Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

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Sonntag, 25. November 2018

Missionsgedanken zum jüngsten Gericht



Alle Menschen ohne Ausnahme werden vor dem Richterstuhle Jesu Christi erscheinen müssen. „Es kommt die Stunde, in der alle, die in Gräbern sind, die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und sie werden hervorgehen, die Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber Böses getan haben, zur Auferstehung des Gerichtes“ (Jo. 5, 28–30)

Auch alle Menschen, die als Heiden, fern von den Gnadenmitteln der katholischen Kirche gestorben sind, werden gerichtet werden. Allerdings wird kein Heide ohne seine persönliche Schuld ewig verdammt werden. Wir haben auch keine Ahnung, wie viele Heiden durch die Begierdetaufe gerettet werden, wie viele aber ewig verlorengehen. Aber sicher wissen wir, dass es ein großes Unglück ist, nicht in der wahren Kirche Christi sein Heil wirken zu können.

Die Christen, welche schuldig sind, dass die Heiden nicht zum Glauben an Christus gekommen sind und auf den Weg des Heiles geführt werden, werden im Gerichte sich darüber verantworten müssen. Es muss furchtbar sein, aus Gleichgültigkeit, Trägheit, Selbstsucht und Habgier Schuld zu tragen am ewigen Untergang einer durch Christi Blut erlösten Seele. Anderseits muss es aber auch mit größter Zuversicht und Freude erfüllen, im Gerichte zu hören, dass wir durch treue Mitarbeit beim Missionswerk Seelen gerettet haben, die ohne uns verlorengegangen wären. – Diese Gewissheit, im Gericht Gottes über die eigene Mitarbeit an der Ausführung der göttlichen Missionspflicht sich verantworten zu müssen, ist ein ernster Antrieb zum rechten Missionseifer.

(Aus: Beispielsammlung aus der Heidenmission für den christlichen Unterricht, P. Hermann Fischer SVD)

Samstag, 21. Juli 2018

Was sich zwei kleine Algerier von Pius IX. wünschen




Zwei kleine Araber begleiten den hochwürdigsten Erzbischof von Algier [Kardinal Lavigerie] nach Rom, wo sie dem Heiligen Vater vorgestellt wurden. Die beiden Knaben, Abdel Kader ben Mohammed und Hamed ben Aicha, wurden vom Heiligen Vater freundlichst nach ihrem Namen gefragt.

„Kennt ihr auch die christliche Religion?“ forschte der Heilige Vater weiter. „Ja, o ja“, sagte Hamed ben Aicha mit freudiger Begeisterung. – „Nun, das ist schön, sicher kennt ihr auch schon den Katechismus, und da hörte ich gern von euch die zehn Gebote.“ Ohne Fehler wurden sie von den Knaben hergesagt, aber die Furcht lähmte ihre Stimme, sie trugen sie kaum hörbar vor. Papst Pius neigte sein Ohr fast bis zum Munde der Knaben und sagte lächelnd: „Seht, liebe Kinder, ich fange an, alt zu werden, und höre nicht mehr gut.“ Er stellte noch verschiedene Fragen, die zu seiner vollen Zufriedenheit beantwortet wurden.

„Heiliger Vater“, bat jetzt der Älteste mit flehentlicher Stimme, „wir verlangen nur eine Gnade, die heilige Taufe. Der Erzbischof will sie uns noch nicht geben.“ – „In der Tat, Heiliger Vater,“ sagte der Erzbischof, „ich halte es für gut, meine Kinder bis zu den Jahren der Unterscheidung zu prüfen. Aber diese zwei sind wohl vorbereitet, auch haben sie keine Eltern mehr, die sie zurückfordern könnten.“ – „wisst ihr auch“, prüfte der Heilige Vater die Kinder weiter, „was die heilige Taufe ist und welche Verpflichtungen sie auflegt?“ Die Kinder blieben keine Frage schuldig. „Aber“, fügte der Papst nachdenklich hinzu, „wenn ihr nach Afrika zurückkehrt, werden euch die Araber vielleicht verfolgen, weil ihr Christen seid.“ – „O Heiliger Vater,“ rief der Ältere, „wenn man uns auch den Kopf abschlägt, das macht nichts, dann gehen wir geradewegs in den Himmel.“ – Segnend legte Papst Pius seine Hände auf das Haupt der Kinder und sprach zum Erzbischof: „Lassen Sie die Kinder in Rom taufen, es ist eine schöne Erinnerung für sie.“ Mit schönen Bildern beschenkt, verließen die Kleinen den Heiligen Vater. Ein Kardinal spendete ihnen die heilige Taufe.

(Aus: Beispielsammlung aus der Heidenmission für den christlichen Unterricht. Herausgegeben von P. Hermann Fischer SVD)


Samstag, 9. Juni 2018

Wie hoch die Missionäre eine Menschenseele schätzen



Der selige Karl Spinola S.J. wirkte achtzehn Jahre als Missionar in Japan und wurde nach vierjähriger qualvoller Kerkerhaft im Jahr 1618 mit einundfünfzig Genossen zu Nagasaki lebendig verbrannt.

In einem Briefe erzählt er, wie er eines Tages dazu kam, als ein Kind im Sterben lag. Rasch tauchte der Priester sein Taschentuch ins nächste Wasser, drängte sich durch die umherstehende Menge, träufelte dem Kind das Wasser auf die Stirn und sprach die Taufworte. Die Heiden meinten, er wende eine Medizin an. Der Pater versicherte in seinem Schreiben: „Wenn der liebe Gott mir für alle meine Leiden und Mühen, die ich bisher ertragen habe oder noch ertragen werde, keinen anderen Lohn erteilen wird, so halte ich sie dadurch allein für überreich bezahlt, dass er mir vergönnt hat, diese eine Seele für den Himmel zu retten.“

(Aus: Beispielsammlung aus der Heidenmission für den christlichen Unterricht, P. Hermann Fischer SVD)

Freitag, 14. April 2017

Ostern in der Kapuzinermission in Tansania



Ostern! Ein mächtiges Zinnienbeet neben dem Missionshaus grüßte heimelig in all den satten Farben der Ostereier. Ich fühle mich jetzt wie daheim. Die ganze weite Hügelwelt ist grün, trägt wirklich das Kleid des Frühlings. Es ist nicht ein zages Anfangen wie daheim. Es ist ein mächtiges Auferstehen voll Schönheit und Kraft.

Und dann das geistige Auferstehen, die Freude, Erwachsene zu taufen, die sich wochenlang danach gesehnt haben und des hohen Glückes der Taufe sich voll bewusst sind. Das ist ein Auferstehen. Nie habe ich Ostern tiefer erlebt. (von P. Werner Huber O.F.M. Cap.)


(Aus: Seraphisches Weltapostolat des hl. Franz von Assisi, 1927)

Samstag, 11. Februar 2017

Wie sich ein Seminarist den Missionsberuf vorstellt

Der ehemalige Seminarist: Bischof Franz Xaver Geyer, Apostolischer Vikar von Karthum

In meinen Studienjahren im Seminar zu Passau las ich gerne Missionsschriften, besonders auch die „Katholischen Missionen“. Das begeisterte mich für den Missionsberuf. Damals stellte ich mir vor, dass der Missionär zu einem Stamm hingehe, die Leute nach Tausenden um sich sammle, dieser Menge auf einer Anhöhe oder von einem Baume herab predige, sie gleich auf einmal alle taufe und dann weiterziehe.

