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Montag, 6. April 2026

Für Afrika geboren – Msgr. Léon Livinhac M.Afr., Apostolischer Vikar von Victoria-Nyanza

 


Neben dem Gründer Kardinal Lavigerie ist kein Name so eng mit der frühen Entwicklung der Missionare von Afrika („Weiße Väter“) verbunden wie der von Léon Livinhac. Der Gründer der Kirche Ugandas und direkte Nachfolger des imposanten Erzbischofs von Algier führte die Weißen Väter durch turbulente Zeiten und förderte gleichzeitig die afrikanischen Missionen als Ganzes, besonders auch die Ausbildung eines einheimischen Klerus, die Lavigerie so am Herzen gelegen hatte.

Der kränkliche Waisenjunge

Léon Livinhac wurde am 13. Juli 1846 als Sohn frommer Bauersleute in der kleinen Gemeinde Buzeins in Okzitanien geboren. Wegen des frühen Todes der Eltern wurde der Junge von seiner Großmutter und seinen Tanten sowie von seinem Großonkel, dem Pfarrer von Bonneterre, aufgezogen. Er war ein frommes und fleißiges Kind, jedoch schüchtern und kränklich. Seine Schulzeit am Diözesankolleg von Saint Geniez wurde sogar durch eine Beinlähmung unterbrochen. Es gab zunächst kaum Anzeichen, dass dieser Waisenjunge eines Tages einer der bedeutendsten Afrikamissionare des 19. Jahrhunderts werden sollte. Als seine Gesundheit schließlich genug gekräftigt war, konnte er 1867 ins Seminar von Rodez aufgenommen werden, das damals von den Sulpizianern geleitet wurde. Im selben Jahr trat Félix Charmetant in Algier ins Diözesanseminar ein und stellte sich wenig später zusammen mit Francisque Deguerry bei Erzbischof Charles Lavigerie vor, angetrieben von dem Wunsch, sich ganz der Mission unter den Moslems und Heiden Afrikas zu widmen. Es war die Geburtsstunde der Weißen Väter.

Der liebenswürdige Pater Charmetant wurde in den folgenden Jahren von Lavigerie nach Europa geschickt, um dort um Missionspersonal zu werben. So traf er im Seminar von Rodez auf den Seminaristen Livinhac, der sich interessiert zeigte. Allerdings dauerte es bis zu seiner Diakonatsweihe im Jahr 1872, als Léon Livinhac auf die Ermutigung seines Freundes P. Charbonnier ebenfalls zu den Missionaren von Afrika stieß.

Für Afrika geboren

Nur ein Jahr nach seinem Noviziatsbeginn und der Priesterweihe durch Erzbischof Lavigerie wurde Livinhac zum Professor der Dogmatik und zum Mitglied des Generalrats seiner Gemeinschaft ernannt. Zwischenzeitlich leitete er auch die Prokur in Paris. Die Arbeit sagte ihm nicht zu. Kurze Zeit später nach Algerien zurückgekehrt, sagte er: „Ich bin für Afrika geboren und nur für Afrika“. Seine ersten missionarischen Erfahrungen sammelte er in Ouadhias in Kabylien, wo er Seelsorgsarbeit unter der Berberbevölkerung betrieb. Weitere wichtige Posten in der Ausbildung von Ordensmitgliedern folgten, bis P. Livinhac 1878 von Lavigerie an die Spitze der ersten Missionskarawane zu den Afrikanischen Großen Seen gesetzt wurde.

Die Mission in Uganda entwickelte sich rasch äußerst günstig, wenngleich sie durch das komplexe Gefüge aus der Feindseligkeit des Herrschers Mutesa – der die Missionare ins Land geholt hatte – und der Einflussnahme arabischer Händler und europäischer Kolonialmächte am Hof stets in ihrem Bestehen bedroht war. Zugleich mit seiner angestrengten missionarischen Arbeit betätigte sich P. Livinhac als Linguist und schrieb die erste Grammatik der Luganda-Sprache, die 1885 erschien. Im Jahr 1883 erfolgte die Ernennung Livinhacs zum Apostolischen Vikar von Victoria-Nyanza. Zum bischöflichen Motto hatte er sich den Spruch Totus tuus ego sum („Ich bin ganz dein“) erwählt, ein Ausdruck seiner tiefen Marienverehrung. Da die Bischofsweihe im Maison Carrée in Algier durch Kardinal Lavigerie gespendet wurde, dauerte es bis Juni 1886, als Msgr. Livinhac in seine Mission zurückkehren konnte.

Bischof der Märtyrerkirche



Die Lage in Uganda hatte sich weiter zugespitzt. Als König Mwanga, Mutesas Sohn und Nachfolger, seine katholischen Diener und Beamten verfolgte, stärkte sie Msgr. Livinhac mit dem Sakrament der Firmung. Bis zu fünfmal pro Nacht suchten die Christen ihren Bischof im Schutz der Dunkelheit auf, um sich auf den grausamen Martertod vorzubereiten. Wiederholte Versuche von Seiten der Mission, den König von seinem Tun abzubringen, waren gescheitert. Aufgrund der gespannten Lage, die auch nach dem Ende der Verfolgung durch Mwanga eine Gefahr für die Missionare darstellte, verbrachte Msgr. Livinhac die meiste Zeit seit seiner Ernennung in Bukumbi in Tansania. Kardinal Lavigerie hatte seinen Missionaren streng befohlen, ihr Leben zu schonen, und Livinhac war immer bestrebt, die Weisungen seines geistlichen Vaters aufs Genaueste zu befolgen. Ein geschichtsträchtiges Ereignis brachte das Jahr 1887, als Livinhac Pater Jean-Baptiste Charbonnier in Kipalapala zum Bischof weihte. Dieser war zum Apostolischen Vikar von Tanganyika ernannt worden. Es war die erste Bischofsweihe in Äquatorialafrika.

Als Nachfolger Lavigeries

Bald kam die direkte Missionstätigkeit Msgr. Livinhacs zu einem jähen Ende: Das Generalkapitel in Karthago wählte ihn im September 1889 in seiner Abwesenheit zum Generaloberer der Weißen Väter. Am darauffolgenden Pfingstfest weihte er seinen Nachfolger Jean-Joseph Hirth zum Bischof, bevor er das Land der Großen Seen für immer verließ.

Noch bis zu seinem Tod im Jahr 1892 blieb Kardinal Lavigerie das alleinige Haupt seiner Missionsgesellschaft. Alle Werke waren engstens mit seiner imposanten Person verbunden. Kritiker bescheinigten den Weißen Vätern eine kurze Lebensdauer nach dem Tod ihres Gründers. Doch durch Msgr. Livinhac, den der Kardinal sich wegen seiner Frömmigkeit und Gelehrtheit als Nachfolger wünschte, nahm die Gemeinschaft in den nächsten 30 Jahren eine noch klarere Form an.

Die Aufgaben und Schwierigkeiten für den neuen Oberen entsprachen in ihrer Zahl und Komplexität den bewegten Zeiten. Gerade in den 1890er Jahren galt es, die Mission gegenüber den verschiedenen Kolonialmächten Innerafrikas zu vertreten. Zu den interkonfessionellen Konflikten zwischen Protestanten und Katholiken in Uganda kam hinzu, dass die Briten die französische Missionsgesellschaft als verlängerten Arm der französischen Regierung wahrnahmen. Msgr. Livinhac musste diesen Irrtum klarstellen. Er ging im Jahr 1895 sogar so weit, dass er das Apostolische Vikariat des Obernils der britischen Missionsgesellschaft von Mill Hill übergab, um die Wogen zu glätten. Es ging ihm nicht um die Erhaltung des Apostolats der Weißen Väter, er wollte vielmehr das Bestehen der katholischen Missionen gegenüber der weltlichen Macht und der starken protestantischen Präsenz sichern.
In Frankreich bedrohten die antiklerikalen Gesetze der 1900er Jahre das Wirken der Weißen Väter. Besonders in Algerien, wo den Missionaren bereits die direkte Missionsarbeit unter der muslimischen Bevölkerung verboten war, wurde die Gesellschaft bis 1914 fast vollständig aus dem Unterricht verdrängt.
Großes Leid brachte der Erste Weltkrieg. Sechzig Mitglieder der Missionsgesellschaft starben im Krieg, eine ähnlich hohe Zahl an Berufungen ging verloren. Msgr. Livinhac unterließ es nicht, seine geistlichen Söhne auf den Schlachtfeldern mit seinen Rundschreiben zu stärken und sie zu einem musterhaften sittlichen Betragen und zur Selbstheiligung zu ermahnen.

Wirken für die Gesellschaft und die afrikanischen Missionen

Die Rundschreiben waren sein Hauptmittel, den guten Geist und die Treue zur Missionsgesellschaft unter seinen weitverstreuten Missionaren zu fördern und wichtige missionarische Anweisungen zu geben. So warnte er im Rundschreiben von Lichtmess 1918 davor, auf möglichst schnelle Taufen abzuzielen. Es sei besser, eine geringere Zahl von vorbildlichen Christen zu haben, als mittelmäßige und schlechte, die andere Leute abstoßen würden. Speziell lag ihm auch die Bildung eines einheimischen Klerus am Herzen. Er folgte der Ansicht Kardinal Lavigeries, dass Afrika durch Afrikaner bekehrt werden würde. Die afrikanischen Seminaristen sollten gründlich ausgebildet und geprüft werden und nur bei zweifelloser Bewährtheit zur Weihe zugelassen werden. Als kluger Kenner innerafrikanischer Verhältnisse zeigte sich Msgr. Livinhac unter anderem, als er auf dem Generalkapitel 1906 davor warnte, in Gegenden, wo der Fetischglaube noch stark war, viele Andachten einzuführen und viele verschiedene Medaillen zu verteilen. Es könne sonst bei den Neuchristen der Eindruck entstehen, dass es sich hier um Talismane im heidnischen Sinne handelte.

Der Generalobere stand in hohem Ansehen bei seinen Missionaren, ja im Ruf der Heiligkeit. Das erklärt seine dreimalige Wiederwahl, die 1906 zur Ernennung als Generaloberen auf Lebenszeit führte. Pius X. bestätigte die Ordenskonstitutionen im Jahr 1908 endgültig. Während der 30-jährigen Amtszeit Livinhacs wuchsen die Weißen Väter nicht nur in den Missionen, sondern auch in Europa und Kanada beträchtlich. Verschiedene Provinzen, darunter auch in Deutschland, wurden errichtet. Eine große Freude brachte das Jahr 1920, als Ugandas Märtyrer von Papst Benedikt XV. seliggesprochen wurden.

Am 11. November 1922 starb Msgr. Léon Livinhac im Maison Carrée in Algerien nach fast 50 Jahren im Dienst der afrikanischen Missionen. Seit 1975 ruhen seine Gebeine in Uganda in der Memorial Chapel von Nabulagala, von wo aus er mit seinen Gefährten 1879 begann, das Land zu missionieren. An diesem Ort hatte der junge Pater Léon Livinhac das erste heilige Messopfer auf dem Boden Ugandas gefeiert.

