Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

Posts mit dem Label Wallis und Futuna werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Wallis und Futuna werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 28. Juni 2014

Französischer Kulturkampf gegen die Missionare in der Südsee


Die Wallisinseln, die unter französischem Protektorat stehen, sollten in letzter Zeit an den Segnungen des französischen Kulturkampfs Anteil bekommen; der neue Resident Dr. Brochart (eigentlich wohl Brochard)fand nach seiner Ankunft nichts Wichtigeres zu tun, als die Maristenmissionäre, die dort erfolgreich wirken, bei den Eingeborenen herabzusetzen. Von Anfang ging sein Plan dahin, sie aus dem Land zu verdrängen. Da aber die Inseln nur unter dem Schutz Frankreichs sind, konnte der Beamte ohne die Zustimmung des Köngigs die Patres nicht verbannen. Mehrfach weigerte sich der eingeborene Herrscher, das Ausweisungsdekret zu unterzeichnen. 

Endlich brachte ihn der Resident wenigstens dahin, den Obern der Missionäre wegen „Verrates gegen den König“ des Landes zu verweisen. Die Maristen wandten sich nun an den französischen Gouverneur von Numea, der auch alsbald zur Untersuchung nach Wallis abreiste. 

Noch ehe er eintraf, hatte das erregte Volk den Rechtsstreit nach seiner Auffassung bereits entschieden. Es hatte den König abgesetzt und den Residenten verjagt. Der Gouverneur schloss sich dem Volksgericht an; er erkannte auf Freisprechung der Missionäre und Aufhebung des Verbannungsdekrets. Jetzt herrscht auf den stillen Eilanden wieder voller Friede.


(Aus: die katholischen Missionen, 1912) 

Sonntag, 27. April 2014

Große Missionsbischöfe: Der Bischof der 1.000 Inseln – Msgr. Pierre Marie Bataillon S.M., Apostolischer Vikar von Zentral-Ozeanien



Wenn wir hier ein vollständiges Bild von dem Leben und den Arbeiten dieses Missionärs geben wollten, müssten wir die ganze Geschichte des Vikariats Zentral-Ozeanien erzählen, dessen Begründer er war; indessen werden wir dieses bei einer anderen Gelegenheit tun und uns hier begnügen, einige wenige persönliche Notizen über ihn zusammenzustellen. 

Geboren wurde Msgr. Bataillon in der Diözese Lyon am 6. Januar 1810; hier auch begann er als ebengeweihter Priester im Jahr 1835 seine Tätigkeit, allein bereits nach einem Jahr legte er die ihm anvertraute Vikarie nieder, um in der neugegründeten Maristen-Kongregation sich den äußeren Missionen zu widmen. 

Er war einer der Missionäre dieser Kongregation, die, wie wir im vorigen Jahr erzählt haben, sich mit Msgr. Pompallier am 24. Dezember 1836 einschifften (zusammen mit dem heiligen Peter Chanel), um als die ersten katholischen Glaubensboten in West-Polynesien das Evangelium zu verkünden. 

Am 1. November 1837 kam die kleine Schar in Wallis oder Uvea, der nördlichsten Insel des Tonga- (Freundschafts-) Archipels, an; P. Bataillon erhielt von Msgr. Pompallier den Auftrag, mit einem Laienbruder hier zu bleiben und die Mission zu beginnen. Eine nicht leichte Aufgabe, auf der kleinen, mitten im Ozean verlorenen Insel, ein Volk zu bekehren, von dessen Sprache er ebenso wenig verstand, als dieses von der seinigen! Indessen die Schwierigkeiten hielten ihn nicht ab; die ersten Monate widmete er ganz dem Erlernen der Sprache, dann begann er mit der Predigt des Evangeliums. 

Der Erfolg war Anfangs gering; nach zweijähriger Anwesenheit hatte er nur einige sterbende Kinder und Kranke taufen können, die ihm übrig bleibende Zeit verwendete er darauf, die christlichen Lehren in die Landessprache zu übertragen, und zwar in Verse, weil die Insulaner den Gesang sehr lieben. Unterdessen harrte er ruhig aus, lehrte, wo und wann er konnte, und seine Beharrlichkeit wurde belohnt. 
Im Jahr 1842 bekehrte sich die ganze Bevölkerung der Insel, über 2600 Seelen, auf eine fast wunderbare Weise. Im nämlichen Jahr, bevor noch diese Bekehrung in Europa bekannt war, hatte der heilige Stuhl Zentral-Polynesien als ein neues apostolisches Vikariat abgegrenzt und P. Bataillon zu dessen erstem Oberhirten. 

Der neue Bischof erfuhr seine Erhebung erst am 3. Dezember 1843, als Msgr. Douarre, der Apostol. Vikar von Neukaledonien, auf Wallis landete, um ihm die bischöfliche Weihe zu erteilen. Kaum hatte er dieselbe empfangen, so begann er seine Tätigkeit auf die anderen ihm zum Missionsfeld anvertrauten Inselgruppen auszudehnen; im Jahr 1844 führte er selbst zwei Missionäre auf die Fidschi-Inseln und zwei nach Tonga, der südlichsten der Freundschaftsinseln, im folgenden Jahr mehrere andere auf den Samoa-Archipel. 

Er selbst kehrte jedoch stets wieder nach Wallis zurück, welches der Mittelpunkt seines Vikariats und fortwährend der bevorzugte Schauplatz seiner eigenen Wirksamkeit war; nur zweimal führten ihn die Interessen seiner Mission nach Europa zurück. Nach seiner zweiten Reise (1872) schrieb der Generalobere der Maristen an die Missionäre in Polynesien: 

„Msgr. Bataillon ist einer der ältesten Apostolischen Vikare der ganzen Kirche; über 30 Jahre arbeitet er schon als Bischof, um auf den Inseln der Südsee die Kirche fest zu begründen. Vor zwei Jahren sahen wir den ehrwürdigen Greis vom anderen Ende der Erde trotz seines Alters und trotz der Strapazen der langen Reise hier ankommen, um dem heiligen Stuhl Rechenschaft über seine Mission abzulegen. 

Er bat den heiligen Vater nur um eine einzige Gunst, nämlich um die Erlaubnis, nach empfangenem päpstlichen Segen gleich wieder in seine Mission zurückzukehren zu dürfen. Er hätte wohl den Anspruch erheben können, jetzt auszuruhen von seiner langjährigen Arbeit; aber er konnte sich nicht entschließen, fern von seiner Herde, fern von seinem vielgeliebten Wallis zu bleiben, das er ganz bekehrt hat und das jetzt seine Freude und seine Krone ist. Er ist also abgereist, und will die letzten Jahre seines Lebens seinen Neubekehrten weihen und in ihrer Mitte sterben und sein Grab finden.“

Dieser Wunsch des seeleneifrigen Bischofs ist in Erfüllung gegangen. Nachdem er noch am 2. Januar 1877 zu Lano auf Wallis zu einer neuen Kirche, welche für die beiden großen dort errichteten Zentral-Schulanstalten dienen sollte, den ersten Stein gelegt und in den beiden ersten Monaten durch seine stete Anwesenheit auf dem Bauplatz die Arbeiter angefeuert hatte, fühlte er im März die ersten Anfälle seiner letzten Krankheit. 