Jugendliche Phantasie! Die Bekehrung der Seelen muss in geduldiger Arbeit vorbereitet und von Gott im Gebete erfleht werden. Dass unsere Arbeiten unter den Heiden tatsächliche Erfolge versprechen und schon die ersten Früchte gezeitigt haben, sehen wir in allen unseren bisher bestehenden Stationen im Heidenland.


(Aus: die katholischen Missionen, 1909)

Mehr über das Wirken von Bischof Geyer hier.

Mittwoch, 19. Oktober 2016

Der Mörder eines Missionars wird getauft


Die Untat, die der Schwarze Mfana Mdhluli in Swasiland an dem allverehrten P. Franz Mayr beging, ist dem Mörder zum Heil geworden. Nach seiner Verurteilung zum Tod musste er noch sechs Wochen bis zu deren Vollstreckung warten. Diese Zeit benutzte der Servitenmissionär Arimath M. Gratl, um den Verbrecher auf eine gute Todesstunde vorzubereiten. Anfangs war die Arbeit des Paters nicht leicht; aber nach und nach ergab sich der Schwarze in sein Geschick. Am 11. April 1915 empfing er die Taufe; am folgenden Tag fand die Hinrichtung durch den Strang statt.


(Aus: die katholischen Missionen, 1915)

Dienstag, 18. Oktober 2016

Aktuell: Ein katholischer König stirbt im Exil

(Bildquelle: Rwanda Library)

Am Sonntag starb der letzte gesalbte katholische König Afrikas, Kigeli V. Ndahindurwa von Ruanda, im Alter von 80 Jahren im Exil in der Nähe von Washington, D.C.

Er konvertierte als Jugendlicher zum katholischen Glauben und erhielt in der Taufe den Namen Jean-Baptiste. Zuvor hatte sein älterer Bruder und Vorgänger, Mutara III., diesen Schritt unternommen, nachdem er von dem Apostolischen Vikar Léon Classe M.Afr. im Glauben unterrichtet worden war. 

Kigeli bestieg nach dem frühen Tod seines Bruders im Jahr 1959 den Thron, wurde aber durch ein Referendum im Jahr 1961 abgesetzt und lebte danach in verschiedenen Ländern im Exil, zuletzt in den USA.

Der König war ein Freund der alten Messe und einer der prominenten Unterzeichner der Petition an Papst Franziskus vor der Familiensynode.


Requiescat in pace.

Samstag, 10. September 2016

Der Martertod des heiligen Jean-Pierre Néel



Im Monat Dezember des Jahres 1861 kam zum hochwürdigsten Herrn Bischof Faurie der chinesischen Provinz Kajtscheu ein Katechist und meldete, im Dorfe Kia-tscha-lung sei eine Familie bereit, den christlichen Glauben anzunehmen. Alsbald schickte der Oberhirt den hochw. Herrn Néel, Mitglied der Gesellschaft der auswärtigen Missionen von Paris, an Ort und Stelle, um den Unterricht zu vollenden und die heilige Taufe zu erteilen. Gott segnete die Arbeit seines Dieners und bald hatte er eine junge Gemeinde von etwa 50 Seelen gebildet. Ganz glücklich wollte der Missionär auf einige Tage nach der Hauptstadt gehen, um dem hochw. Bischof den gesegneten Erfolg seiner Mühen mitzuteilen, als man ihm meldete, der Befehlshaber der Bürgerwehr habe einen seiner Neubekehrten verhaftet und gesagt, er werde mit allen Christen im Dorf kurzen Prozess machen.

Nun beschloss der treue Hirte, in solcher Gefahr seine Herde nicht zu verlassen. „Ich bleibe auf meinem Posten, um meine Neubekehrten zu ermutigen“, schrieb er am 16. Februar 1862 an seinen Bischof. Zwei Tage später, am 18. Februar, kamen zahlreiche bewaffnete Häscher unter der Leitung von Mandarinen zu Pferd und in Sänften, umstellten unversehens das Haus, in dem sich der Missionär befand, und knebelte den Besitzer des Hauses, Johann Tschang, den Katechisten Johann Tschen und den Täufer Martin Uh.

Der hochw. Herr Néel hatte sich in ein inneres Zimmer geflüchtet, um die heiligen Gefäße zu verbergen; aber bald flog die Türe unter den Schlägen der Soldaten in Stücke und die vier Bekenner wurden alsbald nach Kajtscheu abgeführt. Den Missionär banden die rohen Knechte mit den Haaren an den Schweif eines Pferdes und hatten ihr Gespött daran, wie sich der Priester quälen musste, dem Reiter Schritt zu halten.

„Wie heißt du?“ schrie der Mandarin, der bereits die Gefangenen erwartete, den Missionär an. „Auf Chinesisch nennt man mich Uen, auf Französisch Néel“, antwortete dieser. „Knie dich nieder wie die anderen!“ – „Ich bin kein Chinese“. Ich komme aus Frankreich, um gemäß der Verträge die wahre Religion zu verkünden.“ Da schlug ein Henkersknecht mit einer schweren Kette den Missionär so wuchtig auf den Rücken, dass er zu Boden stürzte. Ruhig richtete er sich auf seine Knie auf und wollte seinen Pass vorweisen. „Danach habe ich gar nicht gefragt“, sagte der Richter; „entsage deiner Religion oder ich lasse dich töten!“ „Diese Aufforderung ist umsonst – töte mich!“ „Du wirst nicht lange zu warten haben! Und ihr anderen Dummköpfe,“ sagte der Mandarin, sich an die drei Christen wendend, „wollt ihr der christlichen Religion entsagen?“ „Niemals“, riefen alle einstimmig. „So tötet mir diese ganze Brut und damit Basta!“ 

Hiermit griff der Richter zu seinem Pinsel und schrieb folgendes Urteil: „Ich habe rechtzeitig eine Verschwörung entdeckt und ihre Urheber mit dem Tode bestraft.“ Noch wagte einer der Beisitzenden die Bemerkung: „Aber dieser Mann hat einen Pass – man kann ihn doch nicht so töten!“ „Du wirst gleich sehen, dass man einen Franzosen gerade so leicht töten kann wie einen Chinesen“, erwiderte der Richter und gab Befehl, den Verurteilten ihre Kleider auszuziehen, „denn sie sind nicht würdig, Kleider zu tragen,“ sagte er.

