dichter und protestantische Prediger Mathies Jochumson im „Nordei“, dem ersten isländischen Blatte, sich ausspricht: „Alles, was man gegen die gebenedeite Mutter, die erhabene Kirche, vorbringt, ist Unwahrheit, Lüge und Verleumdung. Alles, was die katholische Kirche, diese Versammlung der Heiligen, predigt und lehrt, hat kein anderes Ziel als Heiligung der Seelen.“
Der Obere der katholischen Mission hatte den Dichter gebeten, einige Kirchenlieder ins Isländische zu übersetzen. „Was Sie schreiben“, so erwiderte derselbe, „entspricht ganz der Wahrheit. Unsere einheimische Literatur ist reich an Dichtungen zu Ehren Mariens, und es ist daher für den isländischen Dichter sehr leicht, Lieder zu Ehren U.L. Frau zu verfassen oder zu übersetzen, und ich habe nie verstehen können, warum unser ‚heiliger‘ Vater Luther ihre Verehrung so gewaltig geächtet hat.“

Eine kräftige Stütze der Predigt bietet Spital und Schule. Das erste beweist, dass die katholische Kirche das Liebesgebot des Meisters nicht vergessen hat, die zweite, dass sie keine Feindin der Bildung und des Fortschritts ist. Beide Anstalten sind in den Händen der St. Josephsschwestern von Chambery trefflich aufgehoben. Diese haben sich die allgemeine Liebe und Verehrung in hohem Grad gewonnen. Der Ruf ihres Spitals ist weit ins Land gedrungen, und oft werden Kranke aus weitentlegenen Gegenden hergebracht trotz der Nähe protestantischer Krankenhäuser. Der frühere Stiftsamtmann von Reykjavik veröffentlichte sowohl über Spital wie Schule überaus wohlwollende lobende Aufsätze in der Presse. Auch die Schule hat sich aus sehr ärmlichen Anfängen heraus recht günstig entwickelt. Man vergesse nicht, dass Reykjavik eine Stadt von 10.000 Einwohnern ist und ganz modern eingerichtete Schulen besitzt. Das armselige katholische Schülchen erregte daher anfangs nur Spott; man dachte sicher, es würde aus sich selbst wieder eingehen. Nur sehr wenige Familien verstanden sich dazu, ihre Kinder der Schule anzuvertrauen. Aber die trefflichen Erfolge brachten bald eine Wendung. Der frühere Stiftsamtmann und mehrere angesehene Familien, ja selbst protestantische Prediger sandten ihre Kinder. Heute zählt sie 56 Kinder; es ist die höchste Zahl, die in dem kleinen unansehnlichen Bau Platz hat.

Die Lage der Mission ist also eine recht günstige; es ist nur zu bedauern, dass sie bisher die Mittel nicht aufbringen konnte, um ein würdigeres Gotteshaus und ein stattliches Schulgebäude aufzuführen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1908)

Sonntag, 8. November 2015

Die Mission in Island (Teil 1)

Marienstatue in der Kathedrale von Reykjavik (Quelle)

Seit mehreren Jahren ruht die Mission von Island in den Händen der Maristen [Montfortaner]. Sie üben dort zugleich die Seelsorge unter den zahlreichen französischen Fischern aus, die während der Sommermonate aus der Normandie und der Bretagne diese nördlichen Gewässer besuchen.

Von allen Völkern, so meint der Missionsobere P. Meulenberg, welche die Reformation vom Herzen der Kirche gerissen hat, verdient keines so sehr die Teilnahme der Katholiken wie die Isländer. Das Land hat eine glorreiche katholische Vergangenheit, die erst unter König Christian III. von Dänemark (1536–1559) ein Ende fand. Um das Volk zu täuschen, blieb auch hier die äußere Gottesdienstordnung noch bestehen. Ja noch anderthalb Jahrhunderte lang klang in den Kirchen des Landes der römisch-lateinische Choral, und die Christmesse wurde bis ins 18. Jahrhundert hinein nach dem alten katholischen Ritus gefeiert. Noten und Text waren die ursprünglichen, und neu war nur, dass die sog. Konsekration jetzt auf das Pater Noster folgte.

Bis in die neuere Zeit trug der lutherische Bischof bei feierlichen Gelegenheiten den Chormantel, den einst Papst Paul III. dem letzten katholischen Bischof von Holar, Jón Arason, geschenkt hatte. Derselbe war als Märtyrer des Glaubens gestorben und schloss die lange Reihe isländischer katholischer Bischöfe würdig ab. Heute findet sich der Mantel mit zahlreichen anderen Denkmälern der katholischen Zeit, Statuen, Kruzifixen und Kirchengefäßen im Museum von Reykjavik.

Zur Zeit, da der französische Priester Abbé Boudoin von Reims nach Island kam (1850), gingen bereits die letzten katholischen Überlieferungen ihrem Ende zu. Am längsten hatte sich die Andacht zu Maria, der reinen Gottesmutter, erhalten – war doch Island einst so recht das Land Mariens gewesen. „Die Verehrung U. L. Frau“, so gesteht der berühmte isländische Schriftsteller Dr. Jon Thorkelson, „ließ diejenige zu den übrigen Heiligen weit hinter sich zurück, waren doch nicht weniger als 150 Kirchen Islands Maria geweiht“. Derselbe Gelehrte – sein Sohn trat 1905 zur katholischen Kirche über – hat sorgfältig die isländischen Marienlieder aus vorreformatorischer Zeit gesammelt. Sie würden gedruckt einen mächtigen Band ausmachen, und es ist zu hoffen, dass die Mittel zur Veröffentlichung sich finden werden.

Zur Zeit des Abbé Boudoin sang man noch in vielen Familien Lieder zum Lob und Preis der heiligen Gottesmutter. Text und Weise wurden von der Mutter auf die Kinder vererbt. Heute scheint auch dieser letzte Rest katholischer Erinnerungen geschwunden zu sein. Das Bild der alten Kirche ist nicht nur verblichen, es ist durch den Schmutz und Staub jahrhunderterlanger Verdächtigung und Missdeutung zu einem widerwärtigen Zerrbild geworden. Man möchte oft lachen, wenn man gewahr wird, welch wunderliche Vorstellungen sich die guten Leute über Rom, die römische Kirche, ihre Priester usw. machen. Und doch steht einem das Weinen näher.


(Aus: die katholischen Missionen, 1908)

