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Sonntag, 7. Mai 2023

„Es werden mich selig preisen alle Geschlechter“: Die Maiandacht in den Missionen

 Von Jos. Peters S.J.[1] 

In einem ausführlichen Artikel, der 1925 in Die katholischen Missionen erschien, beleuchtet P. Peters S.J. die positiven Einflüsse auf das religiöse Leben, die die damaligen Übungen der Maiandacht in den Missionsländern hervorriefen. So schreibt er: „Wir können (…) in voller Wahrheit sagen, dass im Allgemeinen die Maiandacht in den Missionen als eine Gelegenheit zu ernstem Tugendstreben aufgefasst wird, dass die Priester über besonderen Eifer im Sakramentenempfang berichten, dass auch die lieben Kleinen angehalten werden, durch kleine Opfer ihre Liebe zu Gottesmutter zu bezeigen. All die schönen Sitten, wie sie im Mai in unseren Erziehungsanstalten in Übung sind, und in denen besonders gute Ordensschwestern sich so erfinderisch zeigen, finden sich in den Missionen wieder. Auch die kleinen Neger schreiben Briefchen an die Muttergottes, sie wollten in diesem Monat recht brav sein und ihren Charakterfehler bekämpfen; auch in den Missionen bringen die Kinder jeden Morgen ein Sträußlein frischer Blumen zum Maialtar. Mit besonderer Vorliebe hören sie die „Marienbeispiele“. Namentlich in den vielen Waisenanstalten und den Findelhäusern ist der Mai ein Freudenmonat. Darüber wird nie eine Missionschronik gebührend berichten können, wieviel Trost und Kinderglück die Maiandacht mit ihren schönen und reinen Phantasiebildern in die empfänglichen Herzen dieser mutterlosen Waisen strahlt.

Hübsch beschreibt eine italienische Missionsschwester aus Mangalore, wie ihre Kleinen sich allabendlich um das festlich erleuchtete Marienbild im Hofe der Waisenanstalt versammeln. Eine auserlesene Schar gruppiert sich mit leuchtenden Sternen um den Maialtar. Dann singt man einige Marienlieder und betet das „Memorare“, um dann mit einem Kusshändchen von der Mutter Abschied zu nehmen. In der Veranstaltung echt kindlicher, naiver Maifeiern sind namentlich die Italiener und Spanier Meister. Sie treffen damit vollkommen den Geschmack der Missionsvölker, mag auch dabei nicht alles unserer Art entsprechen.

Ein liebliches Maibild entwirft ein französischer Salesianer aus Indien: ‚Auch im Mai kommen die Kinder gerne und knien am Altar der Muttergottes nieder. Sie sind noch ganz grau vom Staub der Felder, ihre Kattunläppchen starren von Schmutz. Einander stoßend und schiebend wie ein Schwarm aufgescheuchter Sperlinge ordnen sie sich um das Bild. Eines der Kinder reicht zum Bilde der himmlischen Mutter einen Arm voll indischer Blumen hinauf, und alle beginnen auf den Knien ihr Gebet. Das Thermometer mag 30–35 Grad zeigen: ihre Andacht wird dadurch nicht beeinträchtigt. Ein Ave löst das andere ab, und so würde es stundenlang dauern, wenn man diese Kinder gewähren ließe. Zum Schluss ihrer Andacht singen sie eines ihrer schönen Marienlieder in einheimischer Sprache.‘

Unter den Maisitten der Missionen verdienen besondere Erwähnung die Blumenhuldigungen. Auf den Philippinen treten an jedem Samstagmorgen des Mai unter dem Gesang des „Salve Regina“ die Anwesenden an den Altar und opfern ein Körbchen mit Blumen, das der Priester dann vor das Marienbild stellt. Weit kindlicher sind die in Mittel- und Südamerika üblichen Blumenhuldigungen durch weißgekleidete Mädchen, denen sich manchmal Knaben in den Trachten jugendlicher Heiliger, wie des hl. Stanislaus, des kleinen Johannes des Täufers usw., zugesellen. Es ist allerdings bezeichnend, dass man bei diesen Berichten in den Missionszeitschriften oft die Bemerkung findet: ‚Das Volk läuft eifriger zur Maiandacht als sonntags zur Messe‘, dass ferner ein brasilianischer Missionar die Bemerkung macht: ‚Erst die Teilnahme ihrer Kinder an der Blumenhuldigung veranlasst manche Eltern zur Erfüllung ihrer österlichen Pflichten.‘ Immerhin steckt in diesen Gebräuchen eine uralte katholische Überlieferung und eine Glaubensinnigkeit, die uns die wehmütige Erinnerung an frühere Jahrhunderte wachruft, wo auch unser Volk, unversehrt durch Protestantismus, Rationalismus und eine im Relativismus befangene vergleichende Religionswissenschaft, sich vertrauend unter dem weiten Mantel der hohen himmlischen Frau barg.