So führte man die vier Bekenner durch die gaffenden Scharen zur Hinrichtung. Der Befehlshaber der Bürgerwehr von Kia-tscha-lung schlug eigenhändig das Haupt des hochw. Herrn Néel ab. Tags darauf gesellte sich zu den vier Blutzeugen noch eine Christin namens Lucia Y., welche ebenfalls des Glaubens wegen enthauptet wurde. Die Leiber warf man den wilden Tieren zum Fraße hin, während ihre Köpfe zum abschreckenden Beispiel auf die Zinne von Kajtscheu gesteckt wurden. Der hochwürdigste Bischof Faurie tat alles, um diese kostbaren Überreste zu erhalten; mehrere Versuche waren vergebens, bis es endlich in der Nacht vom 5. auf den 6. März fünf mutigen Knaben gelang, die Häupter der Blutzeugen dem Bischof zu bringen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1876)

Mittwoch, 22. Juni 2016

Die Predigt des heiligen Ludwig Bertrand auf den Jungferninseln



Der erste Missionär, den wir auf den dänischen Antillen [heute Amerikanische Jungferninseln] treffen, ist der hl. Ludwig Bertrand O. P., der Apostel von Kolumbien (gest. 1581). „Eines Tages“, so erzählt man, „predigte der Heilige auf St. Thomas im Schatten eines Baumes, als plötzlich eine Schar mit Steinen und Schleudern bewaffneter Indianer auf ihn losstürmte, ihn zu ermorden. Sein Begleiter mahnte ihn zu schleuniger Flucht. Der Heilige aber fuhr furchtlos in seiner Predigt fort und sprach mit solcher Kraft, dass die Wilden wie gebannt stehen blieben, seinen Worten lauschten und schließlich 200 von ihnen die heilige Taufe begehrten.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1919)

Samstag, 4. Juni 2016

Zum 3. Sonntag nach Pfingsten: Hirtensorgen und Hirtenfreuden



Die Hirtensorge und Hirtenliebe des göttlichen Heilandes, andächtige Christen, muss auch in unseren Herzen leben. Christi Geist muss unser Geist, Christi Herz unser Herz sein. In der Sorge für das Missionswerk teilen wir die Hirtensorge des göttlichen Herzens.

Ach, wie viele gute Seelen haben noch keine Ahnung von den Hirtensorgen des Missionswerkes! Willst du sie kennen lernen und dir Hirtenliebe ins Herz lesen, dann greife zu den Missionsberichten und Missionszeitschriften. Sie erzählen dir ausführlich und oft in erschütternder Weise von den schweren Sorgen der Missionäre. Zwischen dem Suchen und dem Finden des verirrten Schäfleins liegt ein weiter Weg, und die Hirtenfreude muss oft um schwere Opfer erkauft werden. 
Der Missionär muss zunächst die Spur des verirrten Schäfleins aufsuchen und durch eifriges Studium der religiösen Sitten und Anschauungen seiner Umgebung aufmerksam den Weg verfolgen, den das verlorene Schaf gegangen ist. Und durch welche Sümpfe, über welche Klippen, in welche Dornen und Hecken führt zuweilen dieser Weg! Dann beginnt der mühsame Hirtengang. Der suchende Missionär muss unermüdlich gehen und wandern; er darf sich nicht kümmern um Regen und Sonnenschein, nicht kümmern um Hunger und Durst, nicht kümmern um den brennenden Sand unter seinen Füßen und die brennende Hitze über seinem Haupte. Eingedenk muss er sein des guten Hirten, der sein Leben hingibt für seine Schafe. Beim Anblick solcher Hirtenarbeit wird auch in unser Herz, andächtige Christen, etwas von der Hirtenliebe des heiligen Missionswerks kommen. Durch unser Missionsgebet und unser Missionsopfer werden auch wir suchende und rettende Hirten der Heiden sein. Mit dem göttlichen Heiland werden wir die Hirtensorge teilen, mit ihm werden wir aber auch in Freuden das Wiedergefundene heimtragen. Seine Hirtenfreude wird auch unsere Freude sein. (…)

O seliges Hirtenglück, wenn zu den Füßen des Missionärs der neubekehrte Heide kniet! O heilige Hirtenfreude, wenn der Missionär das so lange gesuchte Schäflein gefunden und nun über die Stirne das Wasser der heiligen Taufe gießen, das Brot des ewigen Lebens ihm reichen kann! Die Rettung des Schäfleins wird als eigenes Glück empfunden. In diesen Augenblicken sind alle Hirtensorgen reichlich, überreichlich belohnt. (…)

Wir wollen betend unsere Hände zu dem göttlichen Hirtenherzen Jesu aufheben und es bitten, unser Herz dem seinigen immer gleichförmiger zu machen in der Liebe zu dem verlorenen Schäflein der Heidenwelt. Die Gefühle wahrer Hirtenliebe mögen auch unser Herz beseelen. Und diese Liebe wird uns stark machen, tätigen Anteil zu nehmen an der großen Missionssorge, die auf unserer heiligen Kirche lastet. Ihre Missionsfreude wird auch unsere Freude, ihr Missionserfolg auch unser Erfolg sein, und am Tage der Ewigkeit, wenn das letzte Schäflein aus der Heidenwelt heimgebracht ist, dann wird der göttliche Hirt uns als seine Freunde zusammenrufen, und für die ganze Ewigkeit wird seine liebreiche Aufforderung gelten: „Freuet euch mit mir!“ Amen.


(Aus: Robert Streit O.M.I.: Missionspredigten, Herder, 1913)

Samstag, 21. Mai 2016

Zum Dreifaltigkeitssonntag



Andächtige Christen!

Die Taufe im Namen des dreieinigen Gottes ist der Segen aller Segnungen, nicht beschränkt auf ein Volk und eine Zeit und einen Erdstrich, sondern bestimmt für alle Völker und alle Zeiten und alle Lande. Diesen Segen des allmächtigen Gottes vermitteln wir durch das Missionswerk den Heidenvölkern. Den Segen Christi sprechen wir durch unsere Missionäre über eine ganze Welt des Zornes aus und verwandeln sie in eine Welt der Gnade. Doch nicht nur das. Alle Tage bis ans Ende der Zeiten bleibt Christus bei seiner Kirche, und alle Seelen, die sie belebt mit dem Leben Christi, und alle Völker, die sie segnet mit Christi Segen, alle diese macht sie zu Kindern des himmlischen Vaters, alle diese gewinnt sie zu lebendigen Mitgliedern des Reiches Christi und wandelt sie um zu Tempeln des Heiligen Geistes. Wir werden die Kinder Gottes (Röm 5, 2), die Kinder des Tages (1 Thess 5, 5), die Kinder des Lichtes (Jo 12, 36). Aus dieser Kindschaft Gottes folgert dann der Völkerapostel in dem Brief an die Neubekehrten zu Rom: „Wenn aber Kinder, dann auch Erben, und zwar Erben Gottes, Miterben aber Christi“ (Röm 8, 17), und in dem Brief an die Galater: „Weil ihr aber Kinder seid, entsandte Gott den Geist seines Sohnes in eure Herzen“ (Gal 4, 6).

O andächtige Christen! Welche Lichtblicke auf Zeit und Ewigkeit eröffnen diese Worte! Ein Glück, das Himmel und Erde umfasst, liegt in ihnen ausgesprochen. Haben wir es je erfasst, welche Gnaden das Sakrament der heiligen Taufe uns gebracht und zu welchem Gnadenbunde es uns erhoben hat? Es ist kein Bund, wie Menschenkinder ihn schließen, der an die rinnende Stunde gebunden und durch wechselnde Verhältnisse bedingt ist. Der Taufbund, den Gott mit dem Menschen schließt, ist ein heiliger, ein ewiger Bund der Liebe und Gnade. Diesen Gnadenbund soll die Kirche im Namen des dreieinigen Gottes mit allen Menschen schließen. Ihr Missionswerk ist die große Völkertaufe. Sie reinigt und heiligt eine ganze fluchbeladene Welt. Tote Menschenseelen erweckt sie zum Leben und zu Kindern des Vaters, der im Himmel ist. Die Heiden bringt sie aus der Ferne herbei und setzt sie ein zu Miterben Christi. Den ganzen Erdkreis baut sie aus zu einem Tempel des Heiligen Geistes, zu einem großen Gotteshaus zu Ehren der heiligen Dreifaltigkeit.


