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Samstag, 27. September 2014

Kardinal Respighi über die Angst der Pfarrer

Pietro Kardinal Respighi (Quelle: Gaumata)

Wie noch erinnerlich, erging von der letzten Katholikenversammlung ein besonders warmer Appell an die Geistlichkeit, den Missionsgedanken mehr als bisher in sich aufzunehmen und für ihn in ihren Gemeinden zu werben. 
Ganz ähnlich wie Fürst Löwenstein in Breslau, so sprach sich über diesen Gegenstand kürzlich der Kardinalvikar von Rom, Se. Em. Kardinal Respighi, aus. 

Gelegentlich einer Audienz, welche Gräfin Ledóchowska, Leiterin der Peter-Claver-Sodalität, im November 1909 beim Kardinalvikar hatte, klagte dieser, dass in Italien verhältnismäßig noch zu wenig für die Missionen geschehe. „Und wissen Sie, wer daran die Schuld trägt? Die Pfarrer sind es. Sie fürchten immer, durch die Werke für die Missionen Schaden zu leiden. Als Erzpriester in Bologna habe ich, als Leo XIII. zu Gunsten des Werkes der Glaubensverbreitung eine Enzyklika erließ, dem Volk darüber gepredigt, und gleich sind die Gaben für die Missionen geflossen. Da sind meine Kollegen zu mir gekommen und haben gesagt: ‚Aber was tun Sie? Sie haben doch so viele Auslagen für Ihre eigene Kirche zu decken!‘ Darauf zeigte ich ihnen mein Kontobuch und sagte: ‚Ja, das ist wahr. Meine Auslagen sind groß. Aber seit ich das Werk der Glaubensverbreitung eingeführt habe, sind auch meine Einnahmen entsprechend größer geworden, und so hat der liebe Gott nicht zugelassen, dass ich Schaden leide.‘“ 

Dann führte der Kardinal das apostolische Beispiel einer armen Arbeitersfrau an. Durch seine Predigten angeregt, hatte diese das Einsammeln der Beiträge für das Werk der Glaubensverbreitung und den Anbetungsverein übernommen. Später sah sie sich infolge der Verhältnisse genötigt, die Arbeit für einen der beiden Vereine daranzugeben. Obwohl ihr vom Anbetungsverein nach ihrem Tode eine Anzahl Messen zugesichert waren, entschied sie sich doch dafür, ihre Kraft einzig dem Glaubensverein zu weihen. ‚Gott wird mir gnädig und barmherzig sein‘, meinte sie, ‚da ich ja den Seelen zu liebe auf diese Messen verzichte.‘ Welch ein Glaube! dachte ich. Wie hat dieses arme Weib mit seiner einfältigen Rede so manchen Theologen in den Schatten gestellt!“


(Aus: die katholischen Missionen, 1910)

Samstag, 8. September 2012

Protestantische Missionen in Rom

Der Petersdom bei Nacht (Eugene Pivovarov)

„Alle ägyptischen Ungeheuer haben ihre Tempel in Rom“, heißt es in einer französischen Tragödie. An diese Worte wird man erinnert, wenn man den Eifer sieht, womit heute wieder jede Sekte und jedes Sektlein sich ihren Tempel in Rom zu gewinnen suchen, als sei mit solchem Fußfassen auf dem Mutterboden des Katholizismus ein besonderer Triumph erreicht, eine Siegesfahne aufgepflanzt. 

Die Freimauerer haben eben feierlich ihren „Tempel“ eröffnet; die Methodisten sind eifrig bestrebt, den ihrigen zu vollenden; die Waldenser bilden längst ein konstituierte Gemeinde mit einer Kapelle, und jetzt wird eine Pilgerschaar von 80 Engländern angekündigt, die kommen, um als Deputierte baptistischer Gemeinden der Einweihung einer baptistischen Kirche an der Piazza von San Lorenzo beizuwohnen! 
Die Anglikaner haben ihre Kirche längst vor der Porta del Popolo; in einer der neuen Straßen auf dem Biminal wird eifrig an einer ziemlich geschmacklos im gotischen Stil aufgebauten kleinen Kirche, für weiß welch wunderliche Sekte, geschafft und gezimmert — und bei all dem begreift man weder die Notwendigkeit solcher Stiftungen von Gemeinden ohne Gemeindemitglieder, noch die Zweckmäßigkeit, dem katholischen Rom auf diese Weise die grenzlose Zersplitterung des Protestantismus zu exemplifizieren“.

So schreibt nicht die Germania oder ein anderes ultramontanes Blatt, sondern die Augsburger Allgemeine (Beilage vom 24. März 1875, S. 1292
Anmerkung: diese Zeitung hatte scheinbar im 19. Jhd. einen liberalen Ruf)

Gemeinden ohne Gemeindeglieder und Beweise für die grenzenlose Zersplitterung des Protestantismus — das sind die Früchte der protestantischen Mission in Rom und anderwärts; dafür geben die gutmütigen, von ihren Predigern aufs Schmählichste belogenen amerikanischen und englischen Protestanten ihre Dollars und Schillings.

Alles (außer der Anmerkung) aus: die katholischen Missionen, 1875