Samstag, 30. Juni 2012
AKTUELL: In der Diözese Itanagar kommt es zu unerklärlichen Heilungen – Zahl der Katholiken um 40 Prozent gewachsen
Ein interessanter Artikel von katholisches.info:
Das Blut der Märtyrer ist der Samen des Christentums
Wenige Monate sind verflossen, seit P. Angelus Palic O.F.M. in Djakova (Albanien) von fanatischen Montenegrinern (Schismatiker) um seines Glaubens willen ermordet wurde. Über die Einzelheiten haben die Tagesblätter ausführlich berichtet.
Der Bau der Sühnekirche, die auf der Todesstätte errichtet werden soll, ist kaum begonnen und schon kommt aus China die Kunde von einem neuen Märtyrer aus dem seraphischen Orden, dem P. Franz Bernat, Missionär in Ju-lin-fu (Nord-Schensi). Die näheren Umstände seines Todes berichtet sein Mitarbeiter in Ju-lin-fu, P. Perera O.F.M. (Vgl. Franciscan Herald 1913, S288 ff.).
Am Feste des hl. Antonius von Padua (13. Juni) ritt P. Bernat mit einem chinesischen Diener zur nächsten Missionsstation. Unterwegs, in dem Städtchen Tschen-ma-sie, wurden sie plötzlich von einer Rotte Revolutionäre umringt, die dem Diener befahlen, sogleich abzusteigen. Als dieser sich weigerte, bedeutete ihm P. Bernat, niederzuknien und seine Seele Gott zu empfehlen. Der Diener gehorchte.
Kaum hatte er sein Gebet begonnen, als ihm einer der Mordgesellen das Messer in den Nacken stieß. Im selben Augenblick drangen auch schon zwei andere mit gezückten Schwertern auf den Pater ein. Ruhig wehrte P. Bernat sie mit beiden Händen ab und bat: „Wartet noch, ich habe noch einige Worte zu sagen.“
Nur wenige Augenblicke ließ man ihm zu einem stillen Gebet, da stürzte sich einer der Revolutionäre von hinten auf ihn und spaltete ihm das Haupt.
Welche Absichten die Mörder lenkten, wissen wir nicht genau; eines jedoch steht nach dem einstimmigen Zeugnis seiner Mitbrüder und seines Bischofs fest: P. Bernat hat wie ein Heiliger gelebt und wie ein Heiliger gewirkt.
Am 14. März 1876 in einem katalanischen Städtchen geboren, machte er seine Studien bei den Franziskanern, trat 1891 zu Vich bei Barcelona ins Noviziat, empfing 1900 dort die heilige Priesterweihe und arbeitete mit große Erfolg in der Seelsorge.
Von heiligem Eifer beseelt, bat er bald nach seiner Weihe die Oberen, ihn in die Mission nach China zu schicken, wo der Boxerkrieg die Reihen der Missionäre stark gelichtet hatte. Doch da er daheim nicht entbehrlich war, wurde ihm erst im August 1908 dieser Wunsch erfüllt.
Fünf Jahre lang arbeitete er unermüdlich für seine Katechumenen und Waisenkinder. Wie seine Mitbrüder und sein Oberhirte, Bischof Ibanez, ausdrücklich bezeugen, soll er viele Wunder, besonders Heilungen, gewirkt haben.
Ein schönes Zeugnis für seinen glühenden Seeleneifer sind die herrlichen Worte, die er kurz vor seinem Tode zu seinem Mitbruder, P. Perera, sprach: „Wollen wir viele Christen heranbilden, dann müssen wir zuerst Märtyrer haben. Wenn dieses Land mit dem Blute eines Märtyrers getränkt ist, dann wird es überreiche Frucht bringen. Perera, wer von uns beiden wird der erste sein?“
Das Märtyrerblut ist geflossen; für China betet in dieser Stunde der Entscheidung ein neuer Fürsprecher am Throne Gottes.
(Aus: die katholischen Missionen, 1914)
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Freitag, 29. Juni 2012
Eine besondere Tiara für Papst Leo XIII. aus Papua-Neuguinea
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| Karte zum 50. Priesterjubiläum von Papst Leo XIII. 1888 |
Es wird unsere Leser gewiss freuen, zu sehen, wie liebevoll und väterlich der Heilige Vater seine Missionäre aufzunehmen pflegt.
„Der 18. Oktober“, so schreibt Msgr. Verius aus der Kongregation des heiligsten Herzens von Issoudun, der junge, inzwischen leider schon (am 13. November 1892) verstorbene Koadjutor des Apostolischen Vikars von Neuguinea, „war der für die Audienz festgesetzte Tag…“
Beim Eintritt in den Saal „trug. P. Jouet auf einem Kissen eine Tiara ganz neuer Art. Ihre drei übereinanderstehenden Kronen bestanden nämlich aus upi-upi, d.h. aus dem Federdiadem unserer bekehrten Häuptlinge.
Mein kleiner Sekretär P. Claudius Allcroa trug auf einem anderen Kissen zwei Äxte (pâpu) und zwei Keulen (mapui) der Wilden und hielt zugleich das Banner der Mission. Ich selber trug die Karte der St. Josephs-Mission mit einem Plan vom Leo-Hafen und unsere handschriftlichen Werke in der Noro-Sprache, nämlich die beiden Wörterbücher, die Grammatik und die biblischen Geschichte.“
Sobald der Heilige Vater die Missionäre sah, lud er sie mit Wort und Handbewegung ein, die üblichen Kniebeugungen rasch zu machen, um gleich in seine Nähe zu kommen.