Fortsetzung hier

Donnerstag, 5. November 2015

Mehr Missionspredigten – früher wie heute


Wie der letzte Jahresbericht aufweist, hat die bekannte St. Petrus Claver-Sodalität während des letzten Berichtjahres u. a. auch 101 größere und kleinere Vorträge, 6 Paramentenausstellungen, 5 Theatervorstellung und ein feierliches Triduum im Interesse der Missionen veranstaltet. Diese mündliche Propaganda ist ein ganz besonderes Verdienst der Sodalität. In dieser Hinsicht wird katholischerseits zumal gegenüber der rührigen Tätigkeit der Protestanten verhältnismäßig wenig getan. Die sog. „Missionsstunden“ und „Missionspredigten“ für Kinder und Erwachsene bilden im protestantischen Gemeinde- und Kirchenleben sowohl in Deutschland wie in England, Amerika usw. eine ordnungsgemäß eingestellte Veranstaltung und haben eine eigene Predigtliteratur gezeitigt. In Amerika sind Missions-Wanderprediger eine ganz gewöhnliche Erscheinung.
In katholischen Kirchen dagegen ist eine Predigt über das Missionswerk der Kirche, man kann wohl sagen, eine Ausnahme und Seltenheit, und doch dürften wenige Predigten eine anregendere, erweckendere, glaubenskräftigendere Wirkung ausüben. „Ein anglikanischer Konvertit“, so schreibt der Direktor des Vereins von der Glaubensverbreitung in Boston, Rev. J. A. Walsh [einer der Gründer von Maryknoll], in einer seiner „Missionskonferenzen“, „sprach vor einiger Zeit im Londoner Tablet sein Bedauern darüber aus, dass er ‚während der letzten 20 Jahre bloß je einmal im Jahr in der Kirche aufgefordert worden sei, einen Beitrag für die Missionen in überseeischen Ländern zu geben.‘ Vielleicht könnte manche Konvertiten in diesem Lande (Amerika) noch weiter gehen und sagen, sie hätten von der katholischen Kanzel überhaupt eine solche Anregung noch nicht erhalten. Eine Klosterfrau in Kanada sagte mir, sie sei nun 25 Jahre lang katholisch, von denen sie 18 als Nonne verlebt, aber bis sie mich getroffen, habe sie niemals eine Predigt oder einen Vortrag gehört, der über die Missionen gehandelt habe.“ Das dürften in Deutschland zahllose Katholiken von sich bezeugen. 

Die Anregung, von der Kanzel herab und im Konferenzsaal planmäßig das Interesse und Verständnis für das katholische Weltapostolat zu wecken und zu fördern, ist in den Vereinigten Staaten von dem Bostoner Zweig des Vereins der Glaubensverbreitung ausgegangen und hat bereits große Erfolge erzielt. Es wäre außerordentlich wünschenswert, dass ein gleiches in Deutschland geschähe und das Beispiel der St. Petrus Claver-Sodalität allenthalben Nachahmung fände.


(Aus: die katholischen Missionen, 1907)

Donnerstag, 9. April 2015

Märtyrer im Eilverfahren – wie unkritisch der Titel Märtyrer vergeben wird



Leider finde ich erneut einen Anlass, das heikle und auch recht undankbare Thema des sofort verkündeten Martyriums von ermordeten Christen durch Blogs und andere Medien zu behandeln. Ich möchte gleich vorwegschicken, dass ich niemanden als verdammt erklären möchte und jedem Menschen von Herzen die ewige Seligkeit wünsche, wie das jeder Katholik sollte, was ja auch nicht zuletzt der Anlass für dieses Blog ist.

Jetzt zum konkreten Fall: am Gründonnerstag wurde laut Medienberichten der Campus der Garissa University im Osten Kenias von Anhängern der Al-Shabaab-Miliz angegriffen, wobei es 152 Todesopfer gab, darunter auch vier Angreifer. Anscheinend haben die mohammedanischen Terroristen unter den Studenten gezielt Christen als Opfer ausgesucht.

Leider ließ es nicht lange auf sich warten, bis wieder eine voreilige Rundum-Kanonisierung der Toten im Internet veranstaltet wurde, diesmal besonders auffällig durch den italienischen Autor Roberto de Mattei, der in einem Artikel zu dem Thema Christenverfolgung Folgendes schrieb (meine Übersetzung):

„die Sterne der 148 neuen Märtyrer leuchten hell am Firmament der Kirche. Die jungen christlichen Opfer des Islam vom vergangenen Gründonnerstag in Kenia dürfen nicht bemitleidet, sondern müssen beneidet werden, da sie die große Gnade des Martyriums erhielten.“

Diese Aussage ist schlichtweg höchst unklug. Nicht nur kann Herr de Mattei den Hergang jedes einzelnen „Martyriums“ unmöglich selbst kennen und mit Sicherheit sagen, dass jeder der Ermordeten bis zum Ende standhaft war, er zieht auch die Tatsache nicht in Betracht, dass in Kenia von den 83 % der Bevölkerung, die sich als Christen bezeichnen, nur 23,5 % Katholiken sind, und wiederum Katholiken in der katholischen Diözese Garissa nur 0,9 % der Gesamtbevölkerung von 720.000 ausmachen. Ist es da nicht wahrscheinlich, dass viele der Ermordeten gar keine Katholiken waren? Da stellt sich nun wieder die Frage, am Firmament welcher Kirche diese „Märtyrer“ leuchten. Auch die Vornamen wie Ruth, Abel, Eliud, Gideon, Faith usw. deuten wohl eher auf Protestanten als auf Katholiken hin. Auch wenn es viele Leute stört, die Kirche hat schlichtweg nie Nicht-Katholiken als Heilige oder Märtyrer verehrt. Es gibt zwar manche Kommentatoren im Internet, die das steif und fest behaupten, mit etwas Recherche stellt sich dann aber heraus, dass es sich entweder doch um Katholiken handelt oder die Betroffenen eben nicht als Heilige verehrt werden.

Und selbst wenn die Ermordeten alle Katholiken waren, kann man wohl so voreilig sein und diese gleich „kanonisieren“? Die Seligsprechungsprozesse von Märtyrern sind nicht so leicht, wie man das sich vorstellen möchte. In einer Publikation der Erzabtei St. Ottilien schrieb der Postulator für die unter den Kommunisten ermordeten Benediktinermissionäre vor einigen Jahren, dass man zunächst bei den Märtyrern die Tugenden untersuchen muss, die diese vor ihrem Tod geübt haben, um einigermaßen sicher sein zu können, dass sie bis zum Ende durchgehalten und die Märtyrerpalme errungen haben. Der heilige Alfons schildert in einem seiner Bücher, dass ein Katholik, dessen Hals von den Verfolgern schon fast durchtrennt worden war, am Ende doch noch ins Wanken geriet. Solange wir nicht durch eine kirchliche Untersuchung oder genaue Schilderungen wissen, wie der Hergang war, sollte man sich wohl mit solchen Urteilen etwas zurückhalten, was natürlich nicht bedeutet, dass das Martyrium von vorneherein ausgeschlossen werden soll.

Was am Schwersten bei dieser zunehmenden Kritiklosigkeit wiegt, ist die Tatsache, dass sie letztendlich religiösen Indifferentismus fördert. Wenn ich auch als orthodoxer Kopte, als Anglikaner, als Mennonit, als Presbyterianer usw. Märtyrer werden, d. h. die höchste Form der Christusnachfolge erreichen kann, wieso sollte ich denn da überhaupt noch katholisch sein? Ist das denn überhaupt so wichtig? Ja, in weiterer Konsequenz könnte man sagen, auch ein Jude kann Märtyrer werden, wenn er wegen des Bekenntnisses des rabbinischen Judentums ermordet wird, da er scheinbar an denselben Gott glaubt wie die Christen, wenn auch nur an einen einpersönlichen Gott. Aber gibt es nicht auch Christen, die nicht an die allerheiligste Dreifaltigkeit glauben? Dann müsste doch auch ein Jude Märtyrer werden können, immerhin ist er ja auch unser „älterer Bruder“…und so wird dann das Dogma der Heilsnotwendigkeit der katholischen Kirche immer mehr aufgeweicht. Mancher geht vielleicht nicht ganz so weit, aber es gibt auch glaubenstreue Katholiken, die durch ihre Argumentation den Eindruck vermitteln, dass nicht unbedingt jeder einzelne, aber doch ein großer Teil der Nicht-Katholiken eigentlich im unüberwindlichen Irrtum ist und bei Ermordung durch Moslems oder dergleichen gerettet wird. Fakt ist, dass man es nicht weiß, und darum sind wohl die Missionäre immer auf Nummer sicher gegangen. [Ich habe den Text hier etwas angepasst, um das von Papst Pius IX. in singulari quadam bezüglich der Grenzen des  unüberwindlichen Irrtums Gesagte nicht einzuschränken].