(Aus: Robert Streit O.M.I.: Missionspredigten, Herder, 1913)

Mittwoch, 11. Mai 2016

Die Entbehrungen und Freuden des Afrikamissionars



„Große Opfer“, berichtet der Missionär [P. Joseph Fräßle S.C.J.] weiter, „verlangt das Apostolat in Zentralafrika. Schon das Klima setzt dem Europäer heftig zu. In den 20 Jahren der Missionstätigkeit am Kongoflusse haben Malaria, Schwarzwasserfieber und Dysenterie über 200 jugendliche Apostel jäh ins Grab gestürzt. Die Wohnungen bieten für gewöhnlich nicht den nötigen Schutz, und die Nahrung, die meistens aus Maniokwurzeln, Fischen und Bananen besteht, vermag den raschen Kräfteverfall durch das Tropenklima nicht zu hemmen.  Dazu bereitet die große Armut der Evangelisation viele Hindernisse. Hätten wir Mittel zum Reisen, fünfmal mehr Erfolge könnten wir erzielen.

Und wie steht’s nun mit meiner Missionsstation? Monatelang fuhr ich in meiner Piroge stromauf, stromab, um die Dörfer zu gewinnen. Oder es ging auf den engen Pfaden der Wilden, gebückt und in Schweiß gebadet, durch den Urwald, über Baumwurzeln und gefallene Waldriesen, über Termitenhügel und durch Ameisenprozessionen, durch Sümpfe bis unter den Arm, durch Bäche bis an den Kopf, sieben, acht, neun Stunden lang. Da winkt denn bald ein knurrender Gorilla mit dem Knüttel, oder eine Elefantenherde versperrte den Weg. Die Neger aber drohten anfangs in den Dörfern beim Absteigen mit Lanzen oder warfen brennende Holzscheite auf mein Fahrzeug oder liefen davon. Wo ich Zutritt erhielt, war erst eine Hütte der Wilden meine Wohnung. Im Freien fand Unterricht und Gebet statt, bis ich mit eigenen Händen einen Schuppen aus Pfählen und Blättern errichtet hatte. Verstand und Herz öffneten sich allmählich, als die Leute die Werke sahen, die die neue Lehre gebietet: Nächstenliebe und Barmherzigkeit. So mancher, der unter dem harten Joch von Häuptlingen oder Arabern gelitten hatte, schloss sich dem Missionär an. Sie wurden mit den aus der Sklaverei losgekauften Knaben erzogen und bildeten den Kern, aus dem die erste christliche Gemeinde immer mehr emporwuchs. Die vor fünf Jahren gegründete Mission zählt heute 1.800 Christen und 3.000 Katechumenen, in 32 Ortschaften zerstreut, wo wir sie alle 2–3 Monate besuchen und unterrichten, die heiligen Sakramente spenden und die Prüfungen über Wissen und Leben jener anstellen, die um die heilige Taufe bitten. Für die Erprobten beginnt die nähere Vorbereitung auf das Sakrament der Wiedergeburt. Und fließt dann das Wasser auf die Stirn der leiblich und geistlich aus Sklavenketten befreiten Armen, so vermischen sich oft die Freudentränen des Missionärs mit denen seiner glücklichen Kinder. In solchen Augenblicken sind alle Mühen vergessen, ist der Lohn überreich, und der Missionär wäre bereit, noch zehnmal größere Opfer zu bringen.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1912)


Samstag, 30. April 2016

Thereschen, ein Gotteskind

Pater Joseph Fräßle S.C.J. berichtet aus seiner Mission im Kongo (in Afrikanische Missionsgeschichtlein, Band I., 1926) :

Krüppel findet man bei unseren Eingeborenen selten, weil sie dieselben gleich nach der Geburt wegwerfen. Einer heidnischen Mutter in Basajo war es trotz allem geglückt, ihr krüppelhaftes Kind zu verstecken und am Leben zu erhalten; der Vater war zudem bald nach seiner Geburt gestorben; es bestand keine Gefahr mehr für des Kindes Leben.

Diesem armen Mädchen standen die Füße nach innen, die Arme nach rückwärts, als wären sie verkehrt eingesetzt; auch waren sie in den Ellenbogen steif, und die Händchen hatten nur zwei bzw. drei Finger. Das Kind konnte also die Hände nicht zum Gesicht erheben, keine Nahrung zum Munde führen; es faltete die Hände auf dem Rücken, nicht vor der Brust.

Man kann sich denken, wie bei wilden Heiden ein solches Wesen das Gespött der bösen Kinder war, wie es überall fortgejagt und geschlagen wurde. „Eine böse Hexe bist du, ein ganz abscheuliches Tier; wir werden dich schon einmal umbringen!“ So rief man ihm überall zu. Wie hat es oft tagelang bitterlich geweint, wochenlang im Dunkel der Hütte seiner Mutter sich verborgen.

Da brachte ich den christlichen Unterricht nach Basajo. Das Mädchen lauschte auf, als es hörte, Gott schaue nicht auf die äußere Gestalt des Menschen, sondern beurteile sie nach ihrem inneren Wert, der allein ihr ewiges Los bestimmt. Das war eine frohe Botschaft für das krüppelhafte Kind. Keinen Tag fehlte es im Unterricht, bis es durch die heilige Taufe den schönsten Seelenschmuck der Gnade und Gotteskindschaft sich erworben hatte. Glück und Frieden waren jetzt in sein Herzchen eingezogen. Es hieß von der hl. Taufe ab Thereschen.

Seelenschönheit zu erhalten und zu vermehren war von da ab des Kindes Streben. Je mehr die Menschen es „abscheuliche Kreatur“ nannten, umso mehr suchte es Gott wohlzugefallen. Und weil der Seelenadel und der Sieg über erniedrigende Begierden nur mit Hilfe der Gnade gelingt, betete das Kind nicht nur tapfer zu Hause, sondern es war auch jeden Morgen um sechs Uhr schon in der 7 km entfernten Missionskirche. Selbst das schlechteste Wetter konnte es nicht von diesem Kirchengang abhalten. Aber da zwang uns höhere Anordnung, den Werktagsgottesdienst schon um halbsechs Uhr abzuhalten. Wie bitter weinte da Thereschen! „Ach nun wird sie mir geraubt, die Kraftquelle und Freude meines Lebens, nach der ich mich sehnte Tag und Nacht, die heilige Messe! Denn so früh können meine Füße den Weg nicht machen, und meine krüppeligen Hände können kein flammendes Holzscheit schwingen, mit denen andere zur Nachtzeit die Leoparden bannen!“ Dafür kniete Thereschen jeden Samstag und Sonntag stundenlang in der Kirche: sie empfing die hl. Sakramente.