Am Vorabend vom Fest des hl. Joseph kehrte er in seine gewöhnliche Residenz nach Mua zurück, am Feste selbst las er in der dortigen St. Josephskirche noch die heilige Messe; es war seine letzte. Acht Tage später konnte er sich nur noch in die Kirche tragen lassen, um dort, wo er die ersten Neophyten getauft und wo er selbst die Bischofsweihe empfangen hatte, nun auch die letzten heiligen Sakramente zu empfangen. Wenige Tage später ging er hin, de Lohn für seine vielen Arbeiten zu empfangen; sein Grab hatte er selbst in der St. Josephskirche zu Mua sich erwählt.


(Aus: die katholischen Missionen, 1877)

Samstag, 12. April 2014

„Sie (...) sind bis zu Tränen gerührt, wenn ich ihnen sage, dass wir zahlreiche Verwandte und Freunde (...) zurückgelassen haben“


„Sie üben“, schreibt P. Chanel an den Aumonier (Almosenier) der Antiquaille in Lyon, Abbé Bajard, das heilige Amt des Priesters in dem Ort aus, an welchem Sie dieser erhabenen Würde bekleidet wurden, während ich durch den Ratschluss der göttlichen Vorsehung bestimmt bin, die ersten Anfangsgründe der christlichen Lehre mit den Bewohnern einer kleinen Insel West-Ozeaniens zu stammeln. 

Die Schwierigkeiten der Sprache haben mich lange Zeit mit Schrecken erfüllt. Gegenwärtig bin ich aber doch schon so glücklich, mich ein wenig verständlich machen zu können. Ich benütze dies, um meinen armen Wilden den Beweggrund unserer Abreise von Frankreich recht begreiflich zu machen. Sie hören mich dann mit aller Aufmerksamkeit an und sind zuweilen bis zu Tränen gerührt, wenn ich ihnen sage, dass wir zahlreiche Verwandte und Freunde in Kummer und bitterster Unruhe zurückgelassen haben, und dass einer aus uns (P. Bret), der sich innig gesehnt hatte, ihnen nützlich zu werden, auf der Reise gestorben ist, und wir ihm kein anderes Grab bereiten konnten, als die unermesslichen Abgründe, über welchen wir uns befanden.“


(Aus: Leben des seligen Peter Alois Maria Chanel, Priesters der Gesellschaft Mariä und ersten Martyrers Oceaniens, aus dem Französischen des P. Claudius Nicolet aus derselben Gesellschaft, von P. Carl Dilgskron C.SS.R. Mit kirchlicher Approbation)

Dienstag, 30. April 2013

Der heilige Peter Maria Chanel – der Protomärtyrer von Ozeanien (Teil 3)

Triumph des heiligen Peter Chanel, die Engel halten die Marterwerkzeuge, Keule und Axt

Fortsetzung von hier

Die größte und wohl begründete Angst der christenfeindlichen Häuptlinge war die Vernichtung der alten „Religion. Auch hatte der König in seiner bisherigen Rolle als Abgott seiner Untertanen nun zu fürchten, dass mit der Einführung der katholischen Religion sein fast unumschränkter Einfluss gefährdet würde.

Pater Chanel war zwar als sanftmütig und geduldig bekannt, er konnte aber auch sehr fest auftreten. Augenscheinlich wurde er einmal vor einer Versammlung der Einheimischen mit einer Frage versucht, als er unter anderem über die Natur Gottes sprach. Einer aus der Versammlung stand auf, und fragte, ob nicht Riuliki den wahren Gott in der Brust trage. Riuliki war selbst zugegen. Pater Chanel erwiderte: „Nein, meine Freunde, Jehova, der einzig wahre Gott, wohnt nicht in den Herzen derer, die sich weigern, ihn kennen zu lernen.“ 
Einige Zuhörer gaben wohl zu, dass Pater Chanel mit seinen Erklärungen der katholischen Religion Recht hatte, aber die Furcht vor dem König erstickte den Samen der Wahrheit in vielen Herzen.

Die Situation der Missionare verschlimmerte sich zusehends. Die Diebstähle wurden immer dreister, und wenn die beiden Männer ihr karges Mahl zu sich nehmen wollten, geschah es manchmal, dass eine ganze Horde in die Hütte eindrang und verlangte, mitzuessen, sodass kaum etwas übrig blieb. Die Lage wurde so schlimm, dass die beiden Missionare ihren Haushund schlachten mussten.
Auch die Katechumenen wurden von der christenfeindlichen Partei bedroht. Trotzdem hatten einige junge Männer den Mut, die Missionare weiter mit Essen zu versorgen.

Eines Tages, am Vorabend des ersten Jahrestags des Friedens auf Futuna hielt der Rat der Alten in der Hütte der Missionare eine Versammlung ab.
Br. Nizier hielt sich wohl in oder bei der Hütte auf und hörte die Worte „die beiden müssen verschwinden, es ist des Königs Wille.“ Gleich ging der Bruder zum Heiligen, der bei der Feldarbeit war und sagte zu ihm: „was plagen Sie sich noch länger, Hochwürden! Morgen müssen wir ja doch sterben.“ 
Auf die folgende Erzählung des Gehörten antwortete der Pater ruhig „nun wohl“. Auch gab es Gerüchte, dass man alle Katechumenen ermorden wollte, um jede Spur des Christentums auszutilgen.
Obwohl Musumusu, der Hauptfeind Pater Chanels, dem König unter anderem vorstellte, dass seine Macht schwinden würde, zögerte dieser noch, gegen die Missionare vorzugehen.
Doch die Bekehrung von Riulikis ältestem Sohn Maitala führte eine baldige Entscheidung herbei. Der König war erbittert über die Bekehrung und bedrohte seinen Sohn, konnte diesen aber nicht vom Christentum abbringen.
Mehr oder weniger mit Gutheißung, allerdings wohl mit einigem inneren Zwiespalt erlaubte er die Ermordung des Priesters. Musumusu fragte Riuliki, was er tun solle, worauf dieser antwortete: „Du fragst, was zu tun sei; tue was du willst. Ich habe jenen Menschen liebgewonnen, als ich mit ihm zusammenlebte. Ich sage nicht: Erschlage ihn! Ich sage auch nicht: tue es nicht! Tue, was du willst!“. 
Musumusu setzte sich mit den anderen Häuptlingen in Verbindung, wovon einige noch zurückschreckten und meinten, es solle nur gegen die Gläubigen vorgegangen werden, worauf er erwiderte, dass so das Christentum nicht verschwinden würde, solange der Priester noch lebe. Als er sagte, dass der König es erlaubt hätte, war die Ermordung entschieden.