Hat nicht Papst Pius IX. den Satz verurteilt, dass man gute Hoffnung hegen darf für die Seligkeit aller, welche nicht in der wahren Kirche Christi leben? Darum kann ich nur abschließend sagen, dass man sich lieber mit der Missionierung von Nicht-Katholiken beschäftigen sollte, anstatt sich mit irgendwelchen Quasi-Kanonisierungen zu befassen. Hier noch ein schönes Zitat aus berufenem Munde:

„Wie kommt es, dass in der christlichen Welt neben dem heiligen Berge der katholischen Kirche noch zwei andere Berghügel im Dämmerlicht sich erheben [Orthodoxie und Protestantismus]? Warum gehören sie nicht mehr zu uns wie einst? Warum haben sie sich und bleiben sie von uns getrennt? Schmerzliche Frage, ernste Wahrheit! Die Menschen und Völker erhalten den wahren Glauben, aber sie können ihn auch wieder verlieren. Gott achtet die menschliche Freiheit. Wenn aber Gott in seiner Güte Wahrheiten offenbarte und Wege und Mittel kundtat, die zur Erlangung des Heiles notwendig sind, dann hat er auch in seiner Weisheit die Maßregeln getroffen, damit diese Rettungsmittel rein und unverfälscht in die Menschenhände gelangen. Die katholische Kirche ist diese Maßnahme der göttlichen Vorsehung. Christus baute seine Kirche auf Petrus, den Felsen, „und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen“ (Matth. 16, 18). In seiner Kirche hat Christus den Glaubens- und Gnadenschatz hinterlegt. Und zwei schützende Flammen umlodern ihn: Glaubensgeist und Missionsgeist. Ein lebendiger Glaube will und muss wachsen und sich ausdehnen. Gib deinem Glauben Missionskraft, und der Glaube wird in dir lebendig bleiben.“ - P. Robert Streit O.M.I.


Sonntag, 1. Februar 2015

Die Kapuzinermission auf den Seychellen

„Capuchin House“ in Port Victoria (Henning Leweke)

Neunundzwanzig nördlich von Madagaskar im Indischen Ozean zerstreute Inseln werden unter dem Namen Seychellen zusammengefasst. Sie stehen unter englischer Herrschaft und bilden kirchlich ein eigenes Bistum. Der Name Seychellen kommt im eigentlichen Sinn nur der nordöstlichen Untergruppe zu; dort liegt auf dem Eiland Mahé die Hauptstadt Port Victoria, zugleich Sitz des Bischofs. In südwestlicher Richtung schließen sich die Amiranten, dann die Cosmoledo- und Aldabrainseln an. Unter den 29 Eilanden sind nur 20 bewohnt. Alle zusammen haben einen Flächeninhalt von nicht mehr als 490 qkm und sind durch weite Meeresstriche geschieden. Um von den eigentlichen Seychellen aus bis zu den Amiranten zu gelangen, braucht es eine Reise, die weiter ist als eine Rheinfahrt vom Boden- bis zum Zuydersee. (…)

1909 Betrug die Zahl der Bewohner 22.049. Die Bevölkerung besteht aus Negern, Madagassen, Indern, Chinesen und Europäern; ihre Sprache ist eine französische Mundart. Der größte Teil, 21.588 Seelen, gehört der katholischen Kirche an. Die Lebensweise ist meist anspruchslos. Von den Bewohnern der Amiranten wird als Kleidung ein leinernes Lendentuch getragen. In ihrer ärmlichen Hütte findet sich nichts als eine Schlafmatte, ein Stuhl, eine Pfanne und zwei oder drei Teller. Reis und Fisch stehen an jedem Mittag und jedem Abend des Jahres auf dem Speisezettel.

Als die Seychellen 1742 von den Franzosen besetzte wurden, waren sie unbewohnt. Die Franzosen errichteten eine Strafansiedlung und gestatteten die Benützung der Inselflur als Hauptstützpunkt des ostafrikanischen Sklavenhandels. 1794 bemächtigten sich die Engländer der Eilande. 1833 wurden auf den Seychellen wie im ganzen britischen Reich die Sklaven freigelassen.

1846 schickte Südabessiniens Oberhirt, der Kapuzinerbischof Massaja, den verlassenen Siedlern einen Priester seines Ordens; dieser wurde mit großer Freude aufgenommen. Seit 1852 war das Gebiet eine selbstständige Präfektur, 1880 erhob es der hl. Stuhl zum apostolischen Vikariat und 1892 zum eigentlichen Bistum. Die savoyischen Kapuziner stellten den Bischof und sämtliche Priester. Seit 1903 kamen die Schweizer Kapuziner ihren durch die Unterdrückung des Ordens in Frankreich schwer geschädigten Brüdern zur Hilfe, und 1922 wurde ihnen das ganze Gebiet als Arbeitsfeld übertragen. Gegenwärtig befinden sich 15 Priester auf 12 weit über die Inselflur zerstreuten Niederlassungen.
Drei Priester wohnen unter den etwa 7.000 Einwohnern von Port Victoria. Hier hat der gegenwärtige Oberhirt die stark verfallene bischöfliche Kirche wieder herstellen lassen. Wesentliche Dienste leistete ihm hierbei Bruder Bonaventura Pythen, ein hervorragender Kirchenmaler; doch starb dieser schon nach anderthalb Jahren als noch junger Mann an den Folgen seiner Überanstrengung. Jeden Sonn- und Feiertag wird in dem erneuerten Gotteshaus unter großem Zulauf des Volks gepredigt und Christenlehre erteilt. Jeder Gemeinde soll mit der Zeit eine vierzehntägige Geisteserneuerung zuteilwerden, die bisher gehaltenen hatten gute Erfolge.

Die 16 katholischen Volksschulen werden von 13 Maristenlehrbrüdern, 40 europäischen und 14 einheimischen Schwestern sowie 7 eingeborenen Lehrern versehen. Die Zahl der Schüler beträgt 977, die der Schülerinnen 1134. Dazu besitzt der Sprengel Port Victoria eine höhere Schule mit 222 Zöglingen. Der Ruf dieser Anstalt ist so gut, dass auch aus Mombasa, Sansibar, Nairobi und Daressalam Eltern ihre Söhne ihr zugesandt haben. Eine katholische Töchterschule, ebenfalls in der Hauptstadt, zählt 134 Zöglinge. Für die Kranken sorgt die Kirch durch Unterhaltung von 4 Krankenhäusern und 179 Betten.

Noch bleibt viel zu leisten, und die Schwierigkeiten sind groß. Zunächst die langwierigen, ermüdenden Reisen. Zwischen Mahé und den Amiranten besteht bloß für alle 6 oder 8 Monate ein regelmäßiger Verkehr, aber nur mittels sehr gefährdeter Segler. Erst in diesem Jahr war es den Bewohnern der Amiranten vergönnt, einen Priester unter sich zu sehen. Die meisten der Leute sind getauft, auch finden sie immer wieder Gelegenheit, zur Erfüllung ihrer Christenpflichten eine der Niederlassungen auf Mahé aufzusuchen. Aber viele bleiben immer daheim. Dass ein betagter Neger oder ein altes Negermütterchen zum ersten Mal zum Tisch des Herrn tritt, ist auch im Greisenheim von Port Victoria nicht so selten.

Die größte Schwierigkeit liegt in der Geistesart der Leute selbst, in ihrer Weichheit und ihrem Wankelmut. (...) Schlimmer ist die Abneigung der ganzen Bevölkerung vor den Banden der christlichen Ehe. Die Ordnung wilder Ehen ist eine der wichtigsten und schwierigsten Aufgaben des Seelsorgers. Doch sind auch auf diesem Gebiet schöne Erfolge zu buchen.

