Das wichtigste Gebet ist das Gebet um die Beharrlichkeit bis zum Ende. Siehe hier

Mittwoch, 31. Dezember 2014

Missionsjubiläen 2015


Ich habe mich für diesen Post von einem Kalender inspirieren lassen, der jedes Jahr als Anhang einen Teil mit wichtigen historischen und kirchlichen Jubiläen bringt. Nachfolgend einige Jubiläen aus dem Bereich Missionen, die ich zum Teil selbst recherchiert und zum Teil dem Kalender (Ramón Llull) entnommen habe. Man möge mir verzeihen, dass nicht alle Jubiläen ganz rund sind.

Es jährt sich im Jahr MMXV (2015):



Zum 700. Mal der Tod des seligen Ramón Llull, Märtyrer und Mitglied des dritten Ordens des heiligen Franziskus. Er war ein Universalgelehrter, dessen Eifer für die Bekehrung der Moslems ihn häufiger in Nordafrika predigen ließ. 1315 starb er in seiner Heimat Mallorca durch die Folgen einer Steinigung, die er durch Moslems in Tunesien erlitt. Er wurde von Papst Pius IX. seliggesprochen.


Zum 165. Mal die Gründung des Mailänder Missionsseminars durch den Diener Gottes Angelo Ramazzotti, späteren Patriarch von Venedig und desiginierten Kardinal. Es wurde von Papst Pius XI. mit dem römischen Missionsseminar Seminar zusammengelegt und heißt heute Päpstliches Institut für die auswärtigen Missionen (PIME).

Am 15. November zum 140. Mal der Tod des ehrwürdigen Abbé Jean-Claude-Marie Colin S.M., Gründer der Gesellschaft Mariens (Maristen), eines hochverdienten Missionsordens, vor allem in der Südsee.

Am 8. September zum 140. Mal das Bestehen der Gesellschaft des Göttlichen Wortes (S.V.D.) , besser bekannt als Steyler Missionare.

Zum 125. Mal die Gründung der Pallottiner-Mission in Kamerun durch den Diener Gottes Heinrich Vieter S.A.C.

Zum 100. Mal der Tod von Msgr. Adélard Langevin O.M.I., Erzbischof von St. Boniface in Kanada.



Ein gnadenreiches Jahr 2015!



Dienstag, 30. Dezember 2014

Wie man den Katechismus lernen kann, ohne Lesen zu können

Karawane in der Mongolei

In Mao-Esöl-ku (Apostol. Vikariat Nordwest-Mongolei), so erzählt P. Binckx, ein junger Missionär der belgischen Scheutvelder, meldete sich zur Taufe unter anderen ein im Dienst eines christlichen Herrn stehender Schäfer. Der Mann konnte weder lesen noch schreiben und trotzdem den kleinen Abriss katholischer Glaubenslehren, den die Katechumenen wissen müssen, von Anfang bis zu Ende ohne Anstoß aufsagen. Ganz erstaunt fragte der Pater, wie er dies gemacht, und erhielt folgenden Aufschluss: „Vater“, so erklärte der Mann, sich den Schweiß von der Stirn trocknend, „als meine Herrschaft mir versicherte, im Besitz der wahren Religion zu sein, entschloss ich mich, auch meinerseits derselben zu folgen. Meine Mutter, die dem Opiumrauchen leidenschaftlich ergeben ist, war zwar und ist heute noch dagegen. Es tat mir leid, ihrem Willen entgegenzuhandeln, aber, so sagte ich mir, wenn ich in die Hölle komme, wird sie mich dann herausziehen?

Ich wollte also die neue Religion kennen lernen. Während ich gemeinsam mit dem Sohn meines Herrn die Schafe hütete und derselbe laut den Katechismus lernte, hörte ich aufmerksam zu. So gelang es mir, den Inhalt des Büchleins mir einzuprägen, und ich bin entschlossen, dessen Lehren zu befolgen und meine Seele zu retten. Und daher bitte ich dich, Priester, taufe mich.“
Das sind gewiss Katechumenen, an denen man seine Freude haben kann. 