Die Tiara des P. Jouet erregte sofort seine Aufmerksamkeit. „Was für eine schöne Tiara bringen Sie mir hier“ — „Heiliger Vater, sie ist aus Federkronen gemacht, die unsere bekehrten Häuptlinge vom Leo-Hafen Eurer Heiligkeit zu Füßen legen, um Sie als den ‚Häuptling der Häuptlinge‘ anzuerkennen und Ihnen ihre Huldigung darzubringen. Gern hätten sie Eurer Heiligkeit ein kostbareres Geschenk dargebracht, allein diese Kronen bilden ihren größten Reichtum.“ — „Sehr gut, sehr gut“, unterbrach der Heilige Vater, „ich bin ganz gerührt von ihrer treuen Ergebenheit und Aufmerksamkeit. Aber erzählen Sie mir ein wenig, wie sie diese Kronen machen.“
Der Missionär erzählte nun Sr. Heiligkeit von den herrlich gefiederten Vogelarten des Landes, besonders dem sogenannten Paradiesvogel, dessen Federn als Schmuck am meisten geschätzt sind.
Der Heilige Vater betrachtete dann die Kronen mit sichtlichem Wohlgefallen. Das eigenartige Geschenk machte ihm offenbar große Freude.
Nun kamen die Karten an die Reihe. Der Plan von Port Leon gefiel dem Papst besonders, und er stellte eine ganze Reihe sehr ins einzelne gehender Fragen über Sprache, Sitten der Wilden und ihre Stimmung den Missionären gegenüber. Die größte Freude machte es ihm, als er erfuhr, dass ganz Port Leon bereits bekehrt und getauft sei, und wie eifrig die jungen Christen im Empfang der heiligen Sakramente und wie dankbar sie dem „Großen Häuptling“ seien, der ihnen die Missionäre geschickt habe.
Der Heilige Vater erkundigte sich dann des Weiteren über die Familienverhältnisse, wie es mit der Heiligkeit der Ehe stehe, und ob die Insulaner auch den Rosenkranz beteten. „Als ich dies“, so erzählte Msgr. Verius, „bejahte und beifügte, dass ich daran sei, für dieselben auch die Enzyklika Sr. Heiligkeit über den Rosenkranz zu übersetzen, leuchtete das Antlitz des Papstes auf vor Befriedigung.“
Dann wurde die Besichtigung der Karte fortgesetzt, und der Papst segnete der Reihe nach die mit dem rotem Kreuz versehenen Stationen der katholischen Mission Pinupaka, Mohu, Bereïna, Babiko, Inacoi u.v.a.
„Ich bemerkte darauf, dass noch viele Dörfer gar keine Missionäre hätten und dass das Vikariat weit ausgedehnt sei. Der Heilige Vater erkundigte sich nach der Zahl der Missionäre und war erstaunt, dass es so wenige seien. ‚Sagen Sie Ihrem Generaloberen,‘ so wandte sich der Papst an den Prokurator der Mission P. Jouet, ‚dass er der Mission 30 Missionäre schicke, denn die Stunde der Gnade ist für diese Völker gekommen, man darf sie nicht verstreichen lassen.‘
Nachdem der Papst hierauf das Missionsbanner gesegnet hatte, betrachtete er die dargereichten Waffen der Wilden und sprach den Wunsch aus, dass dieselben in Zukunft nur noch zu Werken des Friedens dienen möchten.
Nachdem der Papst hierauf das Missionsbanner gesegnet hatte, betrachtete er die dargereichten Waffen der Wilden und sprach den Wunsch aus, dass dieselben in Zukunft nur noch zu Werken des Friedens dienen möchten.
Nun kamen die geschriebenen Noro-Werke an die Reihe, und der Heilige Vater ließ sich die von den Wilden an ihn gerichtete Adresse als Sprachprobe vorlesen und fand an dem Laut und am Inhalt gleiches Gefallen. ‚O welch traute Einfalt!‘ rief er aus. ‚Sagen Sie Ihren Kindern, wie sehr mich alles gerührt hat, was sie mir sagen lassen.
Der Heilige Vater unterredete sich dann noch mit P. Allcroa und sprach mit Begeisterung von dem Beruf des Missionärs. ‚Wie schön ist der Beruf, den Sie erwählt haben! Man muss sich ihm aber nicht halb, sondern mit ganzer Seele und ganzer Kraft weihen. Vor allem bedarf es großen Mutes und großer Selbstverleugnung, um ganz und allein nur für die Seelen zu arbeiten.
Sie sind berufen, die Fortsetzer des Erlösungswerks zu sein. Folgen Sie unserem Herrn, er hat Ihnen den Weg gezeigt.‘
Der Heilige Vater unterredete sich dann noch mit P. Allcroa und sprach mit Begeisterung von dem Beruf des Missionärs. ‚Wie schön ist der Beruf, den Sie erwählt haben! Man muss sich ihm aber nicht halb, sondern mit ganzer Seele und ganzer Kraft weihen. Vor allem bedarf es großen Mutes und großer Selbstverleugnung, um ganz und allein nur für die Seelen zu arbeiten.
Sie sind berufen, die Fortsetzer des Erlösungswerks zu sein. Folgen Sie unserem Herrn, er hat Ihnen den Weg gezeigt.‘
Zum Schluss gab er den Missionären und in ihnen den abwesenden Mitbrüdern und der ganzen Mission den apostolischen Segen. ‚Wenn Sie zurückkehren, so sagen Sie den Wilden, dass dieser Segen ein Dreifaches bedeutet:
1. Dass die Nachricht ihrer Bekehrung den Papst sehr gefreut, und dass ihre Geschenke ihn sehr gerührt hätten; 2. Dass der Papst sehr zufrieden sei mit ihrer guten Gesinnung und ihrer Liebe zu den Missionären; und 3. Dass der Papst den Wunsch hege, sie möchten in dieser Gesinnung verharren und noch bestärkt werden.‘
So endete diese Audienz, die den Missionären gewiss unvergesslich bleiben wird.“
(Aus: die katholischen Missionen, 1893)
Donnerstag, 28. Juni 2012
Das heiligste Altarssakrament – Trost für Missionäre und Indianer
„Gehet hin zu allen Völkern“ und „Ich will bei euch bleiben alle Tage“ sprach einst der Heiland zu seinen Aposteln.