Freitag, 5. Dezember 2025

Upcoming missionary trips of the Omnes Gentes Project


 
I recently spoke to Fr. Federico Highton about the upcoming missionary trips of the Order of Saint Elias / Omnes Gentes Project. They are planning to translate the works of Fr. Ippolito Desideri, S.J., one of the first missionaries to Tibet. But they do not stop at the theoretical level: they have an introductory course of the Tibetan language offered by a former Buddhist monk to prepare volunteers for a trip to Tibet next year. And that's not all. Please especially keep the "Fatwa mission" in an undisclosed country in your prayers.

If you or anyone you know would like to participate in a missionary trip to Tibet or elsewhere in Asia, Africa, and the Americas, you can check out the schedule and apply here: Mission Special Force

Samstag, 16. August 2025

Missionar auf zwei Kontinenten – Msgr. Franziskus Wolf S.V.D., Apostolischer Vikar von Ost-Neuguinea

Der Essener Bergmannssohn Franziskus Wolf kam 1890 im Alter von 14 Jahren nach Steyl, wo der heilige Gründer ihn in das ordenseigene Gymnasium aufnahm. Im Jahr 1895 trat Franziskus in die Gesellschaft des Göttlichen Wortes ein und wurde nach seiner Priesterweihe 1899 in die damalige deutsche Kolonie Togoland entsandt. Besonders wirkte er dort zur Förderung des katholischen Schulwesens im Steyler Missionsgebiet. Es folgte 1911 die Ernennung zum Regionaloberen und 1914 zum ersten Apostolischen Vikar des neugeschaffenen Vikariats Lomé. Die Tragik der beiden Weltkriege sollte sein weiteres Leben begleiten. Seine Bischofsweihe in Steyl fiel auf den schicksalshaften 28. Juni 1914, den Tag, an dem Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo erschossen wurde. Durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde Msgr. Wolf an der Rückkehr in sein Vikariat gehindert. Er warb während der Kriegszeit in der Heimat für die Sache der Weltmission und setzte sich nach dem Versailler Frieden, der die Vertreibung der deutschen Missionäre aus den Gebieten der Kriegssieger vorsah, weiter für eine Rückkehr der deutschen Glaubensboten nach Togo ein. Trotz der Intervention des Heiligen Stuhls blieb es dabei: Die Steyler Togomission war Geschichte.

Neues Wirkungsfeld in Neuguinea

Kathedrale in Alexishafen, Papua-Neuguinea

Wie viele andere ehemalige Togomissionare erhielt auch Bischof Wolf eine neue Missionsbestimmung: An Mariä Himmelfahrt 1923 traf er als Apostolischer Vikar des neuerrichteten Vikariats Ost-Neuguinea in der ehemaligen deutschen Kolonie ein. Hohe kirchliche Würdenträger in Australien, darunter der Apostolische Delegat Cattaneo, der Msgr. Wolf begleitete, hatten sich bei der australischen Regierung für die deutschen Missionare eingesetzt. Die Residenz des Bischofs war Alexishafen an der Küste, allerdings erstreckte sich die Mission dank der Vorstöße von P. Alfons Schäfer und Bruder Antonius Baas besonders in den folgenden Jahren auch auf das Gebiet des Bismarckgebirges im Landesinneren. Das Gebiet war schwer zugänglich, doch die MIVA (Missions-Verkehrs-Arbeitsgesellschaft) stellte ab Mitte der 1930er Jahre Flugzeuge bereit, zunächst die „Paulus“, dann die „Petrus“ und zuletzt die „Little Flower“, die am 6. August 1939 mit fünf Personen an Bord, darunter drei Patres, verunglückte. Der tödliche Unfall war eine schwere Prüfung für die Mission und ihren Bischof.

Der Zweite Weltkrieg

Die ersten Kriegsjahre verliefen ruhig, bis im Dezember 1942 die Japaner im Vikariat landeten und bald die meisten Missionsstationen besetzten, selbst jene im Inneren des Landes. Zusammen mit der einheimischen Bevölkerung wurden die Missionare samt Bischof von den japanischen Besatzern zu Bauarbeiten gezwungen. Nach und nach folgte die Internierung der Missionare, auch der Deutschen, die trotz ihrer Staatsangehörigkeit von den Japanern als alliierte Spitzel betrachtet wurden. Im Januar 1944 ordnete das japanische Oberkommando die Evakuierung des Gefangenenlagers auf der Vulkaninsel Manam an. Alle Steyler sowie Angehörige der lutherischen Mission und einige Halbeuropäer wurden auf das japanische Schiff „Dorish Maru“ gebracht. Bischof Wolf hatte sich vergeblich gegen den Abtransport starkgemacht, da er die Gefahren durch die alliierten Flieger kannte.

Der Fliegerangriff

Gegen 7:40 Uhr am 6. Februar 1944 griffen 20 amerikanische Flugzeuge die Dorish Maru das erste Mal an, ohne dass eine der abgeworfenen Bomben das Schiff getroffen hätte. Die japanische Besatzung hatte das Feuer erwidert und einen Angreifer abgeschossen. Zunächst blieben alle Insassen unverletzt, obwohl die Zivilisten auf Deck lagern mussten. Beim folgenden zweiten Angriff verfehlten die Bomben zwar erneut ihr Ziel, die Bordkanonen der Flieger richteten jedoch furchtbare Verheerung unter den Menschen auf Deck an: 7 Patres, 27 Schwestern und 12 Brüder wurden getötet, hinzu kamen weitere 16 Todesopfer unter den übrigen Zivilisten. Viele andere waren schwer verletzt, darunter auch Bischof Wolf, der während des 20-minütigen Angriffs die Generalabsolution erteilte. Er hatte einen Durchschuss der linken Schulter und Lunge erhalten. Die Toten wurden an der Küste bei Wewak abgeladen und in einem Massengrab beerdigt. Der Rest der Internierten musste die Weiterfahrt nach Hollandia in Indonesien (heute Jaypura) antreten. Die Japaner versuchten dort, die Überlebenden weiter zum Arbeiten zu zwingen. Die schlimmen Zustände im Lager forderten weitere Todesopfer. Msgr. Wolf lag in einer mit regendurchlässigen Blättern gedeckten Hütte am Boden. Trotz seines schlechten Zustands wünschte er stets als Letzter verbunden zu werden.

Heldenhaft ertragener Tod

Bruder Gerhoch schildert die letzten Tage seines Bischofs: „Ein starker Tropenregen setzte ein, und der Fußboden wurde zum Sumpf. Infolge der großen Hitze bildeten sich am ganzen Körper Blasen. Die Wunden eiterten. Moskitos quälten den Kranken bei Tag und Nacht. Blaue Fliegen sammelten sich auf den aufgebrochenen Lippen. Kein Laut der Klage kam über die Lippen. Als sein Tod bevorstand, versammelten sich alle Missionare um die Hütte des Sterbenden, um bei der Spendung der heiligen Sterbesakramente zugegen zu sein und sich von ihrem Oberhirten zu verabschieden. Vor dem Weggang erteilte er allen seinen letzten Segen. Still und unbemerkt entschlief er dann in der Nacht vom 22. auf den 23. Februar.“

Nach dem Krieg wurden die sterblichen Überreste von Bischof Franziskus Wolf, dem ersten Apostolischen Vikar von Lomé und von Ost-Neuguinea, in der Kathedrale von Alexishafen bestattet. Seine Heimatgemeinde Essen-Borbeck hat ihn in einem Straßennamen geehrt. Als Glaubenszeuge wird er im deutschen Martyrologium des 20. Jahrhunderts geführt.

Dienstag, 26. November 2024

A new missionary apostolate in the Muslim world


St. Nicholas Tavelic

In the past centuries, direct missionary efforts in the Islamic world have been few and far in between. Therefore, the establishment of the Tavelic Network is a ray of hope for this critically important region. The Tavelic Network (“TavNet”), named after the Franciscan martyr St. Nicholas Tavelic, was founded by Catholics from a Muslim background in order to support converts from Islam. As the new Catholics are not only often ostracized by their families, but also by the Catholic communities in their own countries, they need and deserve special pastoral attention. A network of faithful priests in good standing is currently supporting them spiritually.

This December, faithful and priests associated with TavNet will travel to North Africa, where the sacraments of Baptism and Confirmation will be administered and catechumens received during Advent and on Christmas. The group has many ambitious goals for the future, such as a sensible inculturation geared towards former Muslims. I have been in contact with the network’s initiator and can tell you that it is genuine. Please support this cause generously, especially with your prayers, the greatest missionary help. Thus you can make a contribution so that “the Sacred Heart of Jesus may live in the hearts of all men”, as St. Arnold Janssen prayed.

You can find the GoFundMe page here.


Samstag, 7. September 2024

Missionsgründer im Nigerdelta – P. Carlo Zappa S.M.A., Apostolischer Präfekt von West-Nigeria

 

(Quelle: https://www.missioniafricane.it/carlo-zappa-1861-1917/)

Wie Lechaptois[1], so ist auch der am 30. Januar [1917] verstorbene Apostol. Präfekt von West-Nigeria, Karl Zappa aus dem Lyoner Seminar, zu den Missionsgründern zu rechnen. Als er im Jahre 1895 zur Leitung der damaligen Apostolischen Präfektur des Oberniger ernannt wurde, hatte er einen Missionsstab von fünf oder sechs Arbeitern und 200–300 Christen auf nur zwei Niederlassungen. Aber der noch junge Mann warf sich mit Feuereifer in seine Arbeit und brachte Leben in den afrikanischen Urwald. Er entwarf einen Feldzugsplan gegen die Mächte des Heidentums und sorgte für ein geordnetes und einheitliches Vorgehen. Während er die Arbeiten der anderen überwachte und leitete, übernahm er die schwierigsten Aufgaben selber. Sein Sprengel galt bald in der Gesellschaft [Lyoner Seminar] als Mustermission. Es lag ihm weniger an der Menge als an der gründlichen Erziehung seiner Gläubigen. Und trotzdem hatte er, als er starb, eine Herde von über 5000 Christen um sich gesammelt, die sich auf 12 Haupt- und 60 Nebenposten verteilten, und das, obwohl ein Teil seines Sprengels 1911 als Präfektur Ost-Nigeria abgezweigt worden war.

Neben seiner apostolischen Tätigkeit fand er noch genügend freie Zeit zu wissenschaftlichen Arbeiten. Er besaß bedeutende Kenntnisse in der Stern-, Erd- und Völkerkunde, und mehreren französischen Gesellschaften war er ein erwünschter Berichterstatter. Er verfasste außerdem ein Wörterbuch der Ibo-Sprache.

Als er sich dem Tode nahe fühlte, ließ er sich in den Hauptort der Mission Assaba bringen, wo er sterbend ankam. Er verschied in Gegenwart und wurde von seinem treuen Freund, dem Nachbarpräfekten P. Shanahan, bestattet.