(…) Dass die Heiligen- und Marienverehrung in den Missionen bei Neubekehrten bzw. ins Heidentum Zurückgefallenen zu Irrungen und Aberglauben führen kann, ist eine Erfahrung aller Missionare, und P. Dr. Fontaine aus der Mission Assam hat auf dem Düsseldorfer Missionskursus 1919 darüber in einem Vortrag über den Kampf gegen den Aberglauben eine große Menge Stoff zusammengetragen. Die Gründe zu solchen Verirrungen liegen auf der Hand. Viele solcher Gründe vermag die Religionspsychologie aufzuweisen. Wir möchten hier nur an die Tatsache erinnern, dass sich in den Missionen bei den Marienprozessionen und an den Marienheiligtümern fast stets Heiden einfinden, die alle religiösen Übungen mitmachen und anstandslos der nach ihrer Meinung hier verehrten Göttin ein Kerzenopfer bringen. Die einheimischen Religionen haben fast alle ihre Fruchtbarkeitsgöttin oder eine Muttergottheit, die sie durch Opfer zu besänftigen suchen. (Nur in Klammer sei hier bemerkt, dass nirgends der Heide mit jenem kindlichen Vertrauen zu seiner Muttergottheit betet, wie der Christ bei der Anrufung Mariens.)

Welche Gefahren für eine Verdunkelung der Glaubensbegriffe in Sachen der Marienverehrung bei schlecht unterrichteten Christen bestehen können, mag ein Beispiel aus China beweisen, wo man einem Zerrbild der reinen Gottesmutter, der Göttin Koan-yin, ebenfalls einen ganzen Monat weiht und ihr Gelübde und Geschenke macht. Sie ist die liebenswürdigste Göttin im buddhistischen Götterhimmel und in dem ihr geweihten Monat flattern auf den Küstenschiffen lange Wimpel mit der Inschrift: „Himmlische Königin! Heilige Mutter des Himmels!“ Man darf die Gefahr solcher heidnischen Gebräuche für eine gutunterrichtete Christengemeinde nicht überschätzen, aber man möchte anderseits auch wünschen, dass gewisse Beispiele von Marienverehrung, die bisweilen in den populären Missionszeitschriften auftauchen, auf ihre religiöse Grundanschauung untersucht werden. Die im Gottesdienst der Heidenmission gebrauchten Weiheformeln an Maria sollten auf jeden Fall an dogmatischer Klarheit nichts zu wünschen übrig lassen. An der Hand der himmlischen Mutter und in Nachfolge ihres Tugendbeispieles sollen die Neuchristen zum Heiland kommen, „auf dass sie in der Liebe festgewurzelt sind“ und „zu erfassen vermögen ihre Breite und Länge, ihre Höhe und Tiefe und die Liebe Christi erkennen, die alle Begriffe übersteigt, und dadurch ganz von Gott erfüllt werden“ (Eph. 3, 16–21).

Gegenüber einzelnen Gefahren einer unerleuchteten Marienverehrung steht der herrliche Segen, den die Maiandacht verbreitet. Die Gnaden für Leib und Seele, die Marias mächtige Fürbitte vermittelt, entziehen sich allzu oft menschlicher Berechnung und Feststellung. Aber auch der nicht im Glauben erleuchtete Verstand vermag die Wirkungen der Marienverehrung auf dem moral- und religionspädagogischen Gebiete festzustellen. Welch ein hohes Vorbild ist den im Sumpf der Unsittlichkeit versunkenen Völkern das Bild der reinsten Gottesmutter, jenen Völkern, die oft erst ganz langsam zum Verständnis des christlichen Reinheitsideals gebracht werden können! Wir wollen einem praktischen Missionar das Wort geben, um den Segen der Maiandacht zu kennzeichnen. Ein Pallottiner berichtete vor 12 Jahren aus Kamerun: ‚Speziell in Kamerun wird die Neuchristen recht bald die Maiandacht gelehrt, und nun übt man sie mit großem Eifer. Wir sind uns bewusst, damit dem Neger ein Stück wahren Christentums gelehrt zu haben. Weit davon entfernt, dass der Eingeborene, wie Andersgläubige meinen, götzendienerische Ideen mit dieser Andacht verbindet, empfängt er aus der Gnadenhilfe der Hochgebenedeiten und aus der Anregung gerade der Maiandacht nachhaltige religiöse Hilfe. Besonders das weibliche Geschlecht erhält da Antriebe für das praktische Tugendleben, die umso nötiger sind, als die Frau bei den meisten Heiden aus dem Bannkreis niedrigster Auffassung von ihrer Bestimmung nicht herauskommt. Wie wohltuend und segensreich muss da nicht eine Andacht sein, die ferner die Neger Hochachtung gegen eine Angehörige des von ihnen so tief eingeschätzten und so roh behandelten weiblichen Geschlechts lehrt! Es kann nicht ausbleiben, dass Maria mit ihrer Bedeutung im Christentum und im kirchlichen Andachtsleben ihrem Geschlecht eine Stellung erringen hilft, die die notwendige Grundlage für die wahre Kultur und tieferes Christentum ist. Allen diesen Nutzen erhoffen wir in Kamerun aus der Verehrung Mariens, vor allem aus der Maiandacht.‘

