Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

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Samstag, 13. Juli 2024

Das marianische Motto des hl. Peter Chanel

 



Eine tiefe Andacht zur Gottesmutter erfüllte den ersten Märtyrer Ozeaniens, den heiligen Peter Chanel. Das Motto des Missionars aus der Gesellschaft Mariens (Maristen) lautet:

„Maria zu lieben und dafür zu sorgen, dass sie geliebt wird. Dass durch Dich, oh Maria, der Name des Erlösers des Menschengeschlechts auf der ganzen Welt erkannt und angebetet wird!“

Den Rosenkranz betete er so häufig für die Bekehrung der Einwohner Futunas, dass die Einheimischen sich ihn auch lange nach seinem Tod nur mit dem Rosenkranz vorstellen konnten, den er bei seinen Missionsgängen auf der Insel stets in der Hand trug.

Samstag, 6. Juli 2024

Ein zeitloser Rat

 

Der folgende Rat, den der ehrwürdige Gründer der Gesellschaft Mariens, Pater Jean-Claude Colin, seinen ersten Missionären in Ozeanien gab, ist zeitlos. Das Gebet wird immer eine Grundvoraussetzung für erfolgreiche Missionsarbeit sein.

„Seid Männer des Gebetes und der Betrachtung! Seelen bekehren ist mehr als Tote auferwecken, beides lässt sich nur durch Gebet zu Stande bringen. Betet daher unausgesetzt  um die Bekehrung Eurer Ungläubigen, opfert zu diesem Ende Gott Eure täglichen Verrichtungen auf; an einem beliebigen Tage der Woche aber opfert zu demselben Zwecke und für Eure besondere Bedürfnisse alle guten Werke auf, die in jedem Teil der Gesellschaft verrichtet werden. Diese Übung wird Euch viele Gnaden erlangen!

(Aus: Leben des seligen Peter Alois Maria Chanel, Priesters der Gesellschaft Mariä und ersten Martyrers Oceaniens, aus dem Französischen des P. Claudius Nicolet aus derselben Gesellschaft, von P. Carl Dilgskron C.SS.R. Mit kirchlicher Approbation)

Samstag, 24. Oktober 2015

Der erste Märtyrer der Südsee und sein Rosenkranz

St. Peter Chanel (Quelle)

Vom hl. Peter Chanel heißt es in Die katholischen Missionen (1890): „Mit dem Rosenkranz in der Hand, nach dem schönen Ausdruck seines Biographen ‚gleichsam überallhin Ave Mariä aussäend‘, zog er durch Täler und steile Bergschluchten von einem Teil der Insel zum anderen. Noch viele Jahre später konnten sich die Insulaner in ihrer Erinnerung den seligen Martyrer nicht anders als mit dem Rosenkranz in der Hand vorstellen.“

Samstag, 29. November 2014

Die Anfänge des Ordenslebens unter den Fidschianern


Das Streben nach höherer Vollkommenheit, das im Ordensleben seine kirchlich geregelte Form und Festigkeit gewonnen hat, wächst so naturgemäß aus dem christlichen Glauben heraus wie die Blüten am Baum. Es ist darum nicht zu verwundern, dass dasselbe auch bei den neubekehrten Christen der Missionsländer, welche das Evangelium tiefer und lebendiger erfasst, sich regt und entweder zum Übertritt in die dort wirkenden Missionsorden oder zur Gründung eigener einheimischer Klostergenossenschaften führt.

Wohl die jüngste dieser Missionsblüten dürfte die Genossenschaft der sogen. „Kleinen Brüder und Schwestern“ auf den Fidschi-Inseln, dem Missionsfeld der französischen Maristenmissionäre, sein. Es sind Jünglinge und Jungfrauen, die sich durch Frömmigkeit und Tugendhaftigkeit auszeichnen und nach dem Beispiel der Missionäre und Schwestern zu leben wünschen. Sie leben getrennt in zwei kleinen Kommunitäten nach einer eigens für sie entworfenen Regel, aber noch ohne eigentliche bindende Ordensgelübde, die „Kleinen Schwestern“ unter der Leitung der Missionsschwestern, die „Kleinen Brüder“ unter derjenigen eines Maristenmissionärs, des P. Lahaye. „Ihre Zahl“, so schreibt derselbe an den apostol. Vikar Vidal, „wächst täglich und mit ihr der Eifer der jungen Leute…Ihre Pünktlichkeit bei den Übungen ist wirklich bewunderungswürdig, wie auch ihr Gehorsam.“ Weniger glänzend steht es mit der materiellen Seite des „Klosters“. Die Kapelle ist eine einfache fidschianische Strohhütte. Und nicht einmal ein Kreuzweg findet sich darin, „der doch für ein Noviziat so nützlich wäre.“

Sonst brauchen diese Insulaner-Novizen glücklicherweise sehr wenig. „Vielleicht“, so meint P. Lahaye, „wird sich dieses Noviziat der ‚Kleinen Brüder‘ später noch einmal zu einer Pflanzstätte des Priestertums auswachsen…Ich war auch vor einigen Tagen in Solevu und haben zu meiner Freude wahrgenommen, dass es auch mit den ‚Kleinen Schwestern’ sehr gut vorangeht.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1893)

Samstag, 28. Juni 2014

Französischer Kulturkampf gegen die Missionare in der Südsee


Die Wallisinseln, die unter französischem Protektorat stehen, sollten in letzter Zeit an den Segnungen des französischen Kulturkampfs Anteil bekommen; der neue Resident Dr. Brochart (eigentlich wohl Brochard)fand nach seiner Ankunft nichts Wichtigeres zu tun, als die Maristenmissionäre, die dort erfolgreich wirken, bei den Eingeborenen herabzusetzen. Von Anfang ging sein Plan dahin, sie aus dem Land zu verdrängen. Da aber die Inseln nur unter dem Schutz Frankreichs sind, konnte der Beamte ohne die Zustimmung des Köngigs die Patres nicht verbannen. Mehrfach weigerte sich der eingeborene Herrscher, das Ausweisungsdekret zu unterzeichnen. 

Endlich brachte ihn der Resident wenigstens dahin, den Obern der Missionäre wegen „Verrates gegen den König“ des Landes zu verweisen. Die Maristen wandten sich nun an den französischen Gouverneur von Numea, der auch alsbald zur Untersuchung nach Wallis abreiste. 

Noch ehe er eintraf, hatte das erregte Volk den Rechtsstreit nach seiner Auffassung bereits entschieden. Es hatte den König abgesetzt und den Residenten verjagt. Der Gouverneur schloss sich dem Volksgericht an; er erkannte auf Freisprechung der Missionäre und Aufhebung des Verbannungsdekrets. Jetzt herrscht auf den stillen Eilanden wieder voller Friede.


(Aus: die katholischen Missionen, 1912) 

Sonntag, 27. April 2014

Große Missionsbischöfe: Der Bischof der 1.000 Inseln – Msgr. Pierre Marie Bataillon S.M., Apostolischer Vikar von Zentral-Ozeanien



Wenn wir hier ein vollständiges Bild von dem Leben und den Arbeiten dieses Missionärs geben wollten, müssten wir die ganze Geschichte des Vikariats Zentral-Ozeanien erzählen, dessen Begründer er war; indessen werden wir dieses bei einer anderen Gelegenheit tun und uns hier begnügen, einige wenige persönliche Notizen über ihn zusammenzustellen. 

Geboren wurde Msgr. Bataillon in der Diözese Lyon am 6. Januar 1810; hier auch begann er als ebengeweihter Priester im Jahr 1835 seine Tätigkeit, allein bereits nach einem Jahr legte er die ihm anvertraute Vikarie nieder, um in der neugegründeten Maristen-Kongregation sich den äußeren Missionen zu widmen. 

Er war einer der Missionäre dieser Kongregation, die, wie wir im vorigen Jahr erzählt haben, sich mit Msgr. Pompallier am 24. Dezember 1836 einschifften (zusammen mit dem heiligen Peter Chanel), um als die ersten katholischen Glaubensboten in West-Polynesien das Evangelium zu verkünden. 