(Aus: die katholischen Missionen, 1918)


[1] Msgr. Adolphe Lechaptois M.Afr., Apostolischer Vikar von Tanganjika

Sonntag, 17. Dezember 2023

Der heilige Daniel Comboni über den Islam


 Der heilige Daniel Comboni erfuhr in seiner jahrzehntelangen Tätigkeit im Sudan aus direkter Anschauung, welches Hindernis der Islam für die katholische Mission und sogar selbst für eine humane Gesellschaftsordnung darstellte:

„Sehr viel wird die europäische Zivilisation erreicht haben, wenn sie sagen kann, dass sie in den Muslimen den Sinn geweckt hat, eine Veränderung der auf dem Koran basierten Prinzipien anzustreben, denn der Koran verbietet jede Neuerung und höhere Ausbildung und gewährt dagegen jede Befriedigung der bösen Lüste und der tierischen Leidenschaften und gestattet seinen Anhängern die Anwendung äußerster Gewalt gegen Andersgläubige. Die menschliche Gesellschaft, wie wir sie uns im wahren Sinn des Wortes denken, verträgt sich nicht mit dem Koran, der wahre Fortschritt und die wahre Zivilisation und der Koran können nicht zusammen existieren. Das eine vernichtet das andere. Keine menschliche Kraft vermag also den Koran zu besiegen (...)“

An einer anderen Stelle schreibt er:

„Eine Wunderkraft, ein souveränes Licht, der Beistand der göttlichen Gnade sind unbedingt notwendig, um den Geist und die vom Islam entwürdigten Herzen zu gewinnen. Die menschlichen Mittel allein genügen nicht. Dieser Triumph wäre der katholischen Religion allein vorbehalten. Der Herr, der mit seiner Stimme die Zedern des Libanon fällt und die Säulen des Firmaments zum Erzittern bringt, könnte aus Liebe zu seiner Religion jenen Menschen das Licht bringen.“

(Quelle: Band II der Schriften des hl. Daniel Comboni)

Samstag, 4. November 2023

„Pater Claver“ – der Diener Gottes Nicolau Rodrigues Campo S.J.

 

Pater Nicolau Rodrigues Campo S.J.
(Quelle: Covilhã - Subsídios para a sua História

Neulich stieß ich auf die Lebensbeschreibung des heiligmäßigen und doch wenig bekannten Jesuitenmissionars Nicolau Rodrigues Campo, der sowohl in Westafrika als auch in Cartagena in Kolumbien, dem Wirkungsort des hl. Petrus Claver, missionarisch tätig war. In seiner Nachahmung des großen Jesuitenmissionars Claver brachte er es soweit, dass man ihn gemeinhin „Pater Claver“ nannte. Hier der Text aus dem Artikel von P. Kneller S.J.:

Ganz und gar kein Gelehrter war ein anderer der obigen Liste, Nicolaus Rodriguez . Gott will freilich, daß man in der Arbeit für die Seelen auch die natürlichen Mittel anwendet, er pflegt aber mitunter sehr deutlich zu zeigen, daß schließlich der Erfolg von der Beseelung des Natürlichen durch das Übernatürliche abhängt, und zwar zeigt er das dadurch, daß er den Mangel natürlicher Gaben überreich durch übernatürliche ersetzt. Beispiel dafür sind etwa Joseph von Cupertino und der Pfarrer von Ars. Ein weiteres ist auch Nicolaus Rodriguez. 

Als nach seinem Eintritt in den Orden die Zeit herannahte, durch die Gelübde sich zu binden, soll der Provinzial angeordnet haben, ihn wegen seiner schwachen Begabung nicht zuzulassen, der Brief ging aber verloren, und so legte er seine Gelübde ab. Der Provinzial schien aber richtig geurteilt zu haben; schon nach dem ersten Jahre seiner philosophischen Studien bedeutete man ihm, es sei unnütz, diesem Wissenszweig noch längere Zeit zu widmen, er war im Examen glänzend durchgefallen. Aber nun zeigte sich, daß Metall, und edles Metall, in dem Mann steckte. Er verzweifelte nicht, sondern sagte sich: Will Gott mich nicht zum Gelehrten, so doch zum Heiligen. Schon in seiner Jugend hatte das Verlangen nach Heiligkeit ihn mächtig ergriffen, das Verlangen nach dem Martyrium, das ihn sein ganzes Leben nicht verließ, erfaßte ihn schon damals, und als er einmal nach einer Zeit des Leichtsinns sich wieder zurechtfand, entfloh er als Siebzehnjähriger vom Vaterhaus, um Einsiedler zu werden. Seinem Streben versagte Gott nicht den Erfolg, nach allgemeinem Urteil gelangte er zu einem sehr hohen Grad von Heiligkeit. Er bedurfte ihrer im späteren Leben. Nach zweijährigen Bemühungen um die nötigen theologischen Kenntnisse und dem zweiten Noviziat arbeitete er auf der afrikanischen Insel Fernando Poo. In dem mörderischen Klima hielt er acht Jahre aus, bis die Mission aufgegeben wurde. Dann war er zu Covilhao in Portugal 25 Jahre lang tätig; von dem Ansehen, das ihm seine Heiligkeit verschafft hatte, zeugt die Tatsache, daß er einen Volksauflauf, den der Bischof und die bürgerlichen Behörden nicht beruhigen konnten, durch wenige ganz einfache Worte beilegte. 

Die Sehnsucht nach den Missionen ließ ihm aber keine Ruhe. Immer wieder bat er die Obern, ihn in die Übersee zu schicken. An Gründen, den Bitten nicht zu willfahren, fehlte es nicht. Er war schon über 60 Jahre alt, die Strenge seines Lebens hatte die Gesundheit untergraben, er trug schon von seiner Wirksamkeit auf Fernando Poo her eine große Wunde an der Hüfte. Er ließ indes mit Bitten nicht nach, bis man ihn 1896 in die Stadt des hl. Petrus Claver, nach Cartagena in Columbien, sandte. Unter der glühenden Sonne dort und in der schwierigen Mission am Magdalenenfluß nahm er unglaubliche Mühen mit unglaublich großem Erfolg auf sich. Unermüdlich durchwanderte er trotz seines Greisenalters die Städte, Dörfer und Hütten. Man nannte ihn nur den „Pater Claver“, und er war in der Tat ein vollkommener Nachahmer von Clavers Nächstenliebe und beständiger Abtötung. Die vielen Wanderungen in der Sonnenhitze hatten nun zur Folge, daß seine Wunde wieder aufbrach. Aufs Krankenlager hingeworfen, meinte er, wenigstens jetzt sie dem Arzt zeigen zu müssen, der ganz erschrocken über den Anblick äußerte, nur ein Heiliger habe mit einer solchen Wunde solche Arbeiten auf sich nehmen können. Der Kranke sollte sich nicht wieder erheben. Am Fest seines Vorbildes Peter Claver, am 9. September 1900, ging der Unermüdliche in die ewige Ruhe ein. Der Bischof selbst stand ihm im Tode bei und hielt ihm nach einem feierlichen Begräbnis die Lobrede.

(Aus: C.A. Kneller: Zur Geschichte der Heiligkeit in neuester Zeit. Zeitschrift für Aszese und Mystik, Heft 11/1936)


Freitag, 6. Oktober 2023

St. Daniel Comboni: „Der wahre Apostel weicht nie den trotzigsten Hindernissen“


Ende der 1870er Jahre kam es im Missionsgebiet des heiligen Daniel Comboni im heutigen Sudan innerhalb eines Jahres zu einer verheerenden Dürre mit Hungersnot, die ganze Landstriche entvölkerte, sowie zu einer Epidemie, die noch schlimmere Folgen hatte. In diesem Kontext schreibt der Heilige:

„Soll bei so schrecklichen Schlägen das Herz des apostolischen Missionärs sich außer Fassung bringen lassen und unter der Wucht solchen Unglücks erliegen? … Nimmermehr. Das Kreuz ist der königliche Weg, der zum Triumphe führt. Das hl. Herz Jesu schlug auch für die armen Schwarzen. Der wahre Apostel weicht nie den trotzigsten Hindernissen, den heftigsten Widersprüchen und bietet festen Fußes die Stirne dem Schwalle der Bedrängnis und dem Anprall der wütendsten Stürme; er schreitet auf dem Wege des Martyriums zum Triumphe. Ähnlich unseren Missionskollegen in China, die sich im Angesichte des Todes und der grausamsten Qualen nicht erschüttern lassen, werden wir furchtlos ungeheure Mühen, gefährliche Reisen, peinliche [schmerzvolle] Entbehrungen, das langsame Martyrium eines glühenden Klimas und sogar den Tod erdulden, um die barbarischen Völker Zentralafrikas dem Glauben zu gewinnen und sie alle unter dem friedlichen Schatten des einen Schafstalles Christi zu sammeln.“

(Aus: Daniel Comboni. Bischof von Claudiopolis und Apostolischer Vikar, 1882)

Sonntag, 4. Juni 2023

„Es werden mich selig preisen alle Geschlechter“: Missionsgesellschaft vom Heiligen Geist unter dem Schutz des Unbefleckten Herzens Mariens


Im Jahr 1841 gründete der aus dem Judentum konvertierte Elsässer Priester François-Marie-Paul Libermann die Kongregation des Unbefleckten Herzens Mariens. Durch Mitbrüder, die Söhne französischer Plantagenbesitzer in den französischen Kolonien der Karibik und des Indischen Ozeans waren, erfuhr er von der geistigen Verlassenheit der afrikanischen Sklaven dort. Seine Stiftung sollte das Los dieser Menschen verbessern.

Wie bei seiner Bekehrung hatte er auch bei der Ordensgründung mit zahlreichen Hindernissen zu kämpfen. Im Jahr 1840 schrieb Libermann aus Rom, wo er seine Gründung betrieb, dass sein Vertrauen hauptsächlich auf „der Güte des heiligsten Herzens Mariä“ beruhte. Zunächst wünschte Libermann, der künftigen Missionsgesellschaft den Namen „vom heiligen Kreuz“ zu geben, damit sich „bereits im Titel ein vollkommenes Vorbild aller apostolischen Haupttugenden“ vorfinde. Sein Mitgründer P. Tisserant empfahl, das Werk dem Unbefleckten Herzen Mariens zu widmen. Eine Wallfahrt zu den sieben Hauptkirchen Roms und verschiedenen Marienkirchen der ewigen Stadt brachte Libermann dazu, diesem Rat zu folgen. Gleichzeitig erlebte er, dass sich die Unklarheiten und Zweifel bei der Erstellung der Regel der Kongregation gelöst hatten.