Zunächst wurden einige Katechumenen von der Bande überfallen und übel zugerichtet, darunter der Sohn Riulikis, Maitala, und seine Schwester Flore. Bei dem Kampf holte sich Musumusu eine Verletzung an der Nase. Die Mordbande zog weiter zur Hütte der Missionare. Auf dem Weg versuchte der Greis Galugalu vergebens, sie zu ermahnen, den Mord nicht zu begehen.

P. Chanel war mit einer Fußverletzung allein in der Hütte, da Bruder Nizier einige Tage bei Thomas Boog auf der anderen Seite der Insel verbrachte. 
Filitika, einer der Verschwörer, der später selbst in den Prozessakten zur Seligsprechung aussagte, trat in die Hütte, und bat Chanel, ihm ein Heilmittel für Musumusu zu geben, der auf die Frage des Missionars vorgab, sich beim Abschlagen von Kokosnüssen verletzt zu haben. Chanel holte das Heilmittel, während Filitika einen Packen Linnenzeug stahl. Pater Chanel merkte dies und rief: „Filitika, du stiehlst in meinem Haus?“. Dieser antwortete nicht. 

Als der Heilige heraustrat, sah Pater Chanel, wie sich die Bande an seinen Sachen zu schaffen machte. Musumusu rief ihnen ärgerlich zu, dass sie nicht klauen, sondern den Priester töten sollten. Fitilika ergriff Pater Chanel und sagte zu einem anderen, er solle mit der Keule zuschlagen. Pater Chanel wehrte mit dem Arm ab, der dabei zerschmettert wurde. 
Ein zweiter Schlag traf seine Schläfe. Als zwei Katechumenen P. Chanel in seinem Blut liegen sahen, blickte er sie freundlich an und sagte „Malie fuai, loku mate“ – „es ist gut für mich, dass ich sterbe“. Nach einer Auseinandersetzung mit dem Katechumenen Ramusigano, der Pater Chanel schützen wollte, versetzte Musumusu dem Märtyrer mit einer Axt den tödlichen Schlag und spaltete dessen Kopf.

Obwohl es ein wolkenloser Sonnentag war, hörte man zur Zeit von P. Chanels Tod einen lauten, donnerähnlichen Knall, der die Insulaner in Angst versetzte und später von vielen Zeugen unter Eid bestätigt wurde. 
Pater Chanels Leichnam wurde vom König und Musumusu begraben und seine Hütte niedergerissen, so dass keine Spur mehr von der Mission blieb. Musumusu und seine Gefolgsleute triumphierten und schmähten das Christentum. In den geraubten Messgewändern führten sie heidnische Tänze auf.

Doch auf einmal war die Freude vorbei: der Bruder des Königs starb plötzlich, der fettleibige Riuliki selbst wurde von einer aussatzähnlichen Krankheit befallen und magerte in kurzer Zeit zu einem Skelett ab, während er bei lebendigem Leibe verfaulte. Seine Götzen, zu denen er getragen wurde, konnten ihm natürlich nicht helfen. 
Nach Riulikis Tod folgte ihm  Musumusu auf dem Königsstuhl; er konnte seine Macht aber nicht festigen. Anfang 1842 tauchte ein französisches Kriegsschiff auf, um die Leiche des Missionars abzuholen. 
Sam-Keletoni, einer der Anführer der Besiegten, der nach dem Krieg auf Rat P. Chanels nach Wallis geflüchtet war, befand sich ebenfalls auf dem Schiff und wurde auf das Drängen des französischen Kapitäns mit den anderen Vertriebenen aufgenommen und als Oberhäuptling von Sigawe eingesetzt. Er konnte seinen Einfluss nun nutzen, um den Götzendienst abzuschaffen. Pater Chanels Leichnam wurde nach Neuseeland gebracht.

Die Stelle seines Martyriums wurde als heilig verehrt. Das gesamte Volk verlangte nun den christlichen Unterricht und einen Priester. Einige Monate später kam Msgr. Pompallier auf die Insel, und man gab ihm die Befugnis, die politischen Verhältnisse zu ordnen. Er erklärte, dass die Insel für zwei Könige zu klein sei, und deshalb sollten sie einen aus ihrer Mitte als einzigen König wählen. Sam-Keletoni ging aus der Wahl als Sieger hervor und wurde bald darauf getauft. 10 Tage später folgten 114 bereits gut unterrichtete Landsleute, denen Msgr. Pompallier auch gleich das Sakrament der Firmung spendete.

Jean-Baptiste (tonganisch: Soane Patito) Pompallier, erster Apostolischer Vikar von Zentralozeanien, Kirchenfenster in Lapaha, Tonga (Quelle: Tau'olunga)

Wieder bewahrheitete sich das Sprichwort „Das Blut der Märtyrer ist der Samen des Christentums“. Selbst die Frau von König Riuliki, die eine erbitterte Feindin von P. Chanel war, bekehrte sich und auch Musumusu bat nach einigen Umtrieben das Volk öffentlich um Verzeihung, bekehrte sich aufrichtig und starb eines erbaulichen Todes.
Die Reliquien des hl. Peter Chanel wurden über Neuseeland und Australien nach Lyon in das Mutterhaus der Maristen gebracht. 1985 wurde die letzte Reliquie, der Schädel, wieder nach Futuna überführt.

Am 17. Dezember 1889 wurde Peter Chanel von Papst Leo XIII selig-, am 12. Juni 1954 vom ehrwürdigen Papst Pius XII heiliggesprochen. Die etwa 15.000 Einwohner von Wallis und Futuna sind heute laut CIA World Factbook zu 99 % katholisch.

Pater Chanel ist der einzige Heilige Ozeaniens (wenn man Australien außen vor lässt) und der Patron dieser Region. Möge er für seine Kinder und für uns bitten!

Kapelle bei Poi zu Ehren des Märtyrers


 (Quelle: die katholischen Missionen, 1890)

Montag, 29. April 2013

Der heilige Peter Maria Chanel – der Protomärtyrer von Ozeanien (Teil 2)

Glasfenster des heiligen Peter Chanel (oft "Petelo" in den polynesischen Sprachen), katholische Kirche von Lapaha,Tonga (Quelle: Tau'olunga)

Fortsetzung von hier

Als nächstes musste P. Chanel natürlich die Sprache der Einheimischen lernen (mehr zu diesem Thema hier und hier), was sich natürlich alles andere als einfach gestaltete, Grammatiken gab es für die Sprache ja noch keine. 
Thomas Boog, ein Engländer, der mit den Missionaren auf die Insel zurückgekommen war, wo er sich bereits niedergelassen hatte, war ein Freund und Helfer der Missionare und sprach Futunisch, der Pater allerdings kaum Englisch. 
Boog und Maitala, der älteste Sohn des Königs, machten ihm die Bedeutung der Worte mit Zeichen klar, und der Heilige schrieb sie auf und lernte sie auswendig. Hier eine Sprachprobe, das Ave Maria auf Futunisch:

Alofa, Malia, ekefonu ite kalasia, eiate koë te aliki, eke manuia koe ite fafine fuape, pea e manuia ia Jesu, ko te fua o tou alo.
Magata Malia, kote faë a te atua, keke hufia matoü a ga hala i te ahonei mote a ho o tomatoü mate. Amen.