Die Maiandacht hat sich heute über die ganze Erde verbreitet. Da aber der Monat Mai auf der südlichen Halbkugel in den Herbst fällt und in den Tropen oft die unangenehmste und heißeste Jahreszeit einleitet, so musste sich die Missionskirche die Frage vorlegen, ob es nicht angebrachter wäre, den Marienmonat, der mit dem Frühlingsbeginn so enge symbolische Verbindung hat, auf eine andere Jahreszeit zu verlegen. Man musste dann freilich auf eine besondere Feier des Rosenkranzmonats zumeist verzichten, oder beide Feiern zusammenlegen, oder schließlich den Rosenkranzmonat in der Zeit begehen, wo auf der nördlichen Erdhälfte Frühling ist. Viele Missionare traten entschieden für die gleichzeitige Feier der Maiandacht auf der ganzen Erde ein, mit der Begründung, dass die Feier des Maimonates mit dem katholischen Empfinden so stark verwachsen, und dass es ein so tröstliches Bewusstsein sei, wenn im Mai auf der ganzen Erde Maria gepriesen werde. Aus diesem Grunde hat man in Australien die zeitweise auf den August (die schönste Jahreszeit in Australien) verlegte Maiandacht wieder zurückverlegt. In Indien hat man sich auch nicht zu einer Verlegung entschließen können; man feiert allerdings die Maienkönigin nur wenig im Mai, desto mehr aber im schöneren Monat Oktober, wenn frische Blumen in Fülle zur Verfügung stehen. (…) An eine Verlegung des Rosenkranzmonates ist man bisher unseres Wissens nirgendwo herangetreten.

Der Gedanke an eine einheitliche Maifeier ist durch die geschichtliche Entwicklung, die von der Kirche wohl kaum rückgängig gemacht wird, praktisch in verneinendem Sinne gelöst worden. In Chile, Paraguay, Uruguay und Argentinien begeht man den Marienmonat im November, und zwar gewöhnlich vom 8. November bis 8. Dezember, wo das Fest der Unbefleckten Empfängnis einen guten Abschluss bildet. In Patagonien haben die Salesianer mit Rücksicht auf die im November mit der Sorge um ihre Herden stark beschäftigten Indianer den Marienmonat auf die Zeit vom 9. Oktober bis 10. November verlegt. Aus Mariannhilll [Südafrika] liegt gleichfalls eine Nachricht über die Maifeier im November vor. Die Kopten in Ägypten feiern die Maiandacht im Dezember, wenn nach der Nilüberschwemmung das Land sich mit frischem Grün bedeckt. Zieht man noch in Rücksicht, dass die griechisch unierte Kirche in der vierzehntägigen Vorbereitungszeit auf das Fest Mariä Heimgang im August und an den Freitagen der Fastenzeit auch eine Art Maiandacht hält, so muss man zugeben, dass von einer zeitlichen Gleichheit in der Feier des Marienmonats nicht die Rede sein kann. Wir halten es auch für eine sehr kluge Anpassungsmaßnahme, wenn die Kirche in den Missionen die namentlich in den subtropischen Gegenden bestehenden Frühlingsfeiern adelt und verchristlicht, wie sie es bei unseren Altvordern getan hat. Es ist zudem auch ein religiös erhebender Gedanke, dass überall, wo auf Erden der Frühling erblüht, fromme Lieder zur himmlischen Königin erschallen, die uns in Christus den Frühling der Erlösung schenkte.



[1] Peters, Jos. S.J.: Maria Maienkönigin. In: Die katholischen Missionen, Xaverius-Verlagsbuchhandlung, Aachen 1925

Donnerstag, 8. September 2016

Der Kaplan, der die Missionen nicht mochte


Der Pallottinermissionar und Missionsbischof Heinrich Vieter, der den Lesern dieses Blogs wohl bekannt ist, musste in Deutschland große Sammelreisen für seine Mission unternehmen. Es kam vor, dass die Reaktion von Seiten des Klerus sehr befremdlich war. Nachfolgende Episoden erinnern mich in gewisser Weise an ein Gespräch, das ich jüngst mit einem jungen „traditionellen“ Priester hatte.