Niemand kommt das Tröstliche dieser Worte mehr zum Bewusstsein als den Missionären, die am Ende der Welt allein in unabsehbarer Wildnis und öder Einsamkeit verbannt leben.
Was sie tröstet und ihr Opfer leicht macht, das ist der Heiland, der im heiligsten Sakrament sich mit ihnen in die weite Verbannung begeben hat.
Sehr schön sprach sich hierüber vor einiger Zeit ein Missionsbischof aus dem hohen Norden Amerikas aus, der eine Zeitlang in Angelegenheiten seiner Mission in Europa weilte.
Was ist das heiligste Sakrament für den Missionär? Es ist für ihn geradezu alles. Wenn wir (gemeint sind die Patres Oblaten von der unbefleckten Empfängnis in Britisch-Nordamerika) zur Gründung einer neuen Mission ausgehen, so nehmen wir ein Zelt mit, in dem wir wohnen, bis die Hütte aus rohen Baumstämmen fertig geworden ist. In dieser Blockhütte wird eine Ecke ausgewählt und hier aus Brettern, oder wenn diese fehlen, aus Lattenwerk und einigen Vorhängen eine Art Alkoven errichtet.
Hier nimmt dann das heiligste Sakrament, das Geschenk Gottes, seine Wohnung, in der ersten Zeit oft in der ganzen weiten Runde nur einem bekannt, dem Missionär. Anfangs trug ich beinahe Scheu, dem Heiland eine solche Wohnung anzubieten; allein die Erwägung, wie sehr der Missionär dieses Trostes bedarf, hob mein Bedenken.
Auf meiner ersten Pastoralreise kam ich bis an die Mündung des Mackenzie. Es war Oktober. Die Missionäre waren von meiner Ankunft benachrichtig und einer der dort stationierten Oblaten kam mir entgegen.
Er war allein, sagte aber: ‚Mein Gefährte wird gleich nachkommen, aber langsam, denn er ist sehr krank.‘ Richtig, da kam auch schon der arme Invalide heran, auf einen Stock gestützt, sich mühsam voranschleppend, an Asthma fast erstickend – und doch erst 30 Jahre alt.
Ich folgte ihnen in ihre Wohnung, eine Art Holzschuppen, 25 Fuß im Geviert. Meine Blicke suchten sofort die kleine Kapelle, den Alkoven, von dem ich oben sprach. Ich sah aber nichts. ‚Wir hatten keine Bretter, gnädiger Herr, und konnten darum keine Kapelle errichten.‘ Sie zeigten mir einen hölzernen Tisch, roh gezimmert und gegen die Wand gestellt, an welche zwei Bilder festgeklebt waren. ‚Hier lesen wir die heilige Messe, aber das Allerheiligste können wir nicht aufbewahren.‘
Ich schwieg still und weinte mit den beiden. Es wurde mir aber in den folgenden Tagen immer klarer, dass dies nicht so bleiben dürfe, und sagte zu dem Pater, der noch gesund war: ‚Gehen Sie in den Wald und holen Sie mir einige Pfähle, die vom Boden bis zur Decke des Zimmers reichen.‘ Sie mussten übrigens nicht sehr lang sein, denn ich brauchte nicht meine Mitra aufzusetzen, um mit dem Kopf an die Decke zu stoßen.
Nachdem wir die beste Ecke ausgesucht hatten, trieben wir die Pfähle in den Boden, verbanden die Zwischenräume mit einigen alten Fischernetzen, tapezierten dieselben mit alten Zeitungen, bedeckte diese mit Vorhängen aus Baumwollstoff, und siehe, das kleine Heiligtum war fertig.
Dann segnete ich das Pappendeckelgehäuse, das wir mit einigen Stückchen Seide überzogen, und beherbergten hier den Gott von Betlehem, den Trost der Missionäre.
Als ich nach zwei Monaten Abschied nahm, verließ ich die beiden Missionäre mit dem Bewusstsein, ihnen durch die bleibende Gegenwart der heiligen Eucharistie den größten Dienst erwiesen zu haben, der ihnen zu teil werden konnte.“
Der Bischof lud dann den armen Kranken ein, im nächsten Frühjahr, wenn die Flüsse wieder schiffbar würden, auf dem Boot nach seiner Residenz überzusiedeln, wo die Klosterfrauen ihn besser verpflegen könnten. „Gnädiger Herr,“ war seine Antwort, „ich habe nur eine Bitte, schicken Sie mich nicht fort von hier.“…“Ich ließ ihm seinen Willen, hoffte aber, als im Frühling die Boote kamen, immer den kranken Pater zu erblicken, denn obschon ich ihm volle Freiheit gelassen hatte, dachte ich, dass sein Zustand ihn schließlich dazu zwingen werde.
Allein bald brachte sein Gefährte die Kunde, dass der Kranke gestorben sei. Bis vier Tage vor dem Ende hatte er noch die heilige Messe gelesen, und zwei Stunden, ehe er verschied, zum letzten Mal die heilige Kommunion empfangen.
Er starb ausgestreckt auf dem Boden, mit einem Tierfell bedeckt, seine Augen auf das kleine Tabernakel gerichtet, das sein Gefährte auf Wunsch des Sterbenden geöffnet hatte, damit dieser die heilige Hostie sehen könne.
‚Wo wollen Sie am liebsten begraben sein?‘ fragte ihn sein Mitbruder wenige Tage vor dem Tode; ‚ vielleicht unter dem Kreuz, das wir zusammen errichtet haben?‘ – ‚Nein‘, sagte der Sterbende, ‚begraben Sie mich zwischen den beiden Indianern, die ich zuletzt mit eigener Hand beerdigt habe.‘ Er starb, den Blick auf das Allerheiligste gerichtet. Gewiss ein schöner, eines Apostels würdiger Tod.“
Wie tief und lebendig auch die neubekehrten Indianer das wundervolle Geheimnis des göttlichen Fronleichnams erfassen, davon erzählte derselbe Missionsbischof einige wirklich rührende Züge.