Als ich es einmal unter der Kirchentür traf, frug ich: „Sag mir, Thereschen, verspotten dich die Leute immer noch wie früher?“ „Vater, Menschen, die Unglückliche verlachen, wird es immer geben. Doch ich mache mir nichts mehr daraus; bin ich doch Gotteskind! Körperschönheit ist mir zwar versagt – auch die der anderen Menschen dauert nicht. Mögen sie Zeit und Mühe darauf verlegen, um Menschen zu gefallen – ich will lieber darauf bedacht sein, wie ich Gott gefallen könne. Wie fühle ich mich doch so glücklich, seit ich weiß, dass sein Vaterauge auf mir ruht, sein Vaterherz mich liebt. Er soll von mir sprechen dürfen: da hab ich ein geliebtes Kind; an ihm habe ich mein Wohlgefallen.“

Offensichtlich half Gottes Gnade unserem Thereschen von Tugend zu Tugend zu schreiten. „Schau,“ sagte es zu mir ein anderes Mal, „früher wurde ich zornig, habe geweint oder geschimpft, wenn mich die Leute verspotteten und schlugen; jetzt aber denke ich: lass die Menschen nur spotten! Die Schönheit, auf die sie stolz sind, wird auch ihr Ende haben, vielleicht stehen sie dann noch elender da als ich, falls sie die Arbeit an ihrer Seele vernachlässigt haben. Ich schweige jetzt, suche meinen Zorn und meine Empfindlichkeit zu besiegen: jeder Sieg bringt übrigens Seelenstärke und Freude. Auch rufe ich mir immer wieder ins Gedächtnis zurück: Nur so viel ist der Mensch wert, als er in Gottes Augen gilt. Denke ich aber erst an unseren lieben Heiland, wie er verspottet, geschlagen und gekreuzigt worden ist, dann freue ich mich, wenn ich durch solche Leiden ihm ähnlich sein darf. Ich gebe mir Mühe, meinem Erlöser zu zeigen, dass ich ihn lieb habe: Ich schweige und dulde wie Er, und mit Ihm opfere ich meine Leiden dem himmlischen Vater auf für die Rettung der Heiden und Sünder. Kann es etwas Schöneres geben für ein Christenkind, als wenn es durch Leiden seinem gekreuzigten Heiland ähnlich ist?“

Samstag, 16. Mai 2015

Blumen für die Mutter Gottes – Bekehrung auf dem Sterbebett


Von P. Franz Scherer S.J.:

„Noch ein Beispiel, wie die liebe Mutter auch ein kleines Geschenk reichlich vergilt! In der Nähe unseres Hauses (Sikawei bei Schanghai) wohnt ein Teil der Familie Si, die hunderte von Gliedern zählt. Sie stammen alle von dem Minister Si ab, einem eifrigen Katholiken, der uns den ganzen Grundbesitz schenkte, welchen wir jetzt haben. In einer Christenverfolgung fielen dessen Kinder und Enkel vom Glauben ab. Doch gab die Mutter oder Großmutter des jetzigen Familienhauptes jedes Jahr im Maimonat Blumen, dass sie vor der Muttergottesstatue in unserem Garten aufgestellt würden. Vor einiger Zeit starb diese Frau. Auf dem Sterbebett verlangte sie nach dem Priester und bat um die heilige Taufe. Obwohl nun die Glieder der Familie einen Eid geschworen hatten, dem Heidentum treu zu bleiben, legten sie der Sterbenden doch keine Schwierigkeiten in den Weg, und sie erhielt, gewiss durch die Fürbitte Marias, als Lohn für die kleine Blumenspende die ewige Seligkeit.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1881)

Samstag, 28. Februar 2015

Stephen Eckert O.F.M. Cap – der Apostel der Schwarzen in Milwaukee



John Eckert wurde als das mittlere von neun Kindern am 28. April 1869 in Huron County, Ontario, geboren, wohl auf einer Farm in der Nähe des kleinen Dorfs Dublin, denn er sollte später den Ordensnamen „Father Stephen of Dublin“ tragen. Seine Eltern waren fromme katholische Bayern, die 1858 nach Kanada auswanderten. Johns Kindheit war vom tiefen Glauben seiner Eltern geprägt, die ihren Kindern eine gute religiöse und praktische Bildung angedeihen ließen und für die es kein Problem war, jeden Sonntag über 6 Meilen zur Messe zu laufen. Noch als Erwachsener zeigte er sich dankbar gegenüber seinen Eltern für diese Erziehung. Auch hatte er einen optimistischen Geist, der ihn sein Leben lang begleitete und ihm später half, auch andere für seine Seelsorgstätigkeit zu begeistern.

Während der Zeit auf der High School in Kitchener kam der Junge, der bereits seinen Eltern gegenüber den Wunsch geäußert hatte, Ordenspriester zu werden, in den Kontakt mit zwei Kapuzinern, die in der Stadt eine Mission predigten. Um mehr über den Orden herauszufinden, verbrachte er einige Tage im Kloster St. Bonaventure in Detroit (Sitz der Kapuzinerprovinz St. Joseph). Im Frühjahr 1891 trat er ins Noviziat und erhielt am 21. Mai das Habit und den Ordensnamen „Stephen“. Seine theologischen Studien machte er ab 1892 in Milwaukee, seinem späteren Wirkungsfeld, und wurde am 2. Juli 1896 zum Priester geweiht. Es folgte eine priesterliche Tätigkeit in verschiedenen Pfarreien, vor allem in New York sowie in Detroit und Wisconsin. Während seines Aufenthalts in Yonkers, NY, kam ihm das erste Mal der Gedanke, sich der Bekehrung der Schwarzen zu verschreiben. 1904 besuchte er das Kloster der heiligen Katharine Drexel in Philadelphia, die sich mit dem von ihr gegründeten Schwesternorden ganz der Bekehrung der Schwarzen und Indianer in den USA widmete. Nach diesem Besuch wendete er sich an seinen Ordensoberen mit dem Gedanken, eine Mission unter den Schwarzen in den Südstaaten zu eröffnen. Doch die Ordensleitung in Rom fand den Zeitpunkt nicht günstig, und Fr. Stephen führte weiterhin in treuem Gehorsam seine normale Seelsorgstätigkeit aus, ohne aber seine Hoffnung auf eine Missionierung der Schwarzen ganz auszuschlagen. Er konnte auch in New York unter den Schwarzen wirken und bekehrte dort einige Familien zum katholischen Glauben. Der Ordensvisitator äußerte sich eines Morgens erfreut und erbaut, dass so viele Afroamerikaner an der Kommunionbank der Pfarrei St. John the Baptist knieten, wo Fr. Stephen von 1907 bis 1909 diente.

1913 wurde eine Stelle an der St. Benedict the Moor Mission für schwarze Katholiken in Milwaukee frei, die zu seinem großen Glück Father Stephen übertragen wurde. Am 13. Juli traf ein Kapuziner mit einem demütigen Bruder in der Mission ein und las die Messe. Die Anwesenden waren sehr überrascht, als der Zelebrant sich nicht als der neue Priester herausstellte, sondern als der Prior des St. Franziskus-Klosters, der den neuen Priester nach der Messe vorstellen würde. Der neue Priester war Fr. Stephen, der noch kurz zuvor so erbaulich bei der Messe seines Mitbruders gedient hatte. Seine neue Herde begrüßte er mit den Worten: „Gnade euch und Friede von Gott und unserem Herrn Jesus Christus!“

Sofort ging Fr. Stephen mit seinem ganzen Seeleneifer ans Werk und besuchte in zwei Wochen knapp 500 Afroamerikaner, sprach mit ihnen eingehend, lud sie zur Messe und zum Unterricht ein und kündigte an, eine Schule einzurichten. Mehr als die Hälfte der Aufgesuchten versprach, zu kommen und hielt Wort. So wurde die Kapelle bald zu klein und es mussten zwei Messen am Sonntag gelesen werden.