Besonders die Messe, der Altarschmuck und die Heiligenbilder machten großen Eindruck auf die Einheimischen, vor allem das Kruzifix und das Ecce-Homo-Bild, die Pater Chanel jedoch wegen der Sprachschwierigkeiten noch nicht befriedigend erklären konnte.
Über ein halbes Jahr konnte er keinen Bekehrungserfolg vermelden. Am 18. Juni 1838 ist es jedoch so weit: der erste Futunier wird katholisch getauft. Es ist ein kranker Junge, dem der Heilige den Namen Maria Marcellinus gibt.
Mit Freude kann er auch im Tagebuch verzeichnen, dass zwei einheimische Jugendliche von selbst einen Blumenkranz für das Bild der Muttergottes brachten. Am 28. August taufte er die erste Erwachsene, eine todkranke Frau, die ihn vorher noch abgewiesen hatte.

Im Mai 1839 kamen die Einheimischen mit der merkwürdigen Nachricht zu P. Chanel, dass seine Verwandten gekommen wären. Gemeint waren P. Bataillon (später Apostolischer Vikar von Zentral-Ozeanien) und sechs weitere Mitbrüder vom hl. Peter, darunter wohl auch P. Epalle (später zum Bischof geweiht), der 1845 auf den Salomonen von den Einheimischen ermordet wurde.
Groß war die Freude beim Wiedersehen. Nun mussten die insgesamt neun Europäer jedoch die ärmliche Hütte teilen und waren nach wie vor auf die Gastfreundschaft des Königs angewiesen – so mussten sie sich also auch nach dessen Essgewohnheiten richten.

P. Bataillon, der die Sprache fließend beherrschte, predigte vor König und Volk und hinterließ wohl einen gewissen Eindruck. Er blieb noch zwei weitere Monate, um dem Heiligen die Sprache beizubringen, während die anderen Missionare schon abgereist waren. 
Ersterer verfasste auch auf Anregung Chanels einen Lobgesang zu Ehren Mariens in futunischer Sprache. 
P. Bataillon erreichte großes Ansehen bei den Einheimischen und so war es den beiden Missionaren möglich, die abergläubischen Heiligtümer der Futunier zu verbrennen, die zuerst erschreckt, dann aber erleichtert reagierten, als sie sahen, dass den Glaubensboten nichts geschehen war und ihre Götzen vollkommen machtlos waren. 

Eine günstige Stimmung entwickelte sich, zwei ganze Dörfer verlangten die Taufe. Doch dann kam es wieder zum Krieg, den P. Chanel vergeblich durch Vermittlung verhindern wollte.
Futuna war stets in zwei Lager geteilt, das der „Sieger“ (unter Riuliki) und das der „Besiegten“, die ihren eigenen König hatten, den greisen Banae. 
Die „Besiegten“ erklärten, dass sie nach ihrem Sieg über die „Sieger“ Christen werden wollten. Doch es sollte nicht so kommen. Riulikis Leute gewannen und brachten die ganze Insel unter ihre Gewalt. Auf dem Schlachtfeld behandelte P. Chanel die Verwundeten und konnte drei Krieger mit deren Zustimmung taufen.

Nach dem Krieg gestaltete sich die Lage etwas günstiger, besonders die Kinder und Jugendlichen zeigten sich für den Glauben empfänglich. Nun konnte der Heilige auch die Sprache soweit, um die Glaubenswahrheiten lehren zu können. Die Jungen erkannten auch bald, dass es sich bei Ihren Götzen um „Lügengötter“ handelte, die ihnen nicht halfen.
Der König aber schrieb seinen Sieg dem Götzen Fakavelikele zu, dessen Kult er jetzt wieder verstärkt förderte. Zudem machten ihn Berichte über die schlechte Situation der zum Protestantismus bekehrten Insulaner auf den Nachbarinseln misstrauisch, und dieses Misstrauen wurde von der christenfeindlichen Partei der Häuptlinge noch geschürt.

Der bislang freundschaftliche Verkehr mit dem König kühlte bedeutend ab und dieser lieferte auch keine Lebensmittel mehr an die Missionare, ja er verbot es anderen, die Missionare zu unterstützen, da er sich selbst um die Versorgung „seiner Weißen“ kümmern würde. 

P. Chanel beschloss also, seinen Lebensunterhalt selbst zu erstreiten, was bei der Hitze, seiner schmalen Statur, die durch die Mangelernährung noch zusätzlich geschwächt wurde, kein leichtes Unterfangen war. 
Bruder Nizier berichtet, dass der Heilige stets heiter und zufrieden war, auch wenn er durch die Arbeit vollkommen geschwächt war und es nicht mal etwas zu essen gab.
Trotz dieser bitteren Lage verlor er nicht den Mut, und P. Chanel durchstreifte die Insel mit dem Rosenkranz in der Hand, „gleichsam überall Ave Mariä aussäend“, wie sein Biograf schrieb. Auch die kleine Nachbarinsel Alofi besuchte er, auch wenn er von den Reisen fiebergeschüttelt und mit blutigen, zerrissenen Füßen (wohl von dem Vulkangestein) zurückkam. Doch seine Mühe wurde belohnt. Gerade hier konnte er einige seiner eifrigsten Katechumenen finden.

Nach einer kurzen Entspannung verschlechterte sich die Beziehung mit dem König beträchtlich. Wohl unter dessen Gutheißung kam es immer wieder zu Diebstählen auf dem Feld der Missionäre, die so wohl von der Insel getrieben werden sollten. 

Futuna mit Alofi. das Dorf Poi, wo der Heilige lebte, findet sich direkt unter dem Schriftzug "Futuna"

Auch verbot der König, dass seine Untertanen nach Poi, dem Dorf, wo die Missionare lebten, gingen, um zu beten. Trotzdem wagten es die Katechumenen, nachts heimlich dorthin zu gehen, um den Unterricht und morgens die heilige Messe anzuhören. 

Ein großer Trost war es, dass der Engländer Thomas Boog, der Freund der Missionare auf Futuna, am Vorabend von Allerheiligen in die katholische Kirche aufgenommen wurde und am folgenden Festtag die erste heilige Kommunion empfing.

Doch das Unheil braute sich immer mehr zusammen…

Fortsetzung hier

Sonntag, 28. April 2013

Der heilige Peter Maria Chanel – der Protomärtyrer von Ozeanien (Teil 1)




Heute ist das Fest des heiligen Peter Maria Alois Chanel aus der Gesellschaft Mariä (Maristen, Ordenskürzel S.M.). Dieser wohl im deutschen Sprachraum recht unbekannte Heilige war einer der größten Glaubensboten der Südsee und zugleich der erste, der dort das Martyrium erlitt.