(Aus: die katholischen Missionen, 1908)

Sonntag, 28. Dezember 2014

Auf so eine Schule wäre ich auch gerne gegangen



Mit aufrichtiger Freude bemerkt man, wie in den Vereinigten Staaten der Missionseifer sichtlich im Wachsen ist. Ein bemerkenswertes Beispiel, das wir zur Nachahmung in unseren zahlreichen Erziehungsanstalten recht sehr empfehlen möchten, bringt die Bostoner Zeitschrift The field afar, die es sehr gut versteht, in den amerikanischen Katholiken den apostolischen Geist zu wecken. Wie die Lehrerin an einer höheren Mädchenschule in Northampton (Massachusetts) mitteilt, ist dort seit einiger Zeit eine eigene „Missionsklasse“ eingeführt worden, die vorläufig wöchentlich einmal unter Leitung der besagten Lehrerin gehalten wird. Letztere trägt einen selbst oder unter Mitwirkung einiger Mädchen verfassten kleinen Aufsatz vor, der ein Missionsthema zum Vorwurf hat und an dessen Verlesung sich jedes Mal eine gemeinsame Besprechung anschließt. Die Themen des ersten Jahres waren unter anderem: 1. Der Glaubensverein, Gründung, Einrichtung, Entwicklung; 2. das Missionshaus von Mill Hill (England) und seine Wirksamkeit; 3. das Seminar für auswärtige Missionen von Paris [Pariser Missionsseminar]; 4. Skizze und Überblick der Missionen von China, Japan, Indien usw. Jeder Missionsskizze wurde eine kurze geographische, von einem der Mädchen verfasste Beschreibung des betreffenden Landes vorausgeschickt. 5. Lebensskizze des Missionärs und Märtyrers Theophan Vénard; 6. das Lebenswerk des P. Damian u. a. m. Dazwischen kamen öffentliche Vorträge im Schulsaal von Auswärtigen, so ein Vortrag eines Konvertiten über die Indianer der Vereinigten Staaten und die katholische Mission nach eigenen Eindrücken, ein anderer des Direktors des Glaubensvereins in Boston über katholische Missionsweise u. dgl. An diesen Vorträgen nahmen auch andere Personen teil. Die Vorträge wurden durch Bilder und Fotografien unterstützt und interessant gemacht. Vorläufig zählt die Klasse 48 eingeschriebene Teilnehmer. Zweck des ersten Jahres war, wie die Leiterin schreibt, den Mädchen einen allgemeinen Begriff über das katholische Missionswerk im Großen und Ganzen zu vermitteln. Später sollen die Missionen im Einzelnen vorgeführt werden, um so Geist und Herz der Kinder mehr und mehr für die große Weltmission der Kirche zu begeistern. Könnte nicht bei einigem Geschick und gutem Willen Ähnliches leicht in so manchen unserer Pensionate und Erziehungsanstalten eingeführt werden? Wie oft geht die im Kindheits-Verein ins junge Herz gepflanzte Begeisterung für die Missionen verloren, weil im Übergangsalter keine Anregung mehr geboten wird, und wie nützlich und anregend ließen sich solche „Missionsstunden“ selbst für die näheren Zwecke der Schule gestalten!

(Aus: die katholischen Missionen, 1908)

Samstag, 27. Dezember 2014

Wie die Birmanen über den Buddhismus denken

Msgr. Usse M.E.P., Apostolischer Vikar von Nord-Birmanien:

„Der heutige Birmane sieht mit seinem geraden, offenen Geist sehr gut den Unsinn des buddhistischen Aberglaubens ein. Manche von ihnen bekennen offen, dass sie seit langen Jahren keine Pagode mehr von innen gesehen haben. Das macht sie bereit und willig, ihr Ohr den fremden Priestern zu leihen, die von weitem hergekommen sind, allein um sie den Weg zum wahren Glück zu weisen. Wir zählten letztes Jahr (1896) 435 Taufen Erwachsener, und doch ist bloß eine kleine Handvoll Missionäre hier; freilich eine auserwählte Schar trefflicher Männer, wahre Mustermissionäre. Die Stimmung der Birmanen ist also recht günstig. Ihr offenes, gefälliges, höfliches und überaus gastfreundliches Wesen macht es ihnen verhältnismäßig leicht, die Schranken niederzureißen, die uns als Fremde und Ausländer von ihnen trennen. Wir haben hier gegenwärtig über 600 Katechumenen; aber es fehlt die nötige Zahl Missionäre, um sie zu unterrichten. Unsere Birmanen dürsten nach der Wahrheit und Gerechtigkeit. Wir müssen daher notwendig daran denken, uns zur Heranbildung eines einheimischen Klerus Hilfstruppen zu schaffen. Das ist ja auch der erste Zweck unserer Genossenschaft [Pariser Missionsseminar] und entspricht den ausdrücklichen Weisungen des Heiligen Vaters.“

(Aus: die katholischen Missionen, 1897)

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Weihnachten in Windhoek

Ist zwar nicht Namibia, aber auch ein Levitenamt auf der Südhalbkugel (Christchurch, Neuseeland) (Quelle)

Gesegnete Weihnachten!