Wie taktvoll und klug Fr. Stephen generell in seinem Apostolat vorging, soll ein Beispiel zeigen. Eines Tages kam ein schwarzer Mann an die Tür, der wohl eigentlich zum Methodistenprediger wollte. Er sagte, er sei wohl an die falsche Tür gekommen. Fr. Stephen erwiderte lächelnd, dass er sich wohl in der Tür geirrt habe, aber gerne eintreten könne, wenn er wolle. Der Mann trat ein, es entwickelte sich ein Gespräch über den Glauben und der zufällige Besucher versprach, über das Gehörte nachzudenken. Der Missionär mahnte ihn, im aufrichtigen Gebet die göttliche Gnade zu erflehen. Tatsächlich wurde der Mann später ein frommer und musterhafter Katholik.

1914 ging er an die Errichtung einer Schule, und da er knapp bei Kasse war, versuchte Fr. Stephen durch Missionspredigten in Pfarreien Geld zu sammeln. Der Erfolg entsprach nicht den Erwartungen, es war aber genug, um die Mission weiter auszubauen. 1920 waren bereits 120 Kinder auf der Schule. Eigentlich sollte sie dann aus Platzmangel aufs Land verlegt werden, jedoch war dies durch die widrigen wirtschaftlichen Bedingungen nach dem Ersten Weltkrieg nicht möglich.
Unermüdlich war Fr. Stephen darum besorgt, das Apostolat zu vergrößern und versuchte auch, andere für dieses Werk zu begeistern, indem er darüber auf Volksmissionen und bei Exerzitien sprach. Auch wandte er sich mit seinen Aufrufen an Bischöfe, Priester, Laien, Schulen und Klöster. Eine besondere Freude war es für ihn, als er kurz vor seinem Tod in einem Brief vom 17. Januar 1923 berichten konnte, dass nach Exerzitien in einem Seminar sich vier Seminaristen, darunter ein Schwarzer, für den Eintritt in ein Missionsseminar entschlossen hatten. Ein Zeichen seines großen Eifers sind die 246 Taufen, davon 54 bei Erwachsenen, die er allein zwischen 1913 und 1919 spendete.

Ab dem 20. Januar 1923 predigte er ein Triduum auswärts, wobei er bei der ergreifenden Predigt stark schwitzte, danach aber noch einige Zeit bei großer Kälte im Beichtstuhl saß. So zog er sich wohl die Lungenentzündung zu, die zu seinem Tod führen sollte. Er kam am 26. Januar so geschwächt in Milwaukee an, dass er direkt ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Trotz anfänglichen Anzeichen der Besserung verstarb er am 16. Februar 1923 im Alter von 53 Jahren.

Am 18. Februar wurde die Leiche im St. Franziskus-Kloster in Milwaukee aufgebahrt. Hunderte Schwarze kamen, um sich von ihrem geistigen Vater zu verabschieden. Manche berührten sogar ihre Rosenkränze am Leichnam, um zu zeigen, dass sie ihn als Heiligen verehrten. Das levitierte Requiem am 20. Februar wurde von Fr. Joseph Michael Eckert O.P., dem leiblichen Bruder des Verstorbenen, unter Assistenz von zwei anderen Dominikanern zelebriert. Fr. Stephens Landsmann John Forbes M. Afr., der erste kanadische Weiße Vater und selbst Missionsbischof in Uganda, betete das Libera Me am Sarg des toten Kapuziners. Über 80 Priester und 1.000 Gläubige wohnten der Zeremonie bei.
Schon bald nach seinem Tod wurden Gebetserhörungen gemeldet, und Fr. Stephen Eckerts Seligsprechungsprozess ist seit den 1950er Jahren eingeleitet.


Father Stephen war ein Mann des Gebets und der Abtötung. Lange Zeit betete er nachts vor dem Allerheiligsten. Eine Decke auf dem Boden seines Zimmers reichte ihm als Bett. Als einziger „Fehler“ wird seine große Sanftmut und Güte gegenüber den fehlenden Mitmenschen genannt. Besonders wird sein übernatürlicher Geist betont, der stets die Ehre Gottes und das Heil der Seelen suchte und der kein Gefallen an oberflächlichen Gesprächen hatte. Wo derartige Gespräche für ihn zu viel Platz einnahmen, lenkte er sie gekonnt auf tiefere Gedanken, darunter natürlich auf die Bekehrung der Schwarzen. Durch die Wärme und die Überzeugung seiner Erklärungen und die darin gezeigte Sachkenntnis schaffte er es, andere in seinen Bann zu ziehen. Möge dieser übernatürliche Geist uns allen ein Vorbild und Fr. Stephen uns und vor allem den Schwarzen in den USA ein Fürsprecher im Himmel sein.

(Quellen: cchahistory.ca, das Seraphische Weltapostolat des heiligen Franziskus von Assisi, Altötting, 1927 bzw. 1935)

Donnerstag, 26. Februar 2015

Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon – die heilige Katharine Drexel



(…) Für den weiteren Ausbau dieser und so mancher anderer Station [der Steylerpatres für die Mission unter den Schwarzen in Mississippi] sind die Patres einer edlen Frau zum höchsten Dank verpflichtet, die ihr Leben der Bekehrung und Hebung der schwarzen und roten Rasse gewidmet hat: Mutter Katharina Drexel. Tochter eines sehr reichen, tief religiösen und wohltätigen Börsenmannes in Philadelphia (ihr Großvater war Tiroler), fühlte sie sich schon früh in besonderer Weise zu den verachteten Indianern und Negern der Vereinigten Staaten hingezogen und spendete reichlich von ihrem Vermögen [kürzlich las ich in einer US-Publikation, dass es in ihrem 97-jährigen Leben wohl 12 Millionen USD waren, die sie spendete]. Nach einer Audienz bei Leo XIII., dem sie Notlage dieser Armen mitgeteilt hatte, fühlte sie die erste Anregung, eine eigene Schwesterngenossenschaft zu gründen, die sich durch Gelübde ausschließlich der Bekehrung der roten und schwarzen Rasse widmen sollte. Die Gründung des ersten Noviziats erfolgte im Jahre 1891, die Belobigung der Regeln durch die Propaganda im Jahr 1907 unter dem Titel: „Schwestern vom Allerheiligsten Sakrament für Indianer und Neger“.

Mutter Katharina hörte von der neuen Gründung auf einer Visitationsreise und sprach bei den Patres vor. Sie besichtigte alles, nichts schien ihr zu entgehen. Bei ihrem Abschied übergab sie dem glücklichen Missionär eine Summe Geldes, groß genug, um damit ein geräumiges zweistöckiges Schulgebäude zu errichten.

(…) Nachdem die Station von Vicksburg fest begründet war, versuchte P. Heick sein Glück in Jackson, der Hauptstadt des Staates Mississippi. Unter den 10.000 bis 11.000 Negern der Stadt war kein einziger Katholik. Das waren keine vielversprechenden Aussichten, aber die Schwierigkeiten begannen erst, als man an den Kauf eines geeigneten Grundstücks ging. Das ausgewählte Stück Land war günstig gelegen und nicht zu teuer, aber es hatte den einen Fehler, dass es zu nahe dem Stadtteil war, in dem die Weißen wohnten. Kaum hatte man von den Plänen des Missionärs erfahren, als eine wüste Hetze in den Zeitungen einsetzte. Schließlich erschien eine Abordnung bei P. Heick, die im Namen der weißen Bevölkerung scharfen Einspruch erhob. Eine Negerschule könne nur innerhalb der Grenzen des Negerviertels errichtet werden. Das war aber praktisch unmöglich, weil die Grundbesitzer des Negerviertels so unerschwingliche Preise forderten, dass P. Heick jede Hoffnung aufgeben musste. 