Wichtige Gebetsunterstützung zu dieser Gründung leistete die Erzbruderschaft des reinsten Herzens Mariä für die Bekehrung der Sünder der Pariser Pfarrei Notre-Dame-des-Victoires (Unsere Liebe Frau vom Sieg). Pfarrer Desegenettes hatte seine geistlich darniederliegende Gemeinde im Jahr 1835 dem unbefleckten Herzen Mariens geweiht und die erwähnte Erzbruderschaft gegründet, worauf sich das religiöse Leben in der Pfarrei wesentlich erneuerte. Im Jahr 1839 hatten Pater Libermanns Mitgründer Tisserant und Le Vavasseur unabhängig voneinander die Idee, das Anliegen der geplanten Missionsgesellschaft, mit dem sich die drei bereits einige Zeit getragen hatten, den Gebeten der Erzbruderschaft zu empfehlen. So wurde Mariä Lichtmess 1839 zu einem entscheidenden Tag für das Unternehmen. Pfarrer Desgenettes bestieg während der feierlichen Vereinsandacht die Kanzel, um wie üblich die Gebetsmeinungen vorzutragen. Bewegt empfiehl er dann die „neue und hochwichtige Gebetsmeinung“, die Bekehrung der schwarzen Rasse, deren Millionen von Seelen „ein absolutes Anrecht hätten auf unser fürbittliches Gebet und sich des mütterlichen Erbarmens des Unbefleckten Herzens Mariens vorzugsweise erfreuen dürften, da Maria auch diesem, bislang so vergessenen Teil der Menschheit, sein wolle: Trost der Betrübten, Heil der Kranken, Zuflucht und Rettung der Sünder“.

Pater Libermann

Diese Rolle der Erzbruderschaft betonte Pater Libermann in einem Brief an Pfarrer Desgenettes im Jahr 1844: „Es ist sicher, dass unser kleines Unternehmen für die Bekehrung der Schwarzen dem mächtigen Schutze des hl. und unbefleckten Herzens Marias sein Dasein und seine Entfaltung verdankt. Alle Mitbrüder, die es mit mir angefangen und fortgeführt haben, sind davon tief überzeugt, und unsere Herzen sind voll von Erkenntlichkeit und Dankbarkeit gegen die glorreiche Königin des Himmels.

Von Anfang hat sich die Erzbruderschaft für dieses kleine Werk bei dem unbefleckten Herzen unserer guten Mutter verwandt. Die ersten Mitglieder, welche es beginnen sollten, waren noch unentschlossen; die Hindernisse, welche sich ihnen entgegenstellten, schienen unüberwindlich, aber die eifrigen Gebete der heiligen Vereinigung des unbefleckten Herzens Marias erlangte das, was unmöglich schien, denn vom Anbeginn dieses schwierigen Unternehmens ruhte unser Vertrauen auf der Güte unserer hochheiligen Mutter. Trotz den Schwierigkeiten, die menschlich zu reden, bei weitem unsere Schwäche überstiegen, hatten wir immer eine große Zuversicht für den Erfolg.“

Altar der Erzkonfraternität in der Basilika Notre-Dame des Victoires
(Quelle: Von Guilhem Vellut from Paris, France - Basilique Notre-Dame des Victoires @ Paris, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=53621852)

Der besonderen Fürsprache Mariens schrieb P. Libermann auch die Tatsache zu, dass die Gemeinschaft im Jahr 1843 bald nach ihrer Gründung ihre erste Mission in Westafrika erhielt. Der irische Missionsbischof Edward Barron, der kurz zuvor zum apostolischen Vikar von Guinea ernannt worden war, besuchte die Kirche Notre Dame des Victoires, um dort am Marienaltar zur allerseligsten Jungfrau zu beten. In einem Brief an Pfarrer Desgenettes schildert Libermann das eigentümliche Ereignis: „Ich verließ Paris am selben Tage. Am folgenden Tage kam der Bischof Barron, apostolischer Vikar von Guinea, Maria am Altar ihres unbefleckten Herzens seine Huldigung darzubringen. Er sprach Ihnen von seinem ausgedehnten Vikariate und seinem Priestermangel, und wunderbar, (was ich mir auf natürliche Weise gar nicht erklären kann), Sie kamen nicht auf den Gedanken, ihm von uns zu reden. Am Tage vorher waren Sie noch so gerührt von unserer Verlegenheit, es bot sich Ihnen damals eine so schöne Gelegenheit dar, Ihren Kindern zu helfen und Sie vergaßen Sie gänzlich. Ich kann dafür nur diese Erklärung finden. Maria wollte zeigen, dass uns alles von ihrem unbefleckten Herzen zukommt. Nachdem Sie sich mit dem frommen apostolischen Vikare von Guinea unterhalten und [ihn] in seiner Verlegenheit gelassen hatten, bestiegen sie den Altar des unbefleckten Herzens und bekamen plötzlich gleichsam eine innere Inspiration, die Ihnen sagte, dass diese Mission für uns bestimmt sei. Sie sprachen mit Bischof Barron und am Tage nach meiner Ankunft in Amiens musste ich wieder nach Paris zurückkehren, um ein Geschäft zum Abschlusse zu bringen, das Maria schon für uns eingeleitet hatte.“

In schöne Harmonie bringt der Gründer die Verehrung des Heiligen Geistes mit der Andacht zum unbefleckten Herzen Mariens, als einige seiner geistlichen Söhne nach der Vereinigung mit der Kongregation vom Hl. Geist wohl gefürchtet hatten, dass dieses Kennzeichen der Genossenschaft in Gefahr war: „Sie gehören dem hl. Herzen Mariä an und Sie werden ihm immer angehören. Unsere Vereinigung mit der Genossenschaft des hl. Geistes kann unsere Andacht und unsere Liebe zu diesem Herzen, dem unsere arme Genossenschaft ihr entstehen verdankt, nur vermehren. Wir haben auf das Herz Marias, das mit der Fülle des hl. Geistes ausgestattet ist, immer unser Vertrauen gesetzt, wenn wir auch den Gedanken von der Fülle des hl. Geistes im Herzen Marias nicht besonders ausgedrückt haben, so bildet er doch das Wesen unserer Andacht gegen dieses heiligste Herz. Wir haben also nichts verändert, denn das, was wir früher voraussetzten und mitverstanden, drücken wir jetzt deutlich aus.“

Die Kongregation wuchs rasch und breitet sich über weite Teile Afrikas, besonders über das französischsprachige Westafrika aus, aber auch andere Regionen wie Australien und Nordamerika, wo Libermanns Söhne unter den Afroamerikanern wirkten, kamen bald hinzu. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich die Kongregation vom Hl. Geist und dem unbefleckten Herzen Mariens zur größten Missionsgesellschaft der katholischen Kirche.

Samstag, 20. Mai 2023

„Es werden mich selig preisen alle Geschlechter“: Missionsgesellschaften unter dem Patronat Marias (Teil 1)

Missionsgesellschaften unter dem Patronat Marias

Die großen Orden der Kirche, die Benediktiner, die Franziskaner und Dominikaner sowie in neuerer Zeit die Jesuiten haben maßgeblich zur Verehrung der allerseligsten Jungfrau Maria in den Ländern Europas beigetragen und diese Verehrung auch in den ihnen übertragenen Missionsgebieten gefördert.

Mit dem Wachstum der äußeren Missionen entstanden im 18. und 19. Jahrhundert verschiedene Ordensgemeinschaften und Kongregationen, die speziell zum Zweck der Missionsarbeit gegründet wurden. Viele dieser Gemeinschaften tragen nicht nur einen marianischen Namen, sondern ahmen das Leben der Gottesmutter im eigenen missionarischen Wirken nach. In diesem Kapitel soll ein kurzer Abriss der Geschichte dieser Orden und ihrer Verehrung der allerseligsten Jungfrau präsentiert werden.


Oblaten der unbefleckten Jungfrau Maria

Die Oblaten der unbefleckten Jungfrau Maria (lateinisch Missionariorum Oblatorum Beatae Mariae Virginis Immaculatae, Ordenskürzel OMI) wurden 1816 durch den provenzalischen Weltpriester Eugen von Mazenod gegründet, um den Glaubensgeist unter der armen Bevölkerung der Provence zu heben. Im Jahr 1825 wurde die Kongregation von Papst Leo XII. bestätigt, der ihr die Aufgabe gab „jene Menschen in den Schoß der Mutter der Barmherzigkeit zurückzubringen, die Jesus Christus an seinem Kreuz ihr als Söhne und Töchter geben wollte“. Bereits zu Lebzeiten des heiligen Gründers, der im Jahr 1837 Bischof von Marseille wurde, ging die Tätigkeit der Oblaten über die Grenzen Frankreichs hinaus: Im Jahr 1841 zogen die ersten Oblatenmissionare in die Indianermission in Kanada, worauf im Jahr 1847 die Übernahme der Mission auf Sri Lanka folgte. Eugen de Mazenod, der 1861 starb und 1995 heiliggesprochen wurde, bezeichnete Maria als die „Mutter der Missionen“. Die schwierigen arktischen Missionen unter den Inuit in Kanada stellte der Orden unter den besonderen Schutz der unbefleckten Jungfrau. Der selige Joseph Gérard, der Apostel von Lesotho, hatte eine kindliche Andacht zur allerseligsten Jungfrau und vermittelte diese auch seinen Christen. Am 7. Dezember 1863 schrieb er: „Es ist eine Freude für mich, wenn ich mir vorstelle, dass unsere Basotho mit den anderen Nationen die Seligkeit der heiligen Jungfrau preisen werden. Mögen auch sie anfangen zu sagen: ‚Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns!‘ Zwar tun sie es noch nicht aus ganzem Herzen und aus ihrer ganzen Seele, aber es ist Anfang; hoffen wir, dass die allerseligste Jungfrau ihnen den Rest lehren wird.“ Als seine Missionserfolge voranschritten, ,verbreitete sich auch die Andacht zu Maria unter dem Volk. Die Neugetauften begannen die Begrüßung der Oblatenmissionare untereinander zu verwenden: „Gelobt sei Jesus Christus – und die unbefleckte Jungfrau Maria“. Mit besonderem Eifer wurden auch die Maiandachten gepflegt.[1] So ist der Selige ein Vorbild des Ideals, das die Ordenskonstitutionen von 1966 im 6. Artikel zeichnen: „Sie [die Ordensmitglieder der Oblaten] werden in dieser Jungfrau einen Typus des Glaubens der Kirche erkennen und das vollkommene Vorbild für ihren eigenen Glauben, da sie Christus empfing, damit sie ihn mit der Welt teilen konnte, deren Hoffnung er ist. In ihren missionarischen Freuden und Leiden werden sie stets eng mit ihr, der Mutter der Barmherzigkeit, verbunden sein. Wo auch immer sie ihr Dienst hinführt, werden sie danach streben, in den Herzen der Menschen eine tiefe Andacht zur unbefleckten Mutter zu entfachen, die siegreich ist über alles Böse.“[2] Heute sind die Oblaten in zahlreichen Ländern vertreten. Der Sitz der mitteleuropäischen Provinz befindet sich im hessischen Hünfeld.