Anfeindung findet die Kirche nur von Seiten der Protestanten. Diese, 2586 an der Zahl, sind sehr rührig und suchen namentlich die Schwarzen durch Geld an sich zu ziehen, aber ohne viel nachhaltigen Erfolg. Dagegen sind neustens wieder eine Anzahl von Protestanten und Heiden der Kirche beigetreten, unter jenen der hochangesehene Vertreter einer Handelsgesellschaft. Die Erfolge der Katholiken erregten unter den Anglikanern großen Neid. P. Aloys Crausaz zu Port Victoria wurde vor einem von jener Seite drohenden Mordanschlag gewarnt. Bald nachher fand man P. Theophil mit eingeschlagenen Rippen und gebrochenem Genick an einem Ort, wo ein Unglücksfall ausgeschlossen ist. Nach P. Aloys steht eine Ermordung außer Zweifel. Beim geringen Bildungsgrad der Seycheller wäre ein Mord um des Glaubens willen nicht so auffallend, doch wird es gut sein, über Tat und Täter neue Aufklärung abzuwarten.

Heiden gibt es im Gebiet des Sprengels 282, meist Inder und Chinesen; dazu kommen 73 Mohammedaner. Viele Nicht-Christen schicken ihre Kinder in katholische Schulen, manche Muselmänner verrichten christliche Gebete, aber der Übertritt hält schwer. So steht auch das schwach bevölkerte Bistum der Seychellen vor manchen noch ungelösten Fragen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1925)

Sonntag, 25. Januar 2015

Was Pater Damian für die Aussätzigen auf Molokai geleistet hat



Louis Stephenson, ein protestantischer Schotte, zitiert in dem Artikel „Die Aussätzigenpflege der katholischen Missionen“:

„Alle späteren Reformen sind hervorgerufen durch die Evidenz seiner Erfolge, sie sind ein Zugeständnis, das selbst der Widerwille oder die Gleichgültigkeit seinem Heroismus zu machen sich gezwungen sah. Mehrere waren vor ihm auf dem Feld, so Herr Mayer (der langjährige Regierungsintendant auf Molokai), ein Protestant, von dessen Verdiensten wir zu wenig hören; andere sind seither da gewesen, mancher mag mehr irdische Klugheit gehabt haben [wohl mit Hinblick auf die Ansteckungsgefahr], aber keiner solche Hingabe, wie unser Heiliger. Ehe er ankam, war tatsächlich wenig geschehen. Es war sein Verdienst, durch einen unerhörten Akt des Martertums das Auge der ganzen Welt auf das unglückselige Eiland zu ziehen. Auf einen Schlag und mit dem Opfer seines Lebens machte er das Fleckchen Erde weltberühmt und bekannt. Und das war eigentlich die einzige notwendige Reform, die alle anderen gebar. Sie brachte Geldunterstützung (denn die Staatszuschüsse reichten für die große Zahl nicht hin, und ihre Vermehrung war sein Verdienst), sie brachte – und das war die allerbeste Hilfe – die Schwestern, sie brachte Aufsicht und Überwachung, denn mit Damian landete auf Kalawao die öffentliche Meinung und das öffentliche Interesse. Wenn je ein Mann Reformen brachte und starb, um dieselben zu bringen, so war es Damian.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1903)

Freitag, 9. Januar 2015

Was ist in Belgisch-Kongo wirklich passiert?


Die Kongo-Ausstellung in London. Der Feldzug der englisch-protestantischen Missionsgesellschaft „gegen die Gräuel in Belgisch-Kongo“ dauert fort. Das letzte Ziel der ganzen Bewegung ist klar genug. Man gönnt dem kleinen katholischen Belgien seinen herrlichen, ihm durch die Berliner Konferenz vom 25. Februar 1885 zugesprochenen Besitz nicht und sähe ihn lieber unter britischer Oberhoheit. Daher macht man es wie weiland Amerika, als es die „spanischen Untaten“ auf Kuba und den Philippinen „enthüllte“, um einen Vorwand zum Einspruch und zur schließlichen Besitzergreifung zu gewinnen. Stimmungsmache gegen Belgien war auch der Zweck der Kongo-Ausstellung, welche die englische Baptistenmission unter Mitwirkung der amerikanischen Baptisten, der „Kongo-Balolo-Mission“ und der „schwedischen Mission“ in den Sälen der Königl. Gesellschaft für Gartenkunst in Westminster im September bis Oktober [1909 oder 1910] veranstaltete.

Was hier in verschiedenen Abteilungen von den Produkten des Kongogebietes, den häuslichen und religiösen Sitten und Gebräuchen der Eingeborenen, der Tätigkeit der protestantischen Mission vorgeführt wurde, war ja ganz schön, diente aber nur als Aushängeschild, um das Publikum zu den Vorträgen zu ziehen, die von protestantischen Predigern und Missionsfrauen über die „Gräuel am Kongo“ gehalten werden. Farbensatte Riesenbilder und Plakate, die z. B. einen Neger mit abgeschnittenen Gliedmaßen darstellen, sollten die Wirkung der ohne nähere kontrollierbare Angaben vorgebrachten Räubergeschichten noch erhöhen. Da sah man in Bild und kinomatographischer [sic] Vorführung ganze in eine verlassene Wüste verwandelte Landschaften. Dass der Grund dieser strichweisen Entvölkerung kein anderer als die schreckliche Schlafkrankheit ist, erfahren die Zuhörer und Zuschauer natürlich nicht. An allem müssen selbstverständlich die bösen Belgier schuld sein. Die Untaten einzelner werden dem ganzen Volk und der Regierung auf Rechnung gesetzt. Kein Wort von den großartigen Leistungen Belgiens am Kongo nicht nur in materieller, sondern auch in zivilisatorischer Hinsicht und von seinen Verdiensten um das Missionswerk. 

Man muss mit Bedauern feststellen, dass in diesem ganzen Antikongo-Feldzug die sonst mit Recht gerühmte britische Fairness in auffallender Weise vermisst wird und das pharisäische: „Ich danke dir, dass ich nicht bin wie jener [belgische] Zöllner“ in wenig erquicklicher Weise durchklingt.


(Aus: die katholischen Missionen,1910)

In einem anderen Artikel über dieses Thema bezeugt jemand, dass er selbst sicher weiß, dass ein Einheimischer, der seine Hand angeblich wegen belgischer Gräuel verloren hätte und der als Paradebeispiel von den europäischen Medien angeführt wurde, in Wirklichkeit durch einen Jagdunfall, und zwar durch die Explosion des Gewehrs, verstümmelt wurde. Ich hoffe diesen Artikel posten zu können, wenn ich ihn wiederfinde.

Samstag, 13. Dezember 2014

Große Missionsbischöfe: Der Apostel der Papuas – Der Diener Gottes Msgr. Enrico Stanislao Verjus M.S.C., Koadjutor des Apostolischen Vikars von Neu-Guinea (Teil 1)


Am 13. November stand im Pfarrhaus von Oleggio in Oberitalien um das Paradebett einer noch jugendlichen, in den bischöflichen Ornat gekleideten Leiche ganz in Schmerz aufgelöst eine Gruppe von Missionären. Sie hatten Grund zur Trauer, denn der Tod hatte hier plötzlich und jäh ein Leben geknickt, an das sich die freudigsten Hoffnungen geknüpft hatten. Es war Msgr. Enrico Stanislao Verjus, Koadjutor des Apostolischen Vikars von Neu-Guinea, Msgr. Navarre, und Mitglied der Missionsgesellschaft vom heiligsten Herzen von Issoudun (Herz-Jesu-Missionare).