Am 1. November 1837 kam die kleine Schar in Wallis oder Uvea, der nördlichsten Insel des Tonga- (Freundschafts-) Archipels, an; P. Bataillon erhielt von Msgr. Pompallier den Auftrag, mit einem Laienbruder hier zu bleiben und die Mission zu beginnen. Eine nicht leichte Aufgabe, auf der kleinen, mitten im Ozean verlorenen Insel, ein Volk zu bekehren, von dessen Sprache er ebenso wenig verstand, als dieses von der seinigen! Indessen die Schwierigkeiten hielten ihn nicht ab; die ersten Monate widmete er ganz dem Erlernen der Sprache, dann begann er mit der Predigt des Evangeliums. 

Der Erfolg war Anfangs gering; nach zweijähriger Anwesenheit hatte er nur einige sterbende Kinder und Kranke taufen können, die ihm übrig bleibende Zeit verwendete er darauf, die christlichen Lehren in die Landessprache zu übertragen, und zwar in Verse, weil die Insulaner den Gesang sehr lieben. Unterdessen harrte er ruhig aus, lehrte, wo und wann er konnte, und seine Beharrlichkeit wurde belohnt. 
Im Jahr 1842 bekehrte sich die ganze Bevölkerung der Insel, über 2600 Seelen, auf eine fast wunderbare Weise. Im nämlichen Jahr, bevor noch diese Bekehrung in Europa bekannt war, hatte der heilige Stuhl Zentral-Polynesien als ein neues apostolisches Vikariat abgegrenzt und P. Bataillon zu dessen erstem Oberhirten. 

Der neue Bischof erfuhr seine Erhebung erst am 3. Dezember 1843, als Msgr. Douarre, der Apostol. Vikar von Neukaledonien, auf Wallis landete, um ihm die bischöfliche Weihe zu erteilen. Kaum hatte er dieselbe empfangen, so begann er seine Tätigkeit auf die anderen ihm zum Missionsfeld anvertrauten Inselgruppen auszudehnen; im Jahr 1844 führte er selbst zwei Missionäre auf die Fidschi-Inseln und zwei nach Tonga, der südlichsten der Freundschaftsinseln, im folgenden Jahr mehrere andere auf den Samoa-Archipel. 

Er selbst kehrte jedoch stets wieder nach Wallis zurück, welches der Mittelpunkt seines Vikariats und fortwährend der bevorzugte Schauplatz seiner eigenen Wirksamkeit war; nur zweimal führten ihn die Interessen seiner Mission nach Europa zurück. Nach seiner zweiten Reise (1872) schrieb der Generalobere der Maristen an die Missionäre in Polynesien: 

„Msgr. Bataillon ist einer der ältesten Apostolischen Vikare der ganzen Kirche; über 30 Jahre arbeitet er schon als Bischof, um auf den Inseln der Südsee die Kirche fest zu begründen. Vor zwei Jahren sahen wir den ehrwürdigen Greis vom anderen Ende der Erde trotz seines Alters und trotz der Strapazen der langen Reise hier ankommen, um dem heiligen Stuhl Rechenschaft über seine Mission abzulegen. 

Er bat den heiligen Vater nur um eine einzige Gunst, nämlich um die Erlaubnis, nach empfangenem päpstlichen Segen gleich wieder in seine Mission zurückzukehren zu dürfen. Er hätte wohl den Anspruch erheben können, jetzt auszuruhen von seiner langjährigen Arbeit; aber er konnte sich nicht entschließen, fern von seiner Herde, fern von seinem vielgeliebten Wallis zu bleiben, das er ganz bekehrt hat und das jetzt seine Freude und seine Krone ist. Er ist also abgereist, und will die letzten Jahre seines Lebens seinen Neubekehrten weihen und in ihrer Mitte sterben und sein Grab finden.“

Dieser Wunsch des seeleneifrigen Bischofs ist in Erfüllung gegangen. Nachdem er noch am 2. Januar 1877 zu Lano auf Wallis zu einer neuen Kirche, welche für die beiden großen dort errichteten Zentral-Schulanstalten dienen sollte, den ersten Stein gelegt und in den beiden ersten Monaten durch seine stete Anwesenheit auf dem Bauplatz die Arbeiter angefeuert hatte, fühlte er im März die ersten Anfälle seiner letzten Krankheit. 

Am Vorabend vom Fest des hl. Joseph kehrte er in seine gewöhnliche Residenz nach Mua zurück, am Feste selbst las er in der dortigen St. Josephskirche noch die heilige Messe; es war seine letzte. Acht Tage später konnte er sich nur noch in die Kirche tragen lassen, um dort, wo er die ersten Neophyten getauft und wo er selbst die Bischofsweihe empfangen hatte, nun auch die letzten heiligen Sakramente zu empfangen. Wenige Tage später ging er hin, de Lohn für seine vielen Arbeiten zu empfangen; sein Grab hatte er selbst in der St. Josephskirche zu Mua sich erwählt.


(Aus: die katholischen Missionen, 1877)

Samstag, 12. April 2014

„Sie (...) sind bis zu Tränen gerührt, wenn ich ihnen sage, dass wir zahlreiche Verwandte und Freunde (...) zurückgelassen haben“


„Sie üben“, schreibt P. Chanel an den Aumonier (Almosenier) der Antiquaille in Lyon, Abbé Bajard, das heilige Amt des Priesters in dem Ort aus, an welchem Sie dieser erhabenen Würde bekleidet wurden, während ich durch den Ratschluss der göttlichen Vorsehung bestimmt bin, die ersten Anfangsgründe der christlichen Lehre mit den Bewohnern einer kleinen Insel West-Ozeaniens zu stammeln. 

Die Schwierigkeiten der Sprache haben mich lange Zeit mit Schrecken erfüllt. Gegenwärtig bin ich aber doch schon so glücklich, mich ein wenig verständlich machen zu können. Ich benütze dies, um meinen armen Wilden den Beweggrund unserer Abreise von Frankreich recht begreiflich zu machen. Sie hören mich dann mit aller Aufmerksamkeit an und sind zuweilen bis zu Tränen gerührt, wenn ich ihnen sage, dass wir zahlreiche Verwandte und Freunde in Kummer und bitterster Unruhe zurückgelassen haben, und dass einer aus uns (P. Bret), der sich innig gesehnt hatte, ihnen nützlich zu werden, auf der Reise gestorben ist, und wir ihm kein anderes Grab bereiten konnten, als die unermesslichen Abgründe, über welchen wir uns befanden.“


(Aus: Leben des seligen Peter Alois Maria Chanel, Priesters der Gesellschaft Mariä und ersten Martyrers Oceaniens, aus dem Französischen des P. Claudius Nicolet aus derselben Gesellschaft, von P. Carl Dilgskron C.SS.R. Mit kirchlicher Approbation)

Donnerstag, 28. November 2013

Noch ein heldenmütiges Opfer in der katholischen Aussätzigenpflege


Im Anschluss an den obigen Bericht aus Molokai fügen wir hier die folgende kurze Notiz hinzu. Auch nach dem Archipel von Neu-Kaledonien (1853 französische Besitzung, seit 1864 Deportationskolonie) wurde die traurige Krankheit vor etwa fünfzig Jahren eingeschleppt. Um ihr Umsichgreifen zu hindern und die Bevölkerung zu retten, wurden die Betroffenen auf der kleinen anmutigen Insel Belep abgesperrt und hier für sie ein Spital errichtet. 

Der Marist P. Villard bot sich freiwillig an, als Seelsorger bei den Unglücklichen zu verbleiben. Er wirkte bei ihnen bis 1895, wo er am 31. Mai, 74 Jahre alt, starb, indem die Entzündung und Geschwulst, die seine Füße ergriffen hatte, sich weiter über den Körper verbreitet hatte. Es war nicht der eigentliche Aussatz, aber jedenfalls der Anfang dazu. 
Heute hat fast jede Mission im fernen Osten ihr Aussätzigenspital. Man sieht, die Liebe des Heilandes zu den Ärmsten der Armen ist in seiner heiligen Kirche nicht ausgestorben.