[1] Blessed Joseph Gérard, O.M.I. Apostle to the Basotho (1831–1914). Generalpostulat O.M.I. Rom 1991
[2] Jette, Fernand: The Missionary Oblate of Mary. Addresses and Written Texts, 1975–1985. Rom 1985


Sonntag, 7. Mai 2023

„Es werden mich selig preisen alle Geschlechter“: Die Maiandacht in den Missionen

 Von Jos. Peters S.J.[1] 

In einem ausführlichen Artikel, der 1925 in Die katholischen Missionen erschien, beleuchtet P. Peters S.J. die positiven Einflüsse auf das religiöse Leben, die die damaligen Übungen der Maiandacht in den Missionsländern hervorriefen. So schreibt er: „Wir können (…) in voller Wahrheit sagen, dass im Allgemeinen die Maiandacht in den Missionen als eine Gelegenheit zu ernstem Tugendstreben aufgefasst wird, dass die Priester über besonderen Eifer im Sakramentenempfang berichten, dass auch die lieben Kleinen angehalten werden, durch kleine Opfer ihre Liebe zu Gottesmutter zu bezeigen. All die schönen Sitten, wie sie im Mai in unseren Erziehungsanstalten in Übung sind, und in denen besonders gute Ordensschwestern sich so erfinderisch zeigen, finden sich in den Missionen wieder. Auch die kleinen Neger schreiben Briefchen an die Muttergottes, sie wollten in diesem Monat recht brav sein und ihren Charakterfehler bekämpfen; auch in den Missionen bringen die Kinder jeden Morgen ein Sträußlein frischer Blumen zum Maialtar. Mit besonderer Vorliebe hören sie die „Marienbeispiele“. Namentlich in den vielen Waisenanstalten und den Findelhäusern ist der Mai ein Freudenmonat. Darüber wird nie eine Missionschronik gebührend berichten können, wieviel Trost und Kinderglück die Maiandacht mit ihren schönen und reinen Phantasiebildern in die empfänglichen Herzen dieser mutterlosen Waisen strahlt.

Hübsch beschreibt eine italienische Missionsschwester aus Mangalore, wie ihre Kleinen sich allabendlich um das festlich erleuchtete Marienbild im Hofe der Waisenanstalt versammeln. Eine auserlesene Schar gruppiert sich mit leuchtenden Sternen um den Maialtar. Dann singt man einige Marienlieder und betet das „Memorare“, um dann mit einem Kusshändchen von der Mutter Abschied zu nehmen. In der Veranstaltung echt kindlicher, naiver Maifeiern sind namentlich die Italiener und Spanier Meister. Sie treffen damit vollkommen den Geschmack der Missionsvölker, mag auch dabei nicht alles unserer Art entsprechen.

Ein liebliches Maibild entwirft ein französischer Salesianer aus Indien: ‚Auch im Mai kommen die Kinder gerne und knien am Altar der Muttergottes nieder. Sie sind noch ganz grau vom Staub der Felder, ihre Kattunläppchen starren von Schmutz. Einander stoßend und schiebend wie ein Schwarm aufgescheuchter Sperlinge ordnen sie sich um das Bild. Eines der Kinder reicht zum Bilde der himmlischen Mutter einen Arm voll indischer Blumen hinauf, und alle beginnen auf den Knien ihr Gebet. Das Thermometer mag 30–35 Grad zeigen: ihre Andacht wird dadurch nicht beeinträchtigt. Ein Ave löst das andere ab, und so würde es stundenlang dauern, wenn man diese Kinder gewähren ließe. Zum Schluss ihrer Andacht singen sie eines ihrer schönen Marienlieder in einheimischer Sprache.‘

Unter den Maisitten der Missionen verdienen besondere Erwähnung die Blumenhuldigungen. Auf den Philippinen treten an jedem Samstagmorgen des Mai unter dem Gesang des „Salve Regina“ die Anwesenden an den Altar und opfern ein Körbchen mit Blumen, das der Priester dann vor das Marienbild stellt. Weit kindlicher sind die in Mittel- und Südamerika üblichen Blumenhuldigungen durch weißgekleidete Mädchen, denen sich manchmal Knaben in den Trachten jugendlicher Heiliger, wie des hl. Stanislaus, des kleinen Johannes des Täufers usw., zugesellen. Es ist allerdings bezeichnend, dass man bei diesen Berichten in den Missionszeitschriften oft die Bemerkung findet: ‚Das Volk läuft eifriger zur Maiandacht als sonntags zur Messe‘, dass ferner ein brasilianischer Missionar die Bemerkung macht: ‚Erst die Teilnahme ihrer Kinder an der Blumenhuldigung veranlasst manche Eltern zur Erfüllung ihrer österlichen Pflichten.‘ Immerhin steckt in diesen Gebräuchen eine uralte katholische Überlieferung und eine Glaubensinnigkeit, die uns die wehmütige Erinnerung an frühere Jahrhunderte wachruft, wo auch unser Volk, unversehrt durch Protestantismus, Rationalismus und eine im Relativismus befangene vergleichende Religionswissenschaft, sich vertrauend unter dem weiten Mantel der hohen himmlischen Frau barg.

(…) Dass die Heiligen- und Marienverehrung in den Missionen bei Neubekehrten bzw. ins Heidentum Zurückgefallenen zu Irrungen und Aberglauben führen kann, ist eine Erfahrung aller Missionare, und P. Dr. Fontaine aus der Mission Assam hat auf dem Düsseldorfer Missionskursus 1919 darüber in einem Vortrag über den Kampf gegen den Aberglauben eine große Menge Stoff zusammengetragen. Die Gründe zu solchen Verirrungen liegen auf der Hand. Viele solcher Gründe vermag die Religionspsychologie aufzuweisen. Wir möchten hier nur an die Tatsache erinnern, dass sich in den Missionen bei den Marienprozessionen und an den Marienheiligtümern fast stets Heiden einfinden, die alle religiösen Übungen mitmachen und anstandslos der nach ihrer Meinung hier verehrten Göttin ein Kerzenopfer bringen. Die einheimischen Religionen haben fast alle ihre Fruchtbarkeitsgöttin oder eine Muttergottheit, die sie durch Opfer zu besänftigen suchen. (Nur in Klammer sei hier bemerkt, dass nirgends der Heide mit jenem kindlichen Vertrauen zu seiner Muttergottheit betet, wie der Christ bei der Anrufung Mariens.)

Welche Gefahren für eine Verdunkelung der Glaubensbegriffe in Sachen der Marienverehrung bei schlecht unterrichteten Christen bestehen können, mag ein Beispiel aus China beweisen, wo man einem Zerrbild der reinen Gottesmutter, der Göttin Koan-yin, ebenfalls einen ganzen Monat weiht und ihr Gelübde und Geschenke macht. Sie ist die liebenswürdigste Göttin im buddhistischen Götterhimmel und in dem ihr geweihten Monat flattern auf den Küstenschiffen lange Wimpel mit der Inschrift: „Himmlische Königin! Heilige Mutter des Himmels!“ Man darf die Gefahr solcher heidnischen Gebräuche für eine gutunterrichtete Christengemeinde nicht überschätzen, aber man möchte anderseits auch wünschen, dass gewisse Beispiele von Marienverehrung, die bisweilen in den populären Missionszeitschriften auftauchen, auf ihre religiöse Grundanschauung untersucht werden. Die im Gottesdienst der Heidenmission gebrauchten Weiheformeln an Maria sollten auf jeden Fall an dogmatischer Klarheit nichts zu wünschen übrig lassen. An der Hand der himmlischen Mutter und in Nachfolge ihres Tugendbeispieles sollen die Neuchristen zum Heiland kommen, „auf dass sie in der Liebe festgewurzelt sind“ und „zu erfassen vermögen ihre Breite und Länge, ihre Höhe und Tiefe und die Liebe Christi erkennen, die alle Begriffe übersteigt, und dadurch ganz von Gott erfüllt werden“ (Eph. 3, 16–21).

Gegenüber einzelnen Gefahren einer unerleuchteten Marienverehrung steht der herrliche Segen, den die Maiandacht verbreitet. Die Gnaden für Leib und Seele, die Marias mächtige Fürbitte vermittelt, entziehen sich allzu oft menschlicher Berechnung und Feststellung. Aber auch der nicht im Glauben erleuchtete Verstand vermag die Wirkungen der Marienverehrung auf dem moral- und religionspädagogischen Gebiete festzustellen. Welch ein hohes Vorbild ist den im Sumpf der Unsittlichkeit versunkenen Völkern das Bild der reinsten Gottesmutter, jenen Völkern, die oft erst ganz langsam zum Verständnis des christlichen Reinheitsideals gebracht werden können! Wir wollen einem praktischen Missionar das Wort geben, um den Segen der Maiandacht zu kennzeichnen. Ein Pallottiner berichtete vor 12 Jahren aus Kamerun: ‚Speziell in Kamerun wird die Neuchristen recht bald die Maiandacht gelehrt, und nun übt man sie mit großem Eifer. Wir sind uns bewusst, damit dem Neger ein Stück wahren Christentums gelehrt zu haben. Weit davon entfernt, dass der Eingeborene, wie Andersgläubige meinen, götzendienerische Ideen mit dieser Andacht verbindet, empfängt er aus der Gnadenhilfe der Hochgebenedeiten und aus der Anregung gerade der Maiandacht nachhaltige religiöse Hilfe. Besonders das weibliche Geschlecht erhält da Antriebe für das praktische Tugendleben, die umso nötiger sind, als die Frau bei den meisten Heiden aus dem Bannkreis niedrigster Auffassung von ihrer Bestimmung nicht herauskommt. Wie wohltuend und segensreich muss da nicht eine Andacht sein, die ferner die Neger Hochachtung gegen eine Angehörige des von ihnen so tief eingeschätzten und so roh behandelten weiblichen Geschlechts lehrt! Es kann nicht ausbleiben, dass Maria mit ihrer Bedeutung im Christentum und im kirchlichen Andachtsleben ihrem Geschlecht eine Stellung erringen hilft, die die notwendige Grundlage für die wahre Kultur und tieferes Christentum ist. Allen diesen Nutzen erhoffen wir in Kamerun aus der Verehrung Mariens, vor allem aus der Maiandacht.‘

Die Maiandacht hat sich heute über die ganze Erde verbreitet. Da aber der Monat Mai auf der südlichen Halbkugel in den Herbst fällt und in den Tropen oft die unangenehmste und heißeste Jahreszeit einleitet, so musste sich die Missionskirche die Frage vorlegen, ob es nicht angebrachter wäre, den Marienmonat, der mit dem Frühlingsbeginn so enge symbolische Verbindung hat, auf eine andere Jahreszeit zu verlegen. Man musste dann freilich auf eine besondere Feier des Rosenkranzmonats zumeist verzichten, oder beide Feiern zusammenlegen, oder schließlich den Rosenkranzmonat in der Zeit begehen, wo auf der nördlichen Erdhälfte Frühling ist. Viele Missionare traten entschieden für die gleichzeitige Feier der Maiandacht auf der ganzen Erde ein, mit der Begründung, dass die Feier des Maimonates mit dem katholischen Empfinden so stark verwachsen, und dass es ein so tröstliches Bewusstsein sei, wenn im Mai auf der ganzen Erde Maria gepriesen werde. Aus diesem Grunde hat man in Australien die zeitweise auf den August (die schönste Jahreszeit in Australien) verlegte Maiandacht wieder zurückverlegt. In Indien hat man sich auch nicht zu einer Verlegung entschließen können; man feiert allerdings die Maienkönigin nur wenig im Mai, desto mehr aber im schöneren Monat Oktober, wenn frische Blumen in Fülle zur Verfügung stehen. (…) An eine Verlegung des Rosenkranzmonates ist man bisher unseres Wissens nirgendwo herangetreten.

