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Mittwoch, 5. November 2014

Große Missionsbischöfe: auf der Missionsreise ermordet – Cassian Spiß O.S.B., Apostolischer Vikar von Süd-Sansibar

Cassian Spiß O.S.B. am Tag seiner Bischofsweihe (dritter von links)
Der Aufstand der Eingebornen-Stämme in Deutsch-Ostafrika steht noch in frischer Erinnerung und scheint jetzt noch nicht ganz verglimmt. Er brachte für die St. Benediktus-Missionsgesellschaft eine Erneuerung der Tage von Pugu, die 1888 die deutsche Missionsgründung so blutig eingeleitet hatten. An der Spitze seiner kleinen Missionskarawane sank hier am 14. August der Apostol. Vikar von Süd-Sansibar, Bischof Cassian Spiß O.S.B., von der Lanze eines wilden Häuptlings getroffen, zum Tode nieder. Wir haben die Einzelheiten des schmerzlichen Vorfalls bereits früher berichtet und bieten hier nur einen schlichten Kranz der Erinnerung. 

Geboren zu St. Jakob am Arlberg, am 12. Juli 1866 als Sohn einfacher Landleute, absolvierte Franz, das war sein Taufname, am fürstbischöflichen Gymnasium zu Brixen „mit Auszeichnung“ seine Studien und wirkte nach seiner Priesterweihe mehrere Jahre als Kooperator zu Sellrain, Umhausen und Längefeld im Ötztal. Aber den Sohn der Berge zog ein höheres Heimweh nach den Heidenländern, wohin so mancher wackere Tiroler ihm vorausgewandert. Im Missionshaus von St. Ottilien fand der tüchtige, auch wissenschaftlich befähigte Priester freudige Aufnahme. 1892 legte P. Cassian, wie er jetzt hieß, seine Gelübde ab, und im Herbst 1893 sah er die Küsten Afrikas, das Land seiner Sehnsucht, vor sich auftauchen. Wie er in St. Ottilien das Muster eines regeltreuen Ordensmanns gewesen, so war er hier auf den Stationen Dar es Salam und Kurasini das Vorbild eines eifrigen, anspruchslosen Missionärs, wie ihn zumal eine noch in der Entwicklung begriffene Mission fordert. 

Bereits als Gymnasiast hatte Spiß ein ungewöhnliches Sprachtalent bekundet. Es kam ihm hier vortrefflich zu statten, und sein Kihehe-Wörterbuch, zu dem er in unermüdlichem Fleiß die Bausteine sammelte, und das 1900 in den Mitteilungen des Seminars für orientalische Sprachen zu Berlin erschien, brachte der Mission und der Sprachwissenschaft zugleich einen wertvollen Gewinn. Auch später als Bischof noch blieb er auf diesem Gebiet tätig. 

1898 wurde P. Cassian mit der Gründung der neuen Missionsstation Peramiho im Inneren beauftrag und löste die schwierige Aufgabe mit ebenso viel Geschick als Ausdauer. 1902 begleitete er den Apostol. Präfekten zum Generalkapitel seiner Genossenschaft in Europa. Er benutzte die Gelegenheit, um in der frischen Luft der heimatlichen Berge seine angegriffene Gesundheit zu stärken. Hier erreichte ihn die Nachricht seiner Ernennung zum ersten Bischof des neu errichteten Apostol. Vikariats Süd-Sansibar. Am 18. August 1902 sah das Mutterhaus die Bischofsweihe; Spiß war der erste Bischof der Genossenschaft. Seine dreijährige Wirksamkeit in dem jungen Missionssprengel war eine sehr gesegnete. Rastlos, die Strapazen der mühsamen Wanderungen nicht achtend, besuchte er die weit entlegenen Stationen, um den Neubekehrten zum ersten Mal die Kraft des Heiligen Geistes zu bringen und überall ratend, helfend, ermunternd, tröstend den Aufbau und Ausbau der kräftig aufblühenden Mission zu fördern. 