Ein eigentümlich rührender Zug durchzieht das kurze Leben dieses jüngsten aller katholischen Bischöfe. Geboren am 26. Mai 1860 in Oleggio am Fuße der Alpen, trat der kleine Savoyarde, kaum 12 Jahre alt, in die Missionsschule des göttlichen Herzens in Cehzal-Benoit bei Issoudun. Unschuld, innige Frömmigkeit und ein überaus heiterer, liebenswürdiger Charakter machten ihn schon damals zum Liebling des Hauses. Er war es, der seine kleinen Kameraden zum gemeinsamen Entschluss vereinigte, täglich während der heiligen Wandlung um die Gnade des Martyriums zu beten. Kaum zum Priester geweiht, bot er sich begeistert für die Missionen in der fernen Südsee an, die seit 1881 der jungen Kongregation übergeben worden waren. Bereits liegt der Dampfer im Hafen zur Abfahrt bereit; da plötzlich wirft eine schwere Krankheit den jungen Missionär aufs Totenbett. Alle Hoffnung schien verloren. Fast in den letzten Zügen liegend, machte er das Gelübde, wenn Gott ihm die Gesundheit wiederschenke, sein ganzes Leben rückhaltlos im Dienste der armen Insulaner zu opfern. Er genas und konnte schon mit dem nächsten Dampfer abreisen. Auf der Insel Bourbon traf er die ihm vorausgeeilten Brüder im Spital und machte nun mehrere Wochen den liebevollen Krankenpfleger.


Endlich im Januar 1885 landete man in Sydney. Neue unerwartete Hindernisse stellten sich hier dem Plan entgegen, die Mission auf Neu-Guinea sofort zu beginnen. Da unternahm der feurige junge Missionär, voll heiliger Ungeduld, das große, an Naturschönheiten so reiche, aber noch ganz in Götzendienst versunkene Inselland, sein eigentliches Missionsfeld, recht bald zu betreten, im Jahre 1885, von nur zwei Brüdern begleitet, auf einer einfachen großen Fischerbarke jene kühne Fahrt, die er uns selbst in seiner lebendigen Darstellungsweise erzählt hat. Drei Tage wurden sie auf stürmischer See umhergeworfen, jeden Augenblick des Todes gewärtig. Eine weiße Taube, die sich müde auf die Segelstange setzte, kündete ihnen endlich die Nähe des Landes, und bald darauf rief einer der Brüder: „Neu-Guinea! Neu-Guinea!“ Wirklich, da lag das Land der Verheißungen vor ihnen, und Freudentränen traten in ihre Augen. 

In einer wunderschönen, von Bergen umgürteten Bucht (Hall Sound) warfen sie am 30. Juni Anker. P. Verjus nannte sie zu Ehren des glorreich regierenden Papstes Port Léon und beschloss, auf der den Eingang der Bucht beherrschenden Insel Roro oder Jula die erste Missionsstation zu gründen. Am 4. Juli las er dort unter Tränen der Rührung die erste heilige Messe. Nun folgten drei Monate der härtesten Entbehrungen. Rasch waren die kleinen Vorräte aufgezehrt, und die drei Missionäre litten die bitterste Not. Oft lagen alle drei gleichzeitig fieberkrank auf einem Heulager in einer Hütte, die sie kaum gegen die Witterung schützte. Aber mitten in diesen Prüfungen verlor P. Verjus nie seinen Mut und sein kindlich frommes Gottvertrauen. Immer wusste er durch einen heiteren Scherz die Brüder wieder aufzurichten. Bäume wurden im Urwald gefällt und mit unsäglicher Mühe auf eine Anhöhe geschleppt, wohin die kleine Kapelle zu stehen kam. 

Die gewinnende Freundlichkeit des jungen Schwarzrocks hatte rasch das Zutrauen der Insulaner erobert. Aber schon eröffneten sich dem eifrigen Priester die frohesten Hoffnungen, als im September eine halb gewaltsame Entführung durch das protestantische Missionsschiff erfolgte, die wir im Jahrg. 1886 erzählten. Mit Tränen schied der Missionär von dem liebgewordenen Eiland, und klagend folgten die Insulaner der Schaluppe bis ins Wasser hinein und riefen noch von ferne im nach: „Komm bald zurück, Mitzianari (Missionär), komm bald zurück und vergiss nicht deine Söhne von Roro!“ Selbst die rauen Seeleute des Dampfers waren bewegt und sagten: „Diese armen Leute wissen recht gut, wer ihre wahren Freunde sind.“ 

Glücklicherweise dauerte die Verbannung nicht lange. Im folgenden Jahr bereits kehrte P. Verjus mit Erlaubnis des neuen, den Missionären günstig gesinnten englischen Gouverneurs nach Roro zurück und zog, wie er schreibt, „fröhlich wieder in den Leo-Hafen ein“. Er fand seine Hütte geplündert und die Insulaner durch die Anwesenheit eines protestantischen Missionärs gegen sich eingenommen. Aber in kurzer Zeit waren die Herzen wieder gewonnen, und rasch wuchs nun eine kleine Christengemeinde heran. Von der Insel aus wurde nun auch das Festland in Angriff genommen. P. Verjus entdeckte den großen schönen St. Josephsfluss, der eine treffliche Wasserstraße ins Herz des Landes bildet und an welchem zahlreiche Dörfer liegen. „Wir besitzen nichts, und haben trotzdem auf Neu-Guinea mehr Länder entdeckt und den Wilden mehr Gutes getan als die berühmten wissenschaftlichen Forschungsreisen, die 4000 Pfd. Sterling verschlangen.“ So konnte P. Verjus mit Recht sagen.

(Aus: die katholischen Missionen, 1893)

Fortsetzung hier

Sonntag, 7. Dezember 2014

Die Ursulinen in den Rockies – Ordensschwestern unter Indianern, Cowboys und Kojoten

Mother Amadeus Dunne O.S.U., die Gründerin der Ursulinenmission in Montana

Wir entnehmen einem amerikanischen Blatt das folgende anerkennende Zeugnis über das opferwillige Leben dieser Klosterfrauen im fernen Nordwesten. „Die Welt“, beginnt der Berichterstatter, „ist sonst so begierig, ihre sogen. Helden zu feiern und ihnen Denkmäler zu errichten, und während dessen ziehen täglich Helden und Heldinnen an uns vorüber, und wir wissen es nicht. Geräuschlos wandeln sie dahin, und selbst ihre Gräber liegen unbeachtet und vergessen. Dieser Gedanke drängte sich mir auf, als ich vor einiger Zeit zwei Ursulinen antraf, die sich in Begleitung eines Vollblutindianermädchens auf der Reise nach Washington befanden, um dort mit der Regierung wegen ihrer Mission zu verhandeln. Diese Frauen sind in gebildeten Kreisen aufgewachsen, gewöhnt an alle Annehmlichkeiten eines zivilisierten und verfeinerten Lebens, als sie in den Orden eintraten. Sie waren noch jung oder standen höchstens in den mittleren Lebensjahren. Und was war ihr Leben seit jenem Augenblick, da sie dem Rufe folgte: ‚Verlass alles, was du hast, und folge mir nach‘? In Kälte und Hunger und unbeschreiblichen Entbehrungen wohnen sie in den wildesten Teilen des Felsengebirges in roh gezimmerten Blockhütten, um an 900 über das weite Gebiet zerstreuten Indianerkindern Mutterstelle zu vertreten, für sie zu kochen, zu waschen, zu bügeln und ihre Kleidchen zu flicken, vor allem aber, um sie zum Christentum zu führen und an ein zivilisiertes Leben zu gewöhnen. Nichts hat sie von dieser Aufgabe zurückzuschrecken vermocht, sie haben ausgehalten, und ihre Ausdauer ist mit Erfolg gekrönt worden. Das Indianermädchen in ihrer Begleitung war so gut erzogen, dass in der Weltausstellung von Chicago seine Leistungen einen Platz fanden.