Wenn auch verspätet, wird der folgende Bericht des hochw. P. Joseph Schulte O.M.I. über die Weihnachtsfeier in Windhoek unsere Leser immer noch erfreuen. Es ist ein kleines Lichtbild in die traurigen Kriegsberichte hinein, die wenig Erquickliches bieten.

„Das heilige Weihnachtsfest wurde in hiesiger katholischer Gemeinde in diesem Jahr sehr feierlich begangen. Schon am heiligen Abend kündete der eherne Mund der Glocken, die erst vor einigen Monaten geweiht und dem Gottesdienst übergeben wurden, den hohen Festtag der christlichen Welt an. Wiederum ertönte das Glockengeläute um Mitternacht, die Gläubigen zur Christmette einzuladen. Eine große Anzahl derselben erschien und wohnte dem feierlichen Levitenamt bei, welches der hochw. Herr P. Präfekt A. Nachtwey O.M.I. zelebrierte. An das Tagesgeheimnis anknüpfend forderte der Festprediger, P. Hermandung O.M.I., zum Schluss seine Zuhörer auf, im Hinblick auf das erhabene Beispiel des Erlösers die Widerwärtigkeiten des Lebens, welche durch die herrschenden Kriegswirren noch erhöht würden, in Geduld und Demut zu ertragen.

Für die katholische Mannschaft der zurzeit in Windhoek weilenden Truppen war um 9.30 Uhr ein Levitenamt angeordnet worden. Aber neben den Soldaten erschienen auch wiederum recht zahlreiche Mitglieder der katholischen Zivilgemeinde, so dass die neue Kirche bis auf den letzten Platz gefüllt war. Erhöht wurde in diesem Jahr die Feierlichkeit des Gottesdienstes durch das Geläut der drei neuen Glocken als auch durch den äußeren Glanz und die Schönheit der eben fertiggestellten Kirche. Wie ergreifend war es, als um Mitternacht zum ersten Mal die trauten Weihnachtsweisen: ‚Stille Nacht‘, ‚Zu Betlehem geboren‘ usw. durch die heiligen Räume drangen, in welchen alles zur Andacht einlädt und das gläubige Gemüt erhebt. Wie herrlich schimmerten in hellem Kerzenglanz die Wandmalereien! Wie geheimnisvoll warfen die kleinen Lämpchen ihre Strahlen auf den neugeborenen Heiland in der Krippe, welche den Gläubigen, besonders den Neugetauften und Katechumenen das Geheimnis des hohen Festes so plastisch vor Augen führte! 
Kurz, in nichts stand die kirchliche Feierlichkeit der heiligen Weihnacht hier im schwarzen Erdteil derjenigen im lieben deutschen Vaterland nach. Den Schluss der hehren, kirchlichen Feier bildete am Nachmittag des hohen Festes eine reichbesuchte sakramentale Segensandacht.

Die Weihnachtsbescherung der schwarzen Kinder fand schon am heiligen Abend statt. Einen eigentlichen deutschen Weihnachtsbaum, einen Tannenbaum, konnten wir nicht aufstellen, weil es hier zu Lande eben keine gibt. Da aber der Deutsche keine Weihnachten ohne Christbaum kennt, so bedienten wir uns eines grünen Dornbusches, der uns so recht daran erinnerte, dass die die Weihnachtsfreude durch die dornenvollen Kriegstage getrübt werde. Unter diesem einfachen, aber schön gezierten afrikanischen Christbaum fand jedes Kind seine Bescherung; neben Früchten und Süßigkeiten erhielt der eine das lang ersehnte Gebetbuch, der andere einen Baukasten, wieder ein anderer nötige Kleidungsstücke usw. Wie freudig strahlten die weißen Augen in den schwarzen Gesichtern! Wie neugierig fragte einer den anderen, was ihm das Christkindchen gebracht habe. Lebhaft wurde man an die Weihnachtsfreuden seiner eigenen Kindheit erinnert, in welcher liebende Elternherzen die Freude über die Weihnachtsgaben noch vergrößerten, während die Eltern unserer Kinder noch wenig von Weihnachten verstehen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1905)

Montag, 22. Dezember 2014

Mission im chinesischen „Hungergefängnis“



Der chinesische Strafkodex kennt die Verurteilung zum Hungertod nicht. Dennoch bestehen, wie P. Bondon S.J. mitteilt, im „Reich der Mitte“ Gefängnisse, in denen der Hungertod eine grausame Ernte hält.
Glaubt ein Mandarin sich zu sehr von Arbeit überbürdet, oder droht eine Straf- oder Prozessangelegenheit ihn in ernste Verwicklung zu bringen, so kennt er kein besseres Mittel als das Hungergefängnis, um sich rasch aus allen Verlegenheiten zu ziehen.