(Aus: die katholischen Missionen, 1896)

Samstag, 19. Oktober 2013

Die Maristen bei den Kannibalen in Melanesien (Teil 2)

 
Krieger mit Kanu auf den Salomonen (1895)

Fortsetzung von hier

Nach der Bestattung ihres Bischofs kehrten die Glaubensboten nach Süden zur Insel S. Cristobal zurück; hier versuchten sie, in der Bai von Makira an der Westküste sich niederzulassen. Alles schien gut zu gehen, da fiel als zweiter in der langen Reihe der Opfer der Salomonen P. Crey, ein jugendlicher Missionär, am Fieber. Und nun folgte Schlag auf Schlag. 

Am 20. April 1847 brachen zwei Patres und ein Laienbruder ins Innere auf. Plötzlich wurden sie überfallen und aufgefressen. Kurze Zeit nach der grauenhaften Szene traf der zweite Apostol. Vikar Collomb auf der Insel ein; er veranlasste die übriggebliebenen Missionäre, nach der Insel Woodlark überzusiedeln, wo sich günstigere Aussichten boten. 
Kaum angekommen, raffte das Fieber den Bischof hinweg, ihm folgten noch einige der Patres nach. Es schien, als wäre die Stunde der Bekehrung für die Salomonen noch nicht gekommen. Rom berief die unglücklichen Glaubensboten ab.

Die Priester des eben begründeten Mailänder Missionsseminars boten sich nun an, das verlassene Arbeitsfeld zu übernehmen. Es wartete ihrer das gleiche Los. Nachdem viele Glaubensboten vom Fieber und den Lanzen der Wilden dahingerafft waren, musste der Rest der Missionäre unverrichteter Dinge heimwärts ziehen. Noch 40 Jahre blieben die Salomonsinseln in der tiefen Nacht des Heidentums.

1897 überwies die Propaganda von neuem den Maristen die Inselgruppe, die inzwischen den Herz-Jesu-Missionären zugeteilt war. Sofort wurden zwei Apostol. Präfekturen gebildet; die eine umfasste die nördlichen deutschen Eilande, die andere die englischen im Süden. Da Deutschland einen Teil seiner Inseln an England abtrat, gehört zur Präfektur der nördlichen Salomonen heute deutsches und englisches Gebiet.

Zum ersten Apostol. Präfekten der südlichen Inseln wurde der Apostol. Vikar der Viti-Inseln (Fidschi) ernannt; schon im Mai 1898 gründete er mit drei Missionären eine Station auf der unbewohnten Insel Rua Sura an der Ostseite von Guadalcanal. Mit Forschungsfahrten längs der Küsten begann die Tätigkeit der Glaubensboten. (…) Sehr langsam ging es voran. 

Wiewohl die Zahl der Stationen schnell vermehrt worden war, zählte man 1907 erst 600 Christen, davon war etwa die Hälfte in Missionsschulen erzogen. Auf der Insel Maran konnte man z.B. erst nach fünfjähriger Tätigkeit die erste Taufe spenden. 

Wie viele Opfer diese Erfolge gekostet, lehren die Annalen der Mission mit ihren Berichten von Schiffbrüchen, Überfällen und Krankheiten. In den letzten Jahren geht das Bekehrungswerk schneller von statten. „Von allen Seiten“, so schreibt ein Missionär, „kommen jetzt Gesuche um Priester und Katechisten. Fünf Stationen bestehen auf Guadalcanal, je eine auf S. Cristobal, der berüchtigten Insel Malaita und Neu-Georgien. In Rua, Sura, dem Zentrum der Mission, ist eine Katechistenschule eingerichtet worden, deren 15 Zöglinge uns bald bei der Glaubensverbreitung wertvolle Dienste leisten wollen.“

Im Oktober 1910 erhielt die Mission auch ihre erste Steinkirche in Visale. In Gegenwart des englischen Residenten, eines Protestanten, wurde sie zu Ehren des heiligen Herzens Jesu eingeweiht unter großem Zulauf des Volkes. Da die südlichen Salomonen bereits 1911 2079 getaufte Katholiken zählten und für die Zukunft eine reiche Ernte versprachen, wurden sie 1912 zum Apostol Vikariate erhoben.

Noch langsamer als auf den südlichen Inseln entwickelte sich das Bekehrungswerk auf der nördlichen Gruppe. Zum ersten Apostol. Präfekten wurde 1897 der Apostol. Vikar der Samoa-Inseln, Bischof Broyer, ernannt, der sich alsbald nach Europa begab, um neue Hilfskräfte, namentlich deutsche, zu holen. Mit den Patres Estienne, Flaus und Englert sowie einigen samoanischen Katechisten gründete er 1899 auf dem kleinen Eiland Poporag, das zu der Shortlandgruppe gehört, die erste Station. 

Schon im folgenden Jahr wurden diese und alle Inseln südlich von Bougainville von Deutschland an England abgetreten. Die Missionäre entschlossen sich, fürs erste alle Kräfte auf die beiden deutschen Inseln zu verwenden. Doch ließen sie Poporag als Zentralstelle bestehen. Die Errichtung weiterer Stationen verzögerte das unerwartete Hinscheiden mehrerer Missionäre. 1901 entstand auf Bougainville am Meeresufer bei einer dicht bevölkerten Ebene die Station Kieta. 

Kaum begründet, musste man sie zeitweilig wegen der Überfälle der Wilden, bei denen zwei Kinder ermordet wurden, verlassen. 1904 kaum Buin hinzu; hier zwang der Tod des Missionärs zu vorübergehender Aufgabe. 1907 entstand dann Koromira und 1910 die ersten Station auf der Insel Buka.
Auch auf den nördlichen Salomonen war zunächst an Bekehrung der Erwachsenen nicht zu denken. Unter unsäglichen Mühen zogen die Missionäre auf ihrem Schiff längs der Insel und suchten gegen Geschenke Kinder für die Schulen der Patres und Schwestern zu werben. 

Auch heute bilden die Schulen noch immer den wichtigsten Teil der Arbeit, wenn auch durch den Einfluss der Glaubensboten und der Bekehrten sich bereits ein Umschwung in den rohen Sitten bemerkbar macht. Wie langsam das Werk der Glaubensverbreitung vorangeht, zeigt die Tatsache, dass Poporag 1903 erst 9 getaufte Jünglinge und 14 Mädchen aufwies. Angesichts solcher Umstände wird man es zu würdigen wissen, wenn die ganze Präfektur 1911 schon 740 Katholiken zählte; auf den 5 Stationen widmen sich gegenwärtig 12 Missionäre, 5 Brüder und 9 Schwestern dem Bekehrungswerk. Die Schulen werden von 257 Kindern besucht. Gegen 100.000 Heiden, wo von etwa 70.000 auf deutschen Inseln leben, warten auf den nördlichen Salomonen noch der frohen Botschaft.


(Aus: die katholischen Missionen, 1913)

Dienstag, 15. Oktober 2013

Die Maristen bei den Kannibalen in Melanesien (Teil 1)





Im Jahre 1844 schlug für die Salomonsinseln die Gnadenstunde nach der langen Nacht der Barbarei und des Heidentums. Im Juli dieses Jahres schuf Gregor XVI. das Doppelvikariat von Melanesien und Mikronesien. Zu Melanesien gehörten Neuguinea, der Bismarckarchipel, Neupommern und die Salomonen. Mikronesien sollte im Norden die Marianen, im Osten die Gilbert- und Marshallinseln und im Westen die Karolinen umfassen. 

Schon am 1. Dezember des folgenden Jahres erschien vor den Salomonen der bescheidene Zweimaster, der den ersten Apostol. Vikar des weiten Missiongebiets, den edlen Bischof Jean-Baptiste Epalle, und die ersten Glaubensboten, 7 Patres und 6 Brüder aus der Gesellschaft Mariens, brachte. Vor den Augen der Missionäre lag die schöne Insel S. Cristobal, die südlichste der ganzen Gruppe. Von dem Verdeck ihres Schiffes grüßten sei das liebliche Eiland. 