Geboren wurde Peter Chanel 12. Juli 1803 im kleinen Dorf La Portière im französischen Department Ain. Schon als Kind zeichnete er sich durch besondere Frömmigkeit aus. Als er erfuhr, dass seine Mutter ihn schon früh der allerseligsten Jungfrau geweiht hatte, nahm er Maria als zweiten Vornamen an. Später sollte bei seiner Firmung noch „Alois“ hinzukommen. Am Tag seiner ersten heiligen Kommunion, mit 13 Jahren (vor der Reform von St. Pius X. so üblich) schrieb er eine Lebensregel nieder; darunter fand sich folgender Eintrag:

Was ich vor allem fliehen muss, ist die Sünde. Ich will also alles tun, um mich davor zu bewahren. Ohne die Hilfe Gottes ist es aber nicht möglich, die Sünde zu meiden und tugendhaft zu sein. Ich muss also recht inständig beten.“ 
Seine Liebe zur Gottesmutter spiegelt sich ebenfalls in dieser Lebensregel wieder: 
„Ganz besonders will ich die Mutter Gottes recht von Herzen lieb haben. Täglich werde ich den Rosenkranz beten, um sie zu ehren und ihres Schutzes mich zu versichern.(…)

Sein tugendhaftes Leben setzte sich auch später im Priesterseminar fort, und am 15. Juli 1827 empfing er die Priesterweihe. Danach wurde er Vikar in Ambérieux, wo er unter anderem durch seinen Eifer für die Einführung der Maiandacht ein so gutes Beispiel gab, dass ihn sein Bischof schon im September 1828 zum Pfarrer von Crozet machte, einem kleinen Ort unweit von Genf, bekannt als eine der schwierigsten Pfarreien der Diözese. 
Kaum jemand kam in die Messen, auch nicht am Sonntag, wo viele Menschen arbeiteten wie am Werktag, oder Vergnügungen nachgingen wie Tanz und Wirtshaus. Als erstes empfahl unser Heiliger seine neue Pfarre dem Schutz der Himmelskönigin. Lange betete er vor dem Tabernakel und vor dem Bild der Muttergottes und erflehte sich bei einer Wallfahrt zum Grab des hl. Franz von Sales dessen Sanftmut und Liebe, durch welche dieser zu seiner Zeit so große Wunder der Bekehrung gewirkt hatte. 

Bald wurde dem hl. Peter klar, dass der Hauptgrund der Verwilderung seiner Pfarrkinder deren große religiöse Unwissenheit war. Er predigte also Sonntags zweimal, und vermittelte, ohne direkt auf die Missstände einzugehen, die christlichen Standpunkte doch klar und eindringlich. Durch seine verschwenderische Liebe zu den Armen bereitete er den Boden für diese Predigten. Auch belebte er die religiösen Bruderschaften vom heiligsten Altarsakrament und vom heiligen Rosenkranz neu. Eine Volksmission tat ihr übriges, und der Ort war schließlich vollkommen verwandelt. Eine schöne Dorfkirche wurde gebaut, und auch die Fronleichnamsprozession kam wieder in Schwung.

Doch es zog den „heiligen Pfarrer“ in die Ferne, genauer gesagt in die Mission. Häufig fragte er bei seinem Bischof an, bis dieser ihn schließlich ziehen ließ. Am letzten Sonntag in Crozet weihte er die Pfarrei feierlich der allerseligsten Jungfrau und verteilte seine ganze Habe unter den Armen, bevor er sich der Gesellschaft Mariä anschloss. Die Erinnerung an den „guten, frommen Pfarrer“ blieb noch Jahre wach. 

Als sein Nachfolger den Verein der Glaubensverbreitung in Crozet einführen wollte, stieß er auf taube Ohren. Mit folgenden Worten ermahnte der neue Pfarrer seine Pfarrkinder: „Wisst ihr denn nicht, dass es sich dabei vornehmlich um die Unterstützung der auswärtigen Missionen handelt, dass also auch P. Chanel dabei beteiligt ist, der weit drüben auf fernem Inselstrande seine Stimme mit der meinigen vereint, um euch um Gebet und Almosen zu bitten?“ Die Zuhörer brachen in lautes Schluchzen aus und wollten sich nun alle dem Verein anschließen.

Pater Chanel wurde nach der kanonischen Errichtung der Maristen im Jahr 1836 für die schwierige Mission in Ozeanien ausgewählt (auch heute noch liegt dort die größte Provinz der Maristen).
Nach einer beschwerlichen Reise, auf der ein Priester starb, kamen die ersten Maristenmissionäre, darunter Pater Chanel, auf den Gambier-Inseln (Französisch-Polynesien) an, wo sie von den eifrigen katholischen Eingeborenen fröhlich empfangen und mit Geschenken überhäuft wurden. 
Die Reise ging weiter nach Westpolynesien. Msgr. Pompallier, der erste Apostolische Vikar von Zentralozeanien, der die Reise begleitete, wollte eine Mission in Tonga errichten, allerdings wurden die Tonganer und deren zunächst nicht abgeneigter König von den methodistischen Predigern so aufgebracht, dass der König befahl, die katholischen Missionäre müssten das Land wieder verlassen. Also zogen sie weiter nach Wallis. 
Durch Vermittlung eines jungen Häuptlings konnten sie sich niederlassen, und so wurde Wallis später die erste blühende Mission von Zentralozeanien.

Man wagte auch den Versuch auf der Nachbarinsel Futuna, und der Könige Riuliki wurde durch Geschenke mild gestimmt und die Mehrheit seines Rates beschloss, dass die Weißen bleiben könnten, weil sie wohl hofften, dass durch diese Reichtum ins Land käme.

Msgr. Pompallier bestimmte am 9. November 1837, dass Pater Chanel und Br. Nizier in Futuna bleiben sollten. Als erstes weihten sie die Insel der Himmelskönigin Maria. Kaum vier Jahre später sollte Chanel dort als Märtyrer sterben.

Die Einwohner hatten bis einige Jahre vor der Ankunft der Missionare verheerende Kriege untereinander geführt, die die Bevölkerung stark dezimiert hatten. Dazu kam der Kannibalismus, der nicht einmal vor den eigenen Stammesangehörigen Halt machte. Anscheinend war diese teuflische Verwirrung auch Ausdruck des abstrusen Götzenkultes, der auf der Insel herrschte. Auch dem König wurde ein gottähnlicher Kult erwiesen. Daneben war auch der Kindsmord üblich.
Gott sei Dank kam später ein König an die Macht, der immerhin die Menschenfresserei abschaffte.