Auf einer seiner Reisen im Jahr 1910 musste Msgr. Vieter nahe Würzburg im Pfarrhaus übernachten. Der Pfarrer war nicht da und der Kaplan eröffnete ihm gleich, dass er es nicht mit den auswärtigen Missionen halte, es gäbe genug daheim zu tun. Der Bischof fragte ihn dann, was er denn vom Heilandswort „Lehret alle Völker“ halte. Der Kaplan blieb die Antwort schuldig. Dann viel das Gespräch auf den bischöflichen Talar von Msgr. Vieter. Der Kaplan habe schon amerikanische Bischöfe gesehen, die nicht im Talar reisten, worauf Bischof Vieter erwiderte, er habe schon Männer und Frauen ohne Kleider gesehen (wohl eine Anspielung auf Kamerun). Danach war das Gespräch beendet.

Bei einer anderen Gelegenheit kam Msgr. Vieter in den Sprengel eines wenig missionsbegeisterten Bischofs. Dieser schickte ihn mit einem Pfarrer zu einer Wallfahrtskirche zum Kollektieren. Auf dem Weg eröffnete ihm der Pfarrer, dass weder er noch sein Bischof es in erster Linie mit den Missionen hielten, sondern mit dem Bonifatiusverein. 

Vor Ort sollte Vieter dann noch in einem Waisenheim predigen, wo er den Kindern die Zustände in Kamerun schilderte und sagte, im Hinterland lebten noch Menschenfresser. Auf dem Rückweg sagte der Pfarrer, diese Geschichte sei doch nicht wahr. Dazu schrieb Msgr. Vieter in seinen Aufzeichnungen, der Pfarrer nehme wohl lieber an, ein Bischof lüge, als dass er glaubt, dass es solche Gräuel tatsächlich gibt und offenbare damit noch seine Unkenntnis über die Lage in den Heidenländern.


(Quelle: Die Jugend ist unsere Zukunft: Chronik der katholischen Mission Kamerun 1890–1913)

Sonntag, 17. Juli 2016

Bild: Ecce Sacerdos Magnus – Bischofsweihe in Kamerun



Das Bild zeigt den Auszug nach der Bischofsweihe von Msgr. Franziskus Hennemann SAC, dem zweiten Apostolischen Vikar von Kamerun, am 26. April 1914 in Duala. Hinter ihm geht einer der Mitkonsekratoren, Msgr. Armengol Coll CMF, der Apostolische Vikar von Spanisch-Äquatorialguinea, der bei Kriegsausbruch die deutschen Pallottinermissionare und ihre Christen freundlich aufnahm. Hauptkonsekrator war Msgr. Heinrich Vieter SAC, der Begründer der Kamerunmission, der kurz darauf starb.

 Msgr. Hennemann reiste kurz darauf nach Deutschland zurück, um sich zu erholen, konnte aber nie wieder in sein Missionsfeld zurückkehren, da Kamerun im Krieg für Deutschland verloren ging und schließlich französische und englische Kolonie wurde und die Verträge von Versailles die Rückkehr der deutschen Missionare verhinderte.

 Msgr. Hennemann wurde nach vielen Jahren in der Heimat, die er nutzte, um unermüdlich für die katholischen Missionen zu werben (613 Missionspredigten und Vorträge im gesamten Deutschen Reich zwischen 1914 und 1921), Apostolischer Vikar von Kapstadt und starb dort 1951.

Sonntag, 10. Juli 2016

Bücher über die Pallottinermission in Kamerun



Ich habe neulich drei Bücher (zwei gehören zusammen) über die Pallottinermission in Kamerun gekauft. Zwei Werke (Band 1.1 und Band 2.2) stehen unter dem Titel „Die Jugend ist unsere Zukunft“. Es handelt sich bei Band 1.1. um die bislang nie veröffentlichten Aufzeichnungen des Apostolischen Vikars von Kamerun, des Dieners Gottes Msgr. Heinrich Vieter SAC, die mit vielen Bildern ergänzt wurden.

Ich habe das Buch bis jetzt noch nicht gelesen, es scheint aber nach kurzem Durchblättern ein höchst vielversprechendes Werk zu sein. Band 1.2. bringt sehr reichhaltige Anmerkungen sowie eine äußerst ausführliche Tabelle über Vieters missionarischen Werdegang. Ursprünglich sollten die Aufzeichnungen bereits in den 1950er Jahren veröffentlicht werden, es kam aber nie dazu. Im Jahr 2011 ist dieses Buch schließlich im Pallotti-Verlag unter Bearbeitung von P. Norbert Hannappel SAC erschienen.