In heiliger Begeisterung stimmten sie das Ave Maris stella an, während der Bischof schweigend einige geweihte Medaillen in die Wogen warf. Da S. Cristobal nicht günstig für die Missionsgründung gelegen war, fuhren die Glaubensboten weiter, um einen mehr im Mittelpunkt der Inseln befindlichen Platz zu suchen. 

Nachdem man einige Tage lang in einem kleinen Boot die Ufer untersucht hatte, entschied sich der Apostol. Vikar, ans Land zu gehen. Es war der 16. Dezember, als Bischof Epalle mit 2 Missionären und 4 Seeleuten das Segelschiff verließ. Dem Seemann, der ihn fragte, wohin er das kleine Landungsboot steuern solle, rief er entschlossen zu: „Sofort auf die Hütten los.“

Schon hält der Kahn am Gestade und verschwinden die mutigen Glaubensboten im Gebüsch. Da auf einmal gegen 10 Uhr knallen Schüsse, die Missionäre fliehen zum Boot, ein Laufen, ein Schießen, und in aller Hast fahren sie zum Zweimaster zurück. Was war geschehen? Aufs Schiff hinauf schafft man zuerst den Bischof, blutüberströmt, halbentkleidet. Von fünf Wunden klafft sein Haupt, das Gehirn ist sichtbar. 

Allen voran hatte er sich den Häusern der Eingeborenen genähert, als plötzlich die Wilden aus dem Dickicht hervorbrachen und losschlugen. Zum Tode getroffen, lag er am Boden, während die seinen im ersten Schrecken zum Kahne zurückeilten. Erst dort bemerkte man die Abwesenheit des Apostol. Vikars. Unverzüglich sprang ein Pater wieder ans Land. Mit den Gewehren trieben die Matrosen die Wilden fort, die schon daran waren, den sterbenden Bischof zu entkleiden. 
Mit übermenschlicher Kraft raffte der Priester den Kirchenfürsten auf und eilte zurück zum Schifflein, während die Insulaner tobten. Doch ehe diese eintrafen, war das Boot vom Ufer abgestoßen.

Drei Tage dauerte der Todeskampf des kühnen Missionsbischofs. Am 19. Dezember 1845 hauchte er seine edle Seele aus, der erste Märtyrer der Salomonen.

Am Abend des blutigen Tages hieß es, der Schiffskapitän wolle mit seinen Geschützen und Gewehren die Bluttat rächen; da erhielt er einen Brief, den alle Missionäre unterzeichnet hatten. 

Herr Kapitän, wir kennen zwar nicht die Motive, die Sie bewegen, das Landungsboot noch einmal an das Ufer zu schicken, wo unser Bischof zum Tode getroffen ward, doch glauben wir öffentlich aussprechen zu müssen, dass wir keine Vergeltung wünschen; denn Rache wäre ganz dem Geiste unserer Sendung entgegen. Wir wollen nur Opfer und Frieden.


Nahe bei der Stelle wo er gefallen, beschlossen die Glaubensboten, ihren Bischof beizusetzen. Nachts feierten sie an Bord des Schiffes den Gottesdienst, dann gruben sie auf dem Eiland das Grab und senkten den Märtyrer dort hinab. Ein kleiner Grabstein mit einer Inschrift wurde darauf gelegt, dann deckte man alles mit dem feinen Sand des Meeres zu. 

Mehr als 50 Jahre später fanden seine Mitbrüder, die damals aufs Neue in die Mission zurückkehrten, hier die ehrwürdigen Überreste wieder. Am Schädel waren noch die Spuren der tödlichen Streitaxt zu erkennen. Brustkreuz, zwei Medaillen und Stücke des Rosenkranzes waren noch vorhanden. Jetzt schmückt ein einfaches Grabmal die Stelle, wo einer der ersten Maristen und Apostel Ozeaniens seine Ruhestätte gefunden.

(Aus: die katholischen Missionen, 1913)

Fortsetzung hier

Montag, 20. Mai 2013

Die Kirchenfeindliche Verfassung von Mexiko

Deckblatt der Verfassung von Mexiko im Jahr 1917



In Mexiko rast der Verfolgungssturm gegen Kirche und Religion ungebrochen weiter. Die zu Queretaro (5. Februar 1917) veröffentlichte und seither, wie es scheint, durch weitere Gesetze ergänzte neue Verfassung zielt auf förmliche Vernichtung der Kirche. 

Artikel 5 bestimmt z.B., dass kein Vertrag, keine Abmachung und Vereinbarung vom Staat als rechtskräftig anerkannt werde, welche den Verlust, das unwiderrufliche Opfer oder die Einschränkung der menschlichen Freiheit zum Gegenstand habe, gleichviel ob der Beweggrund Arbeit, Erziehung oder ein Ordensgelübde sei. Damit sind die religiösen Orden unmöglich gemacht. 

Artikel 70 erklärt, dass nur eingeborene Mexikaner im Land gottesdienstliche Handlungen vornehmen dürfen. Es bleibt somit den ausländischen Priestern und Ordensleuten nichts übrig, als das Land zu verlassen. 
Vermutlich haben unter anderen auch die bisher noch in Mexiko tätigen Lazaristen dem Sturm weichen müssen. Die Maristen wurden bereits vertrieben. 

Weiterhin bestimmen die religionsfeindlichen Gesetze, dass die Kirche keinen Grundbesitz erwerben dürfe und ihre Güter dem Staat verfallen. Der Geistlichkeit wir das bürgerliche Stimm- und Wahlrecht abgesprochen. 
Künftig sollen nur noch Staatsschulen bestehen; alle Privatanstalten, d.h. die von Ordensgenossenschaften geleiteten Schulen, werden unterdrückt. Die Mehrzahl der mexikanischen Pfarreien stehen heute verwaist. In der Provinz Campeche sollen noch drei, in einer anderen noch vier, in mehreren gar kein Priester mehr übrig sein. 

Der Erzbischof von Guadalajara, der in einem Hirtenbriefe mannhaft gegen das Vorgehen der Regierung Einspruch erhob, musste sich verstecken; mehrere Priester, die den Hirtenbrief verlesen hatten, wurden ins Gefängnis geschleppt und selbst der Folter unterworfen, um von ihnen Angaben über den Zufluchtsort des Erzbischofs zu erpressen. Die Leidensgeschichte mancher dieser gehetzter Priester und Bischöfe, denen es gelang, über die Grenze zu entfliehen, klingt ergreifend.

Inzwischen sind die nach den Vereinigten Staaten geflüchteten Bischöfe und Ordensleute dort nicht müßig. Voll Vertrauen auf eine bessere Zukunft ist man eifrig bedacht, einen tüchtigen geistlichen Nachwuchs zu erziehen, und es ist tröstlich, dass trotz aller Verfolgung aus Mexiko selbst noch junger Zuzug kommt.

(Aus: die katholischen Missionen, 1918)

Dienstag, 30. April 2013

Der heilige Peter Maria Chanel – der Protomärtyrer von Ozeanien (Teil 3)

Triumph des heiligen Peter Chanel, die Engel halten die Marterwerkzeuge, Keule und Axt

Fortsetzung von hier

Die größte und wohl begründete Angst der christenfeindlichen Häuptlinge war die Vernichtung der alten „Religion. Auch hatte der König in seiner bisherigen Rolle als Abgott seiner Untertanen nun zu fürchten, dass mit der Einführung der katholischen Religion sein fast unumschränkter Einfluss gefährdet würde.