Eigenartiger Weise waren die Futunier abgesehen von dem oben Genannten höflich und auch gastfreundlich. Auch zeigten sie sich kindlich begeistert von den Handwerksfähigkeiten der Missionare. Einen etwas naiven Stolz ließen sie sich nicht einmal durch ihre Landsleute nehmen, die bereits in Australien gewesen waren, und zwar, dass ihre kleine Insel der größte Erdteil der Welt wäre!

Nun begann für den hl. Peter ein wahres Opferleben. Denn obwohl er von dem König eingeladen wurde, bei ihm zu wohnen, waren die Entbehrungen wohl um ein vielfaches größer als in einem französischen Alpendorf. 
Der König zog es nämlich vor, erst um 15 oder 16 Uhr zu speisen, und die königliche Tafel wurde nur mit Bananen, Brotfrüchten und Wurzeln und gelegentlich einigen kleinen, rohen, und teils noch lebendigen Fischen oder großen, ebenfalls lebendigen Holzwürmern gedeckt.

Einmal setzte sich P. Chanel beim Brevierbeten auf einen Stein vor der Wohnung des Königs, worauf ihm dies sogleich verwiesen wurde, denn er hatte ein „Tapu“ gebrochen und nach Meinung der Futunier den Zorn von „Fakavelikele“ (d.h. "der, der die Erde böse macht"), dem Hauptgötzen, auf sich gerufen. 
Nur dem König war es erlaubt, sich auf solche Steine setzen. Zu seiner Erleichterung wurde ihm und Bruder Nizier bald eine eigene Hütte zugewiesen, wenn sie auch denkbar ärmlich war. Hier konnte er am Fest der unbefleckten Empfängnis 1837 die erste heilige Messe auf Futuna lesen.

An Weihnachten war es so weit: die erste öffentliche Messe wurde gelesen, und auch der König wurde eingeladen. P. Chanel und Bruder Nizier richteten den Altar so schön wie möglich her. Der König konnte kaum abwarten, dass die Messe anfing. Priester und Bruder sangen das ganze Amt zusammen, und die Eingeborenen wohnten ehrfürchtig bei. Fortan besuchten die Insulaner regelmäßig der heiligen Messe im „geschmückten Haus“, wie sie die Kapelle und gleichzeitige Wohnung nannten.

(Quelle: die katholischen Missionen, 1890)

Fortsetzung hier

Sonntag, 21. April 2013

Pontifikalämter, die sich sehen lassen können – ein Priesterseminar in der Südsee

Ein Priesterseminar für einen einheimischen Klerus auf einer Insel im Stillen Ozean, die vor 50 Jahren nur von Menschenfressern (ob alle Menschenfresser waren, sei mal dahingestellt) bewohnt war, ist gewiss eine denkwürdige Tatsache. Wir entnehmen darüber einem Briefe des Apostolischen Vikars von Zentral-Ozeanien, Msgr. Lamaze, auf der Insel Wallis folgende Einzelheiten. 

„Ihr großes Interesse, das Sie an unserem einheimischen Priesterseminar nehmen, lässt mich erwarten, dass einige weitere Nachrichten nicht unerwünscht sein werden.
Ich werde dieses Jahr die Freude haben, wieder einen unserer Seminaristen zum Priester zu weihen. Sein Name ist Savelio (Xaverius). Es ist nun der fünfte Priester, der aus unserer Anstalt hervorgegangen. Am selben Tage werde ich zwei zu Akolyten und einen zum Lektor weihen. Außerdem haben wir hier noch drei Tonsuristen, während drei weitere im Chor bereits die schwarze Soutane tragen.
Sehen Sie, das ist es, was ich mein Grand-Séminaire (Priesterseminar) nennen. Das kleine Seminar (d.h. das Knabenseminar) zählt 14 junge Lateinschüler, die sich, ich sage nicht mit Rosa, Rosae (denn Rosen gibt es hier keine), wohl aber mit Femina, Feminae, ein Geschöpf, das überall vorkommt, plagen, und zwar nach allen Regeln der Grammatik. Diese unsere Jüngsten haben beim Gottesdienst ihren Platz vorne im Chor, wobei sie der Sparsamkeit halber in schönen, fein geflochtenen Matten statt in Chorhemden erscheinen. 
Dieses Personal bildet zur selben Zeit mein Seminar und mein Kapitel, und dank dieser Seminaristen-Kanoniker, die am liturgischen Gesang sowohl wie an den kirchlichen Zeremonien ihre helle Freude haben, feiern wir hier Pontifikalämter, die sich sehen lassen können. 

Die Tagesordnung meines Seminars, die ich übrigens nicht in allem als Vorbild hinstelle, ist wie folgt:
Um halb fünf Uhr Aufstehen, dann Betrachtung, heilige Messe, Absingen einer der kleinen Horen; es folgt eine halbe Stunde Klasse, dann eine kleine ozeanische Zigarette. 
Nicht selten ergibt sich dann, dass für das nun folgende Frühstück nichts vorhanden ist. Man geht ruhig darüber hinweg, als ob nichts geschehen wäre, nur dass in solchem Fall annuente superiore (mit Zustimmung des Obern) die Zigarette länger wird, wenn nicht gerade sich verdoppelt. 
Vielleicht, dass Ihre Seminaristen sich hieran ärgern. Wohlan, sagen Sie ihnen, dass die unsrigen diese kleine Vergünstigung aufs bereitwilligste gegen das substantielle Frühstück abtreten, was von den guten Schwestern in Ihrem Grand-Séminaire mit kundiger Hand bereitet wird.

Die Arbeit in den Plantagen – denn prius est vivere quam philosophari (d.h. erst leben, dann philosophieren) – füllt dann in nützlicher Weise die Morgenstunden aus. Um 10 ½ Uhr folgt fünf Viertelstunden Klasse, dann Gewissenserforschung, darauf die Hauptmahlzeit, die nicht selten die einzige bleibt; denn ein Abendessen gibt es nur, wenn mittags was übrig bleibt. Um 2 Uhr ist Besuch beim Allerheiligsten, dann fünf Viertelstunden Studium, darauf wieder Handarbeit. 
Wenn dann die Sonne zur Rüste geht, gehen meine Leutchen zum Baden und zum Fischen. Dann versammelt sich alles. Man singt eine Nocturn, betet den Rosenkranz und das Abendgebet und macht dann Erholung, bis es Zeit wird, schlafen zu gehen: das ist um 9 Uhr.“ Soweit der Apostolische Vikar. Möge er uns recht bald wieder was von seinem Seminar erzählen!