Da kam ihm wieder Mutter Katharina Drexel im entscheidenden Augenblick zu Hilfe. Sie erklärte sich bereit, jede geforderte Summe zu begleichen. Schon drei Monate später feierte P. Heick die erste heilige Messe in dem neuen Missionsgebäude, das Priesterhaus, Kirche, Schule und Schwesternhaus in einem war. Nach dem Wunsch des greisen Generalsuperiors wurde die neue Station dem Heiligen Geist geweiht, da, wie er schrieb, erfahrungsgemäß die der dritten Person der allerheiligsten Dreifaltigkeit geweihten Missionen und Anstalten immer Erfolg haben. Es sollte sich dies auch bis jetzt bewahrheiten. Obschon kein einziger katholischer Neger in der Stadt wohnte, wurden schon am ersten Tag nach der Einweihung des neuen Schulgebäudes 110 Kinder von ihren Eltern zur Mission gebracht. Bald wurde der Zuwachs so groß, dass ein Schwesterhaus und eine Kirche gebaut werden mussten. Da kein Grundstock von Katholiken am Platz war, so musste eine Pfarrei erst langsam geschaffen werden. Als erste Frucht nahm P. Heick eines der Kinder im Jahr 1909 in die Kirche auf. Im Jahr 1913 konnte er schon 35 taufen. Im letzten Jahr hatte er 324 Kinder, worunter 91 katholisch waren. Die Gesamtzahl der Katholiken ist bis auf 233 gestiegen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1916)

Sonntag, 11. Januar 2015

Der heilige Joseph als Helfer gegen die „Teufelskrankheit“



Alle Missionäre in den Ländern der Ungläubigen bestätigen den Einfluss der Dämonen auf die unglücklichen Heiden, welche noch nicht das Glück hatten, die Taufe zu empfangen. Ein Bischof aus dem Lazaristenorden erzählte unlängst, dass ihm bei einem Schulbesuch, wo sich zweihundert Kinder befanden, ein einfacher Blick hinreichte, um zu entdecken, dass nur zwei unter ihnen getauft seien. „Durch die Taufe entreißt uns Gott der Finsternis und versetzt uns in das Reich des Lichtes.“ (Ko. 1, 13.) – Der Satan begnügt sich nicht, die Seelen dieser armen Ungläubigen zu quälen, sondern er schlägt sie oft mit so sonderbaren Übeln, dass man sie in diesem Land [China] „Krankheiten des Teufels“ nennt. Die Ärzte selbst erklären sich in diesen Fällen für ohnmächtig; die hl. Sakramente allein vermögen zu helfen. Man führt in dieser Hinsicht tausend glaubwürdige Beispiele an. Das folgende hat der hochwürdige Pater Royer in einem Buch über die katholischen Missionen erzählt:

„Am 19. März, dem Fest des hl. Joseph,“ schreibt er, „bemerkte ich einen schrecklich mageren todbleichen Arbeiter – einen Heiden. „Was fehlt dir?“ fragte ich ihn ganz entsetzt. „Ach,“ erwiderte er, seine kleine Last ablegend, „ich bin nichts mehr, meine Kräfte sind dahin!“ Ich hieß ihn niedersitzen und erkundigte mich um seine Krankheit. Er bat mich um ein Heilmittel. O, sagte ich, glaube an Gott! Dein Übel ist unheilbar; denke daran, deine Seele zu retten, dies wird das beste Mittel sein! „Gut,“ sprach er, „ich glaube, und wenn Gott mich heilt, werden viele andere auch glauben. Seit zwei Jahren leide ich schon an dem Zié-pin (Teufelskrankheit).“
Ich spreche ihm Mut zu, schenke ihm ein kleines Gebetbuch, und empfehle ihm, zum heiligen Joseph zu beten, in fünf Tagen aber nach Jed-kiao zu kommen, wo wir das Fest Mariä Verkündigung feierten. Er kam und schon von weitem rief er mir zu: „Ich bin geheilt! Seit fünf Tagen ist der Teufel nicht wiedergekommen.“ Sein Angesicht glänzte vor Freude. Ich schenkte ihm einige Bücher religiösen Inhalts, sowohl für ihn als auch für seine Kinder. Am 4. April kam der Mann wieder und brachte seinen zweiten Sohn von 11 Jahren mit, der bereits die Gebete und den Katechismus lesen konnte. „Ich bin zufrieden mit dir“, sagte ich ihm. Er aber entgegen: „Wenn Sie, mein Vater! zu mir kommen wollen, so werden Sie dort noch viele finden, die in Folge meiner Heilung bereit sind, an Gott zu glauben.“

Ich erfüllte seinen Wunsch, kam zu ihm und war erstaunt über die Bereitwilligkeit der ganzen Familie, den Glauben anzunehmen. Ich taufte das jüngste Kind und nannte es Joseph aus Dankbarkeit für den vom heiligen Patriarchen erteilten Segen. Dies war der erste Täufling einer christlichen Gemeinde, die jetzt (1869) mehr als 20 Familien zählt.“

(Aus: Josephi-Buch oder: die Macht der Fürbitte des heiligen Patriarchen Joseph. Pfarrer Georg Ott, Pustet, 1878)

Samstag, 27. Dezember 2014

Wie die Birmanen über den Buddhismus denken

Msgr. Usse M.E.P., Apostolischer Vikar von Nord-Birmanien:

„Der heutige Birmane sieht mit seinem geraden, offenen Geist sehr gut den Unsinn des buddhistischen Aberglaubens ein. Manche von ihnen bekennen offen, dass sie seit langen Jahren keine Pagode mehr von innen gesehen haben. Das macht sie bereit und willig, ihr Ohr den fremden Priestern zu leihen, die von weitem hergekommen sind, allein um sie den Weg zum wahren Glück zu weisen. Wir zählten letztes Jahr (1896) 435 Taufen Erwachsener, und doch ist bloß eine kleine Handvoll Missionäre hier; freilich eine auserwählte Schar trefflicher Männer, wahre Mustermissionäre. Die Stimmung der Birmanen ist also recht günstig. Ihr offenes, gefälliges, höfliches und überaus gastfreundliches Wesen macht es ihnen verhältnismäßig leicht, die Schranken niederzureißen, die uns als Fremde und Ausländer von ihnen trennen. Wir haben hier gegenwärtig über 600 Katechumenen; aber es fehlt die nötige Zahl Missionäre, um sie zu unterrichten. Unsere Birmanen dürsten nach der Wahrheit und Gerechtigkeit. Wir müssen daher notwendig daran denken, uns zur Heranbildung eines einheimischen Klerus Hilfstruppen zu schaffen. Das ist ja auch der erste Zweck unserer Genossenschaft [Pariser Missionsseminar] und entspricht den ausdrücklichen Weisungen des Heiligen Vaters.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1897)

Montag, 22. Dezember 2014

Mission im chinesischen „Hungergefängnis“



Der chinesische Strafkodex kennt die Verurteilung zum Hungertod nicht. Dennoch bestehen, wie P. Bondon S.J. mitteilt, im „Reich der Mitte“ Gefängnisse, in denen der Hungertod eine grausame Ernte hält.
Glaubt ein Mandarin sich zu sehr von Arbeit überbürdet, oder droht eine Straf- oder Prozessangelegenheit ihn in ernste Verwicklung zu bringen, so kennt er kein besseres Mittel als das Hungergefängnis, um sich rasch aus allen Verlegenheiten zu ziehen.