Das andere Buch ist, wie man sehen kann, ein antiquarisches Stück, aus der Feder von Msgr. Franziskus Hennemann SAC, dem Nachfolger Vieters als Apostolischer Vikar von Kamerun. Wie Vieter stammte er aus Westfalen. Nachdem Kamerun durch den Ersten Weltkrieg für die deutschen Pallottiner verloren ging, wurde er 1922 von Pius XI. nach Südafrika geschickt und wurde schließlich Apostolischer Vikar von Kapstadt, wo er Stellung gegen die Apartheidpolitik bezog, die er als „schädlich, unchristlich und zerstörerisch“ bezeichnete.


Das Buch ist auch vom kolonialhistorischen Standpunkt interessant und ist ebenfalls reich bebildert. Einige Exemplare sind wohl noch in Antiquariaten zu erhalten.

„Die Jugend ist unsere Zukunft“ gibt es beim Pallotti-Verlag oder auch bei Amazon. Hier muss man darauf achten, dass man nicht (wie ich) versehentlich den günstigeren Band 1.2. kauft, der nur die Anmerkungen und den Lebenslauf von Vieter enthält, sondern beide Bücher (Band 1.1. und 1.2). 

Montag, 2. Mai 2016

Die Wirkung der Maiandacht in Kamerun




Ein Pallottiner berichtete 1913 im „Stern von Afrika“:

„Speziell in Kamerun wird die Neuchristen recht bald die Maiandacht gelehrt, und nun übt man sie mit großem Eifer. Wir sind uns bewusst, damit dem Neger ein Stück wahren Christentums gelehrt zu haben. Weit davon entfernt, dass der Eingeborene, wie Andersgläubige meinen, götzendienerische Ideen mit dieser Andacht verbindet, empfängt er aus der Gnadenhilfe der Hochgebenedeiten und aus der Anregung gerade der Maiandacht nachhaltige religiöse Hilfe. Besonders das weibliche Geschlecht erhält da Antriebe für das praktische Tugendleben, die umso nötiger sind, als die Frau bei den meisten Heiden aus dem Bannkreis niedrigster Auffassung von ihrer Bestimmung nicht herauskommt. Wie wohltuend und segensreich muss da nicht eine Andacht sein, die ferner die Neger Hochachtung gegen eine Angehörige des von ihnen so tief eingeschätzten und so roh behandelten weiblichen Geschlechts lehrt! Es kann nicht ausbleiben, dass Maria mit ihrer Bedeutung im Christentum und im kirchlichen Andachtsleben ihrem Geschlecht eine Stellung erringen hilft, die die notwendige Grundlage für die wahre Kultur und tieferes Christentum ist. Allen diesen Nutzen erhoffen wir in Kamerun aus der Verehrung Mariens, vor allem aus der Maiandacht.“

Montag, 18. August 2014

Große Missionsbischöfe: Pionier in Kamerun – der Diener Gottes Bischof Gerhard Heinrich Vieter S.A.C., Apostolischer Vikar von Kamerun



Ein Missionspionier (…) im wahrsten Sinne des Wortes war der deutsche Bischof Gerhard Heinrich Vieter, erster Apostolischer Vikar von Kamerun. Geboren zu Cappenberg am 13. Februar 1853, erlernte der Knabe das Schreinerhandwerk und gelangte erst in reiferen Jahren zu seinem Beruf in der Kongregation der Pallottiner. Nach ausgezeichneten Studien in Rom empfing er am 8. Mai 1887 die heilige Priesterweihe und schiffte sich zwei Jahre später nach Brasilien ein. Schon nach dreijähriger Tätigkeit in der Kolonistenmission rief ihn der Befehl der Obern nach Europa zurück, wo er die Ernennung zum Apostolischen Präfekten von Kamerun erhielt.

Am 1. Oktober 1890 trat er die erste Reise nach der deutschen Kolonie an, und nun folgte ein Leben der unermüdlichsten Tätigkeit und der schwersten Strapazen. Die Vorstöße ins Innere des Landes waren echte Eroberungszüge mit allen Mühsalen, die Urwald und Flüsse, mörderisches Klima und wilde Bewohner nur bieten können. 11 Patres, 22 Brüder und 8 Schwestern sah der seeleneifrige Mann im Tod niedersinken, und mehr als einmal stand er selbst am Rand des Grabes. Aber die heldenmütige Arbeit sah auch den herrlichsten Lohn. Durch die Ernennung des Präfekten zum Apostolischen Vikar am 22. Dezember 1904 erkannte Rom die errungenen Erfolge an; doch sein schönster Lohn war der reiche Gottessegen.