„Unsere Wilden nennen die heilige Eucharistie ‚die gute Medizin Gottes, welche das Herz stark macht‘.
Das ist der Name, den die Missionäre dem Sakrament der Firmung gegeben haben, allein die Wilden haben ihn auf die heilige Kommunion übertragen.
Es beweist, wie gut sie deren Natur erfassen. Ich fragte einst eine alte Indianerin, warum sie denn Christin geworden sei. ‚Weil ich‘, so erwiderte sie, ‚früher in meinen Nöten nichts besaß, um mein Herz zu stärken.‘ Sie hatte dies im heiligsten Sakrament gefunden.
Es ist der Brauch der Indianer, im Frühling und Herbst gruppenweise zu unserer Mission zu kommen. Sie lagern um die Residenz und verbleiben mehrere Wochen, um ihre Seele durch Empfang der heiligen Sakramente und Anhörung des Unterrichts wiederum zu kräftigen.
Es ist bei dieser Gelegenheit immer leicht, diejenigen herauszufinden, welche ein besonderer Kummer drückt. Das unfehlbare Zeichen dafür ist der häufigere Empfang der heiligen Kommunion.
Hier suchen und finden sie Trost. Ein Indianer hatte seinen einzigen Sohn verloren. Er befand sich unter anderen, die gerade auf einige Tage zu uns gekommen waren.
Nach dem Empfang der heiligen Kommunion drückte er dem Missionär unter Schluchzen die Hand. ‚Warum weinst du denn noch immer?‘ fragte ihn dieser; ‚du weißt doch, dass dein Sohn nur halb gestorben ist und dass du ihn bald in der Seligkeit des Himmels wiederfinden wirst.‘ – ‚ Ja Vater,‘ gab er zur Antwort, ‚ich weiß das; und seit ich deinen Worten gelauscht und die gute Medizin, die das Herz stark macht, empfangen habe, weinen zwar meine Augen noch, das ist wahr; aber mein Herz weint nicht mehr.‘
Wie wunderschön ist dieses Wort im Munde eines armen Wilden!
Denkt man da nicht unwillkürlich an den Ausspruch des Erlösers:
‚Und die Letzten (die armen Wilden) werden die Ersten, und die Ersten (so manche alte Christen) werden die letzten sein‘?
(Aus: die katholischen
Missionen, 1894)
Ein Katholikentag, wie er im Buche steht (Teil 2)
Fortsetzung von hier
An diesem Tag war morgens um 6 Uhr die Kommunionmesse in der Hauskapelle, in der ziemlich viele Indianer zum ersten Mal das heiligste Sakrament empfingen; dann kam das Hochamt, nach welchem der hochw. Herr Bischof predigte — P. Digmann war sein Dolmetscher — und die heilige Firmung erteilte.
Über hundert Indianer hatten das Glück, dieses heilige Sakrament zu empfangen, und der Bischof sprach so schön und apostolisch, dass es einem warm ums Herz wurde.
Sein Thema war die Kirche und das Walten des Heiligen Geistes in derselben und unter den Lakotas, und zuletzt empfahl er seinen Neubekehrten das Gebet, die Arbeit und den demütigen Gehorsam, was er alles wieder in dem Rosenkranzgebet zusammenfasste, und dieses legte er allen aufs wärmste ans Herz.
Nach der Firmung wurde ein Lakotahymnus gesungen, in dem alle Lakotas aufgefordert wurden, dem Rufe Gottes zur katholischen Kirche zu folgen, und hiermit wurde der 7. Katholische Indianerkongress beschlossen.
Neben dieser großen Versammlung wurden im Lauf der drei Tage noch viele kleinere gehalten, und alle hatten den einen Zweck, das katholische Leben unter den Indianern zu fördern.
Es war wirklich erbaulich, wie diese einfachen Naturkinder am frühen Morgen schon sich zum gemeinsamen Morgengesang versammelten, oder wie sie in kleinen Prozessionen, mit den Abzeichen ihrer Sodalität angetan, die Kranken in den einzelnen Lagern besuchten, um sie durch Gesang und Gebet zu trösten.
Aus welcher Absicht solche gemeinsamen Kundgebungen des christlichen Lebens stattfinden, hatte ich schöne Gelegenheit zu beobachten.
Wir hatten ein Begräbnis während des Kongresses. Da kamen nun die Indianer von Standing Rock zu mir und sagten: ‚Wir wollen alle mit zum Begräbnis gehen, mit allen Abzeichen und fliegenden Fahnen; so lernen die Indianer, wie sie beerdigen sollen. Die wissen noch gar nichts; wir wollen es ihnen aber zeigen.‘
Der Vorschlag wurde natürlich angenommen, und das Beispiel wir sicher seine Früchte bringen.
Überaus schön war der Abschied am Montag den 20. Juli. Da hatten sich alle Sodalitäten unten vor der Kapelle aufgestellt und erwarteten den Bischof.
Bis er kam, verbrachten sie die Zeit mit Absingen frommer Lieder. Der hochw. Herr hielt der versammelten Menge noch eine herzliche Ansprache, in welcher er ihr das Fundament der christlichen Gesellschaft, die Heiligkeit der Ehe, ans Herz legte. Dann erteilte er allen den Segen.
Jetzt löste sich der Kreis und die von Standing Rock und Cheyenne River und die Lower Brules und Crow Creeks passierten an meinen Leuten von der Pine Ridge Agentur vorbei und schüttelten jedem die Hand.
So gingen sie nach Haus, und der liebe Gott und ihre heiligen Schutzengel begleiteten sie sicher auf ihrer langen, beschwerlichen Heimreise.