P. Bondon, der in der Unterpräfektur Tang-chan einen Missionsposten versieht, hatte Kenntnis von einem Hungergefängnis erhalten und sehnte sich danach, den Trost des Evangeliums in diese Stätte furchtbarster Qual zu tragen. Da die Mandarine ihm äußerst gewogen waren, bat er einen derselben, ihm doch freien Zutritt zu den Hungernden zu erwirken. „Pater!“ rief der Mandarin entsetzt aus, „das ist unmöglich. Das verträgt sich nicht mit der Würde des großen Mannes.“ Der Missionär, dem seine Würde in diesem Augenblick höchst gleichgültig war, bestand auf der Bitte, und so trat er denn am folgenden Morgen in Begleitung des Mandarins den ersten Gang zum Gefängnis an. 

Wie groß war sein Staunen, als er einen peinlich sauberen Kerkerraum fand und die Gefangenen rein gewaschen, gut gekleidet mit frisch rasierten Schädeln und schön gedrehten Zöpfen vor sich erblickte.
Schmunzelnd sah der Mandarin den Pater an, und in seinen Zügen lag die Frage: Weißt du jetzt, großer Mann, mit welcher Liebe und Sorgfalt die Lenker und Leiter des ‚Himmlischen Reiches‘ (d.h. China) die zu Tode verurteilen behandeln?

Aber der Missionär gab sich mit diesem Besuch nicht zufrieden. Und nun ward sein Staunen zum Entsetzen. Als Kerkerraum diente ein finsterer, niedriger Saal, der keine andere Öffnung hatte als eine stark vergitterte Türe, durch die nur spärlich Licht und Luft eindrangen, besaß.
Hier lagen die Gefangenen, alle an eine einzige Kette befestigt, die meisten halb nackt, die einen zum Skelett abgemagert, die anderen entsetzlich aufgedunsen.

In diesem Raum voll Gestank und Fäulnis herrschte unheimliches Schweigen, das nur vom Röcheln der Sterbenden unterbrochen wurde. Zu seinem noch größeren Entsetzen erfuhr P. Bondon, dass wöchentlich 20-30 Mann in dieses Loch hineingestoßen werden. 3-5 Tage dauert die Qual; lässt der Tod zu lange auf sich warten, so macht Erdrosselung dem Leben der Unglücklichen ein Ende. Nur wenige verlassen wieder diesen Ort, aber auch dann nur, um ins Staatsgefängnis zu wandern und dort geköpft zu werden.

An diesem grausigen Ort, wo Verbrecher und Unschuldige bunt durcheinandergewürfelt lagen, fand der Missionär den rechten Boden für die trostreichen Lehren der christlichen Religion. Seit Jahren bereits macht P. Bondon, so oft die Zeit es gestattet, den Gefangenen Besuche. Er tut es zur frühen Morgenstunde, um kein unnötiges Aufsehen zu erregen (…).
Die Wächter kennen den Missionär. Sobald sie ihn erblicken, fallen sie ihm nach Chinesenart zu Füßen und beeilen sich dann, ein Tischchen zurecht zu stellen und Wasser herbeizubringen.
Der Pater tritt an die vergitterte Türe, und sofort wird es lebendig in dem düsteren Raum.
Wie Gespenster wanken die Gestalten näher und horchen gespannt auf die Worte des Missionärs von einem gekreuzigten Gott und einem himmlischen Reich.
Oft findet der Pater, dass einzelne das Wesentliche der katholischen Religion durch Umgang mit Katholiken kennen, und so wird die Vorbereitung auf die Taufe nicht schwer.
Während seiner Abwesenheit gestatten einige Wächter, dass die Unglücklichen sich gegenseitig die tröstlichen Wahrheiten wiederholen, ja der Hauptwächter ging sogar so weit, in eigener Person den Katechisten zu machen.
Bis jetzt hat noch kein einziger Gefangener sich geweigert, die heilige Taufe zu empfangen. Laut flehen sie darum.
Der Pater lässt sie einzeln ans Gitter treten, und hat er sich überzeugt, dass sie die Hauptwahrheiten der Religion kennen, so erweckt er mit ihnen einen Akt der Reue und gießt dann das Wasser über ihre Stirn.
Schon mehr als einen sah der Missionär unmittelbar nach Empfang der Taufe tot zu Boden sinken; der Gang zum Gitter hatte die letzte Kraft erschöpft. Bei einem Räuberhauptmann wollte P. Bondon die Taufe auf den folgenden Tag verschieben. Aber der Gefangene bat laut und flehentlich, sie ihm doch gleich zu erteilen. Schließlich willigte der Missionär ein, und nach einer Stunde war der Getaufte eine Leiche.