Bei seiner Ankunft hatte Bischof Vieter fünf Katholiken vorgefunden; bei seinem Tod zählte das Vikariat 28 469 Christen und 17 650 Katechumenen. In 204 Schulen wurden 19 576 Kinder unterrichtet, und von 15 Haupstationen aus arbeiteten 34 Patres, 36 Brüder und 29 Schwestern; 223 eingeborene Lehrer unterstützen das europäische Missionspersonal.

Unter Tränen und Schweiß hat Bischof Vieter die Kirche Kameruns begründet und befestigt; unter unsäglichem Weh musste er den Anfang einer schmählichen Verfolgung derselben Kirche durch die Briten sehen. „Es ist besser, wenn Gott mich zu sich ruft“, hatte der große Apostel gesagt, als ihm die Nachricht von der Zerstörung Dualas und der Verbannung der Missionäre (siehe hier) mitgeteilt wurde. Gott ersparte ihm den letzten Schmerz, die Zerstörung seines Lebenswerks mitansehen zu müssen. Er rief ihn am 7. November vom Schauplatz seiner Tätigkeit ab.


(Aus: die katholischen Missionen, 1915)

Hier zwei Briefe von Bischof Vieter an die katholischen Missionen (Brief 1, Brief 2)

Montag, 11. August 2014

Neue Serie: So war der erste Weltkrieg in den Missionen: Pallottinermission in Kamerun

Britische Artillerie in Kamerun

Nachdem ja in den Medien anlässlich dieses zweifelhaften Jubiläumsjahrs zum Ausbruch des ersten Weltkriegs viel über das große Völkermorden berichtet wird, ist vielleicht auch eine Serie über den Krieg in den Missionen angebracht, der wohl kaum von der Presse behandelt werden wird. Nachfolgend ein Bericht aus der deutschen Kolonie Kamerun:

Die Mission der der Pallottiner in Kamerun ist durch die Engländer und Franzosen beinahe vollständig vernichtet. Bis zum 8. Dezember 1914 waren sieben Stationen ihrer Missionäre beraubt, darunter auch die Station Engelberg, die 40–50 Waisenkinder, meist Säuglinge, beherbergte. In Duala, Marienberg, Edea und Engelberg beschlagnahmten die neuen Herren sämtliche Viehbestände und plünderten Duala und Edea vollständig aus. Selbst die Gotteshäuser wurden nicht geschont. In Edea erbrachen die Soldaten die Tabernakel, zerschlugen Altartische und Statuen, schütteten die heiligen Öle zu Boden und raubten Kelche und Paramente. Der gesamte Materialschaden der Mission betrug Anfang Dezember weit über 100 000 Mark.

Vom Missionspersonal wurden 2 Brüder, die unter Waffen gewesen, als Kriegsgefangene nach Dahomey (im heutigen Benin) gebracht, 6 Patres, 2 Laienbrüder und 3 Schwestern mussten nach Deutschland zurückkehren, 25 Missionäre und Schwestern wurden nach der Insel Fernando Poo transportiert, wo sie beim spanischen Bischof Coll mit größter Zuvorkommenheit Aufnahme fanden. So stehen also 7 Hauptstationen mit wenigstens 77 Nebenschulen und 7600 Schülern verlassen und 11 000 Katholiken und 6000 Katechumenen sehen sich auf sich selbst angewiesen. Zwar haben die Missionäre von Fernando Poo aus beim englischen Oberkommandierenden in Duala, General Dobell, Protest eingelegt; aber die Worte der Glaubensboten werden einstweilen ungehört verhallen. Der Staatssekretär Dr. Solf hat sowohl der Propaganda in Rom als den Pallottinern in Limburg sein Beileid wegen der Zerstörung des 25-jährigen Friedenswerks ausgedrückt. (…)


(Aus: die katholischen Missionen, 1915)

Freitag, 17. Mai 2013

Freuden und Leiden eines Missionärs, berichtet vom Diener Gottes Heinrich Vieter

Bischof Heinrich Vieter SAC (Quelle: Montecappio)

Der Apostol. Präfekt von Kamerun, R.P. H. Vieter, Pallottiner, schreibt unterm 3. Juni d.J. aus Kribi wie folgt:

„Wie der Landmann trotz Schweiß und harter Arbeit sich froh und glücklich fühlt, wenn er seine Ernte gut unter Dach und Fach gebracht hat, so und viel mehr noch fühle ich mich heute froh und beglückt. 
Freilich habe ich nur einen kleinen, winzig kleinen Teil meiner Arbeit getan, aber etwas ist es doch, und wenn ich denke, dass Gott es ist, der das Gedeihen gab, so fühle ich mich durch die Hoffnung gehoben, dass Er, der Geber alles Guten, auch ferner Segen und Gedeihen geben wird. 