Und welche Abenteuer die Schwestern in jener Wildnis erleben! Um die Indianerkinder bei guter Gesundheit zu erhalten, haben es die Schwestern für notwendig gefunden, einmal im Jahr mit ihnen 14 Tage lang einen Ausflug in die freie Wildnis zu machen und dort in Zelten mit ihnen eine Art Picknick-Leben zu führen. Bei einer solchen Gelegenheit war es, dass eine der beiden genannten Schwestern einst mitten auf der wilden Prärie von der Nacht überrascht wurde. Das Gefährt war zusammengebrochen, und die Pferde waren ausgerissen. Der begleitende Wagenführer und Beschützer war so gelähmt, dass er kaum mehr gehen konnte. Die dunkle Nacht brach ein, und aus der Ferne ertönte das Geheul der Kojoten. 15 Meilen hatten die Verunglückten sich mühsam vorangeschleppt, als plötzlich ein Lärm wie das Getrampel eines Pferdetrupps an ihre Ohren schlug. Es war ein Rudel Kojoten, welche die Leute gewittert hatten und im schnellsten Lauf den nächtlichen Wanderern sich nahten. In ihrer Angst nahm die Schwester ihre Zuflucht zu Maria und rief mit einem lauten Memorare um Hilfe. Seltsam! Wie von Schrecken erfasst, machte die wilde Hetze sofort Kehrt und jagte zurück über die nahen Hügelhänge.

Bei einer anderen Gelegenheit brachte dieselbe Schwester eine kranke Ordensfrau von einer Station zur anderen. Ein Indianerjunge machte den Kutscher und ein Missionär den Begleiter. Da kam über sie ein Blizzard, dieser Schreck des nordamerikanischen Westens. Der Wagen wurde umgeworfen, ein Schneewall von 4 m Höhe türmte sich vor ihnen auf, das Thermometer sank auf 42 Grad unter null. Fast wären die Verunglückten erfroren. Da raffte der Missionär sich auf, und es gelang ihm mit dem Aufgebot der letzten Kraft, sich mit einem der Pferde Bahn zu brechen und in der nächsten Station Hilfe zu holen. Am nächsten Morgen kam eine indianische Feldwache und brachte die Schwestern nach Fort Custer, wo sie von den Damen liebevoll aufgenommen wurden. Um den Frost aus den erstarrten Gliedern zu vertreiben, mussten Ölbäder angewandt werden, und mehrere Tage vergingen, bis die Wirkungen jener schrecklichen Nacht überwunden waren.“

Durch Buffalo Bills Wild-West sind die amerikanischen Cowboys, dieser wilde Typus berittener Hirten, weithin bekannt geworden. Es ist interessant, was unser Gewährsmann über das Verhalten dieser trotzigen Söhne der freien Prärie den Schwestern gegenüber berichtet. „Wir, die so stolz sind auf unsere feinen Sitten und unser Gefühl und Verständnis für alles Schöne, lassen uns nicht träumen, dass wir in der Wertschätzung dessen, was edel, rein und heilig ist, übertroffen werden von den unbändigen Cowboys der Prärie. Nichts kann die Ehrfurcht und zarte Aufmerksamkeit übertreffen, mit der sie die Schwestern bei zufälliger Begegnung in der Wildnis behandeln. Wenn ein Unwetter sie überrascht hat, dann heißen diese rauen Bewohner der Steppe sie in ihren Blockhütten freundlich willkommen und sagen zueinander: ‚Jungens, wir müssen sehen, dass wir den Schwestern etwas zu essen verschaffen.‘ Dann räumen sie die Hütte und überlassen sie für die Nacht ganz den Schwestern, während sie selbst im Freien irgendwo Unterschlupf suchen. Sie sehen in den Klosterfrauen etwas Übermenschliches und Engelhaftes. Und doch sind diese rohen Leute zumeist nicht Katholiken. Wenn sie auf dem Weg neben ihnen herziehen und sie merken, dass die Schwestern ihr Offizium beten wollen, dann unterbrechen sie ihre Unterhaltung, indem sie einander zuflüstern: ‚Still, die Schwestern sind am Beten!‘

„Wenn man dann die Schwestern“, so schließt der Berichterstatter,  „In der muntersten Weise erzählen hört, dass sie lange Zeit in ihrer Niederlassung einen einzigen Stuhl besaßen, der beim Besuch des Bischofs ihm überallhin nachgetragen wurde, oder dass sie nicht selten, wenn sie am Morgen erwachten, 2–3 Zoll Schnee auf ihrer Bettdecke finden, so mutet dies alles einem an wie ein Strauß duftender Blumen aus der Wildnis.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1893)


Samstag, 22. November 2014

Lob einer protestantischen Zeitung für Pater Damian

Aus dem „Handels-Monitor“:

„Das traurige Los der Aussätzigen, diese so schwarze Seite in den Annalen Hawaiis, ist besonders berühmt und bekannt geworden durch die aufopfernde Entsagung eines jungen Priesters, des hochw. P. Damian, der sein Leben den Aussätzigen gewidmet hat; dieser Mann ist ein Ruhm und eine Ehre für Hawaii. Er zeigt wieder den heiligen Heldenmut der ersten Christen bei den blutigen Kampfspielen des Altertums, ja er tut noch mehr. Und in der Tat, wäre es nicht weit vorzuziehen, einem wilden Tier zur Nahrung vorgeworfen zu werden, als verurteilt zu sein, das Leben in der verpesteten Luft einer Aussätzigen-Anstalt zuzubringen? Und P. Damian, der tapfere Soldat Christi, hat nun schon viele Jahre unter den Verbannten von Molokai verlebt; er ist beständig unter diesen Kranken, die von der Gemeinschaft der übrigen Menschen gänzlich ausgeschlossen sind und denen ein Gesunder sich nicht zu nähern wagt. Er weiht sich ganz und gar ihrem Dienste, er verbindet ihre Wunden, er leitet sie an, ihr Vertrauen auf Gott zu setzen und ein besseres Leben zu hoffen. Eine solche Liebe zu den Unglücklichen kann nur aus der Liebe zu Gott hervorgehen, und Gott allein kann eine solche Liebe würdig belohnen.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1882)

Sonntag, 16. November 2014

Einer der Hauptunterschiede zwischen der katholischen und der nichtkatholischen Mission


Das Christentum ist eine Religion, die nach dem Willen ihres göttlichen Stifters für alle Menschen bestimmt ist und die daher auch allen Menschen verkündet werden muss. Das Christentum ist die göttliche Offenbarungsreligion und die Missionsreligion. Die wesentliche Folge davon für das Christentum und für jeden Christen ist die Missionspflicht. In diesem Missionscharakter des Christentums stimmen heute alle christlichen Religionsgemeinschaften überein. Aber ein wesentlicher Unterschied waltet zwischen ihnen ob, und zwar folgender:
Die Missionsgeschichte verzeichnet das Jahr, in dem die verschiedenen nichtkatholischen Religionsgesellschaften auch ihrerseits sich auf die Missionspflicht besonnen und ihr Missionswerk unter den Heiden begonnen haben. Lange Jahre nach ihrer Trennung von der katholischen Mutterkirche haben sie verstreichen lassen, bis sie diese Missionspflicht anerkannt und den Kampf dagegen aufgegeben haben. Seinen Missionscharakter hat das Christentum ununterbrochen im Wechsel und Wandel der Jahrhunderte nur in der katholischen Kirche gezeigt und bewahrt. In der katholischen Weltmission hat das Christentum seine Weltmission bewiesen.