(Aus: die katholischen Missionen, 1891)

Sonntag, 23. September 2012

Erstkommunion und mehr auf der katholischsten Insel der Südsee

St. Peter Chanel, Apostel, erster Märtyrer  und Patron von Wallis und Futuna

Wallis mit den Inseln Futuna und Tonga bildet das Apostol. Vikariat Zentral-Ozeanien, welches schon seit 1837 den Maristen untersteht. Die 2500 Hektar große Hauptinsel Wallis (Uvea) wird von schmalen Koralleninseln kranzartig umschlossen, sodass nur die einzige Einfahrtstelle von Honikulu für Schiffe offen bleibt.
Üppiger Pflanzenwuchs und gut bebaute Äcker bedecken die Hänge der zu 200 m ansteigenden Hügelketten und geben der Insel das Aussehen eines im Ozean schwimmenden riesigen Blumenkorbs. Zwei große Seen im Inneren, wahrscheinlich ehemalige Krater, speisen zahlreiche Flüsschen und Bäche.
Das Eiland ist in drei Bezirke geteilt. Der Norden gehört zum Bezirk Hihiso, im Zentrum liegt der Distrikt Hahake mit dem Haupthafen und der Königsstadt Matautu, und den Süden nimmt Mua ein. Die Bewohner von Wallis gehören zur polynesischen Rasse an und werden als schöner Menschenschlag geschildert. Sie sind begabt und in ihrem Auftreten voll Anmut und Würde. Durch den Vertrag von 1886 stellte sich Wallis unter französischen Schutz.
Ein vom Präsidenten Frankreichs ernannter Resident hat das Recht, sich an den Beratungen der einheimischen Häuptlinge zu beteiligen und wahrt die Rechte der Landesregierungen anderen Mächten gegenüber. Im Übrigen besitzt der König in seinen Regierungsangelegenheiten die ungeschmälerte Freiheit.
Dank der kraftvollen 27-jährigen Regierung der Königin Amalia (gest. 1895) sowie dem segensreichen Einfluss des ersten Apostolischen Vikars, Msgr. Bataillons, und seiner beiden Nachfolger, Msgr. Elloys und Msgr. Lamazes, wurde den ehemals die Insel verheerenden Bürgerkriegen ein Ende bereitet und damit auch die günstige Entwicklung der Mission gesichert.
Gegenwärtig zählt die Mission auf Wallis in den drei Pfarreien von Hihiso, Matautu und Mua 9 Missionäre, 10 Kirchen und 10 Schulen. An der Spitze jeder Pfarrgemeinde steht ein europäischer Missionär mit einem einheimischen Hilfspriester. Der einheimische Klerus sowie die Katechisten für das ganze Vikariat erhalten ihre Bildung in dem Kolleg und Seminar von Lano.
Im Jahr 1901 zählte das Seminar 30 eingeborene Priesterkandidaten. Zu Sofala leiten vier europäische Nonnen, unterstützt von 20 einheimischen Schwestern des dritten Ordens Mariä, ein Pensionat von 500 Mädchen und ein Noviziat. Ordensberufe sind nämlich unter der weiblichen Bevölkerung Uveas nicht selten.

Ein kurzes Bild katholischen Lebens und Fühlens auf Wallis möge die Schilderung der ersten Kinderkommunion geben. Nach dem üblichen Katechismusunterricht während eines vollen Jahres folgt eine Prüfung. Von dem guten Bestand derselben hängt die Zulassung ab.
Die Namen der Glücklichen werden beim öffentlichen Gottesdienst verlesen. Behufs näherer Vorbereitung ziehen sich die Knaben in ein für sie bestimmtes Haus zu den Patres zurück, die Mädchen wohnen bei den Schwestern. Während dieser Zeit verlassen die Kinder das Haus nur, um in der Kirche die gemeinsamen Übungen vorzunehmen.
Die freien Stunden bringen sie mit Lesen, Singen und Beten zu. Für das gemeinsame Essen der Erstkommunikanten steuern die einzelnen Gemeinden der Pfarrei die Lebensmittel bei. Am Vorabend der Kommunion bitten die Kinder Eltern und Verwandte für alle Fehler um Verzeihung und erhalten von diesen den Versöhnungskuss.
Während sich die Erstkommunikanten der ernstesten Sammlung befleißen, legen die Mütter und älteren Schwestern die letzte Hand an den funkelnagelneuen Festputz ihrer Lieblinge. Nichts wird da gespart. Stoffe und Bänder aller Farben und Schattierungen, reich besetzt mit Glasgehängen, Halsbändern und frischen, duftenden Kränzen zieren die Kleider von Knaben und Mädchen. Sobald die Glocken den Anbruch des großen Tages verkünden, bilden sich auf dem Kirchplatz um jeden der Kommunikanten Gruppen geschäftiger Anverwandter (…) Wohlriechende Öle werden den Kindern auf das wallende Haupthaar gegossen, worauf dasselbe mit Sandelholz, dem nach ozeanischer Sitte gesuchtesten Schmuck, bedeckt wird.
Mit duftenden Ölen salbt man auch die Schultern der Kommunikanten. Nach diesen Vorbereitungen ziehen Knaben und Mädchen in langsamer, feierlicher Prozession zur festlich geschmückten Kirche. Die Andacht und Erbauung der Kinder während der heiligen Messe und beim Tische des Herrn seien wahrhaft rührend. So gestaltet sich die erste Kinderkommunion nicht nur für die Beteiligten, sondern auch für die ganze Gemeinde zu einem Festtag.
An der Kirchentüre erwarten die Häuptlinge mit reichen Geschenken an Nahrungsmitteln die vor Seligkeit strahlenden Kinder. Ein öffentliches Festmahl auf Kosten der Eltern der Kommunikanten beschließt den Freudentag.


(Aus: die katholischen Missionen, 1904)