P. Bondon, der in der Unterpräfektur Tang-chan einen Missionsposten versieht, hatte Kenntnis von einem Hungergefängnis erhalten und sehnte sich danach, den Trost des Evangeliums in diese Stätte furchtbarster Qual zu tragen. Da die Mandarine ihm äußerst gewogen waren, bat er einen derselben, ihm doch freien Zutritt zu den Hungernden zu erwirken. „Pater!“ rief der Mandarin entsetzt aus, „das ist unmöglich. Das verträgt sich nicht mit der Würde des großen Mannes.“ Der Missionär, dem seine Würde in diesem Augenblick höchst gleichgültig war, bestand auf der Bitte, und so trat er denn am folgenden Morgen in Begleitung des Mandarins den ersten Gang zum Gefängnis an. 

Wie groß war sein Staunen, als er einen peinlich sauberen Kerkerraum fand und die Gefangenen rein gewaschen, gut gekleidet mit frisch rasierten Schädeln und schön gedrehten Zöpfen vor sich erblickte.
Schmunzelnd sah der Mandarin den Pater an, und in seinen Zügen lag die Frage: Weißt du jetzt, großer Mann, mit welcher Liebe und Sorgfalt die Lenker und Leiter des ‚Himmlischen Reiches‘ (d.h. China) die zu Tode verurteilen behandeln?

Aber der Missionär gab sich mit diesem Besuch nicht zufrieden. Und nun ward sein Staunen zum Entsetzen. Als Kerkerraum diente ein finsterer, niedriger Saal, der keine andere Öffnung hatte als eine stark vergitterte Türe, durch die nur spärlich Licht und Luft eindrangen, besaß.
Hier lagen die Gefangenen, alle an eine einzige Kette befestigt, die meisten halb nackt, die einen zum Skelett abgemagert, die anderen entsetzlich aufgedunsen.

In diesem Raum voll Gestank und Fäulnis herrschte unheimliches Schweigen, das nur vom Röcheln der Sterbenden unterbrochen wurde. Zu seinem noch größeren Entsetzen erfuhr P. Bondon, dass wöchentlich 20-30 Mann in dieses Loch hineingestoßen werden. 3-5 Tage dauert die Qual; lässt der Tod zu lange auf sich warten, so macht Erdrosselung dem Leben der Unglücklichen ein Ende. Nur wenige verlassen wieder diesen Ort, aber auch dann nur, um ins Staatsgefängnis zu wandern und dort geköpft zu werden.

An diesem grausigen Ort, wo Verbrecher und Unschuldige bunt durcheinandergewürfelt lagen, fand der Missionär den rechten Boden für die trostreichen Lehren der christlichen Religion. Seit Jahren bereits macht P. Bondon, so oft die Zeit es gestattet, den Gefangenen Besuche. Er tut es zur frühen Morgenstunde, um kein unnötiges Aufsehen zu erregen (…).
Die Wächter kennen den Missionär. Sobald sie ihn erblicken, fallen sie ihm nach Chinesenart zu Füßen und beeilen sich dann, ein Tischchen zurecht zu stellen und Wasser herbeizubringen.
Der Pater tritt an die vergitterte Türe, und sofort wird es lebendig in dem düsteren Raum.
Wie Gespenster wanken die Gestalten näher und horchen gespannt auf die Worte des Missionärs von einem gekreuzigten Gott und einem himmlischen Reich.
Oft findet der Pater, dass einzelne das Wesentliche der katholischen Religion durch Umgang mit Katholiken kennen, und so wird die Vorbereitung auf die Taufe nicht schwer.
Während seiner Abwesenheit gestatten einige Wächter, dass die Unglücklichen sich gegenseitig die tröstlichen Wahrheiten wiederholen, ja der Hauptwächter ging sogar so weit, in eigener Person den Katechisten zu machen.
Bis jetzt hat noch kein einziger Gefangener sich geweigert, die heilige Taufe zu empfangen. Laut flehen sie darum.
Der Pater lässt sie einzeln ans Gitter treten, und hat er sich überzeugt, dass sie die Hauptwahrheiten der Religion kennen, so erweckt er mit ihnen einen Akt der Reue und gießt dann das Wasser über ihre Stirn.
Schon mehr als einen sah der Missionär unmittelbar nach Empfang der Taufe tot zu Boden sinken; der Gang zum Gitter hatte die letzte Kraft erschöpft. Bei einem Räuberhauptmann wollte P. Bondon die Taufe auf den folgenden Tag verschieben. Aber der Gefangene bat laut und flehentlich, sie ihm doch gleich zu erteilen. Schließlich willigte der Missionär ein, und nach einer Stunde war der Getaufte eine Leiche.

Leibliche Erquickungen kann der Pater den Armen nicht bringen, aber er hat die Freude, den reinsten Trost spenden zu können. Mehreren Hunderten wurde er bereits der Retter in der größten Not.
Schreckt die Natur auch vor dem Gang in diesen furchtbaren Ort menschlichen Elends zurück, das Vertrauen der Unglücklichen auf die Barmherzigkeit Gottes würde dem Missionär noch größere Opfer leicht und erträglich machen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1912)

Samstag, 8. November 2014

Taufexamen mit Hindernissen


„Vorigen Sonntag“, erzählte uns ein Missionär, „zog ich nach Sango [Uganda]. Drei alte Frauen knieten bei meiner Ankunft unter einem Feigenbaum, hübsch gewaschen und aus Ehrerbietung vor dem heiligen Taufsakrament das Haupthaar glatt abrasiert. Die drei Alten zählten miteinander wenigstens 260 Jahre.

 Ich fragte erst einiges aus dem Katechismus wie ich glaube, das Leichteste, das er enthält. Ihre Antworten sind ganz richtig. Sodann frage ich die älteste von den Dreien: ‚Was ist der Himmel?‘ Diese arme Alte wurde verwirrt, und indem sie mir zitternd ins Gesicht sah, antwortete sie: ‚Der Himmel ist ein Freudenort, wo wir ewig ruhen werden mit…mit…‘ Ich ermutigte sie, den Satz zu vollenden. Auf einmal fasste sie sich, und ihres Sieges gewiss, ergänzte sie entschlossen: ‚mit den Teufeln.‘ – Unglücklicherweise saß sie gerade in der Mitte. Ich wollte ihr ein bisschen helfen, aber die zwei Gefährtinnen, eifrig wie sie waren, kamen mir noch zuvor. Sie versetzten ihrer ungeschickten Freundin Rippenstöße, und eine rief in ihrer Entrüstung: ‚Du altes Weib, du wagst es noch, so zu lügen. Die glaubt noch dass der liebe Herrgott die Teufel in seinem Haus duldet! Pfui über dich!‘ 

Nun, der Irrtum war leicht berichtigt. Im Übrigen gehen die Weißen Väter bei der Spendung des Taufsakraments sehr vorsichtig zu Werke. Die Katechumenen werden erst nach längerer, eingehender Prüfung ihrer Sitten und ihrer religiösen Kenntnisse zur Taufe zugelassen. Nach mehrmonatlichem Unterricht im Katechismus wird ihnen ein Examen abgenommen. Es ist dies für die Schwarzen eine Zeit der größten Nöte und Ängste. Diejenigen, welche mit einer guten Note bedacht wurden, überlassen sich überströmenden Freudenergüssen, während die Zurückgesetzten reichliche Tränen vergießen. Jedoch kommen solche Misserfolge selten vor.“


(Aus: die katholischen Missionen, 1902)