Der feierliche Empfang
des hochw. Herrn Bischofs war das erste auf dem Programm, und er verlief auf
wirklich erhebende Weise.
Es war eine stattliche, malerische Prozession, die sich mit dem Bischof und den Patres in der Mitte von der Kapelle nach der Laubhütte in Bewegung setzte.
Wie froh doch die Banner wehten, und wie bunt und freundlich die Indianer und Indianerinnen in ihren Sodalitätsabzeichen ausschauten! Die Laubhütte hatten wir bei dem Versammlungshaus aufgeschlagen; an einem Ende aber stand ein großes, viereckiges Zelt, in welchem wir einen Altar aufstellten, weil dort der Gottesdienst jeden Tag stattfinden sollte. Dorthin geleiteten wir den Bischof.
Nach einer herzlichen kurzen Ansprache kamen alle Sodalitäten, zuerst die Männer und dann die Frauen, herbei und begrüßten ihren Oberhirten und die Patres; darauf wurde das Programm für die folgenden drei Tage verlesen und schließlich einige praktische Winke in Bezug auf die Austeilung der Lebensmittel gegeben.
Unser Programm war sehr einfach. Die ersten zwei Tage fand stets um 9 Uhr das Hochamt statt. P. Zahm war am ersten Tag der Zelebrant, und P. Digmann predigte über die Eigenschaften des Glaubens; am zweiten Tag zelebrierte P. Digmann, und P. Bernhard O.S.B. predigte über die Gottes- und Nächstenliebe.
Der hochw. Bischof wollte anfangs Hochämter coram Episcopo haben, allein auf mein Zureden stand er davon ab; ich fürchtete mit gutem Grund, dass unser Oberhirte es nicht aushielte, und so hatten wir nur ein Hochamt coram Episcopo und zwar am letzten Tag des Kongresses.
Es war eine stattliche, malerische Prozession, die sich mit dem Bischof und den Patres in der Mitte von der Kapelle nach der Laubhütte in Bewegung setzte.
Wie froh doch die Banner wehten, und wie bunt und freundlich die Indianer und Indianerinnen in ihren Sodalitätsabzeichen ausschauten! Die Laubhütte hatten wir bei dem Versammlungshaus aufgeschlagen; an einem Ende aber stand ein großes, viereckiges Zelt, in welchem wir einen Altar aufstellten, weil dort der Gottesdienst jeden Tag stattfinden sollte. Dorthin geleiteten wir den Bischof.
Nach einer herzlichen kurzen Ansprache kamen alle Sodalitäten, zuerst die Männer und dann die Frauen, herbei und begrüßten ihren Oberhirten und die Patres; darauf wurde das Programm für die folgenden drei Tage verlesen und schließlich einige praktische Winke in Bezug auf die Austeilung der Lebensmittel gegeben.
Unser Programm war sehr einfach. Die ersten zwei Tage fand stets um 9 Uhr das Hochamt statt. P. Zahm war am ersten Tag der Zelebrant, und P. Digmann predigte über die Eigenschaften des Glaubens; am zweiten Tag zelebrierte P. Digmann, und P. Bernhard O.S.B. predigte über die Gottes- und Nächstenliebe.
Der hochw. Bischof wollte anfangs Hochämter coram Episcopo haben, allein auf mein Zureden stand er davon ab; ich fürchtete mit gutem Grund, dass unser Oberhirte es nicht aushielte, und so hatten wir nur ein Hochamt coram Episcopo und zwar am letzten Tag des Kongresses.
An diesem Tag war morgens um 6 Uhr die Kommunionmesse in der Hauskapelle, in der ziemlich viele Indianer zum ersten Mal das heiligste Sakrament empfingen; dann kam das Hochamt, nach welchem der hochw. Herr Bischof predigte — P. Digmann war sein Dolmetscher — und die heilige Firmung erteilte.
Über hundert Indianer hatten das Glück, dieses heilige Sakrament zu empfangen, und der Bischof sprach so schön und apostolisch, dass es einem warm ums Herz wurde.
Sein Thema war die Kirche und das Walten des Heiligen Geistes in derselben und unter den Lakotas, und zuletzt empfahl er seinen Neubekehrten das Gebet, die Arbeit und den demütigen Gehorsam, was er alles wieder in dem Rosenkranzgebet zusammenfasste, und dieses legte er allen aufs wärmste ans Herz.
Nach der Firmung wurde ein Lakotahymnus gesungen, in dem alle Lakotas aufgefordert wurden, dem Rufe Gottes zur katholischen Kirche zu folgen, und hiermit wurde der 7. Katholische Indianerkongress beschlossen.
Wenn nun aber einer
glauben wollte, die gemeinsame Anhörung der heiligen Messe und der Empfang der
heiligen Sakramente sei das einzige hervorragende Merkmal dieser Kongresse, so
würde er sich täuschen.
Wie bei den früheren, so hielten auch bei diesem Kongress unsere Indianer Versammlungen ab, in denen sie mit all ihren Leiden und Freuden und Plänen und Hoffnungen herauskamen.
Solch eine Versammlung hatten sie am 17. nachmittags vor dem hochw. Herrn Bischof, und der ernste Eifer, mit denen die Präsidenten der einzelnen Sodalitäten da sprachen, verfehlten nicht, den günstigsten Eindruck zu machen.
Wie bei den früheren, so hielten auch bei diesem Kongress unsere Indianer Versammlungen ab, in denen sie mit all ihren Leiden und Freuden und Plänen und Hoffnungen herauskamen.
Solch eine Versammlung hatten sie am 17. nachmittags vor dem hochw. Herrn Bischof, und der ernste Eifer, mit denen die Präsidenten der einzelnen Sodalitäten da sprachen, verfehlten nicht, den günstigsten Eindruck zu machen.
Neben dieser großen Versammlung wurden im Lauf der drei Tage noch viele kleinere gehalten, und alle hatten den einen Zweck, das katholische Leben unter den Indianern zu fördern.