Mitten auf einer dieser apostolischen Wanderungen ereilte ihn der allzu frühe Tod. Die auf mehrere Monate berechnete Rundreise sollte die im Süden gelegenen Missionsstationen berühren, wohin der Aufstand noch nicht gedrungen schien. In Kilwa erhielt er von der dortigen Bezirksbehörde die erste Warnung. Wenn er trotzdem, vertrauend auf seinen priesterlichen Charakter und unter dem Schutz von ca. 60 Trägern, welche das Bezirksamt mit zwölf Gewehren und 300 Patronen ausgerüstet hatte, den Weitermarsch wagte, so war das sein volles Recht und kann ihm nicht zum Vorwurf gereichen. Tatsächlich kam der Überfall auch den Behörden völlig unerwartet, war also keineswegs vorhergesehen. Sieben volle Tagemärsche war man ungefährdet vorgedrungen, als am 12. August die Schreckenskunde von dem Überfall der Militärstation Liwale die Karawane erreichte. Sämtliche Träger machten sich während der Nacht aus dem Staub, und so fand sich der Bischof mit seinen Begleitern, 2 Brüdern, 2 Schwestern und 2 schwarzen Boys schutzlos der Gefahr einer Begegnung mit den Aufständischen ausgesetzt. Gestärkt durch den Empfang der heiligen Sakramente zog die kleine Schar ihrem Geschick entgegen, das sie am Morgen des 14. August in einsamer Wildnis ereilte. Es war der Tod eines Soldaten auf dem Schlachtfeld, ein Tod, wie ihn P. Cassian bereits in seinen ersten Ordensjahren als höchstes Ziel seiner Wünsche sich ersehnt hatte.


(Aus: die katholischen Missionen, 1906)

Dienstag, 26. Juni 2012

Ein echter afrikanischer Freiheitskämpfer gegen muslimische Sklavenjäger

Sklavenjagd in Nyangwe

Bei Besprechung der Missionsstation Mpala in einem Bericht Msgr. Bridoux‘ geschah auch des wackeren Herrn Hauptmann Joubert ehrenvolle Erwähnung. Über dessen Persönlichkeit bringen wir folgendes in Erfahrung: In der Bretagne geboren, diente Joubert seinerzeit als päpstlicher Zuave und zeichnete sich in dieser Stellung durch seine Pflichtreue und Tapferkeit aus. 1860 wurde er bei Castelfidardo verwundet, nahm aber auch an den weiteren Kämpfen teil und focht am 20. September 1870 in nächster Nähe der Porta Salara.
Nach dem unglücklichen Fall Roms finden wir ihn wieder in Frankreich, wo er unter General de Charette den Loire-Feldzug mitmachte. Ein Angebot, mit seinem bei den päpstlichen Truppen erworbenen Rang als Hauptmann in der französischen Armee zu verbleiben, schlug er aus, um stets dem Heiligen Vater auf dessen Wink zur Verfügung zu stehen; er zog sich in sein heimatliches Dorf zurück und lebte da als einfacher Landmann bis 1880. 


Seitdem weilt er, von einer kurzen, durch das ungesunde Klima ihm aufgenötigten Rückkehr nach Europa abgesehen, in Zentralafrika als Schützer der katholischen Missionäre gegen feindliche Stämme, besonders gegen Sklavenräuber.
In den letzten fünf Jahren war er in Mpala, einem Posten, der 1883 von Hauptmann Stroms auf Kosten der Internationalen Afrikagesellschaft gegründet und im Jahre 1885, da der unabhängige Kongostaat bis auf weiteres seine Stationen am Tanganjika verließ, den Weißen Vätern überlassen wurde.
Damals, als die katholischen Missionäre von Mpala Besitz ergriffen, war die Ruhe im Land noch keineswegs gesichert. Noch vor kurzem hatte Storms einen Angriff aufständischer Stämme mit bewaffneter Hand zurückschlagen müssen, und als Sklavenhändler in der Nähe hörten, die europäischen Soldaten seien abgezogen, nur Männer des Gebetes wohnen noch daselbst, glaubten sie sich alles erlauben zu dürfen.
Ein von der Mission abhängiges Dorf wurde überfallen, die Einwohnerschaft entführt; doch gelang es den der Mission zugetanen Negern, die Tat zu rächen, den Feind zu schlagen, zu plündern und über den See zurückzujagen. 


Die Einfalle wiederholten sich, und die Neger sagten zu den Patres: „ Schützt uns gegen die Araber, dann wollen wir eure Kinder sein.“ Auf diese Nachricht hin entbot Kardinal Lavigerie Joubert, der zu seiner Verfügung stand, an Ort und Stelle und betraute ihn mit dem Kommando und der äußeren Verwaltung der Station.
Joubert versah die jungen Leute des Waisenhauses mit Waffen, in deren Gebrauch er sie einführte, und war nun stark genug, bei einer bald erneuerten Menschenjagd den Räubern ihre ganze Beute abzujagen und sie zu schlagen, wobei ihr Anführer Kipili den Tod fand.
Er war im Stande, im Dezember 1887 einen befreundeten Häuptling gegen die Horden Rutukus zu schützen und letzterem noch in Mpala selbst eine Schlappe beizubringen, bei welcher dieser drei Pirogen in den Händen des Siegers ließ. Es gelang ihm, 1887 Mohammedi seine Gefangenen abzunehmen und noch im Januar 1890 aus der Hand Kateles zu befreien.