Und wiederum: die Weltmission des Christentums muss apostolisch sein, das heißt, sie muss auf der Missionssendung der Apostel fußen. Nur in der katholischen Kirche finden wir die apostolische Weltmission, den apostolischen Weltboten.
Wenn wir das Jahr suchen, in dem die katholische Kirche ihre Missionstätigkeit begonnen hat, dann müssen wir die lange Reihe der zwanzig Jahrhunderte hinaufwandern, bis zu den Tagen Christi und seiner Apostel. Die Geburtsstunde der katholischen Weltmission ist jener Tag, an dem Christus der Herr auf dem Berge der Himmelfahrt vor seinen Apostel stand, ist jene Stunde, in der der glorreich Auferstandene zu ihnen sagte: „Mir ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden. Darum geht hin, und lehret alle Völker. Tauft sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles halten, was ich euch geboten habe. Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt“ (Mtth. 28, 18–20). Mit diesen Worten gab Christus der Herr den Missionsbefehl. Von diesem Augenblick an begann die Weltmission der katholischen Kirche.



 (Aus: P. Robert Streit O.M.I.: Die Weltmission der katholischen Kirche. Zahlen und Zeichen auf Grund der Vatikan. Missionsaausstellung 1925, Verlag der Oblaten, Hünfeld, 1928)

Samstag, 15. November 2014

Große Missionsbischöfe: Ein Leben im Sattel – Msgr. Jean Baptiste Salpointe, Erzbischof von Santa Fe


Von den heimgegangenen nordamerikanischen Oberhirten darf wenigstens ein Erzbischof nicht fehlen, der einen großen Teil seines Lebens im Sattel oder auf dem mexikanischen Reisekarren zugebracht hat. Es ist Msgr. Jean Baptiste Salpointe, Erzbischof von Santa Fe. 

Frankreich, das Mutterland so vieler Missionäre, gab ihm am 22. Februar 1825 das Leben zu St. Maurice (Dep. Puy de Dome). Als jungen Priester führte ihn der Notschrei der amerikanischen Bischöfe nach Amerika, und das heiße Texas und das gebirgige Arizona wurden seine zweite Heimat. Hier, wo damals die Einwanderung erst begann und auf den weiten Prärien sich die wilden Apatschen und zahlreiche Reste anderer Indianerstämme umhertrieben, gab es noch Arbeit für ein junges Apostelherz. Tucson, die Hauptstadt des Territoriums von Arizona, wurde der Mittelpunkt seiner Tätigkeit, wie es dereinst seine Ruhestätte werden sollte. Diese schroffen, kahlen Berge, diese weiten, fruchtbaren Flusstäler des Gila- und Coloradosystems waren klassischer Missionsboden. Sonora hieß in spanischer Zeit diese Provinz, und vorab deutsche Jesuiten, wie die PP. Kühn (Kino), Sedlmayer, Michel, Bauer, Gerstner, Pfefferkorn, Segesser und so viele andere, hatten hier einst unter den Pimas, Papagos, Opakas und anderen Stämmen segensreich gewirkt. 
Von ihren alten Kirchen standen nur noch wenige. Doch überall fand Salpointe noch Spuren ihrer Tätigkeit und einzelne treu gebliebene Reste der einst christlichen Stämme. Noch hüteten 100 Familien von Papagos die alte Kirche San Xavier del Bac. Mit der Liebe eines Vaters ging Salpointe diesen verlassenen Schäflein und den braven, in weit zerstreuten Ranchos wohnenden mexikanischen Viehzüchtern nach. 

1857 war Arizona zur Diözese Santa Fe geschlagen worden (seit 1875 Erzdiözese). Allein die starke Einwanderung seit dem mexikanischen Krieg weckte das Bedürfnis einer besseren kirchlichen Verwaltung, und so wurde 1868 Arizona als eigenes Apostol. Vikariat von Santa Fe getrennt.  Salpointe trat an seine Spitze und entwickelte auch als Bischof eine unermüdliche Tätigkeit. Neue Stationen wuchsen aus dem Boden, Kirchen und Kapellen wurden gebaut, Schwestern zur Übernahme von Anstalten der Erziehung und Krankenpflege berufen. Das Vikariat zählte damals unter 38.000 Einwohnern 20.000 Katholiken. Rothäute aus den Stämmen der Apatschen, Papagos, Yavapais, Pimas, Maricopas, Yumas, Mohaves, Moquis waren noch etwa 20.000 vorhanden. Durch eine himmelschreiende Verordnung des Präsidenten Grant, die sog. Peace Policy, wurden diesen Stämmen mit Ausnahme der Papagos Prediger verschiedener Sekten aufgedrängt, um sie gegen ihren Willen protestantisch zu machen. Die Indianer aber verlangten Schwarzröcke [katholische Priester], und diese, an ihrer Spitze der Bischof, taten alles, um dem armen Volk den katholischen Glauben zu retten. Rastlos durcheilte Salpointe das Vikariat, machte Rundfahrten von nahezu 2000 Meilen auf schlechten Wegen, durch Gebiete, in denen die Furcht vor den streifenden Apatschenbanden allen Verkehr gestört. 

Am 13. November 1883 vertrat Salpointe seinen Metropoliten, den Erzbischof von Santa Fe, Msgr. Lamy auf der Versammlung amerikanischer Erzbischöfe in Rom; im folgenden Jahr wurde er ihm als Koadjutor beigegeben und folgte ihm 1885 auf dem erzbischöflichen Stuhl. Neun Jahre wirkte er nun als Erzbischof, bis ihn 1894 Altersschwäche zur Resignation veranlasste. Er zog sich nun nach seinem geliebten Arizona zurück und starb am 5. Juli 1898 in Tucson, wo er dereinst seine apostolische Laufbahn begonnen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1899)

Siehe auch den Artikel zu einem seiner Nachfolger, Peter Bourgade 

Sonntag, 2. November 2014

Wenn der protestantische Prediger einen auf „Padre“ macht – wieder Philippinen



Schon öfters haben wir auf den unehrlichen Kniff der amerikanischen Prediger hingewiesen, den sie auf den ehemaligen Antillen sowohl wie auf den Philippinen zur Anwendung bringen, um das einfache Volk in Irrtum zu führen. Er besteht darin, dass sie sich als katholische Priester aufspielen und ihm alles nachmachen. Selbst vor der sakrilegischen Entweihung des Beichtstuhles scheuen diese Verkündiger des reinen Evangeliums nicht zurück. Einen neuen Beleg für dieses Treiben gibt P. Schipman aus Sagada auf Luzon. Die dortige von den Augustinern erbaute Kapelle war durch die Revolutionäre 1898 zerstört, der Priester vertrieben worden. Als die belgischen Missionäre von Scheutveld anlangten, fanden sie nur noch Ruinen. Inzwischen aber waren die Episkopalen eingedrungen und hatten durch den erwähnten Kniff in Verbindung mit reichen Geldspenden einen Teil der Bevölkerung an sich gezogen. Der Prediger hat sich einen katholischen Priestertalar angelegt und trägt denselben nicht bloß in der Kirche, sondern oft den ganzen Tag. Die Anwendung solcher Mittel wirft doch ein merkwürdiges Licht auf die Kraft des „reinen Evangeliums“.