Der Gedanke an eine einheitliche Maifeier ist durch die geschichtliche Entwicklung, die von der Kirche wohl kaum rückgängig gemacht wird, praktisch in verneinendem Sinne gelöst worden. In Chile, Paraguay, Uruguay und Argentinien begeht man den Marienmonat im November, und zwar gewöhnlich vom 8. November bis 8. Dezember, wo das Fest der Unbefleckten Empfängnis einen guten Abschluss bildet. In Patagonien haben die Salesianer mit Rücksicht auf die im November mit der Sorge um ihre Herden stark beschäftigten Indianer den Marienmonat auf die Zeit vom 9. Oktober bis 10. November verlegt. Aus Mariannhilll [Südafrika] liegt gleichfalls eine Nachricht über die Maifeier im November vor. Die Kopten in Ägypten feiern die Maiandacht im Dezember, wenn nach der Nilüberschwemmung das Land sich mit frischem Grün bedeckt. Zieht man noch in Rücksicht, dass die griechisch unierte Kirche in der vierzehntägigen Vorbereitungszeit auf das Fest Mariä Heimgang im August und an den Freitagen der Fastenzeit auch eine Art Maiandacht hält, so muss man zugeben, dass von einer zeitlichen Gleichheit in der Feier des Marienmonats nicht die Rede sein kann. Wir halten es auch für eine sehr kluge Anpassungsmaßnahme, wenn die Kirche in den Missionen die namentlich in den subtropischen Gegenden bestehenden Frühlingsfeiern adelt und verchristlicht, wie sie es bei unseren Altvordern getan hat. Es ist zudem auch ein religiös erhebender Gedanke, dass überall, wo auf Erden der Frühling erblüht, fromme Lieder zur himmlischen Königin erschallen, die uns in Christus den Frühling der Erlösung schenkte.



[1] Peters, Jos. S.J.: Maria Maienkönigin. In: Die katholischen Missionen, Xaverius-Verlagsbuchhandlung, Aachen 1925

Sonntag, 23. April 2023

„Es werden mich selig preisen alle Geschlechter“: Der Muttergottesbaum in Matarieh (Ägypten)

Einer der ältesten und zugleich einer der wenigen Marienwallfahrtsorte, der direkt mit dem irdischen Leben der allerseligsten Jungfrau Maria in Zusammenhang gebracht werden kann, ist der Muttergottesbaum von Matarieh, der sich heute im Bezirk Al Matariyah in der ägyptischen Hauptstadt Kairo befindet.

Die Überlieferung berichtet, dass die Heilige Familie sich nach ihrer Flucht nach Ägypten in Heliopolis, der „Sonnenstadt“ (ägyptisch Pi-Ra, Wohnung der Sonne), niederließ. Diese im Altertum berühmte Stadt verfügte neben einem großen Sonnentempel über Schulen für Philosophie und Astronomie, in denen die heidnischen Priester studierten. Der biblische Patriarch Joseph heiratete Aseneth, die Tochter des Oberpriesters Putiphar, und wohnte dort. Möglicherweise hat auch Moses dort die ägyptischen Wissenschaften studiert. Zur Zeit des Herrn war Unterägypten Heimat zahlreicher Juden, die sich in der Umgegend des Tempels von Leontopolis niederließen. Weil Heliopolis bereits teilweise in Ruinen lag, so wählte die Heilige Familie Matarieh, einen kleinen Vorort Heliopolis’ mit einer großen jüdischen Bevölkerung. Da die ägyptischen Wohnhäuser zu jener Zeit aus Lehm waren, sind keine Überreste mehr von dem Heim der Heiligen Familie übrig, doch bis zum heutigen Tag wird ein anderes Relikt des Aufenthalts des Gottessohnes und seiner gebenedeiten Mutter dort verehrt: Der Muttergottesbaum von Matarieh. Es handelt sich dabei um eine Maulbeerfeige oder Sykomore (Ficus Sycomorus L.), wie sie im östlichen Mittelmeerraum und Afrika weitverbreitet ist. Der Baum wird auch in der Heiligen Schrift erwähnt. Unter einem solchen Baum, so die Überlieferung, soll sich die Heilige Familie ausgeruht bzw. Schutz gefunden haben.[1] In der Nähe dieses Baumes befindet sich eine Quelle. Im Bericht deutscher Wallfahrer aus dem Jahr 1484 heißt es: „Neben uns sehen wir die geweihte Quelle, aus der die glorreiche Jungfrau, Jesus, die Quelle der Frömmigkeit, und Joseph, das Beispiel aller Tugenden, ihren Durst gestillt haben. Nach einer alten Überlieferung unserer Vorfahren kam Joseph, da er auf Befehl des Engels aus dem Lande Israel floh, mit dem Kinde Jesus und seiner Mutter an diesen Ort. Von Durst gequält, bat er in allen Häusern Matariehs um Wasser, aber niemand gab ihm etwas. Ganz erschöpft und ermüdet von der Reise setzte sich die allerseligste Jungfrau mit dem Jesuskind und Joseph unter einen Baum nieder, und siehe da: plötzlich sprudelte an ihrer Seite eine Quelle hervor, und sie konnten sich erquicken.“

Der Ableger des ursprünglichen Baumes zu Beginn des 20. Jahrhunderts 
('Abre di la Viere - Matarieh (1904)' postcard sent by Charles Boddington 2021, Museum of Applied Arts & Sciences, accessed 23 April 2023, <https://ma.as/364278>)

Die Quelle wird schon in frühen christlichen Texten erwähnt, so in einer Predigt des Patriarchen Theophilus, der im Jahr 406 starb. Auch das apokryphe Evangelium über die Kindheit Jesu berichtet im 24. Kapitel: „Als die erhabenen Flüchtlinge die götzendienerische Stadt verließen, gingen sie zu einer Sykomore, die man heute den Baum von Matarea nennt; und zu Matarea ließ der Herr Jesus eine Quelle hervorsprudeln, in welcher Maria, die allerseligste Jungfrau, das Unterkleid des göttlichen Kindes wusch.“ Tatsächlich scheint es an diesem Ort eine Süßwasserquelle gegeben zu haben, während sich die Brunnen aus der Umgegend aus dem Nilwasser speiste, das in den Grund einsickert. Jedoch hat sich der Boden in den Jahrhunderten derart gehoben, dass heute das Quellwasser bereits mit dem Grundwasser aus dem Nil vermischt werden müsste. P. Jullien berichtet, dass das Wasser aus Matarieh tatsächlich weniger salzig war als das Grundwasser der Umgegend, das das Salz aus dem Boden löste. Nach der muslimischen Eroberung gewann die Quelle ein solches Ansehen, dass der ägyptische Sultan vermutlich im 13. Jahrhundert dort einen Landsitz bauen ließ, dessen Balsambaum-Garten nur mit dem Wasser aus der Quelle gegossen wurde. Die osmanischen Paschas in Ägypten zogen das Wasser aus Matarieh jedem anderen Trinkwasser vor.

Matarieh muss einst über eine bedeutende koptische Kirche verfügt haben, deren Kirchweihe in allen koptischen Kirchen Ägyptens und Äthiopiens am 8. Paoni des koptischen Kalenders, dem 15. Juni des gregorianischen Kalenders, unter dem Titel „Gedächtnis der Einweihung der Kirche der Jungfrau von Heliopolis und der wunderbaren Quelle“ gefeiert wurde. Möglicherweise war dies gar die Kathedrale des Bischofs von Heliopolis, dessen Bistum sich zur Zeit des Konzils von Ephesus im Jahr 431 nachweisen lässt. Sie wurde wohl zwischen dem 6. und 12. Jahrhundert entweder beim Schisma der Kopten oder bei der islamischen Eroberung zerstört, die auch einen Wiederaufbau im Jahr 1154 verhinderten, indem sie die im Bau befindliche Kirche plünderten und zu einer Moschee machten. Im 16. Jahrhundert bauten europäische Kaufleute aus Kairo in Matarieh eine Kapelle. Der Franziskanerpater Bernardin Amico, dessen Orden mit der Pflege der Kapelle betraut war, berichtet über den Bau: „Die Katholiken haben dort [in Matarieh] zu Ehren der Himmelskönigin eine Kapelle erbaut, welche noch besteht. Man sieht sie, wenn man den vor dem Garten befindlichen Hof betritt, rechts, etwa zehn Schritte von der Sakyeh. Das Innere derselben ist nur ein durch einige Treppenstufen in zwei Teile geschiedener Saal. Ein in den Boden gemauertes längliches Bassin, eine durch eine Lampe erhellte Nische in der Wand rechts, und im Vordergrund ein als Altar dienender Steintisch bilden den ganzen Schmuck. Man sagt, dass Maria in dem Bassin die Kleider des göttlichen Kindes wusch, dass sie dasselbe auf dem Stein ruhen ließ und dass sie an dem durch die Nische bezeichneten Ort betete. (…) An jedem Samstag, an den Feiertagen und an allen Muttergottesfesten wird hier die hl. Messe gelesen.“ Zwischenzeitlich wurde die Kirche von Ibrahim Pascha in eine kleine Moschee umgewandelt; nach seiner Absetzung erlaubten die Türken jedoch wieder den Christen das Gebet dort. In den folgenden Jahrzehnten verfiel die Kapelle zusehends und verschwand in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die französischen Jesuiten in Kairo, allen voran P. Michel Jullien, der der bedeutendste Forscher auf dem Gebiet der Geschichte von Matarieh war, bauten in den 1890er Jahren eine Kirche, die diesen weniger bekannten Wallfahrtsort des Heiligen Landes – denn dazu gehört ja auch Ägypten – ehren sollte: 

„Seit einigen Jahren nun zeigt ein neues würdiges Heiligtum dem Pilger die Stelle an, wo die heilige Familie im Lande Ägypten gewohnt hat. Es ist das Werk der im Kolleg der heiligen Familie zu Kairo wirkenden französischen Jesuiten und besonders P. Julliens, der sich um die Erforschung der mit der Heiligen Schrift und der Kirchengeschichte in Verbindung stehenden Stätten so hohe Verdienste erworben hat. 

Schon von ferne grüßt aus der Mitte der Fassade auf rotem Marmorgrund dem Pilger die Inschrift entgegen: Sanctae familiae in Aegypto exsuli (Der heiligen Familie in ihrer ägyptischen Verbannung geweiht). 

Dieses Wort bringt denn auch die Idee zum Ausdruck, welche der Ausführung des schönen Heiligtums zu Grunde gelegt ist. So rufen die beiden eng aneinander liegenden Rundbogenpforten, wie man sie wohl bei Synagogen findet, die zwei Tafeln des alttestamentlichen Gesetzes ins Gedächtnis, unter dem die heilige Familie während ihrer Verbannung lebte. 