Pater Chanel war zwar als sanftmütig und geduldig bekannt, er konnte aber auch sehr fest auftreten. Augenscheinlich wurde er einmal vor einer Versammlung der Einheimischen mit einer Frage versucht, als er unter anderem über die Natur Gottes sprach. Einer aus der Versammlung stand auf, und fragte, ob nicht Riuliki den wahren Gott in der Brust trage. Riuliki war selbst zugegen. Pater Chanel erwiderte: „Nein, meine Freunde, Jehova, der einzig wahre Gott, wohnt nicht in den Herzen derer, die sich weigern, ihn kennen zu lernen.“ 
Einige Zuhörer gaben wohl zu, dass Pater Chanel mit seinen Erklärungen der katholischen Religion Recht hatte, aber die Furcht vor dem König erstickte den Samen der Wahrheit in vielen Herzen.

Die Situation der Missionare verschlimmerte sich zusehends. Die Diebstähle wurden immer dreister, und wenn die beiden Männer ihr karges Mahl zu sich nehmen wollten, geschah es manchmal, dass eine ganze Horde in die Hütte eindrang und verlangte, mitzuessen, sodass kaum etwas übrig blieb. Die Lage wurde so schlimm, dass die beiden Missionare ihren Haushund schlachten mussten.
Auch die Katechumenen wurden von der christenfeindlichen Partei bedroht. Trotzdem hatten einige junge Männer den Mut, die Missionare weiter mit Essen zu versorgen.

Eines Tages, am Vorabend des ersten Jahrestags des Friedens auf Futuna hielt der Rat der Alten in der Hütte der Missionare eine Versammlung ab.
Br. Nizier hielt sich wohl in oder bei der Hütte auf und hörte die Worte „die beiden müssen verschwinden, es ist des Königs Wille.“ Gleich ging der Bruder zum Heiligen, der bei der Feldarbeit war und sagte zu ihm: „was plagen Sie sich noch länger, Hochwürden! Morgen müssen wir ja doch sterben.“ 
Auf die folgende Erzählung des Gehörten antwortete der Pater ruhig „nun wohl“. Auch gab es Gerüchte, dass man alle Katechumenen ermorden wollte, um jede Spur des Christentums auszutilgen.
Obwohl Musumusu, der Hauptfeind Pater Chanels, dem König unter anderem vorstellte, dass seine Macht schwinden würde, zögerte dieser noch, gegen die Missionare vorzugehen.
Doch die Bekehrung von Riulikis ältestem Sohn Maitala führte eine baldige Entscheidung herbei. Der König war erbittert über die Bekehrung und bedrohte seinen Sohn, konnte diesen aber nicht vom Christentum abbringen.
Mehr oder weniger mit Gutheißung, allerdings wohl mit einigem inneren Zwiespalt erlaubte er die Ermordung des Priesters. Musumusu fragte Riuliki, was er tun solle, worauf dieser antwortete: „Du fragst, was zu tun sei; tue was du willst. Ich habe jenen Menschen liebgewonnen, als ich mit ihm zusammenlebte. Ich sage nicht: Erschlage ihn! Ich sage auch nicht: tue es nicht! Tue, was du willst!“. 
Musumusu setzte sich mit den anderen Häuptlingen in Verbindung, wovon einige noch zurückschreckten und meinten, es solle nur gegen die Gläubigen vorgegangen werden, worauf er erwiderte, dass so das Christentum nicht verschwinden würde, solange der Priester noch lebe. Als er sagte, dass der König es erlaubt hätte, war die Ermordung entschieden.

Zunächst wurden einige Katechumenen von der Bande überfallen und übel zugerichtet, darunter der Sohn Riulikis, Maitala, und seine Schwester Flore. Bei dem Kampf holte sich Musumusu eine Verletzung an der Nase. Die Mordbande zog weiter zur Hütte der Missionare. Auf dem Weg versuchte der Greis Galugalu vergebens, sie zu ermahnen, den Mord nicht zu begehen.

P. Chanel war mit einer Fußverletzung allein in der Hütte, da Bruder Nizier einige Tage bei Thomas Boog auf der anderen Seite der Insel verbrachte. 
Filitika, einer der Verschwörer, der später selbst in den Prozessakten zur Seligsprechung aussagte, trat in die Hütte, und bat Chanel, ihm ein Heilmittel für Musumusu zu geben, der auf die Frage des Missionars vorgab, sich beim Abschlagen von Kokosnüssen verletzt zu haben. Chanel holte das Heilmittel, während Filitika einen Packen Linnenzeug stahl. Pater Chanel merkte dies und rief: „Filitika, du stiehlst in meinem Haus?“. Dieser antwortete nicht. 

Als der Heilige heraustrat, sah Pater Chanel, wie sich die Bande an seinen Sachen zu schaffen machte. Musumusu rief ihnen ärgerlich zu, dass sie nicht klauen, sondern den Priester töten sollten. Fitilika ergriff Pater Chanel und sagte zu einem anderen, er solle mit der Keule zuschlagen. Pater Chanel wehrte mit dem Arm ab, der dabei zerschmettert wurde. 
Ein zweiter Schlag traf seine Schläfe. Als zwei Katechumenen P. Chanel in seinem Blut liegen sahen, blickte er sie freundlich an und sagte „Malie fuai, loku mate“ – „es ist gut für mich, dass ich sterbe“. Nach einer Auseinandersetzung mit dem Katechumenen Ramusigano, der Pater Chanel schützen wollte, versetzte Musumusu dem Märtyrer mit einer Axt den tödlichen Schlag und spaltete dessen Kopf.

Obwohl es ein wolkenloser Sonnentag war, hörte man zur Zeit von P. Chanels Tod einen lauten, donnerähnlichen Knall, der die Insulaner in Angst versetzte und später von vielen Zeugen unter Eid bestätigt wurde. 
Pater Chanels Leichnam wurde vom König und Musumusu begraben und seine Hütte niedergerissen, so dass keine Spur mehr von der Mission blieb. Musumusu und seine Gefolgsleute triumphierten und schmähten das Christentum. In den geraubten Messgewändern führten sie heidnische Tänze auf.

Doch auf einmal war die Freude vorbei: der Bruder des Königs starb plötzlich, der fettleibige Riuliki selbst wurde von einer aussatzähnlichen Krankheit befallen und magerte in kurzer Zeit zu einem Skelett ab, während er bei lebendigem Leibe verfaulte. Seine Götzen, zu denen er getragen wurde, konnten ihm natürlich nicht helfen. 
Nach Riulikis Tod folgte ihm  Musumusu auf dem Königsstuhl; er konnte seine Macht aber nicht festigen. Anfang 1842 tauchte ein französisches Kriegsschiff auf, um die Leiche des Missionars abzuholen. 
Sam-Keletoni, einer der Anführer der Besiegten, der nach dem Krieg auf Rat P. Chanels nach Wallis geflüchtet war, befand sich ebenfalls auf dem Schiff und wurde auf das Drängen des französischen Kapitäns mit den anderen Vertriebenen aufgenommen und als Oberhäuptling von Sigawe eingesetzt. Er konnte seinen Einfluss nun nutzen, um den Götzendienst abzuschaffen. Pater Chanels Leichnam wurde nach Neuseeland gebracht.

Die Stelle seines Martyriums wurde als heilig verehrt. Das gesamte Volk verlangte nun den christlichen Unterricht und einen Priester. Einige Monate später kam Msgr. Pompallier auf die Insel, und man gab ihm die Befugnis, die politischen Verhältnisse zu ordnen. Er erklärte, dass die Insel für zwei Könige zu klein sei, und deshalb sollten sie einen aus ihrer Mitte als einzigen König wählen. Sam-Keletoni ging aus der Wahl als Sieger hervor und wurde bald darauf getauft. 10 Tage später folgten 114 bereits gut unterrichtete Landsleute, denen Msgr. Pompallier auch gleich das Sakrament der Firmung spendete.

Jean-Baptiste (tonganisch: Soane Patito) Pompallier, erster Apostolischer Vikar von Zentralozeanien, Kirchenfenster in Lapaha, Tonga (Quelle: Tau'olunga)

Wieder bewahrheitete sich das Sprichwort „Das Blut der Märtyrer ist der Samen des Christentums“. Selbst die Frau von König Riuliki, die eine erbitterte Feindin von P. Chanel war, bekehrte sich und auch Musumusu bat nach einigen Umtrieben das Volk öffentlich um Verzeihung, bekehrte sich aufrichtig und starb eines erbaulichen Todes.
Die Reliquien des hl. Peter Chanel wurden über Neuseeland und Australien nach Lyon in das Mutterhaus der Maristen gebracht. 1985 wurde die letzte Reliquie, der Schädel, wieder nach Futuna überführt.