Ich hatte seit mehreren Monaten eine Anzahl Schwarzer im Unterricht, um sie auf die heilige Taufe vorzubereiten; es erfordert das recht viel Mühe und Geduld. 
Andere bereitete ich auf den Empfang des heiligen Sakramentes der Firmung vor. Letzten Freitag habe ich dann aus denjenigen, die den Taufunterricht besuchten, 25 ausgewählt. Ach, wie weh tut es dem Missionär, diesen und jenen trotz aller Tränen zurückweisen oder auf später vertrösten zu müssen! 

Besonders Mitleid habe ich stets mit den armen Frauen, die, weil sie die zweite, dritte, fünfte Frau eines Mannes sind, nicht getauft werden können, ohne dass sie in die Scheidung einwilligen. Die Armen können ja meistens ihr Los nicht selbst bestimmen und ändern. Doch Gott wird auch ihnen Seine Hilfe nicht versagen und vielleicht die Verhältnisse derselben so ändern, dass auch sie teilhaben dürfen an Christus und seiner Gnade. 

Die auserwählten 25 habe ich am Pfingstsamstag getauft. Wie schön passt die Tagesmesse zu dieser Feier! Ich glaube sicher, alle waren von den besten Vorsätzen beseelt. Möge der Heilige Geist dieselben befruchten mit dem Tau seiner Gnade!
Am Samstagnachmittag hörte ich dann gegen 60 Beichten. Keine kleine Arbeit bei älteren Leuten, der Sprache wegen. Dieselben empfingen heute während des Hochamtes die hl. Kommunion. P. Fritz Walter hielt die Festpredigt. 

Nach der heiligen Messe spendete ich dann 52 unserer Christen das heilige Sakrament der Firmung. Ich hatte zuerst vor, gegen 90 zu firmen, habe aber alle jüngeren und diejenigen, welche noch nicht die hl. Kommunion empfangen haben, auf später vertröstet, um sie noch gründlicher zu unterrichten. Einige, etwa 7 oder 8, waren zudem krank.

Sehen Sie, so kann man auch in Afrika Freuden, recht innige Freuden erleben, trotz Fieber und mörderischem Klima.“
Der Missionär fügt dann noch bei, dass von verschiedenen Seiten dringende Anfragen um Missionäre kommen. Der Häuptling von Groß-Batanga kommt alle Monate, um seine Bitte zu erneuern. Die Leute von Malimba haben P. Fritz Walter fast unter Tränen darum gebeten. 

In Yaunda [sic] ist die Stimmung so günstig wie nur möglich. Aber leider fehlen die Kräfte, und von hier wie von fast sämtlichen Missionen kommt der ständige Ruf nach neuen Missionären.

(Aus: die katholischen Missionen, 1895)

Freitag, 3. Mai 2013

Bekehrung und Hinrichtung zweier Kindermörder in Kamerun



Der Diener Gottes Bischof Heinrich Vieter SAC (Seligsprechungsprozess 2005 eingeleitet)


Der Güte des hochw. H. Kugelmann, Obern des Missionshauses zu Limburg, verdanken wir die folgenden Zeilen des hochw. H. Vieter P.S.M., datiert Kribi (Kamerun), den 14. September 1895, über den reumütigen Tod zweier Neger, welche wegen eines Mordes hingerichtet wurden:

„Vor 14 Tagen erfuhr ich, dass auf dem hiesigen Bezirksamt zwei zum Tode verurteilte Gefangene sich befänden. Es wäre nun gewiss eine Pflichtverletzung meinerseits gewesen, wenn ich mich nicht wenigstens bemüht hätte, die armen Sünder zur Reue und zur Buße zu bringen. 
Ich begab mich daher zum Herrn Bezirksamtsmann von Oertzen und bat um die Erlaubnis, die zwei besuchen und unterrichten zu dürfen. Diese Erlaubnis gab genannter Herr mir recht gerne, und so machte ich denn gleich den Anfang. 