Anlehnend an die Legende, wonach bei der Ankunft des Heilandes die Götzenbilder von Heliopolis stürzten, wurden die tiefen Fundamente aus Ziegeln und Scherben des alten Sonnentempels von Heliopolis gelegt. Das Innere, ohne Reichtum, aber in schöner Einfachheit und Lichtfülle, strahlt in lieblichen, ruhigen Tönen den Frieden und die Reinheit wieder, welche die heilige Familie nach Ägypten gebracht. In einer Nische über dem Hochaltar, umrahmt von harmonisch angeordneten Bogen, Gewölben und Skulpturen, umleuchtet von mildem, bläulichen Scheine, thront die Gruppe der heiligen Familie, das Werk eines Lyoner Meisters.

Zwei Seitenaltäre zieren liebliche Statuen des hl. Antonius von Padua und des hl. Stanislaus Kostka, beide mit dem Jesuskind auf dem Arm. 


Am 8. Dezember des Jubiläumsjahres der Unbefleckten Empfängnis nahm der Apostol. Präfekt des Nildeltas unter zahlreicher Beteiligung von Pilgern aus Kairo und Umgebung die feierliche Weihe des Heiligtums vor. Eine Widmungstafel aus Marmor soll kommende Geschlechter daran erinnern, wie aus dem Vaterland Verbannte der verbannten heiligen Familie dieses Denkmal gesetzt. Sie trägt die Inschrift: ‚Französische Ordensleute, durch die gegenwärtige Verfolgung vertrieben, weihen als Zeichen der Liebe und Hoffnung auf ihre Rückkehr ins Vaterland der verbannten heiligen Familie dies Heiligtum.‘

Die Verehrung der heiligen Stätten hat im Laufe der letzten Jahre einen bedeutenden Aufschwung genommen. Ordensgemeinden, Bruderschaften, Vereine und Privatpersonen Kairos pilgern zu der heiligen Kapelle von Matarieh, und die Pilger nach dem Heiligen Land strömen in Scharen herbei, um die Ablässe zu gewinnen, welche an den Besuch des Heiligtums geknüpft sind.

Vor einem Jahre reihte nämlich der Heilige Vater die Kapelle von Matarieh den heiligen Stätten zweiter Ordnung ein, so dass dieselbe, was Würde und Vorrechte betrifft, den Heiligtümern von Tabor, der Werkstätte des hl. Joseph, der Kreuzauffindungs- und Mariä-Heimsuchungskirche, dem Josephs- und Unschuldig-Kinder-Altar in der Grotte von Bethlehem usw. ebenbürtig zur Seite steht.“[2]

Die Kirche der Heiligen Familie liegt heute genauso wie der Muttergottesbaum wenige Hundert Meter von der U-Bahn-Station El Matarya. Sie befindet sich in weitgehend unverändertem Zustand.

 

Gebet zur Heiligen Familie

„Heilige Familie, Maria und Joseph, die du zu Matarieh trotz der Entbehrungen und Demütigungen der Armut, der Einsamkeit der Verbannung, unter Verfolgung und Todesgefahr glücklich und zufrieden gelebt hast, weil Jesus in eurer Mitte war, und seine Gnade in euren Herzen regierte, erlanget den Pilgern die Gnade, dass Jesus in ihren Familien herrsche, ihnen Geduld und Frieden verleihe in den Prüfungen, und das Vertrauen, bald davon befreit zu werden.

Göttliches Kind Jesus, Du bist nach Ägypten gekommen und hast dort in den ersten Jahrhunderten Deines Gesetzes der Gnade die höchsten Tugenden erblühen lassen; gib, dass Deine Liebe und die christlichen Tugenden in diesem mit irdischen Gütern so reich gesegneten Lande auch jetzt wieder erblühen.“

 

Möge dieses Gebet des P. Jullien sich auch in unseren Tagen erfüllen.



[1] Der heute in Al Matariyah befindliche Baum ist wohl ein mehrere Generationen vom ursprünglichen Baum entfernter Ableger, da die über die Jahrhunderte beschriebenen Bäume deutlich unterschiedliche Formen aufwiesen. Der jetzige Baum ist im Jahr 2013 zusammengebrochen und wurde in der Folge beschnitten. Aus zwei Ästen hat sich mittlerweile ein neuer Baum gebildet.

[2] Ein afrikanisches Heiligtum. In: die katholischen Missionen. Herder’sche Verlagsbuchhandlung, Freiburg 1908

Samstag, 8. April 2023

„Es werden mich selig preisen alle Geschlechter“: Unsere Liebe Frau von Afrika (Algerien)


Mit der französischen Eroberung des Küstengebiets von Algerien um die Mitte des 19. Jahrhunderts fand auch die katholische Kirche wieder Eingang in diese kirchengeschichtlich so bedeutsame Region, die unter anderem die Heimat des heiligen Augustinus von Hippo ist. Zunächst hatte sich die Kirche auf die Seelsorge der französischen Kolonisten konzentriert, entfaltete aber nach einiger Zeit eine Missionstätigkeit, die besonders unter dem Berberstamm der Kabylen einige Erfolge erzielte.

Bald nach Beginn der französischen Herrschaft zog es zahlreiche Europäer, vor allem aus Frankreich und dem Mittelmeerraum, nach Algerien. Zu ihnen gehörten auch die beiden eifrigen Lyoner Katholikinnen Margarita Bergesio, eine italienische Einwanderin, besser bekannt als Agarithe Berger, und Anne Cinquin, die dem Bischof von Algier, dem ebenfalls aus Lyon stammenden Louis-Antoine-Augustin Pavy, ihre Dienste als Haushälterinnen anboten.[1] Sie kümmerten sich um die Wäsche für die Krankenstation des Seminars von Algier. In einem Baum am bewaldeten Hang in der Nähe der bischöflichen Residenz stellten die beiden eine Marienstatue auf, um dort ihren Andachtsübungen nachzugehen. Bald kamen Christen aus der umliegenden Gegend als Pilger an den Ort, der wegen des Abhangs bald Notre Dame du Ravin genannt wurde. Die beiden frommen Damen baten in der Folge Msgr. Pavy, dort eine Kapelle zu bauen, doch dieser zögerte zunächst, bevor er sich am 8. Dezember 1854, dem Tag der Verkündigung des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis, dafür entschied, ein Bauprojekt unter dem Namen Notre Dame d’Afrique zu beginnen.[2]

Kapelle Notre Dame du Ravin (Quelle: http://alger-roi.fr/Alger/notre_dame_afrique/pages_liees/13_d_chapelle_notre_dame_ravin_53.htm)

Im Jahr 1857 entstand zunächst eine provisorische kleine Kapelle, die heute noch besteht und den Namen Saint Joseph trägt. Die Statue, die der Bischof auswählte, war eine Bronzekopie der Virgo fidelis von Bouchardon. Diese hatte der erste Bischof von Algier, Msgr. Dupuch, im Jahr 1840 für seine Kathedrale von Gläubigen in Lyon als Geschenk erhalten; da die Kathedrale noch nicht fertig war, fand die Statue den Weg ins Trappistenkloster in Staouëli in der Nähe der Hauptstadt und wurde von Msgr. Pavy schließlich zurückgeholt. Am 2. Februar 1858 wurde der Grundstein der heutigen Basilika auf einer Anhöhe im Viertel Saint-Eugène[3] gelegt. Architekt war Jean-Eugène Fromageau, der auch für andere Kirchenbauten in der Diözese Algier verantwortlich zeichnete. 

Msgr. Pavy, Bischof von Algier und Bauherr der Wallfahrtskirche

Zur Förderung des Bauprojekts scheute sich der Bischof nicht, selbst den Wanderstab in die Hand zu nehmen und in Frankreich für das neue Marienheiligtum in Nordafrika zu werben und Spenden zu sammeln. Zu einem Missionar sagte Bischof Pavy im Jahr 1858: „Was man der Mutter darbringt, wird der Sohn hundertfach vergelten.“[4] Er veröffentlichte auch ein umfangreiches Rundschreiben an die gesamte katholische Welt zur Unterstützung dieses Werkes, in dem er die wechselreiche Geschichte des Christentums in Nordafrika und die Verehrung Marias in diesen Gegenden beleuchtete. Besonders rief er zum beharrlichen Gebet für die Bekehrung der Muslime auf. Er versprach eine Zukunft, in der die Anhänger des Islams Maria nicht nur als Mutter eines großen Propheten anerkennen würden, sondern diese ihnen die Augen über die Gottheit ihres Sohnes öffnen würde. Dies sei die einzige Rache, die sich der Bischof für die jahrhundertelange Versklavung und Verfolgung wünsche, die durch den Hass gegen das Christentum von der nordafrikanischen Küste ausgegangen seien. Msgr. Pavy starb im Jahr 1866, sodass sein Nachfolger, Msgr. Charles Martial Lavigerie, der spätere Erzbischof, Kardinal und Gründer der Missionäre von Afrika (besser bekannt als „Weiße Väter“) das Werk fertigstellen musste.[5] Die Basilika wurde schließlich am Fest Mariä Lichtmess 1872 von Msgr. Lavigerie eingeweiht; am 4. Mai 1873 erfolgte im Rahmen des ersten Provinzialkonzils, das in über einem Jahrtausend in Nordafrika abgehalten wurde, die Übertragung der Statue aus der provisorischen Kapelle in die Basilika. Teilnehmer an den Feierlichkeiten waren alle Bischöfe Algeriens sowie die Äbte der Trappistenklöster Aiguebelle und Staouëli und zahlreiche Vertreter des Welt- und Ordensklerus von Algier.

(Quelle: Rabanus Flavus)

Die Kirche ist äußerlich im neobyzantinischen Stil gehalten und erinnert mit ihrer Kuppel- und Turmform an die Kirche Sacré-Cœur de Montmartre in Paris. Auch das Innere ist orientalisch geprägt, wobei sich blaue Ornamente von der weißen Grundfarbe abheben. Die dunkle Mutter-Gottes-Statue in ihrem blauen Mantel befand sich früher unter einem eigenen Baldachin auf dem Hochaltar direkt über dem Tabernakel. Heute steht nur noch eine Art Podest, auf dem sich die Statue befindet und in dem auch der Tabernakel untergebracht ist. Der Baldachin wurde entfernt. In der Apsis hinter der Statue befindet sich die Inschrift „Notre-Dame-d’Afrique, priez pour nous et pour les musulmans“ (unsere Liebe Frau von Afrika, bitte für uns und für die Moslems). Im Jahr 1876 erfolgte die kanonische Krönung der Marienstatue Unserer Lieben Frau von Afrika und die Erhebung der Kirche zur Basilica minor. Damit wollte Papst Pius IX. nicht nur die neue Wallfahrtskirche ehren, sondern auch der glorreichen Geschichte der nordafrikanischen Kirche mit ihren zahlreichen Heiligen, Kirchenvätern und Märtyrern seinen Tribut zollen. Heute zeugen die zahlreichen ex-Voto-Tafeln, die die Wände der Kirche übersäen, von der großen Verehrung, die neben der Bevölkerung Algiers besonders die Missionäre des afrikanischen Kontinents Unserer Lieben Frau von Afrika entgegenbrachten. Neben den steinernen Dankesgaben der Weißen Väter und Weißen Schwestern finden sich auch acht Tafeln, die der heilige Charles de Foucauld im Zeitraum von 1901 bis 1910 mit der Inschrift „Iesus Caritas“ und einem Herz-Jesu-Symbol dort hinterließ.