Leibliche Erquickungen kann der Pater den Armen nicht bringen, aber er hat die Freude, den reinsten Trost spenden zu können. Mehreren Hunderten wurde er bereits der Retter in der größten Not.
Schreckt die Natur auch vor dem Gang in diesen furchtbaren Ort menschlichen Elends zurück, das Vertrauen der Unglücklichen auf die Barmherzigkeit Gottes würde dem Missionär noch größere Opfer leicht und erträglich machen.


(Aus: die katholischen Missionen, 1912)

Sonntag, 14. Dezember 2014

Große Missionsbischöfe: Der Apostel der Papuas – Der Diener Gottes Msgr. Enrico Stanislao Verjus M.S.C., Koadjutor des Apostolischen Vikars von Neu-Guinea (Teil 2)

Fortsetzung von hier

1887 wurde P. Louis Navarre zum Apostolischen Vikar von Mikronesien und Melanesien ernannt, und zwei Jahre später wurde die inzwischen deutsch gewordene Insel Neu-Britannien als eigenes Apostolisches Vikariat von „Neu-Pommern“ errichtet und P. Verjus anfangs zum ersten Apostolischen Vikar ausersehen. Das bedeutete für P. Verjus nichts Geringeres, als seine geliebte Mission von Neu-Guinea im Augenblick zu verlassen, da sie hoffnungsvoll zu blühen begann. 
Der leidende Zustand Msgr. Navarres ließ es jedoch ratsamer erscheinen, ihm den noch jugendkräftigen Mitbruder als Koadjutor an die Seite zu stellen, und so verblieb P. Verjus in Neu-Guinea zum Jubel seiner Mitbrüder und Neophyten. 

Seine Bischofsweihe fand am 29. September 1889 mitten im Urwald statt. Nur 14 Tage lang hatten die Missionsschwestern Zeit gehabt, aus ihren kleinen Schätzen, alten Epauletten, Tuchresten u. dgl., einen ganzen Bischofsornat fertig zu zaubern. Auch ein hölzerner goldbronzierter Bischofsstab fehlte nicht. Msgr. Verjus zählte damals erst 29 Jahre, 4 Monate und 3 Tage. Die erhebende Feier war für ihn der Anfang eines apostolischen Opferlebens, wie es ein Missionsbischof selbstloser kaum führen kann. „O guter und einzig geliebter Jesus“, so weihte der jugendliche Bischof sich schriftlich dem göttlichen Herzen, „ich biete mich heute durch die reinsten Hände deiner Mutter deiner Gerechtigkeit und Barmherzigkeit als Opfer dar, indem ich dich bitte und beschwöre, dasselbe zu reinigen, zu heiligen und gänzlich zu vernichten, als Zahlung für die Schulden dieser armen Insulaner und um ihnen die Gnade der Bekehrung zu erwirken. Ich erkläre, o mein Gott, dass du mich beim Wort nehmen und mich all die Härte deiner Gerechtigkeit empfinden lassen kannst. Ja, ich stimme zu, mein Gott! Ich wünsche es! Ich will es! Ich verlange es aufs Innigste… Diese Seelen müssen gerettet, müssen durch dein Blut gewaschen, gereinigt, erlöst werden. Und wenn, o teurer Jesus, um ihnen diese Gnade zuzuwenden, Blut, Qualen, eine Leidenswoche, eine Geißelung, eine Kreuzigung, ein lebendiger Kreuzweg notwendig sind, o so beschwöre ich dich, mein Jesus, nimm mich an. Sieh mich mit allem, was ich bin und habe, mein Blut, meinen Leib, mein Herz, meine Seele, mein ganzes Wesen und Sein“…