Samstag, 31. März 2012

Der Rosenkranz bei den Südsee-Insulanern


Joseph Mataafa, Oberhäuptling von Samoa, mit Rosenkranz um den Hals


Im Jahre 1837 langten die zwei ersten Missionäre auf den Inseln von Zentral- und Westozeanien, P. Bataillon auf Wallis und der ehrwürdige P. Chanel, dessen Seligsprechung unmittelbar bevorsteht [bereits heiliggesprochen], auf Futuna, mit je einem Laienbruder an. Mit der Sprache noch gänzlich unbekannt, mussten sie anfangs einer direkten apostolischen Tätigkeit sich gänzlich enthalten.
Da sie also zu den Menschen von Gott nicht sprechen, durften, verlegten sie sich um so mehr darauf, zu Gott von den Menschen zu sprechen. Die Waffe des lebendigen Wortes konnten sie nicht gebrauchen, aber die Waffe des Gebetes in Anwendung zu bringen konnte ihnen niemand wehren.
Sie griffen daher als wahre Mitglieder der Gesellschaft Mariä zur mächtigen, unbesieglichen Waffe des heiligen Rosenkranzes, und mit dieser Waffe in der Hand trugen sie einen glänzenden und glorreichen Sieg davon.
Als P. Chanel, dieser ehrwürdige Apostel und Märtyrer, den Rosenkranz in der Hand, die Ortschaften durcheilte und so den Boden seines Arbeitsfeldes mit Ave Marias gleichsam besäte und mit Gnaden betaute, da fragten sich neugierig die Insulaner untereinander: „Was bedeutet denn diese kleine Kette, welche diese Weißen immer in den Händen tragen? Was diese Körner, die stets durch ihre Finger gleiten, und was gar die Worte, welche sie an jemand richten, den man nicht sieht?“ Das waren auch die ersten Fragen, welche sie an die Missionäre richteten, sobald diese anfingen, ihre Sprache zu verstehen.
Die Beantwortung derselben bot den Missionären Gelegenheit, den Eingeborenen die erhabensten Geheimnisse der heiligen Religion auseinanderzusetzen und ihnen die notwendigsten Gebete zu erklären und beizubringen. Die Insulaner fanden Gefallen daran.
Bald verlangten sie auch solche Ketten zu besitzen und fingen an, zuerst in europäischen Melodien, dann aber in ihren langsamen und feierlichen einheimischen Weisen die Gesetze des heiligen Rosenkranzes zu singen.
Der heilige Rosenkranz war damals, wo diese Kinder der Wildnis noch nicht lesen konnten, ihre einziges Buch, so wie er auch ihre erste Predigt und die hauptsächlichste Veranlassung zu ihrer Bekehrung gewesen war.
Aber auch heute noch fährt der heilige Rosenkranz fort, bei den Insulanern seine seelenrettende Tätigkeit auszuüben, und obgleich jetzt Bücher in allen Sprachen der Insulaner vorhanden sind, ist dennoch der Rosenkranz das populärste Buch und der verständlichste Prediger, der beständig, auch wenn die Missionäre schweigen, in Tätigkeit ist und am meisten verlorene Schäflein dem Schafstall Christi zuführt.
Dieser Prediger hat eben das Eigentümliche, dass er nicht allein „pflanzt und begießt“, sondern auch zugleich bewirkt, dass „Gott das Wachstum verleiht“. Man singt ein Gesetz vor dem Unterricht und eines nach demselben. Man singt den Rosenkranz während der heiligen Messe, beim Gang zu den Sterbenden und bei Leichenbegängnissen.
Und was das Schönste ist, allabendlich, wenn das gemeinschaftliche Gebet in der Kapelle verrichtet ist, verfügen sich die einzelnen Familien in ihre Häuser und beten daselbst mit Lauter Stimme je ein Gesetz des Rosenkranzes, indem sie dabei ein Liede singen, welches das betreffende Geheimnis des Rosenkranzes zum Gegenstand hat.
Auf diese Weise üben diese Leute nicht nur einen beständigen lebendigen Rosenkranz, dessen Geheimnisse allmonatlich gewechselt werden, sondern auch ein beständiges lebendiges Apostolat.
Da nämlich die dortigen Häuser keine Mauern zum Abschluss haben und die Ozeanier mit voller Stimme beten und singen, kann man des Abends aus allen Wohnungen weithin die Ave Marias und die frommen Lieder erschallen hören, und so kommt es, dass auch solche, die noch nicht bekehrt sind, vom bloßen Hören der Lieder die Geheimnisse und Gebete der heiligen Religion kennen lernen.
In manchen Kirchen betet man jeden Sonntag alle 15 Geheimnisse des Rosenkranzes, fünf die Männer, fünf die Frauen, fünf die Kinder. Aber auch als Privatandacht wird der Rosenkranz eifrig geübt.
Ein Neubekehrter betete 15 Jahre lang täglich alle 15 Gesetze des heiligen Rosenkranzes für die Bekehrung seiner Frau und beklagte sich manchmal beim hochwürdigsten Bischof Lamaze, dass sein Gebet nicht erhört worden sei. Endlich bei einer seiner letzten Rundreisen sah der hochw. Bischof den betreffenden Neophyten mit seiner Frau, welche nun auch den Rosenkranz um den Hals trug. „Da ist sie nun endlich“, sagte der wackere Katholik; „sie ist getauft; täglich gehen wir zur heiligen Messe und beten gemeinschaftlich in unserer Hütte den Rosenkranz zum Dank für die Bekehrung. Aber nun musst du ihr auch einen größeren Rosenkranz geben; sie hat nur einen kleinen, und sie weiß, dass ich sie auf deinen Rat hin durch den Rosenkranz bekehrt habe.“
Unseren Lesern nicht unbekannt ist sicher auch der durch die Vorgänge auf Samoa berühmt gewordene Häuptling Mataafa.
Derselbe ist Katholik und durch Msgr. Eloy, dem Vorgänger des hochw. Bischofs Lamaze, zum Christentum bekehrt worden. Was man nun immer vom Mataafas politischer Stellung halten mag, er scheint persönlich ein guter Christ zu sein, was derselbe auch schon damit bewiesen hat, dass er bei dem Schiffsunglück zu Apia bei der Rettung der Verunglückten persönlichen und tätigen Anteil genommen hat. „Unser Feind Mataafa zeigte sich höchst edel“, schreibt von ihm der Obersteuermannsgast Fik von der „Olga“. „Er hatte Wachen aufgestellt, dass nicht gestohlen werde, und alle übrigen Kanaken mussten Hilflose retten. Einem Kanaken, welcher, statt Menschen zu retten, sich eine dahertreibende Kiste mit Tabak angeeignet hatte, soll einer der Häuptlinge den Kopf abgeschlagen haben.“
Von diesem Mataafa, der die Feindesliebe so edel übte, berichten die Missionäre, dass er jede Tage seit seiner Bekehrung den ganzen Rosenkranz betet und seit einem Jahr auch täglich den Schmerzhaften Rosenkranz hinzufügt und außerdem de Kreuzweg betet und der heiligen Messe beiwohnt, so oft die Nähe einer Kirche es ihm gestattet.
Man erinnert sich wohl noch, wie vor drei Jahren der hochw. Bischof Lamaze im Namen Sr.Heiligkeit des Papstes Leo XIII. der Königin von Wallis einen äußerst kostbaren Rosenkranz, dessen Körner aus Edelsteinen bestanden, als Geschenk überbrachte.
Der ganz Hofstaat und das ganze Volk war versammelt, als der hochw. Bischof in Begleitung der Offiziere eines französischen Kriegsschiffes denselben der Königin feierlich überreichte. Ehrfurchtsvoll küsste sei das Kreuz und ließ dann in ihrer Umgebung das wertvolle Geschenk von Hand zu Hand gehen. Dieser liebevolle Akt Sr. Heiligkeit hat nicht wenig dazu beigetragen, die Rosenkranzandacht bei den guten Insulanern noch zu vermehren.
Nicht mit Unrecht ist darum der hochw. Bischof und Apostolische Vikar stolz auf seinen Angehörigen, indem er glaubt, dass in dieser Beziehung seine lieben Insulaner eine hervorragende Stelle unter allen katholischen Christengemeinden der Welt einnehmen.
Indessen geben die kindlich Gesinnten Inselbewohner viel darauf, einen großen Rosenkranz zu haben, das sie gewohnt sind, denselben am Hals zu tragen, um sich immer als Kinder Mariä und der wahren Kirche ihres Sohnes zu bekennen.

(Aus : die Katholischen Missionen, 1889)