Am 17. Dezember 1889 wurde Peter Chanel von Papst Leo XIII selig-, am 12. Juni 1954 vom ehrwürdigen Papst Pius XII heiliggesprochen. Die etwa 15.000 Einwohner von Wallis und Futuna sind heute laut CIA World Factbook zu 99 % katholisch.

Pater Chanel ist der einzige Heilige Ozeaniens (wenn man Australien außen vor lässt) und der Patron dieser Region. Möge er für seine Kinder und für uns bitten!

Kapelle bei Poi zu Ehren des Märtyrers


 (Quelle: die katholischen Missionen, 1890)

Montag, 29. April 2013

Der heilige Peter Maria Chanel – der Protomärtyrer von Ozeanien (Teil 2)

Glasfenster des heiligen Peter Chanel (oft "Petelo" in den polynesischen Sprachen), katholische Kirche von Lapaha,Tonga (Quelle: Tau'olunga)

Fortsetzung von hier

Als nächstes musste P. Chanel natürlich die Sprache der Einheimischen lernen (mehr zu diesem Thema hier und hier), was sich natürlich alles andere als einfach gestaltete, Grammatiken gab es für die Sprache ja noch keine. 
Thomas Boog, ein Engländer, der mit den Missionaren auf die Insel zurückgekommen war, wo er sich bereits niedergelassen hatte, war ein Freund und Helfer der Missionare und sprach Futunisch, der Pater allerdings kaum Englisch. 
Boog und Maitala, der älteste Sohn des Königs, machten ihm die Bedeutung der Worte mit Zeichen klar, und der Heilige schrieb sie auf und lernte sie auswendig. Hier eine Sprachprobe, das Ave Maria auf Futunisch:

Alofa, Malia, ekefonu ite kalasia, eiate koë te aliki, eke manuia koe ite fafine fuape, pea e manuia ia Jesu, ko te fua o tou alo.
Magata Malia, kote faë a te atua, keke hufia matoü a ga hala i te ahonei mote a ho o tomatoü mate. Amen.

Besonders die Messe, der Altarschmuck und die Heiligenbilder machten großen Eindruck auf die Einheimischen, vor allem das Kruzifix und das Ecce-Homo-Bild, die Pater Chanel jedoch wegen der Sprachschwierigkeiten noch nicht befriedigend erklären konnte.
Über ein halbes Jahr konnte er keinen Bekehrungserfolg vermelden. Am 18. Juni 1838 ist es jedoch so weit: der erste Futunier wird katholisch getauft. Es ist ein kranker Junge, dem der Heilige den Namen Maria Marcellinus gibt.
Mit Freude kann er auch im Tagebuch verzeichnen, dass zwei einheimische Jugendliche von selbst einen Blumenkranz für das Bild der Muttergottes brachten. Am 28. August taufte er die erste Erwachsene, eine todkranke Frau, die ihn vorher noch abgewiesen hatte.

Im Mai 1839 kamen die Einheimischen mit der merkwürdigen Nachricht zu P. Chanel, dass seine Verwandten gekommen wären. Gemeint waren P. Bataillon (später Apostolischer Vikar von Zentral-Ozeanien) und sechs weitere Mitbrüder vom hl. Peter, darunter wohl auch P. Epalle (später zum Bischof geweiht), der 1845 auf den Salomonen von den Einheimischen ermordet wurde.
Groß war die Freude beim Wiedersehen. Nun mussten die insgesamt neun Europäer jedoch die ärmliche Hütte teilen und waren nach wie vor auf die Gastfreundschaft des Königs angewiesen – so mussten sie sich also auch nach dessen Essgewohnheiten richten.

P. Bataillon, der die Sprache fließend beherrschte, predigte vor König und Volk und hinterließ wohl einen gewissen Eindruck. Er blieb noch zwei weitere Monate, um dem Heiligen die Sprache beizubringen, während die anderen Missionare schon abgereist waren. 
Ersterer verfasste auch auf Anregung Chanels einen Lobgesang zu Ehren Mariens in futunischer Sprache. 
P. Bataillon erreichte großes Ansehen bei den Einheimischen und so war es den beiden Missionaren möglich, die abergläubischen Heiligtümer der Futunier zu verbrennen, die zuerst erschreckt, dann aber erleichtert reagierten, als sie sahen, dass den Glaubensboten nichts geschehen war und ihre Götzen vollkommen machtlos waren. 

Eine günstige Stimmung entwickelte sich, zwei ganze Dörfer verlangten die Taufe. Doch dann kam es wieder zum Krieg, den P. Chanel vergeblich durch Vermittlung verhindern wollte.
Futuna war stets in zwei Lager geteilt, das der „Sieger“ (unter Riuliki) und das der „Besiegten“, die ihren eigenen König hatten, den greisen Banae. 
Die „Besiegten“ erklärten, dass sie nach ihrem Sieg über die „Sieger“ Christen werden wollten. Doch es sollte nicht so kommen. Riulikis Leute gewannen und brachten die ganze Insel unter ihre Gewalt. Auf dem Schlachtfeld behandelte P. Chanel die Verwundeten und konnte drei Krieger mit deren Zustimmung taufen.

Nach dem Krieg gestaltete sich die Lage etwas günstiger, besonders die Kinder und Jugendlichen zeigten sich für den Glauben empfänglich. Nun konnte der Heilige auch die Sprache soweit, um die Glaubenswahrheiten lehren zu können. Die Jungen erkannten auch bald, dass es sich bei Ihren Götzen um „Lügengötter“ handelte, die ihnen nicht halfen.
Der König aber schrieb seinen Sieg dem Götzen Fakavelikele zu, dessen Kult er jetzt wieder verstärkt förderte. Zudem machten ihn Berichte über die schlechte Situation der zum Protestantismus bekehrten Insulaner auf den Nachbarinseln misstrauisch, und dieses Misstrauen wurde von der christenfeindlichen Partei der Häuptlinge noch geschürt.

Der bislang freundschaftliche Verkehr mit dem König kühlte bedeutend ab und dieser lieferte auch keine Lebensmittel mehr an die Missionare, ja er verbot es anderen, die Missionare zu unterstützen, da er sich selbst um die Versorgung „seiner Weißen“ kümmern würde. 

P. Chanel beschloss also, seinen Lebensunterhalt selbst zu erstreiten, was bei der Hitze, seiner schmalen Statur, die durch die Mangelernährung noch zusätzlich geschwächt wurde, kein leichtes Unterfangen war. 
Bruder Nizier berichtet, dass der Heilige stets heiter und zufrieden war, auch wenn er durch die Arbeit vollkommen geschwächt war und es nicht mal etwas zu essen gab.
Trotz dieser bitteren Lage verlor er nicht den Mut, und P. Chanel durchstreifte die Insel mit dem Rosenkranz in der Hand, „gleichsam überall Ave Mariä aussäend“, wie sein Biograf schrieb. Auch die kleine Nachbarinsel Alofi besuchte er, auch wenn er von den Reisen fiebergeschüttelt und mit blutigen, zerrissenen Füßen (wohl von dem Vulkangestein) zurückkam. Doch seine Mühe wurde belohnt. Gerade hier konnte er einige seiner eifrigsten Katechumenen finden.

Nach einer kurzen Entspannung verschlechterte sich die Beziehung mit dem König beträchtlich. Wohl unter dessen Gutheißung kam es immer wieder zu Diebstählen auf dem Feld der Missionäre, die so wohl von der Insel getrieben werden sollten. 