Das blieben keine bloßen Worte. Um die geringe Zahl der Missionäre zu ersetzen, suchte sich der junge Missionsbischof selbst gleichsam zu verdreifachen. Ohne Ruhe und Schonung durchzog er das wilde, noch ganz unzivilisierte Land von Stamm zu Stamm, von Dorf zu Dorf, voll verzehrendem Eifer, diese armen Kannibalenvölker dem göttlichen Herzen zu gewinnen, dessen Andacht die Glut und Begeisterung dieser apostolischen Seele entflammte. In acht Jahren waren denn auch auf Neu-Guinea bereits acht Niederlassungen mit ebenso vielen Kirchen und stark besuchten Schulen und zwei Klösterchen für die Schwestern gegründet, sämtlich eigenhändig aus dem an Ort und Stelle vorgefundenen Material erbaut. 300 Dörfer verlangten Missionäre und Unterricht. Alle Bewohner der Jule-Insel, 700 Seelen, waren bekehrt und getauft und gingen ohne Ausnahme alle 14 Tage zu den heiligen Sakramenten und regelmäßig zum Gottesdienst. 

Bereits waren Katechismus und die anderen notwendigsten Bücher in der Landessprache gedruckt, eine Katechistenschule gegründet usw., und dies alles in kaum acht Jahren. Es war merkwürdig, welchen Einfluss der Bischof auf die wilden Insulaner gewonnen. Das Geheimnis desselben verriet der selbst, ohne zu wollen, in einem Brief an seine jungen Ordensbrüder. „Es muss etwas Göttliches in und an euch sein, das die Wilden anzieht, und dies werdet ihr durch die fleißige Betrachtung und Nachahmung unseres Herrn Jesus Christus und  insbesondere seines göttlichen Herzens euch aneignen.“ Nur ein Beispiel aus vielen. Die Gewalttätigkeiten und Übergriffe der englischen Kolonisten und „Forscher“ hatten die Wilden erbittert, und wie gereizte Hornissen bedrängten sie mordgierig die Kolonien. In seiner Not bittet der englische Statthalter den Bischof persönlich um dessen Hilfe. Msgr. Verjus erscheint ohne jede bewaffnete Bedeckung, wie ein Friedensengel unter den wilden kampfgerüsteten Horden. Diese, die schon früher einmal die Streitaxt ihm zum Zeichen der gegenseitigen Versöhnung zweier kämpfender Stämme ausgeliefert und ihn in feierlicher Versammlung zum „Oberhäuptling“ ernannte hatten, gehorchen auch jetzt wieder seiner Aufforderung zum Frieden. Zur Erinnerung an die Begebenheit gründet der Bischof ein neues Dorf unter dem Namen Jesu Baïbo, d. h. Frieden Jesu. 

Die raschen Fortschritte der Mission machten einen Zuzug neuer Arbeiter und Mittel unerlässlich, und so reiste Msgr. Verjus im Lauf des Jahres 1892 nach Europa. Bald kniete er zu den Füßen des Statthalters Christi und überreichte ihm eine aus 300 Häuptlingsfedern gefertigte Tiara als Zeichen der Huldigung seiner Neubekehrten. Darauf wollte er die verschiedenen Häuser seiner Genossenschaft besuchen, um neue Kräfte für seine geliebte Mission zu werben. 

In Oleggio, seinem Geburtsort, den er im Vorbeireisen berührte, sah er seine hochbetagte Mutter wieder, und hier war es, wo Gott das schwerste Opfer von ihm forderte. Ein schlimmes Fieber warf ihn unerwartet aufs Krankenbett. Anfangs hoffte er noch Besserung. „O wie werde ich einst im Fegfeuer leiden müssen für die Zeit, die ich hier im Bett vergeude!“ seufzte er in seinem Verlangen, recht bald wieder in seine geliebte Mission zurückkehren zu können. Selbst in seinen Fieberträumen sprach er von seinen armen Insulanern. Doch sollte sein sehnsüchtigster Wunsch sich nicht erfüllen. Bald war alle Hoffnung verschwunden. Ergreifend war der Schmerz der alten Mutter. Aber Gott in seinen unerforschlichen Ratschlüssen verlangt das schwere Opfer. Am Morgen des 13. November, seinem Namenstag, gab der jugendliche Bischof seine reine, edle Seele dem Schöpfer zurück. Eine schmerzliche Klage ging durch alle Häuser der Genossenschaft, die in dem frommen, seeleneifrigen  jungen Bischof eine ihrer schönsten Zierden verloren hatte.

(Aus: die katholischen Missionen, 1893)