Ich hatte erwartet, dass die zwei armen Burschen sich mir gegenüber als unschuldig hinstellen würden, doch darin hatte ich mich getäuscht. 
Beide bekannten mir gleich, dass sie die ihnen zu Last gelegte Tat wirklich begangen hätten. Weil in ihrer Heimat am Njong-Fluss bei Klein-Batanga ein Tiger (anscheinend eine ältere Bezeichnung für Leopard) die Gegend unsicher gemacht, hatte der ungefähr 50 Jahre alte Mahopo den 20 Jahre alten Mamka beredet, mit ihm ein weibliches Kind zu stehlen, dies zu töten, und dann aus der Leiche (namentlich aus der Haut) ‚Medizin‘ gegen den Tiger zu machen. Das hatten beide denn in einer Nacht, als im Dorfe ein Fest gefeierte und getanzt wurde, auch vollführt. 
Doch die Mutter des Kindes hatte den jüngeren erkannt. Dieser wurde am nächsten Tag vom Volk festgenommen, bekannte sich schuldig, und um Mitschuldige gefragt, nannte er den Mahopo. Anfangs leugnete dieser, wurde jedoch überführt und gab dann auch seine Schuld zu.

Ich erzählte ihnen von Gott, vom Sündenfall des Menschen, dem Sohn Gottes, unserem Heiland Jesus Christus, der uns zuliebe Mensch wurde, der namentlich die Sünder liebte und aufsuchte und endlich die Strafen für unsere Sünden auf sich nehmen am Kreuz starb usw. 
Als ich meinen ersten Unterricht beendet hatte, fragte ich, ob ich wieder kommen sollte, was beide bejahten. So setzte ich denn den Unterricht während der Woche fort. Morgens ging ich und nachmittags ein junger Katechet (Peter Sili), der ihnen die notwendigen Gebete, den Akt der Reue usw. beibrachte. Beide verlangten dann die Taufe. 
Da mir vom Bezirksamtsmann mitgeteilt wurde, dass sie am 9. Des Monats in Klein-Batanga sollten erschossen werden und dass die Überführung dorthin am 7. Stattfinden würde, taufte ich sie am 7. d. M. morgens um 7 Uhr, nachdem beide vorher den Akt der Reue gebetet und auch erklärt hatten, es sei recht, dass sie sterben müssten, weil sie einen Menschenmord begangen hätten. Der ältere erhielt den Namen Petrus Dismas, der jüngere Paulus Thaddäus. Nach der heiligen Taufe spendete ich beiden das heilige Sakrament der Firmung. 
Nach der heiligen Handlung ermahnte ich sie, jetzt ihre Gedanken nicht auf das Ende dieses, sondern auf den Anfang des ewigen Lebens zu richten und fest zu vertrauen, dass der liebe Gott ihnen um des Todes unseres Heilands willen verziehen habe. Als ich ihnen zum Abschied die Hand reichte und versprach, am folgenden Tage nach Klein-Batanga zu kommen, sah ich das erste Lächeln auf den Lippen der armen in Christi Blut gereinigten Sünder. 

Am Sonntagmorgen nach der heiligen Messe ging ich denn in unserem Boot, der ‚Regina Apostolorum‘ unter Segel und kam abends 5 Uhr in Klein-Batanga an. Ich besuchte die beiden abends, ermahnte sie und betete mit ihnen. Dasselbe tat ich am folgenden Morgen vor der Hinrichtung, die um 7 Uhr stattfand. Auch gab ich beiden die Lossprechung.
Verlangen Sie von mir keine Beschreibung der Hinrichtung; es wiederstrebt mir. Betend gingen sie zur Richtstätte, ein Akt der Reue noch, nachdem sie dort angelangt waren, die Schüsse krachten, und der menschlichen Gerechtigkeit war Genüge getan. Ein fertiges Grab nahm ihre Leichen auf. 
Eine Träne im Auge und die Hoffnung im Herzen, dass Gott ihnen gnädig sein werden, entfernte ich mich und kam abends wieder hier an. Ein kleines Kreuz, das ich jedem gegeben hatten, hielte beide nach dem Tode fest in der Hand. 

Unsere Kinder haben auch ihren Teil getan, nämlich Rosenkränze gebetet für die beiden, damit der liebe Gott ihnen gnädig sei. Mancher möchte vielleicht denken: Aber hätte man nicht Gnade für die beiden, und namentlich für den jüngeren Paul, erwirken können, der dazu noch verführt worden war und nachher noch die meiste Reue zeigte und guten Willen namentlich dadurch bekundete, dass er seinem älteren Genossen, der wenig behalten konnte, im Gefängnis das Gehörte über die Glaubenswahrheiten wiederholte? 

Nun, ich glaube, die Regierung muss gewissen Verbrechen hier energisch entgegentreten, namentlich solchen, wobei Menschenmorde vorkommen, die sich am Klein-Batanga-Fluss so oft wiederholen.“

(aus: die katholischen Missionen, 1896)