Futuna mit Alofi. das Dorf Poi, wo der Heilige lebte, findet sich direkt unter dem Schriftzug "Futuna"

Auch verbot der König, dass seine Untertanen nach Poi, dem Dorf, wo die Missionare lebten, gingen, um zu beten. Trotzdem wagten es die Katechumenen, nachts heimlich dorthin zu gehen, um den Unterricht und morgens die heilige Messe anzuhören. 

Ein großer Trost war es, dass der Engländer Thomas Boog, der Freund der Missionare auf Futuna, am Vorabend von Allerheiligen in die katholische Kirche aufgenommen wurde und am folgenden Festtag die erste heilige Kommunion empfing.

Doch das Unheil braute sich immer mehr zusammen…

Fortsetzung hier

Sonntag, 28. April 2013

Der heilige Peter Maria Chanel – der Protomärtyrer von Ozeanien (Teil 1)




Heute ist das Fest des heiligen Peter Maria Alois Chanel aus der Gesellschaft Mariä (Maristen, Ordenskürzel S.M.). Dieser wohl im deutschen Sprachraum recht unbekannte Heilige war einer der größten Glaubensboten der Südsee und zugleich der erste, der dort das Martyrium erlitt.

Geboren wurde Peter Chanel 12. Juli 1803 im kleinen Dorf La Portière im französischen Department Ain. Schon als Kind zeichnete er sich durch besondere Frömmigkeit aus. Als er erfuhr, dass seine Mutter ihn schon früh der allerseligsten Jungfrau geweiht hatte, nahm er Maria als zweiten Vornamen an. Später sollte bei seiner Firmung noch „Alois“ hinzukommen. Am Tag seiner ersten heiligen Kommunion, mit 13 Jahren (vor der Reform von St. Pius X. so üblich) schrieb er eine Lebensregel nieder; darunter fand sich folgender Eintrag:

Was ich vor allem fliehen muss, ist die Sünde. Ich will also alles tun, um mich davor zu bewahren. Ohne die Hilfe Gottes ist es aber nicht möglich, die Sünde zu meiden und tugendhaft zu sein. Ich muss also recht inständig beten.“ 
Seine Liebe zur Gottesmutter spiegelt sich ebenfalls in dieser Lebensregel wieder: 
„Ganz besonders will ich die Mutter Gottes recht von Herzen lieb haben. Täglich werde ich den Rosenkranz beten, um sie zu ehren und ihres Schutzes mich zu versichern.(…)

Sein tugendhaftes Leben setzte sich auch später im Priesterseminar fort, und am 15. Juli 1827 empfing er die Priesterweihe. Danach wurde er Vikar in Ambérieux, wo er unter anderem durch seinen Eifer für die Einführung der Maiandacht ein so gutes Beispiel gab, dass ihn sein Bischof schon im September 1828 zum Pfarrer von Crozet machte, einem kleinen Ort unweit von Genf, bekannt als eine der schwierigsten Pfarreien der Diözese. 
Kaum jemand kam in die Messen, auch nicht am Sonntag, wo viele Menschen arbeiteten wie am Werktag, oder Vergnügungen nachgingen wie Tanz und Wirtshaus. Als erstes empfahl unser Heiliger seine neue Pfarre dem Schutz der Himmelskönigin. Lange betete er vor dem Tabernakel und vor dem Bild der Muttergottes und erflehte sich bei einer Wallfahrt zum Grab des hl. Franz von Sales dessen Sanftmut und Liebe, durch welche dieser zu seiner Zeit so große Wunder der Bekehrung gewirkt hatte. 

Bald wurde dem hl. Peter klar, dass der Hauptgrund der Verwilderung seiner Pfarrkinder deren große religiöse Unwissenheit war. Er predigte also Sonntags zweimal, und vermittelte, ohne direkt auf die Missstände einzugehen, die christlichen Standpunkte doch klar und eindringlich. Durch seine verschwenderische Liebe zu den Armen bereitete er den Boden für diese Predigten. Auch belebte er die religiösen Bruderschaften vom heiligsten Altarsakrament und vom heiligen Rosenkranz neu. Eine Volksmission tat ihr übriges, und der Ort war schließlich vollkommen verwandelt. Eine schöne Dorfkirche wurde gebaut, und auch die Fronleichnamsprozession kam wieder in Schwung.

Doch es zog den „heiligen Pfarrer“ in die Ferne, genauer gesagt in die Mission. Häufig fragte er bei seinem Bischof an, bis dieser ihn schließlich ziehen ließ. Am letzten Sonntag in Crozet weihte er die Pfarrei feierlich der allerseligsten Jungfrau und verteilte seine ganze Habe unter den Armen, bevor er sich der Gesellschaft Mariä anschloss. Die Erinnerung an den „guten, frommen Pfarrer“ blieb noch Jahre wach. 

Als sein Nachfolger den Verein der Glaubensverbreitung in Crozet einführen wollte, stieß er auf taube Ohren. Mit folgenden Worten ermahnte der neue Pfarrer seine Pfarrkinder: „Wisst ihr denn nicht, dass es sich dabei vornehmlich um die Unterstützung der auswärtigen Missionen handelt, dass also auch P. Chanel dabei beteiligt ist, der weit drüben auf fernem Inselstrande seine Stimme mit der meinigen vereint, um euch um Gebet und Almosen zu bitten?“ Die Zuhörer brachen in lautes Schluchzen aus und wollten sich nun alle dem Verein anschließen.

Pater Chanel wurde nach der kanonischen Errichtung der Maristen im Jahr 1836 für die schwierige Mission in Ozeanien ausgewählt (auch heute noch liegt dort die größte Provinz der Maristen).
Nach einer beschwerlichen Reise, auf der ein Priester starb, kamen die ersten Maristenmissionäre, darunter Pater Chanel, auf den Gambier-Inseln (Französisch-Polynesien) an, wo sie von den eifrigen katholischen Eingeborenen fröhlich empfangen und mit Geschenken überhäuft wurden. 
Die Reise ging weiter nach Westpolynesien. Msgr. Pompallier, der erste Apostolische Vikar von Zentralozeanien, der die Reise begleitete, wollte eine Mission in Tonga errichten, allerdings wurden die Tonganer und deren zunächst nicht abgeneigter König von den methodistischen Predigern so aufgebracht, dass der König befahl, die katholischen Missionäre müssten das Land wieder verlassen. Also zogen sie weiter nach Wallis. 
Durch Vermittlung eines jungen Häuptlings konnten sie sich niederlassen, und so wurde Wallis später die erste blühende Mission von Zentralozeanien.

Man wagte auch den Versuch auf der Nachbarinsel Futuna, und der Könige Riuliki wurde durch Geschenke mild gestimmt und die Mehrheit seines Rates beschloss, dass die Weißen bleiben könnten, weil sie wohl hofften, dass durch diese Reichtum ins Land käme.

Msgr. Pompallier bestimmte am 9. November 1837, dass Pater Chanel und Br. Nizier in Futuna bleiben sollten. Als erstes weihten sie die Insel der Himmelskönigin Maria. Kaum vier Jahre später sollte Chanel dort als Märtyrer sterben.

Die Einwohner hatten bis einige Jahre vor der Ankunft der Missionare verheerende Kriege untereinander geführt, die die Bevölkerung stark dezimiert hatten. Dazu kam der Kannibalismus, der nicht einmal vor den eigenen Stammesangehörigen Halt machte. Anscheinend war diese teuflische Verwirrung auch Ausdruck des abstrusen Götzenkultes, der auf der Insel herrschte. Auch dem König wurde ein gottähnlicher Kult erwiesen. Daneben war auch der Kindsmord üblich.
Gott sei Dank kam später ein König an die Macht, der immerhin die Menschenfresserei abschaffte.

Eigenartiger Weise waren die Futunier abgesehen von dem oben Genannten höflich und auch gastfreundlich. Auch zeigten sie sich kindlich begeistert von den Handwerksfähigkeiten der Missionare. Einen etwas naiven Stolz ließen sie sich nicht einmal durch ihre Landsleute nehmen, die bereits in Australien gewesen waren, und zwar, dass ihre kleine Insel der größte Erdteil der Welt wäre!