Es war wirklich erbaulich, wie diese einfachen Naturkinder am frühen Morgen schon sich zum gemeinsamen Morgengesang versammelten, oder wie sie in kleinen Prozessionen, mit den Abzeichen ihrer Sodalität angetan, die Kranken in den einzelnen Lagern besuchten, um sie durch Gesang und Gebet zu trösten.
Aus welcher Absicht solche gemeinsamen Kundgebungen des christlichen Lebens stattfinden, hatte ich schöne Gelegenheit zu beobachten.
Wir hatten ein Begräbnis während des Kongresses. Da kamen nun die Indianer von Standing Rock zu mir und sagten: ‚Wir wollen alle mit zum Begräbnis gehen, mit allen Abzeichen und fliegenden Fahnen; so lernen die Indianer, wie sie beerdigen sollen. Die wissen noch gar nichts; wir wollen es ihnen aber zeigen.‘
Der Vorschlag wurde natürlich angenommen, und das Beispiel wir sicher seine Früchte bringen.
Überaus schön war der Abschied am Montag den 20. Juli. Da hatten sich alle Sodalitäten unten vor der Kapelle aufgestellt und erwarteten den Bischof.
Bis er kam, verbrachten sie die Zeit mit Absingen frommer Lieder. Der hochw. Herr hielt der versammelten Menge noch eine herzliche Ansprache, in welcher er ihr das Fundament der christlichen Gesellschaft, die Heiligkeit der Ehe, ans Herz legte. Dann erteilte er allen den Segen.
Jetzt löste sich der Kreis und die von Standing Rock und Cheyenne River und die Lower Brules und Crow Creeks passierten an meinen Leuten von der Pine Ridge Agentur vorbei und schüttelten jedem die Hand.
So gingen sie nach Haus, und der liebe Gott und ihre heiligen Schutzengel begleiteten sie sicher auf ihrer langen, beschwerlichen Heimreise.
Zum Schluss will ich hier
noch drei Resolutionen mitteilen, die der hochw. Herr Bischof bei der großen
Versammlung am ersten Kongresstag fassen ließ.
Die erste war: Von jetzt an hören die allgemeinen Kongresse auf und es werden nur noch Lokalkongresse gehalten, d.h. die einzelnen Reservationen sollen ihren eigenen Kongress abhalten.
Es wurde nur noch für das nächste Jahr eine kleine Ausnahme zu Gunsten der Lower Brules gemacht; sie dürfen nach Rosebud zum Kongress kommen.
Auf diese Weise wird das Aufreibende der Versammlungen vermieden. Die weitab wohnenden Indianer brauchen so auch ihren Hausstand nicht zu vernachlässigen.
Die erste war: Von jetzt an hören die allgemeinen Kongresse auf und es werden nur noch Lokalkongresse gehalten, d.h. die einzelnen Reservationen sollen ihren eigenen Kongress abhalten.
Es wurde nur noch für das nächste Jahr eine kleine Ausnahme zu Gunsten der Lower Brules gemacht; sie dürfen nach Rosebud zum Kongress kommen.
Auf diese Weise wird das Aufreibende der Versammlungen vermieden. Die weitab wohnenden Indianer brauchen so auch ihren Hausstand nicht zu vernachlässigen.
Die zweite Resolution war
gegen den Kulturkampf, wie er sich neuerdings im Indianerschulwesen zeigt,
gerichtet. Die Indianer wurden vom hochw. Herrn Bischof aufgefordert, für ihre
katholischen Schulen einzustehen und nach jener Freiheit zu streben, die jedem
Bürger der Vereinigten Staaten zukommt. Jeder Bürger darf mit seinem Geld
anfangen, was er will; das Indianergeld aber wird von den Kulturpaukern der
Vereinigten Staaten gegen das Gewissen und den Willen der katholischen Indianer
zur Unterhaltung konfessionsloser Schulen gebraucht.
Dagegen sollen sie sich erklären, und es wir auch geschehen. Ob es was nützen wird, ist freilich eine andere Sache. Nach meiner Absicht beabsichtigt man einen Schulzwang schlimmster Art.
Dagegen sollen sie sich erklären, und es wir auch geschehen. Ob es was nützen wird, ist freilich eine andere Sache. Nach meiner Absicht beabsichtigt man einen Schulzwang schlimmster Art.
Die dritte Resolution,
von der ich viel Gutes hoffe, betrifft unsere Sodalitäten.
Wenigstens bei uns in Pine Ridge war kein Unterscheidungszeichen zwischen wirklichen, praktischen Mitgliedern der Sodalität und den Kandidaten vorhanden.
Ein solches wurde nun beschlossen, und so sind wir in den Stand gesetzt, mehr auf die Regeln zu dringen und nur wirklich eifrige Mitglieder in die Sodalität aufzunehmen; auf der anderen Seite aber bleibt doch allen anderen das Tor offen: sie können unseren Versammlungen beiwohnen, sich das Beispiel der guten Christen ansehen, und gefällt es ihnen, sich als aktive Mitglieder anschließen.
Gebe der liebe Gott seinen Segen zu diesen Beschlüssen!
Wenigstens bei uns in Pine Ridge war kein Unterscheidungszeichen zwischen wirklichen, praktischen Mitgliedern der Sodalität und den Kandidaten vorhanden.
Ein solches wurde nun beschlossen, und so sind wir in den Stand gesetzt, mehr auf die Regeln zu dringen und nur wirklich eifrige Mitglieder in die Sodalität aufzunehmen; auf der anderen Seite aber bleibt doch allen anderen das Tor offen: sie können unseren Versammlungen beiwohnen, sich das Beispiel der guten Christen ansehen, und gefällt es ihnen, sich als aktive Mitglieder anschließen.
Gebe der liebe Gott seinen Segen zu diesen Beschlüssen!