Gewiss fällt es Joubert nicht bei, am ganzen Tanganjika-See den Sklavenhandel abschaffen zu wollen; denn zu einem solchen Unternehmen stehen seine Mittel in keinem Verhältnis. Aber er kann nicht dulden, dass man regelmäßig und unter seinen Augen Leute in die Sklaverei schleppe, die sich unter den Schutz der Missionäre gestellt haben.
Auch in Tagen des Friedens fehlt es dem Mann nicht an Beschäftigung; er hat Streitigkeiten zu schlichten, Störenfriede zur Verantwortung zu ziehen usw. Außer dem Kriegs- und Justizwesen liegen ihm die öffentlichen Arbeiten und der Ackerbau ob; er baut Häuser, er sät und erntet auf den Feldern. 


Seine Tätigkeit vermittelt vielen in diesem Land des Fluchs Gottes Segen, indem sich Scharen von den Sklavenhändlern Bedrohter in die Nähe von Mpala flüchten und hier bei den Missionären den wahren Weg zum Himmel kennenlernen. — Ihn betrachten die Sklavenhändler als Erbfeind. Mit Beginn des Jahres 1890 begannen sie von neuem ihre Feindseligkeiten wider ihn und führten sie Ende Mai mit solcher Heftigkeit, dass Joubert gewiss seinen Gegnern unterlegen wäre, hätte nicht am 4. Juni, da sich eben ein Gefecht entspinnen sollte, ein plötzlicher Sturm deren Schiffe teils an Felsen zerschellt, teils zum Rückzug gezwungen.
Der christliche Hauptmann verfügt nur noch über 100 brauchbare Gewehre und wenig Schießbedarf. Es hat sich jetzt in Belgien ein Komitee gebildet, das sich zur Aufgabe gesetzt hat, Hauptmann Jouberts Munition in gutem Stand zu erhalten.
Möge auch der Himmel dem schönen Werk des alten Zuaven weiter wie bisher seinen Schutz und Segen zum Nutzen der Mission bewahren!



(Aus: die katholischen Missionen, 1891)

Freitag, 20. April 2012

Das Spital Unserer Lieben Frau von den Engeln in Sansibar


cc Tato Grasso



In sehr vielen Familien bald wohl gelitten und gern gesehen, von den Kindern immer umschwärmt und freudig begrüßt, hat die Vorsteherin im ersten Jahr schon sieben sterbenden Kleinen das Kostbarste auf die Reise in die Ewigkeit mitgegeben: die Taufunschuld. 
Im Spital selbst wechselt, wie überall auf Erden und im Dienste Gottes, Sieg und Niederlage, Freud und Leid.

Ein alter Araber litt seit langen Jahren an aufzehrender Krankheit. Er kam einigemal, Heilmittel zu holen, und blieb dann aus. Nun wurde er aufgesucht und in elendem Zustand gefunden. Die liebevolle Behandlung und Pflege rührten in zu Tränen. 
Gern wollte er ins Spital gebracht werden, und „die gute Dame“ erschien ihm wie ein Engel des Trostes. Alles, was sie sagte, nahm er kindlich dankbar an. 
Als sie vom „großen Heilmittel Gottes für die Seele und für deren ewiges Leben“ sprach, konnte er es nicht mehr erwarten, dass man es ihm erteile, und starb dann unverzüglich, als hätte er sich gesorgt, dass das hochzeitliche Gewand seine Frische verliere. 
Das geschah 14 Tage nach der Eröffnung des Spitals. 
Einige Tage später brachte man eine Sklavin, die ihr Herr wegen unheilbarer Krankheit verstoßen hatte. Sie wäre sonst einfach zu Grunde gegangen und fand nun in einer Stunde mehr Erweise wohlwollender Liebe, als sonst vielleicht während ihres Lebens. Aber nichts rührte sie; nach acht Tagen erfolgte der Tod, ohne dass man sie dazu gebracht hatte, auch nur irgendetwas von Gott hören zu wollen.

Zuweilen hebt die eingekehrte Taufgnade, verbunden mit schweren Leiden, in wenige Stunden zu hoher Vollkommenheit. Ein mohammedanischer Diener wurde von einer grässlichen Wunde förmlich verzehrt. Während die Vorsteherin mit aller Liebe seine furchtbare Wunde wusch und verband, betete sie eifrig für seine arme Seele. Wirklich kam sie ans Ziel. 
Der Mohammedaner wurde getauft, und von diesem Augenblick an verklärte sich sein stumpfes Wesen wie in höherem Licht. Immer dankend und immer betend ging er hinüber. 
Wir könnten noch mehr derlei Züge erzählen, doch mag dieses für heute genügen, um den Leser zu überzeugen, dass die ganze weite Welt voll ist der Barmherzigkeit Gottes!

(Aus: die katholischen Missionen, 1886)