(Aus: die katholischen Missionen, 1911)

Samstag, 1. November 2014

Große Missionsbischöfe: der Erzbischof des Wilden Westens – Msgr. Peter Bourgade, Erzbischof von Santa Fe


Auch von den hingeschiedenen Oberhirten der Vereinigten Staaten muss einer hier wenigstens kurz erwähnt werden. Es ist der hochw. Herr Peter Bourgade, Erzbischof von Santa Fe in Neu-Mexiko, den der Tod am 16. Mai im Merceyspital zu Chicago von langer schmerzlicher Krankheit befreite. 

Geboren am 17. Oktober 1845 in St. Agathe (Diözese Clermont), gehört Bourgade jener Schar opferwilliger französischer Pionierpriester an, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts dem dringenden Ruf amerikanischer Bischöfe nach Arbeitern folgten und an dem Aufbau der Kolonistenkirche in den amerikanischen Südstaaten einen so hervorragenden Anteil nahmen. Sein erstes Arbeitsfeld war Arizona, damals noch Tummelplatz wilder Apachenhorden, die um jeden Preis das Vordringen der Bleichgesichter zu hindern suchten und den Schrecken der Ansiedlungen und Karawanen ausmachten. Hier weihte Bourgade seine ersten Mannesjahre der mühsamen Wanderseelsorge teils unter den weißen Kolonisten und mexikanischen Rancheros (Viehzüchtern), teils unter den Resten der einst von den Jesuiten bekehrten und in Reduktionen gesammelten Stämme der Papagos, Pimas, Maricopas u. a. 

Auch als Bischof der 1885 neu errichteten Diözese Tucson (Arizona) und als Erzbischof von Santa Fe (seit 1892) blieb Bourgade seiner ersten Liebe treu und bot sein Möglichstes auf, um der aussterbenden roten Rasse das Gut des wahren Glaubens zu erhalten, das durch die kirchenfeindliche Indianerpolitik und die Werbearbeit der protestantischen Sekten so sehr bedroht war.


(Aus: die katholischen Missionen, 1909)

Sonntag, 12. Oktober 2014

Wie apostolische Armut aussieht (Teil 2)

Forsetzung von hier

Der chinesische Handelsgeist lässt sich diese Gelegenheiten nicht entgehen. Kleine Verkäufer von Zuckerrohrstengeln, Melonenkernen und anderer guter Dinge postieren sich hier und dort und machen bei dem Andrang von Leuten gute Geschäfte. Solange der Bischof an einem Ort weilt, bildet er das eine, große Tagesgespräch und den Mittelpunkt des ganzen Interesses für alle Chinesen in der Runde. Alles erregt ihre Aufmerksamkeit; jede Bewegung wird beobachtet und gedeutet, jedes Wort mit Bemerkungen begleitet, die Kleider, die Züge, die Gestalt, der Bart, das Alter, alles bildet den Gegenstand zahlloser Fragen und wissbegieriger Erörterungen. Anfangs kommen einem solche Geduldproben recht hart an, und der Unwille ist oft nahe daran, überzufließen. Man sucht sich den Blicken zu entziehen. Aber wie und wohin? Die Wände bestehen aus schlecht gefugten Balken oder Brettern, die Ritzen und Spalten für hundert neugierige Augen offen lassen. Die Fenster sind viereckige Öffnungen, die nur durch ein mit Papier überklebtes Gitterwerk geschlossen werden können. Kaum hat man sich ins Zimmer zurückgezogen, so ist auch schon das Papier an zahlreichen Stellen heimlich durchlöchert, die Löcher mehren und vergrößern sich immer mehr, und durch jedes Loch spähen zwei neugierige Augen hinein, um den unglücklichen Insassen in alle Ecken zu verfolgen und zu beobachten. Und ist ein Neugieriger befriedigt, so nehmen gleich zwei andere Augen seine Stelle ein. Man muss die Nacht abwarten und auch dann hat man erst Ruhe, wenn das Licht ausgelöscht ist.

Die Betsäle oder Oratorien werden in den meisten Fällen einfach für 1–2 Jahre gemietet, und daher lassen sich baulichen Umänderungen u. dgl. nicht gut anbringen. Reiche Leute geben ihre Wohnungen nicht leicht dazu her, da eine solche Kapelle gleich zu Mittelpunkt einer starken Bewegung wird, eine zahlreiche Menge anzieht und daher für die übrigen Hausbewohner oder die Nachbarn recht unbequem werden kann. Man muss sich also mit der Wohnung schlichter Leute zufrieden geben. Was aber den Missionär bei solchen Gelegenheiten drückt, ist weniger die Armut und Unbequemlichkeit, als vielmehr der Gedanke, wie wenig solche Lokale dem Zweck einer Kapelle entsprechen und wie wenig würdig sie die Erhabenheit der christlichen Religion vor Augen stellen, zumal im Vergleich mit den oft prächtigen Pagoden daneben, in denen die zahllosen Götzenfratzen höhnisch zu lachen scheinen.

Um die Christen zu trösten, erzählt man ihnen immer wieder von Betlehem und von der Liebe des Weltheilands zur Armut und zu den Armen. Aber es bleibt doch der Wunsch nach etwas Besserem, und er steigert sich in schmerzlicher Weise da, wo bereits die Protestanten vorgedrungen und einen ihrer Tempel hingesetzt haben. Immerhin, die Hauptsache ist, dass die Leute trotz allem kommen und zahlreich von allen Seiten kommen, so dass der Raum meist lange nicht genügt.

Tatsächlich sind die Bekehrungen seit den letzten Wirren zahlreicher denn je zuvor. In dem einen Distrikt Weng-tschu zählt man über 500 Neugetaufte, während früher die Jahreszahl für die ganze Mission höchsten auf 300 kam. Freilich macht diese Zunahme der Bekehrung den Mangel an ordentlichen Kapellen erst recht fühlbar. Die reiche Ernte fordert Scheunen, um die Garben unterzubringen. Eine wirkliche Kapelle ist eine greifbare, dem wahren Gott und der wahren Religion gebrachte Huldigung, ein Leuchtturm, ein Haus des Heils; sie ist das „Herz einer Christengemeinde, von dem der warme Pulsschlag ausgeht.“ Man will ja keine stattlichen Kirchen, wie z. B. die St. Paulskirche in Weng-tschu, welche die ganze Stadt beherrscht; es genügt ein einfach schlichter Bau, der aber gut 200–300 Christen fassen kann. Eine ordentliche Kapelle zieht die Heiden an und erleichtert den Frauen den Besuch, die in jene engen Betsäle mit ihrem Gedränge schon der Schicklichkeit halber sich kaum hineinwagen.

Wenn diese Armut seiner Mission dem Bischof auf seiner Rundreise auch manchmal recht drückend auf die Seele fiel, so fehlten doch auch die Tröstungen und Lichtblicke nicht. Die Bekehrungen sind zahlreich, die Bevölkerung zeigt sich fast überall friedlich und wohlgesinnt, die Mission hat in vielen Orten Eingang gefunden, die ehedem eine sehr feindliche Haltung einnahmen. Wiederholt wurde dem Bischof gegen seinen Willen ein militärisches Geleit gegeben, und auch seitens der Mandarine fand er fast ausnahmslos freundliche Aufnahme. „Aber“, so schließt der Bischof, „auf allen Erlebnissen der langen Reise machte sich immer und immer wieder ein Wunsch mächtig geltend: Kapellen, Kapellen! Kapellen, um Gott würdiger zu verehren, um die Heiden anzuziehen; Kapellen, um die Neubekehrten unter Dach zu bringen.“ Das ist die Kirchennot in der großen Diaspora der Heidenwelt.


(Aus: die katholischen Missionen, 1904)