(Aus: die katholischen
Missionen, 1896)
Mittwoch, 27. Juni 2012
Ein Katholikentag, wie er im Buche steht (Teil 1)
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| Eine Missionslegende: Bischof Martin Marty O.S.B. (1834-1896) |
Wir haben in früheren Jahren schon wiederholt auf diese allgemeinen Kongresse der katholischen Indianer South-Dakotas hingewiesen. Über den Verlauf des diesjährigen, der am 17., 18. Und 19. Juli in der Rosenkranz-Mission der deutschen Jesuiten stattfand, schreibt der Obere dieser Station, P. Aloys Bosch S.J., wie folgt:
„Der Kongress ist in mehr als einer Beziehung noch schöner abgelaufen als die früheren, weil mehr katholisches Leben und Wirken sich bekundete. Woher solches kam, kann ich selbst nicht genau sagen. Es ist wohl eine natürliche Entwicklung des Samens, der in den früheren Kongressen ausgesät wurde, und dann lernen die Indianer eben auch immer mehr ihre Sodalitäten handhaben.
Der glückliche Erfolg macht mich aber umso froher, weil die Aussichten auf einen solchen ziemlich trübe waren. Ein hungriger Magen hört gewöhnlich nicht auf das Wort Gottes. Von dieser Seite aber drohte unserem Kongress gerade die größte Gefahr.
Unser neuer Agent hatte nämlich den Indianern strenge Vorschriften gegeben, denen gemäß sie keine jungen Stiere und alten Kühe zur Bewirtung der Gäste hergeben durften, und so stand die Magenfrage wie eine schwarze Wetterwolke über dem kommenden Kongress.
Schließlich blieb kein anderes Mittel übrig, als in den Missionsbeutel zu greifen und von Nebraskafarmern das notwendigste Schlachtvieh zu kaufen.
Es waren 18 Stück; dazu gab dann der Agent, dem die hungernden Leute, wie es scheint, doch etwas bedenklich vorkamen, weitere 12 schöne Stiere, und so war das Fundament für das Höhere wenigstens einigermaßen gelegt. Freilich hieß es noch einmal in den Beutel greifen, um auch noch den nötigen Zucker, Kaffee, das Mehl und andere Kleinigkeiten anzuschaffen; aber da die Indianer immer so etwas haben, so war die Auslage keine so gewaltige.
Mein Bruder Bäcker hat es wohl am meisten fühlen müssen. Seine Liebe zu den Indianern aber, und der Wunsch, zum Erfolg des Kongresses das seinige beizutragen, ließ ihn den Teig nur fester kneten.
Ein anderer Sorgenpunkt war die Art und Weise, wie unsere Pine Ridge-Leute das große Laubhüttenzelt, in dem die Versammlungen stattfinden sollten, aufrichten könnten, und wie mein Präsident, ‚die weiße Antilope‘, und sein Stab die Bewirtung der Gäste nach Recht und Gerechtigkeit in die Hand nähmen. Aber da hatte ich wieder Gelegenheit, die Ruhe und Umsicht und das gemessene Wesen unserer Indianer kennen zu lernen.
Das Zelt wurde in drei Tagen aufgerichtet; freilich ging dabei auch ordentlich Zucker, Kaffee und Brot drauf ‚Die weiße Antilope‘ aber waltete ihres Amtes mit einer Ruhe und Umsicht, die einem deutschen Bürgermeister aus alter Zeit Ehre gemacht hätte. Es liefen zwar im Verlauf des Kongresses einige Klagen ein; ich hielt aber sein Ansehen aufrecht, und so ging alles gut.
Der dritte Sorgenpunkt war: Wie den hochwürdigsten Herrn Bischof empfangen? Es lief gar keine Nachricht von seiner Ankunft ein; mit der Post sah es überhaupt verzweifelt schlecht aus. So erhielt ich meine eigenen Briefe, die ich in St. Francis geschrieben und worin ich meine Ankunft in Pine Ridge anmeldete, erst nach acht Tage in Holy Rosary Mission.
Sollte der Brief vom hochwürdigsten Herrn Bischof auch so verloren gegangen sein? Wenn ja, dann taucht der Bischof plötzlich auf und der feierliche Empfang, ein Hauptereignis beim Kongress, ist unmöglich!
Doch auch dieser Sorge war ein Ende bereitet.
Da stehe ich gerade unten an der Pforte und dirigiere einige Indianer in ein Schulzimmer hinein, als eine wohlbekannte Stimme an mein Ohr schlug. Ich schaue auf, und da steht der hochwürdigste Herr Bischof Martin Marty O.S.B. in einem leichten grauen Staubrock vor mir was.
Was für eine Überraschung! Der hochwürdigste Herr hatte mir gar keinen Brief geschrieben, und der Grund war seine Schwäche. Er wusste nicht, ob er die Reise einen Tag oder zwei aussetzen müsste, und so wollte und konnte er auch nicht einen Tag für seine Ankunft bestimmen.
Wir trugen natürlich beste Sorge für unseren hohen Gast, was umso mehr nötig war, weil der hochw. Herr von der Reise sich sehr erschöpft fühlte. Alles das jedoch hielt ihn nicht ab, am nächsten Nachmittag mit mir die ganze Mission zu besichtigen und am nächstfolgenden Tag einen Besuch beim Agenten zu machen.
Unterdessen waren nun auch unsere katholischen Indianer von Nord und Ost gekommen, in langer, nimmer enden wollender Wagenprozession. Ein erhebender, aber auch Mitleid erregender Anblick. Ich wenigstens musste noch jedes Mal meine Bewegung unterdrücken, wenn ich die wandermüden Leute und Tiere sah, von denen viele über 400 Meilen dahergezogen kamen.
Und wenn sie dann auf ihrem Zug dem Schwarzrock begegnen, halten sie an, schütteln ihm treuherzig die Hand und freuen, sich, dass es ihnen nur so aus den dunklen Augen strahlt.