Ex Votos des heiligen Charles de Foucauld (Quelle: https://notre-dame-afrique.org/nos-jours/)

Mit der weltlichen Herrschaft Frankreichs hielten bedauerlicherweise auch die Irrtümer der französischen Revolution Einzug in Algerien; Priestern und Bischöfen wurde es unter Androhung von Strafen verboten, sich der Bekehrung der Moslems und Juden in der neuen Kolonie zu widmen. Der Jesuitenpater Ducat, der in Ben Aknoun bei Algier ein Waisenhaus betrieb, empfand den Umstand, dass so wenig zur Bekehrung der muslimischen Bevölkerung getan wurde, als sehr schmerzhaft. Es wurde zwar hier und da für die Bekehrung der Anhänger Mohammeds gebetet, dies geschah nach seinem Urteil aber längst nicht überall und nicht beharrlich genug. Er gründete eine Gebetsgemeinschaft, deren Zweck es war, „durch das Gebet den reichsten Segen vom Himmel auf die Eingeborenen herabzuziehen“ und berichtete bei einem Rombesuch dem Heiligen Vater Pius IX. von seinem Vorhaben. Der Papst war ebenfalls der Meinung, dass gegen den Islam ein „Kreuzzug des Gebets“ nötig sein würde. Auch Msgr. Pavy stimmte den Zielen der Gebetsgemeinschaft zu und errichtete sie im Jahr 1858 als Erzkonfraternität, die auch Mitglieder aus anderen Diözesen aufnahm. Zentrum der Konfraternität war nach den Konstitutionen zunächst die provisorische Kapelle. Alle Mitglieder sollten täglich ein Pater noster, ein Ave und ein Gloria patri mit der Anrufung „Unbeflecktes Herz Mariens, bitte für uns für die armen Ungläubigen!“ beten. Jeden Samstag wurde das Messopfer auf dem Altar Unserer Lieben Frau von Afrika für die Intention der Erzkonfraternität gefeiert; das Hauptfest war der 22. August, das Fest des Unbefleckten Herzens Mariens. Für die Mitglieder in den einzelnen Diözesen sollte jeweils ein Priester die Korrespondenz mit der Leitung der Erzkonfraternität übernehmen und die Mitgliedernamen an diese übermitteln. Die Konfraternität hatte bald mehrere zehntausend Mitglieder in ganz Frankreich. Später kamen Mitglieder aus Deutschland, der Schweiz und selbst aus den Missionen in Thailand hinzu. Besondere Förderung erhielt die Konfraternität auch durch die Weißen Väter, die 1868 von Msgr. Lavigerie in Algier gegründet worden waren und sich unter den besonderen Schutz Unserer Lieben Frau von Afrika gestellt hatten.

 Im frühen 20. Jahrhundert geriet die Konfraternität zusehends in Verfall, da die Priester Frankreichs durch die kirchenfeindlichen Gesetze von 1905 in ihrer Tätigkeit behindert wurden. Zudem überließen die Weißen Väter die Seelsorge in Algier dem Weltklerus und konzentrierten sich vor allem auf ihre Missionen an den Afrikanischen Großen Seen. Am 6. Januar 1923 errichtete Msgr. Augustin-Fernand Leynaud, Erzbischof von Algier, die Gebetsgemeinschaft neu und machte in dem dazugehörigen Hirtenbrief darauf aufmerksam, wie stark der Zug der muslimischen Bevölkerung zu Unserer Lieben Frau von Afrika war. Viele Moslems kamen und kommen noch heute in die Basilika, um zu Meriem zu beten. Er wies noch einmal darauf hin, dass die Bekehrung der muslimischen Welt mit eifrigerem und beharrlichem Gebet beschleunigt werden kann. Die Konstitutionen wurden geringfügig verändert: die Anrufung lautete nun „Unsere Liebe Frau von Afrika, bitte für uns und für die Moslems und die anderen Ungläubigen in Afrika“, während das Hauptfest auf Epiphanie gelegt wurde.

Wie viele andere Wallfahrtsorte auch haben zahlreiche Gläubige bei Unserer Lieben Frau von Afrika die Erhörung ihrer Gebete und sogar wunderbare Heilungen erfahren. So trägt sie auch den Beinamen der „Trösterin der Betrübten“. Ebenso verehrten die Seefahrer Algiers sie in einer eigenen Bruderschaft.[6]

Eine besondere Pilgergruppe brachte im Jahr 1914 Unserer Lieben Frau ihre Verehrung dar. Eine Gesandtschaft der katholischen Häupter Ugandas unter Führung ihrer Missionare, der Weißen Väter, dankte Maria für die Gnaden, die ihr Volk besonders in den vorangegangenen Jahren erhalten hatte:

„Am 19. Februar 1914 sah die Kirche U.L. Frau von Afrika bei Algier eine seltene Feier: vier der vornehmsten Baganda weihten im Namen ihrer 200.000 katholischen Landesbrüder ihr Vaterland der Mutter Gottes.

Diese Wallfahrtskirche ist mit der Geschichte der Weißen Väter und der Ugandamission innig verknüpft: hier wurde der erste Priester der jungen Gesellschaft geweiht, von hier aus sandte Kardinal Lavigerie 1878 die erste Karawane seiner Missionäre ins Herz des schwarzen Erdteils, nach Uganda.

Der Sturm einer blutigen Christenverfolgung ist seitdem über die junge Saat dahingebraust und hat Uganda und der ganzen Kirche 22 Negermärtyrer geschenkt. Und das Blut dieser Märtyrer ist der Same neuer Christen geworden: aus den 4000 Katholiken Ugandas zu Beginn der Verfolgung (1886) sind über 220.000 geworden.

Die frohen Ereignisse der letzten Jahre, die Einleitung des Seligsprechungsprozesses der Bagandamärtyrer und die Weihe der ersten Bagandapriester haben den Katholiken die Größe ihrer Dankesschuld gegen Maria wieder klar vor Augen gestellt und sie gedrängt, aus den Edelsten ihres Volkes vier Gesandte zu wählen, die der Königin Afrikas in ihrem Heiligtum den Dank des ganzen Volkes abstatten sollten. 

Zugleich sollten sie das Mutterhaus der Weißen Väter, Maison Carée, aufsuchen, von dem so viel Segen über Uganda ausgegangen, ihren erkrankten Oberhirten, Bischof Streicher, dort begrüßen und dann als Vertreter des Volkes zum Grabe des Erlösers nach Jerusalem, zum Heiligen Vater in Rom und nach Lourdes wallfahren.

Die Erwählten waren Stanislaus Mugwanja, der bekannte Justizminister des Königreichs Uganda, Alexis Pokino, Statthalter der Provinz Buddu, und der Prinz Joseph Mosonge Wulugembe, Enkel des Königs Mtesa und Vetter des jetzigen Königs. Außerdem hatte Stanislaus aus der Schar seiner 17 Kinder seinen Sohn Benedikt an der Reise teilnehmen lassen.

Am Morgen des 19. Februar wurden die vier Baganda in feierlichem Zuge in die Basilika geleitet, wo sich die Weißen Väter und Schwestern aus dem Mutterhause und dem Noviziat, der Ordens- und Weltklerus und die Katholiken von Algier und Umgebung zur Feier versammelt hatten. Nach dem Pontifikalamt, das Bischof Streicher von Uganda unter Assistenz des Bischofs Livinhac, des Generaloberen der Weißen Väter, zelebrierte, las Stanislaus Mugwanja mit fester Stimme die feierliche Weihe vor: 

‚O heiligste Jungfrau Maria, unsere Mutter, schaue auf uns Kinder Ugandas, die wir hier vor dir knien. 

Wir sind gekommen, um dir in unserem Namen und in dem aller katholischen Baganda Dank zu sagen für die wunderbare Ausbreitung, welche unsere heilige Religion in unserem Land genommen hat. 

Wir danken dir auch für die große Anzahl seeleneifriger Priester, die du zu uns gesandt hast, damit sie uns in den Wahrheiten des Glaubens unterrichten. Wir weihen dir unser Land und unterstellen es deiner Obhut. 

Nimm unsere Weihe huldvoll an und erwirke allen jenen, die unseren heiligen Glauben bereits angenommen haben, die Gnade, ihm treu zu bleiben, jenen unserer Landsleute aber, die dich noch nicht kennen, sowie die Völker rings umher, das unschätzbare Glück, katholisch zu werden und so dahin gelangen, in Wahrheit Jesus, unseren Herrn und Seligmacher, kennen und lieben zu lernen. 

Stanislaus Mugwanja, Alexis Pokino, Josefu Wulugembe.‘

‚Wiewohl wir die Worte nicht verstanden‘, schreibt ein Augenzeuge, ‚hörten wir doch aus seinem Vortrag die tiefe Ergriffenheit heraus.‘

Die schönste Freude bot dieser Tag dem greisen Generalobern der Weißen Väter[7], der als einer der ersten die frohe Botschaft in Uganda verkündet und als Oberhirte der Kirche Ugandas die blutige Verfolgung in ihrer ganzen Bitterkeit verkostet hatte.“

Wie bereits in den frühesten Tagen des Wallfahrtsortes, als sich Muslime den Prozessionen zu Notre-Dame du Ravin anschlossen, so ist die Basilika Unserer Lieben Frau von Afrika auch heute, über 60 Jahre nach Ende der französischen Herrschaft über Algerien und dem fast vollständigen Exodus der christlichen Bevölkerung, eine Stätte, an dem viele Anhänger des Islams sich den Segen von „Meriem“ erbitten. Möge Msgr. Pavys Wunsch in Erfüllung gehen und die Mutter Gottes ihnen die Erkenntnis von der Göttlichkeit ihres Sohnes Jesus Christus vermitteln.



[1] Msgr. Pavy lernte die beiden tugendhaften Frauen, die sich gemeinsam Werken der Nächstenliebe widmeten, als Vikar der Lyoner Pfarrei Saint-Bonaventure kennen.
[2] https://lesfrancais.press/algerie-la-basilique-de-notre-dame-dafrique-a-fete-ses-150-ans/
[3] Heute Bologhine genannt.
[4] Bilhard, A.: Pèlerinage de Notre-Dame d’Afrique à Alger. impr. de Lamarque et Rives, Toulouse 1858
[5] Msgr. Pavys Leichnam wurde auf seinen Wunsch nach der Fertigstellung der Basilika dorthin übertragen und vor dem Hochaltar bestattet.
[6] Lavigerie, Charles:  Notice sur le pèlerinage de Notre-Dame d'Afrique à Alger (2e éd. revue, corrigée et augmentée). Algier 1924
[7] Msgr. Léon Livinhac, erster Apostolischer Vikar von Victoria-Nyanza.