Nun begann für den hl. Peter ein wahres Opferleben. Denn obwohl er von dem König eingeladen wurde, bei ihm zu wohnen, waren die Entbehrungen wohl um ein vielfaches größer als in einem französischen Alpendorf. 
Der König zog es nämlich vor, erst um 15 oder 16 Uhr zu speisen, und die königliche Tafel wurde nur mit Bananen, Brotfrüchten und Wurzeln und gelegentlich einigen kleinen, rohen, und teils noch lebendigen Fischen oder großen, ebenfalls lebendigen Holzwürmern gedeckt.

Einmal setzte sich P. Chanel beim Brevierbeten auf einen Stein vor der Wohnung des Königs, worauf ihm dies sogleich verwiesen wurde, denn er hatte ein „Tapu“ gebrochen und nach Meinung der Futunier den Zorn von „Fakavelikele“ (d.h. "der, der die Erde böse macht"), dem Hauptgötzen, auf sich gerufen. 
Nur dem König war es erlaubt, sich auf solche Steine setzen. Zu seiner Erleichterung wurde ihm und Bruder Nizier bald eine eigene Hütte zugewiesen, wenn sie auch denkbar ärmlich war. Hier konnte er am Fest der unbefleckten Empfängnis 1837 die erste heilige Messe auf Futuna lesen.

An Weihnachten war es so weit: die erste öffentliche Messe wurde gelesen, und auch der König wurde eingeladen. P. Chanel und Bruder Nizier richteten den Altar so schön wie möglich her. Der König konnte kaum abwarten, dass die Messe anfing. Priester und Bruder sangen das ganze Amt zusammen, und die Eingeborenen wohnten ehrfürchtig bei. Fortan besuchten die Insulaner regelmäßig der heiligen Messe im „geschmückten Haus“, wie sie die Kapelle und gleichzeitige Wohnung nannten.

(Quelle: die katholischen Missionen, 1890)

Fortsetzung hier

Dienstag, 2. Oktober 2012

Bilder: drei heilige Missionäre


Der Triumph des heiligen Peter Chanel

Martertod des heiligen Johann Gabriel Perboyre
Statue zu Ehren des heiligen Damian Deveuster in Löwen (Belgien)
(Quelle: die katholischen Missionen, Herder)

Sonntag, 23. September 2012

Erstkommunion und mehr auf der katholischsten Insel der Südsee

St. Peter Chanel, Apostel, erster Märtyrer  und Patron von Wallis und Futuna

Wallis mit den Inseln Futuna und Tonga bildet das Apostol. Vikariat Zentral-Ozeanien, welches schon seit 1837 den Maristen untersteht. Die 2500 Hektar große Hauptinsel Wallis (Uvea) wird von schmalen Koralleninseln kranzartig umschlossen, sodass nur die einzige Einfahrtstelle von Honikulu für Schiffe offen bleibt.
Üppiger Pflanzenwuchs und gut bebaute Äcker bedecken die Hänge der zu 200 m ansteigenden Hügelketten und geben der Insel das Aussehen eines im Ozean schwimmenden riesigen Blumenkorbs. Zwei große Seen im Inneren, wahrscheinlich ehemalige Krater, speisen zahlreiche Flüsschen und Bäche.
Das Eiland ist in drei Bezirke geteilt. Der Norden gehört zum Bezirk Hihiso, im Zentrum liegt der Distrikt Hahake mit dem Haupthafen und der Königsstadt Matautu, und den Süden nimmt Mua ein. Die Bewohner von Wallis gehören zur polynesischen Rasse an und werden als schöner Menschenschlag geschildert. Sie sind begabt und in ihrem Auftreten voll Anmut und Würde. Durch den Vertrag von 1886 stellte sich Wallis unter französischen Schutz.
Ein vom Präsidenten Frankreichs ernannter Resident hat das Recht, sich an den Beratungen der einheimischen Häuptlinge zu beteiligen und wahrt die Rechte der Landesregierungen anderen Mächten gegenüber. Im Übrigen besitzt der König in seinen Regierungsangelegenheiten die ungeschmälerte Freiheit.
Dank der kraftvollen 27-jährigen Regierung der Königin Amalia (gest. 1895) sowie dem segensreichen Einfluss des ersten Apostolischen Vikars, Msgr. Bataillons, und seiner beiden Nachfolger, Msgr. Elloys und Msgr. Lamazes, wurde den ehemals die Insel verheerenden Bürgerkriegen ein Ende bereitet und damit auch die günstige Entwicklung der Mission gesichert.
Gegenwärtig zählt die Mission auf Wallis in den drei Pfarreien von Hihiso, Matautu und Mua 9 Missionäre, 10 Kirchen und 10 Schulen. An der Spitze jeder Pfarrgemeinde steht ein europäischer Missionär mit einem einheimischen Hilfspriester. Der einheimische Klerus sowie die Katechisten für das ganze Vikariat erhalten ihre Bildung in dem Kolleg und Seminar von Lano.
Im Jahr 1901 zählte das Seminar 30 eingeborene Priesterkandidaten. Zu Sofala leiten vier europäische Nonnen, unterstützt von 20 einheimischen Schwestern des dritten Ordens Mariä, ein Pensionat von 500 Mädchen und ein Noviziat. Ordensberufe sind nämlich unter der weiblichen Bevölkerung Uveas nicht selten.

Ein kurzes Bild katholischen Lebens und Fühlens auf Wallis möge die Schilderung der ersten Kinderkommunion geben. Nach dem üblichen Katechismusunterricht während eines vollen Jahres folgt eine Prüfung. Von dem guten Bestand derselben hängt die Zulassung ab.
Die Namen der Glücklichen werden beim öffentlichen Gottesdienst verlesen. Behufs näherer Vorbereitung ziehen sich die Knaben in ein für sie bestimmtes Haus zu den Patres zurück, die Mädchen wohnen bei den Schwestern. Während dieser Zeit verlassen die Kinder das Haus nur, um in der Kirche die gemeinsamen Übungen vorzunehmen.
Die freien Stunden bringen sie mit Lesen, Singen und Beten zu. Für das gemeinsame Essen der Erstkommunikanten steuern die einzelnen Gemeinden der Pfarrei die Lebensmittel bei. Am Vorabend der Kommunion bitten die Kinder Eltern und Verwandte für alle Fehler um Verzeihung und erhalten von diesen den Versöhnungskuss.
Während sich die Erstkommunikanten der ernstesten Sammlung befleißen, legen die Mütter und älteren Schwestern die letzte Hand an den funkelnagelneuen Festputz ihrer Lieblinge. Nichts wird da gespart. Stoffe und Bänder aller Farben und Schattierungen, reich besetzt mit Glasgehängen, Halsbändern und frischen, duftenden Kränzen zieren die Kleider von Knaben und Mädchen. Sobald die Glocken den Anbruch des großen Tages verkünden, bilden sich auf dem Kirchplatz um jeden der Kommunikanten Gruppen geschäftiger Anverwandter (…) Wohlriechende Öle werden den Kindern auf das wallende Haupthaar gegossen, worauf dasselbe mit Sandelholz, dem nach ozeanischer Sitte gesuchtesten Schmuck, bedeckt wird.
Mit duftenden Ölen salbt man auch die Schultern der Kommunikanten. Nach diesen Vorbereitungen ziehen Knaben und Mädchen in langsamer, feierlicher Prozession zur festlich geschmückten Kirche. Die Andacht und Erbauung der Kinder während der heiligen Messe und beim Tische des Herrn seien wahrhaft rührend. So gestaltet sich die erste Kinderkommunion nicht nur für die Beteiligten, sondern auch für die ganze Gemeinde zu einem Festtag.
An der Kirchentüre erwarten die Häuptlinge mit reichen Geschenken an Nahrungsmitteln die vor Seligkeit strahlenden Kinder. Ein öffentliches Festmahl auf Kosten der Eltern der Kommunikanten beschließt den Freudentag.


(Aus: die katholischen Missionen, 1904)