Der 16. Juli endlich brachte uns die lieben Benediktinerpatres P. Bernhard und P. Franz nebst dem P. Superior von St. Francis Mission, P. Digmann, mit der ehrwürdigen Mutter und einigen Schwestern (von Heythuizen) und nun konnte der Kongress eröffnet werden.
Fortsetzung hier
(Aus: die katholischen Missionen, 1896)
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Der Beschützer der Missionen am Tanganjika-See
Vor kurzem haben wir bereits über Kapitän Joubert berichtet, hier ein weiterer Eintrag:
Es ist bekanntlich in besonderer Weise das Verdienst des tapferen ehemaligen Zuaven, Kapitän Joubert, den mohammedanischen Sklavenhändlern, die vordem namentlich auch die volkreichen Striche am Tanganjikasee zum Schauplatz ihrer Raubzüge gemacht hatten, das Handwerk gelegt zu haben. Das Leben und das heldenhafte Kämpfen dieses biederen Veteranen gleicht einem Stück romantischer Kreuzfahrergeschichte aus alter Zeit.
Dank seinen Verdiensten und denen seiner würdigen Kampfgenossen, Kapitän Jacques und Descamps, herrscht heute fast rings um den Tanganjika Ruhe, Friede und Ordnung; die armen Schwarzen haben wieder Mut gefasst und widmen sich jetzt mit Eifer dem Landbau und dem primitiven landesüblichen Kleingewerbe.
Unter der Sonne des Friedens haben sich seither auch die Missionen sowohl auf der belgischen (westlichen) wie deutschen (östlichen) Seeseite immer günstiger entwickelt.
Kapitän Joubert hat nach Abschluss der Kämpfe Afrika zu seiner zweiten Heimat erwählt, sich in St. Louis am Mrumbi auf den westlichen Uferhöhen des schönen Tanganjika bleibend niedergelassen, und um ein festeres Band mit seinen lieben Schwarzen zu knüpfen, sich in christlicher Ehe mit einer Tochter ihres Stammes verbunden.
Hier lebt er einfach und nüchtern wie ein Spartiate, von allen Negern weit und breit als ein Vater geliebt und verehrt. Ein Wort aus seinem Mund entscheidet alle ihre Streitfragen, und der Einfluss seines ernsten, tiefchristlichen Wesens gestaltet sein Leben unter den Neubekehrten zu einer wahren Kulturmission. So fasst er es auch auf.
Die Liebe und Begeisterung der Neger zeigte sich in recht schönem Licht, als Gott ihm kürzlich zu seinem dreijährigen Töchterlein Louisa einen Sohn schenkte. Natürlich musste er Pio heißen, zu Ehren des großen Papstes, für welchen der ehemalige Zuave einst gefochten.
Von allen Seiten strömten die Neger herbei zu der feierlichen Taufe, die der Apostol. Vikar, der hochwürdigste Herr Roelens, selbst vornahm. Die Schwarzen jubelten, da sie nun, wie sie sagten, einen „kleinen Kapitän“ besäßen.
Wie wohl tut dieses Bild gegenüber jenen Rittern von der traurigen Gestalt, die ihre Kulturaufgabe unter den Schwarzen durch despotische Tyrannenlaunen zu erfüllen meinen!
Es ist bekanntlich in besonderer Weise das Verdienst des tapferen ehemaligen Zuaven, Kapitän Joubert, den mohammedanischen Sklavenhändlern, die vordem namentlich auch die volkreichen Striche am Tanganjikasee zum Schauplatz ihrer Raubzüge gemacht hatten, das Handwerk gelegt zu haben. Das Leben und das heldenhafte Kämpfen dieses biederen Veteranen gleicht einem Stück romantischer Kreuzfahrergeschichte aus alter Zeit.
Dank seinen Verdiensten und denen seiner würdigen Kampfgenossen, Kapitän Jacques und Descamps, herrscht heute fast rings um den Tanganjika Ruhe, Friede und Ordnung; die armen Schwarzen haben wieder Mut gefasst und widmen sich jetzt mit Eifer dem Landbau und dem primitiven landesüblichen Kleingewerbe.
Unter der Sonne des Friedens haben sich seither auch die Missionen sowohl auf der belgischen (westlichen) wie deutschen (östlichen) Seeseite immer günstiger entwickelt.
Kapitän Joubert hat nach Abschluss der Kämpfe Afrika zu seiner zweiten Heimat erwählt, sich in St. Louis am Mrumbi auf den westlichen Uferhöhen des schönen Tanganjika bleibend niedergelassen, und um ein festeres Band mit seinen lieben Schwarzen zu knüpfen, sich in christlicher Ehe mit einer Tochter ihres Stammes verbunden.
Hier lebt er einfach und nüchtern wie ein Spartiate, von allen Negern weit und breit als ein Vater geliebt und verehrt. Ein Wort aus seinem Mund entscheidet alle ihre Streitfragen, und der Einfluss seines ernsten, tiefchristlichen Wesens gestaltet sein Leben unter den Neubekehrten zu einer wahren Kulturmission. So fasst er es auch auf.
Die Liebe und Begeisterung der Neger zeigte sich in recht schönem Licht, als Gott ihm kürzlich zu seinem dreijährigen Töchterlein Louisa einen Sohn schenkte. Natürlich musste er Pio heißen, zu Ehren des großen Papstes, für welchen der ehemalige Zuave einst gefochten.
Von allen Seiten strömten die Neger herbei zu der feierlichen Taufe, die der Apostol. Vikar, der hochwürdigste Herr Roelens, selbst vornahm. Die Schwarzen jubelten, da sie nun, wie sie sagten, einen „kleinen Kapitän“ besäßen.
Wie wohl tut dieses Bild gegenüber jenen Rittern von der traurigen Gestalt, die ihre Kulturaufgabe unter den Schwarzen durch despotische Tyrannenlaunen zu erfüllen meinen!
(Aus: die katholischen
Missionen, 1896)
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